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Benutzername: Seelchen
Danksagungen: 6 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 11 Bewertungen
12
Bewertung vom 20.02.2012
Die Flucht / Cassia & Ky Bd.2
Condie, Ally

Die Flucht / Cassia & Ky Bd.2


ausgezeichnet

Ebenso wie Die Auswahl ist auch dieser Band in der Ich-Perspektive geschrieben, doch diesmal ist es nicht Cassia alleine, die den Leser durch die Geschichte führt. Unterstützung bekommt sie dabei von Ky, mit dem sie sich abwechselnd die Erzählerrolle teilt. Wenngleich die doppelte Ich-Perspektive am Anfang ein klein wenig verwirrend wirken kann, gelingt es doch recht schnell, sich daran zu gewöhnen und in die Geschichte abzutauchen. Auch sprachlich hat sich Die Flucht im Vergleich zum ersten Band ein wenig verändert. Diese eher nüchterne, teilweise auch steril und kalt wirkende Nuance, die die Schreibe im ersten Band mit sich brachte und gleichzeitig die strukturierten Lebensumstände nochmal betonte, sind hier ein bisschen verloren gegangen. Allerdings hat das der Geschichte nicht geschadet, sondern war für die Umgebung und die Situation, in der sich die Charaktere in diesem Buch befinden, genau richtig. Hier war kein Platz für klare Strukturen, für penibel kontrollierte Abläufe und Sterilität.

Die Auswahl hat dem Leser das Leben in der Gesellschaft nahe gebracht, ihn mit strengen Tagesabläufen, Regeln, der Bestimmung, wen man lieben und welchen Beruf man ausüben soll schockiert und manch einer mag sich bei dem Wunsch ertappt haben, dass diese Zukunftsvision niemals Realität werden wird. In Die Flucht geht Ally Condie auf das Für und Wider beider Seiten ein und zeigt dabei auf, dass weder die Gesellschaft noch das Leben außerhalb der Gesellschaftsmauern so perfekt oder wenig perfekt ist, wie man zunächst vielleicht meinen mochte. Auch Cassia und Ky müssen sich im Laufe der Geschichte immer mal wieder eingestehen, dass sie in der Vergangenheit vielleicht voreilig geurteilt haben und erkennen, dass es immer zwei Seiten der Medaille gibt. Doch nicht nur Für und Wider von Freiheit auf der einen und Kontrolle auf der anderen Seite ist Thema dieses Buches, nein, die Charaktere müssen sich mit einer ganzen Reihe von Gefühlen und Gedankensträngen auseinandersetzen.

Dank der doppelten Ich-Perspektive ist es dem Leser möglich, hinter Kys Fassade zu schauen, ihn und seine Vergangenheit ein bisschen besser kennenzulernen, seine Gedanken zu lesen, seine Beweggründe zu erfahren und in seine Gefühlswelt abzutauchen. Er lässt uns teilhaben an egoistischen Augenblicken, in denen sein Überlebenswille stärker ist, als jedes Gefühl von Anstand, in denen er lieber als Feigling gilt und sein Leben über das anderer stellt, anstatt einen hoffnungslosen Kampf zu führen und seinen Tod damit willkommen zu heißen. Er gesteht uns seine Angst davor, ersetzt zu werden, davor, dass sich Meinungen über ihn ändern, sobald man alles über ihn erfahren hat, fragt sich, welchen Preis man bereit ist für die Liebe zu zahlen und duldet uns als stumme Begleiter, während er für sich erkennt, dass man irgendwann an einen Punkt gelangt, an dem man seinen Frieden schließen, Fehler verzeihen und mit sich selbst ins Reine kommen muss.
Doch nicht nur Ky lernen wir besser kennen, sondern auch Cassia. Fernab von ihrer gewohnten Umgebung und den Strukturen erleben wir das junge Mädchen von einer anderen Seite. Von dem Willen geleitet, Ky aufzuspüren, geht sie unsagbare Risiken ein, zeigt Willenskraft und eine unglaubliche Stärke, während sie sich verbissen und ungeachtet ihrer bereits schwächelnden Gesundheit ihren Weg durch die äußeren Provinzen kämpft, nur getrieben von ihrer Hoffnung, den zu finden, den sie liebt. Die kräftezehrende Reise ist jedoch nicht das einzige, was Cassia verändert. Die Umstände um sie herum, die Denkweise und das Verhalten ihrer Gefährten, Traditionen und Legenden, die außerhalb der Gesellschaft auf sie niederprasseln und das Mädchen zum Nachdenken bringen, Vertrauensbrüche und die Erkenntnis, dass auch Liebe Raum braucht und man nicht alles über den anderen wissen muss, damit das Herz für ihn schlägt, lassen Cassia reifer werden und verleihen ihrem Charakter mehr Tiefe.

5 von 9 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.02.2012
Bis ans Ende der Welt / Kyria & Reb Bd.1
Schacht, Andrea

Bis ans Ende der Welt / Kyria & Reb Bd.1


ausgezeichnet

In diesem Reihen-Auftakt präsentiert sich uns diese Welt auf der einen Seite als Vereinigtes Europa, auch NuYu genannt, wo Fortschritt, Harmonie und Fürsorge im Zentrum der von Frauen regierten Gemeinschaft stehen, während die andere Seite, die der in Reservaten lebenden Menschen, unserer Zeit ein wenig hinterherhinkt, sich der steten Kontrolle entzieht und dafür in Kauf nimmt, auf die technischen und medizinischen Fortschritte NuYus verzichten zu müssen. Doch was sich im ersten Moment recht simpel oder, verglichen mit anderen Dystopien, vielleicht sogar auch etwas langweilig anhören mag, ist es in Wahrheit nicht, denn hinter diesem Grundgerüst steckt noch einiges mehr, als das oberflächlich betrachtete Konstrukt dieser Zukunftsvision zunächst erahnen lässt. So darf in einem solchen Buch natürlich auch die Seite nicht fehlen, die ihre weitläufigen Schatten über die so scheinbar gut strukturierte und friedliche Welt wirft. Stete Kontrolle unter dem Deckmantel der Fürsorge, gezielte Ausrottung der Unerwünschten Bürger durch Viren und Übergriffe, Ausnutzung von Macht, Schüren von Angst, Lügen und Intrigen sind es, die sich im Schutz der Schatten über die hier erschaffene Welt ziehen und das Grundgerüst abrunden.

Highlight dieser Geschichte sind die einzigartigen und mehr als sympathischen Charaktere, denen der Leser auf den rund 380 Seiten über den Weg läuft und die sich mit ihren spritzigen und humorvollen Dialogen zu meinen absoluten Lieblingen gemausert haben. Mit Eindimensionalität und farblosen, scheinbar nur als Spielfiguren eingesetzten Charakteren wird sich hier nicht aufgehalten, nein, dem Leser werden Protagonisten präsentiert, die sich ungeniert ihren Launen und Frotzeleien hingeben, die Ecken und Kanten haben, sich auch mal selbst auf die Schippe nehmen können und eine erfrischende Natürlichkeit ihr Eigen nennen können. So haben wir hier die junge Electi Kyria, die ein stets privilegiertes und wohl behütetes Leben geführt hat, die es gewöhnt ist, in einer Welt zu leben, in der Männer nichts zu sagen und nur eine Rolle als Spaßobjekt oder Handlanger inne haben. Doch Kyrias Leben ändert sich abrupt, als der uncharmante Lümmel Reb in ihr Leben tritt und unmissverständlich klar macht, dass er kein Erbarmen mit Elitezicken hat und er Kannnicht und Willnicht nicht gelten lässt. Für Kyria bedeutet es allerdings eine gewaltige Umstellung, sich von einem Mann etwas sagen zu lassen und dazu auch noch von einem solch ungehobelten Exemplar, was für witzige und erfrischende Wortgefechte zwischen den beiden sorgt. Doch nicht nur der Schlagabtausch zwischen den Hauptcharakteren sorgen für Schmunzler und Lacher, sondern auch Kyrias Beschreibungen ihrer Umgebung. So wird zum Beispiel der bevorstehende Ritt auf einem Pferd oder die Fahrt auf einem Zweirad mit Kindersarg nicht nur zu einem Abenteuer für unsere Helden, sondern reihen sich auch in die Liste der witzigsten Szenen dieser Geschichte ein.
Bei all dem Pfeffer, den die Autorin diesem Buch gegeben hat, vergisst sie jedoch nicht auch die Charaktere mit dem nötigen Ernst zu versorgen. So haben sowohl Kyria als auch Reb neben ihren Unterschieden doch eins gemeinsam: ein Päckchen, welches nur schwer zu schultern ist und tiefe Wunden in ihnen hinterlassen hat. Während Kyria bereits als Kind erfahren musst, dass sie an einem Gendefekt leidet und fortan mit der ständigen Angst lebte, ihre Krankheit könne jeden Moment ausbrechen und ihr Leben fordern, hat Reb auf der anderen Seite schon früh erfahren, was es heißt, ungewollt zu sein, verlassen und verstoßen zu werden, was ihn schlussendlich sowohl hart als auch verschlossen werden ließ. Diese Erfahrungen sind es, die den beiden eine gewisse Tiefe verleihen, sie Dinge hinterfragen und Ziele setzen lässt.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.02.2012
Nur zu deiner Sicherheit / The Sign Bd.1
Karr, Julia

Nur zu deiner Sicherheit / The Sign Bd.1


gut

Nur zu deiner Sicherheit lautet der Untertitel dieses Buches, doch ist der eigentliche Raum, den dieser kleine Satz einnimmt, viel weitläufiger, als man zunächst denken mag, denn er ziert nicht nur das Cover des Buches, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung der Geschichte.

Während Nina als Hauptprotagonistin die Rolle der Ich-Erzählerin einnimmt und den Leser durch die Geschichte führt, hilft der lockere und moderne Schreibstil dabei, schnell seinen Rhythmus zu finden und die Handlung in sich aufzunehmen. Zwar gibt es hier und da ein paar Längen, die sich besonders auf den ersten paar Seiten bemerkbar machen, doch sind diese recht bald überwunden und werden durch den Rest der Handlung größtenteils wieder wett gemacht.

Was die Rollenbesetzung dieser Geschichte betrifft, so findet man hier eine kunterbunte Mischung, deren Charaktere die unterschiedlichsten Spuren auf den Seiten hinterlassen. So zum Beispiel ist Sandy ein junges Mädchen, welches sich von Medien vollends beeinflussen lässt, den Jungs unbedingt auffallen möchte und alles dafür tun würde, ihrem Rang 2 Status zu entkommen, während Sal und Wei im Gegenzug keinen Wert auf Ränge legen und lieber weniger haben wollen würden, wenn sie dafür ihre Freiheit hätten, anstatt ihr Leben nach der steten Kontrolle und Zensur der Regierung ausrichten zu müssen. Doch nicht nur die unterschiedlichen Ansichten, die die einzelnen Protagonisten haben, sorgen für Abwechslung im Laufe der Geschichte, sondern auch all ihre Facetten, die von vorlaut und kess über liebevoll, traurig, wütend, zielstrebig, hilfsbereit und mutig bis hin zu hinterlistig und falsch reichen. Bei Nina hingegen hatte ich teilweise das Gefühl, die Autorin sei sich nicht ganz schlüssig gewesen, wie sie sie formen soll.

Große Mühe hat sich die Autorin dabei gegeben, im Mantel ihrer Geschichte Probleme unseres Alltags aufzuzeigen. So wurde hier ein Großteil der Aufmerksamkeit darauf gelegt, die Problematik der stetig zunehmenden Überwachung der Bürger anzusprechen und innerhalb der Handlung damit eine Möglichkeit dargestellt, wie das Leben unter den stets wachen Augen der Regierung aussehen könnte. Auch wird der große Einfluss der Medien auf den Konsumenten als Thema aufgegriffen, aufgezeigt, wie sie uns unbewusst manipulieren und Kontrolle auf uns ausüben. Als weiteren Strang räumt die Autorin dem Thema Sex von Jugendlichen und dem Vollzug des Geschlechtsverkehrs aus einer Erwartungshaltung heraus einen ebenso großen Raum ein.

Etwas gestört hat mich allerdings das Ende des Buches. Bei all den Problemen und Hürden, mit denen Nina im Laufe der Handlung zu kämpfen hatte, hatte ich damit gerechnet, mich mit einem gewaltigen Cliffhanger zufrieden geben zu müssen, doch dem war nicht so. Statt offener Fragen und dem Gefühl, auf gar keinen Fall länger auf die Fortsetzung warten zu können, weil die Neugier mich sonst auffrisst, ließ mich das Buch eher ruhig und gelassen ob all den aufgeklärten Fäden der Handlung zurück und genau das finde ich schade. Mir persönlich war das Ende zu einfach, zu rund und ich hätte es besser gefunden, wenn The Sign – Nur zu deiner Sicherheit ohne die letzten beiden Kapitel hätte leben müssen und der Leser dafür mit der ein oder anderen offenen Frage mehr dagestanden und sich das Warten auf den Folgeband mit Rätseleien und Spekulationen hätte versüßen können.


Fazit 
The Sign – Nur zu deiner Sicherheit ist ein durchaus unterhaltsamer Auftakt für eine Reise, in eine neue in der Zukunft spielende Welt mit sympathischen Charakteren, glaubwürdigen Umständen, gefühlvoller Ausarbeitung und Luft nach oben, die sich die Autorin im Folgeband hoffentlich zu Nutze macht, denn sowohl die Idee der Geschichte als auch ihre Charaktere haben viel Potential und ich würde mich freuen, wenn es im nächsten Band ganz zum Vorschein kommt. 

Bewertung vom 16.01.2012
Brennender Kuss / Firelight Bd.1
Jordan, Sophie

Brennender Kuss / Firelight Bd.1


ausgezeichnet

Der Schreibstil, in dem die Autorin den Leser in eine neue Welt entführt, ist leicht und flüssig gewählt. In der Ich-Perspektive geschrieben erzählt die junge Jacinda ihre Geschichte, lässt uns die Welt aus ihren Augen sehen, an ihren Gefühlen und Ängsten teilhaben und führt uns Leser durch die Handlung.

Bereits auf den ersten Seiten baut die Autorin die Spannung auf und versetzt den Leser damit schon zu Beginn in den Zustand des gebannten Seitenumblätterns. Zwar wird diese Spannung nicht das gesamte Buch über beibehalten, sondern konzentriert sich größtenteils auf den Anfang und das Ende dieses Buches, doch ist der Rest der Geschichte deswegen keineswegs langweilig.
Als Leser begleiten wir die Zwillinge Jacinda und Tamra gemeinsam mit ihrer Mutter Zara bei dem Versuch, sich ein normales Leben aufzubauen und werden dabei Zeuge so mancher vorprogrammierter Probleme. Während Tamra und ihre Mutter sich schnell an die Umstände gewöhnen, sich in ihrem neuen Leben gut zurechtfinden und sich pudelwohl fühlen, hat es Jacinda viel schwerer. Hin- und hergerissen zwischen Schuld- und Pflichtgefühl ihrer Familie gegenüber und dem Wer und Was sie ist, fällt es ihr schwer, ihren Platz zu finden und gleichzeitig den Erwartungen von Mutter und Schwester gerecht zu werden. Bei dem Versuch, sich selbst nicht zu verlieren, trifft sie auf Will, doch auch, wenn dieser junge Mann, der sich ebenso einsam wie sie fühlt und genauso auf der Suche nach seinem Platz ist, auf der einen Seite ihre Rettung bedeutet, so bringen sich beide mit ihren Gefühlen füreinander auch in Gefahr.
Über Will selber erfährt man nicht viel, doch ist er deswegen nicht weniger interessant. Etwas Geheimnisvolles und Verletzliches umgibt ihn, was in dem Leser sowohl den Wunsch schürt, hinter das Rätsel seiner Person zu kommen und ihn besser kennenzulernen als auch ein gewisses Mitgefühl für ihn auslöst.
Sehr treffend finde ich die Darstellung von Tamra und Zara, die in ihren Rollen als in der Vergangenheit größtenteils unsichtbare Schwester und besorgter Mutter völlig aufgehen und so manches Mal an eigene aus der Kindheit und Pubertät stammende Situationen erinnern und einen zum Schmunzeln bringen.
Natürlich dürfen in einem Buch wie diesem auch die Gegenspieler nicht fehlen und auch ihre Gestaltung ist der Autorin gut gelungen. Während die eigentliche Anzahl der Jäger weitaus mehr als eine Handvoll umfasst, sind es neben Wills Vater seine beiden Cousins, die der Leser kennenlernt. Letztere sind dabei auch diejenigen, die von Beginn an ihre Position in der Rollenverteilung deutlich machen, kalt und abgebrüht wirken, Menschen als Spielzeug für ihr eigenes Vergnügen benutzen und keinen Hehl daraus machen, dass sie nicht zu der Sorte „harte Schale, weicher Kern“ gehören.

Zwar ist der Umstand der unmöglichen Liebe nichts Neues und reiht sich in eine lange Liste von Büchern ein, doch wirkte es auf mich zu keinem Zeitpunkt als totgekaut, was nicht nur der für mich neuen und spannenden Welt, sondern auch den liebenswerten und authentischen Charakteren zu verdanken ist, die den Leser teilhaben lassen an Streitereien unter Geschwistern, dem Versuch, der Mutter seine eigene Welt näher zu bringen, Eifersuchtsszenen unter Teenagern und der Suche nach sich selbst, Akzeptanz und seinem Platz im Leben.
Neben den Protagonisten dieses Buches, welche die Geschichte mit ihrem Wesen erst lebendig werden lassen, ist es die Einarbeitung der kleinen Informationen, die stetigen Andeutungen und Hinweise, die dem Leser zwar nicht übermäßig viel, aber dennoch ein bisschen Rätselspaß ermöglichen und damit nicht unerheblich zum Lesevergnügen beitragen.

Bewertung vom 15.01.2012
Engelsnacht / Luce & Daniel Bd.1
Kate, Lauren

Engelsnacht / Luce & Daniel Bd.1


gut

"Engelsnacht" ist ein Buch, welches nicht gänzlich an die Seiten zu fesseln weiß. Besonders die erste Hälfte, bei der die Handlung nur schleppend vorangeht und der Leser mehr über Luces Haare erfährt, als von den geheimnisvollen und unheimlichen Schatten, die sie bereits ihr Leben lang begleiten, wird zu einer Geduldsprobe für manchen Leser. Erst zum Ende hin, wo sich die Lage sowohl für Luce, als auch für andere Charaktere immer mehr zuspitzt, beginnt die Geschichte leise zu offenbaren, was in ihr steckt.
Der Schauplatz für eine Geschichte voller mysteriöser Geschehnisse ist mit der Besserungsanstalt gut gewählt, doch leider hat die Autorin die hier gebotenen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft. Während man nach dem Beginn der Geschichte und dem damit verbundenen ersten Tag von Luce in der Besserungsanstalt kontrollierte Tagesabläufe erwartet, wird schnell klar, dass die Autorin ihr Augenmerk nicht auf die Atmosphäre der Umgebung gelegt hat. Werden auf den ersten Seiten noch Regeln und Bestrafungen erklärt und demonstriert, verlieren sie bald an Glaubwürdigkeit und die sogenannte Besserungsanstalt beginnt eher den Eindruck eines drittklassigen Internats zu machen.

Auch die Hauptcharakterin selbst kann nicht ganz überzeugen. Luce macht durch ihre Gedanken oft einen naiven Eindruck und ihre Handlungen, die nicht selten auch mal im Widerspruch zu ihren Gedanken stehen, lassen sie hier und da unglaubwürdig erscheinen. Wenngleich der Leser von Luce durch die Geschichte geführt wird und das Mädchen dadurch am besten kennenlernt, sind es die Nebencharaktere, die die Neugier erwecken. Egal ob es die Mädchen oder die Jungen sind, egal ob sie Luce gegenüber offen oder distanziert auftreten, der Leser spürt von Beginn an, dass sie etwas zu verbergen haben und ist gespannt auf das Rätsels Lösung.

Der Schreibstil der Autorin ist einfach und macht es dem Leser damit leicht, sich bald in die Handlung einzufinden. Ein paar kleine Holpersteine, bei denen ich nicht weiß, ob sie durch die Übersetzung entstanden sind, stören hier und da den Lesefluß und haben mich ein paar Mal zum Stutzen gebracht. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte angenehm zu lesen und führt den Leser ohne übermäßige Jugendsprache in die Mitte der Teenager und lässt sie an ihrem Leben, ihren Abenteuern und an Luces Gefühlen, Ängsten und Zweifeln teilhaben.


Fazit
"Egelsnacht" gehört zu jenen Büchern, von denen ich mir eindeutig mehr erwartet hatte. Dass die Geschichte Potential hat und dass die Autorin dieses auch umzusetzen weiß, hat sich zum Ende hin gezeigt und ich hoffe, dass Band 2 auf eben dieser Schiene weiterfährt und den doch recht schwachen Anfang damit wieder wett macht.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.01.2012
Göttlich verdammt / Göttlich Trilogie Bd.1
Angelini, Josephine

Göttlich verdammt / Göttlich Trilogie Bd.1


sehr gut

In der 3. Person geschrieben entführt uns die Autorin mit dem Auftakt der Göttlich-Trilogie in die Welt der griechischen Mythologie und Halbgötter. Dabei nimmt dieser Aspekt zwar eine große und entscheidende Rolle ein, jedoch nicht so sehr als dass der mythologische Faktor aufdringlich wirken und keinen Platz mehr für andere Dinge lassen würde. Mit Helen startet der Leser in das Abenteuer und lernt sie von allen Charakteren am besten kennen. Dies ist der Tatsache zu verdanken, dass wir zwar hin und wieder auch andere Charaktere während ihrer Handlungen begleiten, vorwiegend aber durch Helen ein Teil dieser Geschichte werden. Die Protagonisten in diesem Buch sind allesamt einzigartig. Ganz egal ob Halbgott oder normaler Mensch, Erwachsener oder Teenager, Mädchen oder Junge – jeder von ihnen wurde liebevoll geformt, hat seine ganz eigene Art, seine speziellen Eigenschaften und hinterlässt damit seine persönliche Note. So ist Helen zum Beispiel anfangs das schüchterne Mädchen, welches als Freak abgestempelt wird und am liebsten unsichtbar wäre, um in Ruhe ihr Leben leben zu können. Mit Fortlaufen der Seiten jedoch erfährt sie mehr über sich und ihre Andersartigkeit und lernt, nicht zuletzt mit Lucas Hilfe, zu sich selbst zu finden und sich so zu akzeptieren wie sie ist. Lucas hingegen hat nie ein anderes Leben kennengelernt als das eines Halbgottes und sich kleiner gemacht, als er ist. War er zu Beginn der Geschichte für Helen noch so etwas wie der Staatsfeind Nummer Eins, entwickelt er sich schon bald zu einer Art Rettungsanker für sie. Als kopfstarker Charakter mit viel Ehrgefühl und Familiensinn unterstützt er Helen wo er nur kann, ohne dabei seine Pflichten gegenüber seiner Familie und der Welt, das Schicksal und die damit zusammenhängenden Konsequenzen aus den Augen zu lassen. Claire ist Helens beste Freundin seit Kindheitstagen und ein kleiner Wirbelwind. Ihre aufgeweckte, spritzige Art und ihr heller Kopf hinterlassen immer wieder ihre Spuren in der Geschichte, lockern ernste, traurige Situationen auf und entlocken dem Leser ein Schmunzeln. Doch auch die restlichen Charaktere bereichern diese Geschichte durch ihre Präsenz. Hector, der mürrische, ernste, böse Cousin Lucas', der hinter seiner Fassade doch auch ein großes Herz hat, die Zwillinge Jason und Ariadne oder auch Lucas' kleine Schwester Cassandra, die als Orakel die wohl mit größte Bürde zu tragen hat und damit Mitleid und Bedauern sowohl bei den anderen Charakteren als auch beim Leser hervorruft.
Gemeinsam mit Helen bildet Lucas den Mittelpunkt einer herzergreifenden Liebesgeschichte und wie es sich für Nachfahren der griechischen Götter gehört, geht diese nicht normal vonstatten. Jeder der Halbgötter hat ein Schicksal auferlegt bekommen und so können auch Helen und Lucas die Augen nicht davor verschließen, dass ihr Weg bereits für sie vorausgeplant wurde. Sich der Tatsache nur zu deutlich bewusst, dass das Schicksal sie zwar zusammengeführt hat, sie aber niemals zusammen sein dürfen, da dies schreckliche Auswirkungen für die Menschheit hat, finden sich die beiden irgendwann in einem Zustand des Hin- und Hergerissenseins wider und müssen sich nicht nur einmal fragen, welche Entscheidung die Richtige ist und wie egoistisch man sein darf, wenn es um das eigene Glück und die Liebe geht. Neben dem mythologischem Hintergrund, dessen Verästelungen sich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen und einige Rätsel für den Leser bereit halten, spielt die Frage nach dem Schicksal in dieser Geschichte eine große Rolle. Doch auch die Suche nach sich selbst, das Lernen, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist, seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse hinten anzustellen und die Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen, wenn die Konsequenzen nicht nur einen selbst, sondern auch andere betreffen, werden in diesem Buch als Themen aufgegriffen, sensibel und authentisch an uns Leser gebracht und damit Gefühle ausgelöst, die von Freunde und Zuneigung bis hin zu Traurigkeit reichen.

2 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.01.2012
Das Siegel des Feuers / Grim Bd.1
Schwartz, Gesa

Das Siegel des Feuers / Grim Bd.1


sehr gut

In Grim – Das Siegel des Feuers wird dem Leser die Anderwelt abwechselnd aus Grims und Mias Sicht vor Augen geführt. Mit viel Liebe zum Detail hat Gesa Schwartz eine wunderbare neue Welt geschaffen, die beim Lesen fast real wurde. Besonders lustig fand ich die Vorstellung, dass die Wesen der Anderwelt mit unseren Zügen in ihre Welt fahren und dort dann erst einmal durch eine Art Passierschalter gehen müssen, um Einlass nach Ghrogonia zu erhalten. Die Idee ist simpel und doch wirkt sie alles andere als einfallslos, da sie absolut glaubwürdig in den Rahmen der Anderwelt eingefügt wurde.
Die Charaktere, die uns die gesamte Geschichte über begleiten sind allesamt sehr realistisch und einzigartig geformt. Jeder von ihnen hat seine ganz eigenen Macken und wird durch seine Natürlichkeit schnell zu einem gern gelesenen Namen. Besonders die Vielfältigkeit hat es mir hier angetan. Es dreht sich nicht nur um Menschen und Gargoyles, sondern auch Kobolde, Feenwesen, Waldschraten, Vampire, Hybriden etc wurden perfekt in dieses Werk mit eingebracht und zu keinem Augenblick wirkt diese Vielfalt als zu bunt.
„Grim“ ist ein Buch, welches voll von Situationen ist, in denen sich die Charaktere ihren Ängsten stellen müssen, in denen sie Entscheidungen treffen müssen, die ihr weiteres Leben betreffen und welches nicht nur einmal zum Nachdenken anregt.
Neben all den ernsteren Aspekten, die sich durch dieses Werk ziehen, vergisst Gesa Schwartz den Humor jedoch nicht. Selbst, wenn die Situationen es nicht erlauben sorgt der kleine Kobold Remis immer wieder für ein Schmunzeln auf den Lippen der Leser und der Gargoyle Mourier hat mir nicht nur einmal ein herzliches Lachen entlockt. Besonders eine Szene, in der er Grim sein Tüllkostüm überreicht, hat mir das Lesen kurzzeitig unmöglich gemacht!
Auch die Liebe darf in so einer Geschichte natürlich nicht fehlen und wenngleich die spannende Story die ganze Zeit über im Vordergrund steht, versteht es die Autorin, die leisen Gefühle immer wieder mit einfließen zu lassen und nachdem der Leser die ganze Zeit mit den beiden mitgefiebert hat, ist er am Ende genauso schlau wie vorher und fragt sich: sind sie nun oder sind sie nicht? Ich liebe solche kleinen Rätsel, die mir das Warten auf die Fortsetzung fast unerträglich machen.
Neben all diesen positiven Dingen gab es jedoch auch etwas, was mir nicht so gefallen wollte. Die ersten 200 Seiten lasen sich für mich wie eine sehr lange Einleitung. Ohne Frage waren sie wichtig für die Geschichte und ohne sie hätte man vieles nur mit Mühe verstanden, jedoch zogen sie sich ziemlich, weswegen ich für sie länger brauchte als für das gesamte restliche Buch.
Des weiteren hat Gesa im gesamten Werk immer großen Wert darauf gelegt, die Gefühle der Charaktere glaubwürdig und gut nachvollziehbar zu beschreiben. Als Mia jedoch erfährt, was sie ist und daraufhin die Anderwelt sieht, scheint es fast, als sei das für sie das Normalste der Welt. Auch als ihre Mutter darüber unterrichtet wird, was mit Jakob passiert ist und was Mia nun bevorsteht, wirken die Gefühle nicht so, wie sie für eine Mutter in so einer Situation typisch wären.


Fazit
Grim hebt sich eindeutig von den zur Zeit sehr beliebten Vampir- und Werwolfbüchern ab und allein das macht es schon zu etwas Besonderem. Aber auch der Charme, die Spannung, der Gefühlsreichtum und der Humor machen dieses Buch zu einem Werk, das man gerne liest und auf dessen Fortsetzung man mehr als nur gespannt sein darf!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.01.2012
Dein Blut für ewig
Hammesfahr, Michaela F.

Dein Blut für ewig


gut

Die Handlung von dein „Blut auf ewig“ ist auf den ersten Blick einfach: schüchterne junge Frau trifft auf gut aussehenden Mann und sie verlieben sich ineinander. Ihre Beziehung jedoch ist unmöglich und lockt jede Menge Gefahren für beide. Doch so einfach ist das Ganze dann doch nicht. Die Autorin hat sich mit ihrer Idee der Blutsauger -zumindest für mich persönlich- etwas Neues ausgedacht. Nicht nur einfache Vampire und Fangzähne erwarten den Leser hier, sondern eine Mischung aus Vampir (Parasit) und Schutzengel. Ja, richtig gelesen - Schutzengel.
Begonnen wird die Geschichte um Anne und Kilian mit einem rätselhaften Prolog. Charaktere, die der Leser nicht einzuordnen weiß und Geschehnisse, die einen vor ein Rätsel stellen, verwirren auf diesen ersten Seiten den Leser und wecken gleichzeitig seine Neugier. Mit jeder Menge Fragezeichen im Kopf beginnt man schließlich das erste Kapitel und befindet sich bald inmitten der Handlung und damit auch gleichzeitig in der Liebesgeschichte. Dieser Faden, der Hauptstrang der Geschichte ist und sich damit durch das gesamte Buch zieht, ist jedoch leider vorhersehbar und hält so gut wie keine Überraschungen für den Leser bereit. Schon nach dem ersten Kapitel wird schnell klar, in welche Richtung sich alles entwickelt und nach zwei weiteren Kapiteln kann der Leser bereits sagen, wie sich die Liebesgeschichte im Großen und Ganzen entwickeln wird. Schade, denn dadurch entstehen Längen, die den Leser ungeduldig werden lassen. Ausgleich zu diesen Durststrecken schafft die Gestaltung der Blutsauger. Neue Ideen gepaart mit gut verständlichen, naturwissenschaftlichen Erklärungen, sorgen in der Geschichte für die nötige Portion Spannung und verleiten den Leser zum miträtseln ebenso wie zum mitbangen. Diesem Strang ist es auch zu verdanken, dass die Geschichte doch noch die ein oder andere Überraschung für den Leser bereithält und er sich immer mal wieder grübelnd über den Seiten wiederfindet. Das Zusammensetzen der Einzelteile um das Wesen der Parasiten, ihrem Blut und ihrer Fortpflanzung wurde durch die gut erklärten wissenschaftlichen Aspekte leicht gemacht und bereite großen Spaß. Doch so gut diese Erläuterungen auch waren, alle Fragen konnten sie dem Leser bis zum Ende hin nicht beantworten.
Der einfache und gut verständliche Schreibstil der Autorin macht es leicht, sich bald in die Handlung um Anne und Kilian einzufinden. Geschrieben ist dieses Buch in der dritten Person, was es der Autorin möglich gemacht hat, dem Leser verschiedene Sichtweisen zu bieten. So begleitet man nicht nur Anne und Kilian, sondern auch einige der Nebencharaktere. Dadurch bleiben die Protagonisten neben den beiden Hauptpersonen nicht flach und farblos, sondern gewinnen an Substanz und ganz nebenbei machen sie die Geschichte auch spannender und helfen dem Leser dabei, einige Dinge besser zu verstehen.
Während die Nebencharaktere ein wenig Farbe in die Geschichte bringen, bleiben Anne und Kilian jedoch leider relativ blass. Sie selber wirkt von Zeit zu Zeit naiv und denkt und erzählt ein und dieselbe Geschichte ganz gerne ausgiebig und das nur, um sie dann gleich noch einmal jemandem zu erzählen. Eigentlich ist die Tatsache, dass Anne ihre Freundin und Mutter gerne an ihrem Leben teilhaben lässt, ja nichts Schlechtes, doch ich als Leser empfand diese Wiederholungen als störend und hätte viel lieber einen Schritt vorwärts gemacht, als stehenzubleiben. Kilian hingegen machte zwar keinen naiven Eindruck, doch fehlte mir in seinen Dialogen die Natürlichkeit. Viel zu oft wirkten sie auf mich einstudiert und gestellt. Schade, denn auch, wenn der Leser von Anne und Kilian viel Vorhersehbares zu erwarten hat, kann man sie schnell ins Herz schließen und beginnt, ihnen die Daumen zu drücken.
Fazit
„Dein Blut für ewig“ ist ein Buch mit Höhen und Tiefen. Auf der einen Seite weiß es zu fesseln und bringt den Leser zum miträtseln und auf der anderen Seite ist es ein klein wenig zu vorhersehbar. Die Geschichte um die Parasiten hat

Bewertung vom 15.01.2012
Feenlicht / Sturmjäger von Aradon Bd.1
Nuyen, Jenny-Mai

Feenlicht / Sturmjäger von Aradon Bd.1


sehr gut

Wieder einmal hat Jenny-Mai Nuyen es geschafft, mich durch ihren Schreibstil bereits nach wenigen Seiten in den Bann ihrer Welt zu ziehen. Die Welt, die sie erschaffen hat, ist faszinierend und spannend, denn sie lebt. Nicht nur die Menschen, Tiere und Pflanzen, nein, auch die Berge, der Boden, das Wasser.. alles lebt und das ist Lirium zu verdanken. Die Menschen sind jedoch habgierig und so entdecken die Magier schnell die unwahrscheinliche Kraft, die in den Lebensadern der Welt steckt und beginnt, das Lirium einzufangen und zu ihren Zwecken einzusetzen. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo das Lirium erschöpft ist und nachdem die Magier beschlossen haben, das verbliebene Lirium nur noch an Menschen weiterzureichen dauert es nicht lange, bis Rebellen der Isen die Magier stürzen wollen.
Aber Jenny-Mai greift nicht nur das Problem der Energieverschwendung auf, sondern neben Rassismus auch die Tatsache, dass die Erde sich rächt. Es wurde ihr lange Leben genommen und jetzt ist es an der Zeit, ihr Leben zu geben.
Die Charaktere sind allesamt einzigartig und liebevoll geformt und, wie für Jenny-Mai typisch, nicht perfekt. So hat Hel ihr kaputtes Auge, das ein Schandfleck in ihrem Gesicht ist, der Sturmjäger Nova ist ein Herzensbrecher der immer wieder in Fettnäpfchen tritt, Mercurin trägt ein dunkles Geheimnis mit sich herum und auch die Zwergin Harlem birgt hinter ihrer eisernen Mauer etwas viel tieferes, als man ahnt.
Wie immer hat Jenny-Mai aus verschiedenen Sichten geschrieben, was ich ganz besonders spannend finde. Neben der Hauptprotagonistin Hel erfährt der Leser so einiges über den Söldner Karat, der ebenfalls auf der Suche nach des Rätsels Lösung ist – jedoch aus einem ganz anderen Grund. Ich persönlich hätte mich sehr gefreut, etwas mehr über den geheimnisvollen Mercurin zu erfahren (der für mich der interessanteste Charakter des gesamtes Buches ist) und vielleicht sogar das ein oder andere Kapitel aus seiner Sicht zu lesen.
Besonders gefallen haben mir die vielen Rätsel, die Jenny-Mai ihren Lesern mit auf den Weg gibt und ihre Zeichnungen zum Buch, durch die man ein Bild sowohl von der Welt bekommt, in der alles spielt, als auch von den Charakteren.
Auch die vielen Kulturen, die die Autorin in der Welt um Aradon einbringt, die Legenden, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben und der kleine Pixie Tix sind einfach wunderbar!

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.01.2012
Scherbenmond / Ellie & Colin Trilogie Bd.2
Belitz, Bettina

Scherbenmond / Ellie & Colin Trilogie Bd.2


ausgezeichnet

Fortsetzungen sind immer so eine Sache, besonders, wenn der erste Band ganze Lesermassen in seinen Bann gezogen hat. Nicht selten passiert es, dass das zweite oder auch dritte Buch nicht mehr an dem Charme und der Magie des Vorgängers anknüpfen kann und so geht man oft mit gemischten Gefühlen den Fortlauf der geliebten Geschichte an und hofft dabei die ganze Zeit, dass man das Buch nicht enttäuscht schließt und wieder beiseite legt. So ähnlich ging es mir auch, als ich "Scherbenmond" in die Hand nahm und wieder in die Welt von Ellie und den Mahren abtauchte.

Ist dieser Band besser oder schlechter als Splitterherz? Ich weiß es nicht – er ist anders und für mich nicht gänzlich mit seinem Vorgänger zu vergleichen. Hat der erste Band dieser Trilogie noch viel Lockerheit und Witz versprüht, hält die Fortsetzung mehr Ernst für den Leser bereit. Ängste vertiefen sich, lähmen und verschleiern den Blick; Gefühle lassen sich nicht mehr richtig einordnen; eigene Grenzen müssen überwunden werden, um sich selbst wieder herzustellen; Wut, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit fressen sich ihren Weg an die Oberfläche; verlorenene Erinnerungen haben Auswirkungen, die niemand zu ahnen gewagt hatte und schmerzliche Entscheidungen müssen getroffen werden. All dies macht die Handlung um einiges düsterer als es noch in Splitterherz der Fall war und gleichzeitig wird sie aber auch tiefgründiger, reifer, erwachsener.

Ellie hat in der Zeit zwischen Band 1 und Band 2 einiges durchgemacht. Die Zeit und die Geschehnisse haben sie geprägt und tiefe Wunden hinterlassen. Das ihr Umfeld die vergangenen Ereignisse totschweigt, ihr Vater verschwunden ist und selbst Tillmann ihr aus dem Weg zu gehen scheint, macht die Sache nicht wirklich besser. Ellie beginnt, an sich selbst zu zweifeln, daran, was in der Vergangenheit geschehen ist, an der Existenz ihrer großen Liebe und zu allem Überfluss gibt sie sich auch noch die Schuld am Verschwinden ihres Vaters. Sie ist innerlich zerrissen, sieht teilweise den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und doch strahlt sie eine unglaubliche Stärke aus. Immer wieder versucht sie das Chaos, welches versucht, ihrer Herr zu werden, mit Logik zu ordnen und Prioritäten zu setzen und auch wenn das nach einer reichlich trockenen Tätigkeit klingt, verliert Ellie ihren Charme, ihre Schlagfertigkeit, ihren sturen Kopf und den Witz nicht.
Nach dem Verlust einer ihrer Erinnerungen ist die Beziehung zwischen Ellie und Colin in diesem Band von mehreren Schatten überzogen. Diesen Verlust nutzt die Autorin –bewusst, oder unbewusst- um zu verdeutlichen, wie sehr ein jeder von uns in unserer Kindheit geprägt wird und wenngleich dieser Handlungsstrang alles andere als fröhlich ist, habe ich es genossen, ihn zu lesen. Feinfühlig wurde er ausgearbeitet und das Wirrwarr in Ellies Innerem so glaubwürdig dargestellt, dass dieses Drama nicht als zu dick aufgetragen, sondern realistisch wirkt. Die gemeinsame Zeit von Colin und Ellie ist in Scherbenmond rar und die Momente, die sie miteinander teilen können, sind zum Großteil nicht unbedingt solche, die das Herz höher schlagen lassen und nicht nur einmal hatte ich das Gefühl, mein Herz müsse mit dem von Ellie zerreißen. Um so wertvoller sind die kurzen glücklichen Momente – wobei, glücklich? Nein, nicht ganz und doch sind sie kleine Streicheleinheiten für die geschundene Seele und geben wieder Kraft für das, was unseren Helden noch bevorsteht.
Neben Ellie und Colin ist auch Tillmann wieder mit von der Partie und sorgt gemeinsam mit Gianna, einer Journalistin mit italienischem Temperament, für eine gute Portion Aufheiterung und nüchternem Durchblick in dieser düsteren Zeit. Konfetti, Gummistiefel, Steckerle, Michelin-Männchen oder auch die Unsinnigkeit von einem Marathon erhellen nicht nur die Gemüter, sondern zeigen auch, dass die Charaktere, trotz den Veränderungen, die sie im Laufe der Zeit durchlebt haben, immer noch die sind, die wir in Splitterherz zu lieben gelernt haben.

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