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Lu
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Hamburg

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Insgesamt 261 Bewertungen
Bewertung vom 11.01.2026
Schröder, Alena

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel (MP3-Download)


sehr gut

In *Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel* erzählt Alena Schröder eine Geschichte über Herkunft, Verantwortung und die Frage, was man seinen Eltern, ob leiblich oder adoptiert, schuldet.

Der Roman entfaltet sich auf zwei Zeitebenen: Die 14-jährige Marlen versteckt sich 1945 in Güstrow in einem verlassenen Forsthaus und trifft auf Malerin Wilma, die Marlen vor den russischen Soldaten schützt und für die nächsten Jahrzehnte bei sich aufnimmt. Hannah Borowski, 34, steht an einem Wendepunkt: Ihr leiblicher Vater taucht plötzlich wieder auf, und sie stellt ihr bisheriges Leben infrage.

Der Erzählstil ist flüssig und sehr gut lesbar, der Roman liest sich angenehm schnell und unterhaltsam. Manches bleibt zwar etwas klischeehaft, z.B. der typische Berliner Hipster Justus mit Manbun und Podcast oder die Freundin im alternativen Wohnprojekt mit anstrengenden Plenumstreffen, aber ich fand diese Ideen dennoch lustig. Die Erzählung um Marlen und Wilma war für mich stellenweise etwas zäh, auch wenn sie inhaltlich wichtige emotionale Grundlagen für die Gegenwartsebene schafft. Trotzdem habe ich die Gegenwartsebene lieber gelesen.

Insgesamt tragen beide Geschichten, berühren und bleiben im Kopf. Auch ohne Kenntnis der ersten beiden Bände der Trilogie konnte ich dem Roman problemlos folgen und habe nun große Lust, die Vorgänger ebenfalls zu lesen.

Bewertung vom 08.01.2026
Rowell, Rainbow

Slow Dance


ausgezeichnet

„Slow Dance* ist war für mich die perfekte Romcom und ich wundere mich, dass das Buch nicht bekannter ist. Die Geschichte von Shiloh und Cary, die in der Highschool unzertrennlich waren und sich nach vierzehn Jahren Funkstille plötzlich wieder gegenüberstehen, lebt von den sympathischen, komplex gezeichneten Charakteren, die deshalb auch ohne Klischees auskommen.

Shiloh heiratet nach dem College und bekommt Kinder, nach ihrer Scheidung muss sie mit zwei kleinen Kindern zurück zu ihrer Mutter ziehen. Auch Cary tritt nicht als idealisierter Romcom-Held auf, sondern als Mensch mit Vergangenheit, Unsicherheiten und unerledigten Gefühlen. Was mir besonders gefallen hat: Die Anziehung zwischen den beiden entwickelt sich ruhig, aber konstant – ohne aufgesetztes Drama, dafür authentisch und glaubhaft beschrieben.

Neben den romantischen Momenten gibt es viele witzige, geistreiche und zeitgeistige Passagen, die dem Roman Leichtigkeit verleihen. Gerade diese Balance aus Herz, Humor und einfach guter Unterhaltung macht *Slow Dance* für mich zur perfekten Romcom. Die Frage „Kriegen sie sich endlich?“ trägt einen durch das ganze Buch, ohne je ermüdend zu werden. Für mich ist dieser Roman ein echter Geheimtipp: warmherzig, unterhaltsam und überraschend tiefgründig – und ich wundere mich wirklich, dass er nicht viel bekannter ist.

Bewertung vom 05.01.2026
Borison, B. K.

Good Spirits


weniger gut

Die Grundidee von Good Spirits fand ich großartig: eine moderne, romantische Variante von Dickens’ Weihnachtslied, erzählt aus der Perspektive eines Geistes der vergangenen Weihnacht und der Frau, die er heimsucht. Weil ich Dickens’ Original sehr mag, waren meine Erwartungen vielleicht auch entsprechend hoch. Leider konnte der Roman diese nicht erfüllen.

Nolan Callahan, Geist der vergangenen Weihnacht, und Harriet York, eine durch und durch pflichtbewusste, empathische junge Frau, sollen das Traumpaar im Zentrum des Romans spielen. Doch genau hier liegt für mich das größte Problem: Zwischen den beiden Protagonisten entsteht keinerlei glaubwürdige Chemie. Anziehung, Nähe und emotionale Verbindung wirken konstruiert statt organisch, sodass die Liebesgeschichte mich zu keinem Zeitpunkt wirklich erreicht hat.

Auch die Figurenkonstellation selbst empfand ich als sehr vorhersehbar und inzwischen ermüdend: der verschlossene, innerlich verletzte Mann mit harter Schale trifft auf die unsichere, chaotische, aber warmherzige junge Frau, die ihn „retten“ soll. Dieses Muster habe ich einfach zu oft gelesen, und hier wird es kaum variiert oder vertieft. Zwar entfaltet die Handlung stellenweise eine angenehme weihnachtliche Atmosphäre, und die Idee, die Vergangenheit der beiden Stück für Stück aufzudecken, hätte durchaus Potenzial gehabt. Doch weder die emotionalen Konflikte noch die romantische Entwicklung wirkten für mich überzeugend genug, um darüber hinwegzusehen. Wer klassische Weihnachtsromanzen mit vertrauten Rollenbildern mag, wird hier vielleicht fündig – mich konnte der Roman leider nicht überzeugen.

Bewertung vom 18.12.2025
Schirach, Ferdinand von

Alexander


ausgezeichnet

Wie können Menschen friedlich zusammenleben? Und was braucht es, damit Macht nicht missbraucht wird? Mit „Alexander“ versucht sich Ferdinand von Schirach an einem Kinderbuch über gerechte Gesetze. Im Mittelpunkt steht der Junge Alexander aus der antiken Stadt Kaliste. Nachdem seine Heimat eine Tyrannei überstanden hat, soll er als unvoreingenommenes Kind gerechte Gesetze finden. Er bricht auf eine Reise auf, sammelt Ideen für gängige Grundrechte und diskutiert sie mit Bürger:innen.

Mir hat die Machart der Geschichte gefallen: In einfachen, klaren Sätzen erzählt Schirach eine märchenhafte Geschichte, die dennoch anspruchsvolle Gedanken transportiert. Das Buch versucht demokratische Prinzipien nicht belehrend, sondern über Gespräche, Bilder und Fragen, die zum Weiterdenken anregen, zu erklären, auch wenn es insgesamt trotzdem etwas moralisierend wirken könnte. Gerade deshalb eignet sich „Alexander“ aus meiner Sicht sehr gut zum Vorlesen. In (Klein-)Gruppen oder im Familienkontext können sich gut Gespräche an die einzelnen Kapitel anschließen, sodass die unterschiedlichen Perspektiven und Ideen mit Leben gefüllt und diskutiert werden können. Außerdem können so einzelne Wörter noch einmal geklärt werden.

Auch die gesamte Gestaltung des Buchs mit Zeichnungen des Autors wirkt wertig und durchdacht. Eine schöne Ergänzung für das Bücherregal aller Menschen, die mit Kindern arbeiten!

Bewertung vom 16.12.2025
Alvarenga, Daniel

Ruf der Leere


sehr gut

„Ruf der Leere“ beginnt als scheinbar harmloses Wochenende unter Freunden in einer einsamen Hütte und entwickelt sich schnell zu einem psychologischen Kammerspiel mit düsterem Einschlag. Felix freut sich seit Wochen auf die Auszeit in einer abgelegenen Waldhütte mit Ben und Laura, weshalb er skeptisch ist, als weitere Gäste unangekündigt dazustoßen, u.a. Lauras Freund. Schon zu Beginn liegt eine spürbare Spannung über der Gruppe, die sich schlagartig entlädt, als ein alter Mann vor der Tür erscheint und sich als der Tod vorstellt.

Diese Gegenwart wird immer wieder durch Rückblicke auf Felix’ und Lauras gemeinsame Studienzeit unterbrochen. Diese Passagen hatten aus meiner Sicht eine unerwartete, düstere Coming-of-Age-Komponente und sorgen dafür, dass die Figuren und die Konflikte untereinander deutlich werden. Parallel zur Handlung in der Hütte gibt es auch noch Felix‘ Vater zu Hause, der beginnt, sich um seinen Sohn zu sorgen, wobei es sich nur um relativ kurze Einschübe handelt.

Der Roman ist insgesamt flüssig geschrieben, kurzweilig und gut zu lesen. Nicht alle Zusammenhänge wirkten auf mich bis ins Detail durchdacht, etwa manche Motivationen der Figuren, die sich nicht immer ganz erschließen, was sich jedoch am Ende durchaus erklärt. Dennoch trägt das zentrale Gedankenexperiment den Roman: Die Frage, was in der Hütte eigentlich los ist und wer in Gefahr ist, entfaltet durchaus eine Sogwirkung, die bis zum Ende anhält. Eine Empfehlung für alle, die gern düstere Stoffe mit gedanklichem Nachhall lesen.

Bewertung vom 15.12.2025
Hilderbrand, Elin;Cunningham, Shelby

The Academy


ausgezeichnet

„The Academy“ erinnert an einen klassischen Highschool-Film in Buchform, der genau das liefert, was man von diesem Genre erwartet – und das überraschend souverän. Über ein Schuljahr hinweg begleitet man die Bewohner:innen eines exklusiven Internats, der Tiffin Academy, und taucht ein in eine Welt aus Glamour, Konkurrenz und gut gehüteten Geheimnissen wie Affären, Essstörungen, Machtmissbrauch.

Die App, die all dieses nach und nach in der Schulöffentlichkeit aufdeckt, steht aus meiner Sicht weniger im Zentrum, als man zunächst erwarten könnte. Große Teile des Romans widmen sich stattdessen den einzelnen Figuren, ihren Hintergrundgeschichten und Beziehungen. Das Erzählen ist episodisch angelegt, fast wie eine Serie, die von Perspektive zu Perspektive springt. Mich hat das erstaunlich gut unterhalten: Die vielen kleinen Geschichten fügen sich nach und nach zu einem stimmigen Gesamtbild des Internatslebens zusammen.

Außerdem hat das auch gut als Hörbuch funktioniert. Die Lesung ist flüssig, lebendig und hält das Tempo hoch, sodass schnell das Gefühl entsteht, einen gut gemachten Highschool-Film zu hören. Anspruchsvoll ist die Handlung dabei eher nicht, aber das will sie auch gar nicht sein. Stattdessen bietet „The Academy“ kurzweilige Unterhaltung mit Intrigen, Teenagerdrama und Internatsatmosphäre. Ein nettes Extra waren für mich die beiläufigen Referenzen auf andere bekannte Romane wie „Demon Copperhead“ oder „Real Americans“, die dem Text eine kleine literarische Spielerei hinzufügen.

Bewertung vom 09.12.2025
Othmann, Ronya

Vierundsiebzig


ausgezeichnet

Vierundsiebzig war für mich ein sehr dichtes und zugleich schwer auszuhaltendes Buch - im positiven Sinne. Obwohl das Buch offiziell als Roman bezeichnet wird, kam es mir immer wieder wie ein Sachbuch vor, das eine Vielzahl an Stimmen, Eindrücken und historischen Linien miteinander zu verbinden versucht. Othmann reist immer wieder in die jesidischen Gebiete, besucht Camps, Gedenkorte und Dörfer und spricht mit Menschen, die den Angriffen des IS knapp entkommen sind. Die Autorin schreibt dabei klar und präzise, fast nüchtern, was mir gut gefallen hat.

Gleichzeitig ist Vierundsiebzig kein reines Buch über die jüngere Vergangenheit. Es geht auch um die lange Geschichte der Verfolgung der Jesiden, den Genozid an den Armeniern, die Verbrechen des Saddam-Regimes oder die Unterdrückung der Kurden. Diese Fülle an Themen hat mich durchaus überfordert und beansprucht. Vierundsiebzig ist also insgesamt kein leichtes Buch, weder thematisch noch von seiner Form her, aber es ist ein wichtiges Buch über Erinnerung und Verantwortung. Für mich war es sehr anspruchsvoll und absolut lesenswert. Mehr Menschen sollten sich insbesondere mit der Geschichte der Jesiden auseinandersetzen, z.B. mit diesem Buch.

Bewertung vom 08.12.2025
Céspedes, Alba de

Was vor uns liegt


ausgezeichnet

Alba de Céspedes entwirft in „Was vor uns liegt“ ein Gruppenporträt junger Frauen im Rom des Jahres 1934, das aber immer noch aktuelle Themen betrifft. Acht Studentinnen und Freundinnen leben gemeinsam im Grimaldi-Konvikt, bewacht von Nonnen und umgeben von gesellschaftlichen Erwartungen, die ihre Zukunft eng abstecken. Doch trotz der Regeln des Konvikts erleben sie, was Freiheit und Selbstbestimmung bedeuten könnte und suchen jede ihren eigenen Weg.

Besonders gelungen fand ich die Art, wie de Céspedes die individuellen Geheimnisse der Figuren miteinander verwebt: unerfüllte Ambitionen, verborgene Leidenschaften, komplizierte Liebesgeschichten oder familiäre Lasten. Dadurch ergibt sich eine Vielzahl an Stimmen weiblicher Lebensrealitäten, die für mich nur am Anfang des Romans aufgrund der vielen Figuren etwas unübersichtlich waren. Danach habe ich schnell in die miteinander verknüpften Geschichten hineingefunden und konnte den Roman sehr flüssig lesen. Mit jeder Figur habe ich mitgefiebert, da jede wieder eine neue Facette von weiblicher Suche nach Selbstbestimmung zeigt, ohne diese zu bewerten. Deshalb kam mir der Roman sowohl vom Stil als auch vom Inhalt her erstaunlich aktuell vor. Das liegt bestimmt auch an der gelungenen Übersetzung von Esther Hansen.

„Was vor uns liegt“ ist damit ein lohnenswertes, zeitloses Buch über Freundschaft, Erwartungen und den Mut zur eigenen Wahrheit, das wieder zeigt, wie aktuell Literatur aus den 1930er Jahren sein kann. Eine tolle Neuentdeckung!

Bewertung vom 06.12.2025
Neeb, Stefanie

Delicate / Copenhagen Cinnamon Bd.1 (MP3-Download)


weniger gut

„Copenhagen Cinnamon“ bietet auf den ersten Blick alles, was man sich von einer herbstlichen Lektüre verspricht: ein gemütliches Coffee-Shop-Setting, Zimtduft, ein Hausboot und zwei junge Menschen mit eigenen Herausforderungen. Stefanie Neeb schafft eine warme Atmosphäre, in der man sich durchaus verlieren könnte – zumindest, wenn die Geschichte einen wirklich packt.

Für mich blieb der Roman jedoch über weite Strecken eher langwellig und inhaltlich dünn. Viele Szenen wirken austauschbar, als würden sie nur darauf warten, endlich zum eigentlichen Konflikt vorzudringen. Erst gegen Ende kommt etwas Dynamik auf, sodass man kurzzeitig das Gefühl bekommt, jetzt könnte es spannend werden. Schwierig fand ich auch die Rollenverteilung: Mads als gut aussehender, geheimnisvoller, innerlich verletzter Barista, Jonna als eigenwillige, aber unsichere Frau, die ihn irgendwie „rettet“, das ist mir zu sehr Schema F. Die Figuren bleiben damit vorhersehbar, und ihre Beziehung entwickelt sich entlang bekannter Tropes ohne eigene Akzente zu setzen.

Ich habe die Geschichte als Hörbuch gehört, und leider hat auch das nicht zur Aufwertung beigetragen. Besonders störend fand ich, dass einige Kopenhagener Stadtviertel falsch ausgesprochen wurden – ein Detail, das man leicht hätte vermeiden können und das umso mehr irritiert, weil die Figuren im Roman gebürtige Dänen sind.

Insgesamt bleibt „Copenhagen Cinnamon“ für mich eine nett gedachte, aber wenig überzeugende Herbstromanze, die hinter ihrem Potential zurückbleibt.

Bewertung vom 06.12.2025
Gelfuso, Hayley

Das Buch der verlorenen Stunden


ausgezeichnet

„Das Buch der verlorenen Stunden“ verbindet eine ernste historische Grundlage mit einer märchenhaft anmutenden Fantasy-Idee und einer Liebesgeschichte – und genau dieser ungewöhnliche Mix hat für mich sehr gut funktioniert. Der Einstieg ist stark: Die junge Lisavet, die im Deutschland der 1930er Jahre vor den Nationalsozialisten fliehen muss, gelangt dank ihres Vaters in eine zeitlose Bibliothek, in der sämtliche menschlichen Erinnerungen in Büchern festgehalten sind. In den USA der 60er Jahre lernt man parallel Amelia kennen, deren Onkel unter mysteriösen Umständen im Kontext des Kalten Krieges gestorben ist. Schon dieses komplexe Setting mit verschiedenen Zeit- und Handlungssträngen, die nach und nach zusammengeführt werden, hat mich sofort gepackt, obwohl ich normalerweise kein Fantasy lese.

Der Roman liest sich atmosphärisch und flüssig, manchmal fast wie ein Jugendbuch – vermutlich auch, weil die zentralen Figuren jung sind. Lisavet und Amelia fand ich beide spannend, aber bewusst rätselhaft angelegt. Im Verlauf des Romans wird die Handlung zunehmend spannender und der Genremix bleibt abwechslungsreich, ohne überladen zu wirken. Insgesamt mochte ich die Mischung aus historischem Stoff, Fantasy-Elementen und Romantik. Der Roman greift wichtige Themen auf: Zensur, Verantwortung, Erinnerungskultur und die Frage, wer eigentlich bestimmt, was eine Gesellschaft erinnert und was verschwinden soll. Das macht ihn für mich sehr aktuell.

Optisch verdient das Buch ebenfalls Lob: Einband und Umschlag sind liebevoll gestaltet und passen gut zur Thematik. Insgesamt war es für mich ein atmosphärischer, gut lesbarer Roman mit origineller Grundidee und inhaltlicher Tiefe - für alle, die Lust auf eine ungewöhnliche Mischung aus Geschichte, Fantasy, Liebe und philosophischen Fragen haben, auf jeden Fall lohnenswert.