Bucky Bronco, ein 70jähriger, gealterter Soulsänger erhält eine zweite Chance. Das Leben hat es bisher nicht besonders gut mit ihm gemeint. Aber durch seine Frau Maybell hat er alles ertragen können. Seit fast einem Jahr ist seine Frau verstorben und Bucky hat mit ihr jeglichen Halt verloren. Die Einladung ins englische Scarborough, die er aber nur aus Neugier auf England annimmt, gibt ihm einen kleinen Lichtblick.
Dort angekommen, kümmert sich Dinah um ihn und versucht, ihm einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen. Sie lebt mit Mann und Sohn in einer Art Zweckgemeinschaft , aus der sie sich nur schwer lösen kann.
Bucky stellt erstaunt fest, dass es in England eine große Fangemeinde seiner Musik gibt, obwohl er nur wenige Songs gesungen hat und seit vielen Jahren nicht aufgetreten ist. Bucky und Dinah geben während dieses Wochenendes einander Halt.
Ein warmherziges Buch über das Leben und welche Möglichkeiten es bietet, wenn man es zulässt.
Neo-Bechstein und Frau Beethoven
Arcadia Fink, ein hochbegabtes Mädchen hat die Liebe zur Musik von ihrer Mutter geerbt. Ihre Mutter, die "kurz weggegangen ist", ist in all ihrem Denken und Handeln präsent. Ihr größter Wunsch ist es, in einem Knabenchor zu singen. Sie versucht mit großer Hartnäckigkeit dieses Ziel zu erreichen. Aufgrund ihrer Unangepasstheit hat sie zu anderen Kinder wenig Kontakt. Ihr Vater versucht das Fehlen der Mutter auszugleichen und steht doch hilflos der ganzen Situation gegenüber. Arcadias einzige Freundin ist Bernhardina, die Freundin ihrer Mutter. Sie lebt in einem Pflegeheim und erwartet ein tägliches Telefonat von Arcadia.
Ein ziemlich trauriges Buch über ein kleines, einsames Mädchen, das seine Ziele mit teils unkonventionellen Mitteln zu erreichen versucht und sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lässt.
Liliana wurde vor 30 Jahren Opfer eines Femizids. Angel bemüht sich mehrere Monate, um die Aufmerksamkeit und Liebe Lilianas zu erlangen. Als sie ihn endlich erhört, findet sie sich in einer toxischen Beziehung wieder, in der sie lange aushält. Als sie es endlich schafft, sich von ihm zu trennen, versucht er immer wieder Kontakt zu ihr aufzunehmen
Doch sie bleibt standhaft und begibt sich damit unwissentlich in Lebensgefahr. Eines Tages dringt Angel in ihre Wohnung ein und ermordet sie. Auch 30 Jahre nach dieser Tat wurde er nicht gefasst.
Cristina Rivera Garza ist Lilianas ältere Schwester und begibt sich nach dieser langen Zeit auf die Suche nach den Ermittlungsakten. In diesem Buch beschreibt Cristina Rivera Garza wie schwierig es ist, an die Akten zu gelangen. Sie erzählt von der gemeinsamen Kindheit mit ihrer Schwester. Sie lässt auch die Freundinnen und Freunde sowie ihre Eltern zu Wort kommen. Auch die in Lilianas Nachlass gefundenen Notizen und Briefe runden das Bild einer lebenslustigen jungen Frau ab, die viel zu früh einen gewaltsamen Tod sterben musste.
Cristina Rivera Garza setzt mit diesem Buch ihrer Schwester ein Denkmal und prangert gleichzeitig Femizide an.
Der gelungene Versuch , ein schwer verdauliches Thema umzusetzen.
Norwegen in Kriegszeiten
Das Cover verspricht eine Leichtigkeit, die leider nicht vorhanden ist. Der Roman erzählt von der schwierigen Zeit als Norwegen von den Deutschen besetzt war und viele russische Kriegsgefangene in Lagern leben und Zwangsarbeit durchführen mussten. Widerstand gegen die deutschen Besatzer war gefährlich und doch gab es eine Gruppe mutiger Norweger/innen, die im Untergrund agierten. Eines Tages stößt die Krankenschwester Birgit zu ihnen und hilft verwundete russische Kriegsgefangene zu pflegen. Dabei verliebt sie sich in Alexander und verhilft ihm zur Flucht. Gleichzeitig lernt sie die schwangere ukrainische Zwangsarbeiterin Nadia kennen und hilft ihr, dem Lager und der Arbeit in der Fischfabrik zu entkommen.
Birgits zusätzliche Agententätigkeit und das verbotene Verhältnis zu Alexander bringen sie in große Schwierigkeiten, denen sie sich standhaft versucht zu widersetzen.
Die Figur Birgit ist aus den zusammengefassten Schicksalen zweier tatsächlich damaliger norwegischer Agentinnen entstanden. Trotzdem hat mich teilweise das naive Agieren Birgits verwundert und ich hatte Schwierigkeiten diese nachzuvollziehen. Aber vielleicht passt hier auch der Spruch, dass "Liebe blind macht".
Wer sich für die Situation der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter interessiert, ist bei diesem Buch gut aufgehoben.
Henning Sußebach versucht mit diesem Buch seiner Urgroßmutter - die er nie kennengelernt hat - ein schriftliches Denkmal zu setzen.
Anna wird 1867 in eine aus heutiger Sicht frauenfeindliche Welt hineingeboren. Schon früh entflieht sie den schwierigen Familienverhältnissen, um Lehrerin zu werden. Ein Beruf, der damals nur unverheirateten Frauen zugestanden wurde. Mit einer späteren Hochzeit verloren die Frauen automatisch ihren Arbeitsplatz und auch sämtliche Rentenansprüche. Respekt konnten sich die Frauen nur durch eine "harte Hand" (Schläge gegen die Schüler/innen) verschaffen. Aber Anna beißt sich durch und darf nach 12jähriger heimlicher Liebe ihren Clemens heiraten mit den zuvor genannten Einschränkungen. Nach seinem Tod darf Anna aufgrund seiner testamentarischen Verfügung sämtliche Geschäfte seiner Familie übernehmen. Dieser Umstand und auch, dass Anna nach Clemens' Tod einen Sohn zur Welt bringt, wird von der Familie ihres verstorbenen Mannes nicht gern gesehen. Aber Anna ist hart im Nehmen und trotzt allen Feindseligkeiten.
Henning Sußebach schafft es mit den ihm von seiner Urgroßmutter gebliebenen Fotos, Postkarten und Gegenständen Annas Lebenslauf in groben Zügen nachzuvollziehen. Dabei hilft ihm vor allem seine Vorstellungskraft. Die eingestreuten, seinerzeit aktuellen wirtschaftlichen und politischen Ereignisse helfen dem Leser sich in die damalige Zeit hineinzuversetzen.
Der durchaus lesenswerte Bericht über eine starke Frau, die es verstanden hat, sich über die damaligen Konventionen hinwegzusetzen.
Von mir eine klare Lesepfehlung.
Susanne Lach, eines von vielen Millionen (!) Kindern, die zwischen 1950 und 1980 in Kurheime verschickt wurden. Dieser Roman über Susannes Schicksal und ihrer Freunde ist beispielhaft für das, was viele Kinder während dieser sogenannten Kuren erleiden mussten. Jedes noch so kleine Aufbegehren gegen die strengen Reglementierungen wurde zum Teil mit unmenschlichen Methoden hart bestraft. Besonders schwer zu ertragen und völlig unverständlich ist, dass all' diese Taten gegenüber wehrlosen Kindern von den sogenannten "Tanten" vollzogen wurden.
Barbara Leciejewski hat diesen Roman nach ausführlicher Recherche sehr eindringlich geschrieben. Das Schicksal dieser Kinder ist schwer zu ertragen und es verwundert nicht, dass sie für ihr späteres Leben traumatisiert sind. In dieser Geschichte wiegt besonders schwer, dass Susanne nach ihrer Rückkehr Lügen und blühende Fantasie unterstellt werden, als sie von den Gräueltaten erzählt.
Erholsam fand ich, dass die Berichte aus der Verschickungszeit sich mit den Erzählungen der erwachsenen Susanne abwechselten.
Barbara Leciejewski gibt mit ihrem Buch allen Kindern eine Stimme, die damals diese oder ähnliche Dinge während ihrer Verschickung erleben mussten.
Ein unbedingt lesenswertes Buch!
Familiäre Spurensuche
Ein interessantes Cover und ein Titel, den ich lange nicht einordnen konnte, haben mich dieses Buch in die Hand nehmen lassen. Und dann hat mich die Geschichte von Änne, Luise, Ellen und Laura so fasziniert, dass ich es nicht wieder beiseite legen konnte.
Änne und Luise sind Zwillingsschwestern und erleben als ganz junge Frauen die Kriegszeiten auf dem Pappelhof in Schlesien. Sie sind, wie es häufig bei Zwillingen es der Fall ist, unzertrennlich. Trotz ihrer äußerlichen Ähnlichkeit sind sie charakterlich völlig verschieden und doch kann die eine nicht ohne die andere sein. Die Erlebnisse während der Kriegszeiten hinterlassen allerdings ihre Spuren und verändern auf einem alles.
Ca. 75 Jahre später versuchen Ellen und ihre Tochter Laura nach dem Tod ihrer Mutter bzw. Großmutter, die vielen verschwiegenen Familiengeheimnisse zu lüften. Sie reisen schließlich nach Schlesien, finden den Pappelhof und hoffen, dort Antworten auf ihre Fragen zu erhalten.
Miriam Georg erzählt abwechselnd in zwei Zeitebenen was Änne und Luise widerfährt und wie viel Ellen und Laura herausfinden. Damit und mit ihrem flüssigen Erzählstil schafft sie es spielend, den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten und den Leser zu fesseln.
Ein Buch, dass ich trotz all der tragischen Ereignisse darin gern gelesen habe und es nur weiterempfehlen kann.
Contenance bewahren
Das Cover fällt auf und passt zum Inhalt. So stellt man sich die Bar im Ritz zu jener Zeit vor.
1940, die deutsche Armee hat die Macht über Frankreich übernommen und die Luxushotels besetzt, auch das legendäre Hotel Ritz.
Die Bar im Ritz in Paris, das Refugium von Barmann Frank Meier, wird zum Schauplatz der Ereignisse zu Kriegszeiten. Und hier treffen sich nicht nur die deutschen Besatzer, sondern auch die berühmten Mitglieder der französischen Hautevolee. Wir lernen u.a. Madame Ritz, Gabrielle Chanel, Barbara Hutton, um nur einige Berühmtheiten dieser Zeit zu nennen, kennen und erfahren wie gut (oder schlecht) sie mit den Ereignissen zu Kriegszeiten umgehen konnten. Und Frank Meier ist für sie alle ein Ankerplatz in diesen unruhigen Zeiten. Sie frönen zunächst dem Luxus, obwohl die Welt um sie herum in Schutt und Asche versinkt.
Frank Meier versucht in dieser Zeit Haltung zu bewahren, in der Hoffnung, dass niemand erfährt, dass er Kind jüdischer Eltern ist. Jede Nachricht über Denunziationen und Deportierungen von Juden ängstigt und verunsichert ihn, er versucht aber, sich nichts anmerken zu lassen.
Er bangt aber nicht nur um sein eigenes Leben, sondern auch um das seines Lehrlings Luciano und seiner heimlichen Liebe Blanche, die auch beide Juden sind.
Durch vereinzelte Tagebucheintragungen erfahren wir mehr über das Leben und den Werdegang von Frank Meier.
Philippe Collin beschreibt in seinem Buch nicht nur das Leben im Ritz, sondern auch das Weltgeschehen von Juni 1940 bis August 1944. "Der Barmann des Ritz" ist ein auf realen Ereignissen und Personen basierender Roman. Dies unterstreicht der umfangreiche, teils bebilderte, Anhang, in dem die im Roman erwähnten Personen vorgestellt werden.
Ich gebe zu, ich habe mich auf den ersten Seiten an den Schreibstil des Autors gewöhnen müssen, bin aber der Meinung, dass er letztendlich gut zu diesem Thema passt.
"Contenance bewahren", ich glaube dieser Ausdruck passt perfekt zu Frank Meier und diesem Buch. Beide, Buch und Frank Meier, haben mich als Leser sehr beeindruckt.
Was geschah vor 14 Jahren?
Das düstere Cover hat mich auf einen spannenden Thriller hoffen lassen und ich wurde nicht enttäuscht.
Der Trailer war tatsächlich mein erster Linus Geschke und hat mich das gesamte Buch über in seinen Bann gezogen.
Worum geht es?
Frieda Stahnke, ein suspendierte Kommissarin, erfährt durch einen Podcaster von einem nicht aufgeklärten Vermisstenfall und wird von ihm dazu interviewt. Lisa Martin verschwand vor 14 Jahren während ihres Urlaubs von einem Campingplatz. Durch den Podcast werden einige Personen aufgeschreckt, die sich damals zur selben Zeit auf dem Campingplatz aufgehalten hatten. Frieda erhält einen anonymen Anruf, der sie veranlasst, sich intensiver mit diesem Cold Case zu befassen.
Aber nicht nur Friedas Interesse ist geweckt. Auch Wout Meertens im Gespann mit seinem Mitarbeiter Tayfun und seiner Mieterin Kathinka beginnt weiter nachzuforschen.
Alle vier Charaktere haben so ihre Leichen im Keller und trotzdem entwickelt man Sympathien für dieses ungewöhnliche Ermittlerquartett.
Fazit:
Der Trailer ist der Auftakt einer Trilogie, der meines Erachtens nicht spannender sein kann. Ich kann es kaum erwarten bis der zweite Band erscheint. Ein Pageturner, den sich kein Krimifan entgehen lassen sollte.
Ungewöhnliche Mordserie
Nachdem mich "Krähentage" begeistert hatten, war ich gespannt auf die Fortsetzung mit "Aschesommer".
Die Gruppe 4, im Vordergrund Jacob Krogh und Mila Weiss, ist inzwischen eingespieltes Ermittlerteam. In Aschesommer muss die Gruppe 4 in einem ungewöhnlichen Fall ermitteln. Ungewöhnlich deshalb, weil der Hauptverdächtige seit mehreren Jahren in einer psychiatrischen Klinik lebt und diese nicht verlassen darf. Er kann sehr manipulativ auf Menschen einwirken. Darum werden die in seiner unmittelbaren Umgebung tätigen Menschen häufig ausgewechselt, um sie vor seiner Beeinflussung zu schützen. Für Mila und Jacob steht bald fest, dass dieser Psychopath für die Morde verantwortlich ist. Aber wie ist das möglich, wenn er die Klinik nicht verlassen kann? Versuche, ihm in mehreren Vernehmungen Hinweise zu entlocken, schlagen fehl. Und so ist das gesamte Team der Gruppe 4 gefordert, das Rätsel zu lösen und den möglichen Helfershelfer zu finden.
Ein spannender Thriller, den man nicht aus der Hand legen kann. Für Krimifans ein Muss.
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