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Benutzername: beastybabe
Wohnort: Ansbach
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Danksagungen: 2 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 36 Bewertungen
Bewertung vom 18.03.2019
Rheinblick
Glaser, Brigitte

Rheinblick


gut

Zunächst beginnt alles mit mehreren Handlungssträngen, die die Autorin nach und nach geschickt zu einer stimmigen Story verknüpft: wir lernen Hilde Kessel kennen, die das Lokal „Rheinblick“ führt. Bei ihr geben sich alle möglichen Politiker die Klinke in die Hand, weshalb sie auch so einiges erfährt, das nicht für jedermanns Ohren bestimmt ist.
Außerdem begleiten wir die junge Krankenschwester Sonja bei ihrer Arbeit. Sie möchte sich irgendwann als Logopädin selbstständig machen und ihr Sprungbrett dazu könnte ein ganz besonderer Patient sein: Willy Brandt. Nach einer Stimmbandoperation versucht sie, ihn mit ihren Übungen zu therapieren. Auch sie erfährt so einiges aus der Politik, was nicht für Außenstehende bestimmt ist.
Und dann haben wir da noch Lotti, die aus Achern nach Köln reist, um eine Reportage zu schreiben. Sie landet bei einem Kumpel in einer WG, in der auch Sonja wohnt. Außerdem lernt sie dort Max kennen, einen Studenten, der nebenbei Taxi fährt. Auch er bekommt durch seine Fahrgäste so einiges mit, was durchaus brisant sein könnte in politischen Kreisen.
Alle Protagonisten eint eine Gemeinsamkeit: ein totes Mädchen, dessen Schicksal besonders Sonja und Lotti am Herzen liegt. Auf eigene Faust beginnt Lotti Nachforschungen anzustellen und schon bald fällt der Verdacht auf einen Politiker.

Der Schreibstil ist prima zu lesen, flüssig und eindrücklich. Man kann sich auch alle Schauplätze gut visualisieren und einige Protagonisten (Lotti, Sonja, später auch Max) waren mir recht sympathisch.

Was mir etwas Probleme bereitet hat, das waren die unendlich vielen politischen Details, Verquickungen und Personen. In dieser Fülle einfach zu übermächtig für mich. Ich habe mich dann immer gefreut, wenn es um Lotti, Sonja und Max ging, da war es etwas weniger dominant als bei Hilde.

Aber insgesamt ein interessantes, gut zu lesendes Buch. Und für politisch interessierte Menschen sicher ein Gewinn, da man auch einige wahre Begebenheiten aus der damaligen Zeit erfährt.
Ich fand die Schilderungen auch sehr informativ, wie es im Jahr 1972 so zuging, zum Beispiel in Bezug auf die Volljährigkeit, die Rechte von Frauen und vielem mehr.

Bewertung vom 26.08.2018
Klugscheißer Royale
Steffens, Thorsten

Klugscheißer Royale


ausgezeichnet

Die Geschichte:
Timo Seidel ist 28, Studienabbrecher und Callcenter-Mitarbeiter – und ein Klugscheißer der Oberklasse.
Er lässt sich von seiner Freundin aushalten und hat auch sonst wenig Ambitionen, etwas aus seinem Leben zu machen. Bis plötzlich alles irgendwie den Bach runter geht: er verliert seinen Job, Cleo verlässt ihn und die Unterstützung im Arbeitsamt hat er sich auch anders vorgestellt.
Gut, dass es noch seine Freunde gibt. Durch Kontakte bekommt er die Chance, als Aushilfslehrer Englisch zu unterrichten. Dass er dabei der einzige Mann in einem Frauenkollegium ist, stellt sich nicht als einzige Hürde heraus. Doch Timo kämpft sich durch …

Meine Meinung:
Kaum zu glauben, dass dies ein Debütroman ist. Da dürfen sich die etablierten Autoren in diesem Genre ziemlich warm anziehen, denn Thorsten Steffens liefert uns hier allerbesten Humor, einen ironisch-trockenen Schreibstil und nebenbei viele Klugscheißerinfos, mit denen man selbst im realen Leben punkten kann: oder wusstet ihr schon, was „Soziolekt“ oder „Acrylbratze“ bedeuten?
Die immer wieder eingestreuten Begriffserklärungen haben mich genauso schmunzeln lassen wie so manche Kapitelüberschrift. Aber die Geschichte selbst sorgte hin und wieder für echt laute Lacher, einfach grandios geschrieben und trotz mancher Übertreibung immer irgendwie ganz nah am echten Leben.

In Timo habe ich mich jedenfalls ein großes Stück weit wiedererkannt, was man jetzt im ersten Moment als nicht gerade positiv deuten könnte. Aber im Lauf der Geschichte merkt man, dass mehr in diesem Kerl steckt, als es zunächst den Anschein hat. Es wird durchaus auch sehr emotional, besonders zum Ende hin.

Er ist als Protagonist nicht nur witzig, sondern vielschichtig und wirkt sehr lebensnah. Man kann eine Wandlung miterleben, irgendwie wird er im Lauf der Story fast ein bisschen erwachsen. Auch die weiteren Handelnden sind keinesfalls blasse Randfiguren, sondern oftmals echte Sympathieträger, mit denen man selbst gern befreundet wäre. Auffällig ist dabei, dass man oft erst hinter die Fassade blicken muss, um das wahre Potenzial zu erkennen.

Es ist eine Geschichte, in der alles steckt, was man sich von einem guten Buch wünscht: Humor, Emotionen, etwas Spannung und Überraschungen, Ups and Downs und Personen, mit denen man wirklich mitfühlen kann. Einzig das Happy End hat mir persönlich etwas gefehlt, es bleibt einiges offen, so dass das Buch unbedingt einer Fortsetzung bedarf.

Gerne empfehle ich dieses Buch wärmstens weiter für Leser aller Altersgruppen, denn Lachen ist bekanntlich gesund! Hoffentlich dürfen wir in Zukunft noch mehr von diesem tollen Autor und auch von Timo Seidel lesen. Beste Unterhaltung garantiert!

Bewertung vom 12.04.2017
Gefährlicher Lavendel / Leon Ritter Bd.3
Eyssen, Remy

Gefährlicher Lavendel / Leon Ritter Bd.3


ausgezeichnet

Die Geschichte:
Der Rechtsmediziner Leon Ritter hat seinen Job in Frankfurt aufgegeben und sich in der schönen Provence niedergelassen. Hier hat er ein wunderschönes, altes Haus geerbt und ist inzwischen mit der Polizistin Isabelle liiert.
Ein geruhsames Leben kann er allerdings trotzdem nicht führen, denn regelmäßig treiben brutale Mörder in der südfranzösischen Idylle ihr Unwesen. So auch im dritten Teil der Krimireihe: ein bekannter Richter verschwindet spurlos und nach einigen Tagen taucht seine furchtbar zugerichtete Leiche in einem Parkhaus wieder auf. Er bleibt leider nicht das einzige Opfer des skrupellosen Folterkillers. Doch was steckt dahinter?
Leon gibt sich mal wieder nicht damit zufrieden, die Toten zu untersuchen. Er steckt seine Nase wieder ganz tief in die Ermittlungen und stößt dabei auf großen Widerstand. Aber er findet auch eine ganz heiße Spur und diese führt ihn in die Vergangenheit – und in Lebensgefahr!

Meine Meinung:
Diese Krimireihe gehört zu meinen absoluten Favoriten, denn ich liebe die Schauplätze und die Protagonisten. Es ist immer etwas Besonderes, wenn man ein Buch liest und sofort die Schauplätze lebendig im Kopf hat. Natürlich funktioniert das bei Remy Eyssen auch ganz gut, wenn man die Gegend noch nicht selbst besucht hat, denn sein Schreibstil ist sehr eindrücklich und atmosphärisch. Es ist einfach wie ein kleiner Urlaub, wenn man beim Lesen den Geruch von Pinien in der Nase hat oder das Rauschen des Meeres hört.

Leon Ritter und seine Freundin Isabelle, sowie deren Tochter sind lange nicht die einzigen sympathischen Personen in diesen Büchern. Es gibt viele weitere Figuren, die ich schon sehr liebgewonnen habe: beispielsweise den rollstuhlfahrenden Jean-Claude mit seinem gefräßigen Hund oder Véronique, die Boule-Königin. Alle wirken sehr lebensecht und wenn man die Vorgängerbände schon gelesen hat, weiß man noch mehr über ihr Leben, was ihnen zusätzlich Tiefe verleiht.
Übrigens würde ich – wie eigentlich bei jeder Reihe – immer dazu raten, alle Bände zu lesen. Für die Klärung des Falles ist es zwar nicht unbedingt erforderlich, aber die Lebensgeschichte der Protagonisten entwickelt sich ja stetig weiter und das sollte man nicht verpassen.

Über mangelnde Spannung kann man sich nicht beklagen und obwohl ich dachte, ich hätte den Mörder schon bald entlarvt, lag ich doch erst mal absolut daneben. Sehr gut ausgedacht, mit vielen Wendungen und Überraschungen, die für echt fesselndes Lesevergnügen sorgen. Für zartbesaitete Leser noch der Hinweis, dass doch recht viel Blut fließt und einige unschöne Folterszenen beschrieben werden. Aber es wird nichts unnötig in die Länge gezogen, man kann es ganz gut lesen und kann danach noch ruhig schlafen.

Fazit:
Diese Krimireihe ist nicht nur hochspannend und ich mag die Protagonisten sehr, sondern sie entführt mich auch immer in meine 2. Heimat mit garantiertem Urlaubsfeeling! Kann kaum die Fortsetzung erwarten!

Bewertung vom 08.04.2017
Die unbekannte Schwester / Carlotta Fiore Bd.3
Prammer, Theresa

Die unbekannte Schwester / Carlotta Fiore Bd.3


ausgezeichnet

Die Geschichte:
Im dritten Teil der Reihe wird es wieder einmal sehr brisant für Carlotta, die inzwischen einiges aus ihrer Vergangenheit aufgedeckt hat. Sie hat ihren Vater Konrad wieder gefunden und könnte eigentlich ein sehr glückliches Leben mit Freund Hannes und Sohn Konny führen. Doch es gibt anscheinend Menschen, die ihr dieses Glück nicht gönnen.
Ihr neuer Job bei der Kriminalpolizei entwickelt sich auch nicht so, wie Carlotta sich das vorgestellt hat. Und der angebliche Selbstmord eines Journalisten, der wohl einiges über sie recherchiert hat, gibt große Rätsel auf. Ein Verwirrspiel der Extraklasse beginnt, bei dem Carlotta und Konrad wieder einmal in große Gefahr geraten …

Meine Meinung:
Diese Krimireihe liebe ich total, denn die Autorin schafft es perfekt, die privaten Hintergründe von Carlotta in immer wieder spannende Krimihandlungen zu integrieren. Im dritten Teil der Reihe dreht sich eigentlich sogar alles um die angebliche Tochter der weltberühmten Opernsängerin Maria Fiore und ihre Familie bzw. Freunde.
Wer die vorherigen beiden Bände nicht kennt, sollte sie unbedingt noch lesen. Aber auch für Neueinsteiger werden viele Informationen aus der Vergangenheit wiederholt, so dass keine Verständnisprobleme auftreten sollten. Trotzdem ist alles viel eindrucksvoller, wenn man die handelnden Personen bereits kennt und sie am besten – wie ich längst – ins Leserherz geschlossen hat.

Carlotta alias Julia ist eine mit sehr vielen Problemen beladene Frau, die sich trotzdem immer tapfer durchs Leben kämpft. Begleitet wird sie dabei von allerhand weiteren sympathischen Personen, wie ihrem Vater Konrad, ihrem Freund Hannes, ihrer Freundin Fanny, ihrer „Schwester“ Henriette und der Nachbarin Anna. Alle Protagonisten wirken sehr liebenswürdig, lebensecht und keinesfalls eindimensional. Man kann einfach richtig gut mit ihnen mitfiebern und freut sich, wenn sie wieder einmal schwere Hürden gemeinsam meistern konnten.

Und solche Hürden finden sich sehr gehäuft im vorliegenden Buch, denn es wird gefährlich für Carlotta & Co., mehr als ein Mal sogar lebensbedrohlich. Eigentlich schon fast eher ein Thriller, auf jeden Fall kann man sich über mangelnde Spannung nicht beklagen. Es bleibt lange undurchsichtig, so dass man nicht bereits nach der Hälfte des Buches die ganze Auflösung erraten kann. Wirklich bestens durchdacht, stimmig und fesselnd geschrieben.

Über das Ende habe ich mich sehr gefreut und jetzt warte ich bereits wieder sehnsüchtig auf eine Fortsetzung! Bitte mehr von Carlotta / Julia und ihren Lieben!

Fazit:
Eine wundervolle Krimireihe, die man unbedingt komplett lesen muss. Spannend, verwirrend, emotional und extrem unterhaltsam!

Bewertung vom 30.03.2017
Das Buch der Spiegel
Chirovici, E. O.

Das Buch der Spiegel


sehr gut

Die Geschichte:
Der Literaturagent Peter Katz erhält ein Manuskript, das ihm ein gewisser Richard Flynn unaufgefordert zugesandt hat. Da ihn das Anschreiben irgendwie anspricht, liest er die Seiten bald durch und erfährt, dass es um die Ermordung des bekannten Psychologieprofessors Joseph Wieder geht. Dieses bisher ungeklärte Verbrechen liegt aber bereits mehr als zwanzig Jahre zurück.
Katz hat großes Interesse daran, das Manuskript komplett zu lesen, doch leider ist der Autor inzwischen an einer fortgeschrittenen Krebserkrankung verstorben und die Seiten sind unauffindbar.
Da die Neugier nun einmal geweckt ist, beschließt Katz, auf eigene Faust zu recherchieren und beginnt, in der Vergangenheit zu graben. Immer mehr Zeitzeugen kommen zum Vorschein, doch jeder präsentiert seine eigene Version der damaligen Ereignisse.

Meine Meinung:
Auf dieses Buch habe ich mich schon sehr gefreut, denn die bisherigen Meinungen dazu sind ja durchwegs sehr positiv. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen, als ich mit dem Lesen begonnen habe.

Die Geschichte entwickelt sich recht langsam, denn der Autor pflegt einen sehr ausführlichen, detailreichen Schreibstil. Dadurch wirkt alles sehr gut vorstellbar und vor allem ziemlich realistisch. Die handelnden Personen erhalten durch viele Hintergrundinformationen Tiefe und Authentizität, besonders ans Herz gewachsen ist mir aber eigentlich niemand.

Als Leser habe ich mich wie ein stiller Beobachter gefühlt, der bald nicht mehr zwischen Fiktion und Wahrheit unterscheiden kann.
Doch ist es wirklich die Wahrheit, und gibt es überhaupt eine definitive Wahrheit oder hat jeder Mensch seine ganz eigene Sicht auf die Welt und damit seine eigene Realität? Das zumindest will uns das Buch wohl auch vermitteln und ich persönlich bin schon lange dieser Ansicht. Das bestätigt sich auch immer wieder in höchst widersprüchlichen Zeugenaussagen, bei denen sich die Menschen aber jeweils sicher sind, dass ihre Version die einzige richtige ist.

Da ich normalerweise eher Krimis und Thriller lese, hab ich wohl auch hier etwas zu viel Spannung erwartet. Aber vorrangig geht es ja eigentlich mehr um den psychologischen Aspekt und die vielen verschiedenen Sichtweisen der beteiligten Personen. So habe ich das Buch zwar als fesselnd erlebt, aber manchmal habe ich auch ein klein wenig Ungeduld verspürt.

Insgesamt ein interessantes Buch, das noch etwas mitreißender hätte sein können. Aber es ist durchaus empfehlenswert und unterhaltsam zu lesen.

Fazit:
Ein kleiner Exkurs in die Psychologie, aber hauptsächlich eine sehr krimiähnliche Geschichte, die über viele Umwege schließlich zur Lösung des Falles führt.

Bewertung vom 20.02.2017
Schlaflied / Olivia Rönning & Tom Stilton Bd.4
Börjlind, Cilla; Börjlind, Rolf

Schlaflied / Olivia Rönning & Tom Stilton Bd.4


ausgezeichnet

Die Geschichte:
Die Leiche eines Jungen wird vergraben im Wald gefunden. Hat ein in der Nähe wohnender Pädophiler mit seinem Tod zu tun? Dann verschwinden weitere Jugendliche: unbegleitete Flüchtlingskinder. Zur gleichen Zeit trifft die Obdachlose Muriel auch auf ein Flüchtlingsmädchen und nimmt sich ihrer an. Sie verstecken sich in einem Haus im Wald. Ob das eine gute Idee ist?
Olivia, Mette und ihre Kollegen sind sehr betroffen von diesem Leichenfund und wollen unbedingt aufklären, was dem Jungen zugestoßen ist. Wird ihnen Tom dabei helfen können?

Meine Meinung:
Gleich nach dem Zuklappen dieses Buches haben die Entzugserscheinungen wieder eingesetzt: ich liebe diese Truppe rund um Tom, Olivia und Mette einfach total. Am liebsten würde ich gleich weiterlesen.
Umso mehr hat es mich gefreut, dass die Reihe inzwischen sogar teilweise verfilmt wurde und demnächst auch in Deutschland ausgestrahlt wird. Juhuuu!
Aber nun mal zum Buch: man merkt einfach sofort, dass die Autoren geübte Drehbuchschreiber sind. Man ist immer direkt mitten im Geschehen, kann sich alles bestens vorstellen und miterleben.
Die Charaktere sind sehr vielschichtig und wirken authentisch, wenngleich sie nicht gerade „normale“ Lebensgeschichten haben. Tom Stilton beispielsweise ist Ex-Polizist, der durch einen schweren Schicksalsschlag sogar eine Zeitlang auf der Straße lebte. Inzwischen hat er aber wieder eine Partnerin und unterstützt Olivia und ihre Kollegen bei der Aufklärung des aktuellen, sehr brisanten Kriminalfalls.
Es geht um Flüchtlinge, genauer um unbegleitete Jugendliche, die plötzlich spurlos verschwinden. Schreckliche Mordfälle, Pädophile und sogar das organisierte Verbrechen weit entfernter Länder spielt eine Rolle. Absolut spannend und manchmal auch nicht so wirklich für Zartbesaitete geeignet. Es geht blutig, tragisch und auch sehr actionreich zur Sache, aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. Eine absolut gelungene Mischung, die ich jedem Thrillerfan einfach nur wärmstens empfehlen kann!

Fazit:
Spannende Fälle, sympathische Charaktere, viel Action und akute Suchtgefahr! Diese Reihe ist einfach grandios … bitte unbedingt mit Band 1 beginnen, denn die Figuren erleben auch privat sehr viel und entwickeln sich ständig weiter.

Bewertung vom 08.12.2016
Die Tänzerin von Auschwitz
Glaser, Paul

Die Tänzerin von Auschwitz


ausgezeichnet

Die Geschichte:
Paul Glaser wächst als Katholik in Maastricht auf und erst später in seinem Leben beginnt er, sich über seine Familiengeschichte Gedanken zu machen: er hat jüdische Wurzeln, über die sein Vater allerdings beharrlich schweigt.
Durch Kontakte mit anderen Verwandten gelingt es ihm schließlich, vieles aus der Vergangenheit zu rekonstruieren und den Verbleib einiger Angehöriger während des Zweiten Weltkriegs zu klären.
Die herausragendste Persönlichkeit ist dabei seine Tante Roosje, eine Frau mit unheimlich viel Mut, Tatkraft, Optimismus und einer bewegenden Geschichte …

Meine Meinung:
Vor solchen Büchern habe ich immer sehr viel Respekt, denn man erlebt als Leser emotional meist recht hautnah, aber doch aus sicherer Entfernung die echte Geschichte eines realen Menschen.
In “Die Tänzerin von Auschwitz” erzählt uns Paul Glaser nicht nur aus seinem eigenen Leben, sondern vor allem hat er aus Gesprächen mit Zeitzeugen, alten Briefen und anderen Dokumenten ein Porträt seiner Tante Roosje geschaffen, das tief bewegt. Er hat sie sogar noch einmal selbst kennenlernen dürfen, aber leider blieb es bei einem kurzen Besuch.

Roosje wurde 1914 in den Niederlanden geboren und wuchs nicht nur dort, sondern auch einige Jahre in Deutschland auf. Ihr Vater war ein erfolgreicher Unternehmer, Roosje selbst gründete später mit ihrem Partner eine beliebte Tanzschule.
Musik, Poesie und vor allem Tanz waren Rosies Leben, sie hat – egal in welcher schlimmen Situation auch immer sie sich befand – Gedichte verfasst, Lieder komponiert, Choreografien kreiert und ihre eigene Geschichte zu Papier gebracht.

Dass von allen im Zweiten Weltkrieg besetzten Ländern in den Niederlanden der prozentual höchste Anteil der jüdischen Bevölkerung getötet wurde, war mir neu. Erschreckende 72 Prozent (die Dunkelziffer liegt noch höher), die wohl auch aufgrund tatkräftiger Mithilfe eifriger Bürger durch Verrat an ihren jüdischen Nachbarn, Kollegen, ja sogar Partnern begünstigt wurden.
Rosie konnte da gut mitfühlen, denn auch sie wurde mehrfach verraten. Sie war von ihrem Land, der Königsfamilie und den Behörden zutiefst enttäuscht, denn sie hatte nie den Eindruck, dass von dieser Seite große Hilfe zu erwarten gewesen wäre, eher im Gegenteil. Sogar nach dem Krieg wurden ihr nur Steine in den Weg gelegt, von Wiedergutmachung keine Spur. Umso besser war ihre Entscheidung, nach Schweden auszuwandern.

Das Eindrucksvolle an Rosie ist wirklich, dass sie sich immer an die unterschiedlichsten Situationen in ihrem Leben angepasst hat, wie ein Chamäleon, das immer die Farbe seiner Umgebung annimmt, um sich zu tarnen und dadurch zu überleben. Und Rosie hat vieles überlebt: grausame medizinische Versuche im Konzentrationslager, die Arbeit in der Gaskammer und in verschiedenen Rüstungsbetrieben, Hunger, Krankheiten, unsagbares Leid und den Tod zahlreicher liebgewonnener Freunde und Familienangehöriger.
Rosie lehrt uns, das Leben zu lieben und immer das Beste draus zu machen. Und vor allem zeigt sie uns, dass – nicht nur im Krieg – hinter der Fassade eines Feindes ein echter Freund stecken kann … und leider auch umgekehrt. Man sollte ohne Vorurteile an die Menschen herangehen, denn oft liegt man mit dem ersten Eindruck doch falsch.
Und sie hat sich auch niemals gescheut, alle Chancen, die sich ihr geboten haben, zu ergreifen. Manchmal muss man die Rücksichtnahme und Zurückhaltung eben vergessen, wenn es ums eigene Überleben geht.

Das Buch habe ich in einem Rutsch gelesen, denn es hat mich sehr gefesselt und bewegt. Ganz toll sind auch die vielen Fotos im Mittelteil, die ein lebendiges Bild von Rosie und einigen anderen Personen ermöglichen.

Fazit:
Ein aufmunterndes Zeitzeugnis, das uns zeigt, dass man nie aufgeben sollte im Leben.

Bewertung vom 08.12.2016
Der fremde Bretone
Grand, Emmanuel

Der fremde Bretone


ausgezeichnet

Die Geschichte:
Vier Ukrainer machen sich auf den Weg in ein besseres Leben, so hoffen sie zumindest anfangs. Doch schon auf der Fahrt nach Europa gibt es einen tragischen Zwischenfall mit den Schleusern, der mit einem gestohlenen LKW und einer Leiche endet. Den vier Flüchtlingen ist klar, dass sie sich nun gut verstecken müssen, denn die rumänische Mafia ist ihnen auf den Fersen.
Marko entscheidet sich für eine kleine bretonische Insel, auf der er Arbeit als Fischer findet – und das, obwohl er seekrank ist. Doch nicht nur dieser offensichtliche Umstand macht ihn sofort zum Objekt von Hass und Spott: die Einwohner misstrauen dem Fremden und verstehen auch nicht, warum keiner der ihren den Job bekommen hat.
Keine guten Voraussetzungen für Marko, vor allem, als auch noch ein Mann brutal ermordet wird …

Meine Meinung:
Erst einmal möchte ich den lebendigen Schreibstil von Emmanuel Grand loben, der sich flüssig und sehr atmosphärisch liest. Schon nach wenigen Seiten hatte mich die Story gepackt und gefesselt.
Das ist nicht nur den gut ausgearbeiteten Charakteren geschuldet, sondern auch dem actionreichen Einstieg. Es treten gleich allerhand zwielichtige Gestalten auf, die nicht gerade zimperlich sind, aber das ist auch kein Wunder, wenn man es mit der Mafia zu tun bekommt. Diese Szenen wirkten stellenweise wie aus einem Tarantino-Film – so unnötig blutig und brutal, dass es schon wieder gut ist.
Als Marko, den ich als Protagonisten sehr gern mochte, dann schließlich auf seiner kleinen Insel ankommt, geht die Geschichte weniger actionreich weiter. Es überwiegen plötzlich Schilderungen über Glauben, Aberglauben, Hexen und den Satan. Hier flachte für mich das Buch leider kurzzeitig etwas ab, denn das wurde mir etwas zu viel in der Ausführlichkeit. Ich habe mir an diesen Stellen endlich wieder einen Schwenk zum zweiten Handlungsstrang gewünscht, in dem wir den Mafiakiller auf seinem blutigen Weg begleiten dürfen.
Trotzdem konnte mich das Ende wieder überzeugen, wenngleich es etwas unrealistisch rüberkam. Einige humorvolle Stellen finden sich übrigens auch in der Geschichte, wenn auch ziemlich schwarzer Art.
Das Gesamtpaket hat mich auf jeden Fall prima unterhalten und für einen ersten Roman ist das Buch echt toll gelungen!

Fazit:
Ein sehr unterhaltsames Buch mit vielen actionreichen Szenen, aber auch mit viel Aberglauben und fast mystischen Elementen … absolut gelungenes Debüt!

Bewertung:
4,5 Sterne

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.11.2016
Tödliche Vorstellung / Monaco Krimi Bd.2
Gölsdorf, Jule

Tödliche Vorstellung / Monaco Krimi Bd.2


ausgezeichnet

Die Autorin hat einen tollen, lebendigen Schreibstil, dem man wunderbar folgen kann. Sie schmückt ihre Krimis mit allerhand interessanten Informationen über Land, Leute und Kulinarisches, so dass das Lesen zum erholsamen Kurzurlaub wird. Wer die Gegend kennt, wird sofort die entsprechenden Erinnerungen und Bilder vor Augen haben, wer Monaco noch nicht besucht hat, bekommt garantiert Lust darauf. Schauplätze, wie das imposante Ozeanographische Institut, diverse Restaurants, der botanische Garten oder malerische, kleine Bergdörfchen in der Umgebung wecken die Reiselust.

In diesem Band dreht sich alles um den Zirkus und die Geschichte wirkt gut recherchiert. Wir erfahren, wie die Artisten leben, wie sie mit ihren Tieren trainieren, mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben. Auf der anderen Seite stehen die Tierschützer, die rigoros gegen Auftritte von vierbeinigen Attraktionen sind. Die Autorin bringt uns die Argumente beider Parteien näher und verbindet dies geschickt mit einem spannenden Kriminalfall.

Wir dürfen die Ermittlungen begleiten, die recht authentisch geschildert werden. Nebenbei erfahren wir auch einiges aus dem Privatleben von Henri und Coco. So steckt Henri gerade mitten in einer Ehekrise, nachdem er von seiner Frau betrogen wurde. Und Coco hat ebenfalls Probleme mit ihrem Noch-Ehemann und noch mehr damit, dass sie vor einiger Zeit ihr ungeborenes Kind verloren hat. Das Thema “Schwangerschaft” wurde mir zwar irgendwann etwas zu viel, aber insgesamt ist es sehr gut, dass uns auch die emotionale Seite der Polizisten gezeigt wird.
Mir sind die beiden Hauptpersonen Coco und Henri und auch noch einige Leute aus ihrem Team jedenfalls sehr sympathisch und ich freue mich schon auf weitere Fälle mit ihnen.

Für geübte Krimileser ist der Täter zwar bald zu erraten, aber das Buch liest sich trotzdem sehr fesselnd. Auf unnötig blutige Szenen verzichtet die Autorin, so dass die Krimis auch für Leser mit empfindlicherem Magen bestens geeignet sind.

Fazit:
Ein fesselnder Kriminalfall in der wunderschönen Kulisse von Monaco, der mit viel Regionalkolorit und sympathischen Ermittlern ein echtes Lesevergnügen ist!
4,5 Sterne

Bewertung vom 02.11.2016
Der Nostradamus-Coup / John Finch Bd.3
Schilddorfer, Gerd

Der Nostradamus-Coup / John Finch Bd.3


ausgezeichnet

Die Geschichte:
John Finch, der fliegende Haudegen ist wieder da! Auf einem kleinen Flugplatz im Wüstenniemandsland wird seine DC-3 von zwei unfreundlichen Zeitgenossen gekapert. Als er sie schließlich wieder los ist, bleibt ein unscheinbares Notizbuch zurück. Doch dessen Brisanz wird John bald klar, als er sich zwischen zahlreichen Fronten wiederfindet: alle möglichen Geheimdienste, Geheimbünde und sogar der IS sind plötzlich hinter ihm her.
Eine atemlose Jagd quer durch Afrika und Europa beginnt, bei der John glücklicherweise wieder tatkräftige Unterstützung von seinen alten Freunden erhält, die – wie er – noch lange nicht in Rente gehen wollen …

Meine Meinung:
Gerd Schilddorfer ist ein ganz besonderer Autor, bei dem man auf jeder Seite seiner Bücher spürt, dass er sie nicht des schnöden Mammons wegen schreibt, sondern weil er tatsächlich ein Erzähler aus purer Leidenschaft ist. Es steckt immer so viel Herzblut und Recherchearbeit in seinen Werken, dass man zwangsläufig Lust bekommt, seine Spuren weiter zu verfolgen: die Bildersuche im Internet ist auf jeden Fall immer hilfreich.
Er nimmt den Leser nämlich immer mit zu ganz besonderen, reellen Orten, wie in diesem Fall zu Klöstern, einem riesigen Stift und vielen anderen historischen Bauwerken und in wunderschöne Städte. Man bekommt durch seine lebendigen Schauplatzbeschreibungen schon immer einen sehr guten Eindruck, aber eine illustrierte Ausgabe der Bücher wäre die Krönung.

Der Autor ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, dessen Schreibstil absolut fesselt. Dazu kommen noch seine sympathischen Charaktere, die man einfach mögen muss. John und seine Freunde sind ja nicht mehr die Jüngsten und so ist es wohl auch ihre Lebenserfahrung, die sie oft so besonnen handeln lässt. Wenn es nötig ist, können sie immer noch kräftig zuschlagen, aber durch Unterstützung von geheimdienstlicher Seite können sie auch immer auf allerlei technische Spielereien zurückgreifen.

Die “John Finch”-Reihe ist die perfekte Mischung aus Spannungsliteratur, Geschichtslehrstunde und Reiseführer. Man liest einen fesselnden Thriller, reist um die halbe Welt und nebenbei erfährt man noch viel Historisches. Noch lebendiger wird das alles dank der verschiedenen Zeitebenen: wir reisen für manche Kapitel weit in die Vergangenheit, in anderen dürfen wir wiederum an Erlebnissen während des Zweiten Weltkriegs teilhaben.
Trotz der vielen beteiligten (oft reellen) Personen bzw. Gruppierungen verliert man niemals den roten Faden aus den Augen und immer wieder fallen Puzzlesteinchen an ihren Platz. Am Ende löst sich alles sehr stimmig auf – und man hat nebenbei wirklich etwas dazugelernt, worauf der Autor im Nachwort noch einmal eingeht.

Für zartbesaitete Leser ist dieser Thriller durchaus auch noch sehr empfehlenswert. Es wird zwar reihenweise gestorben in diesem Buch, aber der Autor zelebriert diese Szenen nicht unnötig oder zieht sie in die Länge. Es ist also noch im Rahmen des Erträglichen.

Fazit:
Actionreicher, atmosphärischer, vielschichtiger Thriller mit sympathischen Hauptdarstellern und ganz viel Wissen als Zugabe. Kann ich jedem Spannungsfan nur wärmstens empfehlen!