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Island
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Nürnberg

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Insgesamt 515 Bewertungen
Bewertung vom 22.07.2024
Don't kiss Tommy. Eine Liebe in der Stunde Null
Graw, Theresia

Don't kiss Tommy. Eine Liebe in der Stunde Null


ausgezeichnet

Theresia Graws neuester historischer Roman spielt in Bad Oeynhausen nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Der ehemals mondäne Kurort wurde zum Hauptquartier der britischen Rheinarmee, was zur Folge hatte, dass es Bewohner und Geschäftsleute den Ortskern räumen mussten. Auch Anne und der Teil ihrer Familie, der den Krieg überlebt hat, müssen ihr Kurhotel an die britischen Besatzer übergeben und in eine Baracke außerhalb des Zentrums ziehen. Ihre Jugendfreundin Rosalie fängt dagegen schon bald an, für die Briten zu arbeiten, indem sie im Offiziersclub bedient, der sich ausgerechnet im ehemaligen Hotel von Annes Familie befindet.

Nachdem ich schon mehrere historische Romane gelesen habe, in denen es um das Leben in der sowjetischen oder in der amerikanischen Besatzungszone nach dem Zweiten Weltkrieg ging, bot dieser Roman noch einmal eine andere Perspektive. Die Autorin schilderte sehr eindrucksvoll, wie es für die Bewohner:innen Bad Oeynhausens war, plötzlich ihre eigene Stadt nicht mehr betreten zu dürfen. Und zu all dem kamen natürlich auch die Entbehrungen der Nachkriegszeit, unter denen alle Menschen zu leiden hatten. Auch das zwiespältige Verhältnis zwischen Deutschen und Briten wird gut deutlich. Zugleich werden die Briten auch sehr vielschichtig dargestellt und nicht darauf reduziert, die Deutschen zu schikanieren. Anne und Rosalie als Protagonistinnen waren mir sehr sympathisch, wie sie trotz alles Leids nie aufgaben. Der Schreibstil der Autorin war gut lesbar und die historischen Begebenheiten wirkten sorgfältig recherchiert.

Bewertung vom 15.07.2024
Die Unvollkommenheit des Glücks
Bagus, Clara Maria

Die Unvollkommenheit des Glücks


ausgezeichnet

Auf den ersten Blick hatte ich bei diesem Buch die Befürchtung, dass das Thema Selbstfindung und Selbstliebe zu sehr im Mittelpunkt stehen könnte und weniger eine konkrete Handlung. Irgendwie haben die Covergestaltung und der Titel bei mir diese Erwartung geweckt, aber ich wurde positiv überrascht.

Im Mittelpunkt eines der beiden Handlungsstränge steht der Ingenieur Lew, der sich zunächst freiwillig für den Kriegsdienst als Pilot meldet, aber dann schnell erkennt, wie viel Unrecht und unnötiges Leid auch er so mit verursacht. Die andere Protagonistin ist Ana, deren Wurzeln väterlicherseits auch in Lews Heimat liegen, die aber in einem friedlichen Land weiter im Westen Europas lebt. Sie hadert mit ihrer Trennung und damit, nun wohl endgültig kinderlos zu bleiben.

Inwiefern beide Handlungsstränge miteinander in Verbindung stehen könnten, lässt sich zunächst nur erahnen, bevor sich nach und nach alles ineinander fügt. Dabei wird teilweise auch sehr ungeschönt über die Grausamkeit des Kriegs und all das, was Menschen den Einwohnern ihres Nachbarlandes, die plötzlich ihre Feinde sind, berichtet. Gleichzeitig geht es aber auch darum, wie man trotzdem Mensch bleiben und noch irgendwie die Hoffnung behalten kann. Was Ana angeht, erkennt sie mehr und mehr, was ihr wirklich wichtig ist, für ihr Leben und, dass sich ursprüngliche Ziele auch mal ändern dürfen und man den Mut aufbringen sollte, das Alte hinter sich zu lassen.

Die Autorin beschreibt all das in einem sehr anschaulichen (was das Kriegsgeschehen angeht, zudem auch ungeschönt realistisch) und sprachgewaltigen Stil mit unzähligen sprachlichen Bildern und vielen weisen Worten, die das, was sie aussagen möchte, sehr gut auf den Punkt bringen. Dennoch ist der Roman gut und flüssig lesbar und bietet einige neue Perspektiven auf das Leben. Er ist sicher keine leichte Kost, lässt am Ende aber auch ganz viel Hoffnung zu.

Bewertung vom 14.07.2024
Angriff der Killerunterhosen - Fake News und Verschwörungstheorien erkennen - Medienkompetenz im Comic-Format
Gravel, Elise

Angriff der Killerunterhosen - Fake News und Verschwörungstheorien erkennen - Medienkompetenz im Comic-Format


ausgezeichnet

Dieser Sachbuch-Comic der kanadischen Autorin und Illustratorin Elise Gravel beschäftigt sich mit dem aktuell immer präsenter werdenden Themen Fake News und Verschwörungstheorien. Daher halte ich es für sehr wichtig, bereits Grundschüler:innen auf kindgerechte Weise dafür zu sensibilisieren, dass sie, insbesondere in der digitalen Welt, immer öfter auf Fake News treffen werden und sie mit dem Handwerkszeug vertraut zu machen, wie sie diese entlarven können.

Und genau das versucht dieses Buch, zunächst werden die Kinder damit vertraut gemacht, was Fake News sind und mit welcher Motivation sie verbreitet werden. Dazu werden die Hintergrundinformationen auf's Wesentliche beschränkt, um die Texte knapp aber aussagekräftig zu halten. Dafür bietet der Comic-Stil natürlich die perfekten Rahmenbedingungen. Die Theorie wird aber auch immer wieder durch passende und natürlich altersangemessen sehr einfache Beispiele veranschaulicht. So werden die Zusammenhänge meiner Meinung nach sehr gut klar, ohne das Thema irgendwie zu verharmlosen oder zu verniedlichen. Anschließend wird beschrieben, warum Fake News so gefährlich sind und warum so viele Menschen darauf hereinfallen, bevor es schließlich Tipps gibt, wie man echte von falschen Informationen unterscheiden kann und wie man sich im Umgang mit (potentiellen) Fake News verhalten sollte. Der Comic-Stil, in dem das komplette Buch verfasst wurde, trägt nicht nur dazu bei, dass alles komprimiert auf den Punkt gebracht wurde, sondern sorgt sicher auch für eine höhere Lesemotivation und mal Veranschaulichung, mal auch humorvollere Elemente zur Auflockerung.

Somit eignet sich das Buch etwa ab der 3. Klasse, vielleicht sogar für die gemeinsame Lektüre im Unterricht oder als Grundlage für ein Referat zu dem Thema. Ich persönlich würde mir auch wünschen, dass aus dieser Grundlage ein Animationsfilm erschaffen würde, den man im Unterricht zu diesem Thema einsetzen könnte, da das Thema so eindrucksvoller und nachvollziehbarer vermittelt wird, als durch einen trockenen Sachtext, Zeit und finanzielle Mittel aber meist zu knapp sind, um das Buch im Unterricht zu lesen.

Bewertung vom 13.07.2024
Agatha Christie / Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe Bd.21
Lieder, Susanne

Agatha Christie / Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe Bd.21


ausgezeichnet

Dieser biographische Roman aus der Reihe über interessante Frauen der Zeitgeschichte beschäftigt sich mit Agatha Christie, die als Krimiautorin Weltruhm erreichte. Zunächst blieb der Erfolg aber aus und auch in der Liebe hatte sie nicht das große Glück, das sie sich gewünscht hätte.

Ich fand es sehr interessant, mehr über die Schriftstellerin Agatha Christie zu erfahren, die für die damalige Zeit ein schon recht emanzipiertes Leben führte, zugleich aber auch eine gute Ehrfrau und Mutter sein wollte. Man erfährt auch, wie sie überhaupt auf die Ideen für ihre berühmten Ermittler-Figuren gekommen ist und welche Ereignisse in ihrem Leben und auch Reisen sie beim Schreiben beeinflussten. Der Schreibstil der Autorin war gut lesbar und es ist ihr auf jeden Fall gelungen, mir Agatha Christie etwas näher zu bringen und auch Sympathien für sie als Frau und als Schriftstellerin zu entwickeln.

Bewertung vom 13.07.2024
Hast du Zeit?
Winkelmann, Andreas

Hast du Zeit?


ausgezeichnet

Im neuesten Thriller von Andreas Winkelmann kommt es zu verschiedenen Entführungs- und sogar Mordfällen, bei denen zunächst kein offensichtlicher Zusammenhang erkennbar ist. Der ehemalige Polizist im Bundestag Lars Erik Grotheer wird auf die Fälle aufmerksam, weil er zunächst seiner Tochter Michelle einen Gefallen tun will, weil deren Kollegin sich verfolgt fühlt. Er kann diese jedoch nicht beschützen, wodurch ihn alles nicht los lässt. Und dann verschwindet auch noch Michelle spurlos verschwunden und die Polizei ermittelt seiner Meinung nach nicht energisch genug, sodass er sich selbst zusammen mit der Partnerin eines weiteren Entführungsopfers auf die Suche macht.

Durch den Erzählstil mit Perspektivwechseln, bei denen zwischendurch auch immer wieder der Täter zu Wort kommt, wird sehr viel Spannung aufgebaut. Zudem kommt es auch zu überraschenden Wendungen, sodass lange nicht klar wird, welches Motiv hinter den Taten steckt und wie alles zusammenhängt. Das Cover und der Titel passen so sehr gut zu diesem Thriller. Der Schreibstil war gut lesbar und trotz aller Spannung und der Grausamkeit des Täters nicht zu blutig.

Bewertung vom 13.07.2024
Unlock My Heart. Golden-Heights-Reihe, Band 1
Louis, Saskia

Unlock My Heart. Golden-Heights-Reihe, Band 1


sehr gut

Es handelt sich hier um den ersten Teil einer Young Adulds Reihe, bei der Lexie im Mittelpunkt steht. Sie ist Anfang 20 und musste mit ihrem etwas älteren Bruder schon im Teenageralter untertauchen, da ihr Vater viele Menschen um ihr Geld gebracht hat, bevor er ins Gefängnis kam. Doch auch sie muss kriminelle Dinge tun, um sich ihr Studium und ihre Wohnung finanzieren zu können und so verkauft sie an der Golden Heights University gefälschte Ausweise und geklaute Prüfungsantworten an verwöhnte Sprösslinge reicher Eltern. Dadurch wird
Milliardenerbe Logan Maxx auf sie aufmerksam, der einen ganz speziellen Auftrag für sie hat und noch dazu sehr attraktiv ist. Aber, auch er spielt nicht mit offenen Karten.

Die Geschichte ist wie so viele Young Aduld Romane im Collegeumfeld aufgebaut, nur, dass es hier ein "Bad Girl" gibt. Lexie ist trotzdem recht sympathisch und man nimmt ihr ab, dass sie nicht freiwillig illegale Dinge tut, sondern die Umstände sie dazu zwingen. Logan wirkt mir teilweise etwas zu pathetisch, wenn er sich selbst für die (eigentlich sehr guten) Umstände, in denen er aufgewachsen ist, bemitleidet und damit hadert. Auch sprachlich kommt mir dabei etwas zu häufig das Wort "Shit" vor, was mich persönlich mehr nervt, anstatt für Authentizität zu sorgen. Insgesamt aber eine recht kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch, ohne allzu überraschende Wendungen.

Bewertung vom 13.07.2024
Das Versprechen der Rosenholzvilla / Die Rosenholzvilla Bd.2
Bach, Tabea

Das Versprechen der Rosenholzvilla / Die Rosenholzvilla Bd.2


ausgezeichnet

Es handelt sich hier um den zweiten Teil der Saga um eine Musiker- und eine Instrumentenbauerfamilie. Elisa, ehemals Kinderstar am Cello und Danilo, dessen Familie eine Instrumentenmanufaktur neben der Villa von Elisas Großvater, einem berühmten Dirigenten betreibt, sind nun ein Paar, worauf Danilos Bruder Fabio mit Eifersucht reagiert. Elisas Großvater hatte vor kurzem einen Schlaganfall, von dem er sich nur zögerlich erholt. Ihm ist es aber wichtig, ein Familiengeheimnis zu lüften, das dann für viele Turbulenzen sorgt.

Auch beim zweiten Teil dieser Reihe ist die Covergestaltung wieder sehr gelungen und in einem ähnlichen Stil wie beim ersten Band, was für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt. Die Art der Abbildung versetzt einen direkt in Urlaubsstimmung und macht Lust auf den Schauplatz der Geschichte. Elisa war mir als Protagonistin wieder sehr sympathisch. Bei Danilo ging es mir aber leider nicht so, sein Verhalten sorgte bei mir immer wieder für Unverständnis. Neben der Liebe und den Familiengeheimnissen spielen die Musik und der Instrumentenbau definitiv eine große Rolle, sodass der Roman den Erwartungen in dieser Hinsicht auch gerecht wird. So wird kurzweilige Unterhaltung geboten, die verschiedenste Interessengebiete abdeckt. Der Schreibstil der Autorin war dabei gewohnt gut lesbar und auch so anschaulich, dass man sich gut in die beschriebenen Situationen hineinversetzen konnte. Ich bin schon gespannt auf den Sonderband zu Weihnachten und den Abschluss der Trilogie.

Bewertung vom 01.07.2024
Die Verlierer
Hammesfahr, Petra

Die Verlierer


sehr gut

Rita Voss bekommt es mit dem Fall einer von einem Campingplatz verschwundenen Frau zu tun, deren Partner sie erst Tage später vermisst meldet, weil er zunächst annimmt, sie hätte sich zum wiederholten Male eine Auszeit mit einem anderen Mann genommen. Fast zeitgleich kehrt eine weitere Frau nicht von ihrer Arbeit zurück und es gibt noch mehr, ähnlich gelagerte Vermisstenfälle, was Rita Voss aber erst viel später erfährt. Und so begibt sie sich zunächst auf die vergebliche Suche nach Spuren und auch der jugendliche Sohn der Frau ist nicht auffindbar.

Die Geschichte bot immer wieder Wendungen auf, mit denen man zu Beginn nicht gerechnet hatte und die Auflösung bot dann auch so einige Überraschungen. Zwischendurch, insbesondere am Anfang, hätte alles aber auch etwas kompakter erzählt werden dürfen. Die Perspektivwechsel, zwischendurch wird auch immer wieder aus der Sicht einer unbekannten Person erzählt, sorgte aber für zusätzliche Spannung. Der Schreibstil war flüssig lesbar.

Bewertung vom 01.07.2024
Partikel
Harlander, Wolf

Partikel


ausgezeichnet

Der neueste Thriller von Wolf Harlander beschäftigt sich mit einer sehr aktuellen Thematik, der Gefahr durch winzige Plastikpartikel, die über die Nahrungskette in unseren Körper gelangen. Von diesen gibt es immer mehr in den Meeren. Das Cover ist passend zum Titel gestaltet und durch die Hochglanz-Haptik sticht es ins Auge.

Die Handlung beginnt mit einer Hochzeitsfeier, die mit Toten und Erkrankten ein schlimmes Ende nimmt, einem Frachtschiff, das eine dubiose Fracht Richtung Afrika transportieren soll, einer jungen Journalistin auf der Suche nach einer Geschichte, die ihre Karriere voranbringt und der zweijährigen Nichte der Journalistin, der es gesundheitlich immer schlechter geht.

Die einzelnen Abschnitte sind recht kurz, was die Spannung steigert und erst nach und nach ergeben sich immer mehr Verbindungen zwischen den einzelnen Personen und Schauplätzen. Zwischendurch wurden auch immer wieder Nachrichtenmeldung und ähnliches eingefügt, was für Abwechslung sorgt und teils auch zusätzliche Informationen liefert. Ich fand die Thematik dieses Thrillers sehr spannend und habe auch noch einiges dazugelernt, was die Problematik rund um die Kunststoffpartikel angeht. Auch mit den Beteiligten habe ich mitgefiebert, wie alles für sie ausgeht. Der Schreibstil des Autors war gut lesbar, anschaulich und trotz aller Hintergrundinformationen nicht zu wissenschaftlich, sodass sich die 600 Seiten gut bewältigen lassen.

Bewertung vom 21.06.2024
Man sieht sich
Karnick, Julia

Man sieht sich


ausgezeichnet

Der Roman handelt auf drei Zeitebenen, zwischen denen immer wieder gewechselt wird. Alles beginnt im Sommer 1988. Robert kommt neu an Fries Schule und ist direkt fasziniert von ihr, sie scheint aber eher auf andere Typen zu stehen und so orientiert auch er sich irgendwann anderweitig. Als er sie 2002 wiedertrifft, ist er als Musiker viel unterwegs und sie Mutter einer kleinen Tochter, sie kommen sich zwar näher, aber es geht nicht lange gut und sie verlieren sich wieder aus den Augen. 2022 steht dann ein Klassentreffen an, wo sie sich, beide mittlerweile 50, wiedersehen.

Mir hat diese, nicht zu kitschige, Liebesgeschichte gut gefallen. Ich bin zwar noch nicht ganz in Fries Alter, aber kann mich gut in die Situation hineinversetzen, wie es ist, wenn man Menschen, die einem in der Schulzeit viel bedeutet haben, und die man dann aus den Augen verloren hat, nach so langer Zeit wiedersieht. Auch viele Anektoden aus ihrer oder Roberts Jugendzeit ohne Handy und Internet kommen mir bekannt vor. Die Geschichte wird ohne viel Kitsch erzählt und wirkt dadurch sehr realistisch. Der Schreibstil der Autorin war gut lesbar, nur mit den Zeitsprüngen und den Zusammenhängen, die sich oft erst später geklärt haben, musste ich erstmal klar kommen.