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coffee2go
Wohnort: 
Österreich

Bewertungen

Insgesamt 317 Bewertungen
Bewertung vom 13.07.2022
Der Tod macht Urlaub in Schweden
Motte, Anders de la;Nilsson, Måns

Der Tod macht Urlaub in Schweden


ausgezeichnet

Wie schon der Titel vermuten lässt, ist der Krimi humorvoll und leicht, nicht blutrünstig oder brutal – ein sommerlicher Urlaubskrimi zum Schmunzeln mit schwedischem Flair. Die wichtigsten Charaktere werden gleich zu Beginn eingeführt, sodass man sofort mitten im Geschehen ist. Besonders ansprechend finde ich auch die Beschreibung der örtlichen Gegebenheiten, diese sind sehr anschaulich, bildhaft. Das ungleiche Ermittlerduo hat auch jeweils ihre/seine Vorzüge und liebenswerten Schwachstellen und es wird auch die gesamte Familie samt Hintergrundinformationen involviert. Die Befragten verschleiern und lügen wie gedruckt und nun liegt es an Peter, der eigentlich im Krankenstand und auf Urlaub ist, herauszufinden, wer noch am nächsten an den wahren Gegebenheiten liegt. Ich kann den Kriminalroman sehr gut als Urlaubslektüre für den Strandurlaub empfehlen, leicht zu lesen, witzig, mit Charme und keinesfalls brutal.

Bewertung vom 13.07.2022
Verheizte Herzen
Crossan, Sarah

Verheizte Herzen


sehr gut

Das Besondere an diesem Roman ist der Schreibstil. Die Autorin verwendet kurze, stakkatoartige Sätze, teilweise wieder längere Passagen und dann wieder poetische Sequenzen, sodass man auch die Stimmung anhand des Stils sehr gut vermittelt bekommt. Für mich war es als Leserin eine erstmalige und außergewöhnliche Leseerfahrung, die man gar nicht so gut beschreiben kann, sondern die man einfach selbst ausprobieren muss.
Das Thema ist ebenfalls fesselnd und weckt die unterschiedlichsten Gefühlswelten beim Lesen. Ana ist in einer verfahrenen Situation: Sie hat eine Familie mit Ehemann und Kindern und auf der anderen Seite einen Liebhaber, der plötzlich verunglückt. Wie soll und darf sie reagieren? Darf sie ihrer Trauer Raum und Platz geben oder muss bzw. kann sie ihre Gefühle vor ihrer Familie verstecken? Wie lange kann das gut gehen oder wirft es Ana komplett aus der Bahn? Und dann trifft sie beruflich auch noch auf die Ehefrau ihres Geliebten. Dieses Dilemma aus Anas Sicht mitzuerleben ist wirklich sehr spannend und durch den involvierenden Schreibstil ist man selbst befangen und mitten im Geschehen. Ich kann den Roman weiterempfehlen, er ist eine außergewöhnliche Leseerfahrung.

Bewertung vom 21.06.2022
Tiefes, dunkles Blau
Kobler, Seraina

Tiefes, dunkles Blau


gut

Der Krimi punktet mit seiner Atmosphäre durch die bildhafte Beschreibung von Zürich und durch die Darstellung der Charaktere, vor allem Rosa und ihr Freundeskreis sind stark im Fokus. Die eigentliche Geschichte rund um den toten Gynäkologen der Kinderwunschklinik mit allen Intrigen beruflicher und privater Natur geraten fast schon in den Hintergrund. Die Ermittlungen verlaufen ruhig und gechillt, der Kreis der Verdächtigen ist relativ groß, aber auch ziemlich klar eingrenzbar und auch sonst gibt es keine unerwarteten Wendungen oder Überraschungen. Ich glaube, dass man aus dem Forschungsthema rund um die Gentechnik noch viel mehr herausholen hätte können, hier wurde nur an der Oberfläche gekratzt. Ich hätte mir mehr Spannung, mehr Power erwartet – geworden ist es ein sehr ruhiger, atmosphärischer Krimi mit Flair.

Bewertung vom 19.04.2022
Schwarzlicht
Läckberg, Camilla;Fexeus, Henrik

Schwarzlicht


sehr gut

Der Krimi des Autorenduos ist eigentlich nach dem üblichen Schema gestrickt, trotzdem – vielleicht auch durch den besonderen Einblick des Co-Autoren Fexeus – magisch und spannend. Die Mordfälle werden gefährlichen Zaubertricks nachgestellt, allerdings geht es im Krimi für die beteiligten Akteure leider nicht gut aus. Die Aufklärung des Falles mit einem sehr unterschiedlichen Duo, einer Ermittlerin mit vielen persönlichen Einschränkungen und Zwangshandlungen und ein Magier, mit ebenso kompliziertem Charakter, Phobien und Zwangshandlungen – und trotzdem oder vor allem gerade deshalb verstehen sich die Beiden auf Anhieb sehr gut und können auch gut miteinander arbeiten. Wie bei Camilla Läckberg üblich runden noch die komplizierten Beziehungsgeschichten die Ermittlungen der Kriminalfälle auf und machen den Krimi menschlich und ansprechend für die Leser*innen. Ich finde, der Start ist dem Autorenduo sehr gut gelungen und ich bin gespannt, wie der zweite Teil fortgesetzt wird, auch wieder in der Welt der Magie oder komplett andere Fälle.

Bewertung vom 28.03.2022
Die Kinder sind Könige
Vigan, Delphine de

Die Kinder sind Könige


ausgezeichnet

Der Roman behandelt zwei top aktuelle und für mich spannende Themen: Einerseits geht es um das Posten von Kindern auf Social Media und gleichzeitig auch darum, den Kindern den Weg aufzudrücken, den man selbst gerne gegangen wäre. Melanie ist das perfekte Beispiel dafür in diesem Roman. Interessant finde ich auch, wie sie selbst gewisse Alltagssituationen wahrnimmt und auf der einen Seite die fürsorgliche Mutter ist, auf der anderen Seite drillt sie ihre Kinder zu immer mehr Videoaufnahmen, auch dann noch, wenn ihre Tochter sichtlich keine Freude mehr daran hat. Was zuerst wie ein lustiges Spiel begann, wird sehr schnell zum Erfolgsdruck, denn die Konkurrenz schläft nicht. Melanie hat einen sehr hohen Anspruch auf Perfektion, an sich selbst und an ihr Umfeld. Die Autorin schafft es mit ihrer schlichten und klaren Ausdrucksweise die Tatsachen ungeschönt auf den Punkt zu bringen. Spannend finde ich auch, dass die unterschiedlichen Sichtweisen ins Spiel gebracht werden und zudem dann auch noch ein Ausblick in die Zukunft erfolgt. Wobei dieser dann schon recht utopisch und sehr überspitzt dargestellt wird.

Bewertung vom 23.03.2022
Unser wirkliches Leben
Crimp, Imogen

Unser wirkliches Leben


sehr gut

Der Roman hat eine melancholische Grundstimmung, die sich über die gesamte Geschichte hinweg durchzieht und auch in den eigentlich positiven Momenten nicht wirklich verbessert. Als Leser*in begleitet man Anna in den Höhen und Tiefen ihres Jugendlebens, obwohl die Tiefen eindeutig überwiegen und zwischenzeitlich möchte man Anna nur schütteln, damit sie aufwacht und Bewegung in Form von Änderung in ihr Leben bringt. Schon zu Beginn ihrer Beziehung mit Max hatte ich ein mulmiges Gefühl, dass sich dann nach gewissen Aktionen von ihm noch verstärkte. Anna begibt sich immer weiter in eine Abhängigkeit und richtet sich komplett nach Max. Von ihren großen Zielen, einer Karriere als Opernsängerin, für die sie so hart hingearbeitet hat, lässt sie sich auch abbringen. Als Max sich aus Annas Leben zurückzieht, hatte ich eine Chance für eine positive Entwicklung gesehen. Anna ist kurzzeitig aufgeblüht, hat mehr Zeit mit Gleichaltrigen verbracht und auch Spaß gehabt, aber diese Phase war leider nur von kurzer Dauer. Anna ist hin- und hergerissen und auch am Ende des Romanes wird man als Leser*in mit einem mulmigen Gefühl zurückgelassen. Auch wenn ich inhaltlich etwas enttäuscht war, so hat mir der Schreibstil der Autorin dennoch recht gut gefallen, allerdings hätten ein paar inhaltliche Ausreißer zum Wachrütteln dabei sein können, plätschert das Jahr mit Anna doch recht konstant dramatisch dahin.

Bewertung vom 22.03.2022
Die Diplomatin
Fricke, Lucy

Die Diplomatin


sehr gut

Ich muss gestehen, ich hatte sehr hohe Anforderungen an den Roman und diese wurden nur teilweise erfüllt. Sehr gelungen finde ich die Beschreibung des Alltages einer Diplomatin. Erzählt wird in einfacher, erklärender Sprache, es sind absolut keine Vorkenntnisse nötig und es wird auch nicht beschönigt oder drumherum geredet bzw. hier geschrieben. Man kann sich als Leser*in sehr gut in die Arbeitswelt und auch in die Gefühlswelt von Fred hineinversetzen. Vor allem die monotonen Vorbereitungsarbeiten und der Umgang mit der Einsamkeit ist deutlich spürbar. Fred ist überall nur für einen relativ kurzen Zeitraum, aber so richtig gute Freunde findet man dadurch schwer und sehr viel Zeit verbringt sie alleine. Die Menschen aus ihrem früheren Umfeld können auch gar nicht wirklich nachvollziehen, wie ihre Arbeit aussieht und dadurch ist es noch um einiges schwieriger alte Kontakte zu pflegen, sogar die Beziehung zu ihrer Mutter ist nicht ganz einfach. Mit der Zeit bemerkt man als Leser*in, dass sich Fred in ihrer Position nicht mehr so richtig wohl fühlt und auch ihr die Mühlen der Demokratie zu langsam mahlen und sie entscheidet sich mit dem Herzen für unkonventionelle Lösungsmöglichkeiten, aber auch dies ist für sie wiederum belastend. Der Schluss war für mich dann abrupt und nicht wirklich zufriedenstellend, ich hätte mir noch mehr persönliche Eindrücke von Fred und ihrem neuen Zugang gewünscht. Generell werden in diesem Roman Gefühle und Gedanken nur an der Oberfläche angekratzt, für mich gingen sie nicht in die Tiefe und das fehlte mir.

Bewertung vom 24.02.2022
Das Loft
Geschke, Linus

Das Loft


ausgezeichnet

Das Loft ist ein Thriller, der aus den Perspektiven von unterschiedlichen Personen geschrieben ist. Als Leser*innen bekommen wir immer wieder einen Einblick in eine Szene, aber aus der jeweiligen Sichtweise der erzählenden Person und manchmal die gleiche Szene dann nochmals aus einer anderen Sichtweise. Diese Erzählform habe ich als sehr interessant empfunden, auch zwischen den Zeilen herauszufinden, wie sich die Szene tatsächlich abgespielt haben könnte, denn die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen oder auch nicht.
Die beiden Ermittler*innen machen zu Beginn einen recht unaufregenden Eindruck, arbeiten teilweise nach Vorschrift und umgehen diese auch mal ein wenig und zum Schluss wird man als Leser*in überrascht und hat dann im Nachhinein betrachtet nochmals einen neuen Blickwinkel auf die geführten Gespräche.
Mir haben vor allem die vielen Gespräche, die unterschiedlichen Sichtweisen und die Rückblicke auf die Zeit vor dem Unfall oder war es Mord – das möchte ich an dieser Stelle nicht verraten – gefallen. Dies hat für mich die Menschen lebendig und authentisch dargestellt und somit war der Thriller sehr kurzweilig zu lesen, kaum aus der Hand zu legen.

Bewertung vom 09.12.2021
In ewiger Freundschaft / Oliver von Bodenstein Bd.10
Neuhaus, Nele

In ewiger Freundschaft / Oliver von Bodenstein Bd.10


sehr gut

Wahnsinn, ist es schon der 10. Band von Nele Neuhaus mit Pia und Oliver als Ermittler. Nachdem ich die vorigen Bände alle gelesen habe, war ich schon sehr vertraut mit den Charakteren und habe mich auch gefreut zu lesen, wie es in ihrem Privatleben aktuell aussieht. Es ist fast schon so, als wenn man alte Bekannte wieder trifft. Für NeueinsteigerInnen ist es allerdings auch nicht schwierig, denn in diesem Band gibt es einen Rückblick und eine ausführliche Zusammenfassung über alle privaten Details und der Ermittlungsfall ist in sich abgeschlossen.
In diesem Teil kommt der Ermittlungsfall allerdings fast schon an zweiter Stelle, da die privaten Angelegenheiten sehr viel Raum einnehmen. Da die Morde in der Verlagswelt passieren, hat die Autorin einen umfangreichen Einblick geschaffen und auch die „ewigen Freunde“ wirken miteinander schon fast familiär. Allerdings haben mich die Ermittlungen nicht großartig überrascht, es war ziemlich klar, wer zum Kreis der Verdächtigen zählt.
Dieser Band war für mich aufgrund der Ermittlungen und der Mordfälle nicht der spannendste in der Serie, aber in privater Hinsicht war er durch den Rückblick eine Abrundung.

Bewertung vom 04.11.2021
Barbara stirbt nicht
Bronsky, Alina

Barbara stirbt nicht


ausgezeichnet

Der Roman erzählt in liebevoller, humorvoller Weise von einem Ehepaar, das ihre eigenen Rituale, Aufgabenverteilungen und Gewohnheiten hat, die dann von einem Tag auf den anderen aus dem Gleichgewicht geraten. Barbara erkrankt und wird dement, ihr Mann Walter will es lange Zeit nicht wahrhaben und glaubt, dass es nur eine kurze, vorübergehende Erkrankung ist. Zum ersten Mal sieht er sich gefordert, kümmert sich so gut er kann um den Haushalt und alle anderen Pflichten, die ansonsten immer seine Frau über hatte. Manche Szenen sind sehr humorvoll geschildert, z.B. dass Walter nicht einmal weiß, wie man einen guten Kaffee macht. Mit der Zeit wird er ehrgeizig und wagt sich auch an schwierigere Gerichte. Schön finde ich, dass sich Walter auch menschlich sehr stark verändert und sich nun vielmehr um das Soziale kümmern muss, das tut ihm sichtlich gut. Auch die Beziehung zu seinen erwachsenen Kindern verändert sich und nimmt eine neue Dynamik an. Ein ganz besonderes Highlight aber ist der Schluss, doch mehr möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen. Die Szenen haben mich sehr berührt und einen sehr schönen Abschluss für den Roman ergeben.