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millis.books
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Karlsruhe

Bewertungen

Insgesamt 38 Bewertungen
Bewertung vom 18.08.2025
Menger, Ivar Leon

Der Tower


gut

Nach seinem letzten Buch, das in einem kleinen Dorf in den 80er-Jahren spielte, schlägt Ivar Leon Menger mit Der Tower eine völlig andere Richtung ein – fast wie eine 180-Grad-Wendung. Diesmal stehen ein dystopisches Hochhaus und eine Künstliche Intelligenz im Mittelpunkt, die zunehmend die Kontrolle übernimmt. Diese Wendung muss man auch erstmal schaffen. Aber Ivar ist das meiner Meinung nach gut gelungen. Vor allem durch den Schreibstil, den ich auch hier wieder liebe, bin ich wie gewohnt durch die Seiten geflogen. Nova war mir zwar nicht sympathisch, das macht mir persönlich aber gar nichts – trotzdem hab ich mit ihr mitgefiebert. Vor allem die Atmosphäre hat mir wieder sehr gefallen – düster, beklemmend, klaustrophobisch.

Dieses ganze KI-Thema war sehr modern und gewagt. Für meinen Geschmack war’s ok, an manchen Stellen aber auch sehr überzogen und unrealistisch. Auch war die Spannung für mich eher im unteren mittleren Bereich. Vom Ende war ich dann auch etwas enttäuscht. Vielleicht hatte ich aber auch einfach zu hohe Erwartungen, auch weil ich die ganze Zeit auf DEN unfassbaren Plot-Twist gewartet hab, der leider nicht kam.

Bewertung vom 18.08.2025
Stava, Sophie

Eine falsche Lüge - Wird es ihre letzte sein?


gut

Lügen kennen wir alle, denn jeder hat bestimmt schon mal gelogen. Was die Protagonisten Sloane hier jedoch an einem Tag weglügt, hab ich hoffentlich mein ganzes Leben lang nicht. Und was passiert eigentlich, wenn man nicht nur bei Kleinigkeiten lügt, sondern bei seinem ganzen Leben?

Das erfahren wir als neugierige Leser bei Sloane, die sich bei Violet zunehmend durch ihre ganzen Lügen selber ihr Grab gräbt. Ja, wir haben hier irgendwie einen klassischen Mc-Fadden-Thriller. Das Setting sowie die Figuren sind sehr begrenzt, aber top ausgebaut. Auch wenn nicht viel passiert, ist die Spannung doch konstant hoch perfekt für einen ruhigen Thriller. Die dynamik zwischen Sloane und Violet mochte ich auch sehr, der flüssige Schreibstil hätte auch ein Durchlesen an einem Tag erlaubt. Im Laufe der Geschichte erwarten uns noch ein paar Wendungen, über die ich teilweise sehr schmunzeln musste. Das einzige Übertriebene fand ich den Schluss, da geh ich nicht ganz mit, ansonsten hat mich das super unterhalten.

Bewertung vom 05.08.2025
Konishi, Masateru

Die Bibliothek meines Großvaters


gut

Das Buch ist mir vor allem durch das tolle Cover und den wunderschönen Farbschnitt ins Auge gestochen. Der Klappentext verrät nicht viel, dennoch bin ich gut in die Geschichte reingekommen. Die Enkelin und ihr Großvater führen eine ganz rührende Beziehung miteinander, die vor allem durch eins geprägt ist: Geschichten. Obwohl der Opa demenzkrank ist, sitzt er immer noch in seinem Studierzimmer umgeben von Geschichten und hört seiner Enkelin auch gerne zu, wie sie welche erzählt. Der Autor lässt hier etwas Cozy Crime miteinfließen, da die beiden vor allem über Kriminalfälle rätseln und verschiedene Lösungen besprechen. Dabei ist der Großvater trotz mentalem Nebel immer noch ein Gedanke voraus, stets mit einer Zigarette in der Hand. Mir hat das ganze Szenario toll gefallen und mich auf eine wohlige Art eingemummelt.

Leider gab es aber zu keinem Kriminalfall eine richtige Lösung, das läuft mehr oder weniger immer wieder ins Leere. Auch hätte ich mir gewünscht, dass der Großvater über eine eigene Geschichte spricht, die er erlebt hat. So waren die Figuren doch etwas unnahbar und der Fokus war auf vielen Seiten bei fremden Figuren, die mich nicht interessiert haben. Auch die vielen aufgezeigten Szenarien der Kriminalfälle mit Person A, B usw. haben meinen den Lesefluss gestört und waren mir irgendwie zu flach dargestellt. Insgesamt hätte ich mir irgendwie mehr von der Geschichte gewünscht, vor allem mehr Tiefe.

Bewertung vom 22.07.2025
Ihli, Noelle W.

Frag nach Andrea


ausgezeichnet

Die Perspektive von drei Toten Frauen ist sehr außergewöhnlich, denn normalerweise finden wir in Thrillern hauptsächlich die Täter-Perspektive. Was sich abgefahren und etwas nach Fantasy anhört, hat die Autorin aber total realistisch dargestellt, ohne dem Ganzen eine Absurdität zu verleihen. Ich konnte in die Geschichten der drei Frauen eintauchen wie ins kalte Wasser an einem heißen Sommertag. Unbedingt wollte ich wissen, wohin die Reise dieser drei besonderen Frauen führt. Dabei hat die Autorin auch alle drei stark charakteristisch gezeichnet, sodass ich mich in den kurzen Kapiteln wunderbar zurechtfand.

Während der ganzen Geschichte hab ich auf eine Art mitgefiebert, wie ich das bei normalen Thrillern irgendwie nicht mache. Das Ende war für mich das absolute Highlight: mein Puls hat sich erhöht, ich hab glaub kurz nicht mehr geatmet. Außerdem sind mir fast die Tränen gekommen. Dass ich so fühle, schafft ein Thriller ganz selten. Die Geschichte ist verstörend, aber faszinierend. Übernatürlich und doch realistisch. Ich fand das tragisch, traurig, stark, hoffnungsvoll, spannend, originell – und sehr emotional. Die Geschichte wird mir ewig im Kopf bleiben.

Ein Buch, das durch seine außergewöhnliche Geschichte auf vielen Ebenen sehr berührt, extrem aus der Thriller-Masse heraussticht und lange nachhallt.

Bewertung vom 08.07.2025
Aichner, Bernhard

John / Die Rache Bd.2


ausgezeichnet

Uhh endlich der zweite Teil der Rache-Serie mit Yoko bzw. jetzt nun John. Der erste Teil war schon brutal, daher hab ich mir vom zweiten auch einiges erwartet auch wenn ich gar nicht wusste, in welche Richtung die Geschichte geht. Das kann man hier aber auch nicht, denn die Geschichte erinnert an eine Fahrt in den Serpentinen – wendungsreich und voller Kurven. Aichner hat mich ständig mit neuen Handlungssituationen überrascht, von der ich jede sehr geliebt hat. Auch jeder Strang hatte für mich eine starke Dynamik und hohe Spannung. Das liegt auch einfach an dem sensationellen Schreibstil von Aichner. Dialoge mit Spiegelstrichen. Kurze prägnante Sätze – stark und wirkungsvoll. So wird auch immer eine für mich sehr emotionslose und kalte Atmosphäre hergestellt, die aber sehr zur Geschichte passt.

Auch fand ich das Hin- und Herspringen in den verschiedenen Zeitebenen wieder eine Kunst. Ohne lange Erklärungen oder Zwischenüberschriften hab ich mich wunderbar zurecht gefunden und richtig mit John mitgefiebert.

Auf wenigen Seiten wird hier à la Aichner wieder eine sehr starke Geschichte mit rasantem Tempo und außergewöhnlichen Schreibstil vermittelt, die aber nichts für Zartbesaitete ist. Auch wenn es kein Highlight für mich war, trotzdem top und nichts zu meckern.

Bewertung vom 16.06.2025
Cors, Benjamin

Aschesommer / Gruppe 4 ermittelt Bd.2


ausgezeichnet

Den ersten Teil der Reihe „Krähentage“ fand ich schon grandios und hat zu meinen Highlights 2024 gezählt. Daher waren die Ansprüche und Erwartungen an den zweiten Teil SEHR HOCH. Wir begleiten Mila und Jakob bei ihrem zweiten Fall und dieser hat es wieder in sich. Die Krähen sind weg, dafür hat nun das Sterben begonnen. Was das genau bedeutet, erfahren wir recht schnell – die Spannung ist sofort da und bricht bis zur letzten Zeile auch nicht ab. Gewohnt Benjamin Cors geht es um einen Wettlauf gegen den Serienmörder, der Schreibstil ist spannend, präzise und eindringlich. Noch dazu hat mir die Kulisse hier super gut gefallen und hat perfekt zum Titel gepasst.

Mila und Jakob fand ich wieder sehr authentisch und mit ihren jeweiligen Vergangenheiten sehr greifbar und vielschichtig. Das Highlight war für mich aber der Hintergrund der Serienmorde und dem erschreckend klugen Konzept hinter den Morden. Diese kreative Idee ragt für mich absolut heraus und hab ich so noch nie gelesen. Dass ein Thriller mich gleichzeitig so mitfiebern lässt und mir dabei noch ein geschichtliches Thema mitgibt, ist sehr selten und eine absolute literarische Kunst.

WOW – ich fand „Aschesommer“ noch besser als Krähentage. Die Geschichte ist so brennend intensiv wie der Titel vermuten lässt und glüht sehr lange nach. Ein Buch, das vor allem inhaltlich absolut herausragt. Für mich ein Lesehighlight und definitiv eines der besten Bücher des Jahres!

Bewertung vom 23.05.2025
Fitzek, Sebastian

Horror-Date


gut

Die beiden anderen Nicht-Thriller von Fitzek hab ich nicht gelesen, hier hat mich das Thema aber sehr angesprochen, denn wer kennt es nicht? Das Horror-Date. Die Grundidee find ich hier super cool und bei der Plattform „The Walking Date“ musste ich schon kurz lachen. Ob das der einzige Lacher für mich bei der Geschichte war? Kurzer Spoiler: Ja, leider.

Die Geschichte beginnt recht schwungvoll, die beiden Hauptfiguren sind ganz nett aber irgendwie auch sehr realitätsfern. In den einzelnen kurzen Kapiteln packt Fitzek so alles rein, was er im Deutschunterricht je gelernt hat. In jedem Satz wartet entweder eine vermeintliche humorvolle Phrase oder eine Metapher, die lauter schreit, als die letzte. Das kann man mögen – ich hätte mir aber oft gerne die Ohren zugehalten. Dabei soll die Geschichte nicht nur die Lachtränen aktivieren, sondern durch den thematischen Schwenk von Krankheit und Tod auch echten Lebenssinn vermitteln. Das war mir too much. Der Humor bei diesem Thema erinnert eher an einen Presslufthammer im Porzellanladen als an literarische Raffinesse.

Mich hat das Buch etwas enttäuscht obwohl es durchaus Geschmackssache ist. Für ein „Horror-Date“ gibt jedoch genug Ideen aus der Realität, die wirklich witzig sind und für die es dieses Überzogene nicht braucht. Einfach mal Leserbriefe schicken lassen...

𝗙𝗔𝗭𝗜𝗧: Wer dachte, Fitzek könne nur Thriller schreiben, wird hier eines Besseren belehrt – oder zumindest nachhaltig verwirrt. Das Buch wandert asap zu meiner Mama, vielleicht trifft das ihren Geschmack eher.

Bewertung vom 23.05.2025
Buck, Vera

Der dunkle Sommer


ausgezeichnet

Für mich könnte ein Thriller kaum besser anfangen wie mit einem Geisterdorf und einer verlassenen Villa, in dem eventuell was Schreckliches passiert ist. Deswegen war ich auch sofort drin in der Geschichte, als wir Tilda beim Einzug in die Villa begleiten. Vera Buck hält für uns einige Perspektiven bereit, sodass wir zwischen vier Personen und zwei Zeitebenen wechseln. Was sich vielleicht erstmal kompliziert anhört, wurde unglaublich klug umgesetzt. Die anfänglich undurchschaubaren Handlungsstränge werden wie ein Puzzle nach und nach zusammengesetzt und ergeben am Schluss ein stimmiges Gesamtbild. Auch das italienische Flair fängt Buck hier durch den atmosphärischen Schreibstil sehr gut ein: die klirrende Hitze sowie die feindseligen Bewohner der Insel hab ich sehr gefühlt.

Abschließend hat mich die Autorin mit ihrem Nachwort sehr zum Nachdenken angeregt.

𝗙𝗔𝗭𝗜𝗧: Ein Geisterdorf, das unter die Haut geht. Eine vielschichtige Geschichte mit einer klasse Atmosphäre, die nie ihren roten Faden verliert. Besonders raffiniert fand ich hier, wie alles am Schluss zusammenläuft: klar, nachvollziehbar und ohne Überfrachtung. Besser kann man das meiner Meinung nach nicht machen.

Bewertung vom 17.02.2025
Rudolf, Emily

Das Dinner - Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder?


sehr gut

Interessante Freundesgruppe, die da nach fünf Jahren in dem imposantes Glasrestaurant im Eifel-Nationalpark wieder zusammenkommt. Irgendwie hat hier jeder seine Eigenheiten und am Anfang ist es mir wirklich schwer gefallen, mit den vielen Figuren, den neuen Namen vom Krimi-Dinner sowie dem Zeitwechsel klarzukommen. Ich dachte mir echt oft „puh“ und musste mich da teilweise mit hoher Konzentration durchkämpfen. Spätestens ab der Mitte war ich dann aber richtig drin und konnte die Geschichte wesentlich flüssiger lesen. Auch hat sich die Spannung gesteigert und das Ende hält einen tollen Twist bereit – der vor allem sehr gut durchdacht ist. Allerdings waren es insgesamt für mich zu viele Dialoge und zu wenig Atmosphäre.

Emily Rudolf punktet hier vor allem mit dem tollen ausgefeilten Szenario eines Krimidinners – ich kann die Arbeit des Teams nur erahnen. Da steckt wirklich viel drin, die ganze Idee dahinter fand ich klasse.

Bewertung vom 12.02.2025
Prödel, Kurt

Klapper


ausgezeichnet

Ach, Klapper und Bär…schon als ich die letzte Seite umblätterte, hatte ich die beiden schmerzlich vermisst. Denn die Geschichte hier hat richtig ins Herz getroffen. Wir begleiten den Computernerd Klapper beim Erwachsenwerden; tauchen durch kurze Kapitel aber auch in seine Gegenwart viele Jahre später ein. Kurt Prödels Schreibstil ist für mich eine Hommage an die deutsche Sprache. Denn auf diesen wenigen Seiten schafft er es ohne viel Rumgeplänkel, das Gefühl, die Stimmung und Gedanken von mehreren Generationen rüberzubringen. Wer um 2010 rum aufgewachsen ist, hat bestimmt mindestens einen Klapper gekannt oder sich mit Zitroneneistee, Counter Strike, Gottschalk oder alten Rockbands befasst. Dadurch beinhaltet die Geschichte eine riesen Packung Nostalgie, die teilweise sehr tiefgehend war – aber immer mit einer Prise Humor. Am Schluss hat mich die unerwartete Wendung emotional wirklich sehr gepackt.

Klapper und Bär – eine außergewöhnliche Kombination mit einer humorvollen und gleichzeitig traurigen Geschichte, die einfach wunderbar geschrieben ist. Ganz große Empfehlung!