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Sophia

Bewertungen

Insgesamt 114 Bewertungen
Bewertung vom 16.01.2026
Fitzek, Sebastian

Das Paket


sehr gut

Dr. Emma Stein ist Psychiaterin und zu Beginn der Geschichte auf einer Tagung in einem Hotel, wo sie selbst einen Vortrag hält. In ihrem Hotelzimmer wird sie vergewaltigt, sie sieht den Täter nicht, lediglich ihre Haare rasiert er vom Kopf. Seitdem verlässt sie ihr Haus im Grunewald nicht mehr, wo sie mit ihrem Mann lebt. Der Täter ist als "Friseur" bekannt, denn er rasiert seinen Opfern den Kopf und tötet sie danach. Emma blieb als Einzige am Leben. Eines Tages bittet sie der Postbote, ein Paket für einen ihr unbekannten Nachbarn anzunehmen. Sie ahnt nicht, dass das eine Reihe von Ereignissen in Gang setzt, die sie in große Gefahr bringen werden.

"Das Paket" ist mein zweiter Thriller des Autors. Das Cover ist natürlich ein Hingucker und vor allem die Thematik der Psychiatrie und Psychologie und ihre Kehrseiten hat mich interessiert. Die Geschichte wird in mehreren Zeitebenen erzählt, was dem Aufbau auch zugute kommt. Die Kapitel sind recht kurz und enden oft mit einem Cliffhanger und als Leser liest man so natürlich gespannt weiter. Der Schreibstil ist erneut einlänglich und einfach, aber er lässt einen ebenso durch die Seiten fliegen.

Emma als Protagonistin ist eine vielschichtige Figur: man lernt sie als erfolgreiche Psychiaterin kennen, erlebt ihren Bruch, aber auch ihren Kämpfergeist, sie meistert den Alltag zu Hause irgendwie und auf ihre Weise - wie es mit Angststörungen, Depressionen und Medikamenten eben möglich ist. Zu Beginn der Geschichte wird klar, dass sie keine einfache Kindheit hatte, was sich wie ein roter Faden durch die Handlung zieht. Etwas blass blieben für mich die Nebencharaktere, ich hätte mir da tiefere Einblicke gewünscht.
Die erste Hälfte war unglaublich spannend und fesselnd geschrieben, in der zweiten Hälfte wurden jedoch einige Details vorweg genommen. Ich habe an jeder Stelle mitgefiebert, aber die große Enthüllung am Schluss war nicht so erschreckend und überrumpelnd, wie ich es erwartet hätte. Es hätte noch spannender sein dürfen.

Die Thematik von Psychiatrie und Psychologie hat mir gut gefallen, es ist spannend zu lesen, wie schnell ein traumatisches Erlebnis das Leben von einer Sekunde auf die andere verändern - und was für Konsequenzen hat, egal wie erfolgreich und gestärkt man zuvor war. Emmas Alltag, ihre Angststörungen und Depressionen werden toll geschildert. "Das Paket" ist ein spannender und fesselnder Thriller mit ein paar Abzügen.

Bewertung vom 14.01.2026
Hadler, Colin

Seven Ways to Tell a Lie


ausgezeichnet

In der idyllischen Kleinstadt Wane läuft alles seiner Wege. Bis ein Video die Stadt erschüttert, das sich schnell viral verbreitet: ein Schulbus stürzt in eine Schlucht, niemand überlebt. Unter den Personen im Video ist auch Jonah und schnell wird klar, dass es sich um ein Deepfake handelt. Die anderen Personen im Video gehören alle zu seiner zerbrochenen Clique. Ein dunkles Geheimnis vor genau einem Jahr ließ die Clique damals auseinander brechen. Als noch mehr Videos auftauchen, wird Jonah und den anderen klar, dass sie nur gemeinsam diesen Wahnsinn beenden können. Dabei begeben sie sich in große Gefahr.

Ich kann erstmal nur sagen: wow, was für eine Geschichte! Das Cover sticht zwar ins Auge, aber lässt nicht vermuten, welche gewaltige Geschichte sich im Buch verbirgt. Ich habe das Buch an wenigen Abenden verschlungen, weil ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Von Anfang an herrscht eine nicht greifbare und geheimnisvolle Atmosphäre. Die Hauptfigur Jonah erzählt aus der Ich-Perspektive, was eine toll gewählte Erzählsperspektive ist, denn man erfährt alles aus seiner subjektiven Sichtweise und weiß auch nicht mehr vom Geschehen als er. Schnell merkt man, dass man keinem trauen kann, jeder scheint ein falsches Spiel zu spielen und Geheimnisse zu haben. Auch Jonah verrät dem Leser nicht alles, was er weiß. In Rückblenden erzählt er vom Ereignis vor einem Jahr, das zum Bruch der Clique geführt hat. Aber auch hier fragt man sich, ob das die komplette und wahre Geschichte ist. Die anderen Charaktere der Clique, die ebenso wichtig für die Handlung sind, werden auch detailreich und gut gezeichnet.
Die Lage in Wane spitzt sich immer weiter zu, nachdem nicht nur ein sondern immer mehr Deepfakes auftauchen und scheinbar jeder in Wane scheint mindestens ein Geheimnis zu haben und es vertuschen zu wollen.
Die Stimmung, die der Autor hierbei erzeugt, ist ebenso geheimnisvoll wie düster, man fiebert wie gebannt auf den großen Knall hin. Bis zum Schluss durchblickt man das Geschehen und die Beziehungen nicht wirklich, durch geschickte Plottwists und nur sich stückchenweise enthüllende Details bleibt die Spannung auf einem konstant hohen Level und wird gerade zum Ende hin noch gesteigert. Auch das aktuelle Thema von Deepfakes wird toll in die Geschichte eingebunden und zeigt, wie gut sie mittlerweile an die Realität heranreichen und sich leider auch viel zu schnell verbreiten können.

Einzig die Empfehlung als Jugendbuch kann ich nicht wirklich unterschreiben, ich würde es eher ab 16 Jahren empfehlen, da es doch an einigen Stellen makaber und intensiv wird.
Dieser Thriller ist für mich ein Highlight, ich habe länger keinen Thriller gelesen, der mich so sehr gefesselt hat und mich nicht losgelassen hat. Eine Empfehlung für ältere Jugendliche wie auch Erwachsene!

Bewertung vom 10.01.2026
Dautfest, Palina; Candel, Helena

Maskenmeer


sehr gut

Lucy, Richard, Marco und Marlene gehen im fiktiven Königreich von Wellenland auf ein Elite-Internat und sind beste Freunde. Das normale Leben der Jugendlichen wird allerdings durcheinander geworfen ls unbekannte und maskierte Männer Angst und Schrecken verbreiten und immer mehr Angestellte aus dem Schloss entführen. Bald sind sie selbst Zielscheibe der maskierten Männer, die stets mit einer unheimlichen weißen Maske auftreten. Doch was wollen die Männer von den Freunden? Und was haben die Zeichen damit zu tun, die eine verstorbene Person schickt und die eigentlich nichts den Freunden zu tun hat?

"Maskenmeer" ist ein toller Auftakt der "Wellenland"-Reihe und auch ich als weniger eingefleischte Mystery- und Fantasy-Leserin bin hier auf meine Kosten gekommen!
Die Geschichte ist mit knapp 640 Seiten ziemlich umfangreich - nach ein paar Startschwierigkeiten nimmt die Handlung aber immer mehr an Fahrt auf. Die Kapitel sind recht lang und aus drei unterschiedlichen Perspektiven geschrieben, wobei die Ich-Perspektiven von Lucy und Richard den größten Teil einnehmen. Man ist auch sofort mitten im Geschehen und lernt die vier Freunde mit ihren Charaktereigenschaften besser kennen. Vor allem Lucy und Richard sind dabei stets präsent und man fühlt sich sofort mit einer oder mehrerer Personen verbunden. Oft dachte ich beim Lesen, dass ich mich in meiner Jugend auch direkt mit der Clique verstanden hätte.
Die vielen Namen zu Beginn der Handlung waren für mich ziemlich verwirrend, auch die Beziehungen zueinander konnte ich zunächst nicht einordnen. Vielleicht wäre hier ein Personenverzeichnis oder -diagramm hilfreich gewesen. Auch eine Karte mit wichtigen Punkten und Orten von Wellenland könnte ich mir gut vorstellen. Die Geschichte hat generell ihre Längen und einige Situationen und Beschreibungen ziehen sich für meinen Geschmack zu sehr in die Länge, dadurch wurde der Lesefluss, gerade am Anfang, etwas gebremst.
Nicht nur die Charaktere sondern vor allem Wellenland an sich, Wellenstadt und das Internat werden toll und detailreich beschrieben. Gerade das altehrwürdige Internatsgebäude konnte ich mir beim Lesen sofort vorstellen, es hat mich in seinen Bann gezogen und auch die Lehrer dort runden das Bild eines prächtigen Internats in dem Königreich ab. Ebenso detailreich wird beispielsweise auch das Schloss samt Königspaar beschrieben.
Von Beginn an herrscht eine bedrohliche, nicht ganz greifbare Atmosphäre, die sich durch die gesamte Handlung zieht. Immer weiter baut sich die Spannung auf, die dritte Erzählperspektive trägt dazu bei. Beim Lesen merkt man schnell, dass man niemandem so wirklich trauen kann - wer spielt ein falsches Spiel und wer hängt in den Entführungen mit drin? Die Lage in Wellenland spitzt sich immer weiter zu und die Entführungen finden bald nicht mehr nur im Schloss statt. Niemand ist mehr sicher. Über allem steht stets die Frage: wer sind die Maskierten und welche Rolle hat dabei die Clique? Nur häppchenweise setzt sich das Puzzle zusammen, die Hinweise werden nur nach und nach gestreut. Bis zum Schluss wartet man auf den großen Knall, der sich im Laufe der Handlung immer weiter abzeichnet. Der Knall kommt dann auch - aber in Form eines großen, bitterbösen Cliffhangers, der mich fast verzweifeln lässt, weil ich unbedingt wissen will, wie es weitergeht.

"Maskenmeer" ist ein gelungener Auftakt einer Young Adult-Mystery-Fantasy-Reihe, der nicht nur Jugendliche in seinen Bann zieht. Mit ein paar kleinen Kritikpunkten kann ich das Buch jedem empfehlen. Auf jeden Fall verdient das Buch mehr Aufmerksamkeit und Beachtung!

Bewertung vom 07.01.2026
Fitzek, Sebastian

Der Nachbar


sehr gut

Die Strafverteidigerin Sarah Wolff hat vor elf Jahren eine traumatische Erfahrung gemacht und zieht zum Beginn der eigentlichen Handlung mit ihrer Tochter an den Stadtrand von Berlin. Sie scheint nun endlich angekommen zu sein, auch wenn ihr ihre Monophobie (die Angst, alleine zu sein) immer noch zu schaffen macht. Sie und ihre Tochter leben sich gut ein, bis immer mehr seltsame Dinge im Haus passieren. Was sie nicht ahnt: sie hat einen Nachbarn, durch den ihr Leben bald komplett aus den Fugen geraten wird...

Mein allererster Fitzek - und ich bin überrascht, aber auch zwiegespalten.
Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt und spielt auf mehreren Zeitebenen. Die Kapitel sind meist recht kurz, was den Lesefluss erleichtert, die meisten Kapitel enden auch mit einem Cliffhanger, was einen sofort weiter lesen lässt. Beim Lesen ist man schnell in einem Sog und gleichzeitig Albtraum gefangen, aus dem man selbst kaum entkommen kann. Immer tiefer taucht man ein in die manchmal verwirrende, aber immer spannende Handlung.
Mal wollte ich das Buch aus dem Fenster werfen, dann wieder bis spät abends weiter lesen - Sebastian Fitzek gelingt es auf eine ganz eigene Art, den Leser immer wieder zu ködern. Nur häppchenweise werden Hinweise enthüllt bzw. dachte ich beim Lesen, jetzt durchzublicken, bis die nächste Sackgasse kam. Der Erzählstil ist sachlich und manchmal fast nüchtern, gerade in Sarahs Perspektive. Dennoch schafft es vor allem die Handlung, mich immer wieder selbst an meinem Verstand und meiner Wahrnehmung zweifeln zu lassen.
Die Vorkommnisse in Sarahs Haus beginnen harmlos, steigern sich jedoch schnell in einen echten Albtraum. Stets ist die unterschwellige, düstere Stimmung spürbar, die sich durch das ganze Buch zieht.

Die Handlung an sich ist sehr spannend, an einigen Stellen jedoch für mich auch etwas unrealistisch und weit hergeholt. Gerade das Ende ist in sich schlüssig, aber konnte mich nicht vollkommen überzeugen.
Ich werde mir noch weitere Fitzek-Bücher vornehmen, "Der Nachbar" war schon mal ein guter Auftakt für mich.

Bewertung vom 06.01.2026
McFadden, Freida

Sie kann dich hören / The Housemaid Bd.2


sehr gut

Millie Calloway hat angefangen, zu studieren und arbeitet nebenbei im Haushalt der Garricks um ihr Studium zu finanzieren. Ihr Ziel ist es, einen Abschluss zu bekommen und sich mit ihrem neuen Partner Brock ein gutes Leben aufzubauen. Douglas Garrick ist freundlich, doch seine Frau Wendy lebt im Gästezimmer des Penthouses und Millie hat die Anweisung, das Zimmer nicht zu betreten und nicht mit ihr zu sprechen. Doch Millie wäre nicht Millie, wenn sie nicht alles tun würde, um Wendy zu helfen, denn Douglas scheint nicht der fürsorgliche Ehemann zu sein, als der er sich ausgibt. Millie gerät immer tiefer in die Probleme der Garricks hinein und ist bald selbst in Gefahr.

Auch Band 2 der "Housemaid"-Reihe ist erneut spannend geschrieben, kommt für mich aber nicht an den ersten Band heran.
Von Anfang an herrscht eine bedrückende und düstere Grundstimmung, man ahnt, dass im Haus der Garricks ein Geheimnis wartet. Die Geschichte ist wie der erste Band überwiegend aus Millies Ich-Perspektive geschrieben, der Erzählstil eher sachlich. Die Kapitel sind eher kurz, was einen beim Lesen durch die Seiten fliegen lässt, Millies Gedanken, die für mich manchmal nicht ganz nachvollziehbar sind, bremsen für mich ein wenig den Lesefluss.
Die ganze Zeit fiebert man beim Lesen dem Plottwist, den die Autorin stets geschickt einbaut, entgegen, ich war überrascht, wie falsch von den Charakteren am Ende gespielt wurde. Die zweite Perspektive in der zweiten Hälfte des Buches hat einiges aufgeklärt, war aber nicht mehr ganz so überzeugend und überraschend, weil vieles bereits von Millie aufgedeckt wurde oder man als Leser bereits eine Ahnung hatte, wie sich alles aufklärt.
Band 2 hat den gleichen Aufbau wie der erste Band und spielt erneut mit dem Gegensatz der reichen und nach außen hin perfekt wirkenden Familie und der mittellosen Millie. Wahrscheinlich auch deshalb war die Geschichte nicht mehr ganz so verblüffend und mit Aha-Momenten gespickt wie der erste Band.

"Sie kann dich hören" ist eine gute Fortsetzung der Reihe, kann jedoch nicht ganz mit dem Vorgängerband mithalten.

Bewertung vom 29.12.2025
Freude, Lisa

Glow like December


ausgezeichnet

Marie studiert Physik, ganz wie ihre wissenschaftsbesessenen Eltern es sich wünschen. Als Physiker können sie mit dem Weihnachtszauber nichts anfangen. Marie hingegen träumt davon, ihr Leben endlich selbst in die Hand zu nehmen und mietet kurz vor Weihnachten eine Wohnung im ländlichen Raum von Münster. Sie schmeißt ihr Studium hin und kellnert im "Zuckerpöttchen", einem kleinen Café in Münster, ihren Eltern hat sie nichts von ihrer Entscheidung erzählt. Als sie sich dann noch in Aron, den Sohn der Vermieter verliebt, nimmt das Chaos seinen Lauf.

Ich habe "Glow Like December" als "Adventskalenderbuch" gelesen: jeden Tag ein Kapitel. Die Kapitel haben genau die richtige Länge und man fliegt förmlich durch die Seiten durch den angenehmen Erzählstil der Autorin. Jede erste Seite eines Kapitel ist außerdem toll illustriert und hat einen Untertitel passend zur Geschichte.
Die gesamte Geschichte ist aus der Ich-Perspektive Maries geschrieben, was einem die Protagonistin beim Lesen nochmal näher bringt. Marie ist stets sympathisch, tollpatschig und macht eine bemerkenswerte Entwicklung im Lauf der Geschichte durch. Sie wächst über sich hinaus und kann sich gegenüber anderen behaupten. Mehr als ein Mal konnte ich mich in ihr wieder finden, man leidet und freut sich mit ihr mit. Auch Aron, der anfangs noch ziemlich unsympathisch wirkt, taut mehr und mehr auf und auch er entwickelt sich immer mehr. Natürlich kommt auch das Weihnachtsfeeling nicht zu kurz und Maries Hang zur besinnlichen Vorweihnachtszeit kommt absolut authentisch rüber und wirkt nicht kitschig. Die Liebesgeschichte hat genau die richtige Balance ohne überladen zu wirken.

Die Geschichte ist die perfekte Cozy Romance für die Weihnachtszeit und lässt sich super als "Adventskalender" lesen - sofern man nicht nach jedem Kapitel sofort weiter lesen möchte ;) Auch ein tolles Geschenk für die Weihnachtszeit.

Bewertung vom 16.12.2025
Mell, Eli

Merry Crisis - ein fast besinnliches Weihnachtsfest


ausgezeichnet

Olivia Schenk fährt wie jedes Jahr an Weihnachten zu ihrer Familie. Der fünftägige Marathon mit der Familie verlangt ihr alles ab - extra dafür hat sie das "Weihnachtsgesicht" bis zur Perfektion geübt. Zwischen ihrem neu dazu gewonnenen Onkel Klaus, ihrer traditionsbewussten Familie und dem vierjährigen Miró-Baptiste, dem Sohn ihrer Cousine, muss sie ihre Eltern wieder einmal enttäuschen und wird deren Erwartungen nicht gerecht. Zu allem Überfluss taucht auch noch Nathan auf, den sie schon zur Schulzeit gehasst hat - aber als sie sich nach Jahren wieder sehen, ist er so ganz anders als früher.

Ein chaotisches Weihnachtsfest mit der lieben Familie und die Protagonistin erzählt herrlich-schräg, wie es ihr in dem Wahnsinn ergeht? Ich bin sofort dabei!
Eli Mell erzählt so erfrischend und ehrlich von ihrem Familienchaos, dass ich selbst auf mindestens jeder zweiten Seite das Gefühl hatte: das habe ich so oder so ähnlich auch schon erlebt, kenne ich. Die Geschichte ist aus Olivias Ich-Perspektive geschrieben und sie schildert ungeschönt ihre Gedanken dazu. Jedes Familienmitglied ist auf seine Weise so toll beschrieben, dass es nicht nur urkomisch ist sondern man merkt beim Lesen, dass zusammen am Ende doch alles mehr oder weniger funktioniert. Oft musste ich beim Lesen auch laut loslachen, weil Eli Mell es versteht, die Handlung so zu beschreiben, dass ich das Gefühl hatte, selbst mit am Tisch zu sitzen.
Es werden auch wichtige Themen mit eingeflochten wie Erwartungsdruck der Familie und Gesellschaft, Versagensängste und das Aufeinandertreffen unterschiedlichster Charaktere. Das Ganze wird aber stets so lustig beschrieben, dass die Geschichte nie ins Kitschige oder zu Ulkige abdriftet.

Eli Mell hat mit "Merry Crisis" den perfekten Roman rund um das vermeintlich besinnliche Weihnachtsfest geschaffen. Mit der richtigen Portion Humor und herrlichen-absurden Beschreibungen fliegt man durch die Seiten. Auch als Geschenk, nicht nur zu Weihnachten, kann ich mir das Buch vorstellen. Unbedingte Leseempfehlung!

Bewertung vom 14.12.2025
Matt, Irene

Schonungslos offen


sehr gut

Alexandra Rau ist Polizeikommissarin, gemeinsam mit ihrem Assistenten Isidor Rogg klärt sie Verbrechen auf. Als eine Serie von vermissten Personen die Region erschüttert, arbeiten die beiden und das gesamte Team unter Hochdruck den oder die Täter zu finden. Ohne jede Spur versuchen die beiden, ein Täterprofil zu erstellen - nichtsahnend, dass der Täter nicht schläft und sich durch die Einmischung der Polizei in seine Taten provoziert fühlt. Gerade Alexandra möchte er am liebsten ausschalten. Dazu sind ihm alle Mittel recht und bald ist sie ebenso in großer Gefahr...

Das Cover passt für mich nicht richtig zum Inhalt des Krimis und hat mich nicht sofort angezogen. Der Klappentext allerdings verspricht einen psychologisch dichten und spannenden Krimi - und ich wurde nicht enttäuscht!
Das Buch ist aus zwei Sichtweisen geschrieben: den Großteil nimmt der Erzählstrang rund um die Polizei- und Ermittlungsarbeit und Alexandra ein, der zweite, sehr interessante Teil beschäftigt sich mit Tagebucheinträgen des Täters. Man ist somit direkt mittendrin in den Ermittlungen und auch im Kopf eines Psychopathen. Nicht immer leicht auszuhalten, wenn er seine Gedanken schildert, aber dafür umso spannender und düster ist die Atmosphäre - gerade weil man als Leser den Ermittlern immer einen Schritt voraus ist.
Alexandra war mir sympathisch, auch wenn ich nicht jeden Gedanken nachvollziehen konnte. Man folgt ihr gerne bei ihren Ermittlungen und merkt schnell, dass mit Herzblut bei der Sache ist. Oft verbissen, aber immer motivierend führt sie ihr Team an. Isidor war mit von allen am sympathischsten, man schließt ihn mit seiner lockeren und unbedarften Art direkt ins Herz.
Ein kleiner Kritikpunkt sind für mich die manchmal etwas hölzern wirkenden Dialoge, was der Spannung aber keinen Abbruch tut. Mit ein oder zwei kleinen Detailänderungen im Handlungs- und Erzählsprung wäre die Geschichte für mich noch runder geworden, beispielsweise wenn die Identität des Täters noch länger verschleiert gewesen wäre und man als Leser, ebenso wie Polizei, lange im Dunkeln tappt. Das ist allerdings auch Kritik auf hohem Niveau. Der Krimi lässt sich gut lesen, der Erzählstil lässt einen durch die Seiten fliegen und man ist neugierig, wie die Ermittlungen weiter gehen. Mit dem Ende hätte ich so nicht gerechnet, die Autorin hat mich hier mehr als ein mal überrascht. Generell versteht die Autorin ihr Handwerk und hat hier einen tollen und kurzweiligen Krimi geschaffen. Auf jeden Fall gibt es eine Leseempfehlung von mir!

Bewertung vom 24.11.2025
Morgenrot, Andrea

Lichtbrechung


sehr gut

Andrea Morgenrot beschreibt in ihrer Geschichte verschiedenste Menschen in verschiedensten Epochen und Lebenslagen, die sich verlieren, wieder finden und ganz werden. Das Buch lässt sich keinem Genre wirklich zuordnen, vielmehr ist es ein Kaleidoskop, so bunt wie das Leben.

Das Buch hat etwa 200 Seiten und ist schnell durchgelesen, ich musste es jedoch immer wieder zur Seite legen und über das Geschriebene und auch Unausgesprochene zwischen den Zeilen nachdenken. Am Anfang sind die Geschichten noch verwirrend und scheinbar zusammenhanglos, man merkt beim Lesen jedoch schnell, dass jede Geschichte auf ihre Weise zusammenhängt und sich ein großes Ganzes bildet.
Die Sprache ist schön und bildlich, auf keinen Fall alltäglich und in jeden Satz steckt so viel Botschaft und Kraft, dass man eigentlich nach jedem Satz eine Pause machen müsste. Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich, dass die Gedanken nicht immer alle greifbar waren, oft hatte ich das Gefühl, dass ich etwas übersehen oder nicht richtig verstanden habe um die Informationen und Botschaften richtig einzuordnen.

Nichtsdestotrotz ist "Lichtbrechung" ein gelungenes Werk, in dem jeder etwas für sich mitnehmen kann, auf das man sich aber auch einlassen muss. Großes Lob an die Autorin, so ein komplexes, in sich verwobenes und stimmiges Werk zu schaffen und dafür eine so besondere Sprache zu finden.

4,5/5 Sternen

Bewertung vom 20.11.2025
Erdmann, Kaleb

Die Ausweichschule


sehr gut

Der Autor ist elf Jahre alt und Schüler des Gutenberg-Gymnasiums in Erfurt als am 26. April 2002 der ehemalige Schüler Robert Steinhäuser 16 Menschen erschießt und danach sich selbst. Der Schock und das Trauma sitzen bei allen tief, damals wie heute. Mehr als zwanzig Jahre später kommt dem Auto das Ereignis wieder in den Sinn. Er fragt sich, ob er nach so langer Zeit die Wunden nochmal aufreißen sollte? Und überhaupt darf? Ist er dafür genügend traumatisiert?

Da das Buch auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025 stand und der Klappentext mich direkt abgeholt hat, habe ich begeistert dazu gegriffen.
Das Buch ist nicht einfach zu lesen, gibt es doch keinen wirklichen roten Faden. Der Autor erzählt aus der Ich-Perspektive: von seinen Erinnerungen an den Amoklauf, dem Bericht, der damals verfasst wurde, seinen Gedanken, ein Buch zu dem Thema zu schreiben und auch Alltägliches von heute. Dort liegt für mich auch der Knackpunkt: der Autor versucht, viele Themen aufzugreifen und schweift oft ab in seiner Geschichte. Er besucht beispielsweise ein Theaterstück eines Dramatikers, mit dem er zuvor am Telefon über seine Erinnerungen an den Amoklauf spricht. Dieser Handlungsstrang wechselt sich ab mit Erinnerungen, Alltäglichem und Überlegungen. Gekennzeichnet oder betitelt wird dies nicht und man muss sich immer wieder neu zurecht finden.
Mehr als interessant sind dafür seine Überlegungen, inwieweit er sich dem Thema des Amoklaufs mehr als zwanzig Jahre später "annähern" darf. Hat er überhaupt das Recht dazu, so viele Jahre später? Er hat den Täter damals gesehen, aber wie klar sind seine Erinnerungen daran noch? Wie viel wurde dazu erfunden in den Erinnerungen? Diesen Fragen widmet er sich vorsichtig, ehrlich und immer wieder innehaltend. Es ist nicht immer einfach zu lesen, durch die Abschweifungen verliert man selbst öfters den roten Faden beim Lesen. Das Thema ist interessant und sensibel und trotzdem aktueller denn je.

Für mich hätte "Die Ausweichschule" verdient den Deutschen Buchpreis gewonnen, es widmet sich einem wichtigen und sensiblen Thema, das auch nach über zwanzig Jahren noch im Gedächtnis sowohl aller Beteiligten als auch von wahrscheinlich ganz Deutschland ist. Die Herangehensweise ist dabei interessant und mit ein paar Abstrichen kann ich das Buch auf jeden Fall weiter empfehlen.