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Benutzername: Schriesemer64
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Bewertungen

Insgesamt 9 Bewertungen
Bewertung vom 17.03.2019
Kaschmirgefühl
Aichner, Bernhard

Kaschmirgefühl


ausgezeichnet

Herrlich amüsant

Bernhard Aichner kenne ich bisher als Thriller-Autor. Seine Reihen um Max Broll bzw. Brünhilde Blum konnten mich begeistern. Aber kann der Mann auch Liebesromane? Ich habe die Leseprobe zu „Kaschmirgefühl“ gelesen und fand sie herrlich schräg. Gerne wollte ich Aichner eine Chance geben, mich vom ganzen Buch zu überzeugen. Jetzt kann ich sagen: Ja, Bernhard Aichner kann auch Liebesromane.

Der Roman spielt sich in einer einzigen Nacht ab. Gottlieb ruft bei einer Sexhotline an, ist aber nicht auf Sex aus, sondern will nur reden. Marie geht auf ihn ein, wenngleich sie immer wieder versucht, Sex in das Gespräch einzubinden. Zwischen harmlosem Geplänkel und ernsthaften Geständnissen kommen die beiden sich schließlich immer näher.

Das Buch besteht nur aus dem Dialog zwischen Gottlieb und Marie. Wie in der Toten-Reihe sind die wörtlichen Reden nur durch Bindestriche eingeleitet. Es wird nichts außen herum erzählt. Alles ergibt sich nur durch das, was Gottlieb und Marie sich am Telefon erzählen, aber das reicht vollkommen. Ich habe selten so vor mich hin gegrinst beim Lesen.

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Bewertung vom 08.11.2018
Flucht in die Schären / Thomas Andreasson Bd.9 (eBook, ePUB)
Sten, Viveca

Flucht in die Schären / Thomas Andreasson Bd.9 (eBook, ePUB)


sehr gut

Sehr spannend, aber auch sehr brutal

Auch wenn der Untertitel dieses Buches „Ein Fall für Thomas Andreasson“ lautet, spielt Thomas nur eine Nebenrolle, zumindest was die polizeilichen Ermittlungen angeht. Sein Privatleben kommt dagegen ausführlich zur Sprache, und das ist ebenso wie der Kriminalfall recht bedrückend.

Die Ermittlungen werden hier hauptsächlich von Thomas’ Jugendfreundin Nora Linde geführt, die für die Staatsanwaltschaft arbeitet. Eigentlich will sie den Stockholmer Drogenboss Andreis Kovac ins Gefängnis bringen, doch ihr fehlen die Beweise. Als Kovac seine Frau Mina krankenhausreif schlägt, wittert Nora ihre Chance, gegen Kovac auf einer anderen Schiene vorzugehen. Doch Mina hat viel zu viel Angst, um gegen ihren Mann auszusagen.

Die Bedrohung durch Kovac und Minas Angst sind förmlich zu spüren, ebenso wie Noras temporäre Hilflosigkeit und Schuldgefühle. Kovacs Brutalität zieht sich durch den Thriller und hält das Tempo hoch. Dazu tragen auch die meist sehr kurzen Kapitel, oft mit Cliffhanger am Ende, bei. Durch die Perspektivwechsel entsteht ein umfassendes Bild der Geschichte, in der vor allem die häusliche Gewalt in ihrem ganzen furchtbaren Ausmaß sichtbar wird.

Ab und an fiel es mir schwer, das leichtsinnige, um nicht zu sagen dumme, Verhalten der Protagonisten zu verstehen. Aber als Außenstehender ist man ja immer schlauer.

Bewertung vom 18.10.2018
Die wundersame Mission des Harry Crane
Cohen, Jon

Die wundersame Mission des Harry Crane


sehr gut

Eine etwas andere Liebesgeschichte

Als Harry Crane bei einem tragischen Unfall seine Frau verliert, zieht es ihm den Boden unter den Füßen weg. Ohne seine geliebte Beth, dafür mit einem Job, den er noch nie mochte, begibt Harry sich auf die Flucht. Was liegt für einen Menschen, der schon seit seiner Kindheit von Bäumen fasziniert war, näher, als in den Wald zu fliehen? Entgegen seiner ursprünglichen Absichten, lernt er hier Amanda und ihre kleine Tochter Oriana kennen, die um Dean trauern. Gemeinsam helfen die drei sich aus ihrer Trauer.

Jon Cohen hat einen angenehmen Schreibstil. Man kann sich leicht auf seine ein wenig märchenhafte und magische Geschichte einlassen. Mir gefielen ganz besonders gut auch die Fakten über Bäume, die immer wieder eingeflochten sind. So kann man Harrys Begeisterung für den Wald sehr gut nachvollziehen.

Außerdem fand ich gut, dass es mehrere Erzählstränge gibt, die zum Teil auch die Nebenfiguren ins Licht rücken. Allerdings sind mir viele davon zu stereotyp dargestellt. Das wirkt recht plump.

Im Großen und Ganzen ist „Die wundersame Mission des Harry Crane“ aber ein empfehlenswertes Lesevergnügen, auch wenn der Hintergrund eher traurig ist. Durch einige Prisen Humor, die hier und da eingestreut sind, sorgt der Autor dafür, dass man diesen Roman trotzdem gern liest.

Bewertung vom 13.08.2018
Die Gesichter
Rachman, Tom

Die Gesichter


sehr gut

Schein oder Sein?

In seinem neuen Roman „Die Gesichter“ erzählt Tom Rachman von einem Künstler und seiner Kunst. Doch keine Sorge! Man muss sich nicht für Malerei interessieren, um diesem Buch etwas abgewinnen zu können. Denn wichtiger als die Kunst ist die Beziehung eines Sohnes zu seinem Vater.

Der junge Pinch himmelt seinen Vater, den erfolgreichen Maler Bear Bavinsky, an. Ständig versucht er, ihm zu gefallen. Doch Bear scheint seinen Sohn kaum wahrzunehmen. Mit einer dahin geworfenen Bemerkung zerstört er Pinchs Hoffnung, in die Fußstapfen des Vaters treten zu können. Doch wird er Zeit seines Lebens versuchen, den Vater von sich zu überzeugen, was nicht immer leicht ist, da Bear zuweilen den Kontakt abbricht.

So schlittert Pinch kreuz und quer und ein wenig heimatlos durchs Leben, versucht seinen Weg und seinen Platz zu finden und kommt doch immer wieder zu seinem Vater und dessen Kunst zurück.

Pinch macht im Zeitraum zwischen 1955 und 2011 eine große Entwicklung durch. Zuerst ging es mir etwas zu langsam, aber schließlich kommt doch Schwung in sein Leben und er übernimmt das Ruder.

Die Geschichte hat viel Tiefgang und regt stark zum Nachdenken an. Dabei ist sie trotzdem locker zu lesen und recht lebendig erzählt.

Bewertung vom 03.08.2018
Ed ist tot
McLean, Russel D.

Ed ist tot


gut

Nette Unterhaltung

Alles beginnt damit, dass Jen Carter aus Versehen ihren Freund - oder besser gesagt Ex-Freund - Ed ins Küchenmesser fallen lässt. In ihrer Panik ruft sie nicht die Polizei, sondern Eds Freund Dave an, der die Leiche verschwinden lässt. Und damit fangen die Schwierigkeiten erst an. Denn Ed schuldet jemandem viel Geld, und plötzlich ist der größte schottische Gangster hinter Jen her. Jen und die Menschen, die ihr beistehen, sind in großer Gefahr, aber auch die Gangster haben nichts zu lachen, denn Jen entpuppt sich als harte Gegnerin.

Zuweilen ist die Handlung etwas unlogisch, aber eigentlich immer recht spannend und ganz unterhaltsam. Einige brutale Szenen hätte man sicher etwas milder ausführen können. Das hätte besser zum Humor gepasst. Aber m Großen und Ganzen fand ich das Buch ganz gut.

Ob einem dieser Roman gefällt oder nicht, ist reine Ansichtssache. Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Bewertung vom 22.07.2018
Guten Morgen, Genosse Elefant
Wilson, Christopher

Guten Morgen, Genosse Elefant


sehr gut

Humorvoll und bedrückend zugleich

Nach einem schrecklichen Unfall im Alter von sechs Jahren ist Juri Zipit nicht mehr der Alte. Nicht nur körperlich, sondern vor allem auch geistig ist er nicht ganz auf der Höhe. Doch sein Gesicht wirkt so freundlich, dass alle Menschen ihn mögen und sich im anvertrauen. So erfährt er manches Geheimnis, das eigentlich gar nicht für ihn bestimmt ist.

Als sein Vater, der als Tierarzt im Zoo arbeitet, wo er mit Juri auch in einer Personalwohnung lebt, eines Nachts zu einem Patienten gerufen wird, werden er und sein Sohn nicht etwa zu einem Tier geführt, sondern in die Datscha Stalins. Auch Stalin findet schnell Gefallen an dem mittlerweile zwölfjährigen Jungen. Juri wird Stalins Vorkoster und muss dem großen Anführer die Zeit vertreiben. Ganz nebenbei wird Juri in die Staatspolitik verwickelt und soll als Doppelspion fungieren.

Was sich in diesen Wochen in der Datscha abspielt, wird sehr humorvoll erzählt, ohne dass je der ernste Hintergrund verloren geht.

Der Protagonist ist einer der liebenswertesten, über die ich je gelesen habe. Man muss dieses Kind einfach sofort ins Herz schließen. Juri, der oft etwas zurückgeblieben wirkt, wird von den Mächtigen unterschätzt, durchschaut aber mehr, als manchem lieb ist. Und so entwickelt sich die Geschichte einerseits bedrückend und spannend, andererseits recht witzig und überraschend.

Bewertung vom 19.07.2018
Kluftinger / Kommissar Kluftinger Bd.10
Klüpfel, Volker; Kobr, Michael

Kluftinger / Kommissar Kluftinger Bd.10


sehr gut

Humorvoll und spannend

Voller Vorfreude habe ich den neuen Band um den Allgäuer Kommissar Kluftinger erwartet und wurde nicht enttäuscht. Auch wenn der Aufbau des Romans dieses Mal - beim inzwischen 10. Band - etwas anders ist, als man das gewohnt ist, wurde ich mit einem spannenden Kriminalfall und viel Witz glänzend unterhalten.

Das „Opfer“ ist Kluftinger selbst. Bei der Friedhofsbegehung an Allerheiligen entdeckt man ein Kreuz mit seinem Namen. Damit ist auch das Geheimnis seiner Vornamen endlich gelöst! Handelt es sich um einen Scherz oder um eine Drohung? Kluftinger kramt in seiner Vergangenheit nach Menschen, die sich vielleicht rächten wollen. In den Erinnerungen erfährt man dann so einiges über die Jugendzeit des Kommissars. Sehr witzig fand ich, dass er damals eigentlich so ganz anders werden wollte, als er letztlich geworden ist.

Die Suche nach dem potentiellen Mörder gestaltet sich spannend, wenngleich ich mit der Auflösung nicht hundertprozentig glücklich war.

Die Situationskomik ist immer wieder klasse, zum Beispiel, wenn Kluftinger allein auf sein Enkelkind aufpassen muss oder wenn der neue Hund von Doktor Langhammer ihm zu nahe kommt.

Man kann diesen Roman sicher auch ohne Vorkenntnisse lesen, der Spaß wird aber wahrscheinlich nicht so groß sein, wie wenn man die ersten neun Bände oder zumindest einen Teil davon kennt.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 19.07.2018
Das weibliche Prinzip
Wolitzer, Meg

Das weibliche Prinzip


sehr gut

Das weibliche Prinzip - gibt es das überhaupt?

Meg Wolitzers neuen Roman könnte man anfangs als feministisch vermuten. Doch schon bald muss man erkennen, dass sich Frauen und Männer in vielen Dingen gar nicht so sehr unterscheiden.

Die Protagonistinnen Greer Kadetsky und Faith Frank setzen sich vordergründig zwar für die Rechte der Frauen ein, helfen benachteiligten Frauen und schwingen große Reden. Doch handeln auch sie nicht immer ehrlich und zum Wohl anderer, sondern einfach zu ihrem eigenen Wohl. Daraus ergibt sich hier mancher Konflikt, der die Geschichte interessant und spannend macht.

Nach und nach werden die verschiedenen Figuren und ihre Entwicklungen betrachtet. Da wäre zum einen Greer, die äußerst intelligent, aber furchtbar schüchtern ist und sich von ihren Eltern im Stich gelassen fühlt. Die Frauenrechtlerin Faith Frank wird zu ihrem großen Vorbild. Oder Greers Freundin Zee, die von ihren Eltern in eine Schiene gedrückt wird, die ihr gar nicht passt und ihren eigenen Weg finden muss. Auch Greers Freund von Kindheit an, Cory, entwickelt sich ganz anders, als man das anfangs gedacht hätte. Nach einem üblen Schicksalsschlag besinnt der erfolgreiche Karrieretyp sich auf ganz andere Qualitäten.

Ich fand dieses Buch sehr interessant. Es weist viele aktuelle Bezüge auf und die Handlung ist sehr vielseitig. Der Mittelteil zieht sich allerdings etwas in die Länge. Hier hätte ich eine Straffung besser gefunden. Aber der Schreibstil ist sehr schön und viele Sätze zergehen einem auf der Zunge.

Bewertung vom 03.03.2013
Feuer / Engelsfors Trilogie Bd.2
Elfgren, Sara B.; Strandberg, Mats

Feuer / Engelsfors Trilogie Bd.2


sehr gut

Ein Jahr lang musste man auf die Fortsetzung der Engelsfors-Trilogie warten. Nun ist es endlich so weit. Und obwohl ich den ersten Band „Zirkel“ schon vor so langer Zeit gelesen habe, war ich gleich wieder in der Geschichte drin. Nebenbei wird immer mal wieder eine Andeutung gemacht, was im 1. Band passiert ist. So bekommt man nochmal die wichtigsten Dinge präsentiert. Ohne jegliche Kenntnis von „Zirkel“ wäre man aber aufgeschmissen, denke ich.

Inhalt:
Ursprünglich waren es sieben Auserwählte, junge Hexen, die dazu ausersehen waren, die Apokalypse zu verhindern. Fünf sind noch übrig. Um ihre Aufgabe erfüllen zu können, ist es unbedingt notwendig, dass sie sich zusammenraufen, einander vertrauen. Gar nicht so einfach, wenn man von seinem Gegenüber jahrelang gemobbt wurde oder auf jemanden eifersüchtig ist.

Im Übrigen sind die fünf Mädchen nicht nur fast gänzlich auf sich allein gestellt bei ihrem Kampf gegen das Böse, sondern bekommen durch den Hohen Rat noch zusätzliche Probleme. Dieser will Anna-Karin dafür verurteilen, dass sie verbotenerweise Magie angewandt hat.

Meine Meinung:
Wie schon gesagt, war ich schnell wieder in der Geschichte drin und freute mich darüber, wieder mit Minoo, Anna-Karin, Vanessa, Linnéa und Ida in Engelsfors zu sein. Es gibt auch gleich zu Beginn ein paar spannende und gruselige Szenen, einige im 1. Band offen gebliebene Fragen werden beantwortet, gleichzeitig kommen viele neue Fragen auf. Man erfährt sehr viel über die fünf Mädchen, ihren Alltag, ihre Gedanken, ihre Gefühle. Das ist alles sehr interessant, und vieles ist für ein Jugendbuch recht außergewöhnlich. Doch die Handlung an sich kommt leider nicht so recht vom Fleck. In der ersten Buchhälfte fiel es mir noch relativ leicht, das Buch aus der Hand zu legen. Hier gibt es einfach zu viele Längen. Aber dann nimmt das Erzähltempo zu, und im letzten Drittel ist die Spannung schließlich so groß, dass man nicht mehr aufhören kann zu lesen, bis die letzte Seite erreicht ist.

Die Erzählperspektive wechselt zwischen den fünf Mädchen (personaler Erzähler), so dass sie abwechselnd beleuchtet werden. Mir hat die Charakterisierung der Mädchen sehr gut gefallen. Die fünf sind so unterschiedlich, was ihren familiären und sozialen Hintergrund angeht. Auch ihre Charaktereigenschaften sind total verschieden. Es ist faszinierend zu lesen, wie sie sich immer mehr zusammenraufen, einander akzeptieren und verstehen lernen. Jedes Mädchen hat seine ganz eigenen privaten Probleme, die einen großen Raum einnehmen. Fast könnte man meinen, dass es sich um ganz normale Teenager handelt. Doch sie lernen auch immer mehr, ihre magischen Kräfte zu entwickeln und zu kontrollieren. Manchmal ist es gar nicht so einfach, dieses Doppelleben zu führen.

Der rasante Schluss macht den etwas lahmen Anfang wieder gut, sodass ich das Buch insgesamt doch ganz gut finde und mich schon auf den nächsten Band freue. Der 3. und letzte Band der Trilogie ist für März 2014 geplant. Er wird unter dem Titel „Schlüssel“ erscheinen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.