Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Irve
Wohnort: O-E
Über mich:
Danksagungen: 2 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 22 Bewertungen
Bewertung vom 17.05.2018
The Woman in the Window - Was hat sie wirklich gesehen?
Finn, A. J.

The Woman in the Window - Was hat sie wirklich gesehen?


ausgezeichnet

Olivia lebt nach einem Unfall, der eine psychische Störung in ihr auslöste, bis auf einen Untermieter, alleine im Haus der Familie. Sie ist einsam, fühlt sich aber in ihrer selbstgewählten Festung recht wohl. Olivia ist Psychologin, übt seit besagtem Zeitpunkt ihren Job nicht mehr aus, steht aber psychisch Hilfsbedürftigen über das Internet mit Rat und Tat zur Hilfe. Den Rest ihrer reichen Freizeit füllt sie damit, bei einer guten Flasche Wein – oder auch mehreren – alte Filme zu schauen, und ihre Nachbarn zu stalken, soweit das von ihrem Stützpunkt aus möglich ist. Sie kennt sie alle, ihre Gewohnheiten und Tagesabläufe. Als eine neue Familie gegenüber dem Park einzieht, wird dies zu ihrem neuen Projekt. Und die Familie erleichtert ihr die Sache ungemein, denn sie kommen zu Besuch, und zwar nacheinander. Olivia lernt sie nach und nach kennen und macht sich – ganz psychologischer Fachmann – sogleich ein Bild von Vater, Mutter und Sohn. Wie sehr sie sich täuscht und mit ihrem Sachverstand in die Irre leiten lässt, begreift sie erst viel später….
Als Olivia mal wieder ihren Beobachtungsposten einnimmt, beobachtet sie ein furchtbares Verbrechen, deren Schrecken sie sogar die Einschränkungen durch ihre Erkrankung überwinden lassen. Und dennoch stößt sie überall auf Hindernisse und Ablehnung. Denn der Tenor lautet unisono, dass alles in bester Ordnung ist. Dass man einer tablettenabhängigen Frau, die zudem dem Alkohol zuspricht, dann natürlich nicht glaubt, ist klar. Selbst ich hatte immer wieder meine Zweifel, denn zu viele Ungereimtheiten türmten sich im Laufe der Geschichte an, zu viele ungeklärte Fragen kamen mir immer wieder in den Sinn. Die psychisch instabile Olivia, die eine Vielzahl Tabletten nehmen muss und dazu reichlich Alkohol verbraucht, kann sie wirklich eine zuverlässige Zeugin sein? Oder brechen sich langsam aber sicher Wahnvorstellungen in ihr Bahn?
Wer temporeiche, actiongeladene und blutspritzende Thriller mag, wird mit „The Woman in the Window“ sicher nicht glücklich werden. Diese Geschichte wird von den leisen Tönen beherrscht. Sie kommt sehr langsam in Gang, ist aber nicht langweilig. Noch nicht einmal langatmig, denn gebannt hing ich an den Lippen der hervorragend lesenden Nina Kunzendorf, die sich mit dem ersten Satz in Olivia zu verwandeln schien. Die Gedanken, Gefühle, Beschreibungen, sie klingen alle nicht so wie über jemand anders erzählt, sondern wirken wie selbst erlebt, was dem subtilen Thrill immer wieder einen ordentlichen Schub gab. Irgendwie spürt man, dass Olivia sehr verwirrt ist und da etwas an ihr nagt, das sie längst nicht verarbeitet hat. Sie muss sich sortieren, lebt langsam, um sich nicht in sich zu verirren, und ich war mehr als gespannt, wie sich das vermeintliche Verbrechen und auch die Hintergründe zum Zustand der Frau auflösen würden. Alles, selbst das kleinste Detail, schien mir wichtig zu sein – und im Nachhinein stellte sich diese Vermutung als richtig heraus. Die Aufklärung aller meiner Ungereimtheiten und Fragen zogen einen riesigen Rattenschwanz an Überraschungen nach sich. Denn kaum etwas ist wie zuvor gedacht, auch nicht die Charaktere….
Das anfangs langsame Tempo nimmt zum Ende hin sehr zu, die Geschehnisse und Erkenntnisse überschlagen sich fast. Die Geschichte ist, wenngleich etwas hanebüchen konstruiert, sehr gut überlegt und umgesetzt, denn sie ist in sich schlüssig und rund. Zudem sind die zahlreichen Details sehr stimmig, was mir spannendes Hörvergnügen bis zum Schluss beschert hat.
„The Woman in the Window“ würde ich nicht unbedingt als Thriller bezeichnen, eher als Spannungsroman mit einem grandios ausgearbeiteten Psychogramm der Hauptfigur.
Durch das gemächliche Tempo ist keine extrem hohe Aufmerksamkeit gefordert und man kann die Geschichte gut runterhören und dabei ein wenig abschalten, muss keine großen Gedanken- und Merkleistungen vollbringen, und wird dennoch perfekt unterhalten!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.02.2018
Kleine große Schritte
Picoult, Jodi

Kleine große Schritte


ausgezeichnet

Ruth ist eine erfahrene Hebamme und Säuglingsschwester. Seit über zwanzig Jahren übt sie ihren Beruf mit Leidenschaft, Klugheit und viel Sachverstand aus. Turk sollte sich eigentlich glücklich schätzen, dass seine Frau bei der Geburt ihres ersten Kindes von einer solch erfahrenen Kraft betreut wird. Ist er aber nicht, denn Ruth hat für seinen Geschmack die falsche Hautfarbe. Sie ist Afroamerikanerin und entspricht somit nicht dem arischen Bild des verblendeten jungen Mannes. Er äußert bei der Krankenhausleitung den Wunsch, dass Frau und Kind bitte nicht von Ruth betreut werden mögen. Seiner Bitte wird stattgegeben.

Schon an dieser Stelle war es Wutlesen. Ich war nicht wütend auf das Buch, nicht wütend auf die Autorin, nicht wütend auf diese ausgedachte Geschichte, sondern wütend, weil es sich tatsächlich so zutragen könnte, weil es tatsächlich solch fehlgeleitete Individuen gibt, die Kompetenz und andere Wertschätzungen lediglich anhand von Äußerlichkeiten zuteilen. Fast noch wütender war ich allerdings auf die Krankenhausleitung, die ihrer langjährigen tadellosen Fachkraft aus mehr als fadenscheinigen Gründen derart in den Rücken fiel.

Es kommt, wie es kommen muss. Durch einen medizinischen Notfall und Personalknappheit wird Ruth Turks Baby zugeteilt Was schließlich passiert, endet äußerst dramatisch, denn das Baby stirbt und Ruth sieht sich plötzlich des Mordes angeklagt im Gefängnis wieder.

Ich konnte ihren Gewissenskonflikt so gut nachvollziehen als sie im Krankenhaus mit der schwierigen Situation konfrontiert war, fühlte mit ihr und hoffte so auf einen Freispruch für sie. Ein Freispruch, an dem weit mehr hing als zu keiner Gefängnisstrafe verurteilt zu werden. Ruths Kampf war viel größer, das begriff ich ebenso wie ihre Anwältin Kennedy immer mehr. Denn für die leidenschaftliche Säuglingsschwester ging es nicht nur darum, durch ein taktisch kluges Verfahren freizukommen. Sie wollte die Dinge beim Namen nennen. Nicht nur eine kleine Folge des Rassismus geradebiegen, sondern das Problem bei der Wurzel allen Übels, diesem gesellschaftsvergiftenden Wurzelgeflecht, packen.

„Kleine große Schritte“ beleuchtet einen Fall, bei dem es letzten Endes nicht nur zählt, zu gewinnen, sondern viel mehr, gehört zu werden - gehört und verstanden. Und es geht um ein anderes Verständnis als man gemeinhin denkt. Ruth bricht die Kruste des stillschweigenden Hinnehmens und Voraussetzens auf, entgegen aller Vernunft und mit viel Risiko. Ihr Mut wird belohnt, zudem bekommt sie völlig unerwartet Unterstützung von ganz anderer Seite.
Ruth hat mich sehr beeindruckt mit ihrer Unbeugsamkeit, mit ihrer Kraft, aber ebenso konnte mich ihre Anwältin sehr überzeugen. Wer wechselt schon - wenn auch nur für kurz - freiwillig die Seiten, wenn er genau weiß, dass er in der Höhle des Löwen landet? Wer kündigt gerne – und wenn auch nur für einen Nachmittag - sein Rundum-Sorglos-Paket für die absolute Basisvariante? Kennedy tut es, denn sie will sehen lernen, und begreift sehr schnell, dass Gleichheit nur in seltenen Fällen mit Gerechtigkeit einhergeht. Wie vielseitig und wie verstörend gesellschaftstauglich der Rassismus ist, versteht die Anwältin auf negativ beeindruckende Art und Weise.

Die Autorin hat mich mit der Direktheit und Ehrlichkeit in der facettenreichen und vielschichtigen Behandlung und Beleuchtung des amerikanischen Rassismus tief beeindruckt. Über die gute Umsetzung des Themas und ihren flüssigen, ansprechenden Schreibstils hinaus gefiel mir auch sehr die Art und Weise, wie sie sich ihren Charakteren widmet. Jeder ist so, wie er ist. Dass das manchmal etwas anderes – oder viel mehr – ist als das, was wir sehen, verdeutlicht sie ebenso wie die Tatsache, dass man durch verschiedene Einflüsse so geworden ist, wie man ist. Aber man muss nicht so bleiben. Man hat die Wahl, wie man sein möchte, zumindest in dem Bereich, den man selbst beeinflussen kann. Man kann lernen, seine Ansichten anpassen und sein Wesen in diese Richtung drehen.

Bewertung vom 11.10.2017
Ein angesehener Mann / Captain Sam Wyndham Bd.1
Mukherjee, Abir

Ein angesehener Mann / Captain Sam Wyndham Bd.1


ausgezeichnet

Sam Wyndham hat den Ersten Weltkrieg überlebt – seine Freunde nicht, und auch seine Frau ist tot, als der Captain zurück in die Heimat kommt.
In eine Heimat, die ohne die Menschen, die ihm etwas bedeutet haben, kaum noch einen Wert für ihn hat. So kommt ihm das Angebot seines ehemaligen Kommandanten, eine Stelle in Kalkutta anzutreten, sehr recht. Er nimmt es an und rauscht in eine völlig andere Welt.

Wyndham hat kaum Zeit, sich auch nur ansatzweise zu akklimatisieren, sich an das gnadenlose tropische Klima zu gewöhnen, die Beziehungen der verschiedenen Bevölkerungsschichten zu durchschauen oder schlicht eine Bleibe zu finden, die ihm gefällt und in der er innerlich zur Ruhe kommen kann.

Denn kurz nach dem Amtsantritt des Captains in der indischen Metropole wird er sogleich gefordert – es ist ein Mord geschehen.
Es handelt sich um einen britischen Beamten hohen Ranges, der in einem zweifelhaften Umfeld übel zugerichtet aufgefunden wurde – und somit ist äußerstes Fingerspitzengefühl bei den Ermittlungen gefragt.

Die indische Bevölkerung sehnt ihre Freiheit und Unabhängigkeit vom britischen Empire sehnlichst herbei. Ihr Unmut scheint inzwischen hohe Wellen zu schlagen. Aber steckt wirklich das unterdrückte Volk hinter diesem Mord? Müssen die britischen Besatzer „den kleinen Mann“ fürchten, oder war diese grausame Tötung MacAuleys ein politischer oder gar militärischer Akt, wodurch die Gefahr von ganz anderer Stelle drohe würde? Wyndham ist ratlos und alle seine Ermittlungsversuche verlaufen schnell im Sand, bis er endlich weiß, welche Richtung er einschlagen muss. Dabei bekommt er Unterstützung von seinen beiden Team-Mitgliedern, ebenfalls interessanten Charakteren, die zusammen mit Wyndham eine gut ausgeklügelte Personenkonstruktion ergeben.

Mit seinem Debutroman, der gleichzeitig den Auftakt zu einer Reihe um Sam Wyndham markiert, ist dem Autor ein toller Wurf gelungen.
Er schafft eine starke, überzeugende Atmosphäre des damaligen Kalkuttas und gibt umfassende Einblicke in die indische Bevölkerung, die dem „täglichen Rassismus“ der häufig überheblichen britischen Besatzer ausgesetzt sind und zeigt detailreich auf, mit welchen Problemen auch die daraus entstandene Schicht der Anglo-Inder zu kämpfen haben. Durch die lebhaften und plakativen Schilderungen und Beschreibungen kann man sich die damaligen Zustände gut vorstellen und sich auch in die relevanten Charaktere gut hineinfühlen.
Die Protagonisten sind gut ausgearbeitet, gewinnen – von der Hauptfigur abgesehen – jedoch erst im Verlauf der Geschichte zunehmend an Schärfe und sind dadurch dem Spannungsbogen durchaus zuträglich. (Die vollständige Rezension zum Buch ist auf meinem Blog irveliest.wordpress. com erschienen.) Denn lange Zeit fragt sich nicht nur der Captain, sondern auch der Leser, wer und welche Motivation hinter dem Mord an MacAuley und späteren weiteren Verbrechen stecken.


Abir Mukherjee erzählt flüssig, gefällig und durch die Ausgewogenheit seiner Zutaten sehr kurzweilig. Überzeugend ist zudem die Recherche, die er im Großen, aber auch in kleinen Details passend in die Handlung einbaut.

„Ein angesehener Mann“ ist ein großartiger Krimi ganz nach meinem Geschmack. Solide ausgearbeitete Fälle, denen ein interessantes, gut durchdachtes Geflecht an authentischen Protagonisten gegenübersteht. Alles passt zusammen, es fließt und wirkt an keiner Stelle konstruiert. Gelegentliche historische Einwürfe stärken die Pfeiler dieser Glaubwürdigkeit. Als I-Tüpfelchen fängt der Autor die Atmosphäre Kalkuttas kurz nach dem Ersten Weltkrieg mit allen Sinnen äußerst lebendig ein, sodass es mir als Leser nicht schwerfiel, dieses indische Flair zu spüren, mich in den Roman hineinzufühlen, mitzufiebern und mitzuleiden.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.05.2017
Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands
Basile, Salvatore

Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands


gut

Der dreißigjährige Michele existiert in einer eigenbrötlerischen Blase, einer selbsterschaffenen Insel, abgeschottet vom Rest der Welt – räumlich wie auch emotional. Schon immer lebt er im Bahnhofshäuschen eines kleinen italienischen Dorfes. Früher war sein Vater dort Bahnhofsvorsteher. Als er starb, hat Michele in stillschweigendem Einvernehmen dessen Posten übernommen. Er lebt alleine dort, denn seine Mutter hat ihn und den Vater verlassen, als Michele ein kleiner Junge war.

Als eines Abends Elena wie ein Tornado in Micheles Leben hineinstürmt, wird dieses nach und nach auf den Kopf gestellt. Denn ein weiterer dramatischer Akt ereignet sich auf Micheles Bühne des Seins – sein altes Tagebuch aus Kindertagen, das seine Mutter mitgenommen hatte, als sie die Familie verließ, taucht wieder auf. Lebt die Mutter in der Nähe? Wäre es möglich, sie ausfindig zu machen und sich mit ihr auszutauschen? Zu erfahren, warum sie damals derart Hals über Kopf aus Micheles Leben gestürzt ist? Der junge Mann ist hin- und hergerissen. Noch nie musste er größere Entscheidungen treffen. Er ist überfordert. Und froh, dass er Elena kennt, die wirbelige, turbulente Elena, die ihr Herz auf der Zunge trägt, die zu allem eine Meinung hat – eine sehr emotionale Meinung! -, und die immer Rat zu wissen scheint. Die beiden arbeiten eine Strategie aus, was am besten zu tun ist....

Ganz entspannt, ruhig und gemächlich fährt man zu Beginn des Romans in den Gewässern des Erzählens. Der Leser hat Zeit, sich mit den beiden Charakteren vertraut zu machen, über sie nachzudenken, denn auch Elena scheint eine Wunde im Herzen zu tragen, die sie mit ihrer überbordenden Art zu unterdrücken zu versuchen scheint. Micheles Schicksal lässt einen ebenfalls nicht unberührt. Es muss schlimm sein, wenn die Mutter aus dem Leben eines Kindes verschwindet, ohne es wissen zu lassen, warum. Als sein Tagebuch auftauchte, wusste ich nicht, ob ich mich mit Michele freuen sollte oder nicht. War es wirklich nötig, sich der Gefahr auszusetzen, eine tiefe alte, wenn auch offenbar gut verheilte, Narbe wieder aufreißen zu lassen? Darüber denkt sicher jeder anders.

Der kleine Junge von einst beschließt jedenfalls, die Spur seines wiedergefundenen Buches zu verfolgen. Auf dieser Reise nimmt der Fluss des Erzählens beträchtlich an Fahrt auf und durchzieht auch die eine oder andere Stromschnelle. Michele begegnet vielen Menschen – und sich selbst. Dabei macht er viele Erfahrungen, gute wie schlechte, scheint relevante Entwicklungs- und Reifungsstationen des Lebens im Zeitraffer zu durchlaufen und dementsprechend auch sehr sprunghaft und zentrifugal seinen Charakter nachreifen zu lassen, was mir nicht immer gut gefiel. In Micheles persönliche Reise zur Wahrheit ist – man kann es sich denken – eine kleine Liebesgeschichte hineingewoben, die in ihrer Entwicklung ebenfalls sehr unstet ist und voller Überraschungen steckt. Zum Ende hin scheinen aber alle relevanten Charaktere ihre Entwicklung beendet zu haben und auf einem stabilen Fundament für das weitere Leben zu stehen.

Die Idee des Romans gefällt mir sehr gut. Michele arbeitet seine Vergangenheit auf, findet dabei auch zu sich selbst, weil er es schafft, seinen über lange Jahre hinweg kultivierten Panzer einzureißen. Die Umsetzung ist jedoch nicht ganz nach meinem Gusto gelungen. Diese einnehmende Stimmung zu Beginn, das Flaire, das man greifen konnte, diese gefühlte Glaubwürdigkeit Micheles, aber auch Elenas, wurde zunehmend zerstört durch die Überkonstruktion der inhaltlichen Füllung. Zufall reiht sich an Zufall – so unplanbar und überraschend das Leben oft ist, wirkte diese Gestaltung mehr als unglaubwürdig und ein stückweit unglücklich auf mich und so wurde schon sehr bald der weitere Verlauf des Romans im Großen und Ganzen recht vorhersehbar.

Bewertung vom 17.01.2017
Sherlock & Co jagen den Museumsräuber / Die Schule der Detektive Bd.1
Hearn, Sam

Sherlock & Co jagen den Museumsräuber / Die Schule der Detektive Bd.1


gut

Herzlich willkommen zum Auftaktband der „Sherlock & Co.“-Reihe. Die Schüler der Baker-Street-Schule lösen hier ihren ersten Fall! Beim Ausflug ins Museum wird dort der wertvollste Juwel gestohlen, praktisch direkt vor der Nase der Kinder! Logo, dass die Kids diesen Raub aufklären wollen! Und bei diesen Namen, die sie tragen, wird das doch wohl kein Problem sein.... Holmes, Watson, Baker, und und und.... Die ganz Großen gibt es jetzt für die Kleinen in einer abwechslungsreichen, witzig gestalteten Form. Eine Mischung aus Comic, kurzen Erzählpassagen, Mails, Zeitungsartikel und mehr bringen den Juwelenraub als buntes Potpourri zur jungen Zielgruppe. Passend dazu auch die flotte Sprache und die inhaltliche altersgemäße Umsetzung, über die ich hin und wieder schmunzeln musste.
Das dürfte Lesemuffel ans Buch bringen ;-)

Bewertung vom 15.11.2016
Vor dem Fall
Hawley, Noah

Vor dem Fall


weniger gut

Ein Flugzeug stürzt ab. Die kleine Privatmaschine eines Medienmoguls versinkt – zerborsten in unzählige Einzelteile – einige Kilometer vor der rettenden Küste und reißt die Besatzung und einen Großteil der Passagiere in den Tod. Lediglich Scott, ein erfolgloser Maler, und JJ, der Sohn des Flugzeug-Besitzers, finden sich lebend im Ozean wieder. Scott wächst über sich hinaus und schwimmt mit dem kleinen Jungen auf seinem Rücken an Land. Zunächst wird er als Held gefeiert, aber in die allgemeine Begeisterung mischen sich auch kritische Töne. Denn der Maler, der finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist, passte so gar nicht zu den übrigen, viel privilegierteren Passagieren. Aber nicht nur Scotts Figur wird immer wieder etwas nebulös und fragwürdig dargestellt. Einige der anderen Reisenden scheinen Flecken auf der weißen Weste gehabt zu haben.

Scott, der Maler, bildet in diesem Roman den roten Faden, der mich durch die Geschichte führt. Zu Beginn des Buches erfährt der Leser von einem prägenden Erlebnis des Mannes, das indirekt zur Rettung des kleinen Jungens JJ führt. Ebenso vom Tag des Unglücks, als auch von der Zeit danach erzählt der Autor. Von Heldentum, Neid, Hass, Misstrauen, Missachtung der Privatspäre, Intrigen, Manipulation und der puren Sensationsgier, aber auch auch von gesundem Menschenverstand und Nächstenliebe.

Außer Scott lernt der Leser rückblickend auch die weiteren Passagiere kennen, denn Noah Fawley zommt sie alle nach und nach heran und erzählt, was bei jedem von ihnen „Vor dem Fall“ geschehen ist. Da sie alle aus unterschiedlichen Lebens- und Berufsbereichen stammten, wirft der Autor ein buntes Potpourri auf die Leinwand des Buches und widmet sich jedem der beschriebenen Protagonisten auf eine ganz spezielle Art und Weise. Stil und Wortwahl sind exakt auf den Charakter der Figuren zugeschnitten und so erlebt man eine abwechslungsreiche Achterbahnfahrt zwischen primitiven und abstoßenden Szenen (für meinen Geschmack) und fast schon poetischen, philosophischen Passagen.

Durch die facettenreiche Schilderung entsteht ein fast minutiöser Bericht des Unglücks, denn nicht nur den Protagonisten wird viel Raum gegeben, auch nimmt der Leser an den Ermittlungen teil und ist immer auf dem aktuellen Stand. Nach und nach ergibt sich somit ein vollständiges Bild des Absturzes und seinen Hintergründen. Bis man dort ist, braucht man jedoch einen langen Atem, viel Geduld und auch ein gutes Maß an Konzentration. Denn die vielen Sprünge zwischen den Charakteren, die verschiedenen Erzählrichtungen – vorwärts, was Scott und JJ, rückwärts, was die übrigen Passagiere betrifft -, dazu die wechselnden Erzählstile haben für mein Empfinden keinen harmonischen Lesestoff geschaffen, sondern brachten mich immer wieder aus dem Tritt und waren meinem Interesse am Lesestoff nicht gerade zuträglich.

Zu Beginn hatte ich lebhafte Theorien, was passiert sein könnte – einige der Protagonisten gaben schon gute Gründe, insgeheim zu spekulieren -, aber je weiter ich im Buch las, umso mehr löste sich die Spannung auf, meine gedanklichen Interaktionen flachten parallel dazu immer mehr ab und mein Interesse galt recht schnell nur noch dem Verbleib von Scott und JJ.

Bei dem ungewöhnlichen Aufbau des Romans und den wirklich guten Möglichkeiten, die sich der Autor im Verlauf der Geschichte geschaffen hatte, hätte ich einen ebenso ungewöhnlichen Schluss erwartet. Aber auch hier wirkt offenbar das „Spiel der Gegensätze“, das sich durch das ganze Buch zieht. Denn das Ende wirkt wie plötzlich vom Himmel gefallen, eine völlig unerwartete Wende, die zwar nachvollziehbar, aber nicht wirklich überzeugend ist und möglicherweise einen faden Nachgeschmack hinterlässt.

Bewertung vom 25.08.2016
Die Entflammten / Secret Fire Bd.1
Daugherty, C. J.; Rozenfeld, Carina

Die Entflammten / Secret Fire Bd.1


ausgezeichnet

*+* Daugherty/ Rozenfeld: „Secret Fire – Die Entflammten“

In diesem spannenden, aufregenden Jugendroman geht es um Taylor, das wissbegierige Mädchen aus England, und Sacha, den nachdenklichen französischen Draufgänger, der bis zu seinem 18. Geburtstag nicht sterben kann.

Diese Eigenschaft stellt er während der Geschichte mehrmals eindrucksvoll zur Schau, wohl wissend, dass der Tag seiner Volljährigkeit ein ganz besonderes Datum sein wird. Je näher dieser Tag rückt, umso leichtsinniger und gleichgültiger wird Sasha, bis er Taylor kennenlernt. Wieso, weshalb, warum die englische Ausnahmeschülerin ausgerechnet zu ihm, dem „durchgeknallten“, jungen Franzosen Kontakt aufnehmen soll, wissen beide Jugendliche nicht. Aber weil Taylor sehr gewissenhaft ist, tut sie auch dieses Mal, um was man sie bittet. Sacha, der eigentlich gerade anderes im Kopf hat, als sich per Chat mit einem britischen Supergirl anzufreunden, tut dies wider seinen ursprünglichen Plan schließlich doch.

Das Schloss schnappt zu und schon befinden sich die beiden Teenager im wohl größten Abenteuer ihres bishrigen Lebens – ohne zunächst etwas davon zu ahnen! Denn Sacha mit den unzähligen Leben lastet ein Fluch an, den er alleine niemals besiegen könnte. Hier kommt Taylor ins Spiel....

Ich sage nur so viel: Die beiden freunden sich immer mehr an und kämpfen anschließend gemeinsam gegen das Böse. Wie dies geschieht, hat mich sehr begeistert. Denn hier erleben wir keinen Abklatsch schon häufig da gewesener Stories. Die Autorinnen haben sich einen etwas anderen Inhalt gesucht – zumindest neu für mich. Wir lernen gemeinsam vor allem mit Taylor die spirituelle Seite der Alchemie kennen, die mich von der Idee her und auch der inhaltlichen Umsetzung zu überzeugen wusste.

Der Jugendroman ist toll aufgebaut. Zunächst lernt der Leser die beiden Hauptcharaktere mit all ihren Besonderheiten in teils spektakulären Szenen kennen. Anschließend wächst er gemeinsam mit Taylor und Sacha in die Geschichte, die sie und auch ihre Familien vor langen Zeiten miteinander verwoben hat. Man erfährt mit den beiden Jugendlichen die Hintergründe und erlebt, wie sie aktiv an der Lösung des Problems arbeiten – mit manchmal atemberaubenden, äußerst kreativ-phantasievollen Szenen. Alles ist bis ins kleinste Detail durchdacht.

Während der Geschichte werden zwar immer wieder bestehende Fragen aufgeklärt, aber daraus ergeben sich dann meist neue angedeutete, geheimnisvolle Hintergründe – so bleibt das Buch wunderbarerweise von der ersten bis zur letzten Seite interessant und spannend macht schon jetzt Lust auf die Fortsetzung.

Ebenfalls gut gelungen sind die Charaktere – sowohl die ganz „normalen“ als auch diejenigen, die über bestimmte Fähigkeiten verfügen.Sie sind geheimnisvoll, undurchsichtig, alchemistisch, magisch, mysteriös....und immer wieder für eine Überraschung gut!

Sehr schön ist auch das Flair, das hin und wieder in Paris bzw. in Großbritannien aufblitzt und den Leser sehr bildhaft die Schauplätze vor Augen führt.

Der Auftaktband zu „Secret Fire“ ist lebhaft, spannend, lebendig, gefährlich, romantisch, immer wieder geheimnisvoll und manchmal auch mystisch.

Ein Pageturner, nicht nur für Jugendliche!

Diese Besprechung erscheint auch auf meinem LitBlog http://irveliest.wordpress.com

Bewertung vom 03.07.2016
Wie der Atem in uns
Poliner, Elizabeth

Wie der Atem in uns


weniger gut

*+* Elizabeth Poliner: „Wie der Atem in uns“ *+*

In diesem Roman lernen wir die jüdische Großfamilie Leibritzky kennen. Schon seit ewigen Zeiten verbringt diese Familie im Sommer mehrere Wochen in ihrem Ferienhaus am Meer. Vor allem über einen dieser Sommer berichtet Molly rückblickend als ältere Frau. Diese tragischen Wochen des Jahres 1948 bilden den roten Faden ihrer Erzählung. Des Jahres, in dem das Leben der Leibritzkys eine schicksalhafte Wendung nahm. Aber Molly holt darüber hinaus auch weiter aus, was die Verwandtschaft und die Generationen der Familie betrifft. Sie springt dabei immer wieder in der Zeit, was es mir nicht leicht machte, den Schilderungen zu folgen. Denn einen Überblick konnte ich so nur ansatzweise gewinnen. Ebenso verwirrend war die Vielzahl der Familienmitglieder und ihre Beziehungen untereinander für mich. Sie wurden leider nicht nach und nach in die Geschichte eingeführt. Die Autorin schreibt eher so, als ob diese Saga ein Mehrteiler ist und man man die Familie schon aus vorherigen Bänden kennt. Ein Familienstammbaum hätte da leicht Abhilfe schaffen können.

Durch die für mich häufigen Zuordnungsprobleme fand ich nicht recht in den Roman hinein. Auch sprang bezüglich der Protagonisten der Funke nicht auf mich über. Sie alle blieben mir durchgängig fremd. Vielleicht lag es daran, dass Familie Leibritzky, die mit ihrem Urlaub den sonst schwierigen Lebensumständen entfliehen und eigentlich ein wenig Frieden erleben wollte, ebendiesen Frieden im Familienkreis nicht umsetzen konnte. Eine alte Sache schwelte zwischen den betagteren Familienmitgliedern, aber auch bei der jüngeren Generation gab es so manche Reiberei.

Die Erzählung wirkt eher wie ein wirres Brainstorming einer ältlichen Frau, die wehmütig und trauernd auf das schwarze Jahr der Familie zurückblickt als eine große Familiensaga. Dazu waren mir die Charaktere zu blass und die Rahmenhandlung nicht fesselnd genug.
Auch der eher spröde, behäbige und teils ausufernde Stil konnte mich nicht überzeugen, zumal es im Mittelteil einige Längen gab und die Handlung phasenweise auf der Stelle zu treten schien.

Bewertung vom 18.05.2016
Unterleuten
Zeh, Juli

Unterleuten


ausgezeichnet

UNTERLEUTEN ist ein kleines Dorf in Brandenburg, früher gehörte es zur DDR. Aber damit den Mikrokosmos der Ortschaft erklären zu wollen, wäre zu einfach. Denn betrachtet man die Geschichte allgemeiner, lässt sie sich auf viele Orte übertragen. Treibt man die Abstraktion noch weiter, dann ist es nicht nur ein kleines Dorf, dem Juli Zeh den Spiegel vorhält, sondern unsere gesamte Gesellschaft. Wir finden im Roman ebenso den Typus „Euer aller Wohl liegt mir am Herzen“, wie „Mit dir habe ich noch eine Rechnung offen“, „Ich helfe dir“, oder „Dein Feind ist mein Freund“, aber natürlich auch den bereits erwähnten Kampfläufer - und viele Charaktere innerhalb dieses Spektrums.
Und Hand aufs Herz: Ich glaube nicht, dass ich die einzige Leserin bin, die sich hier zumindest hin und wieder erkannt hat.

So wie theoretisch von mir in Erwägung gezogen, gibt es kein Überleuten. Zumindest ist mir dieses nicht im Roman untergekommen. Aber manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, dass sich das Dorfvolk in UNTERLEUTENer und Überleutenener aufteilt – und damit meine ich nicht die Grenze zwischen der alteingesessenen Bevölkerung und denen, die dort erst kurz zuvor Land erworben haben. Nein, der Cut verläuft anders und er heißt Macht. Diejenigen, die an den Strippen ziehen, scheinen die eine Dorf-Spezies darzustellen, die „tanzenden Puppen“, bilden die andere Gruppe ab. Was aber, wenn jemandem seine Position nicht mehr gefällt und derjenige aktiv in das Gefüge eingreift? Die Entwicklung in UNTERLEUTEN zeigt, wie dessen langsam gewachsenes System reagiert und welch teils dramatischen Folgen sich hieraus ergeben.

Was unter den UNTERLEUTENern schwelte und auf welchem Fundament ihre Gemeinschaft gebaut war, das erfährt der Leser im Laufe des Romans. Schicht um Schicht legt die Autorin die Hintergründe des Dorfes frei bis zum Schluss das verzweigte, verzweifelte Gefüge der Wahrheit vor dem Leser und den Dörflern selbst liegt. Bei diesem Anblick packt mehr als einen der Bewohner das Entsetzen, auch mich traf die Bestürzung unerwartet hart. So war die anfängliche Assoziation von „unter“ mit „bedrohlich“ erstaunlich nahe dran an dieser fiktiven Wirklichkeit.

Der Schreibstil ist flüssig, interessant und durch den kapitelweisen Wechsel der Haupthandlungsträger sehr kurzweilig. Dadurch, dass die Geschichte über die gesamte Distanz innerhalb derselben Gruppe verbleibt, ergeben sich immer wieder andere protagonistische Konstellationen, sodass das Beziehungsgeflecht dieses Personen-Pools immer deutlicher zutage tritt. Ganz nebenbei lernt der Leser dadurch alle Protagonisten intensiv kennen.

Juli Zeh hat mit UNTERLEUTEN ein grandioses Psychogramm eines Dorfes geschaffen! Durch die klug gewählten Themen, die der Geschichte inhaltlich einen Teil ihres Gerüsts verschaffen, ist der Roman sehr nah am Puls der Zeit angesetzt, was der Aussagekraft noch mehr Dringlichkeit verschafft.

UNTERLEUTEN gibt es in dieser Form nirgendwo. Hat man den aber Mut, das Gesamtkonstrukt zu abstrahieren, dann findet man UNTERLEUTEN unerwartet oft.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.03.2016
Neuntöter / Emma Carow Bd.1
Hansen, Ule

Neuntöter / Emma Carow Bd.1


weniger gut

Liebe Lesefreunde,

kennt ihr das auch? Ihr beginnt einen Thriller, und der beginnt so richtig schön vielversprechend. Ihr lernt die Geheimnis umwobene Ermittlerin kennen, die gleichzeitig auch die Hauptprotagonistin ist. Kurz darauf geht es mit einem äußerst spektakulär erscheinenden Fall weiter, eure Hirnwindungen laufen auf Hochtouren. Insgeheim ermittelt ihr mit, verfolgt die Arbeit der Polizisten und es könnte thrilleriger nicht sein…..wenn nicht, ja wenn nicht immer stärkere Privateinschübe vom eigentlichen Fall ablenken würden.

Die Beziehungen der Ermittler untereinander – im Guten wie im Bösen – nahmen im Verlauf des Buches immer größeren Raum ein, aber nicht nur das nahm mir beim Lesen sehr die Spannung. Auch bremsten die extrem ausschweifenden Hintergrundinformationen, die zur Lösung des Falles führten, meine anfangs große Euphorie sehr aus. Zumal die Motive, die zu den Taten führten, mehr als weit hergeholt erschienen. Natürlich handelt es sich hier nicht um die Realität sondern um eine fiktive Geschichte. Dennoch möchte ich auf die sehr starke, realitätsfern anmutende Konstruktion in fast jedem Bereich hinweisen, da diese Art von Kreativität nicht jedermanns Geschmack ist.

Leider verlieren die beiden Autoren, die hinter dem Pseudonym Ule Hansen stecken, häufiger mal den roten Faden, verzetteln sich in Nebensächlichkeiten. Zum Schluss war mir nicht ganz klar, welche Hauptintention der Thriller haben soll. Hatte die Vergangenheitsbewältigung der Ermittlerin oberste Priorität, oder ging es doch eher um die Einblicke in die Ermittlungsarbeit? Standen die schaurigen Taten nebst der gruseligen Präparierung der Leichen ganz oben, oder war es Ule Hansen am wichtigsten, Gesellschaftskritik anhand der verwendeten Motive zu üben? Für mich persönlich haben die Autoren ein bisschen zu viel in ihren Thriller gepackt. Wer es vielschichtig und facettenreich sowie themenspringend und ausschweifend mag, dem wird „Neuntöter“ wohl besser gefallen als mir.

Da allem sehr viel Raum gegeben wurde, konnte ich mir ein recht detailliertes Bild der Charaktere machen. Dennoch gelang es mir nicht, Sympathien zu ihnen aufzubauen, oder mitzufiebern. Vielleicht lag es daran, dass auch die Protagonisten recht unrealistisch wirkten und teilweise ebenso handelten. Sie blieben mir das ganze Buch über fremd.

Der Schreibstil ist anfangs gewöhnungsbedürftig. Es werden häufig Bandwurm- Sätze mit vielen Aufzählungen verwendet, was das Lesen schon hin und wieder mal holprig werden lässt. Ansonsten kommt man recht flüssig durch den Text. Die Sprache ist an einigen Stellen recht primitiv, was ich persönlich nicht sehr schätze, aber das ist ja Geschmackssache.

Gut gelungen ist die Darstellung der Ermittlungsarbeit. Diese unermüdliche Kleinarbeit, die leider nicht immer zum Ziel führt. Das nötige Fingerspitzengefühl und richtige Händchen, was man braucht, um auf dem richtigen Weg zu bleiben. Der Druck, der von Presse und Gesellschaft auf der Polizei lastet. Vor allem mochte ich die Theorien zum Profiling. Sehr schade, dass Ule Hansen nicht diese Aspekte mehr in den Fokus gerückt und ihnen mehr Tiefe gegeben hat. Das hätte dem Thriller sehr gut gestanden.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.