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M.

Bewertungen

Insgesamt 155 Bewertungen
Bewertung vom 04.07.2022
Nur du und ich
van Rensburg, Laure

Nur du und ich


gut

Nur er und sie - und die fehlende Spannung


Ellie und Steven sind seit sechs Monaten zusammen. Genau der richtige Zeitpunkt für ein gemeinsames Wochenende in einem Haus im Wald - ganz romantisch im Schnee gelegen.
Alles könnte so schön sein, wären da nicht die Geister der Vergangenheit.


Was spannend klingt und auch ganz interessant anfängt, entwickelt sich schnell zu einer Geschichte, die zwar aktuell und wichtig ist, aber leider trotz interessantem Aufbau (eingeteilt in die Tage des Aufenthalts und aus Sicht der beiden Protagonisten), nicht gänzlich überzeugen kann:

Laure van Rensburg verliert sich dafür leider viel zu oft in sprachlichen Bildern, die mehr als ein Mal wirklich passend sind, aber deren Häufigkeit dann doch irgendwann eher nervtötend wirkt. Das fing bereits zu Beginn des Buches an, als ein ums andere Mal darauf hingewiesen wurde, wie abgelegen das Haus liegt. Ganz ehrlich? Ich hab es nach dem zweiten Mal verstanden: Ja, das Haus ist abgelegen, weiter im Text.

Unabhängig davon hat die Geschichte einige Längen, die es wirklich nicht gebraucht hätte, die zwar vermeintlich für das Verständnis wichtig waren, aber so wichtig dann auch nicht, daß dafür die Spannung auf der Strecke bleibt.

Mir fällt es schwer weiter zu kritisieren ohne letztlich zu spoilern.
Nur so viel: ich fand, obwohl das zu Grunde liegende Thema, wie oben bereits erwähnt, sehr wichtig ist, bestimmte Beweggründe zu unglaubwürdig bzw. so sehr in Klischees verpackt, daß ich mir ein Augenrollen nicht verkneifen konnte. Das hätte definitiv besser gemacht werden können, ohne der Handlung abträglich zu sein.

So bleibt es leider nur eine durchschnittliche Geschichte, die zwar ihre Highlights hatte (das Kapitel in London bzw. die Rückkehr danach trieb mir die Tränen in die Augen), aber leider nicht durchweg ihre Stärke behält.

Bewertung vom 01.07.2022
Falling in love was not the plan
Quach, Michelle

Falling in love was not the plan


gut

Gutes Anliegen, nicht ganz so gut umgesetzt


Die Wahl zur Chefredakteurin der Schülerzeitung steht an und Eliza ist sich sicher den Posten in der Tasche zu haben. Denn sie ist nicht nur qualifiziert, es gibt auch keine*n Gegenkandidat*in.
Tja, bis es doch einen gibt: Len.
Ausgerechnet Len, der früher Baseball gespielt hat und erst seit kurzem bei der Zeitung ist.
Als ausgerechnet dieser Len die Wahl gewinnt, sieht Eliza rot und zettelt an ihrer Schule so etwas wie einen Kampf gegen das Patriarchat und für Feminismus an.


Was wie eine gute Idee, gerade auch in einem Jugendbuch, klingt, ist leider eine, in so ziemlich allen Aspekten, vorhersehbare Geschichte, die eher zur Liebesgeschichte, als zum Kampf für Gleichheit der Geschlechter wird.

Autorin Michelle Quach schafft es zwar eine flüssig zu lesende Geschichte zu erzählen, die trotz allem ihren Reiz hat und für gute Unterhaltung sorgt, dennoch hat man am Ende das Gefühl, daß das eigentliche, wichtige Thema, nämlich das der Gleichberechtigung sich erst völlig verfranst, nur um dann doch irgendwie der Liebesgeschichte untergeordnet zu werden.

Letztlich bleibt die Hoffnung, daß die Geschichte gerade bei den jungen Leserinnen dennoch ein paar Gedankenanstöße geben kann.
Und wenn nicht, dann haben sie zumindest eine ganz nette Geschichte gelesen. Aber eben eine, die dann doch nur in die Kategorie Teenie-Liebes-Schnulze fällt.

Bewertung vom 17.06.2022
Immer der Liebe entgegen (Zeit für Rügen)
Holmgren, Hanna

Immer der Liebe entgegen (Zeit für Rügen)


weniger gut

Schnell gelesen, noch schneller vergessen


Maja ist ein Kopfmensch und versucht ihre frische Trennung auf Rügen zu verarbeiten.
Daß sie ausgerechnet dort auf gleich zwei Männer trifft, die ihr Leben für immer verändern könnten, ist im Grunde so unkreativ, wie vorhersehbar.

Und das trifft im Grunde auf die komplette Handlung des Buches zu:
Nichts, wirklich gar nichts, kommt hier überraschend, sondern ist bereits ab dem Moment, in dem die ersten "Krumen im Buch gelegt werden", vorhersehbar.

Das an sich würde mich nicht stören, da die Kategorie, na sagen wir mal abfällig "Liebesschnulze", in die dieses Buch fällt, selten mit Kreativität und Überraschungen punktet. Das ist OK, denn manchmal ist diese Vorhersehbarkeit ja auch ganz nett zu lesen.

Hier ist das leider nicht so, da der Schreibstil an vielen Stellen eher ein bißchen zu gewollt, als gekonnt rüberkommt. Da gibt es mal einfach zu viele sprachliche Bilder und mal den einen oder anderen stolperigen Satz, den man zwei Mal lesen muß.

Dennoch ist man - sicher auch wegen der Vorhersehbarkeit - wirklich schnell durch mit dem Buch. Und es tut auch nicht weh. Es bleibt nur auch nicht in Erinnerung.

Fazit:
Wer einfach mal abschalten will und zumindest gedanklich nach Rügen reisen will, wen absolute Vorhersehbarkeit nicht stört, der wird mit "Immer der Liebe entgegen" trotz allem seine Freude haben.

Bewertung vom 15.06.2022
In fünf Jahren (eBook, ePUB)
Serle, Rebecca

In fünf Jahren (eBook, ePUB)


sehr gut

Die etwas andere Liebesgeschichte


Anwältin Dannie gehört zu den Menschen, die einen Plan fürs Leben haben und die genau weiß, was sie wann erreichen will.
Als sie in der Nacht ihrer Verlobung aber in einem Traum, fünf Jahre in der Zukunft, nicht nur in einer anderen Wohnung, sondern auch bei einem anderen Mann aufwacht, ist sie nach dem Erwachen, plötzlich nicht mehr sicher, ob wirklich alles so in Stein gemeißelt ist.


Was, auch aufgrund des Klappentextes, auf mich auf den ersten Blick wie eine Liebesgeschichte mit einem besonderen Kniff wirkte, entpuppte sich schnell als eine Geschichte über Freundschaft und das Leben. Über Träume, die Wirklichkeit, und wie sich beides in Einklang bringen läßt.
Vor allem aber ist es eine Geschichte darüber, daß es manchmal besser ist, im Hier und Jetzt zu leben, als auf eine unklare Zukunft "hinzuarbeiten".

Und so erzählt Rebecca Serle auf etwas mehr als 300 Seiten die Geschichte zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und dennoch genau das für einander sind, was die jeweils andere braucht.

Und die Welt braucht eindeutig mehr Geschichten über Freundschaften. Schon allein deshalb hat das Buch, trotz komplett anderer Erwartungen, bei mir einen Punkt getroffen, wie es nicht viele tun.

Auch wenn ab circa der Hälfte des Buches klar ist, wie es enden wird, so sind gerade die letzten Kapitel so mit- und herzzerreißend, daß ich nur empfehlen kann, unbedingt Taschentücher bereit zu halten.

Fazit: Wer Filme wie "Im Himmel trägt man hohe Schuhe" und "Die Frau des Zeitreisenden" oder "Das Haus am See" mochte, der wird sicher auch dieses Buch mögen.
Und das, obwohl es keine Liebesgeschichte im herkömmlichen Sinn ist. Sondern einfach eine wunderbare (wirklich gut zu lesende) Geschichte über das Leben und das, manchmal für selbstverständlich genommene, Glück einen besonderen Menschen gefunden zu haben.

Bewertung vom 14.06.2022
Todesfall (MP3-Download)
Fuglehaug, Randi

Todesfall (MP3-Download)


weniger gut

Vom Todesfall zum Reinfall


Auf mehreren Spaziergängen habe ich mir von Christiane Marx Randi Fuglehaugs "Todesfall", der erste Roman in einer geplanten Reihe rund um Hauptfigur Agnes Tveit, vorlesen lassen.

Agnes ist Journalistin und aus Oslo zurück in ihre kleine Heimatstadt Voss gekehrt, um dort bei der Lokalzeitung zu arbeiten. Als bei einem Fallschirmsprung eine Bekannte aus Schulzeiten zu Tode kommt, fällt ein Thema über das es sich zu berichten lohnt, wortwörtlich vom Himmel.
Denn wie sich schnell herausstellt, war der "Todesfall" kein Unfall, sondern Mord. Und Agnes begibt sich auf die Suche nach dem Täter.

Was eigentlich nach Spannung und jeder Menge Potential klingt, entpuppt sich schnell, als das Gegenteil davon, denn nach dem interessanten Beginn, kommt weder Spannung auf, noch ist die Protagonistin jemand, dem man tatsächlich über Stunden "zuhören" möchte. Sie wirkt einfach nur inkompetent, launisch und unsympathisch.
Autorin und Hauptfigur verstricken sich in jeder Menge privater Querelen und es gibt einen ganzen Haufen an Nebenfiguren, die irgendwie alle miteinander zu tun haben, aber dennoch blaß bleiben.

Noch problematischer ist für mich nur die klischeehafte Auflösung des Falles, die zwar überraschend daherkommt, aber eben in banale Stereotype verfällt. Und während offen bleibt, ob die "eigentlichen Bösen" ihrer gerechten Strafe zugeführt werden, so schafft es das Buchende dann doch noch in einer Art poetischer Gerechtigkeit abzuschließen, was zwar schön ist, aber leider nicht über die Enttäuschung über den Rest des (Hör-)Buches hinwegtrösten kann.

Vielmehr hatte ich das Gefühl, daß wenn ich das Buch wirklich hätte lesen müssen, ich oft kurz davor gewesen wäre, es ungelesen bei Seite zu legen. So hab ich mir das Ganze glücklicherweise "nur" anhören müssen.

Bewertung vom 07.06.2022
Mrs Agatha Christie / Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte Bd.3
Benedict, Marie

Mrs Agatha Christie / Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte Bd.3


gut

Geschichte und Historie rund um eine Legende


Vorweg: Ich gebe zu KEINE Freundin historischer Romane zu sein.
Warum ich dennoch dieses Buch gelesen habe?
Vielleicht einfach nur, weil es um die Grande Dame des Krimis schlechthin, Agatha Christie, ging? Möglich.
Wie dem auch sei, ich habe dieses Buch gelesen und es tatsächlich im Nachhinein nicht bereut (wie ich es sonst fast immer tue, wenn es um historische Romane geht - warum ich sie sonst auch meide).

Denn Autorin Marie Benedict ist es gelungen ein Kapitel aus dem Leben Christies zu beleuchten, um das sich schon beinahe Legenden ranken, denn Christie selbst hat sich nie dazu geäußert: ihrem eigenen Verschwinden.

Benedict erschuf in diesem Buch ihre eigene Legende, die letzten Endes, so kreativ, wie durchaus plausibel scheint.

Aber von vorn:
"Mrs Agatha Christie" wird abwechselnd aus zwei unterschiedlichen Erzählperspektiven und in zwei Zeitsträngen erzählt, die sich im Laufe des Buches immer weiter einander annähern und einholen.

Während auf der einen Zeitebene aus dem Kennenlernen zwischen der jungen Agatha Miller und dem schneidigen Archibald Christie eine Ehe mit Kind wird, ist Agatha auf der anderen Zeitebene verschwunden und die Suche nach ihr nimmt Fahrt auf.

In beiden Erzählsträngen spielt das damalige Rollenbild eine übergeordnete Rolle. Eines, das der modernen Frau von heute, einen Schauer über den Rücken jagt.

Die Tatsache, daß Agatha sich dessen selbst irgendwann auch bewußt wird, wird hier in ihr geheimnisvolles Verschwinden eingebaut und macht aus der anfänglich lebenslustigen jungen Frau, die sich in dem Versuch die perfekte Ehefrau zu geben, in einen Hülle ihrer selbst verwandelt, letztlich eine Frau, die weiß, was sie will und vor allem, was sie nicht will.
Vor allem aber macht sie sie zu der Autorin, die sie letzten Endes wurde und deren Legende bis heute weiterlebt.

Marie Benedict hat es mit ihrem Versuch der (Er-)Klärung tatsächlich geschafft mich von einem historischen Roman, wenn auch nicht direkt zu begeistern, aber dennoch zu überzeugen.

Wer Freude an Anja Jonuleits "Das letzte Bild", Interesse an historischen Figuren hat und sich vom fürchterlichen deutschen Cover nicht abschrecken läßt, der wird sich von den 320 Seiten sicherlich bestens unterhalten fühlen.

Von mir 3,5 Sterne!

Bewertung vom 04.06.2022
Gezeitenmord
Jürgensen, Dennis

Gezeitenmord


weniger gut

Gezeiten, Grenzen, gelangweilt


Ein Toter wird im Watt an der Grenze zwischen Deutschland und Dänemark gefunden. So ist es wenig verwunderlich, daß der örtlichen Polizei bald ein Team, bestehend aus dem deutschen Hauptkommissar Rudi Lehmann und der dänischen Kriminalassistentin Lykke Teit, zur Seite gestellt wird, das bei den Ermittlungen helfen soll.
Das ist wohl auch nötig, denn wie sich herausstellt ist dieser Tod nicht das erste schwere Verbrechen, das in dem kleinen Örtchen passiert ist.


Die Idee eines binationalen Teams ist zwar nicht neu, man muß nur an "Die Brücke", "Der Tunnel" oder "Der Paß" denken, macht sie aber damit nicht uninteressant.
Und das Team ist im Grunde mit das Einzige, was in diesem Buch halbwegs gelungen ist.
Natürlich haben beide Ermittler eine schwere Vergangenheit (es geht ja heutzutage nicht mehr ohne), die sind aber nur teilweise relevant und bilden wohl eher eine Art Hintergrundgeschichte, um die Beiden besser kennenzulernen.

Ist also das Team noch ganz sympathisch und patent, in dem was es tut, so kann man das leider weder über Schreibstil noch Spannungsbogen sagen.
Letzterer ist nicht vorhanden und auch der Täter ist im Grunde sofort mit dem Auftauchen in der Geschichte klar.
Was den Schreibstil angeht bin ich mir nicht sicher, ob es an der Übersetzung liegt, oder aber das dänische Original ähnlich "holperig" ist. Dazu kommen ständige "Witze" über die deutsche Geschichte, die zwar hier vom Deutschen gerissen werden, aber bei mir eher passiv-aggressiv ankamen.

Dennoch läßt sich das Buch halbwegs zügig lesen, was sicher auch an der Kürze der jeweiligen Kapitel liegt, die Geschichte strahlt aber keinerlei Reiz aus, das tatsächlich tun zu wollen, so daß ich am Ende des Buches vielleicht nicht unbedingt enttäuscht, aber gelangweilt, zurückblieb.

Da "Gezeitenmord" der Beginn einer Reihe werden soll, besteht aber die Hoffnung, daß die Folgebücher die "Fehler" dieses Buches wieder wettmachen könnten.

Von mir 2,5 Sterne!

Bewertung vom 01.06.2022
I Kissed Shara Wheeler (eBook, ePUB)
McQuiston, Casey

I Kissed Shara Wheeler (eBook, ePUB)


sehr gut

Liebe gesucht... und gefunden?!


Chloe, Smith und Rory könnten kaum unterschiedlicher sein und doch haben sie eines gemeinsam: sie alle haben Shara Wheeler geküßt, das beliebteste Mädchen der Schule.
Nur: Shara ist nach dem Abschlußball verschwunden. Und so machen sich die ungleichen Drei gemeinsam auf die Suche.


Was wie eine Schnitzeljagd mit "Pretty Little Liars"-Anklängen beginnt, wird schon bald zu einer ganz eigenen und speziellen Art Liebesgeschichte bzw. einer Geschichte über die Liebe und deren unterschiedliche Gesichter.
Denn "I kissed Shara Wheeler" ist vor allem ein Buch über queere Liebe. Eines, das definitiv eine Bereicherung für die entsprechende Zielgruppe sein kann.
Die, im Gegensatz zu mir, sicher über die doch eher unwahrscheinliche Dichte an queeren Charakteren innerhalb eines Schuljahrgangs, sowie über das doch sehr, na sagen wir eigenwillige Verhältnis zwischen den Hauptpersonen Chloe und Shara, hinwegsehen kann.

Damit möchte ich das Buch gar nicht kleinreden oder schlecht machen, denn ich hatte absolut meinen Spaß beim Lesen und durch den tollen Lesefluß, war ich auch sehr schnell durch mit den 400 Seiten.

Allerdings ist das Obsessive zwischen Chloe und Shara, und so muß man es meiner Meinung nach wirklich nennen, nicht wirklich gesund. Dementsprechend fand ich auch die "Auflösung" der Suche und der Geschichte insgesamt, gleichzeitig wenig überraschend und dennoch erstaunlich, weil - für mich - irgendwie nicht passend.
Auch wenn Autorin Casey McQuiston versucht hat ihre Charaktere letztlich auf ihrer Suche (nach Shara, Liebe, dem Erwachsenwerden und - sein) wachsen zu lassen, so kam diese Charakter-Entwicklung nicht ganz bei mir an.

Natürlich ist es möglich, daß ich mittlerweile einfach zu alt für Young Adult-Fiction bin. Oder aber das ganze christliche Umfeld, das hier wichtig ist, mit dem ich aber nichts anfangen kann, hat sein Übriges getan.
Aufgrund der Tatsache, daß mir Schreibstil und Lesefluß aber wirklich gut gefallen haben, werde ich bestimmt dennoch einen Blick, in eines der früheren Bücher der Autorin, die nicht YA sind, werfen.

"I kissed Shara Wheeler" hingegen ist sicher eine Bereicherung für die junge / jüngere Generation, egal, ob queer oder nicht. Denn die Botschaft, daß man immer versuchen soll, man selbst zu sein, allen äußeren Umständen zum Trotz, gilt letzten Endes für jeden!

Bewertung vom 30.05.2022
Das Haus der stummen Toten
Sten, Camilla

Das Haus der stummen Toten


sehr gut

Von Gesichtsblindheit und Geheimnissen der Vergangenheit


Eleanor hat Prosopagnosie. Eine Diagnose mit der sie sich mehr oder weniger abgefunden hat; hat sie doch ihre eigenen Mittel und Wege, um Menschen wiederzuerkennen.
Als wirkliches Problem stellt sich die Gesichtsblindheit erst heraus, als sie dem Mörder ihrer Großmutter regelrecht in die Arme läuft, aber eben weder erkennt, noch wohl jemals wiedererkennen werden wird.
Nachdem sich später herausstellt, daß die Großmutter ein Anwesen besaß, von dem Eleanor noch nie etwas gehört hat, ist ihre Neugier geweckt. Nur, was hat es mit dem Haus wirklich auf sich? Und welche Geheimnisse hatte die Großmutter noch?


Camilla Sten ist mit "Das Haus der stummen Toten" ein wirklich gelungener Kriminal-Roman gelungen. Nicht nur, daß die Diagnose der Protagonistin noch nicht in hunderten anderer Bücher "verarbeitet" wurde und damit zumindest im Ansatz neuartig scheint, nein, sie sorgt hier für einen ganz eigenen Twist, wenn es um die Aufklärung des Mordes geht.

Dazu läßt Sten auf 416 Seiten, auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen, zwei ganz unterschiedliche Erzählerinnen zu Wort kommen, deren Geschichten am Ende aber ein gemeinsames Ganzes ergeben und alle Zusammenhänge aufzeigen.
Während ich diese unterschiedlichen Erzählstränge oftmals als nervig empfinde, so sind sie hier, meiner Meinung nach, wirklich geschickt miteinander verwoben worden.

Was, sobald man mit Eleanor beim Anwesen angekommen ist, ein wenig wie eine Geschichte Agatha Christies daherkommt, schafft es im weiteren Verlauf ein ungutes Magengefühl bei den Leser*innen heraufzubeschwören, denn niemand scheint hier der zu sein, für den man ihn zunächst hält.
Immer wenn man denkt, man weiß, wer denn nun wer ist, hat man wenig später wieder das Gefühl auf dem Holzweg zu sein.

Dazu kommt, daß das ganze Buch durch mehrere Mutter-Tochter-Konflikte gezeichnet ist, die ihrerseits für Spannung und eine Art psychologischen Rahmen sorgen, in dem Handlungsstränge und Geschichte eingebettet wurden.

Insgesamt ein durchaus gelungenes Buch, daß mich bis zum Schluß fesseln konnte. Und das, obwohl das Ende dann doch nicht so überraschend war, wie vielleicht geplant.

Dennoch: Eine ganz klare Lese-Empfehlung für alle Krimi-Fans!

Bewertung vom 26.05.2022
Der zweite Sohn
Peck, Loraine

Der zweite Sohn


sehr gut

Clans & crime down under


Johnny ist Familienmensch durch und durch, liebt seine Frau Amy und seinen Sohn Sasha. Dumm nur, daß er zu einem kroatischen Clan gehört, der ihm zwar auf der einen Seite ein Leben in verhältnismäßigem Wohlstand ermöglicht, auf der anderen Seite aber auch für allerlei Schwierigkeiten und Reibereien - nicht nur - mit seiner Frau führt.
Als sein Bruder erschossen wird, verlangt sein Vater, daß Johnny Rache nehmen soll. Nur wie soll er das Amy erklären? Und wollte er das kriminelle Leben nicht eigentlich hinter sich lassen?


Abwechselnd aus der Sicht von Johnny und Amy erzählt, ist "Der zweite Sohn" das zweifelsohne gelungene Debut von Autorin Loraine Peck, das ein wenig wie "Der Pate" in Australien daherkommt, aber glücklicherweise nicht zu sehr in Milieu-Studien abrutscht.
Auch wenn an einigen Stellen - für mein Dafürhalten - ein wenig zu sehr mit Klischees und Vorurteilen bestimmten Nationalitäten gegenüber aufgewartet wird, so überschatten diese glücklicherweise nicht die spannende Geschichte, die mit einer Mordserie an Mitgliedern der unterschiedlichen Clans beginnt, aber wie in einem Domino-Spiel, weitere Tote, Überfälle, Diebstahl und Entführungen nach sich zieht.

Peck schafft es zudem durch winzige Andeutungen eine Hintergrundhandlung aufzubauen, die das Finale um eine Nuance bereichert, die zwar nicht überrascht, aber einiges erklärt und sozusagen ein Schleifchen um die Gesamthandlung bindet.

Insgesamt ist das Buch spannend und leicht geschrieben.
Der Lesefluß ist immer gegeben, was sicher auch an den relativ kurzen Kapiteln liegt.
Selbst die abwechselnden Perspektiven, die mich sonst oftmals stören, funktionieren hier sehr gut und sorgen dafür, daß man als Leser*in immer beide Seiten - die oftmals gar nicht so unterschiedlich sind - vor Augen hat.

Das eigentliche Buchende kommt dann wenig unerwartet daher, mindert aber den durchaus positiven Gesamteindruck keineswegs, so daß man Krimi-Fans dieses Buch absolut empfehlen kann.