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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Ruhansi
Wohnort: Berlin
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Bewertungen

Insgesamt 34 Bewertungen
Bewertung vom 03.08.2020
Der Händler der Töne
Petrasch, Verena

Der Händler der Töne


sehr gut

Der Waisenjunge Noé wird von Per, dem grimmigen Händler der Töne als Lehrjunge aufgenommen. Damit startet die größte Reise seines Lebens, die ihn unter anderem in die Wüste der tausend Gesichter führt, wo er Töne aufspürt, die nie zuvor an ein anderes Ohr gedrungen sind. Trotz dieses Erfolges vermisst der Waisenjunge Noé seine Freundin Minu. Aus seinem Lehrmeister Per wird der Junge jedoch nicht schlau und ahnt schon bald, dass ein Wiedersehen mit Minu nur dann gelingen kann, wenn er dem Geheimnis des Händlers auf die Spur kommt...

Äußerst phantasievoll, aber auch düster erzählt Verena Petrasch in „Der Händler der Töne“ die Abenteuer und Geschichte um Noé. Exotische Namen und Fabelwesen nehmen kleine und große Leser auf eine Zeitreise zwischen Marokko, der Sahara und einem finsteren Phantasialand mit und lassen mit Noé bangen. Die Spannung baut sich schnell auf und zieht sich durch das gesamte Buch. Einzig einige Fremdwörter und kreative Namen machen es den kleinen Lesern nicht immer leicht zu folgen. Insgesamt ist „Der Händler der Töne“ aber ein gelungenes Abenteuerbuch, das spannende und originelle Lesemomente für Groß und Klein bietet

Bewertung vom 14.07.2020
Die Hölle war der Preis, 1 MP3-CD
Lind, Hera

Die Hölle war der Preis, 1 MP3-CD


gut

Gisa Stein wächst nahe Berlin auf. Ihr Traum ist es, Tänzerin zu werden. Sie schafft es bis an die Staatsoper, wo sie in die Fänge der Stasi gerät. In ihrer Verzweiflung versucht sie mit ihrem Ehemann Edgar in den Westen zu fliehen. Doch in einer kalten Januarnacht 1974 wird das Paar an der Grenze festgenommen und wegen Republikflucht zu 3,5 Jahren Haft verurteilt. Was Gisa dann im Frauenzuchthaus Hoheneck durchmacht, ist die Hölle. Von unzähligen Briefen, die ihr Mann Ed ihr über die lange Haftzeit schreibt, erreicht sie nur ein einziger.

„Hintern zusammen kneifen und durch!“, mit diesen Worten, die Gisa von ihrer russischen Ballettlehrerin eingebläut wurden und die für Selbstdisziplin stehen, schafft es die junge, sensible Gisa durch die Häftlingshölle. Erfolgsautorin Hera Lind hat die persönliche Geschichte von Gisa Stein aufgegriffen und erzählt sie in der Ich-Form. Da es sich um einen Tatsachenroman handelt, sorgt dies jedoch ein wenig für Verwirrung und wäre plausibler gewesen als Biografie (zumindest ihrer DDR-Zeit) der Tänzerin Gisa Stein anzupreisen. Denn die Sicht und Erfahrungen der Protagonistin sind höchstpersönlich und schmerzlich, vermitteln jedoch kein Gesamtbild der Situation der politischen Gefangenen der DDR.

An keiner Stelle werden Fakten wiedergegeben, ins Gesamtbild eingeordnet oder erklärt, sondern vermitteln nur das Bild von Gisa Stein. Hier hätte ich von Hera Lind, die die Geschichte erzählt, erwartet, dass sie eine breitere Perspektive einnimmt und Hintergrundinformation gibt, während sie die Geschichte erzählt. Doch das geschieht nicht, sondern die Biografie der schrecklichen DDR-Jahre, Flucht und Haft der Gisa Stein plätschern mit vielen Wiederholungen vor sich hin. Das schmälert natürlich keineswegs die Grauen, die die Protagonistin erlebt hat und nimmt auch nicht die Wichtigkeit dieses Zeitzeugnisses, das nicht in Vergessenheit geraten darf! Ganz im Sinne von Gustav Heinemann: „Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den schwächsten ihrer Glieder verfährt.“ Mit Bezug auf die politischen Gefangenen der DDR ein Armutszeugnis.

Gelesen wird das Hörbuch von Svenja Pages, die mich in die „Hölle war der Preis“ nicht überzeugen konnte. Die verschiedenen Dialekte, besonders das Sächsische, klingen sehr gestelzt und aufgesetzt – irgendwann überkam mich das Gefühl einer Endlosschleife. Die Botschaft des Werkes und die Frage, ob das Erleben der Hölle der Preis für die Freiheit gewesen sein sollte, sind wiederum sehr aktuell und sorgen für einen Nachklang. Die von Gisa Stein erlebten Ungerechtigkeiten können sinnbildlich noch heute für viele Schikanen stehen, denen Menschen in Unrechtssystemen ausgesetzt sind. Ein Zeitzeugnis, das ich nicht als klassischen Tatsachenroman empfehlen würde zu hören, sondern vielmehr als Biografie einer DDR-Tänzerin, der die Freiheit und ihr großer Traum genommen wurden. Ein Schicksal, das es verdient, gehört zu werden!

Bewertung vom 09.07.2020
Die geheimnisvolle Nähe von Mensch und Tier
Birmelin, Immanuel

Die geheimnisvolle Nähe von Mensch und Tier


ausgezeichnet

"Ein introvertierter Mensch verzieht sich auf einer Party allein in eine Ecke, ein schüchterner Tintenfisch versteckt sich in seiner Tintenwolke." Mensch und Tier sind sich viel ähnlicher als lange angenommen, denn letzten Endes ist auch der Mensch nur ein Tier. Tiere haben ebenso eine Persönlichkeit wie wir homo sapiens, auch wenn ihnen diese lange abgesprochen wurde!
Verhaltensforscher Dr. Immanuel Birmelin und Autor des Buches „Die geheimnisvolle Nähe von Mensch und Tier“ zeigt uns in seinem Werk auf wunderbare Weise auf, wie nahe wir Menschen den Tieren stehen. Das tut er nicht ausschließlich in dem er über die neusten Forschungen und vielfältigen Beispiele aus der Tierwelt spricht, sondern indem er beide analysiert – Mensch ebenso wie Tier. Dies ist ihm auf sehr humorvolle Weise anhand von persönlichen Anekdoten, wissenschaftlichen Theorien und Beispielen, grandiosen Farbbildern, ebenso wie dem Fakt, dass er in der Konferenz der Tiere letzteren eine Stimme gibt, gelungen.
„Die geheimnisvolle Nähe von Mensch und Tier“ ist ein berührendes, hochinteressantes, lehrreiches und auch kurzweiliges Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte, der sich für das Leben im Allgemeinen und Tiere im Speziellen interessiert!

Bewertung vom 17.06.2020
Brav kann ich auch, bringt aber nix
Metz-Neun, Ingrid

Brav kann ich auch, bringt aber nix


gut

Die wilden 70er, da ist der Titel von „Brav kann ich auch, bringt aber nix“ fast schon Programm. Der Klapptext verrät jedoch nicht viel über den Inhalt des Buches, außer dass es sich um eine blonde, naive junge Frau hält, die ihren Weg meistert. Irgendwie zumindest. Dass die Dame recht mollig ist, wie sie es selbst beschreibt, ist dem Cover nicht zu entnehmen. Palma Publishing Berlin führt den Leser mit Cover und Klapptext nach meinem Empfinden ein wenig in die Irre, zumindest hat mich der Inhalt des Buches dann doch überrascht.

Autorin Ingrid Metz-Neun, deutsche Synchronsprecherin, deren Stimme weit bekannt aus Filmen, Hörspielen, Werbung und dem öffentlichen Personennahverkehr ist, und die den guten Jahrgang 1950 vertritt, hat in diesem kurzweiligen Roman ganz sicher viel ihrer eigenen Biografie verarbeitet. Doch die Protagonistin heißt nicht Ingrid, sondern Maja. Genannt M. Maja ist in den 70ern definitiv eine Vorreiterin, die sich als Werbesprecherin hoch arbeitet, zwar ohne Plan, aber mit Erfolg. Sie hat den richtigen Riecher und auch die richtigen Freunde. Nicht zu vergessen ist ihr liebenswerter Sohnemann Dennis. Woran es aber hapert, dass ist die Liebe …

Maja ist eine sexuell sehr offene Frau, und während sie allgemein als sehr emanzipiert beschrieben werden kann, konnte ich das ihrem Sexualleben nicht entnehmen. Im Übrigen ist der Schreibstil diesbezüglich recht keck. Im Verlauf ihres Lebens trifft Maja auf viele Männer, wobei sie sich teilweise sehr egoistisch verhält. Erst viel zu spät begreift sie, dass sie ihre große Liebe längst gefunden hat, da ist es dann schon fast zu spät. So ist das Glück immer nur ein Moment, aber als die ältere Maja zurückblickt, stellt sie fest, dass es von diesen glücklichen Momenten doch einige gegeben hat. Und sie ist zuversichtlich, dass noch mehr kommen mögen.

„Brav kann ich auch, bringt aber nix“ beinhaltet fast ein ganzes Leben und liest sich dementsprechend auch sehr interessant. Dennoch hat mit der tiefere Einblick in die Gefühlswelt von Maja gefehlt, so schreibt sie, dass Hanns nicht ihre große Liebe war, während sie zu dieser Zeit auch einen Roland liebte (Treue wird definitiv nicht groß geschrieben!), dennoch heiraten sie. Mir als Leserin hat sich das nicht erschlossen. Und auch am Anfang des Buches kommt es nach einem Casting zu einem kurzen Intermezzo der recht aufgeschlossenen Maja mit dem Chef, da stellten sich mir die Härchen auf und ich mir die Frage, tut sie das wirklich aus Lust – oder ist es eine Unsicherheit, eine peinliche Situation, der sie nicht entkommen kann? Ist Maja wirklich so emanzipiert? An manch einer Stelle hätte ich mir gewünscht, dass Maja ihre Gedanken, ihre Gefühlswelt den Leser besser verstehen lässt …

Das Buch hat sich sehr flüssig gelesen, wobei der Schreibstil seine Eigenheiten hat. Mal fühlte es sich an, wie eine Autobiografie, dann Roman und manchmal fast schon ein Ratgeber, wenn ich an das Kochrezept und die direkte Ansprache der Leser denke. Auch die dreimalige Wiederholung mancher Wörter hat sich mir nicht ganz erschlossen. Alles in Allem liest sich „Brav kann ich auch, bringt aber nix“ als sehr unterhaltsamer Roman, der fast ein ganzes Leben einer bemerkenswert unkonventionellen Frau wiedergibt.

Bewertung vom 12.06.2020
Die Weisheit des Regenbogens
Jando

Die Weisheit des Regenbogens


ausgezeichnet

Eine liebevoll geschriebene Fabel, die viele Weisheiten enthält und gute Laune macht, aber nicht frei von Kitsch ist.

Die alleinerziehende Sina hat den Zugang zu ihrer Tochter Malin verloren. Doch glücklicherweise hat Malin ihre über alles geliebte Hündin Ava. Eines Tages kommt es jedoch zu einem dramatischen Unfall, in dem Ava und Malin schwer verletzt werden. Sie entfernen sich in ihrem Kummer voneinander. Um den Beiden zu helfen, sucht Sina Ruhe und Zuflucht an der Nordsee. Dort trifft sie auf den Hundeflüsterer Bent, der nicht nur Malin und Ava wieder zueinanderbringt, sondern auch Sinas Herz erwärmt. Doch dann stellt sich heraus, dass auch Bent großen Kummer hat und Hilfe benötigt...

„Die Weisheit des Regenbogens“ ist eine liebevoll geschriebene Geschichte, die jedoch viele Klischees bedient und nicht frei von Kitsch ist. Vieles ist vorhersehbar, geradlinig, es gibt keine Brüche und kaum Wendungen. Im ersten Teil des Buches steht der Unfall von Malin und Ava im Vordergrund, im zweiten Teil die Liebe zwischen Sina und Bent. Auffällig ist, dass Dinge, die in der Geschichte angesprochen wurden, teilweise ungeklärt oder offen gelassen bleiben, weil sie plötzlich keine Rolle mehr spielen. So zum Beispiel das Pferd von Malin. Aber auch dem tragischen Unfall von Hund und Mädchen kommt im zweiten Teil kaum mehr eine Bedeutung zu. Abgesehen von dem dramatischen Unfall am Anfang des Werkes laufen die Ereignisse wie von Zauberhand am Schnürchen – eine heile Welt. Wenn man sich daran nicht stört und das Buch als eine Fabel liest, ist es annehmbar.

Eine Geschichte voll mit schönen Weisheiten, aber insgesamt plätschert sie ziemlich kitschig und seicht dahin. Empfehlen möchte ich dieses Buch mit seinen possierlichen Hunde-Episoden vor allem Hundeliebhabern, und all jenen, die sich an positiven Geschichten, die das Herz erwärmen, erfreuen – und auch all jenen, deren Leben an einem Scheideweg steht und die ein bisschen Aufmunterung nötig haben.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.06.2020
Übermorgenland
Spieker, Markus

Übermorgenland


sehr gut

Die Welt befindet sich im Wandel, wobei Europa stagniert, während Asien auf der Überholspur ist. Markus Spieker hat in seiner vierjährigen Arbeitszeit als Asien-Korrespondent diesen Wandel hautnah verfolgt und erzählt uns in „Übermorgenland“, gestützt auf eine christlich-abendländische Weltsicht, wie unsere Zukunft aussehen könnte. Hierbei verzichtet er bewusst auf Theorien, sondern belegt seine Prognosen anhand von persönlichen Begegnungen und Erfahrungen. Sei es die Christin Ruth Pfau, auch bekannt als „Engel von Karachi“, die sich jahrelang aufopferungsvoll in Pakistan um die Schwächsten gekümmert hat oder der Inder Devendra Agrawal, der im überbevölkerten Indien Säuglinge rettet. Es handelt sich vorzugsweise um positive Geschichten aus Asien, die in unserer negativ behafteten Nachrichtenwelt, die vermehrt auf Tote und Skandale setzt, kaum Beachtung finden. Damit gelingt es Spieker Weltgeschehnisse und politische Veränderungen bespickt mit kurzweiligen Unterhaltungselementen, sehr lesenswert und interessant zu verpacken. Das Buch liest sich – auch für Menschen, die wenig Ahnung von internationaler Politik und Zusammenhängen haben – sehr flüssig und ist leicht verständlich.

Erschienen ist „Übermorgenland“ im christlichen fontis-Verlag, was nahe legt, dass dem Christentum in dieser Weltvorhersage eine besondere Bedeutung zukommt. Stellenweise zieht Spieker die Trennlinien in den Anfangskapiteln zwischen den Religionen sehr scharf, dass man sich an Huntingtons „Kampf der Kulturen“ erinnert fühlt. Auffällig sind auch einige Passagen, in denen Spieker versucht Zusammenhänge herzustellen, die nicht eindeutig sind. So schreibt er zum Beispiel: „Während im überbevölkerten Indien der Säuglingsretter Devendra Agrawal mit Ehrungen überhäuft wird, feiert man im nachwuchsarmen Deutschland die Abtreibungsärztin Kristina Hänel, die vom Gesetzgeber mehr Werbemöglichkeiten für ihre Tätigkeit einfordert, als „Retterin – und zwar ausgerechnet im kirchensteuerfinanzierten evangelischen Magazin „Chrismon“ (S. 104). Hier kommt die Frage auf, inwiefern man pauschalisieren kann? So geht es bei dem indischen Säuglingsretter ganz klar darum, dass (Kinder-)Leben gerettet werden, doch ebenso tut es das in Deutschland. Denn hier geht es um das Recht auf Selbstbestimmung der Frau, auf körperliche Unversehrtheit und ebenso um Schutz des Lebens: So werden auch heute in Deutschland noch Frauen vergewaltigt oder kommen mit einer Schwangerschaft nicht zurecht, so dass sie keine Vertrauten haben und ihr Kind (aus Verzweiflung) eher töten, bevor sie es in eine Babyklappe tun. Die Möglichkeit einer Abtreibung bewahrt daher auch hierzulande Kinder davor, dass sie nicht erst im Fluss landen, wie die vielen armen Seelen in Indien, die wiederum vom Säuglingsretter Devendra Agrawal erst gerettet werden. Man möchte meinen, dass hier Birnen mit Äpfeln verglichen werden. Wer das nicht tut, sollte zumindest anerkennen, dass es hier nicht um wissenschaftliche Erkenntnisse geht, sondern um Spiekers ganz subjektive Meinung, die natürlich auch polarisiert.

Wer „Übermorgenland“ als ein rein populärwissenschaftliches Buch annimmt, dass sich nicht auf Theorien, sondern reine Empfindungen und Erfahrungen stützt, ebenso wie auf eine christliche Weltsicht, der kann mit Spieker auf eine wirklich interessante weltpolitische Reise in die Zukunft gehen. Flankiert werden die persönlichen Geschichten Spiekers mit schönen, aussagekräftigen Fotografien, die noch mal einen ganz anderen Einblick geben. Definitiv eine interessante Weltvorhersage, die leicht, locker und angenehm zu lesen ist, aber stets auch mit einem kritischen Auge betrachtet werden sollte.

Bewertung vom 03.06.2020
Das Buch der Blumen
Rygiert, Beate

Das Buch der Blumen


sehr gut

Blumen – schön, zart, lieblich, duftend, bunt, stellt sich die Frage, wer sich nicht über einen Strauß Blumen freuen würde?

„Das Buch der Blumen“ kommt mit dem Versprechen, dass es den schönsten Blumenstrauß ersetzen wird und zudem nicht welken. Schriftstellerin und Blumenliebhaberin Beate Rygiert hat sich dem angenommen und stellt ihren Lesern in zwölf Kapiteln dreizehn Blumen vor.

Von der Königin unter ihnen, der Rose bis hin zum Heil- oder Unkraut (je nachdem, wer es wie betrachtet) oder dem Gänseblümchen, entstanden ist ein wundervolles Werk, in dem uns Rygiert als Chronistin in die wirklich wundervolle und teils kuriose Welt der Blumen führt. Denn wer hätte gewusst, dass der „Tulpenwahn“ vor knapp 400 Jahren bereits zu Spekulantenwahnsinn geführt hat, oder dass die Nelke schon vor dem Internationalen Sozialistenkongress eine politische Bedeutung inne hatte?

Anhand von Anekdoten, geschichtlicher Einordnung und allerlei Botanik-Wissen, stets gepaart mit einer persönlichen Note, nimmt Rygiert die Leser auf eine faszinierende Blumenreise mit. Es geht nach China, Japan, Bolivien, Mexiko, Indonesien, die Insel Madeira, ebenso wie zu unseren Blumengroßhändlern in die Niederlande. Und am Rande gibt es auch ein paar Tipps, wo hierzulande ein besonderes „Blumenexemplar“ besichtigt werden kann, so zum Beispiel im Botanischen Garten Berlin oder im sächsischen Schloss Pillnitz. Rygierts Blumenplausch ist kurzweilig, interessant und ihr Schreibstil sehr bildhaft, wobei es letzterer gemeinsam mit dem zauberhaften Cover schafft, für die mir im Buch fehlenden Bilder zu kompensieren.

Ob Blumenliebhaberin oder einfach nur ein(e) LeserIn mit Interesse an Schönem und Blühendem, wer sich ein paar gemütliche Stunden in die Blumenwelt träumen möchte, dem sei dieses „Buch der Blumen“ empfohlen. Es ist ein rundum gelungenes Werk, in dem ich mir dennoch zu jeder Blume noch eine kleine Illustration gewünscht hätte. Natürlich stehen die Geschichten für sich allein und man kann sich seine Blumenbilder auch im Kopf herstellen, doch für mich wäre das der 5-Sterne Frischekick gewesen. Daher gebe ich 4,5 von 5 Sternen und eine klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 10.05.2020
Im Wartezimmer der Unsterblichkeit
Giuliani, Alberto

Im Wartezimmer der Unsterblichkeit


ausgezeichnet

„Im Wartezimmer der Unsterblichkeit“ nimmt und Fotograf und Journalist Alberto Giuliani auf eine Reise in die Zukunft mit. Der Autor ist berufsmässig bereits viel um die Welt gereist und zweifach wurde ihm vorausgesagt, dass er mit dreiundvierzig Jahren sterben wird. Nur durch die Hilfe eines Mannes aus der Zukunft kann er dieses Schicksal durchbrechen.

Giuliani glaubt zwar nicht wirklich an diesen Hokuspokus, dennoch möchte er sich von dem Spuk befreien und begibt sich auf die Reise in die Zukunft. Dabei trifft er u.a. auf junge Forscher, die sich auf die Besiedlung des Planeten Mars vorbereiten oder auch auf jene, die sich einfrieren lassen wollen, um die Unsterblichkeit zu erlangen. Für diese Begegnungen reisen wir mit dem Autor um die Welt und es ist ein Buch, was mit persönlichen Erlebnissen, viel Orts- und Reise-Knowhow und natürlich wissenschaftlichem Wissen gespickt ist. Wissen über die Zukunft, um die es hier geht.

Ahnung von der Welt hat Giuliani definitiv, denn ob wir ihm durch die leere Innenstadt von Detroit, der gefährlichsten, weil durch starke Armut und Abgehängt-sein geprägte, amerikanische Großstadt folgen oder an Russlands größten und tiefsten See, den Baikalsee begleiten, Giuliani beschreibt alles sehr bildhaft und weltgewandt. Man lernt viel dazu, auch wenn ich einigen Fakten eher kritisch begegnet bin. Aber darum geht es hier nicht in erster Linie, vielmehr geht es darum Anstöße zu geben, wie wir uns die Zukunft vorstellen bzw. diese aussehen wird.

Ich habe Giuliani gern auf dieser Reise begleitet und viel gelernt. Dennoch war mir persönlich der Autor nicht immer in seinen Aussagen sympathisch. Zum Beispiel hat Giuliani die Schwäche, dass er um mit schwierigen Situationen umzugehen, mit einem Lachen reagiert. Häufig an unpassenden Stellen. Denn ein Lächeln an sich ist wohl der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen, kann aber auch andere vor den Kopf stoßen, wenn das beispielsweise auf einer Beerdigung geschieht. Ab und an fehlt mir da bei Giuliani die Achtung vor anderen Menschen. Auch in seinen Begegnungen zeichnet er die Charaktere hin und wieder sehr nüchtern, strahlt wenig Wärme aus. Wer sich daran nicht stört, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Bewertung vom 07.05.2020
Unvergessen - Dein Bild für die Ewigkeit (eBook, ePUB)
Gerber, Nadine

Unvergessen - Dein Bild für die Ewigkeit (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Schicksale, die ans Herz gehen

Emma, die ehrenamtlich als Fotoengel arbeitet, wurde über ihre Organisation angefordert, im Krankenhaus Fotos von einer Familie mit einem Neugeborenen zu machen, dessen hirntote Mutter nur noch mit Maschinen am Leben erhalten wird. Hier begegnen sich die Fotografin Emma und der Geschäftsmann Lukas, die Hauptprotagonisten des Romans, die unterschiedlicher in Charakter und Lebensstil nicht sein können. Dennoch verbindet beide ein besonderes Interesse aneinander. Emma, die in der Sterbenden ihre beste Freundin Barbara erkennt und ein Stückchen gemeinsamer und sie belastender Vergangenheit aufarbeiten möchte und Lukas, der gerade seine Frau verliert, von der er auch nach 5 Jahren Beziehung so gut wie nichts weiss, um es vielleicht mal seiner Tochter Sophie erzählen zu können. Emma und Lukas vereinbaren deshalb monatliche Treffen, um mehr über die verstorbene Freundin bzw. Ehepartnerin Barbara zu erfahren. Die Komunikation zwischen beiden gestaltet sich schwierig. Emma, die 14 Jahre keinen Kontakt zu ihrer verschollenen Freundin Barbara hatte und mit ihr ein schicksalhaftes Geheimnis teilt, möchte ihre Vergangenheit und die damit verbundenen Schuldgefühle endlich verarbeiten. Lukas erfährt von Emma erst Monate später und nach vielen Missverständnissen wichtige Details bzw. Begebenheiten aus dem Leben seiner verstorbenen Frau.

Aus anfänglicher Abneigung entsteht zwischen Emma und Lukas Freundschaft und Zuneigung, die schließlich in eine Liebesbeziehung übergeht.

Die Autorin greift das Thema Fotoengel auf und bringt dem Leser schicksalhafte Ereignisse mit dem Tod authentisch nahe, empathisch ohne sentimental zu werden. Die sich zwischen ihren beiden Romanhelden entwickelnde Liebe und insbesondere die Wandlung von Lukas zu einem beziehungsfähigen Menschen werden glaubhaft erzählt. Die Schreibweise ist flüssig und die Rückblenden, Tagebucheintragungen und Betrachtungsweisen aus der Sicht mehrer Personen machen das Buch sehr abwechslungsreich. Im ersten Teil des Romans wird eine Spannung um diese schicksalhaften Erlebnisse zwischen Emma und Barbara aufgebaut und der Leser wird mitgerissen und neugierig, welches Geheimnis dahinter steckt. Im zweiten Teil werden dann leider auch Klischees bedient.

Dennoch bleibt das Buch bis zum Schluss spannend, einfühlsam und die Wandlungen der Protagonisten sind authentisch und nachvollziehbar. Die 332 Seiten haben ich sehr schnell und mit Interesse gelesen und kann das Buch nur weiterempfehlen.

Bewertung vom 07.05.2020
Haus der Schildkröten
Pehnt, Annette

Haus der Schildkröten


gut

Wichtiges Thema, stimmt mit meinen persönlichen 2 jährigen Erfahrungen nicht überein, Darstellung wenig gelungen, oberflächliche Charaktere.