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Benutzername: Mutzik
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Bewertungen

Insgesamt 35 Bewertungen
Bewertung vom 08.05.2021
Enriettas Vermächtnis
Madsack, Sylvia

Enriettas Vermächtnis


gut

Spannend beginnt die Geschichte rund um die wenigen Hauptcharaktere in „Enriettas Vermächtnis“. Die Handlung an sich ist ganz einfach: Enrietta da Silva, eine überaus erfolgreiche Buchautorin, verstirbt und hinterlässt Geld. Und zwar nicht nur ein kleines Erbe, sondern eine ganze Menge Geld, denn man sagt der Frau nach, dass sie sehr vorausschauend gewirtschaftet hat. Dieses Erbe soll nun der Anwalt namens Leuthard zwischen den zwei Haupterben Emilio und Jana aufteilen. Bevor diese beiden ihr „Glück“ richtig realisieren und entsprechend reagieren können, taucht auf einmal der leibliche Sohn von Enrietta auf, den sie aus mysteriösen Gründen nicht nur nicht bedacht hat, sondern komplett verschwiegen hat. Bereits vorher entstehen beim Leser sehr viele Fragen rund um die Verbindung der beiden Erben zu der Verstorbenen und weshalb sie so gehandelt hat. Auch im weiteren Verlauf schafft es Sylvia Madsack meisterhaft, alle Protagonisten fadenscheinig und verdächtig auftreten zu lassen, sodass man als Leser darauf hinfiebert zu erfahren, was alles dahinterstecken könnte und welche Verbindungen es gibt und welche noch entstehen werden. Bis zum 3/4 des Buches fliegen die Seiten nur so weg und man giert nach der Auflösung …die so enttäuschend ist, dass man es erst nicht glaubt. DAS alles nur wegen dem? Hier wurde sehr viel Potenzial verschdenkt und auch das titelgebende Vermächtnis komplett offen gelassen. Schade.

Bewertung vom 28.04.2021
Die Beichte einer Nacht
Philips, Marianne

Die Beichte einer Nacht


sehr gut

Die Tiefen der menschlichen Psyche … beleuchtet die Autorin Marianne Philips in Heleenes „[Die] Beichte einer Nacht“. Die erst verkannte, niederländische Autorin fokussiert in ihrer Erzählung einen Monolog einer älteren Frau, die in einer Nervenheilanstalt ist. Weil ihr weder Gott noch irgendjemand zuhört, vertraut sie sich schließlich einer Nachtschwester an, die auf ihrer Station die Wache hält. Aber auch diese scheint ihr erst nicht richtig zuzuhören, doch die Last, der sich Heleen entledigen möchte, muss raus. Und so taucht der Leser in einen Monolog, der ein ungewöhnliches und tiefes Frauenleben entstehen lässt.
Für mich war die Erzählform eines Monologes sehr passend gewählt. Die Protagonistin war mir so sehr nah und ihre Erzählung wirkte auf mich authentisch. Auch dass sie ab und an sich an ihre Zuhörerin gewandt hat, zeigte entsprechende Reaktionen auf ihre Erzählung und brachte mir auch die Nachtschwester näher.
Heleen zeigt in ihrer Lebensgeschichte viele menschliche Züge, die Tiefen und Abgründe der Psyche, der Wahrnehmung und des Denkens. Sie lässt uns an ihren Gedanken und Bewertungen teilhaben, viele davon entgegen dem, was uns die Gesellschaft als moralisch und richtig vorschreibt bzw. vorlebt. Man ahnt durch den Aufbau der Spannung im Monolog, dass etwas Schlimmes passieren wird und fragt sich, ob das der Grund ist, weshalb die Protagonistin in dieser Klinik ist. Oft lässt sich die Tragödie auch erahnen, sodass der Schluss für mich als Leserin nicht ganz überraschend kam. Es ist kein „Spaßroman“, man liest es nicht nur so nebenbei, es ist ein kleines Tornado, was einen mitreißt, sobald man sich darin befindet.

Bewertung vom 25.04.2021
Zeit für Träume / Senfblütensaga Bd.1
Langenbach, Clara

Zeit für Träume / Senfblütensaga Bd.1


sehr gut

… ist das große Thema des ersten Bandes der Senfblütensaga aus der Feder von Clara Langenbach. In „Zeit für Träume“ lernt der Leser zwei junge Menschen kennen, Emma und Carl, die auf ihre Art und Weise von einer Selbständigkeit, einem Ausbruch aus den gesellschaftlichen Erwartungen und den ihren zugedachten Rolle, träumen. Die Erstgenannte möchte studieren, obwohl die damalige Zeit dies kaum erlaubte und sie selbst keine genügende Vorbildung aufweisen kann. Carl träumt von einem eigenen Unternehmen, das die eigenen Senfkreationen herstellt und verkauft, obwohl ihm schon ein fester Platz in der elterlichen „Transportfirma“ zugedacht ist. Emma soll vorteilhaft heiraten, mehr hat ihre eigene Familie nicht für sie im Sinn. Über Umwege begegnen sich die beiden jungen Erwachsenen und träumen von nun an gemeinsam. Doch es wäre ja zu einfach, wenn alles funktionieren würde und sie keine Steine in den Weg gelegt bekommen. Dass diese Steine jedoch vorrangig aus den Händen von engsten Familienmitgliedern und besten Freunden kommen würden, scheint das junge Glück nicht bedacht zu haben.

An sich handelt es sich hier um eine historisch inspirierte Geschichte, deren Hintergründe schön in einem Nachwort erklärt werden. Leider hatte die Story aber einige Schwächen. Emma ist der absolute Überflieger, egal, was ihr in die Hände fällt, es gibt wirklich sehr viele Dramen und Verwicklungen, sodass sich ab der Hälfte des Buches die Geschichte künstlich in die Länge gezogen anfühlte. Ich bin mir noch unsicher, ob ich den Folgeband, der diesen Herbst erscheinen soll, lesen werde.

Bewertung vom 14.04.2021
Unterwasserflimmern
Schaller, Katharina

Unterwasserflimmern


sehr gut

… ja, diese Bezeichnung würde sehr gut zur Protagonistin von „Unterwasserflimmern“ passen. Das Romandebüt aus der Feder von Katharina Schaller gewährt einen kurzen Einblick in das Leben einer jungen, namenlosen Frau, die das Leben und sich selbst noch kennen lernen möchte/muss.
Dadurch, dass während der gesamten Handlung ihr Name unbekannt bleibt, schafft die Autorin Distanz, jedoch lässt sie auch gleichzeitig den/die LeserIn an so vielen geheimen, abstoßenden und lebensnahen Gedanken der jungen Frau teilhaben, dass man diese Welt kurz aus deren Augen zu betrachten glaubt. Im Grunde, ist es eine Geschichte wie es sie viele geben wird. Die Protagonistin steckt in einer langjährigen Beziehung fest, aus der sowohl sie selbst als auch ihr Partner Emil entwachsen sind. Ihre Ziele und Vorstellungen driften immer mehr auseinander und als der männliche Part nicht nur über den Lebensmittelpunkt als auch ihren Körper bestimmen möchte, ergreift die junge Frau die Flucht. Um sich selbst zu finden, zu sortieren, zu überlegen, was am besten zu tun wäre. Dabei kommuniziert sie mit uns LeserInnen nicht nur in einer teils derben Art und Weise als auch mit ihrer Umwelt, wobei für sie da voran die Sexualität eine Rolle spielt.
„Unterwasserflimmern“ spielt gekonnt und bewusst mit Tabus und Grenzen. Egal, ob es um die offene Sexualität der Frau geht, moralische und gesellschaftliche Vorstellungen von Dingen, die Rolle des Mannes und den Begriff der Reife. Es ist, vor allem aus feministischer Sicht, ein wichtiges und lautes Buch aus dem man durchaus etwas mitnehmen kann, wenn man es denn möchte.

Bewertung vom 13.03.2021
Genug
Dalsgaard, Louise Juhl

Genug


sehr gut

„Genug“ ist der Titel des Buches aus der Feder von Louise Juhl Dalsgaard und ihr Romandebüt. Auf wenigen Seiten schafft die Autorin eine beinah romantische und poetische Lebensgeschichte über eine Krankheit, die so plötzlich da ist und die ihre Wurzeln tiefer hat als man denkt.

Die Protagonistin, die während der gesamten Geschichte keinen Namen hat, legt ein glanzvolles Abitur ab und hat seitdem kein Ziel mehr. Daher beschließt sie, mit dem Essen aufzuhören, um abzunehmen. Bald stellen sich die ersten Erfolge ein, doch die junge Frau kann nicht mehr aufhören und dieser Entschluss begleitet sie nun jeden Tag bis sie kurz vorm Tode steht. Der Leser bekommt während dieser gesamten Reise Abrisse aus ihrer Kindheit, ihrer Jugend, erfährt etwas über die Eltern, die männlichen Beziehungen der jungen Frau. Durchbrochen wird dieses fast schon teilweise poetisch anmutende Schildern von nüchternen Krankenberichten. Es ist bis zum Ende unklar, ob die Protagonistin ihren Platz in der Welt findet, ob sie die Krankheit besiegt, wie es mit ihr überhaupt weitergeht. Der Klappentext spricht über einen „Weg zurück ans Licht“. Die Biografie der jungen Frau ist so unklar wie die Krankheit selbst und ihr Entstehen. Der Leser stellt sich bis zum Schluss Fragen, woher sie diesen Entschluss fasst. Aus Protest? Aus Rache? Dennoch eine sehr empfehlenswerte Lektüre trotz der Thematik über die Tiefen der menschlichen Psyche und Seele und die Auswirkungen auf das Physische.

Bewertung vom 02.03.2021
Geteilte Träume
Mothes, Ulla

Geteilte Träume


sehr gut

Als Geistergeheul …
… bezeichnet Ingke, der Dreh- und Angelpunkt des Debüts „Geteilte Träume“ von Ulla Mothes, ihre Albträume, die sie oft heimsuchen. Die junge Frau, die kurz vor ihrem Abitur steht und sonst eine liebevolle Kindheit ohne Entbehrungen genossen hat, kann sich diese Vorkommnisse nicht erklären. Bis sie eines Tages ihrer kranken Mutter Maren Stammzellen spenden möchte und der Arzt ihren Versuch zu helfen als Lottospielen bezeichnet. Denn da erfährt die behütete Ingke, dass Maren und Kelle gar nicht ihre leiblichen Eltern sind. Nach entsprechenden Gefühlsausbrüchen beschließt Ingke ihrer Vergangenheit auf den Grund zu gehen … und der Leser soll sie dabei begleiten.

Der Plot des Romanes ist so aufgebaut, dass jedes Familienmitglied, egal, ob es nun zu Ingkes Adoptivfamilie gehört oder zur Blutsverwandten, seine Geschichte nach und nach erzählt. Die junge Frau wird also von Ort zu Ort gewiesen und erfährt, je mehr Personen sie aufsucht, immer mehr über die Hintergründe ihrer beider Familien. Für den Leser kommt dazu noch eine umfassende (und leider teilweise sehr pauschalisierte) Schilderung der Lebensumstände in der DDR, die oft sehr negativ daherkommt, und der BRD, das Gegenteil. Trotzdem verlieren die Geschehnisse nicht an Bedeutung und nicht an Grausamkeit. Leider kommt es durch die Vielzahl der Handelnden dazu, dass man als Leser durcheinanderkommt und nicht wirklich Personen nahekommt, da die Perspektiven stets gewechselt werden. Auch mit Ingke bekommt man hier eine teilweise wenig emphatische und pubertär auftretende Person. Leider fand ich den Schluss auch unglücklich umgesetzt, sodass dieses Debüt mich nicht ganz umgehauen hat, aber dennoch eine gute Geschichte darstellt, die auf auf jeden Fall wert ist, gelesen zu werden.

Bewertung vom 27.02.2021
Das Flüstern der Bienen
Segovia, Sofia

Das Flüstern der Bienen


ausgezeichnet

„Das Flüstern der Bienen“ von Sofia Segovia lässt sich schwer mit Worten beschreiben. Es ist wie eine Reise in eine laue Sommernacht, die durchdrungenen von Gewürzen, süßen Gerüchen sowie herzlichem Lachen ist, eine solche Nacht, der ein Zauber inne wohnt und man doch weiß, dass irgendwo ein Unglück jemanden ereilt, obwohl alles so warm und frei von Sorgen ist.

Die Geschichte beginnt mit Nana Reja, einer Figur, die man nur ins Herz schließen kann. Ich habe sie mir in der gesamten Geschichte wie eine alte und ehrwürdige Eiche vorgestellt... .Diese Nana findet auf ihre alten Tage unter ungewöhnlichen Umständen einen Säugling, der offensichtlich gerade nach der Geburt unter einer Brücke ausgesetzt und seinem Schicksal überlassen worden ist. Nicht nur die Umstände seines Fundes sind besonders, denn Simonopio, wie das Kind nun heißen wird, ist insgesamt ein besonderer Mensch. Überall, wo sein Körper und auch sein Geist hin wandert, wird er von Bienen begleitet, die seine Sinne erweitern und ihn Dinge wahrnehmen und spüren lassen, die anderen Menschen nicht sichtbar sind.
Simonopio wird nun durch die Familie, die ebenfalls Nana Reja vor einiger Zeit aufgenommen hat, ebenfalls adoptiert und begleitet diese durch alle Widrigkeiten des Lebens. Krieg, Krankheit, Erfolge … und scheint eine Art Schutzengel zu werden. Doch nicht alle mögen die Familie und nicht alle können und wollen Simonopio akzeptieren.

Unbedingte Leseempfehlung! Eine wunderschöne verträumte aber auch reale Geschichte über die Bände von Freundschaft, Familie und Natur.

Bewertung vom 29.05.2016
Das Haus der verlorenen Kinder
Winterberg, Linda

Das Haus der verlorenen Kinder


ausgezeichnet

Das Haus der verlorenen Kinder erzählt eine Geschichte zweier norwegischer Frauen und Freundinnen im Zweiten Weltkrieg. Zunächst scheint nichts ihr ruhiges und friedvolles Leben zu stören, bis die "Feinde" kommen und sich alles in Loshavn verändert.
Lisbeth und Oda verlieben sich in deutsche Soldaten. Schon bald sind sie schwanger und bangen um ihre Zukunft. Als ''Deutschenmädchen'' werden sie nicht nur von der Gesellschaft ausgeschlossen, sondern auch von ihren Familien missachtet. Die einzige Rettung scheint der Lebensborn zu sein, ein Verein der Nationalsozialisten, der sich um Mütter von Kindern deutscher Soldaten kümmert. Doch bald müssen sowohl Lisbeth als auch Oda einsehen, dass es dabei gewaltige Unterschiede gibt... .

Die Autorin verbindet in diesem Buch zwei Geschichten. Einerseits die der beiden Freundinnen Oda und Lisbeth in der Vergangenheit, andererseits das der jungen Frau Marie, die als Vollwaise lebt und in einem Altenpflegeheim arbeitet. Dabei trifft sie auf die außergewöhnliche Seniorin Betty, die anscheinend noch in der Vergangenheit lebt und fühlt sich mit ihr verbunden... .

Informativ, spannend und gleichzeitig erschreckend. Frau Winterberg arbeitet eine schwere und grauenvolle Thematik so auf, dass man sich von dem Buch kaum losreißen kann. Ein Lesemuss!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.04.2016
Das kalte Licht der fernen Sterne
Galkina, Anna

Das kalte Licht der fernen Sterne


gut

Der Roman von Anna Galkina fällt einem sofort ins Auge. Samowar, Lenin, Hahnlolly und Plumpsklo... in der Mitte ein roter Stern. Was zuerst wie ein amüsanter Russland-Roman anmutet, entpuppt sich schnell als nüchterne Alltagsbeschreibung aus dem Leben einer jungen Heranwachsenden und der Nebenpersonen. Wer hier über das "typisch Russische" wie zuviel Wodka und Kommunismus schmunzeln möchte, ist bei diesem Buch komplett falsch.
Der Leser begleitet Nastja, ein junges Mädchen, aus dem Städtchen durch ihr Leben. Dabei stößt er neben diversen Alltagsbeschreibungen (wie des Geruches vom Plumpsklo oder onanierender Männer) auch auf Szenarien von Vergewaltigungen, Straßenstrich, roher Gewalt, viel Alkohol... und erster Liebe. Ja, auch in dieser Geschichte gibt es Hoffnung, die in Verkörperung des Soldaten Dima auftaucht. Ob diese Liebesgeschichte Bestand haben wird?

Der Umfang von knapp 220 Seiten hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die Geschichte steigert sich nicht nur in der Rohheit, sondern auch in der Spannung. Man ist als Leser dennoch gefesselt und möchte wissen, wie es weitergeht. Ob ich dieses Buch allerdings weiterempfehlen würde, weiß ich nicht. Es ist nie verkehrt einen unverblümten Einblick in das Leben in Russland (hier in den 80ern) zu gewinnen, jedoch dominierte hier für mich klar das Negative.

Bewertung vom 20.03.2016
Feuerrot
Blazon, Nina

Feuerrot


sehr gut

Man taucht in das mittelalterliche Ravensburg ein und begleitet sowohl reiche Patrizier wie arme Arbeiter durch das damalige Leben. Schnell schließt man die feurige Madda und den rationalen Benno und die sympathische Lies ins Herz. Doch dann kommt ein mysteriöser Italiener, der sowohl hübsch als auch gefährlich scheint, und bringt die heile Welt durcheinander.
Durch das Auftaucher des päpstlichen Inquisitoren werden Zweifel zwischen friedfertige Menschen gesät. In Ravensburg soll es Hexen geben, die Frauen die ungeborenen Kinder töten und den armen Bauern die Ernten verwüsten. Und so schaut man als Leser, halb fassungslos, wie Freunde zu Feinden werden, wie Worte mehr als Gold wiegen und wozu Menschen im Stande sein können. Schnell stehen die Protagonisten, die man gern gewonnen hat, vor dem Gericht und müssen sich gegen Vorwürfe zur Hexerei behaupten und alles scheint verloren und auswegslos... . Doch diese Geschichte beweist auch, was Freundschaft, Vertrauen und Liebe wert sind und am Ende über jede Lüge stehen.

Die Autorin hat diese Thematik fundiert und spannend in eine Geschichte verpackt und dies in einem Schreibstil, der die Seiten fast von allein umblättern liess. Eine klare Leseempfehlung!