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Benutzername: bernauerin
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Bewertungen

Insgesamt 2 Bewertungen
Bewertung vom 16.10.2018
Piccola Sicilia
Speck, Daniel

Piccola Sicilia


sehr gut

eins vorweg: ich liebe lange romane. auf 600 seiten kann man eben länger und meist tiefer eintauchen ins leben der personen, die welt mit ihren augen sehen und besser verstehen als auf 100 seiten.

hier lernt man ein weniger bekanntes kapitel aus der zeit des 2. weltkriegs kennen, rommels afrikafeldzug, tunis mit seinem hafenviertel piccola sicilia, die dort ansässige vielfältige bevölkerung, christen, juden, moslems und ihr bis dahin friedvolles zusammenleben.

all dies wird geschildert anhand einer spannenden handlung, die weitgehend glaubwürdig wirkt. die art des offenen endes schränkte bei mir diesen aspekt allerdings etwas ein.

der umfang des romans entsteht auch dadurch, dass daniel speck dem geschehen immer wieder sehr gut passende gedanken, überlegungen, lebenskluges unterlegt. dies wirkt in keiner weise aufgesetzt oder belehrend, sondern erhöht die reichweite der handlung.

allerdings bleibe ich nicht ganz ohne skepsis gegenüber der zuverlässigkeit des autors zurück. es schleichen sich immer wieder oberflächlichkeiten ein, in der wiedergabe der fremdsprache z.b., außerdem finden sich ungereimtheiten, die leicht zu vermeiden wären bei entsprechender sorgfalt. ich bin eine genaue leserin, aber das müsste ein autor, der etwas auf sich hält, ja zu schätzen wissen.

das schmälert meine begeisterung für den roman jedoch nur geringfügig. ich habe ihn sehr gern und begeistert gelesen, immer mit bedauern, wenn ich ihn zwischendurch weglegen musste. und ich bin sehr gespannt auf "bella germania", den ersten roman von daniel speck, den ich ganz oben auf meiner liste habe!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.06.2018
Schwestern für einen Sommer
Lyra, Cecilia

Schwestern für einen Sommer


gut

das thema der beiden schwestern, dass sie ein leben lang verbunden bleiben, weil sie intensive gemeinsame kindheitserlebnisse teilen, und sich auch wiederfinden nach langer zeit des schweigens ist sehr gut nachvollziehbar geschildert. mit 600 seiten zwar etwas zu lang, aber durchaus glaubhaft. man spürt, welche widerstände, das misstrauen, die angst vor der reaktion der anderen... der sehnsucht entgegenstehen, die sie immer wieder spüren und nicht ignorieren können.
dazu kommt jede menge leben, gescheiterte ehen, neue liebe, angst um karrieren - für mich dabei lange zeit zu wenig mut, die fassaden zu hinterfragen, authentisch zu sein, zu sich selbst zu stehen. das ändert sich dann und ist wohl die zielsetzung des buchs, aber es dauert...
wie alle stränge verwoben sind und zusammenführen, ist gut gemacht, nur wenige stellen wirken unglaubwürdig.

am ende geht es gut aus, von den "bösen" hört man nichts mehr, die "guten" leben glücklich zusammen, und wenn sie nicht gestorben sind... aber sie haben es sich verdient, sie haben sich für ein ehrliches leben entschieden, erkannt, dass geld allein nicht glücklich macht, und stehen zu ihren gefühlen.

das klingt nicht nur nach heile welt, das ist auch so, aber es tut gut, auch mal so etwas zu lesen und sich zufrieden zurückzulehnen. um diese leute muss man sich nach abschluss der lektüre keine sorgen mehr machen, man denkt noch ein wenig an sie und hofft, dass man es selber auch ein bisschen so auf die reihe kriegt.

was mir allerdings die freude am lesen sehr beeinträchtigt hat, ist die sprache. sehr oberflächliches alltagsamerikanisch, das von der übersetzerin häufig einfach so übernommen wird, dass die amerikanische grundlage durchscheint, was die qualität eben auch nicht hebt. zu viele inhaltsarme dialoge.
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