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Benutzername: Lisabeth
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Bewertungen

Insgesamt 27 Bewertungen
Bewertung vom 15.10.2013
Kurschattenerbe
Neureiter, Sigrid

Kurschattenerbe


ausgezeichnet

"Kurschattenerbe" von Sigrid Neureiter ist ein Krimi der durch interessante Protagonisten und eine wundervoll atmosphärische Beschreibung der Südtiroler Landschaft überzeugt.

Die PR-Beraterin Jenny Sommer nimmt an einem Symposium in Meran teil, das sich mit dem Ritter und Minnesänger Oswald von Wolkenstein beschäftigt. Als einer der Wissenschaftler verschwindet, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln. Noch ahnt sie nicht, dass in unmittelbarer Nähe ein Mord geschehen ist.

Dies ist bereits der zweite Fall von Jenny Sommer, den man aber getrost lesen kann, ohne den Vorgänger zu kennen. Schnell nimmt einen die Handlung gefangen. Lernt man die Eigenheiten und Besonderheiten der Protagonisten kennen und lieben, obgleich nicht alle so sind, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. Bewusst werden die Leser auf falsche Fährten geführt, Andeutungen eingestreut.

Gekonnt werden Hintergrundinformationen über die Geschichte Merans und auch über den bekannten Minnesänger Wolkenstein eingestreut. Hin und wieder wird Dialekt gesprochen, der aber immer verständlich ist und wenn nötig durch einzelne Fußnoten erklärt ist. Nebensächlich anmutende Äußerungen werden einige Seiten später relevant, überzeugend in den Roman eingebunden, rundum eine runde gelungene Sache.

Wer unterhaltsame Lesestunden verbringen will und zudem wissen möchte, welches die zwei schönsten Orte Merans sind, der also sollte unbedingt "Kurschattenerbe" lesen.

Bewertung vom 10.10.2013
Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über die BRD und die DDR
Seggern, Andreas von

Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über die BRD und die DDR


ausgezeichnet

In den letzten Jahren wird in den Medien immer wieder die Frage nach dem Gelingen der Wiedervereinigung Deutschlands diskutiert. Gerne werden in vielen Fällen liebgewonnene und häufig geäußerte Vorurteile auf ihre Haltbarkeit hin überprüft. Eben solches geschieht in dem von Andreas von Seggern verfassten Werk "20 populäre Irrtümer über die BRD und die DDR".

Gleichwohl neben hinlänglich bekannten Annahmen wie "Die Westdeutsche Jugend war amerikanisiert" oder auch "Der Westen war verklemmt, der Osten sexuell ungezwungen" analysiert der Autor Unbekanntes "Die DDR war ein Leseland" und scheut sich zudem nicht davor schwerwiegende politische Thematiken wie "Die Ostdeutschen sind rassistisch" anzusprechen.

Hierbei ist der Schreibstil keineswegs lapidar sondern vielmehr akkurat ausformuliert. Hypothesen werden benannt, ausgeführt, gegebenenfalls mit Behauptungen anderer Wissenschaftler bzw. Autoren unterlegt. Daraus resultiert die weit gefasste Behandlung jener vorangestellten Aussagen, die dem Leser zahlreiche neue Erkenntnisse bietet.

Die einzelnen Kapitel können völlig voneinander unabhängig und nach Interessenlage gelesen werden, in einem Vorwort erklärt der Autor seine Beweggründe, betont, dass er keineswegs eine wissenschaftliche Abhandlung schreiben wollte...und doch hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle, ausführlichere Literarturnachweise bzw. "Quellenbelege" gewünscht, dass am Ende zu findende Literaturverzeichnis fällt doch recht knapp aus.

Demungeachtet eine sehr interessante Lektüre.

Bewertung vom 05.10.2013
Im Schatten des Krans
Rath, Jürgen

Im Schatten des Krans


ausgezeichnet

"Im Schatten des Krans" von Jürgen Rath ist in meinen Augen ein beispielhaft gelungen Schilderung des Lebens in Hamburg um 1845.
Dabei werden vom Autor insbesondere jene Menschen dargestellt, die exemplarisch für das Leben in einer kurz vor ihrem Aufbruch in die Moderne stehende Hafenstadt gelten können. Sei es die aufstrebende Kaufmannsfamilie, die man mag es schon fast als stereotyp bezeichnen, von einer gottesgläubigen und stets auf ihr Ansehen und Prestige bedachten Ehefrau geleitet wird. Gleichwohl neben dem sehr anschaulich dargestellten Leben dieser oberen Schichten, erlaubt der Autor seinen Lesern ebenso Impressionen aus den unteren Gesellschaftsschichten, deren verzweifelten Kampf am Existenzminimum. Bindeglied zwischen diesen ist Moritz, der durch einen glücklichen Zufall Kontorlehrling geworden ist, der hin und hergerissen ist zwischen der neuen Welt die sich im nun eröffnet und dem herkömmlichen, bekannten und eigentlich bisher gewollten und erstrebten Leben. Wäre dies nicht schon schwergenug für einen jungen Heranwachsenden, so kommen nun auch noch verwirrende Gefühle für das andere Geschlecht und die Suche nach einem Mörder hinzu. Ja, laut Klappentext haben wir hier einen historischen Kriminalroman vorliegen. Einen Mord gibt es tatsächlich, denn als Elbrand, ein wohlhabender Werftbesitzer, eines Nachts ermordet aufgefunden wird, gerät Roger Stove, Angestellter im Handelshaus Schröder & Westphalen unter Verdacht und wird arretiert. Moritz glaubt nicht an die Schuld des Kollegen und versucht auf eigene Faust, den Mörder zu finden. Doch um ehrlich zu sein, dieser Mord gerät bei all den detaillierten Beschreibungen der Lebenswelt ein wenig ins Hintertreffen. Den Leser erwarten keine tiefgreifenden und umfassenden Ermittlungen und dennoch überzeugt sowohl die Auflösung des Falls und der Roman an sich, denn allein die Alltagsbeschreibungen vermögen zu fesseln.

Bewertung vom 02.10.2013
Tanz der Zitronen
Joens, Nicole

Tanz der Zitronen


sehr gut

"Tanz der Zitronen" von Nicole Joens ist ein sehr persönliches Sachbuch. Ein Buch in dem Joens, ihres Zeichens Drehbuchautorin, über die erschreckenden Machenschaften der ARD und vor allen Dingen des ZDFs berichtet.

Auf der Grundlage von jahrelangen gewonnenen persönlicher Erfahrungen berichtet sie von Korruption und Skandalen, wirft immer wieder die Frage auf, was um alles in der Welt mit unseren Gebührengeldern geschieht. Stets schildert die Autorin eindrücklich ihre Gefühle und das ihr Widerfahrene, neigt hier allerdings zu einigen Wiederholungen. Doch sie verbleibt nicht nur auf der individuellen Ebene, sondern lässt Journalisten und Kollegen zu Wort kommen, schafft einen runden informativen Überblick. Gleichwohl und dies ist mein Kritikpunkt an diesem Buch, sind mir einige Überlegungen zu oberflächlich, werden Behauptungen nicht hinreichend belegt bzw. weiter ausgeführt.

Hilfreich das am Ende des Buches zu findende Glossar. Sehr gelungen das letzte Kapitel, denn dieses schließt nach all der vorgebrachten Kritik mit sinnigen Verbesserungsvorschlägen, Ansätzen für ein Umdenken ab.

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Bewertung vom 27.09.2013
Paris, Sigmaringen
Loges, Gabriele

Paris, Sigmaringen


ausgezeichnet

"Paris, Sigmaringen" von Gabriele Loges ist ein wahrlich beeindruckender historischer Roman, der mich begeisterte. In diesem Roman reist Angelika, Ehefrau und Mutter, nach Paris, um über Amalie Zephyrine von Hohenzollern-Sigmaringen zu recherchieren, deren Spuren und bewegtem Leben zu folgen. Sie unternimmt diese Reise aber ebenso um dort in Paris ihre Jugendliebe Pierre wieder zu sehen, eine Entscheidung zu treffen.

So vereint der Roman nicht nur mehrere Handlungsstränge sondern ebenso Zeitebenen in sich, die aber eng miteinander verwoben sind, es erlauben Kontinuitäten in der Geschichte zu erkennen und immer wieder wird die Frage aufgeworfen, wie die Rolle der Frau in der Gesellschaft definiert wird und welche Entscheidungsspielräume vorhanden sind. Oft bedarf es eines kurzen Innehaltens um Situationen zuordnen zu können, da die Autorin auch innerhalb der einzelnen Kapitel mehrere Perspektivwechsel nutzt. Überzeugend, die an einigen Stellen fast schon poetische Sprache, die stets passende Verwendung von Zitaten aus Filmen und bekannten literarischen Werken.

Es ist ein Roman, der die deutsch-französisch Beziehungen auf vielfältige Art und Weise beleuchtet, sich nicht davor scheut unbequeme Wahrheiten zu nennen und kritisch zu hinterfragen. Es ist ein Roman der historische Persönlichkeiten lebendig werden lässt, vergangene Zeiten anschaulich schildert und der zudem durch seine Informationsfülle überzeugt und doch viele Fragen unbeantwortet lässt. Ein Roman dessen Lektüre ich nur wärmstens empfehlen kann.

Bewertung vom 26.09.2013
Die Reisen der Habsburger
Etzlstorfer, Hannes

Die Reisen der Habsburger


ausgezeichnet

Es fällt mir nicht ganz so leicht bei dem Buch "Die Reisen der Habsburger" von Hannes Etzlstorfer eine eindeutige Zuordnung vorzunehmen. Ohne Frage handelt es sich hierbei um ein Sachbuch, welches populärwissenschaftlichen Ansprüchen im vollsten Maße genügt. Es ist aber gleichermaßen ein Sachbuch, das einen gewissen Wissensstand von seinem Leser erwartet, etliche historische Begrifflichkeiten bzw. Hintergründe als bekannt voraussetzt, auf grundlegende Definitionen verzichtet. Der Schreibstil aber sehr verständlich und informativ, die Gestaltung ansprechend, strukturiert und übersichtlich. Für den besonders interessierten Leser findet sich zudem im "Anhang" ein ausführliches Literaturverzeichnis.

Unter Einbeziehung zahlreicher exzellent ausgewählter und passender Text- und Bildquellen bietet der Autor einen Längsschnitt über die Geschichte des Reisens in der Dynastie der Habsburger. In sieben Kapiteln werden die vielfältigen Funktionen des Reisens (exemplarisch Bildungs- Krönungs- und Vergnügungsreisen) epochenübergreifend beleuchtet, exemplarisch an einzelnen Habsburgern dargestellt und analysiert. Hierbei werden zahlreiche weitere interessante Informationen und Anekdoten miteingebracht, so dass die eigentliche Thematik des Reisens hin und wieder in den Hintergrund gedrängt wird, dies aber war für meine Lesefreude nun keineswegs hinderlich.

Ein Sachbuch für den historisch interessierten Leser, der in die Welt der Habsburger eintauchen möchte.

Bewertung vom 18.09.2013
Tief im Hochwald
Reinsch, Moni;Reinsch, Simon

Tief im Hochwald


ausgezeichnet

"Tief im Hochwald" ist ein gemeinsam von Mutter und Sohn Reinsch verfasster Kriminalroman...Ein Gemeinschaftswerk, das sich sehen lassen kann, in sich schlüssig ist, überzeugt.

Um nicht zu viel vom Inhalt zu verraten, die Spannung zu nehmen, zitiere ich hier als Inhaltsangabe lediglich den Klappentext: "Tief im Hochwald gibt es nicht nur den malerischen Ruwer-Hunsrück-Radweg und den abwechslungsreichen Saar-Hunsrück-Steig, sondern auch einen gerissenen Serienmörder, dessen Taten das verschlafene Dorf Hellersberg erschüttern. Die ermittelnde Trierer Kommissarin Vanessa Müller-Laskowski stößt auf der Suche nach dem Motiv auf solch hartnäckiges Schweigen der Dorfbewohner, dass in ihr ein schrecklicher Verdacht zu keimen beginnt ..." Doch als kleiner Hinweis, sei angemerkt, dass das zur Zeit sehr populäre Geocaching eine recht bedeutende Rolle in dem Roman spielt.

Überzeugend gelingt es dem Autorenduo das Dorf Hellersberg darzustellen, die Atmosphäre des Hochwalds einzufangen und zu vermitteln. Schnell lernt man dessen Bewohner und deren Eigenarten kennen oder glaubt sie zu kennen und muss dann doch erfahren, wie falsch man lag. Bewusst werden dörfliche festgefahrene Strukturen ausgeleuchtet, wobei hier zahlreiche differenzierte kritische- und manchmal auch schwer im Magen liegende Untertöne ihren Platz im Buch gefunden haben. Gleichermaßen werden aber auch humorvoll Klischees betrachtet und liebevoll Protagonisten gezeichnet. So überrascht es wenig, dass die Ermittler einem schnell ans Herz wachsen und insbesondere der doch eher weniger ambitionierte Dorfpolizist Heiner Landscheid hatte bald meine vollstes Sympathie.

Ein Buch für spannende und unterhaltsame Lesestunden im Herbst.

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