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Ulgu1978

Bewertungen

Insgesamt 49 Bewertungen
Bewertung vom 03.01.2026
Hewlett, Rosie

Medea


sehr gut

Medea, die Hexe
Ich gebe zu, ich hatte mich bisher wenig mit der griechischen Mythologie befasst. Ich habe mich mit Medea erst nach den ersten Seiten dieses Buches genauer befasst. Danach konnte ich die Geschichte in diesem Buch besser nachvollziehen.
Medea, die kolchische Hexe oder Zauberin hatte Circe als Lehrmeisterin. Sie wurde von ihrem Vater unter Verschluss gehalten und von ihrer Mutter ignoriert. Als Jason mit seinen Argonauten erscheint, verliebt sie sich in ihn und hofft mit seiner Hilfe ihrem elterlichen Gefängnis entfliehen zu können. Erst nach Jahren erkennt sie, dass sie nur Jasons Werkzeug war.
Rosie Hewlett haucht mit ihrem Roman Medea neues Leben ein und versucht, ihre Beweggründe für ihr blutiges Tun, mit ihrer Vergangenheit zu erklären. Dies ist die Geschichte einer Frau, die von einer Unterdrückung in die nächste gestolpert ist und Mühe hat, ihren Hass und ihren Zorn zu zügeln.
Wer sich für diese Thematik interessiert, wird mit diesem Buch gut bedient und sieht vieles aus einem anderen Blickwinkel.

Bewertung vom 28.12.2025
Korn, Carmen

In den Scherben das Licht


gut

Nachkriegszeit in Hamburg

Carmen Korns neuester Roman spielt in der Zeit von 1946 bis 1955. Wir lernen Gisela und Gert kennen, zwei junge Leute, die auf der Suche nach ihren Familien sind. Beide finden in dem zerbombten Hamburg Unterschlupf in Friedes Keller.
Man spürt, dass es anfangs um das nackte Überleben in den Trümmern geht. Es wird gehamstert, auf dem Schwarzmarkt gefeilscht und versucht, die Kriegserlebnisse zu vergessen.
Und wie im richtigen Leben freuen sich die einen über einen Kanten Brot und die anderen überlegen, wo sie ihre Austern schlürfen können.
Insgesamt eine realistische Schilderung aus dieser Zeit mit Verlierern und Gewinnern.
Allerdings reicht dieser Roman nicht an die bisherigen von Carmen Korn heran. Durch die vielen verschiedenen Personen und die innerhalb eines Kapitels mehrmals wechselnden Protagonisten ist es nicht immer leicht, der Geschichte zu folgen. Ein Personenregister wäre hilfreich gewesen. Zudem wird oftmals erst nach mehreren Sätzen klar, von wem gerade die Rede ist. Auch bleiben die Figuren merkwürdig blass und es fällt schwer, Sympathien für sie zu entwickeln. Deshalb kann ich das Buch nur eingeschränkt empfehlen.

Bewertung vom 27.12.2025
Hoersch, Judith

Niemands Töchter


ausgezeichnet

Vier Frauen - vier Schicksale

Marie, Gabriele, Alma und Isabell, vier Frauen, deren Leben irgendwie miteinander verbunden zu sein scheinen. Und man muss schon etwas tiefer in die Geschichte von Judith Hoersch eintauchen, um zu verstehen, was diese vier Frauen miteinander verbindet. Aber es lohnt sich das herauszufinden. Mit viel Wärme werden die Lebenswege der Frauen erzählt und ich hatte Mühe, das Buch aus der Hand zu legen.
Im Buchanfang ist viel Dramatik enthalten, aber im Verlauf zeigt sich vieles versöhnlicher als es anfangs schien. Und man erfährt wie unterschiedlich doch die Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern sein können und wie sie den Lebensweg beeinflussen können.
Dank Judith Hoerschs Erzählstil konnte ich mich gut in die jeweilige Lebenssituation der vier Frauen hineinversetzen. Die Erzählung auf verschiedenen Zeitebenen war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Ich habe mich aber nach ein paar Seiten schnell hineingefunden.
Ich kann dieses Buch ohne Einschränkung empfehlen.

Bewertung vom 22.12.2025
Schäfer, Stephan

Jetzt gerade ist alles gut


ausgezeichnet

Was ist Glück?


Von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr so wie es war. So erging es Stephan Schäfer, als er mit seiner Familie in den Urlaub verreisen wollte und sich unvermittelt im Krankenhaus wiederfand. Eine Sepsis hatte sich rasend schnell in seinem Körper ausgebreitet und ihn an den Rand des Todes gebracht. Einer schnellen Operation folgte ein monatelanger Heilungsprozess. In dieser Zeit stellt er fest, was ihm im Leben wichtig ist und hält diese mehr oder bewegenden Situationen in dem schmalen Büchlein fest. Ich konnte mich der Lektüre kaum entziehen. Obwohl hier wirklich nicht viel passiert, merkt man dem Schriftsteller an, dass er nach dieser Krankheitserfahrung versucht, auch in ganz banalen, täglichen Ereignissen etwas besonderes zu sehen. Und das ist doch die Kunst des Lebens, in dem Alltäglichen das Einzigartige zu sehen.
Ein lesenswertes Buch, um mit sich und seiner Welt zufrieden zu sein.

Bewertung vom 13.12.2025
Borrmann, Mechtild

Lebensbande


ausgezeichnet

Freundschaft in Kriegszeiten

Lebensbande ist das erste Buch, das ich von Mechthild Borrmann gelesen habe. In zwei Erzählsträngen wird die Kriegsfreundschaft zwischen Lene, Lotte und Nora erzählt. Die Geschichte dieser drei Frauen hat mich sehr berührt, zumal es hierzu reale Hintergründe gibt. Ich habe nicht gewusst, dass nicht nur Männer, sondern auch Frauen in russischen Arbeitslagern "Kriegsschulden" abarbeiten mussten. Diese Information war für mich neu und hat mich nachdenklich zurückgelassen.
Am Anfang hatte ich etwas Mühe, die verschiedenen Erzählstränge den jeweiligen Personen zuzuordnen. Aber bald wurde klar, wer was erzählt.
Mechthild Borrmann hat einen lebendigen, flüssigen Erzählstil, der niemals langweilig wird. Die meisten Protagonisten sind durchweg sympathisch und ihre Handlungsweise ist oft der damaligen Situation geschuldet.
Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen.

Bewertung vom 11.12.2025
Henn, Carsten Sebastian

Sonnenaufgang Nr. 5


ausgezeichnet

Kann man seiner Erinnerung trauen?

Inhalt:
Jonas kommt an einem kleinen Ort an der See an, um die Autobiographie von Stella Dor zu schreiben. Stella hat auf vielen kleinen Zetteln kurze Ereignisse aus ihrem Leben notiert und gesammelt, die sie nach und nach hervorholt, um Jonas die Geschichte dazu zu erzählen. Aber stimmt ihr Erinnerungsvermögen mit der Wahrheit überein?

Mein Eindruck:
Mich hat sehr beeindruckt wie Carsten Henn mit großem Einfühlungsvermögen die Protagonisten in diesem Roman beschrieben hat. Wie im richtigen Leben haben alle Personen ihr Päckchen zu tragen. In Rückblicken erfährt die Leserschaft wie das Leben allen Mitwirkenden mitgespielt hat und welche Wahrheiten verdrängt werden. Man erfährt sogar wie es dem Hund "guter Junge" ergangen war, bevor er zu seinem jetzigen Herrchen kam.
Für mich ist es ein Buch, das Mut macht, nicht trotz aller Schicksalsschläge den Kopf in den Sand zu stecken. Carsten Henn schafft es, tief in die Seele der Menschen zu blicken und ihre Gefühle zu beschreiben. Für mich war dieses Buch mein Highlight in meinem Lesejahr.

Bewertung vom 10.12.2025
Johann, Petra

Wem du traust


ausgezeichnet

Ein echter Pageturner

Ein Mädchen verschwindet - eigentlich in Krimis nichts Neues. Hier auch?
Sofia wird nach dem Babysitten von dem Vater des kleinen Linus nach Hause gefahren und ist seit dem spurlos verschwunden. Schnell erhärtet sich der Verdacht, dass dieser etwas mit dem Verschwinden zu tun hat, schließlich hat er das Mädchen als Letzter lebend gesehen.
"Wem du traust" ist das erste Buch, das ich von Petra Johann gelesen habe und ich bin mir sicher, dass es nicht das letzte sein wird. Ihr Krimi liest sich flüssig und versteht es, die Spannung bis zum Schluss aufrechtzuerhalten.
Die beiden Hauptfiguren Susanne (Mutter des verschwundenen Mädchens) und Eva (Mutter von Linus und beste Freundin von Susanne) werden der Leserschaft ausführlich vorgestellt und auch ihre besondere Beziehung zueinander wird plausibel erklärt. Selbst in dieser Extremsituation halten beide fest zusammen, was manchmal etwas unglaubwürdig erscheint. Trotzdem konnte ich mich sehr gut in beide Charaktere hineinversetzen.
Petra Johann versteht es sehr gut, die Gefühlslage der agierenden Personen zu beschreiben.
Auch wem man zum Schluss hin zu ahnen beginnt, was Sofia zugestoßen ist, kann man das Buch nicht aus der Hand legen und hofft auf ein glückliches Ende.
Ich kann das Buch allen Krimifans uneingeschränkt empfehlen.

Bewertung vom 17.11.2025
Winkelmann, Andreas

Entführung im Himmelreich / Mord auf Achse Bd.2


sehr gut

Wo ist der Bäcker?

Der zweite Cozy-Krimi von Andreas Winkelmann passt sich nicht nur äußerlich dem ersten Krimi aus der Himmelreich-Serie an. Man findet auch alle alten Bekannten aus dem ersten Tei wieder: zum Beispiel die Hauptfiguren Kupernikus und Annabelle, die sich auch hier wieder als Hobby-Detektive betätigen. In dieser Geschichte ist der Bäcker verschwunden und es scheint so, als würden sich nicht alle Sorgen wegen seiner Abwesenheit machen. Aber Kupernikus und Annabelle lassen nicht locker und ich denke, ich verrate nicht zuviel, wenn ich sage, dass die beiden selbstverständlich den Fall aufklären.
Bei diesem zweiten, überwiegend amüsanten Cozy-Krimi, habe ich eine gewisse Spannung vermisst. (Ich habe mir auch keine großen Sorgen um den Bäcker gemacht.)
Zum Abschluss gibt es noch Rezepte aus Annabelles Küche, die nach Kupernikus' Ansicht sehr gut ist.
Fans dieser Krimisorte kann ich diesen zweiten Band empfehlen. Wer mehr Spannung möchte, sollte sich an den anderen Krimis von Andreas Winkelmann halten.

Bewertung vom 13.11.2025
Louis, Édouard

Der Absturz


ausgezeichnet

Chronologie eines Zusammenbruchs

Edouard Louis hat schon mehrere Bücher über seine Familie geschrieben, aber für mich ist es das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe. Es ist ein erschütternder, schonungsloser Bericht über seinen Bruder, dessen exzessives Leben nur noch aus Gewalt, Sex und Alkohol bestanden hat. Edouard hat immer wieder mit anhören und ansehen müssen wie sein Bruder versuchte, mit hochfliegenden Plänen die Anerkennung in seiner Familie zu erlangen, die ihm seiner Meinung nach zustand, aber nie bekommen hat. Alle seine Pläne scheiterten letztendlich an seinem zerstörerischen Lebensstil.
Edouard Louis stellt auch immer wieder fest, dass er seinen Bruder nicht geliebt hat. Und man kann es ihm auch nicht verdenken, weil er bereits als Kind immer wieder Zeuge seiner Gewaltbereitschaft wurde. Die Berichte von ehemaligen Freunden und Freundinnen seines Bruders, dass dieser auch eine ganz andere, nämlich sehr freundliche und liebevolle Seite hatte, versetzte Edouard in Erstaunen. Selbst, wenn diese freundliche Seite zu Beginn eines Treffens mit seinem Bruder da war, wurde diese immer wieder in kürzester Zeit durch seinen unkontrollierten Alkoholkonsum zunichte gemacht.
Fazit: Dies ist ein erschütternder Bericht über einen Menschen, dem vermutlich bereits in der Kindheit der Halt in der Familie verwehrt wurde, den er so bitter nötig gehabt hätte. Ob das allein der Auslöser für sein verkorkstes Leben war, ist nicht mehr feststellbar.
Ein lesenswertes Buch, dass die Leserschaft nachdenklich zurücklässt.

Bewertung vom 11.11.2025
Jimenez, Abby

Say You'll Remember Me


gut

Fernbeziehung

Eigentlich passt diese Geschichte ganz und gar nicht in mein Lese-Beuteschema. Aber der Klappentext und die Leseprobe haben mich neugierig gemacht und ich habe es auf einen Versuch ankommen lassen.
Samantha und Xavier lernen sich in seiner Tierarztpraxis kennen. Diese erste Begegnung verläuft nicht besonders glücklich und trotzdem ist das gegenseitige Interesse geweckt. Bei ihrem späteren ersten Date verlieben sie sich sofort ineinander. Allerdings befindet sich Samantha bereits im Aufbruch zu ihrer Familie, um ihre Schwester bei der Betreuung ihrer an Demenz erkrankten Mutter behilflich zu sein. Eine Rückkehr aus dem 3000 km entfernten Kalifornien ist nicht geplant. Und so versuchen Samantha und Xavier über diese Entfernung hinweg ihre Beziehung aufrecht zu erhalten. Kann das gelingen?
Schwierigkeiten sind dazu da, gemeistert zu werden. Aber hier geht für mich doch alles viel zu glatt. Und auch die schwierige Pflege einer dementen Person ist im wahren Leben nicht so einfach zu bewerkstelligen.
Fazit:
Eine nette Story mit vielen sympathischen Personen. Trotzdem habe ich festgestellt, dass dieses Genre nach wie vor nichts für mich ist. Aber mit Sicherheit gibt es ein Publikum, das an an Wohlfühlgeschichten dieser Art interessiert ist.
Drei Sterne von mir für die Idee.