Benutzer
Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
Wörterfresserin

Bewertungen

Bewertung vom 25.03.2022
Piccola Sicilia
Speck, Daniel

Piccola Sicilia


sehr gut

Daniel Speck nimmt den Leser mit an einen Ort, von dem wohl viele noch nie gehört haben: das Viertel Piccola Sicilia in Tunis, in dem bis zur Besetzung durch die Nazis ein multireligiöses Völkergemisch in gutnachbarschaftlicher Gemeinsamkeit lebt. Specks Beschreibungen sind dabei ebenso verführerisch wie die schöne Yasmina, Tochter einer italienisch-jüdischen Familie. Das Grand Hotel Majestic in Tunis wird gewissermaßen zur Drehscheibe ihres Lebens und entscheidend auch für die Schicksale von Moritz, einem deutschen Soldaten, und Victor, einem Pianisten. Wie sich unter den außergewöhnlichen Umständen ein kompliziertes Beziehungsgeflecht zwischen den Dreien entwickelt, beschreibt der Autor eindringlich und spannend. Nicht ganz so mitnehmen konnte mich im Gegensatz zu seinem ersten Roman „Bella Germania“ die Rahmenhandlung, hier die Familiengeschichte um Moritz’ Enkelin Nina, die nach dem Verbleib des einst verschollenen Großvaters sucht. Dennoch ein faszinierendes Leseerlebnis.