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Vanessa W.
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Saarbrücken

Bewertungen

Insgesamt 143 Bewertungen
Bewertung vom 27.08.2025
Konishi, Masateru

Die Bibliothek meines Großvaters


gut

"Die Bibliothek meines Großvaters" war in Japan ein Bestseller und ist der Auftakt einer Trilogie.

Im Mittelpunkt stehen ein Großvater und seine Enkelin. Der Großvater leidet an Demenz, seine Enkelin kümmert sich um ihn. Er ist Krimiliebhaber und verfügt trotz seiner Erkrankung noch über eine bemerkenswerte Kombinationsgabe. Gemeinsam lösen sie mysteriöse Fälle, die Kaede in ihrem Alltag begegnen. Sie weiß: wenn sie jemand lösen kann, dann ihr Großvater! Doch plötzlich wird aus Freude und Zeitvertreib Ernst und gerät Kaede selbst in höchste Gefahr ...

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Ich lese gerne mal japanische Literatur; daher war ich sehr gespannt auf diesen neuen Autor und dieses Buch.

Die Geschichte liest sich angenehm flüssig, es ist typisch japanische Literatur. Und die Idee klang so gut - die Umsetzung gefiel mir aber leider nicht ganz.

Mich störte nicht mal so sehr, dass es hier nicht den einen großen Kriminalfall gibt, sondern es mehrere kleine Fälle sind, fast schon episodenhaft erzählt. Kaede und der Großvater lassen ihrer Fantasie freien Lauf bei der Lösung der Fälle, es sprudelt nur so aus ihnen heraus, wie es gewesen sein könnte, bevor dann die endgültige Lösung präsentiert wird. Es bleiben keine Fragen offen, und obwohl alles von Kaede und ihrem Großvater präsentiert wird, hat der Leser noch genug Zeit, um während des Lesens mitzuermitteln und zu -rätseln. Das gefiel mir. Andererseits wurden die Fälle für meinen Geschmack gleichzeitig schon zu schnell gelöst und wirkten leider auch ziemlich konstruiert.

Manche Figuren, v.a. den Großvater, fand ich toll. Andere blieben viel zu blass und distanziert. Das Hauptthema Demenz wurde sehr gut und berührend dargestellt. Andere Themen, etwa Kaedes Eltern betreffend, wurden leider nur kurz angekratzt. Hier fehlte mir jeweils Tiefe. Möglicherweise war das aber auch gewollt und gut, da, wenn man die Schicksale von Kaedes Eltern noch näher beleuchtet hätte, die Geschichte noch mehr an die Substanz gegangen wäre.

Leider wies die Geschichte dann irgendwann auch Längen auf, sodass ich mich stellenweise eher durch sie hindurchkämpfen musste.

Zum Ende hin wurde es dann immerhin noch sehr interessant und spannend, und es wird angedeutet, wie der zweite Band aussehen könnte.

Ich hatte erwartet, dass Bücher eine noch viel größere Rolle spielen würden. Insgesamt war es anders als erwartet und hatte ich auch mehr erwartet; daher werde ich die Folgebände wohl eher nicht lesen. Wer Krimis und v.a. Japan und seine Literatur aber wirklich liebt, dem könnte "Die Bibliothek meines Großvaters" aber dennoch gefallen.

Bewertung vom 23.08.2025
Johnson, Maureen

Death at Morning House


sehr gut

Marlowe hütet das Haus eines Professorenehepaares und darf sich auch dort aufhalten. Sie bringt ein Mädchen, in das sie verliebt ist, mit zum date in dieses Haus, und entzündet eine Kerze mit Petrichor-Duft, da Petrichor der Lieblingsduft dieses Mädchens ist.
Aufgrund eines Fabrikationsfehlers explodiert die Kerze jedoch, was zur Folge hat, dass das Haus nahezu komplett abbrennt. Jeder spricht über Marlowe, und das nicht in schöner Art und Weise ... natürlich will Marlowe nur noch weg. -Da kommt ein Ferienjob auf einer abgelegenen Insel gerade richtig!
Gemeinsam mit ein paar anderen Leuten in ihrem Alter soll sie Führungen durch eine alte, verfallene Villa anbieten, und auch dort wohnen.
Was gut klingt und beginnt, wird schnell düster, unheilvoll und im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich!
In den 1930er Jahren lebte dort der Arzt Phillip Ralston mit seinen (Adoptiv-)Kindern, seiner Frau und seiner Schwester sowie Angestellten. Eines Tages ereignete sich eine Tragödie, zwei der Kinder starben am selben Tag. Die übrige Familie verließ die Villa und die Insel sehr überstürzt und kehrte nie wieder zurück ...
Doch je mehr Marlowe und ihre KollegInnen während ihres Aufenthaltes nachforschen und herausfinden, desto klarer wird ihnen, dass das damals kein Unglücksfall bzw. keine Unglücksfälle, sondern Tötungsdelikte waren. -Und das Unheil nimmt erneut seinen Lauf ...
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Ich habe schon einige Bücher aus der Feder von Maureen Johnson, u.a. die Die Schatten von London-Reihe sowie die Ellingham-Academy-Reihe, gelesen und nur so verschlungen. So war ich sehr gespannt auf ihr neuestes Werk. Und die Erwartungen waren hoch, denn der Klappentext klang erneut großartig und perfekt für die kommende dunkle Jahreszeit.
Sprachlich sowie generell vom Stil her gefielen mir Maureen Johnsons frühere Werke, v.a. die Die Schatten von London-Reihe, leider deutlich besser. Ich hatte oftmals das Gefühl, dass "Death at Morning House" ziemlich simpel geschrieben ist. Das kann Maureen Johnson besser!
Während der ersten hundert Seiten war ich offen gestanden auch etwas gelangweilt. Zum Glück änderte sich das im weiteren Verlauf; es wurde schon bald darauf spannend. -So fesselnd und spannend, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte, weil ich unbedingt wissen wollte, was noch alles geschehen wird und was damals wirklich geschah. Die beiden Zeitebenen sorgten für eine zusätzliche Sogwirkung.
Insgesamt wirkte die Geschichte leider ziemlich konstruiert. Ein paar Figuren, die der Autorin wirklich gut gelungen sind, konnten das aber ausgleichen - ebenso wie die Liebesgeschichte zwischen diesen Mädchen, die ich wirklich toll fand und die mir sehr gut gefallen hat.
Und natürlich besticht "Death at Morning House" durch seine Kulisse und Atmosphäre!
Meine Nichte, die zur Hauptzielgruppe gehört, hat leider die selben Kritikpunkte, hat die Geschichte aber wie ich dennoch sehr gerne gelesen.
Fazit: "Death at Morning House" weist ein paar Schwächen auf, bietet aber eine für die kommende dunkle Jahreszeit perfekte Kulisse und Atmosphäre, ein paar wirklich gelungene Figuren und eine wirklich schöne Liebesgeschichte zweier Mädchen.
Gänsehaut, Spannung und Gefahr kommen nicht zu kurz. Es ist eine Geschichte, die sich flüssig liest und die man letztlich trotz der Kritikpunkte fast schon verschlingt.

Bewertung vom 07.08.2025
Allende, Isabel

Mein Name ist Emilia del Valle


schlecht

1866 wird Emilia del Valle in den USA geboren. Ihre Eltern sind eine irische Nonne und ein chilenischer Aristokrat, doch sie wächst in armen Verhältnissen bei ihrem Stiefvater auf, da ihre Eltern nicht miteinander vereiratet sind, sondern es nur ein Abenteuer war. Das Schreiben ist ihr Leben. Daneben spielen Männer eine große Rolle für sie. Mit einem von ihnen reist sie nach Chile, um über den Bürgerkrieg zu berichten.
Es geht also vor allem um Liebe und Familie, daneben um Dinge wie den Bürgerkrieg.
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Ich habe Isabel Allende früher sehr gerne gelesen, fand ihre letzten Romane aber so durchwachsen, dass ich ernsthaft überlegt habe, ob ich diese Autorin noch mal lesen möchte. Ich wollte es ein letztes Mal mit Emilia del Valle versuchen. -Nun steht für mich fest, dass dies mein letzter Roman von Isabel Allende war.
Den Schreibstil empfand ich erst als etwas anstrengend zu lesen, doch ich gewöhnte mich schnell daran, fand ihn dann sogar sehr gut.
Emilia ist auch eine faszinierende Figur. Ich kann also nur schwer erklären, was mir hier gefehlt hat, warum ich endgültig keine Lust mehr auf die Romane dieser Autorin habe.
Mal fand ich die Handlung fesselnd und spannend, aber meist war ich einfach nur gelangweilt, fand keinen rechten Zugang, habe Seiten nur noch überflogen. Ich gelangte immer mehr zu der Erkenntnis, dass ich dieses Buch nicht lesen will und muss.
Da es sich um kein Rezensionsexemplar handelte, habe ich mir irgendwann die Freiheit rausgenommen, das Buch abzubrechen.
Fans der Autorin werden den Roman wohl lieben, und auch Leser, die historische Romane mit starken Frauen im Mittelpunkt mögen, werden vielleicht Gefallen an "Mein Name ist Emilia del Valle" finden. Für mich war es leider nichts, obwohl ich historische Romane liebe und diese Autorin früher sehr gerne gelesen habe.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.08.2025
Collins, Tessa

Die Nelkentochter / Die Blumentöchter Bd.3


ausgezeichnet

"Die Nelkentochter" ist der dritte der insgesamt fünf Bände umfassenden Blumentöchter-Saga.
Nach Mexiko und Island ist nun Sri Lanka der Schauplatz. Im Mittelpunkt steht diesmal Lali. Lalis Mutter Isha hatte die Familie verlassen, als Lali noch klein war. Das Kind blieb beim Vater in England; Lalis Mutter ging zurück in ihre Heimat Sri Lanka, um dort die Teeplantage ihrer Familie fortzuführen.
Eines Tages beschließt Lali, nach Sri Lanka zu fliegen, um ihre Mutter zu suchen. Es ist eine Entscheidung, die nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das Leben ihrer Familie grundlegend verändert ...

Ich habe die ersten beiden Bände der Saga gelesen und fand sie ganz nett, jedoch waren es keine Highlights für mich. Daher hatte ich keine allzu hohen Erwartungen an diesen dritten Band, wollte ihn aber lesen, weil der Klappentext gut klang. -Und ich wurde sehr positiv überrascht!
Der Band lässt sich, obwohl er Teil einer Reihe ist, wie die anderen Bände auch unabhängig von dieser Reihe lesen.
Tessa Collins schreibt gewohnt gut, die Geschichte lässt sich sehr angenehm und flüssig lesen. Erzählt wird abwechselnd auf zwei Zeitebenen, was für Abwechslung, Spannung und eine gewisse Sogwirkung sorgt.
Die Geschichte ist gut recherchiert, die Figuren sind gelungen, die Handlung überzeugt. Es ist eine schöne, berührende Geschichte, die auch dadurch, dass ein Fluch auf den Frauen der Familie liegen soll, sehr spannend ist. Man fragt sich, wieso ein Fluch auf den Frauen dieser Familie liegen soll, welcher Art dieser Fluch ist, was mit den Frauen der Familie geschehen ist ... es ist sehr mysteriös und spannend und klärt sich erst nach und nach auf. Auch wegen dieser Spannung haben ich "Die Nelkentochter" sehr gerne gelesen und konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Auch die Teeplantage als Kulisse und die Atmosphäre dieser Geschichte haben mir sehr gut gefallen.
Schließlich überzeugt auch die Liebesgeschichte (es dürfte kein Geheimnis sein, dass am Ende dieses Bandes Lali ihr Glück in der Liebe findet, wie schon Dalia und Soley vor ihr), die einfach schön ist, ohne jemals kitschig zu werden.
Für mich ist es definitiv der bisher beste Band dieser Saga, den man allen Leserinnen, die dieses Genre und diese Saga mögen, nur empfehlen kann!

Bewertung vom 29.07.2025
Herzog, Katharina

Eine Prise Liebe / A Taste of Cornwall Bd.1


gut

Sophie ist eine höchst erfolgreiche Restaurantkritikerin, doch ihr Privatleben ist von Krisen gezeichnet. Dadurch beeinflusst, schreibt sie eine vernichtende Kritik über das Model Annabelle und deren neues Restaurant in London. Es folgen ein shitstorm und eine Beurlaubung durch den Sender. Um ihren Job zurückzubekommen, muss Sophie beweisen, dass sie es besser kann: Sie soll aus dem Smugglers´ Inn in einem kleinen Nest in Cornwall ein Sternerestaurant machen.
Wider Erwarten leben Sophie und ihre Tochter sowie ihre Mutter sich schnell ein und lernen diesen Ort kennen und lieben - nicht zuletzt wegen Lennox, dem ebenso guten wie attraktiven Koch ...
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Liebesromane sind nicht mein bevorzugtes Genre; ich bin hier sehr wählerisch, die meisten sind mir zu seicht, nur wenige, etwa Warte auf mich am Meer von Amy Neff, treffen meinen Geschmack.
Vorliegend hat mich vor allem der Schauplatz Cornwall gereizt, da ich England liebe.
Katharina Herzogs Stil lässt sich angenehm und flüssig lesen.
Es dauert knapp 100 Seiten, bis sie in Cornwall ankommen. Auf diese hätte ich verzichten können, das war zu sehr in die Länge gezogen, und gerade in dieser Anfangsphase wirkte der Roman auf mich ziemlich seicht und konnte mich nicht wirklich begeistern.
Mit der Ankunft in Cornwall änderte sich dies zum Glück.
Die Figuren können größtenteils überzeugen, die Geschichte ist durch die Kulisse schön atmosphärisch, wenngleich die Handlung mich nicht immer überzeugen konnte.
Gut gefallen hat mir, dass zwischendurch auch tiefgründigere Themen behandelt wurden und sich in diesem Auftaktband auch kleine Weisheiten finden. Dies hat den Roman aufgewertet.
Ansonsten ist die Geschichte aber leicht, wenn auch glücklicherweise nicht mehr wirklich seicht, und sehr vorhersehbar.
Besser wäre es gewesen, sich in diesem Band ganz auf Sophie und Lennox zu konzentrieren. Hier hat die Autorin zu schnell zu viel gewollt.
Dafür, dass es nicht mein Lieblingsgenre ist, wurde ich trotz der Kritikpunkte doch noch positiv überrascht und hätte mir vorstellen können, die Reihe weiterzuverfolgen. Allerdings wird Annabelle im Mittelpunkt des nächsten Bandes stehen. Ich mag diese Figur nicht, daher werde ich den zweiten Band wohl doch eher nicht lesen.
Fazit: Fing schwach an, wurde dann besser. Trotz der Kritikpunkte eine nette Geschichte, die einen nach Cornwall entführt und einem ein paar entspannte Lesestunden schenkt.
Leserinnen, die Liebesromane lieben, dürften "A Taste of Cornwall" lieben.

Bewertung vom 20.07.2025
Kelly, Julia R.

Das Geschenk des Meeres


sehr gut

Schottland im Winter des Jahres 1900: Ein Junge, mehr tot als lebendig, wird am Strand von Skerry angeschwemmt. Joseph, ein Fischer, bringt ihn ins Dorf. Die Dorfgemeinschaft traut ihren Augen kaum, denn der Junge sieht dem Sohn der Lehrerin Dorothy, der vor langer Zeit nachts das Haus verließ, zum Meer ging und nie wieder gesehen wurde, zum Verwechseln ähnlich.
Ausgerechnet bei ihr wird der Junge auch untergebracht, bis seine Herkunft geklärt bzw. seine Familie gefunden ist.
Schon damals gab es viele offene Fragen bezüglich Joseph und Dorothy, und nun holt die Vergangenheit sie wieder ein und wühlt alles wieder auf: Was hat Joseph mit Dorothy´s Kind zu tun? Was ist damals zwischen Joseph und Dorothy vorgefallen? Warum wurde kein Paar aus ihnen, obwohl das ganze Dorf wusste, dass sie die Liebe ihres Lebens füreinander waren? Und wer ist nun der Junge aus dem Meer?
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Das wunderschöne Cover und der Klappentext haben mich sofort für dieses Buch begeistert, ebenso wie die Tatsache, dass es aus dem mare-Verlag stammt - ich habe schon viele mare-Romane gelesen und wirklich alle geliebt; es war noch kein einziger auch noch ansatzweise schlechter Roman dabei. Der mare-Verlag gehört für mich zu den Romanen, bei denen man blind zugreifen kann und niemals enttäuscht wird.
Und ich wurde erneut nicht enttäuscht!
Julia R. Kelly hat mich mit ihrem Debüt absolut überzeugt und begeistert; sie gehört zu den Autorinnen, von denen ich definitiv mehr lesen möchte.
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen, Vergangenheit und Gegenwart, erzählt.
Ganz zu Beginn empfand ich den Stil der Autorin als etwas anstrengend zu lesen, doch es lohnt sich absolut, sich darauf einzulassen, denn man gewöhnt sich schnell daran, und er ist so schön, passend, poetisch.
Die Figuren sind absolut gelungen, die Kulisse passt perfekt zu dieser Geschichte, und diese Geschichte ist überaus atmosphärisch. Diese Atmosphäre gehört mit zu den Highlights für mich.
Wir lernen diese Menschen, allen voran Dorothy, Joseph und den Jungen, ihren Alltag, ihre Leben, genauestens kennen.
Es ist ein leiser Roman, der vor allem durch seine Figuren und seine Atmosphäre besticht. Stück für Stück setzt Julia R. Kelly das Puzzle zusammen. Sie schafft es, dass der Leser nach und nach das große Ganze sehen kann, ohne aber zu schnell zu viel zu verraten. So ist dieser Roman auf seine Weise auch spannend. Obwohl es ein leiser Roman ist, ist er auch psychologisch höchst spannend. Es ist auch einer dieser Romane, die wunderschön und tieftraurig und dramatisch zugleich sind. Und es ist auch einer dieser Romane, die man einerseits langsam lesen und genießen möchte, die man aber andererseits kaum noch aus der Hand legen kann.
Es ist die Geschichte dieser Menschen und dieses Dorfes, eine Geschichte von Liebe, Verlust und Trauer, die damalige Zeit und Gesellschaft, Opfer, Glück und Unglück, Eifersucht und Intrigen, Genießen und Sehnen, Reue, aber auch Bewältigung und Neuanfang, Vergebung, Zusammenhalt, Gemeinschaft.
"Das Geschenk des Meeres" ist wie alle bisher gelesenen Bücher aus dem mare-Verlag großartig und absolut lesenswert!

Bewertung vom 06.07.2025
Strohmeyer, Anette

Die Frau und der Fjord


sehr gut

In das wunderschöne Cover hatte ich mich sofort verliebt, und dieser einsame Fjord als Kulisse gefiel mir außerordentlich gut.
Nach dem Tod ihres Mannes braucht die Geologin Gro Kristjánsdóttir einen Neuanfang, und sie findet ihn hier. Sie braucht und schätzt die Einsamkeit, nur umgeben von Tieren und Natur. Doch eines Tages muss sie den Fischer Jens retten. Sollte sie sich wirklich wieder verlieben können?
Doch da sind auch noch ehemalige Kollegen, die nach Öl suchen. Und plötzlich ist Gros neue Heimat in Gefahr ...
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Anette Strohmeyers Stil lässt sich angenehm lesen und ist ebenso schön wie dieser Fjord.
Der Fjord steht im Mittelpunkt des Romans, ebenso wie Gro, ihr bisheriges Leben, ihre Gedanken und Gefühle, ihr Leben am Fjord, in diesem kleinen Häuschen, durch die Jahreszeiten hinweg, umgeben von Tieren und Natur, ihre Trauer, aber auch die Menschen am Fjord und ihr Herz, das sich langsam wieder öffnet, sowie der Fischer Jens ...
Insgesamt habe ich "Die Frau und der Fjord" sehr gerne gelesen. Die Kulisse und die Atmosphäre waren einfach wundervoll. Die Figuren, allen voran Gro, sind Anette Strohmeyer großartig gelungen.
Und durch eine unerwartete Entwicklung wurde der Roman bzgl. der Suche nach Öl auch noch spannender als erwartet.
Einzig die Vorgeschichte bzgl. des Todes ihres Mann/die Auseinandersetzungen mit deren Mutter waren mir persönlich zu detailliert beschrieben und zu sehr ausgebreitet. An den betreffenden Stellen empfand ich den Roman als allzu schwermütig, erdrückend, fast schon unangenehm zu lesen. Daher bleibt er für mich leider unter der Höchstbewertung.
Davon abgesehen ist "Die Frau und der Fjord" aber trotz der Thematik/der Trauer, die im Mittelpunkt steht, ein wunderschöner, absolut lesenswerter Roman!

Bewertung vom 05.07.2025
Rebanks, Helen

Die Frau des Farmers


weniger gut

Ich liebe England und hatte mich sofort in Cover und Klappentext dieses Buches verliebt. Etwas aus dem Leben einer englischen Bäuerin zu erfahren, die eigentlich nie Bäuerin werden wollte, es dann aber doch wurde, etwas über ihre Rolle zu erfahren, ihren Alltag, ihre Geschichte ... das klang sehr interessant. Besonders gereizt hat mich, dass auch Familienrezepte enthalten sind, da ich sehr gerne koche und backe und sehr gerne neue Rezepte entdecke.
Die Erwartungen an "Die Frau des Farmers" waren also hoch. Leider ist es rückblickend für mich ein mittelmäßiges Buch.
Rebanks Stil gefiel mir, las sich gut; allerdings werden Dinge, v.a. die Geschichte, die Dinge, die in der Vergangenheit liegen, viel zu detaillert und dadurch langatmig und ermüdend erzählt. Dadurch entstehen leider viele Längen, die mir die Lust an der Lektüre verleideten und dazu führten, dass ich mich oftmals etwas "durchkämpfen" musste.
Bei den Rezepten ist für jeden Geschmack etwas dabei, wobei mich persönlich besonders die süßen Rezepte ansprechen. Ich backe gerade nach und nach Ingwerkekse, Shortbread, Kaffeekuchen, Schokoladenkuchen und Scones nach. Wenn die alle überzeugen können, wird das Buch sicher seinen Platz in meiner Küche finden.
Das führt mich aber leider zum nächsten Kritikpunkt: Ich hätte mir für dieses Buch ein anderes, größeres Format gewünscht. Denn so ist es sehr schwierig, das Buch in der Küche aufgeschlagen liegen zu haben, ohne dass es wieder zuklappt, wenn man Rezepte testen möchte. Ich hatte mir das Buch etwas größer vorgestellt.
Fazit: Für mich ein leider etwas enttäuschendes Buch. Am ehesten lohnt sich dieses Buch für mich noch wegen der süßen Rezepte, doch die hohen Erwartungen wurden ansonsten leider sehr enttäuscht.

Bewertung vom 28.06.2025
Hermanson, Marie

Im Finsterwald


sehr gut

"Im Finsterwald" ist der dritte Band einer Reihe, der sich jedoch problemlos auch ohne Kenntnis der ersten beiden Bände lesen lässt.

Der Krimi spielt im Göteborg des Jahres 1926. Ein Kindermädchen macht mit den Kindern einen Ausflug ins Naturhistorische Museum. Hier verschwindet plötzlich die neunjährige Alice. Die Polizei ermittelt. Es gibt einige Verdächtige. Und dann ist da noch das Museum selbst mitsamt seiner Exponate, das Gänsehaut auslöst und Rätsel aufgibt ... Was geschah mit Alice?

"Die Pestinsel" liegt noch auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Ich hatte mich bislang nicht so recht an das Buch herangetraut, dachte, dass es mir vielleicht allzu düster sein könnte. Doch "Im Finsterwald" hat mir so gut gefallen, dass ich nun auch "Die Pestinsel" unbedingt lesen möchte.
Auch die Sorge bzgl. der noch nicht gelesenen Vorgängerbände war unbegründet; "Im Finsterwald" lässt sich definitiv und problemlos auch ohne Kenntnis der ersten beiden Bände lesen, es ist ein in sich abgeschlossener Kriminalroman.
Der Stil der Autorin gefiel mir auf Anhieb sehr gut, das Werk ist sehr authentisch und atmosphärisch.
Das Museum als Schauplatz und die düstere, mysteriöse, unheilvolle Grundstimmung gefielen mir ebenfalls extrem gut.
Überwiegend ist es ein klassischer, historischer Kriminalroman, aber stellenweise erinnert es an ein düsteres Märchen, stellenweise verschwimmen deutlich die Grenzen zwischen Realität und Illusion.
Auch die Figuren sind gelungen. Hermanson versteht es, die Spannung aufrechtzuerhalten und kontinuierlich zu steigern. Die Figuren und die Verdächtigen bleiben mysteriös, das Puzzle setzt sich nur ganz langsam zusammen, es wird aber niemals zu viel preisgegeben, sodass der Leser bis zuletzt nicht auf die Lösung des Falles kommt. Es ist ein Fall, dessen Auflösung alles andere als vorhersehbar, sondern sehr überraschend ist. Ich hatte, was den Täter betrifft, die betreffende Figur überhaupt nicht im Kopf, da Hermanson geschickt falsche Fährten gelegt hat.
Ich konnte mich der Sogwirkung nicht mehr entziehen und konnte "Im Finsterwald" nicht mehr aus der Hand legen, weil es so spannend war.
Fazit: "Im Finsterwald" ist perfekt für alle, die einen klassischen, authentischen und atmosphärischen Kriminalroman, der spannend, fesselnd, düster und mysteriös ist, suchen.

Bewertung vom 19.06.2025
Peters, Amanda

Beeren pflücken


sehr gut

Im Sommer 1962 betätigt sich eine Mi'kmaq-Familie aus Nova Scotia in Maine als Beerenpflücker. Die vierjährige Tochter Ruthie wird zuletzt von ihrem Bruder auf einem Stein am Rand des Beerenfeldes gesehen, verschwindet dann spurlos. Die Suche bleibt erfolglos.
Währenddessen wächst ebenfalls in Maine ein Mädchen namens Norma überbehütet in einer wohlhabenden Familie auf. Sie träumt viel -Erinnerungen oder Wahn?-, sie ahnt, dass ihre Eltern etwas vor ihr verbergen ...
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Ich fand den Klappentext sehr interessant, und da es sich zudem um einen Bestseller aus Kanada handelt, wollte ich diesen Roman unbedingt lesen. Die Erwartungen waren also hoch. Leider wurden sie etwas enttäuscht. Das Potenzial war definitiv da, doch die Autorin hat es leider nicht ganz ausgeschöpft.
Sprachlich hat mir Beeren pflücken gut gefallen, auch ist die Geschichte schön atmosphärisch erzählt.
Es ist ein steter Wechsel aus Vergangenheit und Gegenwart, aus den Menschen und dem Leben beider Familien, über fast fünf Jahrzehnte hinweg. Eigentlich genug, um für viel Lesefluss und Sogwirkung zu sorgen ... doch mir war diese Geschichte viel zu schnell viel zu vorhersehbar. Auch die Figuren konnten mich nicht vollends überzeugen; so ist es bspw. absolut nicht nachvollziehbar, dass und weshalb Norma sich mit den halbherzigen Erklärungen oder vielmehr Ausflüchten von Leonore abspeisen lässt und zufrieden gibt, warum sie nicht den Wunsch hat, ihre wahre Familie zu finden, und etwas unternimmt. Auch ihre Reaktion, als sie dann irgendwann endlich erfährt, was wirklich Sache ist, überzeugte mich überhaupt nicht.
Ich habe den Roman dennoch gerne gelesen und würde ihn durchaus auch empfehlen - aber das erhoffte Highlight war er leider nicht.