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Lisa
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Karlsruhe

Bewertungen

Insgesamt 30 Bewertungen
Bewertung vom 02.01.2026
Schäfer, Stephan

Jetzt gerade ist alles gut


gut

"Jetzt gerade ist alles gut" von Stephan Schäfer erzählt die Geschichte eines namenlosen Familienvaters, für den sich von einer auf die andere Sekunde alles verändert. Gerade packt er noch für den anstehenden Familenurlaub, als es ihm plötzlich schlecht geht und er nur knapp eine Sepsis überlebt.

Da ich bereits den Vorgängerroman gelesen habe, hatte ich sehr hohe Erwartungen. Das Buch hat mir gut gefallen und sicher kann man aus dem Roman auch einiges mitnehmen, dennoch hat mir etwas gefehlt. Die Geschichte ist nett, an sich aber schnell erzählt. Nachdem dem Protagonisten klar wird, wie knapp es um ihn stand, möchte er sein Leben mehr auskosten und auch die kleinen Momente mehr genießen. Es werden lange aufgeschobene Dinge umgesetzt oder auch mal spontanen Impulsen nachgegangen.

Für mich ein nettes Buch für Zwischendurch, das wirklich wunderschön gestaltet ist.

Bewertung vom 02.01.2026
Engler, Leon

Botanik des Wahnsinns


gut

In Leon Englers „Botanik des Wahnsinns“ steht ein namenloser Ich-Erzähler im Mittelpunkt, der sich intensiv mit seiner eigenen Familiengeschichte auseinandersetzt. Dabei stößt er auf eine Vielzahl psychischer Erkrankungen. Während er diese Vergangenheit aufarbeitet, reflektiert er zugleich sein eigenes Leben und beginnt zunehmend zu zweifeln, ob auch er selbst betroffen ist. Letztlich führt ihn sein Weg in eine psychiatrische Klinik – ausgerechnet in seiner Rolle als Psychologe.

Die Grundidee des Romans hat mich zunächst sehr angesprochen. Bereits das Cover und der Titel haben mich sehr neugierig gemacht. Der Ton der Erzählung wirkt einerseits nüchtern und beinahe dokumentarisch, andererseits blitzen hin und wieder humorvolle, teils skurrile Momente auf. Besonders interessant fand ich die Auseinandersetzung mit psychischen Erkrankungen sowie mit der Weitergabe von Traumata über Generationen hinweg.

Insgesamt konnte mich das Buch dennoch nicht vollständig überzeugen und blieb für mich kein besonderes Lesehighlight. Dennoch ein Buch zu einem spannenden Thema.

Bewertung vom 28.09.2025
June, Joana

Bestie


sehr gut

In "Bestie" von Joana June geht es um Delia und Anouk - ihre Freundschaft, Träume und Geheimnisse.

Delia möchte ihre Vergangenheit hinter sich lassen und zieht daher nach Hamburg zu Anouk, wo sie sich neu erfindet und als Lilly vorstellt. Anouk ist eine bekannte Influencerin, die Delia heimlich verehrt. Durch ein Missverständnis baut Delia ein Lügenkontrukt auf, doch auch Anouks perfekte Fassade bröckelt im Verlauf des Buches.

Das Buch ließ sich sehr flüssig lesen und die Sprache und der Schreibstil haben mir gut gefallen. An einigen Stellen war es mir etwas zu gewollt. Auch der Perspektivwechsel und damit der Einblick in die Gedanken der beiden Protagonistinnen mochte ich sehr gerne.

Es hat mir Spaß gemacht die Geschichte von Delia und Anouk zu verfolgen, obwohl mich die Doppeldeutigkeit des Titels im Buch nicht überzeugen konnte.

Bewertung vom 28.09.2025
Wood, Benjamin

Der Krabbenfischer (eBook, ePUB)


gut

Thomas ist Krabbenfischer und genau wie sein Großvater vor ihm, fährt er jeden Morgen bei Niedrigwasser ans Meer, um den Lebenunterhalt für sich und seine Mutter zu verdienen. Seine wahre Leidenschaft gilt allerdings der Musik, da sich hiermit aber nur schwer Geld verdienen lässt, geht er pflichtbewusst dem Krabbenfischen nach, wie er es von seinem Großvater gelernt hat.
Als plötzlich der Filmemacher Edgar in sein Leben tritt, beginnt er dieses zu überdenken.

Der Schreibstil von Benjamin Wood ist sehr atmosphärisch und bildhaft, sodass man sich selbst im Nebel am Meer stehen sieht. Das hat mir sehr gut gefallen, allerdings fehlte mir bei der Handlung ein gewisser Spannungsbogen.

Auch wenn mir die Geschichte an sich gefallen hat, konnte ich daraus für mich nicht sehr viel mitnehmen. Dennoch ist das Buch sprachlich gut und wer gerne atmosphärische und poetische Bücher liest, sollte sich das Buch einmal anschauen.

Bewertung vom 09.08.2025
Vuong, Ocean

Der Kaiser der Freude


sehr gut

Der neue Roman von Ocean Vuong "Der Kaiser der Freude" beschreibt das Leben verschiedener Menschen in East Gladwell. Dabei meistern sie alle die Herausforderungen, die der ärmliche und trostlose Ort und die persönlichen Umstände mit sich bringen. Dabei folgt der Leser dem Vietnamesen Hai, der bei einem Suizidversuch von der Seniorin Grazina beobachtet und gerettet wird. Daraufhin zieht er bei Grazina ein, um die demenzkranke Seniorin zu unterstützen. Um die beiden versorgen zu können, beginnt Hai in einem Fast Food Restaurant zu arbeiten.

Ocean Vuong spricht in seinem Buch viele wichtige Themen an. Drogen, Depressionen, Demenz, Armut, Zugehörigkeit, abwesende Eltern und Einsamkeit beherrschen die Geschichte. Der Schreibstil ist sehr poetisch und hat mir gut gefallen, allerdings hat mir an einigen Stellen etwas die Tiefe gefehlt.

Bewertung vom 16.06.2025
Montell, Amanda

Das Zeitalter des magischen Zerdenkens. Notizen zur modernen Irrationalität


gut

Amanda Montell behandelt in ihrem Buch „Das Zeitalter des magischen Zerdenkens“ verschiedene Thematiken, die das Denken des heutigen Zeitalters verzerren. Die Idee des Buches hat mir gut gefallen und der Klappentext klang sehr spannend. Ich hatte mir erhofft mehr darüber zu erfahren, wie wir heute denken und warum wir bestimmte Dinge tun, obwohl sie unlogisch erscheinen.

Diese Themen werden im Buch auch aufgegriffen, allerdings waren sie für mich nicht richtig greifbar. Themen werden angeschnitten, dann aber nur oberflächlich behandelt und mit privaten Anekdoten untermauert. Diese waren zwar ganz nett, haben für mich aber nicht viel beigetragen und dazu geführt, dass ich immer wieder den roten Faden suchen musste. Hier hätte ich mir mehr fundierte Fakten gewünscht.

Die Idee des Buches ist spannend, für mich allerdings leider nicht gut umgesetzt. Trotzdem ein nettes Buch, wer sich hier allerdings viele Erkenntnisse erhofft, wird enttäuscht.

Bewertung vom 16.05.2025
Moore, Liz

Der Gott des Waldes


ausgezeichnet

Der Roman "Der Gott des Waldes" von Liz Moore spielt in einem Sommercamp. Das Sommercamp gehört der Familie Van Laar. Diese verfügen über ein beträchtliches Vermögen, sodass das gesamte Camp von ihrem Personal organisiert wird.

Erstmalig darf in nun auch die Tochter der Van Laars am Camp teilnehmen. Über die Van Laars kursieren einige Geschichten und vor allem das ungeklärte Verschwindes des Sohnes Bear vor einigen Jahren sorgt immer wieder für Getuschel.

Als dann plötzlich auch Barbara verschwindet, rücken auch die Geschehnisse rund um Bear wieder in den Vordergrund.

Das Buch hat mich ab der ersten Seite gepackt. Das Buch ist durchgehend spannend und obwohl es doch recht viele Seiten hat, wurde mir nicht langweilig. Vor allem die Charaktere und die behandelten Themen wie Patriachat, Machtstrukturen und die Gesellschaftskritik machen dieses Buch aus.

Bewertung vom 16.05.2025
Docherty, Madeline

Erdbeeren und Zigarettenqualm (eBook, ePUB)


gut

Madeleine Dochertys Debütroman "Erbeeren und Zigarettenqualm" ist ein intensiver und emotionaler Roman, der die Themen Freundschaft, Krankheit und das Erwachsenwerden behandelt. Die Geschichte führt uns durch die turbulente Reise einer jungen Frau, die sich mit den Herausforderungen einer Endometriose-Erkrankung auseinandersetzt.

Die Erzählweise ist besonders, da die Geschichte in der zweiten Person erzählt wird. Besonders bemerkenswert ist die Darstellung der Schwierigkeiten der Protagonistin, ernst genommen zu werden, als sie jahrelang mit ihren Schmerzen lebt, bevor sie schließlich die richtige Diagnose erhält.

Die Geschichte lässt den Leser zwischen Mitgefühl, Frustration und einer leisen Hoffnung schwanken, dass die Protagonistin ihren Weg finden wird. Besonders in den späteren Teilen des Buches wird man mit unangenehmen und schmerzhaften Momenten konfrontiert, die das Unwohlsein der Protagonistin widerspiegeln.

Auch wenn das Buch in der zweitern Person geschrieben ist, konnte ich mich leider nicht mit der Protagonistin identifizieren und mit ihr mitfühlen. Dennoch handelt es sich um ein gelungenes Debüt über das Straucheln, das Festhalten an Vergangenem und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Ein Buch, das Nachdenken anregt.

Bewertung vom 30.03.2025
Lunde, Maja

Für immer


sehr gut

Wie wäre es, wenn das menschliche Leben plötzlich stillsteht? Wenn niemand mehr stirbt, aber auch keine Kinder mehr geboren werden? Wenn die Zeit fortschreitet, aber die Menschen in ihrem aktuellen Zustand verbleiben.
Diese Situation beschreibt Maja Lunde in ihrem Roman "Für immer" anhand verschiedener Charaktere. Eine schwerkranke Mutter, die plötzlich Zeit mit ihrer Familie gewinnt; ein werdender Vater, der sich um die Entwicklung seines Kindes sorgt; ein Rentner, dessen Frau die gewonnenen Zeit nicht mit ihm "verschwenden" möchte; ein junger Mann, der sich in Verschwörungstherorien verstrickt und eine junge Frau, die in einem Bestattungsinstitut arbeitet und Extremsport betreibt.

Zunächst fand ich die verschiedenen Geschichten und der Umgang mit dem Stillstand sehr spannend. Allerdings hat mich die Erklärung und Lösung des Phänomens nicht überzeugt und das Ende kam sehr abrupt.
Die Idee des Romans ist gut, wurde meines Erachtens aber nicht ausreichend ausgearbeitet. Dennoch regt das Buch zum Nachdenken an.

Bewertung vom 30.03.2025
Liepold, Annegret

Unter Grund


gut

Von lisi81
Der Debütroman "Unter Grund" von Annegret Liepold, hat mich zunächst aufgrund des Covers und des Titels, aber wegen des aktuellen Themas angesprochen. Nach dem Lesen des Buches, finde ich diese sehr passend gewählt.

Es geht in dem Buch um Franka und die Geschichte wird in zwei zeitlichen Erzählsträngen geschildert. Einmal begegnen wir Franka in den Nullerjahren - sie ist gerade 16 Jahre alt, nicht besonders gut in der Schule, hat keine richtigen Freundschaften, trauert um ihren verstorbenen Vater, während ihre Mutter sich nur um sich selbst kümmert.
Zum anderen begegnen wir Franka heute, während der NSU-Prozesse - sie ist 31 Jahre alt und macht gerade ihr Referendariat.

Franka gerät über eine Zufallsbekanntschaft in rechte Kreise. Sie freut sich endlich Freunde gefunden zu haben und Teil einer Gruppe zu sein. Immer tiefer rutsch sie dabei, ohne es zu merken, in die rechte Szene ab.

Zunächst hatte ich Schwierigkeiten die zeitlichen Sprünge zu erkennen, konnte mit dem Fortschreiten der Geschichte die Erzählstränge aber immer besser auseinander halten.

Das Buch beschäftigt sich mit Schuld und dem Schweigen sowieWegsehen. Mir hat das Debüt gut gefallen, allerdings hätte ich mir gewünscht, mehr darüber zu erfahren, wie Franka rückblickend auf diese Zeit blickt.