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ullap64
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47533 Kleve

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Insgesamt 142 Bewertungen
Bewertung vom 05.01.2026
Hoersch, Judith

Niemands Töchter


ausgezeichnet

Wir lesen die Geschichte von Marie und Gabriele - zwei Mütter - sowie Isabell und Alma - zwei Töchter. Die Handlung zieht sich von den 1980er Jahren bis in die Gegenwart und wird in angenehm kurzen Kapiteln abwechselnd aus der Sicht einer der Protagonistinnen erzählt.
Man ahnt schon teilweise, wie die Schicksale der vier Frauen zusammenhängen, die Entwicklung dazu und eine Überlegung, ob und wie sich insbesondere die beiden jungen Frauen einmal begegnen werden, fand ich sehr spannend und treffend beschrieben. Es gibt Zeitsprünge bei den einzelnen Kapiteln, die einem immer wieder die ein oder andere Erklärung abgeben und mit denen ich gut zurechtgekommen bin, nachdem ich mir dann immer mal wieder das jeweilige Alter der Frauen vor Augen gehalten habe.
Der sehr klare und flüssige Schreibstil und die anschauliche Beschreibung der vier Frauen mit ihren Wünschen, Träumen und Gedanken hat mich tief in die Geschichte hineingezogen. Alle hatten es auf ihre Art nicht einfach im Leben, vor allem hatten alle vier ein nicht einfaches oder gar kein Verhältnis zu ihren Müttern, so dass ich überwiegend Verständnis für ihr jeweiligen Handeln aufbringen konnte.
Der Autorin ist hier eine tolle und einfühlsame Geschichte gelungen, die ich für alles Lesegenerationen empfehlen kann!

Bewertung vom 04.01.2026
Bhatter, Ina

Drei Tage im Schnee


sehr gut

Es ist Winterzeit, Hannah braucht eine kurze Auszeit von ihrem hektischen Berufsalltag und mietet sich für ein paar Tage eine kleine Hütte an einem einsam gelegenen See. Dort trifft sie auf ein Mädchen namens Sophie, die ihr beibringt, wie man auch Freude an den kleinen Dingen des Lebens und der Natur finden kann. Die beiden haben viel Freude im Umgang miteinander und Sophie beginnt allmählich, in sich zu gehen und ihren bisherigen Alltagsverlauf zu reflektieren.

Die Geschichte hat mich gerade jetzt zur Winterzeit und bei leichtem Schneefall draussen vor der Tür begeistern können. Ein kleines Mädchen muss der gestressten berufstätigen Erwachsenen den Spiegel vorhalten, was wirklich wichtig ist im Leben und das es auch noch etwas Anderes abseits von Handy und E-mails gibt. Eine wunderbare Erzählung wie eine warme Umarmung im Alltag, die einen auch als Leser wieder richtig erden kann! 

Bewertung vom 03.12.2025
Bestgen, Sarah

Safe Space


ausgezeichnet

Nach "Happy end" hat uns die Autorin mit "Safe space" Ihr zweites Buch, wiederum einen Thriller, vorgelegt, der dem schon großartigen Debütroman in nichts nachsteht.
Die forensische Psychologin Anna Salomon beginnt ihre neue Stelle in einem Hochsicherheitsgefängnis, nicht ohne Hintergrund, sucht sie doch nach dem Mörder ihrer vor einigen Jahren verschwundenen Schwester Sina, den sie aufgrund einiger Anhaltspunkte in genau diesem Gefängnis vermutet und ausfindig machen möchte.
In einem zweiten Handlungsstrang lesen wir Sinas Tagebuch, die in eine toxischen Beziehung zu ihrem Freund führt.

Dieser Thriller hat mich von Beginn an gefesselt. Die Enge des Gefängnisses, das Verhalten der Insassen sowie Sinas Aufzeichnungen haben mir so manches Mal ein richtiges Gänsehautgefühl verursacht. Gelungen fand ich auch die Ambivalenz zwischen Annas professionellem Verhalten und der privaten Anna, die in Bezug auf die Suche nach dem Mörder ihrer Schwester auch schnell mal (verständlicherweise) ihre Professionalität und dadurch auch den objektiven Blick auf die Dinge verliert.
Großartig, wie die Autorin geschickt falsche Fährten legt, um diese kurze Zeit später wieder zu zerstreuen, danach wieder andere Verdächtige ins Spiel bringt. So hatte ich lange Zeit die falschen Personen im Visier, um am Ende mit der sehr schlüssigen Auflösung total überrascht zu werden, der Gänsehautmoment schlechthin!
Thrillerfans kann ich diesen Roman wärmstens ans Herz legen, ängstliche Gemüter mögen vorher ihre Wohnung gut verschließen! Gerne mehr von dieser Autorin!

Bewertung vom 21.11.2025
Kaiser, Vea

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels


sehr gut

Von ullap64

In diesem Roman begleiten wir die junge Wienerin Angelika Moser durch einige Jahrzehnte ihres Lebens, ein Großteil des Buches bezieht sich jedoch auf ihre Zeit als junge Frau und danach frisch gebackene Mutter. Angelika stammt aus einfachsten Verhältnissen, steht im angesehenen Wiener Grandhotel als Buchhalterin in Lohn und Brot, als sie dort von ihrem Chef dazu verleitet wird, die Bilanzen des Hotels zu frisieren. Als dies immer besser gelingt, kommt Angelika auf die Idee, vom Fimenkonto auch etwas für ihre privaten Zwecke abzuzweigen, darlehnsweise, wie sich es sich anfänglich noch schönredet. Das ganze Konstrukt entwickelt sich allmählich zu einem Selbstläufer.

Diese unterhaltsame Geschichte verbreitet feinsten Wiener Schmäh, Angelika ist eine eigentlich sympathische Figur, hat aber mir Männern kein gutes Händchen. Der Aufbau des Romans, bei dem man eigentlich von Beginn an durch kurze eingestreute Interviews aus der Gegenwartsebene von Angelikas späterem Betrug weiss, hat mir gut gefallen, ist er doch mal etwas Neues. Auch die ganz besondere österreichische Lebensart wird hier hervorragend transportiert. Allerdings sind mir diverse Passagen zwischendurch eindeutig zu lang geraten, so dass ich einige Seiten immer nur quer gelesen habe. Wer sich hierauf einlassen möchte, den erwartet eine ausgefallene Geschichte mit einer für mich ungewöhnlichen und trotz ihres Betrugs doch sehr positiv erscheinenden Protagonistin. An einigen Figuren werden sich hier in der Leserschaft jedoch die Geister scheiden. Aber das macht den Roman ja gerade so interessant.

Bewertung vom 21.11.2025
Borrmann, Mechtild

Lebensbande


ausgezeichnet

Das Buch umfasst eine Zeitspanne vom zweiten Weltkrieg bis zum Mauerfall, in der wir die Geschichte der drei Frauen Lotte, Lene und Nora erfahren und die uns vom Niederrhein bis in die damalige Sowjetunion führt, sowie nach dem Mauerfall nach Kühlungsborn an der Ostsee. Erst nach und nach erfahren wir, zum Teil in Rückblenden, wie die Geschichten der Frauen zusammenhängen, schreibtechnisch für mich sehr gut gelöst.
Der Roman beruht auf wahren Begebenheiten und hat mich direkt in seinen Bann gezogen, zumal die Geschichte zu großen Teilen in meiner Heimat spielt und ich natürlich einige beschriebene Örtlichkeiten direkt wiedererkannt habe. Die Autorin hat einen sehr fesselnden und mitreissenden Schreibstil, die Zerrissenheit der Figuren, aber auch ein tiefes Band von Freundschaft, Liebe und Zusammenhalt wurde hier sehr gut transportiert. Einige Abläufe im "kleinen Grenzverkehr" kannte ich bereits aus Beschreibungen meiner Eltern, dennoch habe ich hier auch wieder Einiges an Neuem aus der Historie erfahren. Gerne habe ich dieses so interessante Buch gelesen und spreche daher meine volle Leseempfehlung aus!

Bewertung vom 21.11.2025
Sandmann, Elisabeth

Wir dachten, das Leben kommt noch


sehr gut

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen: 1998 erhält die für die BBC tätige Reporterin Gwen den Auftrag, über eine britische Organisation zu recherchieren, bei der im zweiten Weltkrieg im Auftrag der britischen Regierung junge englische Frauen, die der französchen Sprache mächtig waren, als Agentinnen nach Frankreich gechickt wurden. Dort sollten sie sich der französischen Resistence im Kampf gegen die Deutschen anschließen. Im Zuge dieser Recherchen lernt sie die alte Dame Pat kennen.
Die Vergangenheitsebene ist 1942 angesiedelt, hier erfahren wir einiges über die Mission der jungen Engländerinnen.
Die Schilderungen in und um den zweiten Weltkrieg waren hier für mich eindeutig der interesantere Part der Geschichte. Basierend auf Tatsachen, wurde hier einmal den Frauen ein Forum gegeben, deren gefährliche Tätigkeit wohl nie richtig gewürdigt wurde. Dies war mir insgesamt neu und für mich auch hochinteresant. Die Schilderungen in der Neuzeit sind mir dabei stellenweise zu lang geraten. Dennoch eine empfehlenswerte Lektüre.

Bewertung vom 04.11.2025
Specht, Heike

Die Frau der Stunde


ausgezeichnet

Wir befinden uns Ende der 70er Jahre im politischen Bonn, der damaligen Bundeshauptstadt. Der amtierende liberale deutsche Außenminister stolpert über eine Frauengeschichte und muss schweren Herzens zum Wohle der Koalition zurücktreten. Als vermeintlich geschickter Schachzug wird die ambitionierte Außenpolitikerin Catharina Cornelius als erste deutsche Frau mit dem Ministerposten betraut. Manchen männlichen Politikern gefällt nun so gar nicht, dass Catharina ihre Sache mehr als gut macht und frischen Wind in das Amt bringt.

Was für eine großartige Geschichte! Die Autorin verwebt hier geschickt Realität und Fiktion in einer seinerzeit sehr männerdominierten politischen Welt. Als Leser macht man sich wiederholt Gedanken, welche realen Politiker sich hinter den Figuren verbergen. Tatsächliche eingeflochtene weltpolitische Geschehnisse lassen die Geschichte mehr als lebendig erscheinen. Mit viel versteckter Ironie und einer großen Prise Wahrheit erleben wir hier ein Jahrzehnt, in dem sich die politisch aktiven Frauen (leider) erst noch beweisen mussten, oft mit mehr Leistung als ihre männlichen Gegenüber, aber auch mit einem gewissen Grad an Rafinesse.

Eine sehr gelungener Roman, bei demir auch einige der weiblichen Nebenfiguren sehr ans Herz gewachsen sind!

Bewertung vom 03.11.2025
Bachmann, Clara

Ein gutes Ende


ausgezeichnet

Das Buch ist eine Romanbiografie über die Schriftstellerin Hedwig Courths-Mahler, die Ende des 19. Jahrhunderts mit ihren Geschwistern bei der alleinerziehenden Mutter in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist. Schon früh hat Hedwig versucht, durch verschiedene Jobs irgendwann ein besseres Leben führen zu können mit einer Arbeit, die einem bestenfalls Freude bringt und den täglichen Broterwerb sichert. Durch kleine, selbsterdachte Geschichten hat sie dabei schon früh die Grundlage zu ihrem späteren Erfolg gelegt, wurde dabei aber oft von ihren Mitmenschen belächelt und nicht zuletzt von ihrem Ehemann daran gehindert, durch den Verkauf ihrer Geschichten zum Familieneinkommen beizutragen. Eine Ehefrau gehört schließlich ins Haus und zu den Kindern.
Mit leichtem Schreibstil wurden uns hier Hedwigs Anfangsjahre als Mädchen und Jugendliche bis zu ihren allerersten kleinen Erfolgen dargelegt. Ein sehr steiniger Weg, der aber immer von Hedwigs geschickter Vorgehensweise und ihrer Gradlinigkeit geprägt war. Wieder einmal musste man erfahren, dass die sogenannte Emanzipation der Frau seinerzeit noch weniger als nur in den Kinderschuhen steckte. Es bedurfte aber solcher zielstrebiger Frauen wie Hedwig, die als Vorkämpferin der heutigen Frauengenaration so einiges bewirkt hat.
Ich habe hier eine tolle Geschichte mit sicherlich einigen fiktionalen Elementen lesen dürfen, die mich von Beginn an in ihren Bann gezogen hat. Ein kleines Nachwort über das weitere Leben und die Erfolge Hedwigs wäre dabei noch eine schöne Zugabe gewesen.

Bewertung vom 11.05.2025
Kelly, Lorraine

Die Inselschwimmerin


ausgezeichnet

Nachdem sie erfahren musste, dass ihr Vater mit dem Tod ringt, kehrt Evie nach langen Jahren auf die schottischen Orkney-Inseln zurück. Vor langen Jahren hatte sie damals ihre Heimat Richtung London verlassen, weil eine schwere Schuld auf ihr lastete, bei der auch ihre Schwester Liv eine grosse Rolle spielte. Zu Liv hatte sie seither keinerlei Kontakt mehr, einzig Freya, eine alte Freundin der Familie, stand immer noch in Verbindung zu Evie.
Auf verschiedenen Zeitebenen erfahren wir allmählich, wie es Evie in London ergangen ist, wir lesen von der beginnenden Verbindung ihrer Eltern und ganz zum Schluss hören wir auch von dieser vermeintlichen Schuld, die Evie seinerzeit zu ihrem überlasteten Aufbruch gezwungen hat.
Die Zeitenwechsel sind dabei gut strukturiert und leicht nachvollziehbar gewählt, bis zum Ende schwebt eine absolute Spannung über der Geschichte. Verschiedene Charaktere, von sympathisch bis unerträglich machen den Roman zu einem abwechslungsreichen Leseerlebnis, bei dem man gerade Evie manches Mal einen Schubs geben möchte.
Wenn man sich weder vom Titel noch vom Klappentext irritieren lässt, die hier leider am Thema ein wenig vorbeigehen, lernt man hier eine spannende und eindringliche Geschichte mit vielen Wendungen kennen, die einen kaum zum Atem holen lassen. Eine absolute Leseempfehlung von mir!

Bewertung vom 30.03.2025
Kinkel, Tanja

Im Wind der Freiheit


sehr gut

In diesem Roman erleben wir die Geschehnisse in Deutschland rund um das Jahr 1848, Themen wie Deutscher Bund, Paulskirchenverfassung, Arbeiterrevolution und Frauenrechte stehen hier im Mittelpunkt der Handlung. Dabei erleben wir im Verlauf der Geschichte die beiden jungen Frauen Louise und Susanne, beide aus unterschiedlichen Schichten stammend und doch auch beide auf ihre Weise an einer Änderung der aktuellen Verhältnisse interessiert, für die sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln kämpfen.
Geschickt hat hier die Autorin tatsächlich existierende historische Personen und Fakten mit fiktiven Abläufen kombiniert, für den geschichtlich vorgebildeten Leser an dieser Stelle ein Vorteil, aber kein Muss. Dabei hat mich insgesamt der fiktive Charakter der armen und immer ums Überleben kämpfenden Susanne mehr fasziniert, ihr galt während des Lesens meine Sympathie, die Figur der Louise dagegen war mir ein wenig unnahbar, weil mir zum Teil ihre Absichten nicht ganz klar geworden sind.
Für mich ein Roman mit einer interessanten und wichtigen Thematik, den man nicht so einfach herunterlesen kann, sondern man sich wirklich auf die zahlreichen Figuren konzentrieren muss, was mir nicht immer so ganz gelungen ist.