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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Tina
Wohnort: Herne
Über mich: Ich liebe generell spannende Lektüre - egal ob Krimi oder Thriller. Ich blogge darüber auf meiner Seite https://tinas-buch-rezensionen.de


Bewertungen

Insgesamt 15 Bewertungen
12
Bewertung vom 16.07.2019
Der Pakt - Bis dass der Tod uns scheidet
Richmond, Michelle

Der Pakt - Bis dass der Tod uns scheidet


gut

Alice ist Anwältin in einer großen Kanzlei, Jack ist Psychotherapeut und hat mit zwei Kollegen gemeinsam eine Praxis. Dadurch haben beide immer mal wieder mit Menschen zu tun, deren Ehe nicht allzu gut funktioniert, für sich und ihre Ehe haben sie etwas besseres vor.

Blind
Vollkommen blind und ohne auch nur einen winzigen Gedanken an die Verpflichtungen und deren Nachteile zu verschwenden, unterschrieben zwei intelligente junge Menschen einen merkwürdigen Pakt. Das ist sicher einerseits sehr weit an der Realität vorbei - aber mit ähnlichen Maschen ködern jede Menge Sekten ihre Mitglieder,

Strafe
Der Club, zu dem sie fortan gehören möchten, versteht sich als Unterstützungssystem für Ehepaare. In den Verträgen, die Jack und Alice ganz bereitwillig und unbesehen unterschrieben haben, wird jeder Kleinigkeit und jede Regel festgelegt. Verstößt man gegen die Regeln, wird man bestraft. Die Mitglieder müssen die jeweilige Strafe in ihren Alltag integrieren - was gelegentlich auch ein bisschen witzig anmutet.

Drakonisch
Diesen Passus nehmen beide zuerst gar nicht so recht ernst. Aber sehr schnell müssen sie erkennen, dass sie das Regelwerk nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten. Sie haben sich einer Art Sekte oder Kult angeschlossen und müssen schnell lernen, das Bestrafungen auch sehr drakonisch und ebenso fantasievoll sein können. Allerdings bleibt das Geschehen weitestgehend unblutig, ist aber dennoch sehr beängstigend und bedrückend beschrieben.

Beschützerinstinkt
Jake versucht immer wieder, den Fokus der Gruppe auf sich zu ziehen und so Alice zu beschützen. Aber natürlich begibt er sich dadurch immer weiter in Gefahr und spielt dabei durchaus mit seinem Leben. Er versucht krampfhaft einen Ausweg aus diesem Pakt zu finden, findet aber nur heraus, dass noch nie ein Mitglied lebend den Club verlassen hat. Keine guten Aussichten für die beiden ...

Mein Fazit:
Der Pakt - Bis dass der Tod uns scheidet ist für mich nicht wirklich ein Thriller, dafür gibt es zuwenig Wendungen und der Thrill hält sich stark in Grenzen. Aber es ist eine wirklich spannende Geschichte, die es auf jeden Fall wert ist, gelesen zu werden.

Bewertung vom 13.07.2019
Voodoo Berlin
Gallert, Peter; Reiter, Jörg

Voodoo Berlin


gut

Ein Dealer wird grausam mit einer Machete ermordet und der Täter hackt ihm auch noch die Zunge und die Hände ab. Soll das Ganze als Warnung an andere Dealer verstanden werden? Hat er was gesagt oder getan, was er nicht hätte sagen oder tun dürfen? Oder geht es hier um etwas ganz anderes? Vielleicht ein Ritualmord? Der Beginn einer grausigen Mordserie? Heiko Brandt und seine Kollegin Zehra Erbay ermitteln in dem Fall und stoßen auf erschreckende Dinge…

Mein Eindruck:
Es gibt Dinge, die sind so erschreckend, das ich sie mir nicht mal vorstellen möchte - aber sie sind real.

Erschreckend
Der Einstieg in Voodoo Berlin ist so erschreckend und widerwärtig, weil es so real ist. An einem afrikanischen Mädchen wird eine sogenannte Mädchenbeschneidung, also eine Genitalverstümmelung, vorgenommen. Das erste mal habe ich in dem Buch Wüstenblume vor vielen Jahren darüber gelesen und ich war heute genauso geschockt, angeekelt und wütend wie damals, wie man jemandem, noch dazu einem Kind, so etwas antun kann.

SOKO
Danach geht es mit dem “Sonderkommissariat für Tötungsdelikte mit fremdkulturellen Hintergrund” und den Ermittlern Brand und Erbay. Ein Sonderkommissariat mit einem derart sperrigen, aber irgendwie typisch deutschen, Namen gibt es hoffentlich nicht wirklich. Allerdings hoffe ich das auch ein bisschen was die beiden Ermittler angeht. Ich würde jedenfalls mit beiden nicht so gern zusammenarbeiten. Ich finde Polizeiarbeit ist Teamwork - davon haben beide keine Ahnung.

Klischees
Verschrobene, eigenbrötlerische und irgendwie vorgeschädigt Ermittler sind in - weiß ich. Aber diese beiden nerven mich mit ihren Marotten und Eigenarten schon ziemlich. Mich von den beiden durch das Flüchtlingselend und durch die offenbar recht große afrikanische Community Berlins, sowie die Voodoo-Szene mit ihren Priestern steuern zu lassen fand ich recht schwierig. Ich fand das alles schon sehr klischeehaft, aber vor allem fand ich einiges recht unglaubwürdig - was in einer fiktiven Geschichte ja passen würde.

Krimiplot
Der eigentliche Krimiplot ist auf jeden Fall gut konstruiert und hatte viel Potential, was aber meiner Meinung nach überhaupt nicht ausgeschöpft wurde. Immer wieder geriet der Kriminalfall in den Hintergrund, weil sich entweder die Ermittler irgendwie profilieren mussten oder weil es mal wieder Zeit für eine Runde, meiner Meinung nach, sehr klischeebehafteter Sozialkritik war. Das Ende der Story ist dann auch recht bitter - passt aber zur vorangegangenen Geschichte.

Mein Fazit:
Voodoo Berlin ist eine durchaus spannende Geschichte mit sehr viel Potential, das aber meiner Meinung nach nicht Mal zur Hälfte ausgeschöpft wird. Schade drum, aber meins war das Buch leider nicht.

Bewertung vom 11.07.2019
Nebelspiel / Detective Inspector Ellen Kelly Bd.1
Bugler, Sheila

Nebelspiel / Detective Inspector Ellen Kelly Bd.1


sehr gut

Die zehnjährige Jodie Hudson wird auf dem Weg zur Schule entführt. Auf dem Gehweg bleibt lediglich ihr Ranzen, Hefte und Schulbücher zurück. Ein Maschinerie an Maßnahmen wie Zeugenbefragungen und Presseerklärungen laufen an und als erstes Gerät der Stiefvater, Kevin Hudson in den Fokus der Ermittler. Er ist arbeitslos, vorbestraft und hat kein Alibi - aber ist er auch der Täter?

Mein Eindruck:
Wenn es um Kinder geht, werde ich immer empfindlich

Rückkehr
Die Ermittlerin Ellen Kelly ist gerade erst wieder in den Dienst zurückgekehrt. Sie hatte in ihrem letzten Fall den Täter erschossen und war dann erstmal freigestellt worden und das Buch beginnt auch mit ihrer psychologischen Beurteilung durch den psychologischen Dienst der Polizeibehörde. Allerdings hat sie durchaus noch mehr Baustellen in ihrem Leben, die ihr Probleme bereiten.

Alkohol
All diese Probleme und den steigenden Druck den sie sowohl dienstlich als auch privat hat versucht sie am Abend mit Alkohol zu bekämpfen. Wie das so ist - aus einem Glas zum Einschlafen werden zwei, irgendwann wird es eine Flasche und dann reicht auch das nicht mehr aus. Das alles hat aber eben auch Auswirkungen auf ihren Beruf und auch auf ihr privates Umfeld.

Entführungsfall
Damit die eigentliche Hauptperson dieses Thrillers, die kleine Jodie Hudson - wir erinnern uns, sie wurde auf dem Schulweg entführt - nicht ganz in Vergessenheit gerät gibt es immer wieder Passagen mit der Tätersicht. Aber es gibt auch die sichtweise der kleinen Jodie, die mich am meisten berührt hat und mir immer wieder Gänsehaut beschert hat.

Unsympathisch
Zu ihrer Ehrenrettung startet Ellen Kelly dann doch mit ihren Ermittlungen durch, setzt sich über Befehle ihrer Vorgesetzten hinweg, findet eine Verbindung zu einem alten Fall und dadurch am Ende dann auch den Täter. Leider war mir Ellen Kelly, bei allem Verständnis für ihre privaten Probleme, recht unsympathisch - was mir wiederum ein bisschen den Handlungsstrang mit den Ermittlungen vermieste.

Geschickt
Aber abgesehen von meine ganz persönlichen Vorlieben, ist Nebelspiel ein gut konstruierter und psychologisch geschickt durchdachter Thriller. Es gibt reichlich Einblicke in die kranke Täterseele, aber eben auch in die Gefühlswelt des Opfers. Letzteres kommt mir immer ein bisschen zu kurz in den meisten Büchern dieser Art - wie auch oft in der Realität, wo das Opfer in Gerichtsverfahren gerne mal einfach hinten runter fällt und sich niemand mehr darum kümmert.

Mein Fazit:
Nebelspiel ist ein spannender Thriller, der nach allen Regeln der psychologischen Kunst seinen Lesern durchaus Albträume bereiten kann. Mich haben die ausufernden Probleme der Ermittlerin etwas genervt, so dass ich mir noch nicht sicher bin, ob ich mir den zweiten Band der Reihe auch noch kaufe. Wer übrigens empfindlich ist, wenn es um Kinder in Thrillern geht, sollte Nebelspiel besser meiden.

Bewertung vom 06.07.2019
Schattenmord
Dorricott, Fran

Schattenmord


sehr gut

Gleich zu Beginn begleitet man die kleine Olive Warren an jenem schicksalhaften Tag im August 1999. Als erwachsener Leser merkt man schnell, worauf alles hinausläuft was sie erlebt und möchte die Kleine schütteln und warnen, aber natürlich weiß man längst, dass es dazu zu spät ist. Sie verschwindet spurlos und lässt ihre Schwester mitsamt der restlichen Familie sprachlos und schuldbewusst zurück.

Gegenwart
Dann wechselt die Geschichte zur erwachsenen Cassie, die mittlerweile in dem kleinen Ort Bishop's Green lebt und ihre demente Großmutter versorgt. Sie versucht ihr Bestes, aber es ist nicht gerade einfach für sie. Dazu kommt, dass der Verlust ihres Jobs als Reporterin, der eigentlich der Grund war, dass sie wieder hier war, ihr immer noch schwer zusetzt. Außerdem ist kurz vor ihrem Umzug die Partnerschaft mit ihrer Freundin zerbrochen.

Eindringlich
Eindringlich und sehr einfühlsam führt Fran Dorricott mir nach und nach vor, dass beinahe jeder in Bishop's Green der Täter sein könnte. Gerade weil die Einwohner sich untereinander so gut kennen, traut man seinem Nachbarn, seinem Fußballfreund oder seinem Squashpartner so etwas nicht zu. Ein bisschen erinnert mich die Geschichte an Broadchurch - eine Serie, die ich geliebt habe.

Zeitenwechsel
Die Kapitel wechseln immer mal wieder in die Vergangenheit und ich bekomme dadurch einen kleinen Einblick in Olives und Cassies Leben als Kinder. Ich lerne beide Kinder als sehr eigenständige, unterschiedliche Persönlichkeiten kennen und frage mich manchmal, was wohl aus Oliv geworden wäre, hätte man sie nicht entführt. Oder aus Cassie, hätte sei nicht zeitlebens mit diesen Schuldgefühlen zu kämpfen gehabt.

Gemeindeleben
Viel wichtiger oder spannender als am Ende die Auflösung dessen, was passiert ist fand ich die Einblicke in das “Gemeindeleben” der kleinen Stadt. Ich wurde beim Lesen beinahe ein bisschen paranoid und fieberte mit Cassie mit, wer denn nun hinter all den schrecklichen Dingen steckte. Allerdings fehlten mir dann gerade am Ende einige Antworten oder Erklärungen, die aber wohl ganz bewusst nicht gegeben werden.

Mein Fazit:
Schattenmord ist spannende, mitreißende Geschichte, die immer wieder durch diverse Wendungen glänzt. Wer auf etwas subtilere Erzählweisen steht, der sollte sich Schattenmord auf keinen Fall entgehen lassen.

Bewertung vom 04.07.2019
Ausgezählt / Atlee Pine Bd.1
Baldacci, David

Ausgezählt / Atlee Pine Bd.1


sehr gut

Atlee Pine ist in Georgia, genauer gesagt in Andersonville, aufgewachsen. Ihre Kindheit war vielleicht nicht ganz einfach, aber letztlich bestimmte ein schreckliches Ereignis ihre gesamte Erinnerung daran. Im Sommer 1989 entführte jemand ihre Schwester Mercy und ließ sie selbst - mehr tot als lebendig - zurück. Seither wird sie vom Überlebensschuld-Syndrom geplagt.

Fragen
Auf der Suche nach Antworten hat sie sich ewig lange mit den Einzelheiten der Entführung beschäftigt und dank einer speziellen psychologischen Befragung, die ihr ihre Erinnerungen an den Entführer wieder aufgefrischt hat will sie dem Entführer nun gegenübertreten. Daniel James Tor ist ein manipulativer Narzisst, der zwar im Gefängnis mit ihr spricht, aber die Antworten auf ihre Fragen bleibt er ihr schuldig.

Identitäten
Aber erst einmal muss sie ihre persönlichen Dingen beiseite lassen und sich um einen verschwundenen Wanderer in ihrem Bezirk kümmern. In dem Fall gibt es einige Ungereimtheiten und ziemlich schnell stellt Atlee fest, dass die verschwundene Person nicht der war, als der er sich ausgeben hat. Als sie seiner tatsächlichen Identität immer näher kommt, wird sie plötzlich zurückgepfiffen - aber so schnell lässt sich Atlee Pine nicht stoppen.

Roadtrip
Sie nutzt ihren ihr noch zustehenden Urlaub um auf eigene Faust zu ermitteln. Unerwartet hilft ihr Carol Blum, die abenteuerlustige Sekretärin in der unscheinbaren FBI-Zentrale. Ab hier entwickelt sich dann ein herrlicher, actiongeladenen, durchaus manchmal auch humorvoller, Roadtrip. Die beiden Frauen kommen sich in vielen Gesprächen näher und lernen nicht nur einander zu vertrauen, sondern auch voneinander zu profitieren. Ihre sehr unterschiedlichen Fertigkeiten und Erfahrungen machen sie gemeinsam zu einem großartigen Team.

Prügel
Mit Atlee Pine hat David Baldacci eine neue. wie ich finde, wunderbare Protagonistin auf die Bühne gestellt. Sie ist außergewöhnlich athletisch, beherrscht diverse Kampfsportarten - trotzdem bekommt sie oft genug auch reichlich Prügel ab und sieht dann auch sehr verprügelt aus :-) Aber sie verliert nie ihre sehr eigene Hartnäckigkeit, mit der sie ein Ziel verfolgt, egal, was sie auf dem Weg dahin einstecken muss.

Handwerk
Einmal mehr beweist David Baldacci dass er sein Handwerk virtuos beherrscht. Protagonisten und Antagonisten sind clever beschrieben, das Tempo ist rasant - aber es gibt auch immer wirder ruhige Momente zum Ausruhen. Reichlich falsche Fährten halten das Interesse und die Spannung hoch und am Ende wird die Welt - oder zumindest die USA - gerettet. Ich warte jetzt auf jeden Fall ganz begierig auf die Fortsetzung…

Mein Fazit:
Ausgezählt ist ein spannender, temporeicher Thriller mit einigen spannenden Wendungen, falschen Fährten und einer überraschenden Lösung. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich die Freundschaft von Atlee und Carol weiterentwickelt und was für eine Katastrophe sie im nächsten Band verhindern.

Bewertung vom 02.07.2019
Der Präparator
Omer, Mike

Der Präparator


sehr gut

Die Geschichte beginnt mit einem Einblick in die Gefühlswelt des Täters. Er bereitet gerade die Einbalsamierung seines nächsten, zu dem Zeitpunkt aber noch lebendem, Opfers vor. Ich finde es immer wieder erschreckend, aber eben auch spannend, quasi neben dem Täter zu stehen und an seinen Gedanken teilzuhaben. Die allereletzten Details dessen, was er tut, bleiben mir dieses Mal aber mehr oder weniger erspart.

Altbekanntes
Danach folgt dann leider erst mal ein Sammelsurium an Banalitäten und Altbekanntem. Ich werde Zeuge von Zoes eher unspektakulären, etwas chaotischem Leben. Sie hat, wie zig andere fiktive Ermittler, eine sehr traumatische Vergangenheit, ist, ebenfalls wie eine ganze Reihe anderer genialer Ermittler, außerhalb ihres Jobs kaum überlebensfähig und ihre sozialen Kompetenzen tendieren gen Null - auch dass kennt man zur Genüge.

Bones
Auch das Zusammentreffen mit Special Agent Tatum Grey ist genauso, wie ich es mir anhand des Klappentextes vorgestellt hatte. Ein bisschen mehr Überraschendes, mehr Extravagantes, mehr Pfiff wären hier nicht schlecht gewesen. So erinnerten die beiden mich unweigerlich an das Duo Brennan/Booth aus der Fernsehserie “Bones”, an die man aber für mich nur schwer heranreicht. Sogar das obligatorische Buch soll geschrieben werden, wie man am Ende erfährt.

Spannend
In der zweiten Buchhälfte wurde es dann aber endlich doch spannend und das dann sogar ganz außergewöhnlich. Hier beschäftigt sich Mike Omer dann wieder mehr mit den Taten, dem Täter und den Opfern. Dabei zeigt sich dann auch das erzählerische Können des Autors und ab hier konnte ich das Buch dann auch kaum aus der Hand legen. Das Ende ist dann eine ziemliche Überraschung, aber dennoch logisch nachvollziehbar und hat mich mit der eher langatmigen erst Hälfte versöhnt.

Mein Fazit:
Der Präparator ist ein spannendes Buch, wenn auch erst ab der zweiten Hälfte. Ein bisschen viel Ähnlichkeiten mit anderen Geschichten und Protagonisten - aber vielleicht macht der Autor sich ja in der Fortsetzung ein bisschen frei von den Stereotypen und erzählt eine ganz eigene Geschichte. Mich würde es freuen und es ist jede Menge Potential da.

Bewertung vom 29.06.2019
Die kalten Sekunden
Mróz, Remigiusz

Die kalten Sekunden


ausgezeichnet

Vor 10 Jahren brach Damian Werners Welt zusammen. Nach einem ausgelassenen Abend, an dem er seiner Freundin Ewa einen Heiratsantrag gemacht hatte, wurde das junge Paar brutal überfallen. Fünf Männer schlugen Damian bewusstlos, vergewaltigten Ewa und entführten sie irgendwohin, wo sie nie gefunden wurde. Bis heute, denn Damian hat ein Bild von Ewa auf einem Social-Media Kanal entdeckt. Sie ist zwar etwas älter geworden, aber auf dem Bild ist eindeutigs Damians Jugendliebe zu sehen - und das Bild ist ganz in seiner Nähe aufgenommen worden

Mein Eindruck:
Gewalt ist etwas, was allgegenwärtig ist

Erkennen
Nachdem Damian Ewas Bild, das nur einen Tag zuvor ganz in seiner Nähe entstanden ist, auf einem Social-Media-Kanal entdeckt hat hat er keine ruhige Minute mehr. Was ist mit seiner Verlobten passiert? Warum meldet sie sich nicht, obwohl sie offenbar in seiner Nähe ist? Sein Freund überzeugt ihn, einen Privatdetektiv zu beauftragen, um Ewa zu finden. Ab hier entwickeln sich dann zwei ganz unterschiedliche Handlungsstränge.

Vergangenheit
Der eine Teil dreht sich natürlich um Ewa, deren Bild gar nicht so zufällig aufgetaucht ist. Offenbar versucht sie Damian auf diesem Weg etwas mitzuteilen. Um das Rätsel zu lösen muss Damian aber auch tief in Ewas Vergangenheit eintauchen, denn Ihre Vergangenheit birgt den Schlüssel für das, was geschehen ist.

Gewalt
Der andere Teil der Geschichte dreht sich um Kassandra Reimann, der Ehefrau des Privatdetektivs der nach Ewa sucht. Dieser Teil quillt über von Beleidigungen, Drohungen, Schlägen und Vergewaltigungen, denen Kassandra in ihrer Ehe ausgesetzt ist. Das Wissen darum, dass es heute immer noch in ganz vielen Ehen so brutal zugeht macht die Geschichte um so bestürzender.

Fragen
Während der eine Teil des Buches sehr spannend ist und der andere wirklich tief verstörend ist, gibt es auch ein paar kleinere Ungereimtheiten im Verlauf des Buches, die mich aber nicht so sehr gestört haben. Auch das Ende lässt mich mit diversen Fragen zurück, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das nicht genauso beabsichtigt ist. In seiner Gesamtheit fand ich Die kalten Sekunden sehr spannend und, trotz der meistens sehr rohen Gewaltszenen, gut zu lesen.

Mein Fazit:
Die kalten Sekunden ist ein ausgesprochen spannender Thriller, der allerdings mit reichlich expliziter Gewalt gespickt ist und sich oft erstaunlich nah an der Realität bewegt. Für zarte Gemüter ist er also nur bedingt geeignet

Bewertung vom 27.06.2019
Nadelherz / Hall & Hellstern Bd.3
Corbin, Julia

Nadelherz / Hall & Hellstern Bd.3


ausgezeichnet

Die Geschichte startet gleich mit sehr viel Tempo, dass eigentlich auch über die ganze Geschichte hinweg gehalten wird. Gelegentliche kleine Atempausen verschafft mir ein bisschen das komplizierte Privatleben von Karen Hellstern, für das ich wohl doch besser die beiden Vorgänger-Romane gelesen hätte.

Vorgeschichte
Gleich zu Beginn wird man mitten in die Handlung geworfen und dadurch ergeht es mir nicht anders als den Ermittlern: Ich bin überrascht, entsetzt und wahnsinnig neugierig :-) Eher nebenbei erfahre ich etwas über die Vorgeschichte von Tessa und wie sie seinerzeit gefunden wurde. Aber es gibt auch eine weiter Quelle für Informationen über die Entführung.

Rückblenden
Ein Teil des Romans wird von den Rückblenden zu dieser Entführung beherrscht, die mir wirklich zwischenzeitlich das Blut in den Adern gefrieren lassen. Nicht nur, wegen der sadistischen Dinge, die sich der Entführer hat einfallen lassen, sondern eben auch wegen dem Einfluss, den er dadurch mehr und mehr bei den beiden jungen Frauen erlangt. Sich vorzustellen, was die beiden erlitten haben, macht beinahe sprachlos.

Aktuelles
Ein anderer Teil von Nadelherz befasst sich mit dem Schicksal der Frauen, die gerade aktuell entführt wurden und deren Herzen der Täter per Post an Tessa verschickt. Auch hier geht es grausam und sadistisch zu, es gibt reichlich blutíge Szenen und auch deren Leiden macht fassungslos - für zarte Gemüter ist Nadelherz wohl eher nicht geeignet.

Dramatis personae
Das Team rund um Alexis Hall macht einen guten Job, kann aber erst einmal weitere Opfer nicht verhindern. Es ist ein bisschen schwer, sich in der Vielzahl der Personen zurechtzufinden, aber dank eines Personenindex gleich zu Beginn kann ich Kollegen, die nicht so häufig auftauchen, nachschlagen. Ich mag solche kleinen Aufmerksamkeiten, vor allem da ich die ersten beiden Bände ja nicht kenne.

Spannend
Ich fand Nadelherz ausgesprochen spannend ausgedacht, sehr mitreißend geschrieben und das Ende brachte mich schon ein bisschen an der Rand eines Herzinfarktes. Aber nur ein bisschen, also alles gut :-) Ein paar Dinge aus den Hintergründen beschäftigen mich ja nun doch noch, also werde ich mir wohl auch die ersten beiden Bände irgendwann noch holen müssen

Mein Fazit:
Nadelherz ist ein spannend ausgedachter und wahnsinnig mitreißend geschriebener, temporeicher Thriller. Er ist schon recht brutal und blutig, also eher nichts für empfindliche Leser. Mir hat er ausgesprochen gut gefallen und ich freu mich jetzt schon auf eine Fortsetzung.

Bewertung vom 20.06.2019
Spanischer Totentanz / Barcelona-Krimi Bd.2
Ferrera, Catalina

Spanischer Totentanz / Barcelona-Krimi Bd.2


sehr gut

Karl Lindberg und Alex Diaz sind die beiden Hauptakteure des Buches. Sie sind recht unterschiedlich, nicht immer einer Meinung - aber grundsätzlich sind sie einander freundschaftlich zugetan. Ihre familiären Bande, sie sind verschwägert, sind dabei sicher hilfreich. Erfreulicherweise haben beide keine tiefen psychischen Traumata, sondern kämpfen einfach nur mit den alltäglichen Problemen.

Nebenstrang
Der eigentliche Kriminalfall ist spannend und er wird vor allem sehr spannend erzählt. Trotz relativ geradliniger Ermittlungen gibt es immer wieder kleine Wendungen und Überraschungen, die die Spannungskurve kontinuierlich hoch halten. Auch eine kleiner, aber überaus spannender, Nebenstrang sorgt dafür, dass das Interesse hoch gehalten wird. Das Ende gestaltet sich dann eher logisch als atemberaubend und passt somit wunderbar zur gesamten Geschichte.

Mischung
Die gesamte Geschichte lebt von einer guten Mischung aus sympathischen Protagonisten, einer eindrucksvollen Stadt als Kulisse, einer spannenden Geschichte, liebevollen Schilderungen der lauen Sommernächte und verstopften Straßen, ein bisschen Historie und den stetigen Sticheleien zwischen Katalonen und Spaniern, die immer wieder mal für ein leichtes Lächeln sorgen.

Lerneffekt
Neben den eigentlichen Ermittlungen erfahre ich hier auch noch sehr viel über die Kulturgeschichte Barcelonas, über Sitten und Gebräuche und vor allem über das Verhältnis zwischen Katalonen und Spaniern, das ja vor gar nicht allzulanger Zeit hohe Wellen geschlagen hat. Viel mehr als durch alle möglichen Nachrichtensendungen, die natürlich vor allem für aktuelle Dinge da sind, erfahre ich also in einem Krimi was die Menschen dort so bewegt. Mir gefällt das :-)

Mein Fazit:
Spanischer Totentanz ist ein spannender Krimi mit viel Lokalkolorit und einem sehr sympathischen Ermittlerduo. Ganz nebenbei lernt man noch ein bisschen was über Katalonien, was hier ja so gar nicht auf dem Schirm hat. Für Fans von Urlaubskrimis oder Cosy Crime auf jeden Fall eine Empfehlung.

Bewertung vom 13.06.2019
Zen your life
Masuno, Shunmyo

Zen your life


sehr gut

Achtsamkeit und Entschleunigung sind Schlagworte, die seit einiger Zeit durch den Blätterwald und das Internet rauschen. Gefühlt jeder Zweite teilt, gerne auch mal ungefragt, mit, dass er ja so ein achtsames Leben führt, sich an jedem kleinsten Augenblick erfreut und selbstverständlich ein Dankbarkeits-Tagebuch führt. Nur ich nicht - so jedenfalls mein Eindruck.

Hoffnung
Dank Zen your life weiß ich allerdings jetzt, dass es auch für mich noch Hoffnung gibt :-) In vielen kleinen Abschnitten oder Kapiteln gibt ganz viele Tipps für alle Lebenslagen. Dank der Kürze der Abschnitte kann man, selbst mit ganz wenig Zeit, jeden Tag ein bisschen was dazulernen, z.B. warum man seine Schuhe ordentlich aufreihen sollte, nachdem man sie ausgezogen hat.

Zen-Prinzip
Manches davon habe ich schon vorher praktiziert, wie z.B. abends im Bett, kurz vor dem Einschlafen, an etwas Schönes zu denken - das mache ich schon so lange, da hatte ich von Zen, Achtsamkeit usw. noch gar nichts gehört. Aber auch den Schreibtisch aufräumen, sich von Dingen trennen aber auch eine eigene Überzeugungen zu haben gehören zu einem Leben nach dem Zen-Prinzip

Anregungen
Zen your life gibt mir auf jeden Fall ganz viele kleine Anregungen, wie ich mein Leben - ob nun mit oder ohne Zen - etwas entspannter gestalten kann. Ein bisschen hilft es mir schon zu entspannen, wenn ich in diesem Büchlein blättere und den einen oder anderen Tipp lese und dann vielleicht auch verinnerliche. Die meisten Tipps sind auch ganz einfach “nachmachbar” und lassen sich deshalb ganz wunderbar testen :-)

Mein Fazit:
Zen your life ist ein kleines, lehrreiches und zugleich entspannendes Büchlein über das Zen-Prinzip und seine Umsetzung im Alltag - auch, oder gerade wenn, dieser sehr stressig ist. Trotzdem kommt es so gar nicht “oberlehrerhaft” daher, es macht durchaus Spaß beim Lesen und hat meinen Alltag ein Stück weit entspannter gemacht.

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