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Benutzername: Steppenwolf
Wohnort: Landkreis Oldenburg
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Danksagungen: 16 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 34 Bewertungen
Bewertung vom 19.03.2012
Der Machdi / Die Chronik der Unsterblichen Bd.13
Hohlbein, Wolfgang

Der Machdi / Die Chronik der Unsterblichen Bd.13


ausgezeichnet

Zurück zu den Wurzeln

Das Buch beginnt, als starte Hohlbein eine Art Neuanfang und das ist blendend gelungen. Endlich kehrt die Chronik zu alten Stärken zurück. Andrej war in den letzten Teilen der Reihe immer recht wehleidig, was mit der Zeit doch etwas nervig wurde. Hier ist zum Glück davon keine Spur mehr. Auch wirkt dieser Band nicht so überfüllt, mit sich immer wiederholenden Floskeln wie schon so oft davor.
Wirklich sehr schön finde ich, dass der alte Sprachwitz wieder da ist. Die zurückliegenden Episoden waren doch sehr düster und da kam das Zusammenspiel der beiden Protagonisten manchmal einfach zu kurz. Da merkte ich beim Lesen, dass mir das richtig gefehlt hat. Andrej und Abu Dun gehören zu den interessantesten Figurenkonstellationen, die ich bisher kennen gelernt habe und nach der Lektüre dieses Buches wurde mir wieder einmal klar warum. Andrej, bemüht seine Stärken möglichst geheim zu halten und teilweise etwas ernst, steht Abu Dun gegenüber, ein nubischer Riese, der auf jedermann ungeheuer einschüchternd wirkt und dennoch immer wieder wie ein zu groß geratenes Kind agiert. Daraus ergeben sich einfach herrliche Dialoge.
Im Verlauf der Chronik sind Hohlbein etliche Logikfehler unterlaufen. Auch dieser Band ist davon nicht ausgenommen, aber ich empfand es nicht als Stolperstein, da hier kaum Bezug auf vorige Ereignisse genommen wird, was diesen Teil sogar für Quereinsteiger interessant machen könnte.
Sehr positiv empfand ich, dass nun auch Abu Dun Schwäche zeigt. Das Kat könnte also tatsächlich tödlich für den Unsterblichen sein und nicht nur das, es ist zu befürchten, dass Abu Dun durch die Pflanze in einer Form verändert wird, die ihn zu einer Art Dämon machen könnte. Man fiebert mit ihnen und Spannung baut sich auf, während die Protagonisten dem Machdi immer näher zu kommen scheinen.
Hohlbeins Schreibstil ist indes unverkennbar und er schafft es einfach immer wieder stimmungsvolle Bilder zu erzeugen. Auch ist der Text nicht mehr mit den ständig selben Phrasen angefüllt. In anderen Teilen der Reihe konnte so was schon mal zu einem regelrechten Ärgernis werden, wenn man gewisse Gedankengänge immer und immer wieder vorgesetzt bekommt.
Viele Fragen werden auch diesmal aufgeworfen und Verstrickungen gesponnen. Leider bleiben jedoch abermals viele dieser Fragen ungeklärt. Aber damit muss man als Leser der Chronik leben können, denn dies ist eine der wenigen Konstanten, welche sich durch die gesamte Reihe zieht.
Auch wenn ich die Suche nach dem Machdi als sehr spannend empfunden habe, so ist doch der Mittelteil des Buches fast etwas zu lang geraten. Bestimmt hätte man das auch kürzer darstellen können, aber weil ich einfach gern gelesen habe, empfand ich es nicht als störend. Abu Duns Kat-Problem wird aber leider etwas zu intensiv ausgebreitet. Da hat man schon das Gefühl auf der Stelle zu treten und in der Handlung nicht sonderlich voranzukommen. Auch ärgerlich war die Tatsache, dass die Verwirrungen immer mehr zunahmen und man nach Aufklärung förmlich lechzte, aber wie so oft im Laufe der Chronik wird man hier enttäuscht.
Das Ende ist wieder einmal sehr offen gehalten, in diesem Fall vielleicht sogar so offen, wie selten zuvor. Damit fühlt man sich wie im Regen stehengelassen. Wird es im nächsten Teil nahtlos weitergehen oder lässt Hohlbein, wie auch früher schon, einige Jahre verstreichen?
Dies Gefühl, mit leeren Händen dazustehen, ist auch schon mein größter Kritikpunkt.

Fazit: Endlich ist die Chronik wieder zu ihren alten Stärken zurückgekehrt und neue Aspekte der Unsterblichkeit kommen ins Spiel. Abu Dun zeigt Schwäche und Andrej hat seine ständige Wehleidigkeit abgelegt. Ein neuer Weg ist eingeschlagen, jedoch mit ungewisser Richtung. Die Reihe zu kennen ist von Vorteil, aber da hier wenig Bezug auf vergangene Ereignisse genommen wird, können sogar Quereinsteiger mit diesem Buch angesprochen werden.
Das Lesen hat mir einfach Spaß gemacht. Für mich ein starker Teil der "Chronik".
4,5 Sterne

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.03.2012
Die Eule von Askir / Das Geheimnis von Askir Bd.6
Schwartz, Richard

Die Eule von Askir / Das Geheimnis von Askir Bd.6


ausgezeichnet

Eine Perle im Bücherregal

Zum Inhalt: Im Hafenviertel der Stadt Askir wird eine Leiche gefunden. Es handelt sich um den Botschaftsdiener Jenks. Die Ermittlungen werden aufgenommen. Was hat das Opfer in dieser Gegend gewollt und warum wurde er so übel zugerichtet?
Hilfe kommt in Form der jungen Magierin Desina. Sie ist die erste Zauberbegabte seit langem im Reich und durch ihre Fähigkeiten stoßen sie und die Ermittler auf Feinde, die schwarze Magie beherrschen und damit ganz Askir bedrohen.

Nach den ersten vier Teilen um "Das Geheimnis von Askir", erschien mit "Die Eule von Askir" ein Einzelroman, der erstmals nicht aus der Ich-Perspektive des Kriegers Havalds erzählt wird. Während er und seine Gefährten auf dem Weg nach Askir sind, befindet sich der Leser in diesem Roman mitten in der Reichsstadt. Bekannte Namen tauchen auf und man bekommt einige interessante Hintergrundinformationen.
Zunächst erhält man hier eine sehr gut gestrickte Detektivhandlung, die bis zum Schluss spannend bleibt. Darüber hinaus erfährt man einiges über die Magie und ihre Funktionsweise, denn Desina ist seit langer Zeit die erste Zauberbegabte, die den Turm der Eulen betreten kann. Eulen werden in Askir die Magier genannt und nur diejenigen, die diese Gabe besitzen können den Turm der Eulen überhaupt betreten. Zusammen mit ihr lernt der Leser nicht nur mehr über die Magie kennen, sondern auch über die Geschichte der Stadt.
Besonders gut gelungen sind die Charaktere, wie auch schon in der ersten vier Romanen. Schwartz schafft es abermals vielschichtige Figuren zu entwickeln, die auf der einen Seite zwar typische Klischees bedienen, aber dennoch aus der Masse der Stereotypen herausstechen. Schnell bauen sich Sympathien auf und man fiebert mit den Protagonisten mit. Zudem verleiht eine gut dosierte Prise Humor diesem Werk seine ganz besondere Würze.
Sicherlich ist es übertrieben dieses Buch als Meisterstreich oder dergleichen zu bezeichnen, aber es ist ein gutes Beispiel für eine tolle Fantasy-Geschichte, die auch mit bekannten und durchaus geschätzten Zutaten überzeugen kann.
Ein großer Pluspunkt ist der Schreibstil. Von der ersten Seite an war Schwartz unverkennbar auszumachen. Einfach, schnörkellos, mitreißend und nie langweilig. Die Bilder vor Augen entstehen wie von selbst, wenn man mit Desina durch die Reichsstadt spaziert.
Sinnvoll ist es den Roman nach den ersten vier Bänden der "Askir-Reihe" zu lesen. Er kann aber auch durchaus losgelöst davon gelesen werden, macht dann aber vielleicht weniger Spaß. Es gab beim Lesen doch einige interessante Momente, bei denen die vorherige Lektüre der ersten vier Teile vonnöten war.

Fazit: Richard Schwartz ist mit diesem Werk ein wirklich toller Fantasy-Roman gelungen, der eine sehr schöne Ergänzung zur "Reihe Das Geheimnis von Askir" bietet. Er ist bestimmt nicht innovativ und bedient sich eher bekannter Zutaten, dies jedoch in einer sehr harmonierenden Komposition. Die Charaktere, der flüssige Schreibstil und die erzeugten Bilder tun ihr Übriges, um diesen Roman zu Recht als eine außergewöhnliche Perle im Bücherregal zu bezeichnen. Für Fans der Reihe absolut empfehlenswert, aber auch für diejenigen, die es noch werden wollen.

Bewertung vom 09.10.2011
Bannkrieger / Bannstreiter Bd.1
Frenz, Bernd

Bannkrieger / Bannstreiter Bd.1


weniger gut

Eine tolle Idee leidet an Detailarmut und mattem Hauptcharakter

Die ersten Kapitel beginnen viel versprechend. Es ist zunächst nicht klar wen man zu den Bösen, und wen zu den Guten zählen kann. Es gibt in Bezug hierauf einige interessante Wendungen. Damit ist ein wirklich guter Grundstein gelegt und die Spannung scheint garantiert.
Was sich aber leider wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht, sind die fehlenden Details und Ausschmückungen. Man erfährt einfach zu wenig, sowohl über die Welt als auch über ihre Bewohner. Die Charaktere bleiben zum größten Teil oberflächlich und auch im Verhältnis zu anderen Büchern übermäßig unsympathisch. Besonders der Hauptcharakter erscheint matt, farblos und zudem, für mein Empfinden, unpassend impulsiv und wankelmütig. Zunächst heißt es Rorn sei ein guter Schmied, der sich auch ausgezeichnet aufs Jagen versteht. Zwei Berufe in denen Geduld sicherlich eine große Rolle spielt. Im nächsten Moment aber ist Rorn das genaue Gegenteil.
Magie spielt in der beschriebenen Welt eine wichtige Rolle, wird aber genau wie vieles andere nicht näher erläutert. So hat man eigentlich nicht den leisesten Schimmer, was es nun mit diesem Bann und dem damit erzeugten Bannkrieger tatsächlich auf sich hat. Seine Fähigkeiten müssten immens sein, aber eine richtige Überlegenheit war nicht auszumachen. Nun gut, das muss nicht schlecht sein, aber warum dann diese ganze Bann-Geschichte? Vielleicht weiß Rorn auch einfach nicht damit umzugehen. Nur fragen kann er auch niemanden, was bringt also ein noch so mächtiger Bann, wenn man ihn dann nicht auch nutzen kann? Man hat also beim Lesen immer wieder das Gefühl als fehlen einem wesentliche Informationen. Die Ereignisse plätschern zur Buchmitte irgendwann einfach nur dahin und alles was dem Leser geboten wird, sind etliche Action-Szenen, deren Ablauf man teilweise nur schwer folgen kann. Die Schilderung der Kampfhandlunge ist stellenweise etwas unglücklich geraten.
Auf den letzten 70 Seiten gewinnt die Geschichte dann aber doch noch etwas an Fahrt, allerdings hat zuvor bereits zu viel gefehlt, sodass das Finale dies leider nicht wettmachen kann. Der große Mittelteil enttäuscht durch Detailarmut und den fehlenden Blick fürs Wesentliche. Viele Fragen werden aufgeworfen und nicht beantwortet und so hat man immer wieder das Gefühl als fehle etwas.
Der Schreibstil ist in Ordnung, das Buch lässt sich recht flüssig lesen, wenn auch an manchen Stellen etwas holprig.
Eine unbestreitbar gute Idee steckt hinter den Ereignissen, doch wird ihr Potential bei weitem nicht ausgeschöpft. Möglicherweise kann jedoch mit einer Fortsetzung der Reihe Abhilfe geleistet werden. Zwar wirkt der Roman abgeschlossen, aber laut Verlagsinformationen wird "Bannkrieger" voraussichtlich im August 2012 mit "Bannstreiter" fortgeführt. Bislang ist nichts über weitere Fortsetzung bekannt, aber auch die ordentlich gestalteten Karten im Buch deuten auf mehr hin, hier waren sie praktisch überflüssig.

Fazit: "Bannkrieger" hat ein wirklich immenses Potential an guten Ideen, nur leidet die Handlung an Detailarmut, teilweise recht oberflächlichen Charakteren und einem farblosen Protagonisten. Das Interesse wird zwischenzeitlich zwar immer wieder geweckt, aber letztlich hält sich die Spannung arg in Grenzen. Größtes Manko sind eindeutig die fehlenden Ausschmückungen. Schade, denn das Buch ist wirklich nicht schlecht, aber hier wäre deutlich mehr möglich gewesen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.08.2011
Der ultimative Ratgeber für alles
Nuhr, Dieter

Der ultimative Ratgeber für alles


weniger gut

Etwas lustig, etwas langweilig, etwas unnötig

Es heißt dieses Buch sei etwas völlig Neues, es mache schlau. Denn es sollen elementare Fragen beantwortet werden. Versprochen wird ein Ratgeber für alle Gelegenheiten in dem Dieter Nuhr einen Haufen an Ratschlägen zu verschiedenen Themen gibt.
Brüllend komische Weisheiten werden dem Leser versprochen und das mag für eingefleischte Nuhr-Fans auch zutreffen, aber ich konnte mit dem Großteil des Buches dann letztlich doch nicht viel anfangen.
Es fängt recht interessant an und gipfelt im 4. Kapitel nach einem etwas holprigen Einstieg in einen ersten humoristischen Höhepunkt. Leider war dieser auch der letzte. Der Mittelteil des Buches ist mir dann etwas zu langatmig geraten und auch größtenteils nur langweilig. Im letzten Viertel gab es noch ein paar lustige Momente, aber das hat dann nicht wirklich viel wettmachen können.
Das, was das Buch im Klappentext verspricht, wird zudem einfach nicht erfüllt. Sicherlich wird man hier nicht die Antworten auf sämtliche Fragen finden, aber wenn hier behauptet wird, dieses Buch mache schlau, dann hätte ich mehr erwartet. Zumindest hinter den angepriesenen Ratschlägen hätte mehr stecken können. Die sind mir etwas zu flach geraten, da kann ich beim besten Willen nicht mehr von geistreichem Humor reden.
Was das Lesen zudem erschwert, sind die konfus angeordneten Fußnoten und die fehlende Struktur. Das mag gewollt sein, aber macht es damit nicht gerade zu einem Lesevergnügen. Die Idee mit den Fußnoten ist eigentlich ganz nett, aber sie wirken letztlich doch ein wenig überladen.
Eigentlich mag ich Dieter Nuhrs Humor, die Bühnenprogramme haben mir immer sehr gefallen, aber dieses Buch kann meine gewonnenen Eindrücke nicht bestätigen. Es ist leider eine ziemliche Enttäuschung.

Fazit: Für Nuhr-Fans könnte dieser Ratgeber sicher etwas sein. Wer aber schon mit anderen Nuhr-Büchern nichts anfangen konnte, dem wird es hier wohl nicht besser gehen. Es gibt einige Lichtblicke, aber die Enttäuschung überwiegt deutlich. Ich hätte mir mehr „echte“ Ratschläge geschickt ironisch verpackt gewünscht, denn genau das hatte ich beim Lesen des Klappentextes erwartet.

7 von 10 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 09.08.2011
Königsklingen / Klingen-Romane Bd.3
Abercrombie, Joe

Königsklingen / Klingen-Romane Bd.3


ausgezeichnet

Würdiger Schluss mit leicht fadem Beigeschmack

Bisher erschienen:

Die Trilogie „The First Law“:
01 Kriegsklingen
02 Feuerklingen
03 Königsklingen
und der bisher eigenständige Roman „Racheklingen“.
Für August 2011 ist der neue Roman von Joe Abercrombie mit dem Titel „Heldenklingen“ angekündigt.

Logan Neunfinger muss abermals eine Entscheidung treffen, deren Fortwirken für die kommenden Ereignisse er unmöglich abschätzen kann und schließt sich letztlich seinen ehemaligen Gefährten, den Nordmännern an, um in die Schlacht zu ziehen.
Sand dan Glokta weiß derweil nicht mehr wem er noch trauen kann, denn zu viele Intrigen sind gesponnen und er muss sich vorsehen, wem er noch den Rücken zuwenden kann. Kann er abermals das Blatt zu seinen Gunsten wenden?
Die Gurkhisen nähern sich zur selben Zeit unaufhaltsam aus dem Süden, der König liegt im Sterben und Jezal dan Luthar kehrt von seiner Reise ans Ende der Welt zurück, doch statt der wohlverdienten Ruhe warten andere Aufgaben auf ihn, Aufgaben die er sich wahrlich nie im Leben hätte träumen lassen. Ganz unbeteiligt daran scheint auch Bayaz nicht zu sein, der nach wie vor im Hintergrund operiert und die Fäden zieht.
Die Spannung wird auch hier wieder konstant hoch gehalten. Es fällt wirklich noch schwerer, das Buch aus der Hand zu legen, da nun alles auf ein großes Finale zuläuft. Die wechselnden Perspektiven tragen ihr übriges dazu bei.
Die begonnene Umkehrung der Sympathien für die einzelnen Charaktere wird weitergeführt bzw. bestätigt. Jezal hat dabei wahrscheinlich die größte Wandlung durchlebt und hat gänzlich ungewollt eine große Lasst zu tragen. Mir hat er teilweise wirklich Leid getan. Bayaz hingegen ist richtig unsympathisch geworden: Selbstgefällig, arrogant und besserwisserisch. Kurioserweise alles Eigenschaften, die zuvor noch Jezal auszeichneten, der seine Einstellung komplett geändert hat.
Erwartungsgemäß trifft Logan wieder mit den Nordmännern zusammen und das Ausmaß seines Rufes wird erstmals in vollem Umfang deutlich. Er hat sich eine Menge Feinde geschaffen, da sein dunkler Bruder, der blutige Neuner, nichts von Regeln hält und weder Freund noch Feind kennt. Eine Tatsache die auch die kommenden Ereignisse stark beeinflusst.
Abercrombie scheut nicht davor zurück, den Tod zuschlagen zu lassen. Seine Sprache ist abermals schlicht und schnörkellos direkt. Das macht die gesamte Trilogie sehr gut lesbar und ist zudem auch absolut stimmig.
Der einzige Wehmutstropfen, der bleibt, ist das Ende. Abercrombie hat hier einen Spagat zwischen den Charakteren hingelegt, die sowohl eine Art Happy End bekommen, wenn man es denn so ausdrücken möchte, ein tragisches Ende und ein offenes. So ist die Trilogie zwar abgeschlossen, lässt aber durchaus Raum für eine Fortsetzung. Ob das jedoch vom Autor geplant ist, wage ich zu bezweifeln, da hierzu das Ende einfach zu passend ist. Im ersten Moment sehr unbefriedigend, aber rückblickend auch einfach richtig.

Fazit: Wem bereits die beiden Vorgänger gefallen haben, der wird auch diesen Band verschlingen. Der fade Beigeschmack am Ende mag manchem missfallen, passt aber doch gut ins Konzept. „Königsklingen“ ist der würdige Abschluss einer einzigartigen Fantasy-Trilogie, die ihresgleichen sucht.

Bewertung vom 05.06.2011
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Folge 1
Sick, Bastian

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Folge 1


sehr gut

Deutsch kann auch Spaß machen

Dieses Buch beinhaltet die gesammelten Artikel der Spiegel-Online Kolumne "Zwiebelfisch". Bastian Sick hat es sich im Mai 2003 zur Aufgabe gemacht gegen falsches Deutsch und schlechten Stil ins Gefecht zu ziehen. Dabei allerdings nicht, laut eigener Aussage, als desillusionierter Sprachzyniker sondern als ironischer Geschichtenerzähler. So bringt Sick dem Leser Artikel für Artikel die größten Missverständnisse der deutschen Sprache unterhaltsam näher und sagt wie's richtig geht.
"Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" ist definitiv, wie es der Untertitel verspricht, "Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache". Vom missachteten Genitiv, über verwirrende "Apostroph's" und einen Haufen "Binde-Striche" bis hin zum "Ultra-Perfekt" versteht es Sick auf sehr unterhaltsame Weise die Sprachverwirrungen der Deutschen zu beleuchten.
Jeder Artikel verweist auf ein anderes Problem und dabei wird es nie langweilig. Man wägt sich in dem Glauben zu wissen wie unsere Sprache funktioniert, doch man entdeckt hier vieles, das man vielleicht in der Schule mal gelernt aber einfach vergessen hat. Womöglich hört man vieles auch zum ersten Mal. Auf jeden Fall hatte ich beim Lesen häufiger einen "Aha-Effekt" und habe nach der Lektüre einiges dazu gelernt. Vor allem musste ich mit Entsetzen feststellen, wie viel ich doch manchmal falsch mache.
Das Zwiebelfisch-Abc im hinteren Teil des Buches ermöglicht es einem dann noch gezielt nachzuschlagen. Für Zwischendurch ein wirklich sehr empfehlenswertes Buch. Man kann es natürlich auch einfach am Stück lesen. Jedoch ist von letzterem abzuraten, da Sick schon eine sehr spezielle Art hat seine Sichtweise vorzutragen. Er möchte zwar kein Sprachzyniker sein, wirkt aber dennoch so, als drohe er immer mit dem erhobenen Zeigefinger. Dadurch kommt er etwas arrogant rüber und manch einer mag sich durchaus beleidigt fühlen, aber wenn man die Lektüre zwischendurch in den vorgesehenen Abschnitten liest, dann macht das Buch wirklich Spaß und man lernt auch noch etwas dazu.
Für mein Empfinden hätte Sicks Buch aber noch besser sein können, denn letztlich hat jeder Artikel den gleichen Unterton und das kann schon nerven, wenn man zu sehr darauf achtet. Der Autor hätte vielleicht einen anderen Standpunkt einnehmen müssen. Einfach mehr den ironischen Geschichtenerzähler, den er eigentlich auch vorhatte darzustellen.

Fazit: Deutsch kann auch unterhaltsam sein. Ein gutes Beispiel hierfür liefert Bastian Sick mit seinen "Zwiebelfisch-Kolumnen". Unterhaltsam, verständlich und nie langweilig hat man hier einen Wegweiser zur Hand mit dem man sich mutig in die Wirrungen unserer Sprache stürzen kann. Mit Sick macht Deutsch wieder Spaß, wenn man ihn nicht allzu ernst nimmt.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.02.2011
Feuerklingen / Klingen-Romane Bd.2
Abercrombie, Joe

Feuerklingen / Klingen-Romane Bd.2


ausgezeichnet

Die Reise beginnt

Bisher erschienen:

Die Trilogie „The First Law“:
01 Kriegsklingen
02 Feuerklingen
03 Königsklingen
und der bisher eigenständige Roman „Racheklingen“.

Der Krieg rückt näher und die Union muss an zwei Fronten gleichzeitig kämpfen. Im Norden nähern sich unaufhaltsam die Truppen der Nordmänner unter der Führung Bethods und Oberst West muss nicht nur seine Truppe zum Kampf rüsten sondern auch noch auf den übermütigen Prinzen Ladisla aufpassen.
Im Süden ist der frisch ernannte Superior Glokta damit beschäftigt eine Intrige gegen seinen Vorgänger aufzudecken und die Stadt Dagoska zur Verteidigung gegen die Gurkhisen zu rüsten.
Der Magus Bayaz ist unterdessen mit einer ungleichen Truppe, wozu auch der Barbar Logen und der Hauptmann der Königstreuen Jezal zählen, unterwegs ein magisches Artefakt zu finden. Ihre Reise soll sie ans Ende der Welt führen.

Die Stärken des ersten Buches werden konsequent fortgeführt. Die Charaktere beleben und tragen die Geschichte. Aus verschiedenen Perspektiven kann der Leser in die Ereignisse eintauchen und durch die Wechsel der Sichtweisen wird zudem Spannung erzeugt, da die Kapitel nahezu immer offen enden und man einfach wissen will wie es mit den jeweiligen Charakteren weitergeht.
Da „Feuerklingen“ bereits der zweite Roman der Reihe ist, sind die Figuren schon ausgebauter und vertrauter. Es kommt immer wieder zu sehr unterhaltsamen Situationen, wobei der Humor auch nicht zu kurz kommt. Das ist für mich auch ein großer Pluspunkt, da es einfach viele Momente gibt, in denen man sich das Lachen nicht verkneifen kann. Dabei ist die Geschichte keinesfalls eine Komödie, der Humor entsteht sozusagen ganz natürlich.
Daneben geht es auch hier wieder ordentlich zur Sache. Die Kampf- und Folterszenen sind nicht unbedingt etwas für schwache Gemüter, aber es ist umso beeindruckender wie man gerade jemanden, der es auf unnachahmliche Weise versteht, Menschen zum Reden zu bringen, sympathisch finden kann. Auch verhält es sich so, dass sich die Sympathien beinahe komplett umgekehrt haben, je besser man die Figuren kennen gelernt hat.
Die Handlung steht, aufgrund der großartigen Charaktere, wieder etwas im Hintergrund, ist aber dadurch dennoch nicht vorhersehbar oder gar langweilig geraten. Man blickt zwar zunächst nicht durch die Zusammenhänge, aber es fügt sich doch recht interessant zusammen und den vollkommenen Durchblick dürfte man dann wohl erst im abschließenden dritten Teil der Reihe gewinnen.

Fazit: Alles, was bereits „Kriegsklingen“ so herausragend macht, ist auch hier wieder brillant in Szene gesetzt und sogar noch ein Quäntchen besser. „Feuerklingen“ macht einfach Spaß. Eine perfekte Fortsetzung eines außergewöhnlichen Fantasy-Epos.