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Benutzername: a.n.
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Bewertungen

Insgesamt 93 Bewertungen
Bewertung vom 13.01.2019
Good Night Stories For Rebel Girls 2
Favilli, Elena; Cavallo, Francesca

Good Night Stories For Rebel Girls 2


ausgezeichnet

Can you feel it?
Girl-Power für künftige Frauen. Früh übt sich … und damals war alles noch viel schwerer für unsere Geschlechtsgenossinnen. Die eindrucksvolle Lektüre macht deutlich, was heute kaum mehr vorstellbar ist. Frauen kämpfen für ihre Träume, ihr eigenes Leben. Wir haben es da in vielerlei Hinsicht leichter. Doch machen wir auch etwas mit den Möglichkeiten und vor allem mit unserem eigenen Potential? Auch Frauen haben in erheblichem Maße dazu beizutragen, die Welt zu verändern; und damit auch das Leben der Frauen, die nach ihnen kamen: das unsere.
Simpel geschrieben, somit leicht verständlich; genau der richtige Stil, um auch Lesemuffel zu erreichen. Die peppige Aufmachung des Covers durchzieht das gesamte Buch. Informativ und mitreißend, eine kunterbunte Galerie bemerkenswerter Frauen, von denen so manche zumindest mir bislang völlig unbekannt war. Es werden Frauen aus unterschiedlichen Epochen und gesellschaftlichen Schichten vorgestellt. Schicksale, Chancen, Scheitern, Durchhalten, Ertragen, Erringen.
Die einzelnen Biographien werden eher kurz abgerissen. Eine Wissens-Essenz, die niemanden erschlägt oder langweilt. Alles ist auf die jüngere Leserschaft zugeschnitten. Dieses Konzept ist in diesem Zusammenhang absolut stimmig, da ihnen dadurch nichts entgeht und sie in erster Hinsicht zum wirklichen Lesen und wahrhaftigem Durchlesen animiert werden.
Diese einzigartige Buchreihe sollte unbedingt weiter geführt werden. Sie inspiriert, sie informiert, sie orientiert, sie macht einfach Spaß, zu lesen. Warum nicht die Töchter mit ihren Müttern gemeinsam?

Bewertung vom 31.12.2018
Gangsterblues (MP3-Download)
Bausch, Joe

Gangsterblues (MP3-Download)


sehr gut

Authentizität und Persönlichkeit

Wie viel Unschuld steckt in der eigenen Schuld? Wie viel ehrliche Reue ist neben dem verordneten Verbüßen der Haftstrafe tatsächlich möglich? Findet wirklich eine Läuterung statt? Sind die Täter oder deren Opfer präsenter? Zwölf Geschichten, Lebensläufe, Straftaten, von den Gefangenen selbst erzählt, in denen sie fast frei „von der Leber weg“ mal mehr, mal weniger reflektiert versuchen, darauf eine Antwort zu geben. Gefängnisalltag, Hoffnungslosigkeit, Eitelkeiten, Abgründe, Sichtweisen und Emotionen. Nicht zu 100 Prozent tatsachengetreu, doch durchaus im Bereich des Möglichen liegend. Gestrandete aus dem Menschenmeer unserer Gesellschaft. Ohne den Stab zu brechen, sollte sich doch jeder seinen ganz eigenen Reim darauf machen.

Kaum jemand, der Joe Bausch nicht kennt. Auf ihn hört man oder hört zumindest interessiert zu, wenn er von Verbrechen und Verbrechern erzählt. So ist es auch bei diesem Hörbuch, das er höchst selbst liest. Obwohl in der freien Rede deutlich besser, versteht er es, mit seiner markanten Stimme und der ruhigen Erzählweise, seine Zuhörer mit an den Tisch zu holen, am dem er mit seinen Gesprächspartnern sitzt. Zuhören, Verstehen, Durchschauen sind seine Stärken, an denen er uns teilhaben lässt. Obwohl es bei „Gangsterblues“ nicht um ihn geht, ist er dennoch die Hauptperson, bei der man sich gut aufgehoben, ja, geschützt fühlt. Joe Bausch, eine starke Persönlichkeit, der sagt, was er denkt. Und was er denkt hat Hand und Fuß … Herz und Hirn.

Kaputte Existenzen, gescheiterte Leben. Makaber ausgedrückt, führen viele Wege bekanntlich nach „Rom“. Fernab unseres Alltags eine Parallelwelt; real, hart, hoffnungslos. Kaum vorstellbar, doch sind wir „draußen“ wirklich davor gefeit? Es kann sehr schnell gehen oder viele Jahre dauern. Man kommt unweigerlich ins Grübeln. Man ist ergriffen und bewegt, kommt aber nur schwer oder gar nicht dahinter, wie sich diese Endstation tatsächlich anfühlt. Menschliches Dasein hinter unmenschlichem Handeln – ein fesselnder Spagat. Durch das Hören / Lesen von „Gangsterblues“ werden der eigenen Schwarz-Weiß-Palette wichtige Grau-Nuancen hinzugefügt. Mein Dank gilt dabei allen Beteiligten. Im übertragenen Sinne bleibt die Tür verschlossen, doch es wurde ein Blick durchs Schlüsselloch gewährt.

Bewertung vom 25.11.2018
Nein ist das neue Ja
Nick, Désirée

Nein ist das neue Ja


ausgezeichnet

Hier scheiden sich die Geister
Wie immer legt die Autorin auch hier den Finger nicht nur in die Wunde sondern rührt so richtig darin herum. Und das ist sicher für den einen oder anderen Ertappten schmerzhaft. Mit ihren Ansichten eckt sie oft an, doch ist es nicht so, dass diejenigen, die zur Wahrheit wandern, meist ziemlich alleine unterwegs sind? Sich selbst und seinen Überzeugungen treu bleiben, nicht alles unkommentiert mitmachen – ein Traum. Stolz kann man sich in manchen Situationen leider nicht immer leisten. Sie kann es und sie tut es in alt bekannter Gewohnheit. Amusement und Aufreger, Ratgeber und Blitzableiter in einem.
Nicht alle Probleme widerfahren einem selbst, nicht jedes geschilderte Detail ist der Rede wert. Jeder führt ja ein anderes Leben. Und mit einigen „Nein“ ist man noch lange nicht der alleinige Steuermann seines Schicksals. Zumindest beim Lesen fühlt man sich unter Gleichgesinnten. Wer „Ja“ sagt, fällt zwar weniger auf, läuft aber Gefahr, einmal an Herzdrücken zu sterben. Andererseits will ja auch niemand wirklich als Einzelkämpfer unterwegs sein. Die Entscheidung, welche der beiden Varianten und in jeweils welcher Dosierung für einen selbst bekömmlich ist, wird dem Leser durch dieses Buch nicht abgenommen.
Wer der Person Désirée Nick etwas abgewinnen kann, wird auch dieses Buch von ihr lieben und mit ihrer Meinung weitestgehend konform gehen und sich dabei noch dazu bestens unterhalten fühlen. Gesellschaftskritik humorvoll, tiefsinnig und nachhallend. Wenn auch mitunter schnodderig vorgetragen. Köstlich!

Bewertung vom 24.11.2018
Berührung
Müller-Oerlinghausen, Bruno; Kiebgis, Gabriele Mariell

Berührung


sehr gut

Das Buch – eine Hand
Eine offene Hand, die streichelt, rührt, wachrüttelt, beruhigt. Der Inhalt - faszinierend und elektrisierend, wenn auch nicht des Rätsels einzige Lösung. Jedes Wort wurde präzise gesetzt. Die Zeilen sind somit sehr einprägsam, Metaphern oder altbewährten Weisheiten gleich. Das Ausmaß von Mangel an wirklicher Berührung von Mensch zu Mensch, die Bandbreite des Denkens und Handelns wird verständlich dargelegt und ist dem Leser bislang keinesfalls in vollem Umfang von vorn herein bewusst. Das macht das Buch nicht nur so interessant sondern vor allem auch teilweise so hilfreich für uns selbst UND den Umgang mit uns nahestehende Menschen.
Ein allumfassendes Sachbuch für Laien und Nichtlaien; weit mehr als eine thematisierte Essenz. Medizinische Aspekte, kultur- und zeitgeschichtliche Besonderheiten, eigene Konditionierung sind nur einige Facetten, die näher beleuchtet werden. Der Fokus liegt hierbei auf aktuellen medizinischen Erkenntnissen und therapeutisch-psychologischen Herangehensweisen. Körpergefühl, Krankheiten, Wahrnehmung stehen in engem Zusammenhang und werden in ihrem Interagieren anschaulich dargestellt. Bewusstwerdung und Achtsamkeit spielen dabei eine tragende Rolle. Obwohl nicht jeder Aspekt gleichberechtigt beleuchtet wird, erhält man dennoch einen sehr umfangreichen Einblick in das vielschichtige Thema Berührung mit seinen Rezeptoren Haut, Körper, Geist und Seele.
Durchweg interessant und wissenswert, schwankend unterhaltsam. Ausführliche Theorie und Praxisübungen bauen aufeinander auf. Ein hintereinander weg lesen ist weniger empfehlenswert. Besser ist es, man liest Kapitelweise, je nach momentanem Befinden. Obwohl die nebenher laufende Geschichte des jungen Paares zur besseren Veranschaulichung dienen soll, wirkte dies auf mich eher störend; zu starr und den Leser unterschätzend. Wirklich enttäuscht wird aber nur derjenige, der von der Lektüre Wunder erwartet.

Bewertung vom 17.10.2018
Das Vogelhaus
Eva, Meijer

Das Vogelhaus


sehr gut

Neben dem Strom – manchmal der richtige Weg

Die berührende Geschichte der Vogelforscherin Len Howard hat das Potential, die Leser dahingehend zu sensibilisieren, dass sie ihre Augen und Herzen öffnen und endlich damit beginnen, über sich nachzudenken und Achtsamkeit auch bei allem, was um sie herum kreucht und fleucht, walten zu lassen; auch wenn es „nur“ Tiere sind. Die Autorin hält in ihrem biographisch anmutenden Roman all jenen, die sich hauptsächlich nur um sich drehen oder sich vom Wohl und Wehe anderer allzu abhängig machen, den Spiegel vor. Nicht romantisierend, doch liebevoll erzählt, präsentiert sie uns das Porträt einer Frau, die ohne sie vielleicht in Vergessenheit geraten wäre.
Vögel waren der Mittelpunkt dieser einzigartigen und engagierten Frau. Auf diese Sichtweise zielt die Lektüre nicht in erster Linie ab. Vielmehr kann sie auch unter philosophischen und charakterlichen Aspekten hin betrachtet werden. Eine große Portion Mut, unermüdlicher Einsatz, eine tiefe innere Überzeugung. Das Richtige tun, auch wenn man gegen Windmühlen kämpft. Sie konnte ihr Glück und ihre Sorgen mit niemandem teilen. Allein, belächelt, unverstanden; kein leichtes und ruhiges Leben. Und dennoch wollte sie nicht anders sein, nicht anders leben wollen. Die Zuneigung ihrer Schützlinge konnte sie sich jedoch immer sicher sein.
Gleichzeitig erfahren wir bislang unentdeckte Geheimnisse aus dem Mikrokosmos der Vögel, ihre Individualität, Eigenheiten und Bedürfnisse. Manch einer wird daraufhin mehr in ihnen sehen, als zwitschernde und ziellos umher flatternde Winzlinge. Der Grad des Sich-Hinein-Begebens in die Handlung ist wie ein Barometer unserer eigenen Menschlichkeit und Empathie für andere Individuen – einer tierischen Gretchen-Frage gleich: Wie hältst du es mit den Tieren und der Natur? Wille zur Opferbereitschaft statt purer Nutzen und Genuss?
Wer Tiere nicht so gern mag, wird Len Howards Ausführungen übertrieben finden. Für sie wird sie eine einsame Frau sein, die dies alles nur auf sich nimmt, weil sie nichts anderes hat. Für diejenigen aber, die für etwas brennen, die sich voll und ganz einer Sache widmen und dafür Privates in den Hintergrund stellen, wird sie eine von ihnen sein. Für mich ist sie eine bemerkenswerte Frau, klug, wissbegierig und mit einem riesengroßen Herzen.

Bewertung vom 03.10.2018
Die Magischen Sechs - Mr Vernons Zauberladen
Harris, Neil P.

Die Magischen Sechs - Mr Vernons Zauberladen


ausgezeichnet

Da möchte man der Siebte im Bunde sein
Hier werden Kinderaugen groß und fangen an zu leuchten. Schon von der ersten Seite an wird der junge Leser mit einbezogen, ja, wird sogar persönlich angesprochen. Temporeich, beschwingt und lustig geht es zu, wenn Carter in Aktion tritt. Die jungen Leser werden mitgerissen in einen Strudel voll von Ereignissen und Begegnungen, in denen Freundschaft, Gerechtigkeit und natürlich Magie die Hauptrolle spielen. Dabei wird ein jeder sehr schnell herausfinden, dass Magie weit mehr als pures Zaubern ist und nicht nur gelungene Tricks vonnöten, um Menschen und Dinge zu verändern. Hier lernt jeder seine Lebens-Lektionen und sogar, auch ein wenig selbst zu zaubern.
Das Zeichentrick ähnliche Cover fällt auf. Die große Schrift und die übersichtlichen Kapitel im Innern des Buches laden zusätzlich zum Lesen ein, sind die Seiten dadurch nicht überfrachtet. Auch anfängliche Lesemuffel werden textlich nicht erschlagen. Alles geschieht Schritt für Schritt, ein stetes Mitkommen ist somit garantiert. Liebevoll und detailreich gestaltete Zeichnungen begleiten zahlreich die spannende und kindgerecht aufbereiteten Abenteuer von Carter und seinen Freunden. Nicht nur dahingehend ist das Buch in Kinderhänden sehr gut aufgehoben. Die Handlung besticht durch Einfallsreichtum, Heiterkeit und einer gesunden Portion versteckter Weisheiten und sonstigen „pädagogisch wertvollen“ Inhalten. Mit diesem Buch werden Hobbies geboren, Träume geträumt, das Lachen und Mitfiebern erlebt. Das Buch bezaubert selbst Erwachsene. Ihre Kinder wird es verzaubern. Das ist wahre Magie.

Bewertung vom 30.09.2018
Alligatoren
Spera, Deb

Alligatoren


ausgezeichnet

Vergangenheit ist nie vorbei
Gertrude, Retta, Annie - drei Frauen, drei Leben, drei Schicksale, drei völlig unterschiedliche Ausgangspunkte, der Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Gesellschaftsschichten geschuldet; jedoch mit demselben Ziel: ein selbstbestimmtes Leben. Ein eindrucksvoller Reigen breitet sich vor dem Leser aus. Nicht allen wird dieses Freischwimmen auch in vollem Umfang gelingen. Eng und starr ist das Korsett des damaligen Zeitgeistes. Die Südstaaten in den 20er Jahren; puritanisch, rassistisch, ohne den heute beliebten Flair. Kurz, prägnant, hart; und doch voller Sensibilität erzählen uns Frauen von ihrem Schicksal. Und gerade und vielleicht nur hier in diesem Buch kommen alle gleichermaßen zu Wort. Ungehörtes Leid, Not im Verborgenen, brennende Sehnsüchte.
Jede kämpft für sich, steht aber auch den anderen bei, wenn auch meist unbewusst. Es beginnt mit Kleinigkeiten, die sich immer tiefer gehend verweben. Hauptsache, nie verzweifeln. Mitunter schwer verdauliches tritt zu Tage. So lange ist der Handlungszeitraum nicht entfernt und doch scheint es Jahrhunderte her zu sein. Von der heutigen Zeit aus gesehen, kann man sich vieles kaum noch vorstellen. Um so erschütternder ist es zu lesen, dass dies tatsächlich Alltag und Normalität war. Lebensumstände und Lebenskonzepte, in denen ich mich nicht zurecht finden würde. Leise Paukenschläge, die fesseln und nachklingen.
Durchweg bedrückend, ein Frauenroman für Nicht-Weibchen. Der Erzählstil und die Persönlichkeit der Frauen treffen genau meinen Nerv. Wohl gemerkt, dieses Auf sich gestellt sein, dieses sich unterordnen, in seiner Rolle bleiben müssen, ist vielleicht in den Köpfen noch sehr präsent und der Roman damit aktueller denn je.

Bewertung vom 15.09.2018
Scharfstellung
Melzer, Heike

Scharfstellung


sehr gut

Scharf beobachtet
Wenn die Lust zu Last und zum einzigen Lebensinhalt wird. Medien, Methoden, Mechanismen, Mainstream; all das verändert uns – bis ins Mark. Sexualität, Psyche, alles ist so miteinander verwoben, dass ein Entwirren für einen allein kaum möglich ist. Die Dimension allerdings nehmen wir kaum noch wahr. Tabulosigkeit des Tabu-Themas Nummer 1. Abgründe tun sich auf.
Diese Lektüre ist nichts für Mauerblümchen oder Leser, die neue Stellungstipps erwarten. Die fachliche und sachliche Analyse soll weniger unterhalten als vielmehr zum Nachdenken anregen. Die Autorin möchte aufklären und sensibilisieren ohne dabei zu moralisieren. Man sollte schon einige Kerben auf seinem intimen Kerbholz haben, damit man der Autorin auch ernsthaft folgen kann.
Brutalität, Perversion, Machtspiele, Süchte, „notwendige“ Accessoires - teilweise erschreckende Fakten. Was möglich ist, wird auch gemacht. Da vergeht einem mitunter regelrecht die Lust.
Wo steht man selbst? Wo bleibt die Liebe? Sind wie dabei, den Bogen zu überspannen? Wie sehr werden wir von unserer Sexualität beherrscht? Jeder kann seine Wünsche befriedigen, wann immer er dazu Lust hat, ohne Verantwortung, ohne Gefühl, Kinder klären sich via Internet selbst auf. Doch zum Glück lassen sich nicht alle gleichermaßen vom Zeitgeist anstecken und unreflektiert mitreißen.
Keine überfrachteten Kapitel und eine unterhaltsame Erzählweise führen den Leser mit einem Augenzwinkern durch die ernstzunehmende Handlung, in der Psychologie, Sexualtrieb, Intellekt und Gesellschaftskritik miteinander verschmelzen. Ein Sachbuch für Jedermann; leicht verständlich und daher vielleicht auch nicht so tiefschürfend, wie es mancher erwarten würde. Zwar wurde hier scharf beobachtet, recherchiert und analysiert, jedoch fehlt die wirkliche rhetorische Schärfe. Auf jeden Fall ist dieses Buch eine sehr hilfreiche Zusammenstellung menschlicher Spielarten und Triebfedern für Neugierige, Erfahrene und Betroffene

Bewertung vom 31.07.2018
Die Kunst, einfache Lösungen zu finden
Ankowitsch, Christian

Die Kunst, einfache Lösungen zu finden


sehr gut

Ist es tatsächlich so einfach?
Die Lektüre ist ausdrücklich an Otto Normal gerichtet und nicht an „Härtefälle“. Es werden also keine Wunden aufgerissen oder thematisiert. Vielmehr möchte der Autor als Anstubser fungieren. Dies gelingt ihm nahezu mühelos bei Willigen und Einsichtigen. Nicht alles muss 1:1 ausprobiert werden, da man beim Lesen sowieso auf ganz eigene individuelle Ideen kommt.
„Einfach“ mal auf Abwege begeben erfordert allerdings Mut und vor allem Überzeugung. Mut zum Umdenken und die Überzeugung, dass anderes Handeln auch andere Reaktionen auslöst. Sich neu zu positionieren, ändert bekanntlich auch die Position und somit all das, was darauf folgt. Die gesamte Tragweite ist aber nur zu ergründen, wenn man etwas TUT. Schritt für Schritt, nicht gleich alles auf einmal. Wichtig ist das eigene Mitkommen, Verinnerlichen und Festigen.
In der vorliegenden Art und Weise wurde der Leser sicher noch nicht dazu animiert und darin bestärkt. Leichtfüßig und humorvoll geht es zu, ohne dabei den ernsten Hintergrund des Buches zu vernachlässigen. Der Leser wird nie überfordert. Klare, eindeutige Aussagen, die leicht zu verstehen und sehr einprägsam sind. Praxisbeispiele und Eselsbrücken tragen ebenso zum Gesamtanliegen bei wie Gesellschaftsanalysen und psychologisch fundierte Gedankenspiele, die es anlassspezifisch in die Tat umzusetzen gilt.
Wer etwas verändern möchte, muss bei sich beginnen. Er muss nach innen und außen wirkend in Aktion treten. Aber diesmal eben nicht so wie sonst. Und vielleicht ist es am Ende eben doch so einfach. Die Grundlagen hierfür bietet dieses Buch. Danach kommt es auch jeden selbst an. Bevorzugt bei all denen die sich schon länger mit dem Gedanken tragen „so kann es nicht weiter gehen“, egal auf welcher zwischenmenschlichen oder ganz persönlichen Ebene.

Bewertung vom 29.07.2018
Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren
Benjamin, Ali

Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren


ausgezeichnet

Das Leben – Wunder und Wehe
Was für ein seltsames Mädchen diese Suzy. Gerade einmal 12 Jahre alt und dabei eine beeindruckende weil tiefgründige Gedankenwelt, die jedem Leser die Augen und das Herz öffnet. Unbedarft, dem Ernst des Lebens noch nicht preis gegeben blickt sie auf ihre Umgebung. Eine intelligente Naivität und Reinheit umgibt Suzy. Doch das Leben mit seinen Lehren wird auch sie herausfordern. Suzy ist bereit, auch wenn sie einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Naivität und natürlichen Unbedarftheit dafür hergeben wird.
Mit ihrer sehr liebevoll und äußerst unterhaltsam erzählten Geschichte erhalten auch wir eine vielleicht nie genutzte Chance, sich eigenen heiklen Problemen, Sorgen und Ängsten mit Energie und festem Willen zu nähern; wie ein Kind eben, mit einem anderen Blick, einer reinen Neugier, unzerdacht und unzerredet. Obwohl es vor allem um das Erwachsenwerden der Protagonistin geht, könnten ihre Stationen durchaus auch auf viele andere zutreffen. Sich, andere und alles, was uns umgibt besser verstehen sollte eines jeden Wunsch sein. Wie viel Suzy steckt dabei noch in einem selbst?
Tod, Verlust, Trauer und Unverständnis spielen zwar eine gewisse thematische Hauptrolle in der Lektüre, dennoch wird einem beim Lesen nie Schwer ums Herz. Ganz im Gegenteil: man begreift, dass alles zum Leben gehört. Wunder und Weinen, Lernen und Verstehen, Akzeptieren und Annehmen. All das wird hierbei aber nie mit Hinnehmen oder Desinteresse verwechselt. Durch Suzys Augen bekommen wir Erwachsenen die einmalige Gelegenheit, tief in die Seelen nicht nur unserer eigenen heranwachsenden Kinder zu blicken, sich an das eigene Damals zu erinnern und zu erfassen, was wir selber schon fast vergessen haben: wie schwer es eigentlich ist, erwachsen zu werden; mit allem, was dazu gehört. Ein besseres Verstehen macht uns auch zu verständnisvolleren und hilfreichen Wegbegleitern.