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Benutzername: nicimaus
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Bewertungen

Insgesamt 6 Bewertungen
Bewertung vom 04.12.2009
Herr Blunagalli hat kein Humor
Colagrossi, Angelo

Herr Blunagalli hat kein Humor


gut

Der Autor, der über seine Erfahrungen mit den Deutschen und Deutschland schreibt, ist ein Italiener, wie man ihn zu kennen glaubt. Wild gestikulierend sieht man ihn förmlich vor sich und verzeiht ihm die sprachlichen Fehler, die ihn umso liebenswerter machen. Auch wenn manche Witze und skurrilen Situationen ein wenig unglaubhaft wirken, sind sie trotzdem amüsant. Ein drolliger Blickfang ist der immer länger werdende Zug am unteren Rand, der die Seiten optisch nochmal auflockert.

Leider ist das Buch sehr kurz geraten, wenn man die (für mich völlig überflüssigen) Texte aus anderen Filmen und Hörbüchern des Autors wegnimmt. Ich hätte gerne mehr über seine Erlebnisse beim Fernsehen, mit Schauspielern und in skurrilen Alltagssituationen gelesen. Besonders interessiert hätten mich Hintergrundberichte über die Dreharbeiten in Indien, die aber nur viel zu kurz erwähnt wurden.

Eine schöne Idee sind die persönlichen Rezepte am Schluß des Buches, die so richtig Lust zum Nachkochen machen.

Insgesamt ist es ein lustiges Buch zum leichten Zeitvertreib. Locker und lebendig geschrieben und genau richtig, um Abzuschalten und zu Entspannen.

Bewertung vom 05.02.2009
Mehr als du denkst
Prinz, Alois

Mehr als du denkst


weniger gut

In diesem, vor allem für Jugendliche geeigneten Buch, werden die Kurzbiografien von bedeutenden Menschen vorgestellt, die an einem Wendepunkt ihres Lebens eine "zweite Geburt" erfahren und sich danach grundlegend verändert haben. Diesem Anspruch wird es gerecht, wobei die Betonung auf KURZ liegt. Für ältere Leser, die sich für die ausgewählten Protagonisten interessieren und mehr über sie erfahren wollen, ist es zu knapp bemessen und bleibt zu sehr an der Oberfläche. Man fühlt sich nach der Lektüre nur bedingt besser informiert und es bleibt ein unbefriedigendes Gefühl im Sinne von "war das schon alles ?"

Für meinen Geschmack sind die reinen Fakten des Lebensweges der Persönlichkeiten etwas lieblos aufgezählt. Mir fehlt dabei die nähere Beschreibung ihrer Gefühle und auch die Stimmung in der jeweiligen Zeit kommt leider nicht so gut rüber. Trotzdem finden sich einige gute, poetische und philosophische Gedanken, die aber nur so in den Raum gestellt wirken, ohne wirklich zu berühren.

Ganz anders dagegen wirkt der Schreibstil im Vor- und Nachwort. In schön formulierten Sätzen wird anhand von anschaulichen, bildhaften Vergleichen verdeutlicht, was das Buch beinhaltet bzw. was die Essenz daraus ist. Dies tröstet etwas über die doch sehr spartanischen Lebensläufe hinweg, kann mich aber insgesamt nicht überzeugen.

Bewertung vom 05.02.2009
Wohin der Fluss uns trägt
Martin, Charles

Wohin der Fluss uns trägt


sehr gut

Ein unglaublich trauriges und bedrückendes Thema, denn vor der Gefahr eine unheilbare Krankheit zu bekommen ist niemand gefeit und deshalb geht es auch so unter die Haut! Taschentücher sind erforderlich!

Die Krebserkrankung seiner Frau, die ihnen nur noch wenig Zeit läßt, zwingt einen Mann dazu, sie aus dem Sterbehospiz zu "entführen", um mit ihr gemeinsam ihre letzten Wünsche zu erfüllen und zu erleben. Dazu gehört eine Flussfahrt, auf der sie einige schöne Begegnungen mit anderen Menschen haben, die ihnen weiterhelfen. Aber sie erleben auch rücksichtslose Gewalt, werden überfallen und ausgeraubt, so daß es mitunter aussichtslos erscheint, ihr Ziel zu erreichen. Unterwegs gibt es zum Glück auch Situationen zum Schmunzeln und der Umgang der beiden miteinander ist so liebevoll, manchmal auch witzig-ironisch, so daß es trotz des tragischen Hintergrunds nie zu melancholisch oder rührselig wird. Ja man könnte den Umgang des Mannes mit der Krankheit seiner Frau sogar teilweise als unsentimental bezeichnen, denn sonst wäre es für ihn nicht zu ertragen. Diese Hilflosigkeit und Wut darüber, ihr nicht helfen zu können, ist sehr gut nachvollziehbar vom Autor beschrieben.

Abwechslungsreich ist, daß die Handlung immer zwischen Rückblicken zu der Zeit, als sie sich kennen und lieben gelernt haben und der aktuellen Flussfahrt hin- und herspringt. Auch die stimmungsvollen Beschreibungen von Landschaften und Tieren, mit einer bildreichen und ausdrucksstarken Sprache, mildern das schwierige Thema etwas ab. Bei soviel Leid und dem zermürbenden Kampf gegen den Krebs als Leser dabeizusein, ist nichts für unbeschwerte Gemüter, aber auf jeden Fall lesenswert!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.02.2009
Sehnsucht nach Elena
Haahtela, Joel

Sehnsucht nach Elena


gut

Ohne allzu viel zu verraten, wartet in diesem Buch eine überraschende Auflösung auf den Leser, die im nachhinein alles in einem ganz anderen Licht erscheinen läßt, als man vorher geglaubt hat. Insgesamt ist es leider viel zu kurz geraten, bringt aber dennoch sehr gut die Stimmung von Melancholie und Einsamkeit des Ich-Erzählers zum Ausdruck.

Die Begegnung mit einer ihm unbekannten Frau bringt die Wende in seiner trostlose Welt, in der bedeutungslose Alltagsgeschehnisse eine für ihn wichtige Rolle spielen. Nach einer Zeit der intensiven Beobachtung der Frau kommt es zu kurzen Begegnungen mit ihr, die ihm sehr wichtig sind, ihr aber gar nicht bewusst werden. Endlich kann er sich seiner Vergangenheit stellen, sein Leben ordnen und mit neuer Hoffnung in die Zukunft blicken. Poetisch und anrührend beschreibt er sein Seelenleben, um am Ende einen betroffenen und mitfühlenden Leser gewonnen zu haben.

Mich hat das Buch sehr nachdenklich zurückgelassen und noch lange nach dem Lesen beschäftigt !

Bewertung vom 05.02.2009
Darling Jim
Mørk, Christian

Darling Jim


gut

Hier wird nach allen Regeln der Kunst perfekte Gruselatmosphäre erzeugt. Man fühlt sich an alte englische Krimis erinnert, in denen unheimliche Häuser, rätselhafte Mordfälle und "harmlose" Nachbarn eine Rolle spielten. Man brennt förmlich darauf, zu erfahren, was hier vorgefallen ist. Einen besonderen Reiz macht auch noch die erzählte Geschichte in der Geschichte aus, die mit der aktuellen Handlung in enger Beziehung steht und dem Ganzen noch eine gehörige Portion Mystik verpasst. Auch das Auffinden von alten Tagebüchern, mit deren Hilfe Licht ins Dunkel gebracht wird, trägt zur atmosphärischen Spannung bei und läßt den Leser direkt am Geschehen teilhaben.

Was mir an dem Buch nicht gefällt ist die nicht schlüssige und oft nicht nachvollziehbare Handlungsweise der betroffenen Personen. So zeigen bspw. Opfer und deren Angehörige an ihnen verübte Straftaten nicht an, obwohl sie den Täter kennen, sondern üben auf dilettantische (aber trotzdem erfolgreiche) Weise Selbstjustiz aus. Davon abgesehen ist dies ein unterhaltsamer, stimmungsgeladener Mystik-Krimi der vordergründig auf verletzten Gefühlen und Eitelkeiten aufgebaut ist.