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Benutzername: C. Rosenblatt
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Bewertung vom 20.05.2013
Der Feind im Innern
Huber, Michaela

Der Feind im Innern


ausgezeichnet

"Wie finden wir den Weg aus Ohnmacht und Gewalt?", fragt die deutsche Diplompsychologin, Psychotherapeutin, Supervisorin und Ausbilderin für Traumatherapie Michaela Huber, in diesem Buch.

Zwischen diesen Buchdeckeln finden Opfer, TäterInnen und HelferInnen einen Platz, was in dieser Form einmalig ist. Die Autorin schafft es, mit zahlreichen Interviews, einer ausführlichen Falldarstellung, sowie ihren Erfahrungen professioneller, aber auch persönlicher Natur, den Einfluss früherer (Bindungs-) Traumatisierungen als gewichtiges Element im Kreislauf der zwischenmenschlichen Gewalt im Großen, wie im Kleinen, klar darzustellen.

So wird zum Beispiel im Kapitel "Krieg im Alltag- und was wir tun sollten" anhand der Wirtschaftsbörse dargestellt, welches Maß an gewaltätigem Potenzial den darin arbeitenden Menschen abverlangt wird, um überhaupt erfolgreich zu sein. Eine Skizzierung der Weitergabe von Traumatisierungen und der Wirkung kompensierender Verhaltensmuster, sowie der Veränderung selbiger, finden sich im Kapitel "Kleine Studie in Bösartigkeit- und ihrer Verwandlung" und auch "Cherchez la Femme- Frauen transportieren die Gewalt weiter".

Um die Darstellung von Ursache, Wirkung und Folgen von Gewalt geht es in weiteren Kapiteln mit jeweils unterschiedlichem Schwerpunkt. So finden sich Erkenntnisse der Neurobiologie und Psychologie, ohne jedoch "eingleisig" zu erscheinen. Immer wieder wird auf andere Zusatzfaktoren hingewiesen. Zum Beispiel die unzureichenden Finanzierung und den grundsätzlichen Mangel von ausreichend (intensiven) therapeutischen Angeboten im Interview mit Dr. Karl Heinz Brisch, welches den treffenden Titel "Es gibt keine kindlichen Psychopathen- aber bindungsgeschädigte Kinder!" trägt, sowie wiederkehrend in vielen anderen Kapiteln.

Der wiederkehrenden Forderung "alle Täter raus- alle wegsperren- die sind alle krank" begegnet sowohl Michaela Huber, als auch die von ihr interviewten Kollegen Marianne Wick und Pof. Dr. Frank Urbaniok mit Einblicken in ihre Beobachtungen und Erfolge ihrer Arbeit mit Straftätern, als auch der Beleuchtung der Steuerungsfähigkeit von Menschen und des Schuldprinzips in Bezug auf die Prävention von Gewalt(wiederholung).

Über psychotherapeutische Methoden und Heilungs- bzw. Veränderungswege, gewähren das Fallbeispiel der "Frau K.", zu welchem auch Renate Stachetzki interviewt wurde, als auch der Austausch mit der sog. "Innenperson" Sandra in einer Klientin mit dissoziativer Identität und dem selbst zum Straftäter gewordenen "Herrn L.", sehr gute und durch ihre Vielschichtigkeit wertvolle Einblicke.

Zahlreiche Studien, sowie Literaturverweise im Anhang ermöglichen zudem, jederzeit ein "Abbiegen" in einen weiteren Teilbereich des Themenkomplexes um die Frage, wie man Ohnmacht und Gewalt beenden kann.
Die alltagsnahe Sprache, sowie die klare Textstrukturierung, ermöglichen eine leichte Annäherung an das Thema und werden seiner Komplexität und Tiefe dennoch gerecht.
So wird ein breiter Zugang zum Themenkomplex auch Menschen ohne viele Vorkenntnisse ermöglicht.

Es ist ein Werk, das sowohl Fachwissen verschiedener Professionen, als auch Mut zur Begegnung und Veränderung vermittelt.
Das Buch enthält auch einen Appell an die Politik, sowie den an die Courage, des lesenden Menschen. Es ist Literatur, die allgemein mutig macht, weil sie sowohl Menschen, die an der Veränderung eigener Gewaltmuster und dem Kontakt mit den eigenen "inneren Oppositionellen" oder auch Täterintrojekten arbeiten (wollen), als auch Psychotherapeuten und den Verbündeten in anderer Funktion, eine Positionierung durch Verständnis ermöglicht, ohne auf die verbreitete "Gut- Böse"-Dualität allein zurückgreifen zu müssen.

Das alles macht den Titel "Der Feind im Innern- Psychotherapie mit Täterintrojekten" zu einem wertvollen Stück Fachliteratur, aber auch Wegweiser im großen Rhizom der Frage: "Wie finden wir den Weg aus Ohnmacht und Gewalt?"