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Benutzername: Monika58097
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Bewertungen

Insgesamt 550 Bewertungen
Bewertung vom 10.02.2019
Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens
Zöller, Elisabeth

Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens


ausgezeichnet

Anton, ein Kind, das es trotz seiner leichten geistigen und körperlichen Behinderung schafft, eine normale Schule zu besuchen, doch die Zeiten haben sich geändert. Es ist Krieg und so einer wie Anton wird nicht mehr gerne gesehen. Der Führer will nur reinrassige, gesunde Menschen in seinem Land. Da passt Anton, der so gerne Bilder malt und der rechnen kann wie sonst niemand, nicht hinein. Lehrer wie Schüler quälen, verspotten und demütigen ihn. Erträglich ist es in der Schule nur, wenn sein Onkel Franz Unterricht gibt, doch dieser wird immer kränker und fällt bald ganz aus.

Es ist eine Zeit, in der Synagogen angezündet und jüdische Geschäfte zerstört werden. Immer mehr Menschen verschwinden auf mysteriöse Weise. Antons Familie lebt in stetiger Angst, dass ihnen der Junge zwecks "wissenschaftlicher Erforschung" weggenommen wird. Da ist die Angst vor dem Lehrer, die Angst vor dem Blockwart. Wem kann man noch trauen? Wo ist man noch sicher? Antons Eltern gelingt es, den Jungen aus der Stadt zu bringen zu Menschen, die es gut mit ihm meinen. So überlebt Anton als einer der wenigen Behinderten in dieser furchtbaren Zeit.

"Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens" - es ist ein Jugendbuch für Menschen ab 12 Jahren. Es ist leicht zu lesen, so dass junge Leser keine Schwierigkeiten mit dem Text haben dürften. Die Geschichte ist eine wahre Geschichte. Es ist die Geschichte eines Onkels der Autorin. Es ist eine sehr verstörende Geschichte. Immer wieder fragt man sich, wie es passieren konnte, dass Menschen zu solchen Monstern mutierten. Wie konnten sie ihren Hass, ihre Wut an anschuldigen Kindern auslassen?

Es ist eine Geschichte die den Leser nicht mehr los lässt, ein Buch der ganz großen Emotionen und es ist eine Geschichte gegen das Vergessen. Auch für Erwachsene unbedingt lesenswert!

Bewertung vom 09.02.2019
Dunkelmädchen
Haubrich, Leonie

Dunkelmädchen


ausgezeichnet

Als Elena von einem Schrei nach ihr in der Nacht geweckt wird, ist sie sich sicher, dass das Kind, das nach ihr gerufen hat, nicht ihre kleine Tochter Julia ist, doch wer ist das Mädchen dann?

Ihr Mann Johannes, mit dem sie gerade Urlaub in einer zugigen und kalten Burg in Frankreich macht, hält sie für überspannt. Wer soll das Kind sonst sein, als ihre kleine Julia? Elena lässt jedoch nicht locker. Ihr fehlen die ganz bestimmten Empfindungen gegenüber ihrer Tochter. Die Liebe zu ihr, die Nähe, das kann doch nicht einfach so verschwinden. Elena bemerkt Julias andere Augenfarbe. Und wo ist das Mützchen des Mädchens? Ebenso stellt Elena fest, dass ihre Lieblingskette fehlt. Niemand will ihr glauben.

Die Beziehung zwischen Johannes und Elena wird immer angespannter. Sie beginnt eine Therapie auf Anraten ihres Mannes, doch auch hier scheint sie nicht weiter zu kommen. Schließlich ist Elena so verzweifelt, dass sie sich umbringen will. Sie führt den Plan nicht aus, weist sich aber selbst in eine psychiatrische Klinik ein. Hier kommt sie langsam zur Ruhe und fasst einen Plan, der Wahrheit endlich auf die Spur zu kommen.

"Dunkelmädchen" - ein Thriller mit vielen Wow-Effekten! Eine mitreißende Geschichte mit überraschenden Wendungen. Sie ist spannend, sie ist authentisch. Was habe ich mit Elena mitgefühlt! Wieso glaubt ihr niemand? Was ist mit ihrem Mann los? Ist Elena wirklich krank, wie Johannes vermutet?

Leonie Haubrich spielt mit dem Leser. Mal ist man auf der einen, mal auf der anderen Seite. Immer wieder lässt sie einen überlegen, grübeln. Was ist die Wahrheit?

"Dunkelmädchen" - eine mitreißende und atmosphärische Geschichte, so spannend, dass man es kaum erwarten kann umzublättern. Absolut guter Lesestoff! Unbedingt lesen! Für alle, die es unblutig mögen und doch die Spannung lieben!

Bewertung vom 03.02.2019
Sophies Tagebuch
Remin, Nicolas

Sophies Tagebuch


gut

Während des Unterrichts erfährt die Französisch-Lehrerein Erika zur Linde Ende der 80er Jahre vom plötzlichen Tod ihres Vaters Ulrich. Der Mann, der ihr immer irgendwie fern geblieben ist, hat sich an seinem Schreibtisch erschossen. Ob der Brief aus Amerika etwas damit zu tun hat, den er ein paar Tage zuvor erhalten hat?

Als Erika die Unterlagen ihres Vaters sortiert, findet sie ein Tagebuch ihrer Mutter Sophie. Hier hat die Mutter alles aufgeschrieben, was ihr zu Zeiten des Nationalsozialismus wichtig schien - was ihr persönlich wichtig schien. Während der Ehemann in den Krieg musste, hat sie deren Freund Felix Auerbach, einem Juden, verbotenerweise Obdach gegeben. Ständige Bombenabwürfe haben Sophie und Felix sich näher kommen lassen, doch kann sie Felix wirklich retten?

Während sich Erika zur Linde durch das Tagebuch ihrer Mutter arbeitet, beginnen in Ostberlin die Unruhen. Berlin steht kurz vor dem Mauerfall. Und dann kündet sich Paul Singer aus Amerika an, der Mann, dem Ulrich zur Linde kurz vor seinem Tod geschrieben hat.

"Sophies Tagebuch" - ein sehr spannendes Buch, obwohl es in der Mitte auch einige mit Sicherheit vermeidbare Längen gegeben hat. Leider konnte ich mir die einzelnen Figuren nicht wirklich vorstellen, eine Tatsache, die mich persönlich stört. Die Figuren blieben blass, trotz der außergewöhnlichen Rollen, die sie gespielt haben.

Gut kommt heraus, wie sich Sophie zum Beispiel eher gedankenlos der Partei anschließt, weil sie ihrem Job als Journalistin nachgehen möchte. Und warum ist Felix Auerbach nicht ausgereist? Möglichkeiten dazu hatte er genug. Mir erscheint es etwas zu naiv, das wirklich nur der Liebe wegen getan zu haben. Auch er muss sich der tatsächlichen Gefahren bewusst gewesen sein.

Gefragt habe ich mich auch, warum der zweite Erzählstrang ausgerechnet ins Berlin zu Zeiten des Mauerfalls gelegt wurde? Der Mauerfall, die ganzen politischen Umwälzungen in Ostberlin, in der DDR, bleiben zweitrangig, werden nur eher nebenbei erwähnt.

"Sophies Tagebuch" - eine sicherlich spannende Geschichte; mir persönlich fehlt jedoch das gewisse Etwas.

Bewertung vom 02.02.2019
Das feine Fräulein (Spannung, Liebe) (eBook, ePUB)
Weng, Joan

Das feine Fräulein (Spannung, Liebe) (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Weihnachten 1926. Bernhard Greiff, von allen nur liebevoll Bambi genannt, ist ein Kriegsveteran, ein sogenannter Kriegsirrer, hat er doch einige Zeit in Heilanstalten verbracht. Als geheilt entlassen, zieht er bei seiner Schwester Vicky und ihrer Familie ein und kümmert sich auch direkt um diese. Zudem arbeitet er in Vickys Buchladen. Ein besonders guter Verkäufer ist er jedoch nicht.

Täglich führt er den Familienhund aus, geht mit ihm spazieren und trifft so auf das Dienstmädchen des Fräulein Schienagels. Bambi verliebt sich in die junge Frau. Er ist jedoch viel zu schüchtern, um diese anzusprechen.

Dann ein Einbruch bei der Schauspielerin Schienagel und der Täter soll ausgerechnet Bambis Freund Karlheinz sein! Jetzt sind seine Fähigkeiten als Detektiv gefragt, denn Karlheinz, der Leiherkastenmann, kann es unmöglich gewesen sein.

Das nette Dienstmädchen bittet Bambi um Hilfe. Ein paar hilfreiche Tipps hat sie auch gleich noch parat. Als dann auch noch eine mysteriöse Serie an Hurenmorden aufzuklären ist, fragt sich jeder, ob die Morde etwas miteinander zu tun haben. Vor allen Dingen: Wird es Bambi gelingen, die Unschuld seines Freundes zu beweisen und wird seine Liebe von der jungen Frau erwidert?

Ich liebe die Romane von Joan Weng! Wieder einmal ist es ihr gelungen, mich in das Berlin der Zwanziger Jahre zu entführen! Ganz wunderbar auch, dass ich lieb gewonnene Figuren aus dem Roman "Die Frauen vom Savignyplatz" wieder getroffen habe! In diesem Roman spiel jedoch Bambi die Hauptrolle und sie steht ihm gut. Er leidet noch immer unter seinem Kriegstrauma, doch er gibt sein Bestes, ein normales Leben zu führen.

Der schüchterne Bambi, der sich verliebt, aber nicht traut, das Dienstmädchen der bekannten Schauspielerin anzusprechen. Alles ist spannend, unterhaltsam und authentisch.

"Das feine Fräulein" - eine gelungene Mischung aus Krimi und Liebesgeschichte. Wunderbar zu lesen! Bitte mehr davon!

Bewertung vom 20.01.2019
Das Leben bauchen (eBook, ePUB)
Fischer, Stefan M.

Das Leben bauchen (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Diese kurzen Geschichten, aber auch Gedichte, die oftmals wie Tagebucheinträge anmuten, haben es mir angetan. Bei der allerersten Geschichte "Der Mamaduft" liefen direkt die Tränen. Ich habe gelachte, ich habe geweint, ich habe geschmunzelt, ich habe Spaß gehabt. Ich war in Gedanken und oftmals auch nachdenklich.

Was ist pingolesisch? Was ist Mutterschweiß? Es geht um Wetterbeeinflussungen, Vampiralltag und Alltagssamstag.
Auf all diese Fragen gibt dieses Büchlein Antwort und dennoch ist es so viel mehr.

Man lernt den Autor durch seine Geschichten, durch seine Gedichte, die sehr viel Persönliches zu enthalten scheinen, besser kennen. Seine Gefühle, seine Gedanken, seine Ängste aber auch seinen Humor.

Die Zeilen machen glücklich und traurig, sie sind voller Wärme, aber auch voller Ängste. Sie sind bezaubernd und bewegend und ich habe mich immer gut unterhalten gefühlt, wobei ich auch zum Nachdenken angeregt wurde.

"Das Leben bauchen" - absolut lesenswert!

Bewertung vom 20.01.2019
Fünf Tage im Mai
Hager, Elisabeth

Fünf Tage im Mai


ausgezeichnet

Illy und ihr Urgroßvater verbindet eine ganz besondere Beziehung. Schon immer haben sie ganz viel Zeit miteinander verbracht. Am liebsten schaut Illy ihrem Uropa in seiner Fassbinder-Werkstatt zu. Er, der das Holz so liebt und bearbeitet wie kein anderer. Auch Moped fahren die beiden immer wieder zusammen. Tat´ka, wie Illy ihren Urgroßvater liebevoll nennt, hätte am liebsten wieder die Einführung der Monarchie. Illy wird langsam erwachsen und teilt jedes Geheimnis mit dem alten Mann. Als Illy sich in Tristan verliebt, einem Jungen, der nicht gut angesehen ist im Dorf, deckt der alte Mann das junge Glück.

"Fünf Tage im Mai" - ich muss sagen, ich hatte eine ganz andere Vorstellung von diesem Roman. Die Leseprobe, die ich gelesen habe, hat mir einen berührenden, einen sehr leisen Roman versprochen. Die fünf Tage spielen auch nicht in einem Mai eines bestimmten Jahres, sondern über viele, viele Jahre hinweg, in denen Illy erwachsen wird.

Anfang und Ende haben mir sehr gut gefallen. Da war Liebe, da war Tragik, da war das Leben. Alles dazwischen jedoch hat mich oft quer lesen lassen. Die Stellen mit Tristan, wo er unter Alkoholeinfluss zu einem anderen Menschen wird, die haben mir überhaupt nicht gefallen. Ich habe mehr Urgroßvater erwartet, mehr von der ungewöhnlichen Beziehung des jungen Mädchens zu dem alten Herrn. Ihre Geheimnisse, ihre Abenteuer.

Die großen Zeitsprünge zwischendurch haben mir überhaupt nicht gefallen. Leider ist es dadurch nicht mein Buch geworden. Es sollte sich dennoch niemand abhalten lassen, das Buch zu lesen. Wie viele andere Rezensionen zeigen, ist der überwiegende Teil begeistert von der Geschichte. Es ist halt nicht meine Geschichte.

Bewertung vom 13.01.2019
Die Stimme des Schöpfers
Müller, Titus

Die Stimme des Schöpfers


ausgezeichnet

Wer schon einmal im Alten Testament gelesen hat, der weiß, wie spannend die dort niedergeschriebenen Ereignisse und Geschichten sein können. Personen und Geschichten sind faszinierend, sie sind spannend, mitunter sind sie sogar sehr brutal.

Titus Müller hat in seinem Buch einige der niedergeschriebenen Ereignisse aufgegriffen. Er hat eine Geschichte drumherum geschrieben. Da ist die Schöpfung, der Sündenfall. Da sind Kain und Abel, die Flut, Abraham und Mose, David und Batseba. All diese Personen bekommen in den Geschichten von Titus Müller ein Gesicht, sie werden lebendig.

Titus Müller kann es einfach: Allerbeste Erzählkunst! Er schreibt einfach großartig. Er fesselt mit seinen Worten, entwickelt einen unheimlichen Sog.

"Die Stimme des Schöpfers" - wahnsinnig spannend. Man liest, ist begeistert und es wächst das Verlangen, dass aus den kurzen Erzählungen ganze Geschichten werden, spannende historische Romane.

Ein wunderbares Buch, auch für alle, die sich sonst nicht für das Alte Testament interessieren!

Bewertung vom 13.01.2019
Sommer in Super 8
Müller, Anne

Sommer in Super 8


gut

Schallerup, ein fiktiver Ort in den 70er-Jahren an der Ostsee. Hier wohnt Clara mit ihren Eltern und ihren vier Geschwistern. Eine typische Landarztfamilie, wie man sie vielleicht auch aus dem Fernsehen kennt. Eine Familie, die Ausflüge ans Meer macht. Eine Familie, die Zuhause gemeinsam musiziert. Der Vater, der Landarzt, der jede Bewegung der gemeinsamen Freizeit auf Super 8-Filmen zu bannen scheint, aber auch der Vater, der immer wieder mit anderen Frauen anbandelt. Clara liebt ihren Vater sehr, sie sorgt sich aber auch um ihn, weil er immer mehr dem Alkohol zuzusprechen scheint. Ihre Sorgen sind begründet, doch dann spitzt sich die Lage dramatisch zu.

"Sommer in Super 8" - wer in den 70er-Jahren aufgewachsen ist, wird sich beim Lesen auf eine Zeitreise begeben. Seien es Lieder, seien es typische Produkte der damaligen Zeit. Man erkennt alles und auch sich selbst ein bisschen wieder.

Die Geschichte ist unterhaltsam, doch richtig fesseln konnte sie mich leider nicht. Als Leser schaut man hinter die Kulissen der scheinbar perfekten Landarztfamilie, doch da sind auf einmal die finanziellen Probleme, die Konkurrenz, mit der Claras Vater nicht zurechtkommt und die ihn in die Alkoholsucht zu treiben scheint. Ein gutes Thema, ein wichtiges Thema und sicherlich auch manchmal sehr bewegend im Buch beschrieben, doch mir persönlich fehlte das gewisse Etwas. Claras Mutter, ihre zahlreichen Geschwister, sie blieben eher farblos. Das Ganze dann eher geschrieben wie ein Jugendbuch.

Es ist eine Geschichte, von denen viele schon begeistert berichtet haben, doch es ist nicht mein Buch.

Bewertung vom 04.01.2019
Das Herrenhaus im Moor
Whitmore, Felicity

Das Herrenhaus im Moor


ausgezeichnet

Laura Milton ist fest davon überzeugt, dass ihr Mann Frank nicht einfach bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Er ist ermordet worden, doch niemand will ihr Glauben schenken. Wer war die Gestalt, die sie an seinem Auto gesehen hatte an ihrem letzten gemeinsamen Abend, der jedoch mit einem Streit endete? Laura gibt sich seitdem eine Mitschuld am Tod ihres Mannes. Hätten sie nicht gestritten, wäre er sicher noch am leben.

Als sie in seinen Unterlagen einen anonymen Brief an ihn mit einer Warnung entdeckt, packt sie ihre Sachen und fährt nach England - Franks Heimat, von der er ihr nie erzählt hat. Angekommen im englischen Exmoor, begibt sich Laura auf Spurensuche, doch dort stößt sie nicht nur auf Geheimnisse ihres Ehemannes, sondern auch auf die unglaubliche Geschichte der Lady Victoria Milton.

"Das Herrenhaus im Moor" - eine Geschichte mit einer ungewöhnlichen Anziehungskraft! Dieses Buch fesselt und begeistert. Es ist so spannend, das man gar nicht mehr aufhören kann zu lesen. Von der ersten bis zur letzten Seite Spannung pur!

Mitreißend und authentisch erzählt die Autorin die Geschichte der Lady Victoria Milton, die kurz, bevor sie ihr Erbe antreten konnte, von ihrem Vormund in ein Irrenhaus für Frauen gesteckt wurde - Lynebrook Hall. Ein Haus, in das unschuldige und gesunde Frauen eingewiesen wurden, weil sie ihren Familien im Weg standen.

Keine der Frauen, die unerträgliche Qualen und Folter über sich ergehen lassen mussten, haben das Haus lebend verlassen. Nur eine schafft es, Victoria. Doch, als sie sich nach Jahren dazu entschließt, wieder ein normales Leben unter Menschen zu führen, holt die Vergangenheit sie ein, eine Vergangenheit, die ihre Spuren bis in die Gegenwart hinterlässt.

"Das Herrenhaus im Moor" - eine großartige Geschichte, die durch ihre überraschenden Wendungen nie an Spannung verliert. Der Schreibstil ist bildgewaltig, frisch und lebendig. Ein großartiges Lesevergnügen, das man sich nicht entgehen lassen sollte!

Bewertung vom 02.01.2019
Mich hat man vergessen
Erben, Eva

Mich hat man vergessen


ausgezeichnet

Von einem Tag auf den anderen ist es vorbei mit dem beschaulichen Leben. Die elfjährige Eva wird zusammen mit ihren Eltern nach Theresienstadt und später nach Auschwitz deportiert. Ihre Eltern werden ermordet. Eva überlebt, weil sie sich in einem Heuhaufen schlafen gelegt hat, der stark nach Kuhdung gerochen hat. So war sie für die Suchhunde nicht aufspürbar. Eva überlebt als Einzige ihrer Familie. Tschechische Bauern finden sie und kümmern sich liebevoll um das völlig abgemagerte Mädchen. 1949 wandert Eva nach Israel aus, um dort mit ihrem Mann ein neues Leben zu beginnen.

Eva Erben hatte eigentlich nie vor, ihre Geschichte zu erzählen, bis ihr Sohn von der Schule nach Hause kommt mit der Bitte der Lehrerin, von den damaligen Ereignissen vor der Klasse zu erzählen.

Entstanden ist ein Buch der Erinnerung. Erinnerungen eines einst jungen Mädchens, das alles verloren hat und nur durch einen Zufall überlebt hat. Ihren Mann Peter kennt sie noch aus dem KZ Theresienstadt. Sie treffen sich zufälligerweise wieder, verlieben sich und heiraten. Ihre Kinder wissen lange Zeit nichts von Peters und Evas furchtbarer Vergangenheit. Wie so viele Überlebende des Holocaust, wollen Eva und Peter einfach nur ein neues Leben beginnen und aufbauen. Zu schrecklich sind auch die Erfahrungen, die sie gemacht haben. So wie Eva, die zu ihrer Tante ziehen musste, als diese sie gesucht und bei den Bauern gefunden hat. Evas Tante konnte oder wollte nicht glauben, was das Mädchen durchgemacht hat. Die Tante unterstellt ihr, alles nur erfunden zu haben.

"Mich hat man vergessen" - es ist ein sehr ergreifendes kleines Buch und doch so wichtig in einer Zeit, in der immer mehr vergessen wird. Eine wahre Geschichte, geschrieben für Schüler, doch auch für Erwachsene äußerst empfehlenswert.

Im hinteren Teil des Buches befinden sich Fotos und ein sehr interessantes Interview mit Eva Erben.