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Benni
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Erfurt

Bewertungen

Insgesamt 50 Bewertungen
Bewertung vom 08.01.2026
Bhatter, Ina

Drei Tage im Schnee


sehr gut

Leise und sanft

Eigentlich macht ihre Arbeit ihr Spaß. Doch in letzter Zeit ist Hannah alles zu viel geworden, was früher gut war, genügt ihr nicht mehr. Berufliche Erfolge helfen nicht mehr über private Unzulänglichkeiten hinweg und sie weiß nicht mehr wo sie steht im Leben, was sie wirklich will. Spontan verbringt sie ein Wochenende in einer abgelegenen Hütte. Dort lernt sie die kleine Sophie kennen, die ihr die Augen öffnet.

"Drei Tage im Schnee" ist eine leise und sanfte Geschichte über eine Frau, die von der Arbeitswelt und ihrer Karriere fest im Griff gehalten wird. Aber sie ist stark und selbstbezogen genug, um festzustellen dass in ihrem Inneren etwas in Schieflage geraten ist und sucht ihren Ausweg über Einsamkeit und ungestörtes Nachdenken. Das Mädchen Sophie steht für mich sinnbildlich für Jugend, Unbekümmertheit und die eigenen kindlichen Wünsche. Mir ist bis zum Ende des Buches nicht klar geworden, ob es Sophie wirklich gibt oder sie nur Hannahs innere Gesprächspartnerin widerspiegelt. Während mir Botschaft und Inhalt des Buches sehr gut gefallen haben, empfand ich es trotzdem teilweise etwas langatmig.

Bewertung vom 22.12.2025
Henn, Carsten Sebastian

Sonnenaufgang Nr. 5


ausgezeichnet

Große Leseempfehlung

Für Jonas läuft es nicht rund. Sein neuer Plan: als Ghostwriter Autobiographien zu schreiben. So kommt er an die deutsche Nordseeküste in den Pavillon der exzentrischen Alt-Schauspielerin Stella Dor, für die er ihr Lebenswerk aufschreiben soll. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten erkunden sie gemeinsam ihre Bibliothek der Zettel und kommen lange verborgenen Geheimnissen auf die Spur.

Nach dem "Buchspazierer" hat mich Autor Carsten Henn mit dieser Geschichte erneut umgehauen. Mir gefällt einfach alles an diesem Buch: der Erzählstil, die Handlung, das Setting, die Figuren und die Botschaft dahinter. Hier werden verschiedene Schicksale vereint und in Abgründe geblickt und trotzdem behalten sich alle Personen eines bei, nämlich die Fähigkeit einen Schritt aufeinander zugehen zu können. "Sonnenaufgang Nr. 5" ist ein sanftes und berührendes Buch, das einen mitreißen kann.

Bewertung vom 22.12.2025
Specht, Heike

Die Frau der Stunde


sehr gut

Steiniger Weg

Ein Unding in der deutschen Politiklandschaft soweit: mit Catherina Cornelius wird erstmalig eine Frau Außenministerin der Bundesrepublik. Was für uns heute normal erscheint war in den 1970er Jahren Grund genug für einen Aufschrei und der Weg dahin für Catherina mehr als nur steinig.

Dieses Buch nimmt uns anhand fiktiver Persönlichkeiten mit in die Politik der 70er Jahre. Man trifft auf eine Mischung aus Roman und historischen Hintergrund, der mir gut recherchiert erscheint. Nichtsdestotrotz hält die Spannung nicht permanent an. Aber man kommt gut über die kleineren Durststrecken hinweg und findet schnell wieder in den Lesefluss. Die dargestellten Persönlichkeiten haben mir sehr gut gefallen und werden dem Leser nahe gebracht. Insgesamt ist "Die Frau der Stunde" ein unaufgeregtes Buch, auch wenn es viel Stoff zum Aufregen bietet.

Bewertung vom 29.11.2025
Schäfer, Stephan

Jetzt gerade ist alles gut


sehr gut

Gute Botschaft, schwache Hauptfigur

Eine kleine Verletzung am Finger hätte dem Erzähler beinahe das Leben gekostet. Die Entzündung führte zur Sepsis und man stand kurz vor der Amputation. Dem jungen Mann hat diese Erfahrung sehr zugesetzt und zu einem Umdenken in seinem Alltag geführt.

"Jetzt gerade ist alles gut" hebt die kleinen Momente im Leben hervor, die man sonst als unwichtig, normal und alltäglich abtun würde. Dabei hat der Erzähler erfahren dürfen, dass auch solche Augenblicke es wert sind, sie mehr zu schätzen. Diese Botschaft ist gut und wichtig, aber die Hauptfigur ist mir bei alldem trotzdem zu unnahbar und vage geblieben. Es mangelte an Spannung und ich habe in jedem Kapitel auf ein Ereignis oder eine ungeahnte Wendung gewartet, die dem ganzen mehr Esprit gegeben hätte. Nichtsdestotrotz war das Buch schnell ausgelesen und gibt einen Anreiz für das eigene Leben mit.

Bewertung vom 12.11.2025
Keweritsch, Katja

Das Flüstern der Marsch


ausgezeichnet

Atmosphärisch

Monas Oma ist verschwunden. Diese Tatsache ist für Annemie ansich schon untypisch, ebenso aber auch, dass Ehemann Karl nichts über ihren Verbleib weiß oder nichts wissen will. Dabei hat Mona selber mit neuer Arbeitsstelle und einer ungewollten Schwangerschaft genügend eigene Probleme. Und auch die weiteren Familienmitglieder sind keine große Hilfe bei der Suche nach Annemie.

Dieses Buch besticht mit seiner detailreichen Erzählweise, ohne dabei zu erdrücken oder sich in Nichtigkeiten zu verlieren. Atmosphärisch wird über das Leben in der Marsch berichtet, das gesellschaftliche Gefüge gezeichnet und Familiebverhältnisse erklärt. Dreh- und Angelpunkt ist dabei immer wieder die Natur. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven. Die Protagonisten sind in ihrem Verhalten schlüssig und lebensecht dargestellt. Dieses Buch berührt, regt zum Nachdenken an und macht einfach nur Freude, es zu lesen.

Bewertung vom 12.11.2025
Foenkinos, David

Das glückliche Leben


sehr gut

Positive Überraschung

Auf einer Geschäftsreise in Südkorea macht Éric erstmals Bekanntschaft mit dem ungewöhnlichen Brauch, seine eigene Beerdigung bewusst zu erleben. Überrumpelt von seinen Emotionen, lässt er alle Termine sausen und stellt sein eigenes Leben komplett auf den Kopf.

Seit langem konnte mich ein Buch mal wieder derart überraschen. Anhand des Klappentextes hatte ich mir etwas anderes vorgestellt. Bekommen habe ich eine kurzweilige Geschichte, die sich flüssig lesen ließ und große Spannung bieten konnte. Dabei hat mich das Ritual der Fake-Beerdigungen weniger berührt, sondern mich mehr die Entwicklung der Hauptfigur am Ball gehalten. Man möchte einfach wissen, wie es mit Éric weitergeht.
Einziger Kritikpunkt für mich ist, dass die Figuren für mich wenig greifbar waren. Ich konnte mich wenig einfühlen, aber der rote Faden hat mich durch die Geschichte gezogen und mitgerissen. Dabei ist die Botschaft des Buches so klar wie simpel: man sollte mit sich selbst und seinem Leben im Reinen sein und kann damit erst die Ziele erreichen und diese Ziele jederzeit an die eigenen Erkenntnisse anpassen.

Bewertung vom 12.11.2025
Lühmann, Hannah

Heimat


sehr gut

Ohne Partei zu ergreifen

Raus aufs Land ziehen, den Kinder mehr Raum bieten, eine bessere Work-Life-Balance finden - das war für Jana und Noah die Idee hinter ihrem Umzug von der Stadt in einen kleinen Ort. Während Noah weiter in der Stadt arbeitet, ist Jana erst mal Hausfrau und wieder schwanger. Auf dem Spielplatz lernt sie Karo kennen. Charismatisch und unerschrocken, vereinnahmt sie Jana sehr schnell und drückt ihr ihre Ideologie auf.

"Heimat" begibt sich auf ein kritisches Terrain. Hier stehen sich zwei Seiten gegenüber: Jana, die unzufrieden ist, gutgläubig, ja fast naiv und Karo, die für Stärke, Perfektionismus und Überlegenheit steht. Bei beiden im Mittelpunkt: die Großfamilie und das Miteinander, aber auf zwei unterschiedliche Arten. Dieses Buch trifft den Nerv. Es greift ein alltägliches Phänomen auf, ohne zu sehr für eine Seite Partei zu ergreifen, zu werten oder zu urteilen. Die Verantwortung aus dieser Geschichte etwas zu machen, liegt einzig beim Leser. Diese Tatsache, aber auch Sprache und Stil haben mir sehr gefallen. Ein Buch, das Platz für Kontroverse und angeregte Diskussionen bietet.

Bewertung vom 14.10.2025
Huth, Peter

Aufsteiger


sehr gut

Ideologien

Christian Berg ist mit einem Klamotten-Label reich geworden, das großen Anklang in der rechten Szene gefunden hat. Allerdings hat er sich vok jeglichen Ideologien losgesagt und agiert als Verleger des bundesweit bekannten "Magazins". Trotzdem haftet ihm seine Vergangenheit an. Als es zu einem Wechsel des Chefredakteurs kommt, wird nicht Karrierist Felix Licht der Neue, sondern Berg entscheidet sich für Zoe Rauch. Sie gilt als jung, liberal und ist mit Migrationshintergrund das komplette Gegenteil von allem was man Berg bisher nachgesagt hatte.

Zentraler Punkt dieses Buchs ist das Gewinnen und Verlieren. Sei es Geld, Macht, Karriere, Liebe, Familie oder Anerkennung. Es ist ihnen allen gemein - Christian Berg, Felix Licht und Zoe Rauch - während die einen auf der Gewinnerseite sind, verlieren die anderen und umgekehrt. Am Ende der Geschichte, die mich gut unterhalten konnte, stellt man sich zwangsläufig die Frage, ob dieses andauernde Streben sich lohnt oder warum man sich Karriere und Stress antut?
Eine Antwort wird man freilich in diesem Buch nicht bekommen, das sich im wesentlichen leicht lesen lässt, aber auch gerade die mittleren Passagen sehr in die Länge zieht. Das Ende hätte dafür etwas mehr Erklärungen vertragen können, so schien es mir ein wenig unrealistisch.

Bewertung vom 14.10.2025
Rosa, Maya

Moscow Mule


sehr gut

Rauskommen

Zwei Freundinnen, das Moskauer Nachtleben, ein Studium und große Ambitionen. Das könnte die Kurzfassung für das Leben von Karina und Tonya sein. Ausgeschmückt bedeutet es aber neben vielen durchzechten und durchtanzten Nächten auch jede Menge Tränen, Entbehrungen und Enttäuschungen.

All das gibt Autorin Maya Rosa in "Moscow Mule" bildlich und detailreich wider. Während Tonya sich eher geschlagen gibt und mit Fleiß und Arbeit versucht in Moskau weiterzukommen, gibt Karina nicht auf. Sie greift nach jedem noch so irrwitzigen Strohhalm, denn ihr Ziel ist rauskommen - raus aus Russland, raus aus der Armut und raus aus dem Kleinhalten durch ihre Mutter. Neben dem politischen Gefüge in Russland schwingt hier auch sehr viel enttäuschte Tochterliebe mit. Diese Geschichte stimmt traurig, wenn man auch versucht dies mit aufgesetzter Fröhlichkeit zu verstecken.

Bewertung vom 14.10.2025
Hauff, Kristina

Schattengrünes Tal


sehr gut

Holpriger Start

Lisa arbeitet neben ihrem regulären Job im Familienhotel ihres Vaters. Hier checkt eines Tages Daniela ein. Die Fremde ist freundlich, interessiert, hilfsbereit, aber auch verschlossen und geheimnisvoll. Subtil schleicht sie sich nach und nach überall ein und macht sich unabkömmlich. Scheinbar kommt das nur Lisa komisch vor. Einzig für ihren Mann Simon ist Daniela keine Unbekannte.

Auf den ersten Blick könnte "Schattengrünes Tal" von Kristina Hauff auch ein Heimatroman sein. Es braucht eine Weile, bis man die unscheinbare Fassade durchblickt und das Unheil dahinter erahnen kann. Unter diesen Anlaufschwierigkeiten leidet die Spannung zunächst etwas. Dafür ist die Botschaft dahinter mit Danielas manipulativen Fähigkeiten umso größer. Es entsteht eine Art Dreiecksbeziehung, bei der Daniela versucht Lisa und Simon gegeneinander auszuspielen. Das Ende des Buches nimmt dann in puncto Spannung richtig Fahrt auf und entschädigt für den holprigen Start.