Vorweg: Ich habe das Buch nicht beendet. Diese Rezension bezieht sich somit auf die ersten 31% des Buches.
Ich wollte diese Geschichte so sehr lieben, aber irgendwie passten wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht so richtig zusammen.
Das Buch ist gut geschrieben. B.K. Borison versteht ihr Handwerk. Und ich kann auch absolut nachvollziehen, dass es da draußen eine Menge Leute gibt, die dieses Buch total lieben.
Ich habe sehr viel positives Feedback zu „Good Spirits“ gesehen und sehr viele Menschen die Nolan und Harriet in ihr Herz geschlossen haben und das ist auch gut so. Denn die beiden verdienen es eine Fangemeinde zu haben.
Es waren einfach viele kleine Dinge die mich an dem Buch am Ende dann doch so gestört haben, dass ich es nicht weiterlesen wollte (Achtung ab jetzt Spoiler für die ersten 31%):
Zunächst ist da der Anfang in dem eine Katze Harriet einen Brief übergibt (also mit der Schnauze, eine normale Katze), ja ist cute aber irgendwie war ich doch irritiert. Dann taucht Nolan plötzlich bei Harriet aus dem Nichts im Wohnzimmer auf, sie macht noch (wirklich witzige) Sprüche über Mörder, findet das dann aber alles doch nicht allzu schlimm und schiebt es später auf abgelaufenen Pfefferminztee? Naja, ok, auch das kann ich noch „überlesen“ zumal der Schlagabtausch der beiden mich wirklich zum Lachen gebracht hat.
Aber als dann die Szene kommt in der Harriets winzige, absolut zierliche Hand (wird zumindest gesagt) in ihrer Manteltasche stecken bleibt, weil die zu eng für ihr kleines, kleines Händchen ist, Nolan sie dann rettet, nur um zu sagen: „Lass mich das jetzt lieber für dich erledigen!“ (zitiert aus dem Gedächtnis) und ihr dann offensichtlich die Süßigkeiten aus der ZU ENGEN (ich schreie nicht, ich betone!) Manteltasche holt, obwohl immer wieder gesagt wird WIE RIESIG seine Hände im Vergleich zu ihren sind... Ist das schon dieses Männerding „ich starker Mann rette die Frau die nicht gerettet werden muss“ oder nur ein egoistisches „ich kann eh alles besser“ von Nolan?
Aber offensichtlich klappt es ja. Da musste ich mich dann doch zwingen nicht zu sehr mit den Augen zu rollen, damit ich überhaupt weiterlesen konnte.
Auch die Tatsache dass Nolan und Harriet immer wieder und wieder in ihre Vergangenheit eintauchen nur um festzustellen, dass Harriet einfach nur perfekt ist und noch nicht mal als Kind vom Löffel nascht war für mich nicht cozy, sondern einschläfernd. Ich meine da passiert wirklich nichts. Sie hackt nen Baum ab. Yeah! Allein. Im Wald. Über Stunden. Aber das ist ja so, so süß von ihr...
Als dann auch noch unsere Turteltäubchen in einen solchen Streit geraten, gerade weil nichts in ihrer Vergangeheit passiert und sie es wagt den Vorschlag zu machen, dass es sich vielleicht um ihn dreht musste ich dann aufhören zu lesen. Nolan geht dabei dermaßen die Hutschnur hoch, obwohl sie ihm nur helfen will... Puh. Kann man jetzt noch damit entschuldigen, dass er halt ein Jahrhundert oder so alt ist und dementsprechend da ein bisschen toxisches Männerbild von damals mit sich rum trägt. Aber zu einer Cozy, cuten Lovestory passt das dann für mich doch nicht.
Ich glaube ganz sicher, dass es sehr viele Leute gibt, die das alles überhaupt nicht stört und wenn man diese Punkte überlesen kann oder/und sie gar nicht schlimm findet, ist das sicherlich ein richtig gutes Buch.
Witzig, romantisch (bestimmt ab irgendeinem Punkt) und einfach wunderbar für die weihnachtliche Jahreszeit geeignet. Und genau deswegen würde ich es auch mit 2,5 Sternen bewerten.
Wer jetzt all diese Punkte gelesen hat und sagt: „Was hat die denn? Ist doch gar nicht schlimm.“ Wird mit diesem Buch ganz sicher eine wundervolle Weihnachtsgeschichte haben. Für mich war es dann doch an vielen Stellen zum einen zu unlogisch und an anderen Stellen zu cozy, da darf dann für mich ruhig doch ein bisschen mehr passieren.
Es handelt sich hier komplett um meine eigene Meinung. Wenn ihr das Buch feiert, seid bitte lieb in den Kommentaren (und falls es jemand zu Ende gelesen hat würde ich mich über eine kurze Nachricht, was denn nun hinter allem steckt freuen).
„Hazel sagt nein“ von Jessica Berger Gross ist ein wichtiger Beitrag zu Me-Too und feministischen Stimmen im allgemeinen.
Dabei schafft es Berger Gross sehr gekonnt dieses doch eher schwere und traumatische Thema durch ihre vier Protagonist:innen wichtig und ernst genug, aber mit überraschend viel Humor an ihre Leser:innen heranzubringen.
Ihr Schreibstil ist locker und pointiert, liest sich somit sehr unterhaltsam.
Ihre vier Protagonist:innen sind allesamt interessante Figuren denen man gerne eine Weile durch ihr Leben folgt.
Gleichzeitig wirft Berger Gross hier stellenweise so komplexe und wichtige Themen auf, dass ich mir an der ein oder anderen Stelle gewünscht hätte wir könnten mal etwas länger auf dem neu aufgekommenen Problem herumkauen.
Da geht es nicht nur um das Machtgefälle zwischen Hazel und ihrem Direktor, sondern plötzlich auch um Hassbotschaften, Antisemitismus und vor allem um große moralische Fragen denen sich die Familie und besonders Hazel gegenüber sieht.
Wäre die Autorin allerdings hier wirklich auf alles eingegangen, wäre es zum einen kein so, trotz der Synopsis, unterhaltsamer Roman und zum anderen sicherlich ein mindestens doppelt so dickes Manuskript. Aber diesen Anspruch hat die Geschichte auch gar nicht an sich. Es muss nicht alles aufgebröselt und gelöst werden, manches darf einfach existieren und ein weilchen vom Leser oder der Lesrin mitgenommen werden. Und das ist, meistens, auch gut so.
Bei manch anderem habe ich mich hingegen schon gefragt, warum genau das denn jetzt auch noch auf den Tisch musste, nur um dann nicht wieder relevant zu sein. Aber nun gut, es war nur eine Kleinigkeit.
Dadurch, dass wir immer mal wieder abwechselnd jedem einzelnen der Familie über die Schulter schauen haben wir zum einen als Leser einen ganz guten allgemeinen Überblick aus einem Mosaik an Gedanken. Zum anderen kommen wir aber nicht ganz so nah an die Figuren heran. Ich hatte beim Lesen permanent das Gefühl das Geschehene aus einer sicheren Distanz, durch eine Scheibe zu beobachten. Wobei ich das bei diesem Buch nicht als allzu negativ empfunden habe und doch fehlte am Ende irgendwas um aus dieser soliden und unterhaltsamen Erzählung ein mitreißendes und unvergessliches 5 Sterne Buch zu machen.
Alles in allem ein gutes und wichtiges Buch, aber sicherlich nicht das beste in diesem Bereich.
Eine exzentrische Detiktivin a la Sherlock Holmes und ihr leitgeprüfter Assistent a la Watson in einer fesselnden Biopunk Welt, verwickelt in ein perfides Katz- und Mausspiel während das Imperium von Leviathanen bedroht wird? Count me in!
Ja, viel mehr brauch ich zur groben Handlung von „The tainted Cup“ auch gar nicht sagen. Robert Jackson Bennett hat hier eine Welt erschaffen, die man so schnell nicht vergessen wird und nicht nur dieses doch recht ausgefallene World Building bleibt im Kopf. Nein! Auch seine Protagonist:innen sind eine Marke für sich und Figuren von denen ich noch sehr viel mehr lesen möchte. Dazu kommen noch nahezu unzählige Nebenfiguren die alle glaubhaft und exzentrisch in ihrer eigenen kleinen Blase existieren und eine Handlung die mich atemlos das Hörbuch durchsuchten ließ. Was für ein Trip!
Ich hätte dann nur doch gerne ein Personenverzeichnis gehabt, da ich es bei den vielen, vielen Namen und Bezeichnungen doch recht schwer fand den Überblick zu behalten.
Das Hörbuch ist großartig produziert. Tim Gössler haucht der ganzen Geschichte genial Leben ein. Es hörte sich beinahe wie ein bombastischer Kinofilm. Ich glaube das hier war das best eingelesene Hörbuch was ich bisher gehört habe. Auf jeden Fall aber das beste in diesem Jahr.
Fazit: Bisher das beste Hörbuch, das ich gehört habe. Wer ausgefallene Detektivgeschichten mag, bizarre Charaktere liebt und dazu nichts gegen eine vollkommen abgefahrene und neue Welt hat, sollte hier definitiv mal reinhlören. Es lohnt sich!
Wow, was für ein Buch! Der Titel hält was er verspricht und geht dabei noch so viel tiefer als ich zunächst erwartet hatte. Aber eins nach dem anderen.
Was hatte ich den überhaupt erwartet? Eine Geschichte über eine Vorstadt Mutti, die extrem unter Druck gerät und dann ihr Lügenkonstrukt aufarbeiten muss. Dann habe ich wieder dran gedacht, dass das Buch ja aus dem Programm des Pola Verlags ist und somit garantiert tiefer gehen wird und damit hatte ich recht!
Unsere Protagonistin Clove ist Überlebende von familiärer Gewalt. Ihre Kindheit und Jugend war bestimmt von ihrem gewalttätigen Vater. Dementsprechend hat sie Coping-Strategien entwickelt die sie geschützt haben und für die meisten Leser:innen sicherlich zu teilen seltsam anmuten.
Dennoch und gerade deswegen ist es hier so unfassbar spannend ihr durch ihren Alltag zu folgen. Doch nicht nur das, denn als Leser:in steigen wir genau an dem Tag ein, an dem ihr so sorgfältig konstruiertes Kartenhaus beginnt in sich zusammen zu fallen.
Was wir ab da lesen ist eine unglaublich gekonnt inszenierte Studie einer Frau unter Druck, die eigentlich keinerlei Druck mehr ertragen kann.
„Ich spielte mit, wenn er alle Frauen als verrückt bezeichnete, als sei ich nicht auch eine Frau.“
Chelsea Bieker hat es geschafft eine Protagonistin zu erschaffen der man nicht immer nah sein muss um sie zu fühlen. Viele von Cloves schon wahnhaft anmutenden „Rettungsleinen“, wie das akribische darauf Achten was man zu sich nimmt und ihre übertriebene Angst davor ihren Kindern könnte etwas geschehen, kenne ich leider auch nur all zu gut von mir. Und so fühlte ich mich selbst ein ums andere Mal ertappt (wenn auch nicht aus den gleichen Gründen und nicht in dieser Heftogkeit. Zum Glück.)
„Ich brauchte diese Stimmen in den Podcasts, um meine eigene Stimme nicht zu hören, die mir nur schlimme und verrückte Dinge zurraunte,...“
Denn alles was Clove tut ist der tragische Versuch Kontrolle über ihr Leben zu erlangen, zu behalten und das in Situationen die sich jeglicher Kontrolle entziehen.
Dadurch, dass wir Clove aus der Ich-Perspektive quasi beim Denken zu hören, können wir ihren Druck nachempfinden. Das war mir persönlichen an mancher Stelle schon schmerzhaft zu nah dran und gerade dadurch so, so gut (ich hoffe ihr wisst was ich meine).
Sobald man erst mal im Sog von Cloves Geschichte gefangen ist kann man nicht mehr wirklich damit aufhören, zu sehr möchte man wissen wie es denn nun weitergeht.
Dabei ist Biekers Schreibstil sehr hilfreich, denn er lässt sich sehr gut schnell lesen und ist dabei auch noch wirklich schön.
Mehr als nur einen Satz habe ich in meine persönliche Zitatesammlung übernommen. Pointiert und messerscharf versteht Bieker es die Welt um Clove herum durch ihre Augen zu sezieren und oft schmerzhafte Wahrheiten auf den Punkt zu bringen. Ihr Schreibstil ist wirklich lesenswert.
Spannend fand ich auch, dass fast alle Personen mit Namen genannt werden, aber die zu denen Clove eine tiefer gehende Bindung hat (mal abgesehen von den Kindern) haben keine Namen. Ihr erster Freund ist der Metzger, ihr Mann, ihr Mann usw. Gerade so als wollte Clove genau diese Menschen nicht zu nah an sich ran lassen, sie nicht zu menschlich werden lassen, mit eigenen Namen. Denn Menschen, die einem nahe stehen, können einem Schmerzen zu fügen (so meine Hobby Psychologische Deutung).
Die Triggerwarnungen bezüglich familiärer Gewalt sollte man allerdings wirklich ernst nehmen. Leichte Kost ist das Buch nicht. Dafür eins, das einen noch lange gedanklich begleiten wird.
Ich wünschte ich hätte dieses Buch in einer Leserunde gelesen. Ich glaube hier gäbe es viel Potenzial für Diskussionen.
„Die Welt ist nicht für Mütter gemacht.“
Einzig ein paar Details gegen Ende fand ich dann doch zu „zufällig“ wodurch ich einen halben Stern von 5 Sternen abziehe.
Daher 4,5 Sterne von mir.
Fazit: Ein spannendes Psychogramm einer Überlebenden familiärer Gewalt unter Druck. Spannend bis zur letzten Seite und großartig geschrieben.
Ein historischer Fantasyroman oder doch eher ein historischer Roman mit Fantasyelementen?
In „The Spirit bares its teeth“ von Andrew Joseph White erleben wir die Welt aus der Perspektive von Silas. Silas ist Trans und wurde nicht nur im falschen Körper geboren, sondern auch zu einer Zeit in der es noch schwieriger war als heute Trans zu sein, nämlich 1883. Dazu kommt, dass er violette Augen hat, was in dieser Welt bedeutet, dass er ein Medium ist und mit Geistern sprechen kann.
Silas ist ein interessanter Protagonist und Ich-Erzähler. Ohne dass ich es vorab gewusst hätte ist Silas zudem autistisch.
Somit erleben wir die Welt nicht nur durch seine violetten Augen, sondern auch noch durch die Brille der Neurohdivergenz.
White gelingt es dabei sehr gelungen seinen Protagonisten lebhaft und liebenswert zu gestalten und so leiden wir mit Silas durch dieses feministische und zum Teil sehr unheimliche Buch. Doch der wahre Horror kommt nicht von den Geistern, wie man meinen könnte, sondern von den Mitmenschen denen gegenüber sich Silas leider immer wieder ausgeliefert sieht.
Dass die Geschichte, wie im Nachwort erwähnt, dann auch in ihren Grundzügen nicht erfunden ist, sondern nur eine fantastische und ausgeschmückte Version der Wahrheit enthält, macht den Horror nicht wirklich leichter verdaulich.
Dafür sehr, sehr wichtig: Denn wenn wir wissen welche Schrecken in der Vergangenheit lagen haben wir die Chance sie in der Zukunft zu verhindern.
Whites Schreibstil ist, passend zu Silas, eher nüchtern und analysierend, wenig blumig.
Was man als geneigte:r Leser:in allerdings mitbringen muss ist ein fester Magen. Häufig wird sich hier auf Operationen bezogen und diese im Detail beschreiben. Das ein oder andere mal war mir dann doch etwas flau, besonders als beschrieben wurde wie man ein Auge aus der Höhle lösen kann... Urks. Und doch sind auch diese Passagen wichtig für die Story und besonders dafür Silas und seinen brillanten Verstand zu verstehen.
Einzig was ich von dem Ende halten soll ist mir nicht ganz klar. Irgendwie ging es dann doch zu einfach, zu schnell, zu hoppla hopp. Aber da ich hier nicht zu viel verraten möchte, gehe ich nicht näher darauf ein. Das soll jeder und jede für sich selbst entdecken.
Mir hat es auf jeden Fall großen Spaß gemacht dieses außergewöhnliche Buch zu lesen (und wie hübsch ist das bitte?!)
Daher gibt es von mir 4,5 von 5 Sternen.
Fazit: Eine Empfehlung für jede und jeden der gerne eine leichte Gänsehaut über seinen Rücken kriechen spüren möchte aufgrund der Schrecken der Vergangenheit, gehüllt in eine Geistergeschichte mit großartiger Trans- und Autismus-Repräsentation.
Stellenweise schwer zu ertragen und dabei so richtig gut
In Medea nimmt uns Rosie Hewlett mit in die Psyche einer der berüchtigsten Frauenfiguren der griechischen Mythologie. Doch sie macht aus ihr keineswegs die bösartige Hexe als die sie im Mythos dargestellt wird und das obwohl sie absolut nichts beschönigt was Medea tat. All ihre Taten sind weiterhin vorhanden, doch durch den Blick durch Medeas Augen erfahren wir welche furchtbaren Umstände sie zu der machten, als die sie dargestellt wird.
"Es ist ein Gelöbnis, ein Versprechen, geschmiedet in den feurigen Tiefen meines Hasses. Ich werde diesem Gefängnis entkommen. Und wenn ich es von innen heraus niederbrennen muss." Seite 64
Hewletts Schreibstil ist eindringlich, klar, prägnant und dabei voller schöner Passagen. So dass ich beim Lesen immer wieder meine Notizenapp zücken musste um sie mir zu notieren.
Dabei lässt sich das Buch trotz der für uns vermutlich eher unbekannten Namen gut lesen (also ich weiß für meinen Teil immer noch nicht wie Chalkiope ausgesprochen wird...). Das einzige was mich hier immer mal wieder raus gebracht hat ist die ungewohnte Zeitform im Präsens. Irgendwie will mein Kopf immer alles ins Präteritum setzen.
Die Protagonistin Medea ist vielschichtig und da wir alles durch ihre Augen erleben trotz aller Gräuel sehr, sehr nahbar (etwas das besonders gegen Ende des Romans ein wenig schwierig zu ertragen war für mich. Was keine Kritik am Buch ist, ihr werdet es verstehen, wenn ihr das Buch gelesen habt). Medea ist eine Figur die man am liebsten schütteln würde, um sie aufzurütteln und doch weiß man, dass das nichts geändert hätte.
Man möchte schreien, weinen, kreischen ob der Ungerechtigkeiten die ihr Widerfahren und der Dinge die sie erdulden muss. Ohne zu viel vorwegzunehmen (für die, die den Mythos nicht kennen): Jason ist so ein A*********. Aber das war soweit von Anfang an klar.
Ihre Entwicklung mitzuerleben, zu verstehen warum sie wie (aus ihrer Sicht vollkommen logisch) handelt war wirklich ein Erlebnis und hat meine Liebe zur griechischen Mythologie neu entfacht.
Allerdings brauche ich danach jetzt erst mal ein etwas freundlicheres Buch. ;)
Wie bestimmt schon gemerkt: Der Roman ist keine leichte Kost und nichts für einen cozy Read.
Für alle die gerne etwas zu Female Rage, zu Frauen die zu Dingen getrieben werden und zu Ungerechtigkeiten lesen wollen: Go for it! Es ist ein feministischer, ein starker, ein psychologischer Roman über eine Frau die durch ihre äußeren Umstände etwas wurde was sie nicht verdient hatte.
"Und ich will nicht länger zerstören, was ich bin, um eine Version von mir zu erschaffen, die die Welt akzeptiert. Ich werde alles annehmen. Jeden dunklen, hässlichen, monströsen Teil von mir. Ich akzeptiere sie." Seite 462
Ich für meinen Teil bin froh das Buch gelesen zu haben.
Herbstliche sapphic Romance mit Horror Elementen? Count me in!
Und dann spielt das ganze auch noch auf einer Insel mit religiösen Menschen? Wer „Midnight Mass“ kennt und liebt, weiß warum ich von der Idee so begeister war.
Harley Laroux entführt uns an der Seite von Salem und Rayne in eine düstere Welt voller Gehemnisse. Dabei findet sie für mich genau die richtige Mischung zwischen Suspense, Grusel und richtig gehenden Horrorelementen.
Die Spice Szenen sind genial gut geschrieben und absolut green flaggig (da es hier auch um Dominanzspielchen geht, für mich absolut wichtig zu erwähnen).
Die beiden Protagonistinnen aus deren Sicht abwechselnd berichtet wird sind beide auf ihre Art liebenswert und individuell interessant.
Es hat mir großen Spaß gemacht ihre jeweiligen Seiten zu lesen, ohne das ich sagen kann wen von den beiden ich favorisiere.
Der Schreibstil ist angenehm und lässt sich so weg suchten und es gibt sogar einen Hund! Warum als keine vollen 5 Sterne???
Wegen dem Pacing! Ganz ehrlich? Ich kann ja verstehen, dass die beiden es Treiben wie die Karnickel. Alles fein. Aber wenn da ständig eine Spice Szene kommt, die dann die Spannung bzgl des Horrorteils des Buches zerreißt, dann ist mir das dann doch zu viel. Ja, klar. Stressabbau ist wichtig. Gerade auf einer Insel auf der Menschen verschwinden und so. Aber mal ganz im Ernst, ich möchte schon wissen was mit diesen Leuten ist und nicht erst 12 Seiten lesen wie die Haut von wem schmeckt. Spice ist auch ok, sonst hätte ich das Buch ja nicht geholt, aber irgendwie war es mir zum einen einfach viel zu viel und zum anderen kam das immer an Stellen, an denen ich voller Anspannung darauf gewartet habe wie es denn nun weitergeht.
Ich muss zugeben, ich habe dann einige der ellenlangen Spiceszenen einfach quergelesen. Irgendwie schade. Denn gut geschrieben sind die definitiv. Nur an der falschen Stelle.
Und das hat mich halt leider so weit aus dem Lesefluss katapultiert, dass ich dem Buch einfach keine volle Punktzahl geben kann.
Es lohnt sich allerdings wirklich zu lesen. Also greift zu, wenn ihr euch gern ein wenig gruseln möchtet (und nicht nur das ;) )
Kein einfaches Happy (End), sondern echtes Glück – meine Liebe zum Pola Verlag geht weiter!
Hach, ich liebe den Pola Verlag einfach. Bisher hat mich noch kein einziges Buch wirklich enttäuscht. Und so ist es auch mit „This isn‘t happiness“.
Wir begleiten Amy und Josh ein Stück weit in ihrer Beziehung und auf dem Weg zum Traualtar. Das ganze erleben wir aus Amys Sicht in der Ich-Perspektive womit wir ganz nah dran sind an ihr und ihrer Gefühlswelt und vor allem an ihrer Entwicklung die sie in diesem Buch macht.
Kein Pola-Buch ohne eine glaubhafte, nachvollziehbare und häufig auch inspirierende Charakterentwicklung von vielschichtigen Frauenfiguren.
Hier ist es natürlich nicht anders. Somit begleiten wir Amy dabei ein Stück weit mehr in sich und ihr Leben rein zu wachsen. Zu erforschen was sie wirklich will und somit auch Stück für Stück heraus zu finden was sie glücklich machen könnte.
Aber nicht nur Amy ist dabei eine wichtige Figur im Buch, auch die Nebenfiguren wie Lace, Amys Stiefbruder, ihre Mutter, ihre Schwiegermutter in Spe und allen voran Josh sind gut gezeichnet und authentisch (auch wenn sie einem beim Lesen wirklich manchmal auf den Keks gehen, aber das sollen, nein das müssen sie sogar! Ihr werdet schon sehen. ;) )
Dabei bringt Newnham gekonnt auch andere Perspektiven auf „Happiness“ mit ein. Denn natürlich sieht dies für jeden individuell anders aus.
Was mir besonders gut gefallen hat: Hier ist keiner einfach nur „der/die Böse“. Jede Figur handelt authentisch und aus ihrer Sicht richtig. Sei es aus Egoismus, Bequemlichkeit, einem vermeintlichem Gefühl von „so muss das jetzt aber gemacht werden“ oder anderen Gründen. Jede und jeder hat eben seine Gründe so zu sein. Dadurch sind die Nebenfiguren nicht einfach nur emotionslose Plotmittel um Amy in die eine oder andere Richtung zu treiben, sondern sie sprühen vor Leben, sind mehrdimensional und einfach echt. Auch das ist wieder etwas, was die Polabücher gemeinsam haben (ehrlich, wer auch immer bei euch die Geschichten aussucht und einkauft hat wirklich ein Händchen dafür, lasst diese Person(en) nie wieder gehen!)
Mary Newnham schreibt dabei so authentisch und locker, dass man tief zwischen den Zeilen eintaucht und gar nicht merkt wie viel man schon gelesen hat und wie schnell die Zeit außerhalb des Papiers vergangen ist. Womit „This isn‘t happiness“ es schafft den Leser/die Leserin in seinen Bann zu schlagen.
Dabei war ich nie nur einfache Zuschauerin von Amys Leben. Durch Amys Entwicklung, die man ein Stück weit mitgeht, kann man selbst auch ein Stück weit neue Erkentnisse und Ideen mit in sein Leben nehmen. Beim Lesen und vor allem danach stellt man sich unwillkürlich selbst die Fragen, denen sich auch unsere Protagonistin gegenüber sieht. Somit ist dieses Buch (ich wiederhole mich ich weiß), wie bisher fast alle Polabücher auch ein sanfter Reminder mal selbst auf sich und sein Leben zu schauen.
Ich für meinen Teil bin sehr froh dieses Buch gelesen zu haben, mich bei mir im Leben selbst umgeschaut zu haben, um dann für mich sagen zu können: „This is happiness“.
Ich empfehle dieses Buch jeder und jedem der nicht nur einfach unterhalten werden möchte, sondern auch gerne durch Bücher wachsen möchte. Wer gerne etwas aus Geschichten mitnimmt für sich und sein Leben der wird hier nicht enttäuscht.
Eines Vorweg: Die Sprecherin des Hörbuchs, Saskia Haisch ist wirklich großartig. Sie spricht toll und haucht so der Geschichte Leben ein. Die negative Sternebewertung bezieht sich nicht auf die Qualität des Hörbuches, sondern rein auf die Story.
Ohne große Erwartungen bin ich in diese Geschichte eingestiegen und das erste Kapitel klang sehr vielversprechend: Ein cooles, (für mich) neuartiges Magiesystem, dass ich so noch nicht 100 Mal in irgendeiner Form gelesen hatte, Hexen, Schattenwesen und eine Protagonistin der durch die Sprecherin direkt eine Persönlichkeit verliehen wurde die mir gefiel. Entsprechend groß war dann natürlich meine Freude dieses Buch weiter zu hören.
Leider ging es so aus meiner Sicht nicht weiter. Ich zerreiße Bücher nicht gerne und hoffe sehr, dass auch an diesem Buch andere ihre Freude haben werden, jedoch war das für mich dann doch nichts. Obwohl ich magische Geschichten und auch Slow Burn durchaus mag.
Leider kam für mich keines der, von der Protagonistin Arina, aus der Ich-Perspektive geschilderten Gefühle an mich ran. Arina erklärt uns zwar immer wieder wie es ihr geht und stellt sich unerlässlich in ihrem inneren Monolog Fragen über Fragen, dabei schafft sie es aber nicht mir ihre Probleme glaubhaft näher zu bringen. Genau wegen den sich ständig wiederholenden Monologen. Mehrmals musste ich an „Show don‘t tell“ denken, was der Geschichte sicherlich sehr gut getan hätte. Denn das meiste an Handlung spielt sich erst mal nur durch Monologe und Fragen in Arinas Kopf ab.
Dazu kommt, dass die Autorin nicht kongruent geschrieben hat. So denkt Arina bei einem Treffen darüber nach, dass die Person sie noch nie beim Namen genannt hat, nur dass diese Person sie ein paar Seiten zuvor mit Namen begrüßt hat und das ist nur ein Beispiel von mehreren.
Immer wieder werden Themen aufgemacht, Geschichten aus der Vergangenheit aufgegriffen und Dinge von Arina in ihrem Kopf behauptet ohne das darauf näher Bezug genommen wird oder irgendetwas folgt. Dabei wäre es durchaus interessant gewesen.
An anderer Stelle werden Begebenheiten als extrem schlimm und unumgänglich dargestellt, nur um sie ein paar Kapitel später als gelöst zu präsentieren. Wie und warum? Ja, keine Ahnung. Kann dann nicht so schlimm gewesen sein.
Auch das Ende, ohne zu spoilern, gestaltet sich als viel zu einfach und platt gelöst aus meiner Sicht. Hier fehlte eindeutig der Spannungsbogen und eine schlüssige und spannende Erklärung.
Ein gutes Buch lebt aus meiner Sicht davon, dass Dinge angesprochen werden, auf die dann zurück gegriffen wird an späterer Stelle und somit der ganzen Sache Tiefe und Glaubwürdigkeit verliehen wird. Das war hier leider nicht der Fall. Hätte es irgendwann am Anfang zb einen Hinweis auf die schlussendliche Lösung des Problems gegeben, hätte man sagen können: Ah! Deshalb!
So war es nur ein: Hä? Wieso denn das jetzt?
Die Grundzüge und Ideen der Geschichte sind wirklich gut, leider ist es die Ausarbeitung aus meiner Sicht absolut nicht.
Hätte ich es nicht als Hörbuch gehört und hätte Saskia Haisch nicht so toll gesprochen hätte ich es abgebrochen.
Ich hoffe dennoch, dass diese Geschichte auch ihre Freunde finden wird Arina und die Welt um sie herum hätten es schon verdient.
„Da, wo ich dich sehen kann“ von Jasmin Schreiber ist ein unglaublich intensives und aufrüttelndes Buch.
Es ist sicherlich kein Buch für jede:n Leser:in und auch ganz sicher keines, das man mal schnell liest, weg legt und vergisst.
Es ist ein Buch das nachhallt, das verdaut werden möchte und dass auf so vielen Ebenen trifft, dass es weh tut.
Es geht um Femizide, um die Bedeutung von Freundschaft und Familie und um den Nachhall, das Loch, das ein Verlust in uns hinterlässt.
Jetzt gerade, beim Schreiben des Satzes davor kamen mir schon wieder die Tränen, obwohl ich absichtlich etwas Zeit nach dem Beenden verstreichen lassen habe. Vielleicht kann man anhand dessen erahnen was dieses Werk mit mir gemacht hat.
Die Geschichte die Jasmin Schreiber hier erzählt könnte so überall passieren, ach was, sie passiert so immer wieder. Überall.
Dabei nutzt Schreiber gekonnt verschiedene Stilmittel um uns mal näher an die Emotionen zu führen (die Kapitel aus Sicht von Maja) nur um uns dann ganz nüchtern und rational Fakten zu präsentieren. Dies macht sie in dem sie gekonnt zwischen den verschiedenen Erzählperspektiven der Hinterbliebenen und auch des Opfers wechselt. Angereichert wird das ganze dann zusätzlich noch durch Polizeiberichte, Zeitungsartikel, Gerichtsbriefe, Kinderzeichnungen...
Dadurch entsteht ein Kaleidoskop aus Gedanken, Emotionen, Erinnerungen, Verzweiflung und nüchternen Tatsachen. Ein Kaleidoskop, dass uns ganz nah ran holt und weit weg hält. Dass uns versucht etwas begreiflich zu machen, was nicht zu begreifen ist. Das uns wachrütteln will und uns dennoch irgendwie auch hier und da in all dem Schrecken etwas Hoffnung schenkt.
Denn: „Menschen hinterlassen mehr als Erinnerungen, sie hinterlassen Schwarze Löcher, die dich gnadenlos anziehen und in den Abgrund reißen, wenn du ihnen zu nahe kommst. Wenn jemand geht, fehlt nicht nur die Person, sondern auch ein Stück von jedem, der bleibt“ (Zitat: Schutzumschlag) und gerade deswegen bleiben auch schöne Erinnerungen, an die man gerne denkt.
Die Protagonisten sind authentisch und nahbar gezeichnet. Jedoch kam ich nie ganz emotional an sie ran. Einzige Ausnahme dabei bildet Maja. Aus meiner Sicht Absicht der Autorin und Stilmittel.
Einzig den schnell (mehr oder minder) behobenen Konflikt mit Liv‘s Mutter fand ich etwas zu einfach gelöst und nicht so ganz authentisch.
Selten hat mich ein Roman über Verlust so weiterlesen lassen, vermeide ich das Thema doch lieber.
Danke Jasmin Schreiber für jede einzelne Träne die ich wegen diesem Buch vergossen habe.
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