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Benutzername: Fips_aus_Trips
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Bewertungen

Insgesamt 2 Bewertungen
Bewertung vom 05.12.2012
Zaira
Florescu, Catalin D.

Zaira


schlecht

Irgendwo habe ich in einem Interview des Autors gehört, wie er gesagt hat, dass er mit dem Roman "Zaira", in welchem deren "wahres, erfundenes Leben" beschrieben wird, ein Psychogramm eines Jahrhunderts erstellt hat. Der Klappentext stimmt nicht mit dem Inhalt des Romans überein.

Auf dem rumänischen Gutshof in Strehaia gibt es nur wenig Spezifisches. Und dass die Kommunisten den enteigneten Gutsherren etwas für ihr Grund und Boden bezahlt hatten, habe ich auch noch nie gehört. Sollte man da den Eindruck gewinnen, dass diese Kommunisten so nett waren und den Gutsbesitzern das Feld abgekauft hatten, damit diese etwas Geld hatten um sich besaufen zu können? Nicht einmal als Fiktion würde ich so etwas gelten lassen, weil so alle Leser an der Nase herumgeführt werden. Das Tun und Lassen der Kommunisten würde so eigentlich verherrlicht.

Im Allgemeinen kann ich nach der Lektüre dieses Romans sagen, dass es eher eine Gebrauchsanweisung zum Komasaufen, Fremdgehen, Nutten, Spucken (so als ob unsere Fußballer es nicht schon genug gut könnten), Stehlen, Drogenkonsum und Dokumentenfälschen darstellt. Das Werk ist auch pädagogisch wertvoll, da immer wieder an diese Dinge erinnert wird. Es gibt nur eine einzige intakte Familie und das ist "Österreichungarn", wobei die dicke, tolpatschige, ungarische Köchin, Zsuzsa, recht schlecht davon kommt und ihr Mann, Josef, begeht letzten Endes Selbstmord (im nächsten Roman haben wir dann die "Dynastie der Habsburger, die Herumstreuner" wobei dann noch ein ganzes Dorf von Selbstördern, die ihre Heimat Lothringen mit Blut an den Händen verlassen und ihr eigenes Zuhause nicht mehr gefunden haben). Wie diese beiden, eine Ungarin und ein Österreicher, überhaupt nach Strehaia gekommen sind, bleibt für mich auch ein Rätsel oder ein Märchen. Der yugoslawische Inhaber des "Chez Odette" in Amerika folgt seinem täglichen Ritual (Seite 373): "Zuerst einen Schnaps trinken, dann die Tische decken, dann noch einen Schnaps, dann das Tagesmenü vorn an der Straße auf einer Tafel eintragen, dann wieder einen Schnaps." Und als "Dejan" älter wurde (Seite 429): "Es roch nach allen Gedärmen der Welt, nach verschimmeltem Essen, nach aufgetürmtem Abfall, nach Urin." Im letzten Roman riechen dann die Banater Schwaben nach "Kot, Urin und dreckverkrusteten Füßen".

In der Stadt Timisoara erfährt man nur etwas vom Fremdgehen und dass "die Stunde des Puppentheaters, die Stunde des Ehebruchs" wäre. Von Kommunismus ist da wenig zu erfahren. Die Flucht Zairas über Prag ist sehr unglaubwürdig. Welcher Bürger in den ehemaligen Ostblockstaaten bekam schon seinen Pass in 4 TAGEN? Deutschstämmige (die dreckigen, stinkigen Mörder, Brandstifter, Vergewaltiger und Geiselnehmer aus dem letzten Roman) mussten jahrzehntelang auf einen Pass warten! Das Ziel der tschechischen Aufständischen bestand nicht darin, sich bis zur Besinnungslosigkeit zu besaufen. (Oder soll das ein Hinweis darauf sein, dass jene, die gegen den Kommunismus aufbegehrten, irgendwie irre oder besoffen waren?) Ganz zu schweigen von den "dekadenten" amerikanischen Abgeordneten, die nur als Säufer und Hurenjäger herübergekommen sind.(Entschuldigung, das sind Begriffe aus dem Roman, die er im letzten Roman über die Donauschwaben noch einmal gesteigert hat). Von Timisoara, der Hauptstadt des Banates, wo der Autor angeblich geboren wurde und keine Ahnung von den Leuten von dort hat, kann man nur sehr wenig erfahren.

Der Roman endet mit dem Triumpf des "Kommunisten Dumitru, ein Büffel von einem Mensch", über das Leben der Zaira und deren Familie (dass sie katalanische Wurzeln hat, sei dahingestellt). Damit beweist der Autor in meinen Augen die Überlegenheit des Kommunisten Dumitru. Vielleicht wissen Sie es noch oder haben es noch nie gehört, die kommunistischen Regierungen wollten durch allerlei Mittel ihre Überlegenheit gegenüber aller Gesellschaftsordnungen beweisen.

Das ist das "wahre, erfundene" Psychogramm des Jahrhunderts?

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Bewertung vom 06.11.2011
Jacob beschließt zu lieben
Florescu, Catalin D.

Jacob beschließt zu lieben


schlecht

Der Roman von Florescu stellt eine Geschichts- und Identitätsverfälschung der Vorfahren und der Banater Schwaben dar. Der 30-jährige Krieg hat überhaupt nichts mit der Ansiedlung von Triebswetter, die rund 120 Jahre später stattfand, zu tun. Daher kann die fiktive, erfundene Geschichte der Obertins nichts mit der Geschichte der Banater Schwaben zu tun haben. Von einer tiefgehenden Recherche kann überhaupt nicht die Rede sein, zumal dem Leser nicht klar gemacht wird, wo die Fiktion anfängt und wo die Wirklichkeit aufhört. Wenn der Roman eine Fiktion sein soll, wie der Autor öfters NUR in Kommentaren beteuert, warum hat er dann überhaupt recherchiert? Und wo hat er recherchiert? Das scheint mir nicht ganz klar zu sein. Der 30-jährige Krieg diente nur dazu, Gewalt, Verrat (da denke ich eher an die "Pflichten seines Vaters der Miliz zu berichten") und Verbrechen zu verherrlichen, wobei der beschriebene Obertin diesen Namen nur angenommen hat, also war er ein Wolf im Schafspelz.
Von einer Tafel beim Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm hat er sich für die 300-jährige Geschichte der Obertins inspirieren lassen. Dort ist aber die "fast dreihundert jährige Geschichte der Banater Schwaben" gemeint, die auch auf einer Pro-Florescu Seite, wo professionelle Statementschreiber Kommentare abgeben, im Internet zu sehen ist. Was und wie er über die Triebswetterer schreibt, kann kaum recherchiert sein, denn ich kann nichts erkennen, was zur Identität und Lebensweise dieser gehört. Da geht es mit der "künstlerischen Freiheit" zu weit. Wenn sein Hauptheld über die Karpaten nach Triebswetter kommt, die reichste Frau heiratet und deren Namen annimmt, dann haben wir den zweiten Wolf im Schafspelz, der dann wieder als Banater Schwabe, mit all seinen üblen Eigenschaften, verkauft wird.
Triebswetterer oder Banater Schwaben haben:
-sich NICHT mit Strohdecken zugedeckt;
-Minderjährige hatten keinen animalischen (tierischen) Sex;
-liefen NICHT verdreckt und stinkend herum, weil sie sich regelmäßig
gewaschen haben;
-haben nicht den Teig aus dem Brot herausgerissen und sich
den Mund vollgestopft;
-sprachen sich NIE mit "Bruder" und "Schwester" an;
-aßen keinen Maisbrei, der Begriff wäre übrigens richtig,
wenn er die rumänische Bezeichnung "mamaliga" verwenden würde;
-dreckverschmierte Teller blieben nie über Nacht stehen,
vielmehr wurden die Reste sofort nach dem Essen an
die Schweine oder Hühner verfüttert und das Geschirr
sofort abgewaschen, nicht so wie etwa in modernen
Studentenbuden;
-kein Banater Schwabe "stieg" je von den Karpaten
herab, das waren nur Oltener/Rumänen aus dem Osten,
Jakob ohne Name mit allen schlechten Eigenschaften;
-keine Mutter bekam ihr Kind auf dem Mist, das ein
ganzes Leben lang danach gestunken hat;
-nie half bei der Geburt eine Zigeunerin als Hebamme, die
dann auf Lebzeit wöchentlich ein Huhn bekommen hat;
-kein Rumäne/Zigeuner brachte einen Deutschen Bauernhof
auf Vordermann;
-kein Vater hat seinen Sohn an die Russen verraten;
-Banater waren gläubig aber nicht abergläubisch, so dass
sie sich beim Betreten eines Bootes "kreuzigten";
-die Geistlichen wurden Pfarrer und nicht Pope genannt;
-Apotheker waren gebildete Leute und keine "Trottel",
wie in Florescus Roman;
-in Triebswetter schlugen keine Blitze in den Acker,
weil es in Triebswetter total eben ist, das geschieht eher
im Hügelland, wo Jakob ohne Name herkam;
-in Triebswetter gab es keinen Burghüter, der stammt
von den Siebenbürger Sachsen;
-u.s.w.
Insofern stellt dieser Roman eine Identitätsverfälschung der
Triebswetterer und Banater Schwaben dar. Ja sogar durch die
Namensvergabe des Haupthelden wird dieses klar. Wenn
eigentlich die deutsche Schreibweise Jakob durch die
rumänische Schreibweise Jacob ersetzt wird, kann
man dann auch die Identität der Leute verwechseln oder ändern?
Ich glaube, dass dies Erniedrigung, Verleumdung der Banater Schwaben
aus Triebswetter ist.

5 von 12 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.