Benutzername: Janine2610
Wohnort: Großmugl
Über mich:
Danksagungen: 13 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 120 Bewertungen
Bewertung vom 12.09.2017
Mein bester letzter Sommer
Freytag, Anne

Mein bester letzter Sommer


gut

»Mein bester letzter Sommer« ist ein Roman, der meines Erachtens schon seit seiner Erscheinung so gehyped worden ist, wahrscheinlich ähnlich wie »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«. Und genauso wie in John Greens Geschichte geht es hier um zwei Jugendliche, die nur begrenzt lange Zeit miteinander verbringen können. Einer von den zweien stirbt nämlich schon bald. In diesem Buch ist es Tessa. Und ich finde, das lässt die Protagonistin uns Leser auch ständig wissen: so oft und teilweise makaber, dass es mir persönlich zu viel war. Das ist der Grund, weshalb Tessa mir anfangs eher unsympathisch war: sie spricht mir zu häufig völlig emotionslos über ihren Tod, übers Sterben im Allgemeinen und macht schlechte Scherze darüber. Galgenhumor würde man das nennen. - Ist nicht ganz das, worauf ich stehe.

Bis ca. Seite 100 hat man auch nicht gewusst, was eigentlich mit Tessa los ist. Dass irgendwas mit ihrem Herzen nicht stimmt und sie deswegen wohl bald das Zeitliche segnen wird, stand da, nichts aber von einer genauen Diagnose, unter der man sich mehr vorstellen hätte können. Erst dann hat man erfahren, dass ihr Herz seit ihrer Geburt "ein Loch" hat und ihre Lungenschlagader fehlt, aber den genauen Grund, warum sie denn gerade jetzt sterben soll/wird, hat man bis zum Schluss nicht herauslesen können.

~ Ich liebe alles an ihm, aber am meisten liebe ich, wie lebendig ich mit ihm bin. Und wie oft er mich vergessen lässt, dass ich es nicht mehr lange sein werde. ~
(S. 271)

OSKAR, DER PERFEKTE OSKAR

Und dann, in der wahrlich ungünstigsten Zeit ihres Lebens, taucht plötzlich dieser Junge auf, Oskar.
Allein dieses erste einander Erblicken und Ansehen wird schon so unwirklich magisch beschrieben, dass ich mir bereits da gedacht habe, dass die weiteren Situationen mit Oskar nur ähnlich kitschig ablaufen können. Großteils war dem dann auch so ...
In Tessas Augen ist Oskar ein Gott, ein übermenschliches Wesen. Sie glorifiziert ihn vom Scheitel bis zur Sohle. Deshalb, und weil ihr ja auch bewusst ist, dass ihre Tage hier auf Erden gezählt sind, ist sie wahrscheinlich auch so nachdenklich, verkrampft und eifersüchtig. Auf diese Weise verkompliziert sie leider alles. Man fragt sich manchmal wirklich, warum Oskar sich das mit ihr "antut".

Meine Rezension liest sich bisher wahrscheinlich eher wenig begeistert. Zur Verteidigung der Geschichte muss man aber auch betonen, dass »Mein bester letzter Sommer« als Jugendbuch ab 14 Jahren ausgewiesen ist und ich finde, genau so wirkt es auch: Ein bisschen zu romantisch und zu perfekt um wahr zu sein. Jugendliche, die verliebt sind (in Tessas Fall sogar zum ersten Mal!), haben eben manchmal diesen Blick auf den Stand der Dinge, denke ich. Ich glaube, das hat Anne Freytag ganz gut eingefangen.

~ Ich dachte, ich gehe als unbeschriebenes Blatt, aber das werde ich nicht. Oskar hat Spuren hinterlassen. Seine Gefühle in meinem Herzen, seine Stimme in meinem Kopf und seine Hände auf meiner Haut. Ich glaube, ich habe es verstanden. Liebe ist genug. Und ich wurde geliebt. ~
(S. 350)

Aber außerdem enthält diese Geschichte eine wunderschöne Botschaft. Je mehr Zeit die beiden gemeinsam auf ihrem Roadtrip durch Italien verstreichen lassen (und es ist wirklich nicht viel Zeit), desto mehr kann man auch die Veränderung in Tessa beobachten. Ihr Tod naht und sie versteht immer mehr die Bedeutung des Lebens und versucht das auch in ihr noch vorhandenes Leben zu integrieren. Das fand ich wirklich schön: dass Tessa letztlich verstanden hat, worum es geht und sie das glücklich gemacht hat.
Die letzten Seiten fand ich sehr berührend, sie haben mich schlussendlich doch noch mit der Geschichte versöhnt und mich etwas traurig zurückgelassen.

Wer über meine Kritikpunkte hinwegsehen will und kann, sollte sich dieses Buch gönnen. Die letzten Seiten und die schöne Botschaft darin (Worum es im Leben wirklich geht!) sind die Lektüre auf jeden Fall wert.

Bewertung vom 27.08.2017
Grundig, A: Ich rette die Welt - aber erst mal eine rauchen

Grundig, A: Ich rette die Welt - aber erst mal eine rauchen


ausgezeichnet

Der Buchtitel klingt erst mal ganz witzig und lässt auf einen unterhaltsamen Inhalt schließen, dass dem aber gar nicht so ist, hätte ich mir eigentlich schon nach dem Lesen der Buchrückseite denken können ... Wenn es um Krieg mit all seinen unschönen Facetten und Folgen geht, hat man meist nicht viel zu lachen. Auch in vorliegendem Buch ist das nicht der Fall, eher regt es zum Nachdenken an und führt dazu, unserer aktuellen, relativ sicheren, Lebenssituation mehr Beachtung zu schenken und sie wertzuschätzen.

Lea, die Protagonistin in diesem Buch, ist eine hoffnungslos optimistische Pessimistin, eine Kriegsreporterin in Syrien. Unterwegs ist sie mit Nathan, einem Kriegsfotografen und von den Medien so betitelten "Immortal War Baby". Zusammen reisen sie (oftmals rauchend) durch das als immer wieder so wunderschön beschriebene Land Syrien und berichten schriftlich und visuell von den Schrecken des Bürgerkrieges. Dass diese Reise sehr gefährlich ist, lässt die Autorin in den verschiedensten Szenen häufig durchkommen.

~ Was stimmt nicht mit mir, dass ich mich von einem Ort angezogen fühle, vor dem alle flüchten? ~
(S. 41)

Als einen seicht zu lesenden Roman darf man sich »Ich rette die Welt - aber erst mal eine rauchen« bitte nicht vorstellen. Es geht sehr viel um das Zwischenmenschliche in allen Belangen, es geht um die politische Lage, um das Kriegsgewirr, um die Tiefgründigkeit von Gefühlen wie die Liebe und nicht zuletzt um die Wahrheit. Dass ich in solch einem Buch zitatemäßig voll auf meine Kosten gekommen bin, ist klar. Ich war wirklich begeistert von all dem Tiefsinn, von dem dieser Roman durchzogen ist.

Ich mochte beide Protagonisten sehr gerne. Lea und Nathan sind keine gewöhnlichen Menschen, die ein 08/15-Leben führen, sie beschäftigen sich lieber mit für die gesamte Menschheit wirklich wichtigen Dingen. Sie wälzen Gedanken, führen Diskussionen und philosophieren über Themen, die von Bedeutung für jedermann sind. Von Zeit zu Zeit wundert man sich nur über Nathans fast schon unheimliche Menschenkenntnis. Aber genau das ist auch das Faszinierende an ihm und vermutlich außerdem der Grund, weswegen Lea ihm so verfallen ist.

~ »Wenn ich etwas im Leben gelernt habe, dann dass Menschen nicht durch Hunger und Waffen sterben - sie verhungern und verbluten aufgrund von Gleichgültigkeit!« ~
(S. 185)

Die eine oder andere Szene ist wahnsinnig schockierend, die Beschreibungen sind mitreißend und die Atmosphäre zu großen Teilen drückend, aber auch von einer gewissen Hoffnung durchzogen. Im Großen und Ganzen eine Mischung, die mich außerordentlich fesseln konnte.
Für dieses wertvolle und tiefgreifende Stück Literatur gibt es von mir begeisterte 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung an alle!

Bewertung vom 13.08.2017
Die einzige Wahrheit
Picoult, Jodi

Die einzige Wahrheit


ausgezeichnet

Gibt es immer nur DIE EINE Wahrheit? Oder kann es nicht auch sein, dass jeder seine eigene gültige Wahrheit hat, geprägt durch die subjektive Wahrnehmung? - Genau diese Frage stellt in Jodi Picoults »Die einzige Wahrheit« das Zentralthema dar.

Die Autorin hat sich für diese Thematik ein ganz besonderes Setting mit Buchfiguren, von denen man wahrscheinlich noch nicht so viel gelesen oder gehört hat, ausgedacht. Es geht um eine Amisch-Farm im US-Bundesstaat Pennsylvania, in der die junge unverheiratete Katie ein Baby zur Welt gebracht und es getötet haben soll. In weiterer Folge taucht dann noch Ellie, eine erfolgreiche Anwältin, auf, um für Katie die Verteidigung zu übernehmen und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Dieser Fall ist insofern bemerkenswert, weil Amische unter den "Englischen" eine ganz besondere Stellung einnehmen: Sie gelten sozusagen als heilig. Niemand würde annehmen, dass jemand aus dieser Gemeinde zu so einer Straftat fähig wäre, insbesondere keine so unschuldig wirkende 18-Jährige wie Katie.

~ Ihre Gemeinde lebte unauffällig inmitten der normalen Welt, wie eine kleine Luftblase, unberührt von allem anderen. ~
(S. 14)

Allein diese Umstände haben mich schon wahnsinnig neugierig auf den Verlauf der Geschichte gemacht!
Begonnen hat das Ganze schon sehr spannend: Man erlebt mit Katie die Geburt ihres Babys mit und erfährt ebenso ihre anschließende Bewusstlosigkeit. Nach ihrem Erwachen ist das Baby verschwunden ...
Was ist in der Zwischenzeit passiert? Hat Katie dissoziiert? Hat sie sich das alles nur eingebildet? Wurden ihre Gebete erhört und hat Gott alles wieder in Ordnung gebracht?

~ Man sieht nur das, was man sehen will. ~
(S. 344)

Für mich war es anfangs sehr schwer, mich in Katie hineinzuversetzen, da mir die amische Lebensweise ja völlig fremd ist. Bevor ich mir nicht den Wikipedia-Artikel über diese Leute durchgelesen habe, ist mir das also ziemlich schwer gefallen. Die 18-jährige Katie kam mir lange so vor wie ein kleines naives Mädchen, das unglaublicherweise das absolut Offensichtliche leugnet - und das trotz all der erdrückenden Beweise. Dazu dachte ich mir erst: Ignoranz in seinem vollen Ausmaß! - Das kann doch nur dazu führen, dass all die Leute glauben werden, sie sei psychisch nicht ganz auf der Höhe. Oder nicht?

~ Wenn man sich an etwas nicht erinnerte, lag das daran, dass es nie passiert war? Oder daran, dass man sich wünschte, es wäre nie passiert? ~
(S. 238)

Erst später, im weiteren Verlauf, konnte ich Verständnis für die junge Frau entwickeln. Ich fand die Entwicklung, Aufklärung und schlussendlich auch die Lösung echt gut durchdacht und schlüssig sowieso. Picoult hat es hier, im Gegensatz zu ein paar ihrer anderen Werke, echt geschafft, die Spannung dauerhaft hoch zu halten und immer wieder neue Fragezeichen bei mir entstehen zu lassen.

Besonders interessiert hat mich die Sprache der Amischen, die teilweise immer wieder in die Gespräche mit eingeflossen ist. Die Amischen reden kein reines Englisch, es ist eher so eine Mischung aus Deutsch und Englisch und nennt sich Deitsch.
Was ich am Anfang als schwierig empfunden habe, war, mir so viele Namen merken zu müssen, denn man wird in meinen Augen zu Beginn regelrecht erschlagen davon und läuft deswegen Gefahr, Buchfiguren zu verwechseln.

~ Wenn du einen Fehler machst und bereust, wird dir vergeben. Du wirst mit offenen Armen wieder aufgenommen. Wenn du lügst und immer weiter lügst, gibt es keinen Platz mehr für dich. ~
(S. 272)

Alles in allem bin ich aber hochzufrieden mit der Geschichte gewesen. Die brisante Thematik und die für mich ganz neuen Informationen über die Amisch-Gemeinde haben mich gut beschäftigt und unterhalten. Meiner Meinung nach also definitiv eine Empfehlung wert!

Bewertung vom 06.08.2017
Selfies / Carl Mørck. Sonderdezernat Q Bd.7
Adler-Olsen, Jussi

Selfies / Carl Mørck. Sonderdezernat Q Bd.7


sehr gut

»Selfies«, der 7. Fall für Carl Mørck und sein Team vom Sonderdezernat Q (Assad, Rose und Gordon), hat mich, um ehrlich zu sein, nicht komplett von den Socken gehauen.
Der Autor hat in der Vergangenheit schon mehrfach gezeigt, dass er ein Händchen bei der Kreierung absonderlicher Charaktere und kranker Persönlichkeiten hat. Auch in vorliegendem Buch hat er diesbezüglich wieder ganze Arbeit geleistet. Denn nicht nur einmal habe ich mich gefragt: »Sind denn hier alle des Wahnsinns?«. Besonders die Buchfiguren, die ausschließlich in diesem Band auftauchen, haben alle (mehr oder weniger) einen an der Waffel. - In meinen Augen ein wenig zu viel der Wahnsinnigen.

Zum einen gibt es hier die Sozialarbeiterin Anneli, die normalerweise die Wohlanständigkeit in Person ist, sich andererseits aber auch einen irren Plan zur "Reinigung" der Gesellschaft ausgedacht hat, den sie nicht müde ist, in die Tat umzusetzen. Schließlich hat sie ja auch nicht mehr viel zu verlieren - mit ihrer Krebserkrankung ... - Erinnert hat mich ihr Vorhaben ganz stark an das Horror-Buch »Population Zero« von Wrath James White. Die Idee ist gut und schafft Aufmerksamkeit - keine Frage - ich fand lediglich die Umsetzung bzw. die Herangehensweise, die die Täterin gewählt hat, um ihre Opfer um die Ecke zu bringen, etwas fad. Da hat sich Adler-Olsen wohl ein bisschen zu sehr ein Beispiel am Tathergang von Band 6 (Verheissung) genommen ... Schade.
Von den anderen eigensinnigen Gestalten in diesem Fall möchte ich gar nicht erst beginnen, das würde den Rahmen dieser Rezension sprengen.

Der Fokus liegt im Buch sehr stark auf den einzelnen Protagonisten. Der 7. Band wird, wie auch seine Vorgänger, also aus mehreren Sichtweisen erzählt. Ich hoffe, ich habe jetzt niemanden vergessen, aber ich denke, dass sind alle Buchfiguren, aus deren Sicht man abwechselnd lesen kann: Carl, Rose, die Sozialarbeiterin Anneli und Denise, eine ihrer Klientinnen.

Anders als in anderen Thrillern oder Krimis, ist hier von Anfang klar, wer aller eine gestörte Persönlichkeit aufweist bzw. wer es aufs Morden abgesehen hat. Wir begleiten den Täter ja sogar bei seinen Handlungen, haben Einblick in seine Gedankenwelt und können so außerdem ein wenig verstehen, warum er auf diese Art versucht, seine Angelegenheiten zu regeln. Wir schlüpfen also quasi direkt in seine kranke Rolle. - Manchen gefällt das, manchen nicht. Ist Geschmackssache. Ich finde, das und das hat seine Vor- und Nachteile. Auf diese Weise war es vielleicht nicht ganz so spannend, wie ich mir das für ein Buch, das als Thriller ausgewiesen wird, wünschen würde.

Unser guter Assad, der mit seinen häufigen Wortverdrehern oder Aussagen (über Kamele), vor allem in den vorherigen Bänden, für den starken Gebrauch der Lachmuskeln gesorgt hat, war mir im 7. Band leider etwas zu unwitzig bzw. war seine Witzigkeit nicht ganz so stark ausgeprägt wie sonst immer.

Alles in allem war ich zufrieden mit dem neuen Sonderdezernat Q - Band. Spannung war ausreichend vorhanden, hätte für meinen Geschmack jedoch ruhig noch mehr sein können. Die wahnsinnigen Buchfiguren waren mir einen Ticken zu viel, ansonsten bin ich mit der Charakterskizzierung mehr als glücklich gewesen. Adler-Olsen hat es echt drauf, was die Besonderheiten und den Wiedererkennungswert seiner Protagonisten betrifft. Die Idee/der Grundgedanke des Buches und die verschiedenen Baustellen, die nach und nach ein gemeinsames Bild ergeben, fand ich ebenfalls großartig. Nur die Umsetzung, wie oben schon erwähnt, fand ich ein wenig einfallslos, da es diesbezüglich Ähnlichkeiten zum 6. Band gibt.

Bewertung vom 21.07.2017
Die Milch macht's!
Hamilton, Alissa

Die Milch macht's!


sehr gut

Nicht viele Menschen hinterfragen ernsthaft, warum Kuhmilch eine derart privilegierte Stellung in unserer Ernährung einnimmt. In vielen anderen Kulturen oder Weltregionen wird Milch im Erwachsenenalter kaum bis gar nicht konsumiert - und die dort Lebenden haben zum Teil sogar mit weniger Erkrankungen (Osteoporose, Herz- und Kreislauferkrankungen, Übergewicht, zu hohe Cholesterinwerte, ...) zu tun. Uns wird (durch die Werbung) immer wieder propagiert, dass Milch unersetzlich und essenziell ist, um gesund zu bleiben und alle für uns wichtigen Nährstoffe zu erhalten. Dass dem aber gar nicht so ist, verdeutlicht Alissa Hamilton in diesem Buch sehr gut. Hinter all diesen Lobgesängen auf die Milch steht vor allem die Milchindustrie und die dazugehörigen Lobbyisten, die mit der "reinen", weißen Flüssigkeit selbstverständlich jede Menge Umsatz machen wollen. Zu glauben, dass die Menschen, die mit der Milch ihr Geld verdienen, nur das Beste für uns wollen, ist irrig.

Wenn man bedenkt, wie viel Milch den Amerikanern (und dieses Buch ist ziemlich amerika-lastig) von den verantwortlichen Stellen empfohlen wird und wie krank die US-Bürger sind, fragt man sich doch, was hier hinter verschlossenen Türen in Wahrheit besprochen wird ... So auch die Autorin von »Die Milch macht's!«.
Alissa Hamilton erzählt uns hierin erst mal kurz die Geschichte und Entwicklung der Milch, erklärt, wie man sie im Laufe der Zeit verändert hat, gibt uns zu verstehen, dass sie eben nicht unverzichtbar ist und es dafür ganz viele (um einiges bessere) pflanzliche Alternativen gibt, die weitaus gewinnbringender für unseren Körper sind und zusätzlich noch weniger Kalorien beinhalten. Weiters, und das war wiederum für mich hochinteressant, deckt die Autorin in vorliegendem Buch (auf sehr indirekte Art und Weise) auf, wie wir alle manipuliert werden, wenn es darum geht, uns gewisse Lebensmittel als "gesund" zu verkaufen. Geradezu skandalös fand ich den einen oder anderen Absatz zu diesem Thema. Aber skandalös ist sie ja meistens: die Wahrheit, die keiner wahrhaben will.

Streckenweise war mir »Die Milch macht's!« leider zu wissenschaftlich geschrieben. Vom Verständnis her hat es bei mir nicht gehapert, das meine ich nicht, mir kam es nur manchmal so vor wie eine Studie, die ich lesen muss, denn da waren dann diese langen Würste von Nennungen gewisser Organisation, Einrichtungen, Institutionen und Ärzten, Wissenschaftlern und nicht zu vergessen: Zahlen, ganz viele Prozentzahlen waren hier zu finden. Wenn man sich dann noch hinten den Anhang mit den Quellenangaben, der sich über 30 Seiten erstreckt, angesehen hat, ist klar, warum das Ganze ... aber man sieht daran natürlich auch, dass der Inhalt akribisch recherchiert wurde, was ja eindeutig ein Pluspunkt sein sollte. Bei einem Sachbuch dieser Art sollte man auch nichts anderes erwarten.

Ziemlich am Ende des Buches finden sich dann noch 35 Rezepte, in denen die Autorin vielseitige und nährstoffreiche Produkte vorstellt, die man statt der Milch benutzen kann, da sie eben viel gewinnbringender für unseren Körper sind.
Für mich sind die Rezepte eher nichts. Die meisten davon sind zwar eh vegan, aber ich bin einfach eher ein Mensch, der nach Gefühl, spontan und nach Lust und Laune kocht oder zubereitet. Ich mag vorgegebene Rezepte nicht so gerne. Meistens kaufe ich einfach alles ein, was ich finde und als gesund erachte und haue in meinen Topf ganz bunt gemischt das hinein, was ich gerade will und gut finde. Heraus kommen dabei eigentlich immer ganz köstliche (und vor allem immer andere!) Gerichte. Sowas wie ein Rezept braucht die Janine also nicht unbedingt. :P

Wer nun auch wissen will, was hinter unseren ach so tollen Milchprodukten tatsächlich steckt und sich von einer teilweise etwas wissenschaftlichen Schreibweise nicht abschrecken lassen will/kann, dem kann ich »Die Milch macht's!« absolut empfehlen, denn die Erkenntnisse, die man daraus gewinnt, sind für jedermanns gesundheitliche Zukunft Gold wert!

Bewertung vom 15.07.2017
Minnesota Winter
Radinger, Elli H.

Minnesota Winter


sehr gut

Elli H. Radinger hat mit »Minnesota Winter« einen abenteuerlichen Liebes-Wildnis-Roman geschaffen, der auch gleichzeitig ihre Autobiografie darstellt. Die (damals) in Deutschland lebende Autorin beschreibt darin ihre Liebe zur Natur und den Tieren (allen voran den Wölfen) und wie sie es geschafft hat, sich ihren Traum vom Leben in der Wildnis, im Einklang mit der Natur, zu erfüllen. Dass das Ganze auch mit einer Menge Entbehrungen einhergehen würde, war ihr erst nicht derart bewusst.

~ Wenn die Existenz auf die Basis reduziert wird, erlangen andere Dinge Bedeutung, und wir beginnen, uns selbst zu entdecken. ~
(S. 299)

Manch einer hat ja manchmal diese Anwandlung, einfach seine Sachen zu packen, wegzugehen und mitten im nirgendwo in einer Waldhütte weit abseits der Gesellschaft, und ebenso weit entfernt von Straßen- und Menschenlärm, zu leben. Dass dieses Vorhaben nicht ausschließlich romantisch ist und so ein Leben mitunter sehr anstrengend werden kann, hat die Autorin am eigenen Leib erfahren müssen. In Ellis Fall kam nämlich ein Mann hinzu, der ihr die erste Zeit des Ausstiegs zwar noch erleichtert und sehr schön gemacht hat, aber im Laufe des weiteren Kennenlernens hat sich herausgestellt, dass ebenjener Mann ziemlich engstirnig, verurteilend, kontrollsüchtig und intolerant ist, worunter Elli, je mehr Zeit sie mit ihm verbracht hat, richtig gelitten hat. Aber nicht nur das, zum Ende hin hat ihr Wildnismann sogar seine gewaltbereite Seite gezeigt ...

Wenn ich mir vorstelle, kilometerweit von der nächsten Zivilisation entfernt zu sein und ich mich mit einem unberechenbaren Mann in einer kleinen Waldhütte aufhalten würde, ohne großartige bzw. schnelle Fluchtmöglichkeit, wird mir ganz mulmig zumute. Wie sich Elli in dieser Situation gefühlt hat, kann ich mir also denken - und das wird, wie ich finde, in diesem Buch auch hervorragend von ihr rübergebracht.

~ Ich glaube, der Verlust eines Traums, der Vorstellung, wie das Leben hätte sein können, ist stets wie ein kleiner Tod, den wir betrauern müssen, um danach wie Phoenix aus der Asche zu steigen und neu zu beginnen. ~
(S. 291)

Teilweise konnte ich die Autorin aber auch nicht verstehen. Ihr Wildnismann Greg kommt hierin nämlich abwechselnd lieb und dann wieder wie ein Monster oder wenigstens wie ein äußerst unguter/unangenehmer Zeitgenosse rüber, und ich hatte so den Eindruck als würden Gregs negative Seiten deutlich überwiegen, dennoch hat Elli ihm immer und immer wieder eine Chance gegeben. Ein bisschen hatte ich das Gefühl, als wäre sie masochistisch. Wer gibt sich denn noch länger mit einem Mann wie Greg, der sie so respektlos behandelt, ab? - Leben in der Wildnis hin oder her. Da wäre ich mir selbst viel zu wichtig, als dass ich das ignorieren oder drüber hinwegsehen könnte. Bei der allerersten schlechten Behandlung hätte ich schon meine Sachen gepackt und ihn verlassen. Sich so etwas auf Dauer gefallen zu lassen bzw. zu warten, bis der Mann komplett ausgereizt ist, das wäre mir nicht eingefallen ...

Jedenfalls ist es wirklich spannend zu lesen gewesen, wie Elli das alles durchgestanden und überlebt hat, ohne Schaden davonzutragen. So ein Leben in der Einsamkeit und Stille der Wildnis hat schon was Reizvolles, das muss auch ich gestehen, aber dass das auch Schattenseiten hat, muss man sich auch erst mal bewusst machen und eingestehen. Wer mit dem Gedanken spielt, auszusteigen, für den ist das Buch bestimmt was; für alle anderen, die Fans abenteuerlicher (realer) Geschichten sind, die sind mit »Minnesota Winter« wahrscheinlich ebenfalls gut beraten.

Bewertung vom 19.06.2017
Die Nachtigall
Hannah, Kristin

Die Nachtigall


ausgezeichnet

Über den zweiten Weltkrieg haben wir alle vermutlich bereits sehr viel gelesen oder gelernt. Wie es den Männern an der Front ergangen ist, was sie durchmachen und erleben mussten, das wird einem in den unterschiedlichsten Situationen ja immer wieder mal ins Gedächtnis gerufen. Aber was ist eigentlich mit den Frauen, die den Krieg überstehen mussten? Haben die auch irgendetwas leisten müssen? Mussten sie Dinge entbehren, Opfer bringen, Hunger leiden? Kaum einer weiß viel über das Leben der Frauen während dem zweiten Weltkrieg. Dass diese es auch alles andere als leicht hatten und auf gewisse Weise ebenso einen großen Einfluss auf das Kriegsgeschehen hatten, ist vielen Menschen nicht bewusst. In diesem Roman, mit wahrem historischen Hintergrund, erzählt die Autorin Kristin Hannah von ebenjenen (französischen) Frauen und ihren erschreckend bewegenden Schicksalen.

~ Für uns war es ein Schattenkrieg. Und nachdem er vorbei war, gab es keine Paraden für uns, keine Orden und keinen Platz in den Geschichtsbüchern. Im Krieg taten wir, was wir tun mussten, und nachdem er vorbei war, sammelten wir die Scherben ein und fingen noch einmal von vorn an. ~
(S. 599)

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen also die beiden französischen Schwestern Vianne und Isabelle. Während Vianne, Mutter einer kleinen Tochter, auf die Rückkehr ihres Mannes von der Front wartet, erlebt sie ihre ganz persönliche Hölle in ihrem eigenen Zuhause, denn dort quartieren sich nacheinander zwei deutsche Offiziere ein, mit denen beiden ziemlich schlecht Kirschen essen ist.
Isabelle hingegen, die einen wirklich ganz eigenen Kopf mit widerspenstigem Charakter besitzt, ist, im Gegensatz zu ihrer Schwester, kein brav und still gehorchendes Mädchen, sondern jemand der aktiv Widerstand leisten will. Jede Aktion, die schlecht für die Nazis ist, ist ihr willkommen. Ihr Wesen lässt sich demnach in etwa so beschreiben: Wurde ihr gesagt, dass sie etwas nicht tun sollte, tat sie es erst recht, jede Mauer verwandelt sie in eine Tür.

Jedenfalls durchleben die beiden Schwestern, mal zusammen, mal länger voneinander getrennt, eine Menge unschöne Momente. Sowohl große Verluste, sich Verlassenfühlen und hochgefährliche Situationen, als auch Hunger, Kälte und die permanente Angst vor dem Feind im eigenen Land sind Themen, die in diesen Jahren allgegenwärtig und kaum auszuhalten waren ...

~ »Denke nicht darüber nach, wer sie sind. Denk darüber nach, wer du bist, und darüber, mit welchen Opfern du leben kannst und welche dir den Halt nehmen würden.« ~
(S. 180)

Für mich war diese Lektüre sehr spannend und mitreißend. Bewegend war vor allem die Tatsache, dass mir bewusst war, dass dies wahre Schicksalsgeschichten sind, die so tatsächlich stattgefunden haben. All die entsetzlichen Szenen, all das Leid, der Hunger, die Kälte, die Vergewaltigungen, Gewalt im Allgemeinen, der Tod ... Es muss furchtbar gewesen sein, das mitzuerleben. Und ich ziehe meinen Hut vor all jenen Frauen, die in dieser Zeit die Kraft hatten, nicht aufzugeben, das überstanden haben und danach, auf welche Weise auch immer, mit ihren Verlusten zurechtgekommen sind.

Ich kann euch allen dieses aufwühlende Stückchen Literatur nur ans Herz legen. Der Inhalt ist so gewaltig, so tiefberührend, dass er mich an manchen Stellen wirklich sprachlos zurückgelassen hat und das will schon was heißen. Aber von der Autorin habe ich glücklicherweise ja schon einmal ein derartig bewegendes Buch gelesen, deswegen steht fest: in naher Zukunft gerne Weiteres von Kristin Hannah!

Bewertung vom 04.05.2017
Die Schmetterlingsinsel
Bomann, Corina

Die Schmetterlingsinsel


ausgezeichnet

»Die Schmetterlingsinsel« war nach »Eine wundersame Weihnachtsreise« mein zweites Buch von Corina Bomann, allerdings hat mir dieses hier um Längen besser gefallen.
Schon auf den ersten Seiten habe ich gemerkt, wie flüssig und schnell sich das Ganze lesen lässt und wie sehr es die Geschichte schafft, mich zu fesseln.

Dieses Buch ist ein Familiengeheimnis-Roman und es befinden sich darin zwei Handlungs- bzw. Zeitstränge: Einer aus der Jetzt-Zeit und der andere spielt größtenteils Ende des 19. Jahrhunderts. Der Hauptschauplatz ist Ceylon (Sri Lanka).
Die junge Diana ist die Protagonistin aus dem Gegenwart-Teil und sie ist es, die nach dem Tod ihrer Großtante Emmely (auf ihren letzten Wunsch hin) Licht auf die finsteren Stellen ihrer Familiengeschichte werfen möchte. Und so begibt sie sich nach Sri Lanka, denn dort hat alles begonnen ...

~ »Es ist schon seltsam. Zu ihren Lebzeiten bemühen sich unsere Ahnen, die Flecken auf ihrer Vergangenheit geheim zu halten. Und dann bitten sie uns Nachfahren, sie zu finden, weil sie diese Last gern los wären und selbst nicht die Kraft haben, sie zu offenbaren.« ~
(S. 223)

Ich fand den Aufbau der Geschichte total gut gemacht, denn Bomann hat immer abwechselnd (kapitelweise) mal aus Dianas Sicht und dann wieder aus dem Blickwinkel von Grace (Ururgroßmutter von Diana) aus dem Jahre 1887 erzählt. Das war nicht nur abwechslungsreich für mich, sondern hat insofern auch gut gepasst, weil die Übergänge der Zeitsprünge immer auf irgendeine Weise etwas Verbindendes im Geschriebenen hatten.

Ich muss aber gestehen, dass ich Graces Geschichte wesentlich spannender empfunden habe, als die Geschehnisse in Dianas Zeit. Das aufregendere Leben hatte also eindeutig ihre Urahnin. ;)

~ »Ein Geheimnis mag gehütet werden oder sich irgendwo hinter dem Vorhang der Geschichte verstecken. Doch früher oder später taucht jemand auf, der es findet und ans Licht zerrt.« ~
(S. 493)

Bei mir taten sich beim Lesen so viele Fragen auf, ich wollte unbedingt wissen, was mit Grace geschehen war, für welchen Skandal sie (für damalige Ansichten) gesorgt hat und wie es zur Ausstoßung aus der Familie bzw. zu ihrer Enterbung gekommen ist.
Nach und nach wurde mir beim Lesen so einiges klar, aber gleichzeitig haben sich die Fragen bei mir getürmt. Diesen Umstand fand ich einfach unfassbar packend.

Wer also Freude an einem wirklich unterhaltsamen, gut geschriebenen und fesselnden Familiengeheimnis-Roman hat, bei dem man zusätzlich furchtbare Lust auf Ceylon-Tee bekommt, ist mit »Die Schmetterlingsinsel« hervorragend bedient.

Bewertung vom 09.04.2017
Im Licht von Apfelbäumen
Coplin, Amanda

Im Licht von Apfelbäumen


sehr gut

»Im Licht von Apfelbäumen« war ein Re-Read. Das erste Mal gelesen habe ich es bereits im September 2013 und weil es mir damals so gut gefallen hat, wollte ich es mir gerne mal wieder zu Gemüte führen. Mein Gesamteindruck aus der heutigen Sicht fällt leider nicht mehr ganz so grandios aus wie vor knapp 3,5 Jahren. Damals war ich von dem emotionslosen, nüchternen Schreibstil ziemlich begeistert, konnte mich geradezu träumerisch darin verlieren und war auch recht schnell durch mit der Geschichte.

Die Ruhe, Melancholie und die Traurigkeit, die von Talmadge, einem der Hauptfiguren, ausgeht, spiegelt sich ebenso im Geschriebenen wider. Aber gerade das konnte mich heute nicht mehr berühren oder irgendwie beeindrucken. Ganz im Gegenteil: Manchmal hatte ich beim Lesen deswegen sogar ein Gefühl der Langeweile.
Trotzdem hat die Geschichte um Talmadge, Della, Jane und die kleine Angelene etwas an sich, das mich fesseln konnte. Die Schicksale und Geschehnisse rund um die Charaktere machen dennoch sehr neugierig und man mag die ganze Zeit wissen, was weiterhin vor sich geht. Eine gewisse Tragik zieht sich durch die ganze Geschichte und lässt einen nicht mehr los.

Für mich hat sich der Re-Read auf jeden Fall gelohnt. Noch einmal in die Welt der altbekannten Buchfiguren einzutauchen, hat schöne Erinnerungen in mir hervorgerufen, und obwohl von Zeit zu Zeit ein paar Längen meine Lesefreude ein wenig getrübt haben, empfand ich die Geschichte nach wie vor als sehr lesenswert.

Bewertung vom 09.04.2017
Aus eisiger Tiefe / Ingrid Nyström & Stina Forss Bd.3
Voosen, Roman; Danielsson, Kerstin S.

Aus eisiger Tiefe / Ingrid Nyström & Stina Forss Bd.3


gut

Eine tote Anwältin in der Gegenwart. Ein verlassener Junge und eine Wasserleiche von vor 20 Jahren. Mittendrin ist immer wieder die Rede vom Untergang der Ostseefähre »Estonia«, die im Jahre 1994 auf ihrer Fahrt von Tallinn nach Stockholm gesunken ist und mindestens 850 Menschen das Leben gekostet hat. Als Leser fragt man sich: Wie passen die beiden oben genannten Toten und der verwaiste Junge mit diesem schrecklichen historischen Unglück zusammen? Die Antwort nach und nach herauszulesen - davon habe ich mir viel (Spannung und Lehrreiches) versprochen ...

Von Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson habe ich bereits Band 1 und 2 um die Kommissarinnen Ingrid Nyström und Stina Forss gelesen, allerdings ist das schon ein Weilchen her. Nichtsdestotrotz konnte ich mich schnell wieder an die beiden ungleichen Frauen erinnern und habe mich sodann auf einen spannenden Kriminalroman gefreut.

Historische Ereignisse in Büchern miteinzubetten, finde ich immer besonders aufregend, schließlich kann man beim Lesen dann ja auch noch was lernen. Ich selbst habe mich nach der Lektüre noch ein wenig in die Thematik rund um die gesunkene Estonia eingelesen und festgestellt, dass »Aus eisiger Tiefe« ziemlich gut recherchiert wurde. Zumindest wären mir jetzt keine Ungereimtheiten aufgefallen. Dass sich um dieses Fährunglück viele Mythen ranken, ist mir schnell klar geworden, und genau das ist ja auch Thema in diesem Krimi: Verschwörungstheorien. - Die mitunter sehr verworren daherkommen und bei mir von Zeit zu Zeit für Verwirrung gesorgt haben.
Dennoch fand ich die Idee der Autoren, sich ein solches Ereignis herauszupicken und darum herum eine abwechslungsreiche Geschichte aufzubauen, alles andere als schlecht. Die Geschichte war zum Teil zwar ganz spannend, mir persönlich aber bei weitem nicht spannend genug, vor allem, weil es für mich, gefühlt, zu viele "Baustellen" gab, um von den Geschehnissen dauerhaft wirklich gefesselt zu sein.

Eine der beiden Hauptfiguren ist die Deutsch-Schwedin Stina Forss. Sie ist auf der einen Seite eine recht unnahbare, emotionslose Person, die zur Abgebrühtheit neigt und gerne mal den einen oder anderen (riskanten und vor Blut nur so triefenden) Alleingang wagt. Auf der anderen Seite haben die Autoren der guten Stina aber auch als weiblich geltende Attribute zugeschrieben, schließlich stöckelt sie ziemlich häufig auf ihren Pumps durch die Ermittlungen ...
Ingrid Nyström war mir, im Gegensatz zu Stina, wesentlich sympathischer, aber auch sie hatte etwas an sich, das mich abgeschreckt hat: So wirkte sie für mich wie ein Opfer der Umstände (Krankheit). Generell würde ich sie als negativen, aber dennoch bemühten Menschen beschreiben. Im Grunde sind die beiden Frauen sehr unterschiedlich in ihrem Charakter und ihren Leben. Beide haben ihre persönlichen und privaten Schwierigkeiten, die einen signifikanten Raum in der Story einnehmen und nicht uninteressant zu verfolgen sind. Ich habe die Geschichten von beiden Damen also sehr gerne gelesen.

Allgemein gesehen konnte mich der Krimi leider nicht so sehr fesseln, wie ich mir das gewünscht hätte. Teilweise war er mir zu kompliziert/verworren und weiste zu viele Baustellen auf, um mich auf Dauer überhaupt mitreißen zu können. Die vielen Beschreibungen über den Fährenbau, die Technik, die dahinter steckt und das Geschreibsel über die Werften hätte man sich in meinen Augen sparen oder wenigstens stark kürzen können. Hinzu kommt, dass die Protagonisten-Sicht, aus der erzählt wurde, meiner Meinung nach, zu oft gewechselt hat. In den Ermittlungen ging erst nicht sonderlich viel voran und dann - ganz plötzlich - wird den Kommissaren Schlag auf Schlag alles klar, plötzlich passt alles zusammen und sie kommen zur Auflösung. - Inwiefern das authentisch ist, sei dahingestellt.
Ohne Abzüge punkten konnte alles rund um die Privatangelegenheiten der Buchfiguren. Diese Geschehnisse waren ausnahmslos echt spannend mitzuverfolgen.