"Ja, nein, vielleicht" bildet für mich genau den Inhalt ab: genau so verlaufen die Gedankengänge der Protagonistin. Ganz speziell beim Thema Friedrich: eigentlich hat sie ihn ja nur im Supermarkt getroffen. Den Mann mit dem sie in jungen Jahren zusammen war. Wenn man nach vielen Jahren in die Nähe seiner Heimat zurück kommt ist es eben gut möglich, dass so etwas passiert. Ab da beginnt in ihrem Kopf eine Spirale, wie sie es selbst nennt. "meint er das ... , soll ich ... , oder doch nicht ..., vielleicht..." Ich persönlich fand das übertrieben.
Daneben kämpft sie noch mit den Themen Zahn, einem Problem mit ihrer Schwester in ihrer Stadtwohnung und den Hochzeitsvorbereitungen für die beste Freundin. Sie reflektiert ihren Lebensweg und hadert mit dem Älterwerden. Da ich genau in dem beschriebenen Alter bin kann ich die Themen schon gut nachvollziehen aber hier klang alles recht verbittert und pessimistisch.
Die Erzählfluss soll wohl auch humorvoll und ironisch rüberkommen aber ich fand ihn eher schwergängig und ohne Leichtigkeit. Dass zum Schluss hin einiges wieder in seine Bahnen kommt war für mich eine angenehme Wendung.
Der Klappentext suggeriert dass Eleni erst nach dem Tod ihres geliebten Theos unter Ängsten leidet und sich nicht mehr aus dem Haus wagt. Aber in der Geschichte war Eleni schon bei ihrer ersten Begegnung mit Theo sehr depressiv und ist Menschen aus dem Weg gegangen. Die Ursache dafür erschließt sich langsam durch Rückblicke in die Vergangenheit. Es war Theo mit seinem Frohsinn und seinen Ideen der Eleni aus ihrer Schwermut geholt hat Dass sie Theo bald verliert ist ein trauriger Rückschlag.
Gut beschrieben ist die bretonische Landschaft in der das kleine Haus der Großeltern steht in dem Eleni nach deren Tod alleine wohnt. Zum einen das Raue und Düstere des Ozeans bei Unwetter. Auf der anderen Seite die Schönheit der vielen Blumen und Pflanzen in Elenis Garten.
Mit dem behäbigen Verlauf der Geschichte bin ich nicht richtig warm geworden. vor allem die Verhaltensweisen der Hauptfiguren waren für mich unverständlich.
Dieses besondere Cover hat mich in Verbindung mit dem Titel sofort begeistert. Wir lesen von Marisa die nach einem Studium in einer Werbeagentur eine Führungsposition erhält aber in ihrem Arbeitsalltag verzweifelt. Anstatt wirklich inhaltlich was zu leisten delegiert Marisa alle Aufgaben, beantwortet Emails mit kurzen aufschiebenden Statements, zieht sich in ihr Büro zurück und vertreibt die Zeit mit YouTube Videos. Eigentlich kaum zu glauben dass so etwas funktionieren kann. Es wird aber schnell klar dass eine große Not dahinter steckt. Marisa verzweifelt an ihrem gesamten Leben und bewahrt mit Drogen und Medikamenten den äußeren Schein.
Der ganze Text ist locker flapsig erzählt. Gerade die zynische Darstellung der Kollegen und das Miteinander-Umgehen ist klug beobachtet. Die Werbebranche mit ihren künstlich wichtigtuerischen Jobbenennungen ist wohl ein stimmiges Umfeld für die beschriebene Absurdität.
Mir persönlich ist eine solche Wahrnehmung der Unzufriedenheit und Sinnlosigkeit einer Arbeitsumgebung völlig fremd, ich kann mir aber gut vorstellen dass dies die Lebensrealität vieler auf den Punkt trifft.
Musiktalent
Am Anfang lernen wir die junge Arkadia Fink kennen, sie ist selbstbewusst und sehr eigensinnig. Sie erzählt dass ihre Mutter kurz weggegangen ist, ihr das aber nichts aus mache, sie komme gut ohne sie klar. Sie fühlt sich durch das von ihrer Mutter vermittelte Musiktalent sehr eng mit ihr verbunden. Es wird aber schnell klar dass das Weggehen der Mutter ein dramatischer Einschnitt in Arkadias Leben ist. Der große Wunsch in einem berühmten Knabenchor zu singen verfolgt Arkadia mit Ehrgeiz und kommt dabei auch gut voran.
Die Begeisterung vieler Leser über die Tiefgründigkeit, die Atmosphäre und den Sog der Musik kann ich leider so nicht teilen. Mir hat Arkadias schroffe Art weniger gefallen. Sie hat nur zwei wirklich wichtige Menschen in ihrem Leben, ihren Vater und die Seniorin Bernadina, aber ihr Verhalten den beiden gegenüber konnte ich nicht nachvollziehen.
Einsamkeit
Die Geologin Gro Kristjánsdóttir zieht sich nach dem Tod ihres Mannes ganz in die Einsamkeit zurück. Sie kauft ein einsames Haus an einem Fjord in den norwegischen Lofoten.
Das von ihr gewählte Leben mit Selbstversorgung ist besonders in dem zuerst beschriebenen Winter sehr hart. Sie hat kein Telefon oder Handy und Begegnungen mit anderen Menschen gibt es nur bei den seltenen Einkaufsfahrten, die Gro mit dem Boot erledigt.
Es tun sich zwei Konfliktfelder auf die der Erzählung eine Spannungen verleihen:
Zum einen ist es das Verhältnis zu Nicklas’ Mutter Hilde. In ein paar Rückblicken lesen wir von unschönen Anfeindungen schon vor der Hochzeit ihres Sohnes mit Gro. Nun nach Nicklas’ plötzlichem Tod hatte Gro bei der geplanten Beisetzung die Urne entwendet und diese mit in die Einsamkeit genommen. Nun kämpft Hilde verbissen um die Rückgabe und folgt Gro sogar in den Fjord. Im zweiten Spannungsfeld geht es um mögliche Ölfunde in den Lofoten und das Auftauchen von Mitarbeitern einer Ölfirma in ihrem Fjord. Gro war selbst in dieser Branche und weiß um die Zerstörungen die das für die unberührte Natur bringen würde.
Auch wenn ich die Wahl dieses einsamen Lebens nicht nachvollziehen konnte war die Geschichte gut erzählt und die Beschreibungen der Schönheit dieses Fjordes hat viele Reize gesetzt.
Suche
Die ruhige, detailreiche Erzählung am Anfang hat mir sehr gut gefallen. Die Beschreibungen von Situationen und Empfindungen an dem Abend bei der Telefonseelsorge waren großartig in Worte gefasst. Dass der Protagonist Sebastien Dumont von den wenigen Worten einer Frau am Telefon dazu angeregt wurde nach Antibes zu reisen hat mich eher überrascht. Mir war nicht klar, was er dort zu finden erhofft.
Und so verlässt die Erzählung sehr schnell alles rund um die Telefonseelsorge und somit den eigentlich erwarteten Inhalt. In Antibes begegnet Sebastien Florence und die beiden freunden sich an. Anfänglich war die Begegnung geprägt von dem angenehmen Gefühl, einen Mensch kennenzulernen und schöne Stunden gemeinsam zu verbringen. Doch dann wechselte es zu unangenehmen Situationen mit zähem Hin und Her.
Die Erzählung bleibt leise und gut beobachtend, aber trotz der insgesamt geringen Seitenanzahl des Buches zog sich die Geschichte in Antibes ziemlich in die Länge und hat sich für mich von der Faszination des Anfanges entfernt.
Im Klappentext wird schon der Plot dieser Geschichte offengelegt: der gemeinsame Vater hinterlässt seiner älteren Tochter Mickey vollkommen überraschend ein großes Vermögen mit der Bedingung, dass sie 7 Therapiestunden bei Arlo, seiner jüngeren Tochter, absolviert. Die beiden kennen sich nicht und so begleiten wir sie mit diesem Wissensvorsprung in viele Situationen. Die eigentliche Absicht, die der Vater mit dieser sonderbaren Verfügung bezweckt, wurde mir auch im Verlauf des Buches nicht ersichtlich.
Beim Kennenlernen von Mickey erleben wir Leser wie sehr sie seit ihrer frühen Kindheit darunter gelitten hat, dass ihr Vater die Familie verlassen hat und vorher ihrer Mutter und ihr mit seiner Alkoholsucht das Leben sehr schwer gemacht hatte. Arlo hat eine andere gemeinsame Geschichte mit ihrem Vater, allerdings auch diese nicht ohne Schwierigkeiten die der Vater verursachte.
Es ist mir ein Rätsel wie ein Mann der über 30 Jahre lang Alkoholsucht und Abstürze erlebt und Chaos und Schulden hinterlassen hat nach seinem Tod eine Millionensumme vererben kann.
Die Erzählung führt mit Wendungen und sarkastischem Humor durch viele schräge Szenen. Besonders Mickey manövriert sich in immer verzweifeltere Situationen. Beide Frauen konnte ich in ihrem Verhalten nicht immer verstehen. In der Summe hat mich dieses ungewöhnliche Aufeinandertreffen der beiden Schwestern aber gut unterhalten.
Ein guter Start ins Buch war für mich das vorangestellte Interview mit Christoph Kramer. Diese Zeit im Sommer 2006 beschreibt er sehr passend als die letzten Jahre in denen das Leben von Heranwachsenden noch nicht vom Smartphone und Sozialen Medien geprägt war. Junge Leute machten sich draußen auf die Suche nach dem Leben und im Nachhinein ist er dankbar dafür.
Die Hauptgeschichte beinhaltet 3 Tage dieses Sommers die für ihn eine Wende ins zukünftige Leben bedeuteten. Für meinen Geschmack war die Erzählweise recht langwierig. Speziell der 3. Tag mit seinen Erlebnissen zog sich ewig hin. Sehr gut hat mir gefallen wie er die Freundschaft zu ein paar Jungs aus der Nachbarschaft beschreibt. Auf dem Weg von der Pubertät ins Erwachsenwerden waren sie sehr wertvoll für ihn.
Ich kenne Christoph Kramer als Fußballer seit seiner Teilnahme bei der Weltmeisterschaft 2014. Er ist mir sehr sympathisch und ich habe Respekt vor seiner Entwicklung hin zum gefragten Fußballexperten. Und auch Respekt für so ein persönliches Buch in dem er die Unsicherheiten und Träume eines jungen Mannes erfrischend und nachvollziehbar darstellt.
Das Buch startet mit einer grotesken Szene mit der Überwindung einer verklemmten Toilettentür. Wie Marlene das Problem meistert hat mich sehr amüsiert. Dies geschieht im Untergeschoß eines Lokals wo ein Beisammensein nach der Beerdigung von Rolf stattfindet. Marlene war Rolfs zweite Frau und man merkt schnell, dass sie zu Rolfs Söhnen mit deren Ehefrauen und den zahlreichen Kindern keine nahe Beziehung hat und sich nicht wohl fühlt mit der Fürsorge der drei Söhne.
Entgegen meiner Erwartung ist das Erzählte nicht geprägt von Trauer, Verzweiflung oder Einsamkeit sondern viel mehr von Wut. Warum Marlene auf Rolf richtig wütend ist erfahren wir dann bald.
Marlene erwartet nichts mehr vom Leben aber durch eine Begegnung mit dem Klempner Jack nimmt ihr Alltag eine überraschende Wendung. Jack zieht bei Marlene ein und gemeinsam mit der befreundeten Ärztin Ida bringen sie Marlene ins Leben zurück. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und die Freundschaft der drei trägt mit Leichtigkeit und trockenem Humor dieses eigentlich schwere Thema.
Was wir hier über Wandas Alltag lesen ist starker Tobak. Es war für mich beim Lesen nur schwer auszuhalten wie sie sich durchs Leben schlagen muss. Alleinerziehend, lebt sie mit ihrer fünfjährigen Tochter Karlie unter sehr ärmlichen Verhältnissen im achtzehnten Stock einer Berliner Platte. Sie hat wohl keine Unterstützung von einem Amt so dass sie nicht einmal die Miete aufbringen kann. Dass ihre Tochter ernsthaft erkrankt ist und sie daneben ihren Traum, doch einen Job als Schauspielerin zu bekommen, nicht aufgeben will macht ihr das Leben mehr als schwer.
Das Buch ist sehr eindringlich geschrieben, die Gefühlslage von Wanda kommt klar und ehrlich rüber.
Vom Verlag als "cooler, sommerlicher Großstadtroman" beworben stellt sich das Buch für mich eher als eine, wenn auch sehr gut beschriebene, harte Geschichte einer Überforderung dieser jungen Mutter dar.
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