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Murksy

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Insgesamt 154 Bewertungen
Bewertung vom 21.12.2023
Hab ich noch Hoffnung, oder muss ich mir welche machen?
Raether, Till

Hab ich noch Hoffnung, oder muss ich mir welche machen?


gut

Der Autor versucht auf eine teils sehr philosophische Weise, das Wesen der Hoffnung zu ergründen. Ist Hoffnung etwas, das jeder in sich trägt? Oder müssen wir jeden Tag aufs Neue Hoffnung aufbauen und sie uns verdienen? Vermutlich liegt in allem etwas Wahrheit. Sicher ist, dass ohne Hoffnung kein Leben möglich wäre. Wie würden wir Schicksalschläge ertragen? Warum bauen Menschen ihre zerstörten Häuser immer wieder auf? Hoffnung macht das Leben erträglich, lässt uns neue Projekte angehen oder trotz aller Kriege und der zunehmenden Umweltzerstörung optimistisch weitermachen. Man könnte natürlich auch das Verhalten, nichts zu hoffen, als Ignoranz oder Gleichgültigkeit ansehen, warum soll ich mir Gedanken machen, solange es mir ganz gut geht. Der Autor ist hier leider auch in seiner Argumentation inkonsequent. Auf der einen Seite unterstützt er die letze Generation. Dann aber sieht er nicht ein, warum er auf das Fliegen verzichten soll, da ja andere auch fliegen oder es Leerflüge gibt. Mit dieser Argumentation lässt sich alles negieren. Warum soll ich Strom sparen, wenn ganze Städte hell erleuchtet sind? Wenn allerdings jeder so denkt, wird sich auch nichts ändern.
Es ist momentan in, über seine Depressionen oder Therapien zu schreiben. Das ist natürlich ein Mutmacher für viele Betroffene, die sich nicht trauen, über ihre Probleme zu reden. Allerdings kann eine psychische Erkrankung auch als Ausrede dienen, nichts zu tun, die Welt an sich vorbeiziehen zu lassen. Nach dem Motto, ich habe schon genug Sorgen. Wer macht mir Hoffnung? Das sieht man leider auch an vielen Lesern, die sich permanent in eine Buchwelt flüchten, weil ihnen das richtige Leben zu schwierig erscheint und sie überfordert. Doch das ist auch keine Lösung. Jeder kann und muss etwas tun. Für was ist ein Leben denn sonst gut? Für die Aufschrift auf dem Grabstein: Es war mir alles zu viel ? Oder das jemand in seinem Leben tausende Bücher gelesen hat? Oder ist es nicht vielmehr der kleine Schritt, den ich wage? Versuche, etwas zu ändern. Und wenn es nur der Schritt ist, anderen durch mein Handeln Hoffnung zu machen, dass eben nicht alles egal ist und man eh nichts ändern kann. Hoffnung ist eine zarte Pflanze, um Aufzucht und Pflege müssen wir uns alle kümmern.

Bewertung vom 24.11.2023
Stunde um Stunde
Fox, Candice

Stunde um Stunde


ausgezeichnet

Mit jedem Thriller schafft es Candice Fox immer wieder aufs Neue, kuriose Geschichten mit skurrilen Figuren und verrückten Einfällen zu paaren. So auch in diesem spannenden und einfallsreichen Krimi um ein Ehepaar, dass ein Labor besetzt, um die Polizei zur Suche nach ihrer Tochter zu zwingen. Ein unfreiwilliges Duo aus einem verdeckten Ermittler und einer Polizeianfängerin mit schlechtem Start macht sich auf die Spur des verschwundenen Mädchens. Klingt abgedreht, aber so sind die Bücher von Candice Fox nun mal. Und die Menge an Auszeichnungen zeigt, dass sie mit ihrer Art zu schreiben einen Nerv trifft. Von der ersten bis zur letzten Seite fesselt die Autorin ihre Leserschaft, und auch wenn die Geschichte verrückt klingt, wirkt sie trotzdem glaubhaft. Der Leser fiebert mit, weiß nicht so recht, wem er seine Sympathie schenken soll. Fox schafft es, ein perfektes Grau zu malen, Gut und Böse geben sich die Hand. Wendungen und neue Hinweise halten den Spannungsbogen aufrecht, führen den Leser hinters Licht oder lassen ihn gemeinsam mit den Hauptfiguren der Wahrheit nachjagen. Wer auf außergewöhnliche Krimis steht, ist hier gut bedient. Kein Cosy-Crime, trotzdem mit einer Prise schelmischem Humor gespickt, ist dass ein kurzweiliger Thriller der ausgefallenen Art.

Bewertung vom 19.10.2023
Das Nachthaus
Nesbø, Jo

Das Nachthaus


sehr gut

Ein Horrorroman von Nesbo? Kann das funktionieren? Es kann, wenn auch das scheinbare Vorbild Stephen King nicht erreicht wird. Sogar in Amerika wird das Buch angesiedelt, scheinbar ist Grusel dort verortet glaubhafter. Das Buch führt in einer Coming-of-age-Horror-Story auf scheinbar ausgetretenen Pfaden. Doch ohne zu spoilern darf man sagen, Nesbo hat einen feinen Mix geschaffen, der von seinen üblichen Büchern abweicht. Zugegeben kommt einem die Grundgeschichte bekannt vor, arbeiten solche Horrorromane oft nach dem selben Schema. Trotzdem hält Nesbo den Leser gut bei Laune, wenn auch manche Sprünge in der Geschichte des ersten Teiles im Buch etwas schnell daher kommen. Wer dem Autor aber zugesteht, seinen eigenen Krimi-Pfade zu verlassen, bekommt einen soliden Horror-Psycho-Thriller, der gut unterhält. Wer nur auf neue Harry Hole-Bücher wartet, wird mit diesem Buch weniger anfangen können. Schreiben kann Nesbo und auch hier gelingt es ihm fast komplett, eine wendungsreiche und spannende Unterhaltung zu produzieren.


Diese Rezension ist die subjektive Meinung eines Hobbylesers, ohne KI erstellt. Es bestehen keine Beziehungen zu Verlag oder Autor. Die Rezension, als auch Teile davon, ist urheberrechtlich geschützt.

Bewertung vom 19.10.2023
Wie Sterben geht
Pflüger, Andreas

Wie Sterben geht


ausgezeichnet

Ähnlich wie beim Schach werden Züge vorbereitet, Pläne entwickelt, Fallen gestellt, getäuscht und manchmal Figuren geopfert. Der große Unterschied zwischen Schach und der Agentenwelt ist die Farbgebung, im realen Spiel der Mächte gibt es kein Schwarz und Weiß. Andreas Pflüger schaffte es vortrefflich dieses Grau in verschiedenen Schattierungen zu zeichnen, mal actionreich, mal düster und hoffnungslos, aber immer sehr nah an der Realität, die damals in den 80er Jahren den kalten Krieg prägte. Der Autor versteht es ausgezeichnet, tatsächliche Ereignisse und den fiktiven Spionagethriller zu einem authentischen Netz zu verweben, dass den Wahnwitz der gegenseitigen Beschattung wiedergibt. Wer mit Politik nichts anfangen kann, die damalige Zeit nicht kennt und dem mehrere Handlungsstränge zu kompliziert sind, wird das Buch bald zur Seite legen. Wer allerdings einen perfekt inszenierten Plot mit brillant beschriebener Action, politischen Ränkelspielen, etwas Liebe und glaubhaften Personen sucht, ist hier fündig geworden. Der kalte Krieg wird unter den wissenden Händen des Andreas Pflüger so heiß serviert, dass sich die Akteure reihenweise die schmutzigen Finger verbrennen. Langeweile ist in dem Buch ein Fremdwort. Einer der besten Spionageromane der letzten Zeit.

Dies ist eine subjektive Rezension eines Hobbylesers, ohne KI erstellt. Es bestehen keine Beziehungen zu Verlag oder Autor. Die Rezension ist ganz und in Teilen urheberrechtlich geschützt.

Bewertung vom 14.10.2023
Kocht mit Checker Tobi - Meine Lieblingsgerichte, Mitmach-Checks und Checker-Fragen rund ums Essen
Krell, Tobias;Eisenbeiß, Gregor

Kocht mit Checker Tobi - Meine Lieblingsgerichte, Mitmach-Checks und Checker-Fragen rund ums Essen


ausgezeichnet

Zeitlich passend zum neuen Kinofilm bringt nun Checker Tobi auch ein Kochbuch auf den Markt. Schon wieder ein Kochbuch? Stöhn!
Doch tatsächlich ist das Buch vielmehr ein prall gefülltes Schatzkästchen für kleine und große Fans des Wissensvermittlers. Neben den Rezepten, die teilweise vor allem wegen der Zutatenwahl etwas anspruchsvoller, aber gut nachkochbar sind, findet sich allerhand Information in dem Buch. Entsprechend der beliebten Fernsehreihe erklärt Tobi einfach und verständlich die Welt und ihre Wunder. Woher kommt das Essen? Was bedeutet Ernährung für uns? Was ist Esskultur? Das sind nur einige der Fragen, denen Checker Tobi gewohnt munter und neugierig auf der Spur ist. Mit Checkerfragen und Mitmach-Checks finden sich die Fans sofort wohl. Ein Rezeptteil, der rund um den Globus führt eröffnet spannende Kocherlebnisse. Da unsere Kinder gerne und viel in der Küche mithelfen, absolute Checker-Fans sind und das Buch auch uns Erwachsenen sehr gefällt, kann man getrost über den Vorwurf der Vermarktung des Checker-Imperiums hinwegsehen. Endlich mal ein Kochbuch, dass man auch gerne einfach mal so liest oder vorliest und zudem ein ideales Weihnachtsgeschenk mit Sinn.
Die tolle Aufmachung mit Grafiken und Fotos rundet das positive Gesamtbild ab. Ein wirklich klug gemachtes Sachbuch, das zum Kochen und gesunden Ernähren animiert. Check!


Diese subjektive Rezension wurde persönlich ohne Zuhilfenahme von KI durch einen Hobbyleser ohne jegliche Beziehungen zu Verlag oder Autor erstellt. Der Inhalt der Rezension ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne Zustimmung des Verfassers auch nicht in Teilen kopiert werden.

Bewertung vom 24.09.2023
Kajzer
Kaiser, Menachem

Kajzer


ausgezeichnet

Im äußerst spannenden und kurzweiligen Sachbuch erzählt Menachem Kaiser von seiner Suche nach der Vergangenheit seiner polnischen Vorfahren. Zunächst eher uninteressiert an seinem Großvater, steigert sich der Autor zusehends in eine obsessive Jagd nach Erinnerungen und Hinweisen auf seine Herkunft. Mehrere Reisen nach Polen, unzählige Gespräche und Spuren bringen nach und nach Licht in die nebelverhangene Geschichte seiner Familie. Was der Autor in Polen findet, erstaunt ihn und seine Leser. Wie in einem Krimi versucht der Bruchstücke zusammenzufügen, redet mit Hausbewohnern und Zeitzeugen, begibt sich mit modernen Schatzjägern an längst verfallene Orte oder kommt auch dem sagenumwobenen Projekt Riese ganz nahe, dass mit seiner mystisch-verkappten Surrealität auch Filme wie Indian Jones inspiriert hat. Immer mehr erfährt Kaiser über seine Familie, ihr Sterben während des Krieges, den Schrecken der Konzentrationslager, aber auch bewegenden Geschichten, die nur aus der Verzweiflung und Verfolgung erwachsen können. Menachem Kaiser gelingt es vorzüglich ohne Pathos seine Recherchen lebhaft zu schildern, ohne jedoch seine eigenen Zweifel und Beweggründe zu beschönigen. Das Buch erzählt vom Kampf gegen Bürokratismus und die Gerichtsbarkeit, aber auch von den Erlebnissen der wenigen Überlebenden des Holocaust. Die Auszüge aus einem Tagebuch eines entfernten Verwandten sind ein erschütterndes Zeitdokument. Kaiser schreibt sachlich, wo Sachlichkeit gefordert ist, lässt aber genügend Raum für Gefühle und Infragestellung. Handelnde Personen werden nicht verurteilt, sondern ihr Tun aus den parteilosen Augen des Betrachters geschildert. Genau wie der Autor auf seiner langen Reise, lernt auch der Leser viel Neues. Verständnis wird geweckt und der Wunsch nach mehr Informationen werden den geneigten Leser zu weiteren Nachforschungen anregen. Mir selber ging das Buch deshalb sehr nahe, weil meine Mutter auch im Krieg aufgewachsen ist, als quasi Vollwaise für ihre jüngeren Geschwister verantwortlich war und viele Jahrzehnte später die Wurzeln ihres Vaters gesucht hat. Auf einem Friedhof endete erfolglos die Suche.


Diese subjektive Rezension wurde persönlich ohne Zuhilfenahme von KI durch einen Hobbyleser ohne jegliche Beziehungen zu Verlag oder Autor erstellt. Der Inhalt der Rezension ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne Zustimmung des Verfassers auch nicht in Teilen kopiert werden.

Bewertung vom 21.09.2023
60 Kilo Kinnhaken
Helgason, Hallgrímur

60 Kilo Kinnhaken


ausgezeichnet

Halt! Bevor der Leser zurückschreckt: "Island? Kenne ich nicht, zu komplizierte Namen", sollte er diesem wundervollen Buch eine Chance geben. Denn wenn nicht, entgeht ihm ein sprachliches Meisterwerk voller Poesie aber auch bissiger Bemerkungen zu isländischen Gebräuchen und dem eigenwilligen Volk. Das Buch ist der zweite Band der großen Saga. Allerdings bietet das Buch auch ohne Kenntnis des ersten Teiles genügend Lesevergnügen, um eine großartige Erzählkunst zu genießen, die ich seit John Irving und seinem Garp nicht mehr erlebt habe. Bildgewaltig und voller malerischer Zitate, führt uns der Autor gemeinsam mit dem jungen Gestur und seinen isländischen Mitbewohner auf dem Weg in die Zukunft. Aus den schlammigen Pfaden des fiktiven Dorfes und den kleinen Hütten erwächst eine florierende Fischereigemeinde. Der Einfluss des ersten Autos, Telefons, der Elektrizität muss einen noch größeren Effekt auf das Leben gehabt haben, als es in unserer Zeit Computer und Internet hatten. Wie die gefürchteten Lawinen rollt das Neue in den Fjord, verändert Leben und Ansprüche.
Der Autor geht manchmal hart mit seinen Landsleuten ins Gericht. Mit teilweiser derber Sprache, ganz im Gegensatz zu den poetischen Wortmalereien im Buch, beschreibt er die Trägheit, Sturköpfigkeit und ruppige Sexualität eines in den Traditionen verhafteten Volkes. Doch dem Fortschritt und dessen Verlockungen kann sich auch das Leben in der scheinbaren Gefangenschaft der Fjorde nicht entziehen. Die Verheißung des Meeres und der dahinterliegenden Möglichkeit eines Ausbruchs in fremde Welten nagt an dem in Armut lebenden Menschen. Der Zuzug der Norweger und Dänen mit ihrer neuen Art zu leben, verändert die Gemeinschaft. Ein Sinnbild durchaus auch für unsere modernen Gesellschaften und der Migration, die neue Einflüsse, aber natürlich auch neue Problemstellungen aufwirft. Gestur wird im Laufe der Geschichte erwachsen, lernt die Liebe kennen und ist mit seiner Jugend offen für große Träume. Oft wirkt er dabei wie ein tragischer Held einer griechischen Sage. So wie die Jahre vergehen, Kriege die Welt verändern, Generationen entstehen, so erlebt Gestur den Wandel der Zeit, der Umgebung und auch seiner selbst. Das Buch beschreibt somit das Erwachsenwerden des Helden, aber auch einer Nation. Vorzüglich gelingt es dem Autor den Elan des Fortschritts, aber auch das Platzen von Illusionen in allen Farben des literarischen Kaleidoskops zu beschreiben. Ein großes Werk, ein Werk das vielleicht ungeeignet ist für Schnellleser oder Konsumenten einfacher Literatur. Wer sich aber darauf einlässt, bekommt neben einigem Wissen über die isländische Geschichte und Kultur auch eines der herrlichsten Wortzaubereien der letzten Jahre serviert, jeder Satz ein Genuss, jede Umschreibung ein Kleinod der Brillanz.

Diese subjektive Rezension wurde persönlich ohne Zuhilfenahme von KI durch einen Hobbyleser ohne jegliche Beziehungen zu Verlag oder Autor erstellt. Der Inhalt der Rezension ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne Zustimmung des Verfassers auch nicht in Teilen kopiert werden.

Bewertung vom 05.09.2023
Eigentum
Haas, Wolf

Eigentum


sehr gut

Die heilige Dreifaltigkeit seiner Mutter: sparen, sparen, sparen, folgernd aus dem Requiem arbeiten, arbeiten, arbeiten zieht sich wie ein roter Faden durch den (biografischen !?) Roman des Schriftstellers. Gehalten in dialektischer Sprache lässt der Autor seine kürzlich verstorbene Mutter aus ihrem Leben voller Entbehrungen und unerfüllten Träumen erzählen. Vor dem Krieg während der großen Inflation geboren, spart sie auf Eigentum, will ein Haus oder zumindest eine Wohnung besitzen. Doch so schnell. wie sich ihre Wünsche und Hoffnungen verflüchtigen, sinkt der Wert des Geldes und in immer unerreichbarere Ferne rückt das ersehnte Glück. Die Erzählweise wechselt zwischen der Gegenwart des Sohnes und der Erinnerung seiner Mutter, lässt den Sohn langsam näher an seine Mutter rücken.
Sarkastisch, teilweise vielleicht sogar zynisch blickt der Autor auf die Frau zurück, die im das Leben schenkte. Sie selbst führte ein Leben voller Entbehrlichkeiten, überstand die Kriegsjahre und trauerte entgangenen Gelegenheiten hinterher. Doch was ist das Eigentum? Sind es nur die materiellen Dinge oder nicht doch die Erinnerungen an ein langes Leben, egal wie ärmlich oder hart es auch erscheinen mag? In gewohnt großartiger Weise versteht es Maas, zu beschreiben, Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Aus der scheinbaren Trostlosigkeit der Situation einer sterbenden Mutter entsteht so ein Sinnbild für die Hoffnung, die man nicht aufgeben darf und sollte. Das scheinbar gefühlskalte Verhalten des Sohnes, der in der Beerdigung eher eine Befreiung als Last sieht, entpuppt sich als Spurensuche nach dem Wesen einer kämpfenden Frau. Was bleibt vom Eigentum? Ein einsames Grab? Eine Urne? Oder doch ein Buch voller Erinnerungen, das es zu schreiben und zu bewahren lohnt. Letztendlich bleibt die Antwort vage, die Erinnerung verblasst und das Leben geht weiter, hier und da.

Bewertung vom 28.08.2023
Prophet
Blaché, Sin;Macdonald, Helen

Prophet


sehr gut

Sunil Rao ist mit einer Gabe gesegnet oder gestraft, je nach Sichtweise. Er sieht die Wahrheit, bzw. die Echtheit in Aussagen und Dingen. Ob es nun gefälsche Bilder sind oder Lügen, Rao erkennt sie. Zumindest meistens. Diese Fähigkeit macht ihn natürlich für Geheimdienste oder das Militär sehr interessant. Da Rao allerdings kein einfacher Charakter ist, landet er von einer Schwierigkeit bei der nächsten, bis hin zum Gefängnis. Adam, ein Soldat und ehemaliger Gefährte von Rao, holt in allerdings eines Tages aus dem Gefängnis raus, man braucht seine Hilfe. In England erscheinen Dinge aus dem Nichts, auch eine Leiche auf einer Airbase der Luftwaffe beschäftigt die Verantwortlichen. Rao erkennt sofort, dass die Gegenstände nicht richtig sind. Doch woher kommen sie? Wer hat diese Dinge erschaffen? Es beginnt eine Spurensuche, die alle Beteiligten an den Rand des Zumutbaren führen wird.

Eine spannende und mysteriöse Ausgangsgeschichte, interessante und launische Protagonisten und eine wirklich wilde Mischung aus Liebesgeschichte, Science fiction, Horrorroman, Thriller...ach herrje, zu viel des Guten? Tatsächlich könnte den Leser eine solche Mixtur abschrecken, doch den Autorinnen gelingt es meistens gut, das verworrene und mystische Netz des alptraumhaften Geschehens weiterzuspinnen. Der Leser sieht sich einer Kombination aus Akte X, Edgar Allan Poe und H.P. Lovecraft gegenüber, die Aufmerksamkeit erfordert. Leider hat das Buch auch gewisse Längen, was eine volle Punktzahl der Bewertung verhindert. Wer aber einen Mystery-Thriller der etwas anderen Strickart lesen möchte und dem Genre nicht abgeneigt ist, kommt durchaus auf seine Kosten, wenn auch einige Fragen ungeklärt, bzw. deren Beantwortung der Fantasie des Lesers überlassen werden. Und ganz hervorragend wird die psychoanalytische Verknüpfung der Hauptdarsteller verarbeitet. Durchaus lesenswert.

Bewertung vom 05.07.2023
Refugium / Stormland Bd.1
Lindqvist, John Ajvide

Refugium / Stormland Bd.1


gut

Ein gemütliches Abendessen endet mit einem Massaker, nur ein Mädchen überlebt das Blutbad. Eine zufällig in der Nähe befindliche Schriftstellerin, die früher Polizistin war, beginnt sich in die Ermittlungen einzubringen. Unterstützung bekommt sie von einem Computernerd. Das Ganze wird geschmückt mit einer weltumspannenden Handlung, etwas Action, natürlich der üblichen kaputten Jugend des einen oder anderen Protagonisten, skrupellosen Killern und einer Beziehungskiste. Nun ja, klingt alles nicht neu und hat man leider auch schon spannender gelesen. Die hohen Erwartungen kann der bekannte Horrorautor nicht erfüllen. Mehr oder minder interessanter Hintergrund zum Buch ist, dass der Schriftsteller mit einem Nachfolgeroman der berühmten Stieg Larsson-Reihe gehandelt wurde, dann aber eine Absage erhielt. Diese Geschichte baut er in seinen Krimi ein, ändert ein wenig die handelnden Personen und will somit wohl sein gekränktes Ego aufbauen. Leider zeigt sich, dass er an das Vorbild bei Weitem nicht herankommt. Es fehlt diesem Thriller an Spannung und den glaubhaften Figuren. Ich konnte mir die Personen nie so richtig ausmalen, die Julia wirkte auf mich eher wie ein junges Mädchen als eine gestandene Frau. Auch ist die dargestellte Beziehungsstruktur nicht überzeugend. Was bleibt ist ein durchschnittlicher Krimi, der nie so richtig Fahrt aufnimmt und weit unter dem bleibt, was man sich erhofft hat. Man kann nur hoffen, dass der Autor wieder zu seinem subtilen Horror zurückkehrt und den Frust über die Ablehnung außen vor lässt. Doch da der vorliegende Band Beginn einer Trilogie sein soll, schwindet die Hoffnung.