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Israelfreund

Bewertungen

Insgesamt 391 Bewertungen
Bewertung vom 30.12.2025
Schwarzer, Elke

Mord im Nacktschnecken-Milieu


ausgezeichnet

Überraschend und Humorvoll

Dieses Buch hat mir beim Lesen mehrfach ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert und das schon nach den ersten Seiten. Gleichzeitig hat er meinen Blick auf den eigenen Garten gründlich verändert. Mord im Nacktschnecken-Milieu ist klug, humorvoll und überraschend lehrreich. Plötzlich ist das Beet kein friedlicher Ort mehr, sondern ein Tatort voller Intrigen, Täterprofile und Motive. Was mir besonders gefallen hat, ist die spielerische Idee, biologische Zusammenhänge als Kriminalfälle zu erzählen. Man wird tatsächlich zum Ermittler: Wer frisst hier wen? Wer sabotiert wessen Lebensraum? Und ist das wirklich Mord oder schlicht Überlebensstrategie? Dabei bleibt das Buch stets augenzwinkernd, ohne die Natur zu verklären oder zu verteufeln. Ich habe viel gelernt, ohne das Gefühl zu haben, ein Sachbuch zu lesen. Die Mischung aus Krimi, Wissen und Ironie funktioniert hervorragend. Gleichzeitig regt das Buch zum Nachdenken an: über unsere Rolle im Garten, über „Schädlinge“ und darüber, wie schnell man selbst Partei ergreift. So ein originelles, witziges und kluges Buch für alle, die Natur mögen, gern rätseln und ihren Garten mit neuen Augen sehen wollen habe ich selten gelesen. Perfekt für neugierige Leserinnen und Leser, Hobbygärtner und alle, die Freude an ungewöhnlichen Perspektiven haben. Nach der Lektüre schaut man garantiert anders auf die nächste Nacktschnecke.

Bewertung vom 29.12.2025
Fleury, Sarah

Lucia 1. Flüsterin der Flammen


ausgezeichnet

Was für ein Auftakt

Dieses Buch hat mich sofort gepackt. Nicht wegen lauter Action, sondern wegen seiner inneren Glut. Lucia ist dreizehn, unsicher und stark zugleich. Als das Feuer in ihr erwacht, fühlt sich das weniger wie ein Effekt an als wie ein Bild fürs Erwachsenwerden: Kraft, Angst, Staunen - alles auf einmal. Die Szenen in Catania und später im Feuerland Flammaris sind sinnlich und lebendig erzählt. Man spürt Hitze, Funken, Nebel. Besonders mochte ich Yuki, den altklugen Feuersalamander: ein warmherziger Begleiter, der Leichtigkeit hineinbringt, ohne die Spannung zu brechen. Auch Finn bleibt geheimnisvoll genug, um neugierig zu machen. Was mir am meisten gefallen hat, ist der Ton: poetisch, zugänglich, ernst genommen. Das Verbot der Feuermagie verleiht der Geschichte Tiefe, weil es um Verantwortung geht, nicht nur um Macht. Lucia will ihr Leben behalten, ihre Familie, ihre Freundschaften. Genau das macht sie so nahbar. Es ist ein starker Auftakt für junge Fantasy-Fans (und alle, die es geblieben sind). Lucia die Flüsterin der Flammen erzählt von Mut, Selbstannahme und dem Mut, die eigene Flamme nicht zu löschen. Ich bin sehr gespannt auf Band 2.

Bewertung vom 29.12.2025
Alvarenga, Daniel

Ruf der Leere


ausgezeichnet

Moralischer Thriller
Dieses Buch hat mich unangenehm ruhig gemacht und genau das meine ich positiv. Ruf der Leere ist kein Thriller, den man einfach wegliest, sondern einer, der nachhallt, weil er weniger auf äußeren Horror setzt als auf das, was in Menschen passiert, wenn moralischer Druck unerträglich wird. Die Ausgangssituation ist brutal einfach: Eine Gruppe junger Menschen, ein abgelegener Ort, eine unmögliche Entscheidung. Was mich dabei besonders gepackt hat, ist nicht die Bedrohung von außen, sondern wie schnell Freundschaften, Loyalität und Selbstbilder zu bröckeln beginnen. Man erkennt sich beim Lesen immer wieder selbst und erschrickt darüber.
Parallel dazu hat mich die Perspektive des Vaters sehr berührt. Diese zweite Ebene gibt der Geschichte Tiefe: die verspätete Auseinandersetzung mit dem eigenen Kind, das Gefühl, etwas Entscheidendes verpasst zu haben. Das ist leise, schmerzhaft und sehr menschlich.
Ruf der Leere stellt keine einfachen Fragen und gibt erst recht keine einfachen Antworten. Es geht um Schuld, Selbstschutz, Verantwortung und um die Leere, die entsteht, wenn man erkennt, wozu man im Extremfall fähig wäre.
Es ist ein düsterer, psychologisch dichter Roman, der weniger schockiert als verunsichert. Wer Bücher mag, die moralisch fordern und lange im Kopf bleiben, wird hier nicht unberührt bleiben.

Bewertung vom 27.12.2025
Wartke, Bodo

In Barbaras Rhabarberbar wird niemals der Rhabarber rar


ausgezeichnet

Bodo wie er leibt und lebt
Dieses Buch ist pures Sprachvergnügen. Ich habe selten so viel gelacht und mich gleichzeitig so oft verhaspelt. Bodo Wartke nimmt bekannte Zungenbrecher und schenkt ihnen fantasievolle, rhythmische Geschichten, die man am liebsten laut liest (oder vorliest). Genau darin liegt der Zauber, denn Sprache wird hier zum Spielplatz.
Die Illustrationen von Alexandra Junge ergänzen die Texte wunderbar und machen das Buch auch optisch zu einem Erlebnis. Ob für Kinder, Erwachsene, Familien oder als Geschenk. Es verbindet Witz, Kreativität und Liebe zur Sprache auf eine herrlich leichte Art. Ein Buch, das gute Laune macht, den Kopf kitzelt und zeigt, wie viel Spaß Worte machen können. Ideal für gemeinsame Lachmomente und für alle, die Sprache lieben. Für mich als Bodo Wartke Fan war es das perfekte Weihnachtsgeschenk. Ich liebe es.

Bewertung vom 27.12.2025
Durrani, Katharina

Der Sternderl-Mörder


ausgezeichnet

So stelle ich mir einen guten Krimi vor

Es ist ein klassischer, stimmungsvoller Regionalkrimi, der zeigt, dass Spannung nicht laut sein muss, um unter die Haut zu gehen.
Dieser Regionalkrimi hat mich sofort gepackt. Vielleicht auch, weil das Grauen hier nicht irgendwo, sondern mitten im Alltag beginnt. Während Simone Jaan eigentlich mit Hochzeitsvorbereitungen beschäftigt ist, reißt sie ein makabrer Fund abrupt in ihren wohl persönlichsten und letzten Fall. Genau dieser Kontrast aus Privatleben und brutaler Realität macht die Geschichte so eindringlich. Katharina Durrani erzählt spannend, bodenständig und mit einem klaren Gespür für Tempo. Wiener Neustadt und Umgebung wirken nicht wie bloße Kulisse, sondern wie ein lebendiger Schauplatz, an dem das Verbrechen besonders nah rückt. Simone Jaan ist eine Ermittlerin mit Ecken, Kanten und Herz. Ich folgte ihr gern, gerade weil sie nicht perfekt ist.

Bewertung vom 27.12.2025
Reisch, Jana

Projekt Y


ausgezeichnet

Ein Buch der Zeit
Für mich ist Projekt Y ein wichtiges Buch, weil es nicht belehrt, sondern zum Nachdenken zwingt.
Projekt Y hat mich nicht kaltgelassen, im Gegenteil. Dieser Roman fühlt sich an wie ein Blick direkt in unsere Gegenwart, manchmal unbequem, manchmal beängstigend nah. Die Zahl „30 %“ steht hier nicht abstrakt im Raum, sondern bekommt Gesichter, Stimmen und innere Konflikte. Besonders eindrucksvoll fand ich die Vielstimmigkeit: Tagebucheinträge, Chats und unterschiedliche Perspektiven zeigen, wie Demokratie nicht nur ein politisches Konzept ist, sondern etwas zutiefst Persönliches. Die Figuren wirken verletzlich, mutig, überfordert. Und sind genau deshalb so glaubwürdig. Man spürt, wie schwer Zivilcourage sein kann und wie schnell Engagement zur Belastung wird. Es ist ein Buch was Fragen stellt, auf die es keine einfachen Antworten gibt und genau das macht diesen Roman so relevant. Ein mahnendes, kluges und sehr aktuelles Leseerlebnis.

Bewertung vom 25.12.2025
Korten, Astrid

REBECCA - Schatten über Buchan Manor (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Rebecca bürgt für Qualität
Buchan Manor ist nicht nur Schauplatz, sondern wirkt wie eine eigene Figur - kalt, flüsternd, voller Erinnerungen und extrem spannend.
Dieses Buch hat mich vor allem durch seine dichte, beinahe greifbare Atmosphäre gepackt. Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, dass die Vergangenheit direkt neben mir steht und nur darauf wartet, gehört zu werden. Besonders berührend fand ich die Verknüpfung der Zeitebenen. Da sind Fiona und Maisie, zwei Frauen aus unterschiedlichen Jahrhunderten, verbunden durch Leid, Angst und den Wunsch nach Wahrheit. Astrid Korten erzählt diese Geschichte nicht nur spannend, sondern auch emotional und psychologisch feinfühlig. Für mich ist „Rebecca – Schatten über Buchan Manor“ ein Psychothriller, der unter die Haut geht. Er ist düster, intensiv und lange nachhallend. Genau richtig für alle, die Geschichten lieben, in denen Häuser Erinnerungen tragen und Schweigen gefährlicher ist als jedes Geräusch. Für mich ein Thriller wie er sein soll und ich ihn mag. Er steht dem Roman von Daphne de Maurier von der Qualität her um nichts nach. Wer wissen möchte, warum Astrid Korten diesen Thriller auch Rebecca genannt hat? Bitte selber lesen. Es lohnt sich.

Bewertung vom 24.12.2025
Stürickow, Regina

Kommissar Gennat und der Raubmord am Ku'damm


ausgezeichnet

Faszinierend da authentisch
Für mich ist dieses Buch mehr als ein Krimi. Es ist ein eindringliches Zeitbild, spannend erzählt, historisch fundiert und mit viel Respekt.
Mich hat dieser Roman besonders angesprochen, weil er Krimispannung mit echter Berliner Geschichte verbindet. Ernst Gennat ist keine glattgebügelte Ermittlerfigur, sondern ein Mensch mit Haltung, Scharfsinn und Herz. Gerade in einer Zeit, die von Angst, Ausgrenzung und politischem Druck geprägt ist ragt er als Leuchtturm heraus. Sehr berührend fand ich die Rolle von Max Kaminski und seiner Frau Lissy. Dass ausgerechnet Menschen, die selbst an den Rand gedrängt werden, den entscheidenden Blick behalten, gibt der Geschichte eine stille, aber starke menschliche Tiefe. Es ist ein Roman, der zeigt, dass Wahrheitssuche und Menschlichkeit auch unter schwierigsten Umständen möglich sind. Für mich ein Lesegenuss am Jahresende.

Bewertung vom 24.12.2025
Fortress, Alice

Ein unmoralisches Mädchen


ausgezeichnet

Erinnerungen kommen auf

Für mich ist dieses Buch wichtig. Weil es zeigt, was Macht mit jungen Menschen macht. Weil es Mut würdigt, ohne ihn zu verklären.
Dieses Buch hat mich nicht nur als Leserin berührt, sondern als Mensch, der selbst in der DDR aufgewachsen ist. Die Angst, die zwischen den Zeilen mitschwingt, ist mir vertraut. Da ist die Angst, aufzufallen, falsch zu fühlen, falsch zu lieben, zur falschen Zeit das Richtige zu sagen. Lucy wächst in einem System auf, in dem Moral nicht Schutz bedeutet, sondern Kontrolle. Das Lehrlingsheim ist kein Zuhause, sondern ein Ort der Demütigung und der Macht. Also genau so, wie viele Orte damals funktionierten. Nach außen Ordnung, nach innen Gewalt. Alice Fortress beschreibt das nüchtern, ohne Effekthascherei, und gerade deshalb tut es weh. Die Liebesgeschichte zwischen Lucy und Tommy ist zart und verletzlich, fast wie ein Trotz gegen die Umstände. Aber man spürt von Anfang an, in diesem System darf Liebe nicht frei sein. Dass Anstand, Aufrichtigkeit und Menschlichkeit zur Gefahr werden können, ist eine bittere Wahrheit, die dieses Buch klar benennt. Was mich besonders bewegt hat, ist die ständige Angst. Diese ist nicht laut, nicht dramatisch, sondern leise, alltäglich, zermürbend. Genau so habe ich sie in Erinnerung. Ein unmoralisches Mädchen erzählt nicht nur eine Geschichte, es erinnert. Und es gibt denen eine Stimme, die damals keine hatten oder nicht gehört wurden. Für mich ein beeindruckendes Buch.

Bewertung vom 24.12.2025
Khong, Rachel

Real Americans


ausgezeichnet

Nicht nur in Amerika
Dieses Buch hat mich leise, aber nachhaltig berührt. Real Americans erzählt keine laute Geschichte, sondern eine, die unter die Haut geht über Herkunft, Zugehörigkeit und die Frage, wie sehr unsere Biografie unser Leben bestimmt. Lily und später ihr Sohn Nick stehen zwischen Welten, zwischen dem, was war, und dem, was verschwiegen wurde. Besonders stark fand ich, wie fein Rachel Khong die Klassenunterschiede, familiären Bindungen und inneren Brüche zeichnet. New York kurz vor der Jahrtausendwende, die Einsamkeit einer Insel, die Suche nach Wahrheit – all das wirkt ruhig, klug und sehr menschlich. Ein Roman, der lange nachhallt und einen mit der Frage zurücklässt: Wie viel von uns ist Schicksal und wie viel Entscheidung? Für mich ist dieses Buch ein nachdenkliches Buch wie ich es einfach gern mag und deshalb liebe. Ich liebe es.