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SeverusNyssen
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Rhein Neckar Kreis

Bewertungen

Insgesamt 140 Bewertungen
Bewertung vom 06.01.2026
Wilke, Malou

Hoffnung auf eine neue Freiheit / Savannah Bd.3


sehr gut

Zwischen Aufbruch und Überforderung – Ein großes Finale mit kleinen Stolpersteinen

Mit „Savannah – Hoffnung auf eine neue Freiheit“ legt Malou Wilke den Abschlussband ihrer Siedler-Saga vor. Und eines lässt sich gleich vorweg sagen: Dieser Roman ist ein runder, inhaltlich stimmiger Abschluss – aber eben auch einer, der seine Leserinnen und Leser stark fordert.

Als Finale funktioniert das Buch vor allem dann gut, wenn man Band 1 und 2 kennt. Wer hofft, einfach in den dritten Teil einsteigen zu können, wird schnell eines Besseren belehrt. Schon zu Beginn versucht die Autorin, nicht nur die wichtigsten Figuren, sondern gefühlt das gesamte Personal der vorherigen Bände erneut einzuführen – inklusive zusätzlicher Namen und Nebenfiguren. Das Ergebnis ist eine regelrechte Figurenflut. Nicht umsonst finden sich am Ende des Buches drei eng bedruckte Seiten Figurenverzeichnis. Trotz dieser Hilfe fühlte ich mich beim Lesen oft erschlagen. Hier hätte deutlich gegolten: Weniger ist mehr.

Hat man diese anfängliche Überforderung jedoch überwunden, entfaltet der Roman viele seiner Stärken. Wilke zeichnet erneut ein eindrucksvolles Zeitporträt des Siedlerlebens: Die Sorgen, Nöte und täglichen Kämpfe der Menschen werden glaubwürdig und mit viel Feingefühl dargestellt. Besonders gelungen ist die Darstellung der Konflikte zwischen Siedlern und Indigenen. Diese werden nicht eindimensional erzählt, sondern zeigen unterschiedliche Perspektiven, Ängste, Missverständnisse und Machtverhältnisse. Gerade diese Grautöne machen den Roman authentisch und nachdenklich.

Auch emotional überzeugt der Abschlussband. Offene Handlungsstränge werden zusammengeführt, Figuren bekommen Abschiede, Neuanfänge oder Konsequenzen für ihr Handeln. Man spürt, dass die Autorin ihre Saga bewusst und sorgfältig zu Ende bringt. Das Gefühl von „Ankommen“ und Abschluss ist deutlich spürbar.

Unterm Strich ist „Savannah – Hoffnung auf eine neue Freiheit“ ein würdiger Abschluss der Siedler-Saga: atmosphärisch, historisch interessant und emotional dicht – allerdings mit deutlichen Schwächen im Bereich Übersicht und Figurenmanagement. Wer die Reihe von Anfang an verfolgt hat, wird dennoch belohnt und verabschiedet sich mit einem wehmütigen, aber stimmigen letzten Blick auf diese Welt.

Bewertung vom 06.01.2026

IGNAEL (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Zwischen Spiegeln und Schatten – Die schwarze Pyramide als Tor zur Unsicherheit

Diese Geschichte lässt einen von der ersten Seite an nicht mehr los. Im Zentrum stehen David und Rebecca – er ein Autor voller Geheimnisse, sie diejenige, die unbeabsichtigt eine Tür öffnet: den Zugang zu einer fremden Welt, symbolisiert durch das zentrale Motiv der schwarzen Pyramide. Nur Rebecca kann sie betreten, und genau dort beginnt das Spiel mit Wahrnehmung und Wirklichkeit.



Was ist Realität, was Fiktion? Diese Frage begleitet einen durch das ganze Buch. Die Spannung ist durchgehend schwindelerregend, fast beklemmend, und lässt sich keinem klaren Genre zuordnen: ein Mix aus Science-Fiction, Fantasy, Krimi, Horror und Verfolgung. Gerade diese Unbestimmbarkeit macht den Reiz aus – aber auch die Herausforderung.



Die Handlung ist unvorhersehbar, voller Ideen, Selbstreflexion und ungewöhnlicher Wendungen. Die vielen Figuren wirken nicht überladen, sondern bereichern die Geschichte. Nichts fühlt sich beliebig an, vieles ist kreativ und überraschend gelöst. Es ist kein Buch für zwischendurch, sondern für einen speziellen Lesekreis, der sich gerne auf Unsicherheit einlässt.



Am Ende bleibt ein runder Abschluss – spannend, ungewöhnlich und lange nachwirkend.

Bewertung vom 30.12.2025
Pöltl, Jonas

Der Traum des Nomaden


ausgezeichnet

Zwischen Sand und Sehnsucht – Eine Reise, die nach innen führt

Der Traum des Nomaden von Jonas Pötl ist ein Buch, das sich leise entfaltet und dabei umso nachhaltiger wirkt. Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, nicht nur Nael auf seinem Weg zu begleiten, sondern auch meine eigenen inneren Fragen gespiegelt zu sehen. Die Geschichte nimmt sich Zeit, lässt Raum für Gedanken und zwingt einen nicht zu schnellen Antworten – genau das hat mich besonders angesprochen.

Naels Aufbruch fühlt sich nicht wie ein Akt der Rebellion an, sondern wie eine notwendige Entscheidung, um überhaupt atmen zu können. Seine Zweifel, sein Zögern und sein Mut wirken ehrlich und menschlich. Besonders berührt hat mich seine Begegnung mit den Traumdeutern, in der seine Grundangst sichtbar wird: die Angst, nicht genug zu sein und am Ende allein zurückzubleiben. Diese Angst ist leise, aber allgegenwärtig, und gerade deshalb so nah an der eigenen Realität. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich viele seiner Gedanken und Gefühle aus meinem eigenen Leben kenne – das Schwanken zwischen Sicherheit und dem Wunsch, dem eigenen Herzen zu folgen.

Was dieses Buch für mich besonders macht, ist der behutsame Umgang mit inneren Konflikten. Der Traum des Nomaden versucht nicht, einfache Wahrheiten zu verkünden, sondern lädt dazu ein, sich den eigenen Unsicherheiten zu stellen. Die Begegnungen, die Nael auf seinem Weg macht, zeigen, dass Angst kein Zeichen von Schwäche ist, sondern ein Hinweis darauf, wie wichtig einem der eigene Weg wirklich ist. Dieses Motiv hat mich tief berührt, weil es Mut macht, auch dann weiterzugehen, wenn der nächste Schritt noch im Nebel liegt.

Am Ende bleibt für mich das Gefühl, ein Buch gelesen zu haben, das nachwirkt. Es ist eine ruhige, poetische Geschichte über Selbstfindung, Vertrauen und den Mut, auf die eigene innere Stimme zu hören. Der Traum des Nomaden hat mich nicht nur unterhalten, sondern zum Nachdenken gebracht – und genau das macht es für mich zu einer besonderen Lektüre.

Bewertung vom 23.12.2025
Buchinger, Michael

Bella Barks' letztes Like


ausgezeichnet

Glitzer, Drama und ein letztes Like“ – Michael Buchingers satirischer Blick auf die Influencerwelt

Michael Buchingers Bella Barks, letztes Like ist ein Kriminalroman, der auf charmante Weise kurzweilig, überspitzt und kritisch zugleich die bunte, oft oberflächliche Welt der Influencer beleuchtet. Die Geschichte um Leo, einen sympathischen Außenseiter inmitten von Selfies, Stories und Like-Druck, sorgt für unterhaltsame Unterhaltung, ohne sich zu sehr selbst ernst zu nehmen. Besonders spannend: die Ermittlungen in einer Welt, in der jeder glänzt, aber hinter den Kulissen so manches faul ist.



Der Roman ist ein echter Cozy Crime – gemütlich zu lesen, aber mit genug Spannung, um die Seiten fliegen zu lassen. Die Auflösung des Falls hat mich tatsächlich überrascht; sie kommt nicht aus dem klassischen Krimi-Einmaleins, sondern überrascht mit Wendungen, die man so nicht sofort erwartet. Buchingers satirischer Blick auf die Influencerwelt trifft dabei den Nerv der Zeit: Es wird übertrieben, ja, aber immer so, dass es unterhaltsam bleibt und gleichzeitig kritische Reflexion zulässt.



Auch optisch macht das Buch einiges her: Das Cover ist ein Hingucker, der sofort Lust aufs Lesen macht, und das Ganze wirkt hip, modern und stylish – genau wie das Setting selbst. Wer Krimis mag, die gleichzeitig Gesellschaftssatire, Humor und ein bisschen Herz bieten, ist hier genau richtig. Der Romanist kurzweilig, witzig, manchmal absurd und definitiv mal etwas anderes – ein kreativer, kritischer und zugleich unterhaltsamer Blick auf die Glamourwelt der Likes und Follower.

Bewertung vom 23.12.2025
Gungl, Petra K.

Diabolisches Spiel (MP3-Download)


ausgezeichnet

Schatten der Vergangenheit – Wenn Geheimnisse leben

In diesem zweiten Band begleitet man Agnes auf ihrem Neustart in London, einer Stadt, wo sich scheinbar ein ruhiges Leben anbahnt. Doch hinter der alltäglichen Fassade lauern dunkle Geheimnisse und Intrigen, die immer wieder Spannung und Gänsehaut erzeugen. Agnes spürt bald, dass manche Gefahren weit über das Normale hinausgehen und dass sie sich ihnen stellen muss – nicht nur als Juristin, sondern auch mit einer besonderen Gabe, die sie mit ihrer Vergangenheit verbindet.

Die Geschichte spielt geschickt mit Zeitebenen und Enthüllungen, die den Leser oder Zuhörer immer wieder überraschen. Figuren, die zunächst vertraut erscheinen, zeigen nach und nach ihre verborgenen Seiten. Die Spannung entsteht weniger aus offensichtlicher Action, sondern aus dem Wissen, dass alte Konflikte und geheimnisvolle Verbindungen die Gegenwart durchdringen.

Für mich als Hörerin war besonders die Mischung aus überraschenden Wendungen und psychologischer Tiefe fesselnd. Man wird regelrecht hineingezogen in das diabolische Spiel aus Macht, Verrat und alten Geheimnissen, und verliert beim Zuhören völlig das Zeitgefühl – selbst alltägliche Dinge wie Putzen verschwinden im Hintergrund. Die Erzählung schafft es, den Spannungsbogen konstant hochzuhalten und neugierig auf den nächsten Abschnitt zu machen.

Insgesamt ist dieser Band eine packende Mischung aus Thriller, Mystik und psychologischer Spannung, die sowohl die Charaktere als auch den Hörer herausfordert. Wer gerne in Geschichten eintaucht, die alte und neue Geheimnisse miteinander verweben, wird hier bestens unterhalten.

Bewertung vom 20.12.2025
Frieß, Petra

Bitte wenden


ausgezeichnet

Führung neu denken – Praxisnah, ehrlich und direkt auf den Punkt

„Bitte wenden – 16 Führungsimpulse“ von Petra Frieß ist ein Sachbuch, das ich persönlich gelesen habe und das mich sowohl inhaltlich als auch in seiner klaren Struktur überzeugt hat. Es richtet sich gleichermaßen an junge Führungskräfte, die gerade erst Verantwortung übernehmen, wie auch an erfahrene Führungspersönlichkeiten, die ihren eigenen Führungsstil reflektieren und weiterentwickeln möchten.

Besonders positiv fällt auf, dass die Autorin konsequent aus der Praxis schreibt. Die beschriebenen Situationen, Herausforderungen und Probleme sind solche, die im Führungsalltag sehr häufig auftauchen – Konflikte im Team, Unsicherheiten in der Kommunikation, Entscheidungsfindung oder der Umgang mit Veränderung. Genau hier setzt das Buch an und bietet mit seinen 16 Impulsen keine theoretischen Belehrungen, sondern realistische Denkanstöße und konkrete Perspektivwechsel.

Sehr hilfreich sind die Abbildungen, die zur Verdeutlichung der Inhalte beitragen. Sie lockern den Text auf und helfen dabei, komplexe Zusammenhänge schneller zu erfassen. Dadurch liest sich das Buch angenehm, strukturiert und bleibt gut im Gedächtnis.

Was mir besonders gefallen hat: „Bitte wenden“ fordert dazu auf, das eigene Verhalten zu hinterfragen, ohne zu belehren. Der Ton ist wertschätzend, motivierend und ehrlich. Man fühlt sich als Leser ernst genommen und abgeholt – unabhängig davon, wie viel Führungserfahrung man mitbringt.

Insgesamt ist dieses Sachbuch ein wertvoller Begleiter für alle, die Führung nicht als starres Konzept, sondern als lernenden Prozess verstehen. Praxisnah, verständlich und inspirierend – ein Buch, das man nicht nur einmal liest, sondern immer wieder zur Hand nimmt.

Bewertung vom 19.12.2025
Müller, Jasmin

Ich bin dann mal schwanger


ausgezeichnet

Ehrliche Schwangerschaftsmomente zum Wiedererkennen

„Ich bin dann mal schwanger“ von Jasmin Müller ist ein kleines, feines Heft mit rund 70 Seiten und einem sehr ansprechenden Cover. Es ist kein Ratgeber im klassischen Sinne – und genau das macht den Charme aus.

Das Buch versteht man wohl nur richtig, wenn man selbst Mutter ist. Viele Momente sind echte „I feel you“-Augenblicke, bei denen man schmunzelt, nickt und sich sofort verstanden fühlt. Themen wie Hebammen, „Baby on board“ oder die kleinen und großen Gedanken während der Schwangerschaft werden ehrlich und humorvoll aufgegriffen.

Der Schreibstil fühlt sich an wie ein Gespräch mit einer guten Freundin, die genau weiß, wovon sie spricht. Kurz, locker, kurzweilig – perfekt für zwischendurch. Besonders schön ist, dass es keine Belehrungen gibt, sondern Trost, Ehrlichkeit und das beruhigende Gefühl: Anderen geht es genauso.

Ein liebevolles Buch für werdende Mütter, das Mut macht und einfach gut tut

Bewertung vom 16.12.2025
Höppner, Gregor

Das Polenhaus


sehr gut

Zwischen Schatten der Vergangenheit und einer düsteren Gegenwart

Dieses Buch ist nichts für Leserinnen, die nach Leichtigkeit oder Hoffnung suchen. Schon die ersten Seiten ziehen einen mit einer sehr spannenden, fast schockierenden Szene hinein und machen klar: Hier wird es düster. Die Geschichte springt zwischen zwei Zeitebenen, was ich überraschend gut fand. Auf der einen Seite die Gegenwart mit Stephane, dessen Leben von Verlust, Pech und ungelöster Vergangenheit geprägt ist. Auf der anderen Seite die historische Ebene rund um Therese und ihre Familie, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Saisonarbeiter nach Frankreich kommen – in der Hoffnung auf ein besseres Leben.

Was beide Ebenen verbindet, ist vor allem eines: Leid. Viel Leid. Ausbeutung, Gewalt, Krieg, Hoffnungslosigkeit und Tod ziehen sich konsequent durch die gesamte Geschichte. Das wirkt realistisch und historisch nachvollziehbar, war für mich aber stellenweise sehr schwer auszuhalten. Es gibt kaum Lichtblicke, kaum Momente, in denen man als Leserin einmal durchatmen kann. Man muss sich also bewusst darauf einlassen, dass diese Geschichte emotional belastend ist.

Trotzdem habe ich das Buch überraschend schnell gelesen. Der Schreibstil ist flüssig, die Figuren sind glaubwürdig und besonders Therese bleibt im Gedächtnis – als starke, gläubige Frau, die trotz aller Widrigkeiten irgendwie weitermachen muss. Auch Stephanes Handlung wirkt wie ein Versuch, mit seiner Vergangenheit klarzukommen, ohne dass dabei alles „heil“ wird.

Was mir weniger gefallen hat, ist, dass am Ende viele Fragen offenbleiben. Das kann man als literarisches Stilmittel sehen, bei mir hat es eher ein Gefühl von Leere hinterlassen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass wirklich etwas abgeschlossen wird.

Das Cover hätte mich ehrlich gesagt nicht zum Kauf verleitet – es wirkt genauso dunkel wie die Geschichte selbst. Inhaltlich war das Buch jedoch interessant und eindrucksvoll, wenn auch sehr schwarz, traurig und schwer. Insgesamt ein realistischer, gut geschriebener Roman, den ich mit Einschränkungen weiterempfehlen würde – für alle, die sich auf viel Dunkelheit einstellen können.

Bewertung vom 16.12.2025
Krause, Matthias

Feuchte Beute


sehr gut

Lesen auf eigene Gefahr

„Feuchte Beute“ ist kein Buch, das man einfach liest – es ist eines, das man aushält, hinterfragt und irgendwann entweder kopfschüttelnd weglegt oder fasziniert zu Ende bringt. Offiziell als Horrorstory für Erwachsene deklariert, sprengt dieses Werk jedoch jede gängige Genregrenze mit einer Vehemenz, die ihresgleichen sucht. Horror? Erotik? Groteske? Satire? Oder schlicht ein literarischer Kontrollverlust? Die ehrliche Antwort lautet: alles davon – und nichts so richtig.



Schon das selbst gezeichnete Cover gibt einen ersten Vorgeschmack auf das, was einen erwartet. Roh, direkt, unangepasst – man kann sich dabei bereits so einiges denken, und das Buch hält dieses unausgesprochene Versprechen ohne jede Zurückhaltung. Inhaltlich begegnet man testosterongeladenen Fantasien, animalischen Trieben, Werwolf-ähnlichen Eskalationen und einer Perversität, die bewusst provoziert. Es ist ein Text, bei dem man sich regelmäßig fragt, ob man lachen oder weinen soll – oder ob beides gleichzeitig die einzig angemessene Reaktion ist.



Literarisch bewegt sich „Feuchte Beute“ fernab von Konventionen. Sprachlich ist es exzessiv, stellenweise derb, manchmal fast schon absurd. Berühmte Literaturkritiker würden sich vermutlich im Grab umdrehen – schlimmer noch als sämtliche griechischen Philosophen zusammen, denen hier jegliche Ordnung, Logik oder Katharsis verweigert wird. Dieses Buch will nicht gefallen, nicht bilden, nicht versöhnen. Es will überfordern.



Der Vergleich mit „Porno in Buchform“ trifft es nur bedingt, denn „Feuchte Beute“ ist weniger erotisch als vielmehr eine groteske Überzeichnung von Triebhaftigkeit. Es ist wie eine literarische Pizza mit allem drauf – zu viel Käse, zu viel Schärfe, zu viele Zutaten, aber genau dadurch unverwechselbar. Geschmackssache? Absolut. Grenzüberschreitend? Ohne Zweifel.



Wer ein Buch sucht, das sich komplett aus der Reihe löst, das keinem Genre zuzuordnen ist und keinerlei Rücksicht auf Erwartungen nimmt, ist hier bestens aufgehoben. „Feuchte Beute“ schafft tatsächlich sein eigenes Genre – irgendwo zwischen Horror, Trash, Provokation und unfreiwilliger Komik. Ein Buch für Leserinnen und Leser mit starken Nerven, offenem Geist und der Bereitschaft, literarisches Chaos nicht nur zu akzeptieren, sondern auszuhalten.

Bewertung vom 16.12.2025
Raguß, Gerd

Hauptkommissar Häcker


ausgezeichnet

Wenn Ermittlungen lehren und berühren – Ein Kriminalroman, der klüger macht
Mit „Hauptkommissar Häcker – Die Verfolgung des Umweltaktivisten“ von Gerd Raguß liegt ein ungewöhnlicher Roman vor, der sich bewusst von klassischen Krimimustern entfernt und gerade dadurch lange nachwirkt. Statt reiner Spannung und rasanter Verfolgungsjagden bietet das Buch eine klug erzählte Geschichte, in der wichtige Umwelt-, Rechts- und Gesellschaftsthemen geschickt und unaufdringlich eingeflochten werden.



Zu Beginn lernen wir Hartmut Deutsch und Maria kennen. Erst im weiteren Verlauf wird deutlich, dass Hartmut Deutsch inzwischen unter dem Namen Manfred Häcker lebt – und dass er einst als verdeckter Ermittler tätig war. Genau diese Vergangenheit holt ihn wieder ein: Er erhält einen neuen Auftrag, einen, den er schlicht nicht ablehnen kann. Diese Ausgangslage verleiht dem Roman eine besondere Tiefe, denn hier steht kein überzeichneter Held im Mittelpunkt, sondern ein sehr menschlicher Protagonist mit Vergangenheit, Zweifeln und inneren Konflikten.



Ein zentraler Punkt der Handlung ist eine Vertreterkonferenz, bei der es um einen Umweltaktivisten geht, der unter anderem mit Hanfprodukten wie T-Shirts wirbt. An dieser Stelle zeigt sich die große Stärke des Romans: Umweltfragen, wirtschaftliche Interessen und rechtliche Aspekte werden nicht belehrend, sondern organisch in die Handlung integriert. Man liest sich regelrecht in diese Themen hinein und merkt am Ende, dass man schlauer aus dem Buch hervorgeht, ohne jemals das Gefühl gehabt zu haben, unterrichtet worden zu sein.



Besonders positiv fällt auf, dass es sich nicht um einen typischen Kriminalroman handelt. Die Spannung entsteht leise, getragen von Figuren, Dialogen und realistischen Situationen. Der Roman ist kurzweilig, abends sehr gut zu lesen und ersetzt problemlos den sonntäglichen Fernsehkrimi. Gleichzeitig bleibt er bis zur letzten Seite fesselnd, ohne auf plakative Effekte zurückzugreifen.



Auch die Darstellung juristischer Aspekte und gesetzlicher Paragraphen ist gelungen. Sie sind sinnvoll gesetzt und unterstützen die Glaubwürdigkeit der Geschichte. Für Leserinnen und Leser mit juristischem Hintergrund – wie mich – wirkt dies besonders stimmig, aber auch ohne Vorkenntnisse bleibt der Text gut verständlich. Hervorzuheben ist zudem die sensible und realistische Darstellung der Psychiatrie, die weder dramatisiert noch verharmlost wird, sondern ruhig und nachvollziehbar ihren Platz im Roman findet.



„Hauptkommissar Häcker – Die Verfolgung des Umweltaktivisten“ ist ein eher ungewöhnlicher, sehr menschlicher Roman, der unterhält, zum Nachdenken anregt und noch lange im Gedächtnis bleibt. Gerade diese Mischung aus Spannung, Realität und gesellschaftlicher Relevanz macht ihn so lesenswert.