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Benutzername: Möp
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Bewertungen

Insgesamt 37 Bewertungen
Bewertung vom 23.08.2016
Elanus
Poznanski, Ursula

Elanus


ausgezeichnet

Du denkst, keiner weiß, was du tust. Aber da irrst du dich. – Seite 91


Jona ist 17 Jahre alt und sie nennen ihn „das Wunderkind“. Er wurde an eine Elite-Universität berufen, erhielt dort ein Stipendium, das sich sonst nur Ölscheichs leisten können und würde am liebsten zwei Semester seines Studienganges „Technomathematik“ überspringen. Er bedient alle Klischees eines Technikfreaks, denn Jona hat auch eine Drohne, genannt „Elanus“. Mit Elanus düst er des Nachts durch die Stadt und macht Film- und Tonaufnahmen von seinen Freunden, die er mit einer Spysoftware geortet hat. Schnell wird klar, dass Jona damit gegen eine Menge Gesetze verstößt und dass das nicht lange gut gehen kann. Man kommt ihm auf die Schliche und die Jagd auf seine Drohne beginnt.

Fans werden wissen, was ich meine: Man nimmt eines von Ursula Poznanskis Büchern in die Hand, liest die ganze Nacht und plötzlich ist es mit einem Knall zu Ende. Auch in ihrem neuen Jugendroman gelingt es ihr wieder, eine ganz besondere, eine im wahrsten Sinne des Wortes elektrisch auf-geladene Spannung zu schaffen, die einen immer weiterlesen lässt. Es war mir daher mal wieder eine Freude, ein so dichtes und rasantes Jugendbuch zu lesen.

Natürlich hat Elanus auch noch viel mehr zu bieten als „nur“ die Spannung eines gewöhnlichen Jugendthrillers. Die leise Technologiekritik, die sich wie ein roter Faden, mal leise, mal laut, durch das ganze Buch zieht, bewegt uns dazu, unsere Umwelt, unsere Daten, unser Verständnis von Privatsphäre noch einmal aus einem völlig anderen Blickwinkel zu betrachten. Sicher war ich nicht die einzige, die beim Lesen hin und wieder skeptisch zum Fenster geblickt oder gar die Rolläden heruntergezogen hat. Natürlich, Drohnen eignen sich perfekt zu Spionagezwecken. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis man sie zu diesem Zwecke zumindest in gewissen nachrichtendienstlichen Kreisen einsetzen wird – wenn man es nicht schon tut.

Dennoch bleiben die Faszination und auch die Liebe zu dieser Technik dabei nicht auf der Strecke. Der Balanceakt zwischen Faszination und Bedrohung durch Technik gelingt der Autorin wunderbar und es entsteht eine sehr schön differenzierende Gesamtbetrachtung.

Insgesamt kann ich nur ein weiteres Mal ins Schwärmen geraten und werde dieses Buch bei nächster Gelegenheit an meine kleine Schwester weiterreichen. Elanus hat alles, was ein gutes Jugendbuch braucht: Ganz viel Spannung, eine Menge provokante Situationen, die nachdenklich stimmen, eine Handvoll starker, einzigartiger Charaktere und einen Hauch Lovestory.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.06.2014
Blind Walk
Schröder, Patricia

Blind Walk


sehr gut

Niemand weiß, wie lange Sterben dauert.

Wo es beginnt, wann es endet und erst recht nicht, was danach kommt. (S. 303)

In diesem Buch lernen wir die 17-jährige Protagonistin Lida kennen, die sich zusammen mit ihrem 20-jährigen Freund auf einen Trip in die Wildnis begibt. Gemeinsam mit fünf anderen jungen Erwachsenen und ein bisschen Ausrüstung werden sie mitten in einem Wald ausgesetzt und müssen nun versuchen, sich ihren Weg zurück in die Zivilisation zu bahnen. Doch recht schnell macht die Gruppe eine grausige Entdeckung als sie die Leiche eines der Männer, die sie herbrachten, findet und sich zusehends beobachtet fühlt. Alle sind sie auf der Hut, doch die Spannungen nehmen zu, jeder verdächtigt nun jeden und der Leser stolpert mitten hinein in eine aufregende Geschichte voller überraschender Wendungen.

Alles in allem hat mir dieses Buch wirklich gut gefallen, ich habe mich durch und durch unterhalten gefühlt, auch wenn es manchmal einige logische Schwächen gab.

Doch zunächst zum Schreibstil: Dieser war mir von der ersten Seite an sehr sympathisch, denn wir haben es hier wieder einmal mit dieser Sorte Schreibstil zu tun, die einen von der ersten Seite an fesselt und die Zeilen nur so dahinfliegen lässt. Das Buch liest sich wie Nichts und war wirklich angenehme Unterhaltung. Die Charaktere sind jeder für sich einzigartig und interessant, man weiß oft bis zum Schluss nicht, in welchen Beziehungen sie zueinander stehen und das ist es, was auch den Charakter dieser Geschichte ausmacht. Die einzelnen Figuren trauen sich gegenseitig nicht, überall wird gemutmaßt und man kann als Leser immer nur mitraten, eigene Vermutungen aufstellen und letztendlich herausfinden, dass eigentlich doch alles ganz anders ist. Das hat mir an „Blind Walk“ wirklich gefallen, da so sehr viel Spannung aufgebaut wurde.

Gut fand ich auch, dass dieses Buch weit über die Grenzen des klassischen Jugendbuch Genres hinausgeht, denn hier geht es nicht nur um Spannung, Abenteuer, die erste Liebe oder typische Teenagerprobleme, nein hier geht es um viel mehr. Hier geht es um ernste, politisch wie auch gesellschaftlich brisante Themen wie z.B. illegalen Organhandel oder auch um medizinisch sehr interessante Fragen wie z.B. jene, welche Wahrnehmung Komapatienten während ihres Komas überhaupt haben. All diese Themen scheinen auf den ersten Blick überhaupt nicht mit dieser sieben-Jugendliche-machen-ein-Survival-Camp-Geschichte zusammenzupassen, doch kann ich sagen, dass der Zusammenhang schließlich erstaunlich gut hergestellt wird und noch ein bisschen mehr Tiefe in das Buch bringt.

Dennoch muss ich anmerken, dass diese Geschichte oft auch an die Grenzen der Logik stößt. Natürlich kann man hier keine zu 100% authentischen und realistischen Geschehnisse erwarten, da die Autorin auch viel Fantasie und Mystik eingebracht hat, aber dennoch fehlten mir gerade zum Schluss ein wenig die logischen Zusammenhänge. Da ging es mir dann einfach ein bisschen zu schnell und einige dieser „zufälligen“ Fügungen hätte es in der Realität sicherlich nicht so gegeben.

Insgesamt betrachtet habe ich mich von „Blind Walk“ jedoch gut unterhalten und gefesselt gefühlt und bin der Meinung, dass hier mal wieder ein schönes Jugendbuch mit auch etwas mehr Tiefgang auf den Markt gekommen ist. Hier geht es um mehr als nur ein spaßiges Abenteuer und das ist, was mich auch ein wenig nachdenklich zurückgelassen hat.

Bewertung vom 02.06.2014
Barrakuda
Tsiolkas, Christos

Barrakuda


schlecht

In diesem Buch lernen wir den Protagonisten Danny Kelly kennen, der ein herausragend guter Schwimmer ist und wirklich ein so beipielloses Talent besitzt, dass er ein Stipendium für eine teure Privatschule bekommt. Doch Danny fühlt sich in der Schule nicht wohl, seine reichen Mitschüler lachen über ihn, da seine Mutter Frisörin und sein Vater LKW-Fahrer ist. Noch dazu sind Dannys schulischen Leistungen nicht gerade die besten, sodass das Schwimmen das einzige ist, was ihn wirklich aufrecht erhält, denn darin ist er besser als alle anderen. Der Junge wird immer besser, sein Trainer Frank Torma, fördert ihn individuell bis Danny zunächst nationale, schließlich internationale Wettkämpfe gewinnt und bereits vom olympischen Gold zu träumen beginnt. Doch dann verliert der ehrgeizige Schwimmer einen für ihn so unfassbar wichtigen Wettkampf und sein ganzen Leben scheint zusammenzubrechen...

Soviel nun also zum offiziellen Inhalt, wie er so ähnlich auch im Klappentext verkauft wird. Jedoch wurde mir recht schnell klar, dass es in diesem Buch nicht nur um einiges mehr, sondern vor allem um ganz andere Dinge geht, sodass ich mich vom Klappentext ein wenig in die Irre geführt fühlte. In „Barrakuda“ geht es ein bisschen um einen ehrgeizigen Schwimmer, viel um die Wut und die Aggresionen Dannys, ein bisschen um einen homosexuellen Mann, der seine große Liebe sucht und eigentlich aber geht es um einen Straftäter, der nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis mit der Vergangenheit abschließen und ins Leben zurückfinden möchte. Hätten Sies gedacht? Nein, ich auch nicht. Und hätte ich vorher gewusst, was mich erwartet, hätte ich es mir zweimal überlegt, dieses Buch zu lesen.

Zumal ich auch wirklich sagen muss, dass ich selten einen Protagonisten als so derart abstoßend empfunden habe. Danny Kelly ist durch und durch gehässig, er kann und will einfach nichts am Leben schön finden, zu jeder noch so trivialen Gegebenheit hat er einen fiesen Kommentar oder Gedanken parat. Er ist ständig unglücklich, er fühlt sich dauerhaft vom Leben verraten, er hasst seine Eltern, er hasst seine Mitschüler, er hasst seinen Trainer, er hasst sich selbst und auch sonst generell ist irgendwie alles nur zum Hassen. Dieses Buch hat mich wirklich runtergezogen. Selten habe ich ein Buch zur Seite legen müssen, einfach weil sich seine negative Atmossphäre so sehr auf mich übertragen hat. Als ich das Buch ausgelesen hatte, empfand ich nur noch pure Erleichterung. Denn was Christos Tsiolkas uns hier um die Ohren pfeffert ist schlicht und ergreifend eine geballte Portion schlechte Laune! Da fragte ich mich wirklich die ganze Zeit: Warum um alles in der Welt schreibt man so ein Buch?!

Natürlich kann man sich an dieser Stelle auf die Gesamtaussage und den vermeintlichen Tiefsinn dieser Geschichte berufen, jedoch konnte auch die gut gemeinte Message dieses Buches nichts mehr daran ändern, dass ich Danny zutiefst verabscheue.

Noch dazu kommt, dass es dem Autor nicht gelingt, die Handlung in chronologischer und vor allem in verständlicher Reihenfolge darzulegen. Es scheinen sämtliche Ereignisse völlig durcheinander in ein Buch geworfen, die Zusammenhänge sind unklar und oft wusste ich dann einfach nicht mehr, ob ein gewisses Ereignis in der Zeit die ich gerade las schon stattgefunden hatte oder noch nicht.

Alles in allem ist dieses Buch sehr anstrengend, der Protagonist ist zum Davonlaufen, die Stimmung des Buches zieht einen so dermaßen runter, da kann man noch so gute Laune haben. Daher würde ich dieses Buch nicht weiterempfehlen, auch wenn es sicherlich in psychologischer Hinsicht sehr interessant ist und letztendlich auch eine Aussage hat. Wenn man jedoch nicht so gerne Probleme und schwierige Menschen mag, wird man dieses Buch auch nicht mögen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.06.2014
Frauen am Rande des Strandes
Groff, Maggie

Frauen am Rande des Strandes


schlecht

In diesem Buch lernen wir die etwa 35-jährige Scout kennen, die in einem beschaulichen Städtchen an der australischen Ostküste als freie Journalistin arbeitet. Im Moment begleiten wir sie bei ihren Recherchearbeiten zu einer Sekte, die sich „Strahlende Wiederkehr der erleuchteten Sonnen“ nennt und lernen dabei viele Menschen kennen, die Angehörige an diese Sekte regelrecht verloren haben.

Und ich sage es ganz ehrlich, aber dieses Buch zu lesen empfand ich wirklich nicht als einen „Sommerurlaub am Meer, der viel zu schnell vorüber ist“, wie es im Klappentext so schön formuliert wird. Ich konnte diese 400 Seiten puren Schmalz gar nicht schnell genug hinter mich bringen. Diese Story ist einfach von allem unfassbar viel zu viel.

Beginnen wir mit dem Schreibstil. Die Autorin gestaltet ihr Werk in etwa so, dass man glauben könnte, bei der Protagonistin handele es sich um eine pubertierende 13-jährige, die manchmal unglaublich kindisch ist. So telefoniert Scout mit einer weinenden, völlig verzweifelten Mutter, die ihre Tochter an die Sekte verloren hat und hat keinen anderen Gedanken, als dass sie gerade akuten Hunger auf Pizza hat. So hatte ich davon schon nach 20 Seiten mehr als genug.

Des Weiteren war ich mit den vielen Nebenhandlungen mehr oder weniger überfodert. Zum Einen ließ es sich die Autorin nicht nehmen, mit inflationärer Häufigkeit einzustreuen, dass Scout ja Diabetikerin und es ein Wunder sei, dass sie ihr Leben so taff und locker meistert. Zum anderen hat man auch das Gefühl, in diesem Buch geht es um alles, aber nicht um die Sekte. Es geht um Scouts Schwester Harper und um die Probleme, die an ihrer Schule auftreten, in der sie arbeitet, es geht um Scouts Hobby, das Stricken und es geht um den Polizisten Rafe, den Scout regelrecht groschenromanreif anbetet. Es geht um alles, aber um die Sekte geht es erst auf den letzten 30 Seiten. Noch dazu ist dieser Teil des Buches mehr als realitätsfern und eben dieses Unrealistische zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch.

Alles in allem mag dieses Buch mich zwar durchaus ein klein wenig unterhalten haben, aber so war das Lesen nicht mit einem „Sommerurlaub“ zu vergleichen, da es einfach anstrengend war, den pubertären Schreibstil und die mehr als unrealistische Ereignisse zu verkraften. Einzig positiv fiel mir auf, dass es der Autorin sehr schön gelungen ist, die sommerliche Stimmung Australiens zu beschreiben.

Bewertung vom 02.06.2014
Recovery
Reizel, Manuela

Recovery


weniger gut

Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten.
Wahre Profis gründen eine Bank.
- Bertold Brecht -

Dieses Buch mit seinen Einblicken in die Welt eines Whistleblowers hätte zu keinem anderen Zeitpunkt so aktuell und so unglaublich passend zum aktuellen Zeitgeschehen sein können wie jetzt. Denn in Zeiten der NSA-Spähaffäre und der Asyl-Gesuche des Edward Snowden ist diese Thematik brisant wie keine Andere.

Der Leser lernt hier nämlich den jungen und in seinem Milieu durchaus sehr erfolgreichen Hacker Lukas kennen und begleitet ihn durch diverse Herausforderungen, die sich ihm in seinem „Alltag“ - wenn man das Leben eines Hackers denn so nennen darf - immer wieder in den Weg stellen. Oberste Priorität hat hier nun ein Auftrag, der ihn von einer Hacker-Organisation aus den Staaten erreicht, da der „Underground“ offenbar dringend Hilfe von ihm benötigt.

Meine Meinung:
Also eines muss ich zu Beginn schon gleich einmal loswerden: Dieses Buch hält definitiv nicht, was es verspricht. Ich hatte für meinen Teil nämlich recht hohe Erwartungen gerade im Zusammenhang mit möglichen Verschwörungstheorien um den 9/11, doch da wird der Leser weitestgehend sehr enttäuscht.

Zwar kann man die Geschichte auch ohne Vorkenntnisse des 1. Bandes verfolgen und ich glaube auch nicht, dass es daran gescheitert ist, dass ich eben diesen nicht kannte. Die Handlung ist an sich einfach viel zu komplex und vollkommen unverständlich aufgebaut. Dazu trägt zum einen natürlich das viele, zu selbstverständlich angewandte Hacker-Vokabular bei, da so ein Durchschnittsbürger oft nicht versteht, was eigentlich gerade geschieht. Zum anderen lässt sich festhalten, dass die vielen verschiedenen Handlungsstränge schnell unübersichtlich werden sowie auch die ganze Handlung an sich den Leser mehr verwirrt, denn wirklich unterhält.

Fazit:
Ich habe dieses Buch am Ende weggelegt und wusste wirklich nicht, was da eigentlich 400 Seiten lang passiert ist. Es gibt bis zum Schluss kein richtiges Ergebnis, die Figuren bleiben dem Leser gegenüber merkwürdig distanziert und man ist einfach vollkommen enttäuscht, da „Recovery“ besser verkauft wird als es tatsächlich ist.

Bewertung vom 02.06.2014
Drei Frauen im R4
Weiner, Christine

Drei Frauen im R4


sehr gut

Inhalt:
In diesem außergewöhnlichen Freundinnen-Roman lernen wir die drei, nun erwachsenen Frauen, Nele, Renate und Trudi kennen, die zum 50. Geburtstag von Neles Kindern eine unglaubliche Überraschung bekommen. Denn so hatten die drei bereits in den 80er Jahren als junge Mädchen und echte Vollblut-Hippies eine Reise nach Italien unternommen, doch diese konnten sie leider nie vollenden, sodass die Herausforderung diesmal darin besteht, dass sie auch wirklich in Italien ankommen. Doch damit nicht genug Herausforderung, denn der Witz an der ganzen Aktion ist, dass die Reise möglichst authentisch und an die 80er Jahre angepasst von statten gehen soll. Konkret heißt das: Keine Mobiltelefone, Essen aus Dosen, wenig Geld, ein alter und klappriger R4 sowie Unterbringung auf dem Zeltplatz.

Unter derart widrigen Bedingungen wird ihre Freundschaft das ein ums andere Mal hart auf die Probe gestellt, doch es wird auch deutlich wie sehr diese gemeinsamen Erfahrungen die drei Mädels zusammenschweißen.

Meine Meinung:
Erst einmal vorweg, nein, ich bin keine Leserin, die in den 80er Jahren selbst noch jung war, sondern wurde erst viele, viele Jahre später geboren und doch kann ich sagen, dass mir das Buch gut gefallen hat. Und das ist doch schon eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass ich mich gar nicht in der Zielgruppe befinde!

Von daher kann ich also getrost sagen, dass Leserinnen (und Leser?), die ihre Jugendzeit in den 80ern verbracht haben, von diesem Roman wirklich begeistert sein müssen, da die Autorin ganz wunderbare Einblicke in diese Zeit gibt und mit viel Liebe zum Detail vom Hippietum, verrückten Klamotten und alternativen Autoaufklebern berichtet. Das gibt der Geschichte auch hin und wieder eine gewisse Situationskomik, sodass selbst ich als eigentlicher „Outsider“ immer wieder sehr lachen musste.

Außerdem kann man der Autorin zu Gute halten, dass sie bei allem Witz den Tiefsinn nicht hat zu kurz kommen lassen, denn sie lässt anklingen, wie sehr im Laufe des Lebens die eigenen Träume im Sand verlaufen, setzt sich damit auseinander, was Freundschaft denn nun wirklich bedeutet, da unsere Protagonistinnen hier manchmal wirklich hart zu kämpfen haben und lässt auch ein kleines Quäntchen Gesellschaftskritik mit einfließen, da die gute Trudi ohne ihr Smartphone keinen einzigen Tag überstehen kann. Der Leser wird also nicht nur gut unterhalten, sondern durchaus auch mal zum Nachdenken über das eigene Leben angeregt.

Fazit:
Ein wirklich tolles Buch, mit einer außergewöhnlichen Idee, die die Autorin hier mit einer guten Portion Humor, aber dennoch ausreichend Tiefsinn sowie natürlich einer atemberaubenden Authentizität umgesetzt hat und so den Leserkreis, der selbst die 80er erlebt und zelebriert hat, wahrscheinlich noch mehr überzeugen kann als mich.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.06.2014
Tödliches Element / Drowning Bd.1
Ward, Rachel

Tödliches Element / Drowning Bd.1


gut

Seit Rob, der Bruder des 15-jährigen Carls ertrunken ist, belastet Carl ein schweres Trauma und zudem fehlen ihm jegliche Erinnerungen an den Tag des Unfalls sowie an sein voriges Leben. Doch langsam kommt Stück für Stück Licht ins Dunkel und der Junge begreift zunehmend die Zusammenhänge, die zu eben jenem Unfall am See geführt haben. Doch mit den Erinnerungen dringt auch Rob immer stärker in Carls Bewusstsein vor, denn nun fühlt er sich bald vom „Geist“ seines Bruders verfolgt, ja gar bedroht...

Meine Meinung:
Also alles in allem kann ich über dieses Buch sagen: Ich habe es gelesen und dabei erlebt wie auf 330 Seiten ein Junge trauert. Mehr passiert hier im Grunde einfach nicht.

Natürlich kann ich durchaus bestätigen, dass die psychischen Qualen Carls, seine ganze Leidensgeschichte sowie das Verhältnis zu seinem Bruder hier sehr einfühlsam dargestellt werden, allerdings muss ich sagen, dass es in nicht zu unterschätzendem Maße an Authentizität fehlt. Über weite Teile des Buches fehlt dem Leser einfach sämtliches Gefühl dafür, ob das was passiert, nur Teil von Carls Wahnsinn oder Teil der Wirklichkeit ist und so wird eben jene Unklarheit bis zum Schluss nicht vollständig aufgeklärt.

Außerdem sollte man dazu sagen, dass jeder, der sich von diesem Buch eine spannende Handlung, eine interessante Geschichte oder einen Thriller welcher Art auch immer erwartet, vollends enttäuscht werden wird. Denn hier wird lediglich die Verarbeitung eines tragischen Schicksals gezeigt und der Aspekt Spannung vollkommen vernachlässigt.

Fazit:
Von mir gibt es nur eine mittelmäßige Bewertung, da ich bei diesem Buch einfach das Gefühl habe, dass es egal ist, ob man es liest oder nicht. Man bekommt zwar durchaus gute und emotionale Einblicke in das Leben eines Jungen, der nach diesem Verlust einfach nur versucht weiterzuleben, aber trotzdem hat man hinterher das Gefühl nichts gelesen zu haben, sodass ich von Rachel Ward hier doch sehr enttäuscht wurde.

Bewertung vom 02.06.2014
Denglisch for Better Knowers: Zweisprachiges Wendebuch Deutsch/ Englisch
Fletcher, Adam; Hawkins, Paul

Denglisch for Better Knowers: Zweisprachiges Wendebuch Deutsch/ Englisch


gut

Bei diesem Buch handelt es sich um eine bilinguale Ausgabe, das heißt, dass man hier sowohl den englischen Text wie auch die deutsche Übersetzung findet, wenn man das Buch wendet. Man kann also durchaus seine eigenen Englischkenntnisse gut auf die Probe stellen oder die deutsche Übersetzung nachschlagen, wenn man etwas nicht verstanden hat. Alles in allem eine Idee, die mir schon einmal super gefällt.
Der Inhalt hingegen gefiel mir eher weniger, was bei einem humorvollen Buch wie diesem sicherlich auch Geschmackssache ist. Und zwar gehen die beiden Autoren an die Thema „Denglisch“ und „Anglizismen im deutschen Sprachraum“ zunächst sehr ungewöhnlich heran. Sie übersetzen deutsche Redewendungen wortwörtlich ins Englische (z.B. Everything for the cat oder to have not all cups in the cupboard ) um diese anschließend mit viel Witz auseinander zu nehmen.
Womit wir auch schon beim für mich größten Problem wären: Mir war es einfach zu viel Witz. Ich lache wirklich gern und liebe humorvolle Bücher, aber dieses konnte mich einfach nicht überzeugen. Mir kam das alles nur sehr albern vor, es fehlten mir vor allem die sprachwissenschaftlichen Erklärungen, wie es denn nun richtig sei und warum man das so nicht sagen könne. Vielleicht hatte ich hier aber auch zu hohe Erwartungen, da ich mit einer Art „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ für die englische Sprache gerechnet hatte.
Zeitweise beginnen die Autoren weit vom Thema abzuschweifen, philosophieren bei der Redewendung „Nicht alle Tassen im Schrank haben“ darüber, ob es überhaupt ethisch vertretbar sei, Tassen in einen Schrank zu sperren, die doch eigentlich viel lieber „randvoll mit Sekt an wilden Küchenpartys teilnehmen und von enthemmten Silberlöffeln bis in die Eingeweide durchgerührt werden wollen“. Das war mir dann einfach zu viel des Guten und empfand den Schreibstil irgendwann auch nur noch als anstrengend.

Dieses Buch kann sicherlich vielen gefallen, deren Humor die Autoren treffen, mir jedoch sagt diese Form der „Denglisch“-Unterhaltung nicht wirklich zu, da meine Erwartungen leider ziemlich enttäuscht wurden und ich eher das Gefühl hatte, nicht unbedingt etwas gelernt zu haben. Da Humor jedoch Geschmackssache ist und ich großen Gefallen an der Idee der beiden Autoren finde, bekommt „Denglisch for better knowers“ zumindest drei Sterne von mir.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.01.2014
Der Tag wird kommen
Vogt-Østli, Nina

Der Tag wird kommen


sehr gut

In diesem Buch lernen wir den fünfzehnjährigen Hans Petter kennen, der zwar hochbegabt und überdurchschnittlich intelligent, jedoch an seiner Schule ein Außenseiter ist und jeden Tag aufs Neue gemobbt wird. Sein Erzfeind ist sein Mitschüler Andreas, der sich schon lange zu einer wahren Autorität auf dem Schulhof hochgearbeitet hat und es nun regelrecht genießt, Hans Petter zu schikanieren und zu quälen.
Der Junge ist denkbar verzweifelt, zieht sich zurück, tut alles, um nicht aufzufallen und vor allem aber flüchtet er sich zu Hause vor dem Computer in virtuelle Welten. So meldet sich in einem Chat nun aber das, ihm gänzlich unbekannte Mädchen Fera bei ihm und sorgt für eine überraschende Wendung in der Geschichte, denn sie ist Hans Petter zusehends mehr sympathisch, sie scheint ihn zu verstehen und es beginnt eine Freundschaft wie sie interessanter nicht sein könnte…

Meine Meinung:
Also ich muss sagen, dass mich dieses Buch wirklich gefesselt hat, ich es in einem regelrechten Rausch zu Ende lesen musste und nun im Nachhinein immer noch über die Geschichte nachdenke.
Das Besondere an dieser Handlung ist es meiner Ansicht nach, dass man die ganze Zeit liest, aber einfach nicht ahnen kann, worauf alles hinaus läuft. Man versteht wirklich gar nicht, warum manche Personen die Fragen stellen, die sie stellen und man sieht einfach viele Zusammenhänge nicht – bis man das Ende mit seiner sehr überraschenden, wenn nicht gar schockierenden, Wendung erreicht.
Mir hat auch gut gefallen, wie komplex und authentisch die Charaktere ausgestaltet waren, denn so konnte ich mich zu jedem Zeitpunkt mit Hans Petter identifizieren, mit ihm mit leiden und eine wahre Begeisterung für seine Person entwickeln. Man merkt einfach wirklich, dass er durch seine unglaublich reflektierte Art und durch seine manchmal sehr tiefsinnigen, philosophischen Gedanken, seinem Alter etwas voraus ist und eigentlich in der Mobbingopfer-Rolle ziemlich fehl am Platz ist.
Allerdings sollte man zu diesem Buch deutlich machen, dass es zwar unglaublich spannend und auch tiefgründig ist, aber nunmal wirklich nicht das enthält, was es verspricht. So habe ich mir von dem Buch erwartet, dass wir es mit einem klassischen Außenseiter zu tun bekommen und uns erzählt wird, wie er gegen dieses Mobbing-Problem vorgeht. Doch so kommt für den Leser alles anders, plötzlich befindet er sich in einer Art Dystopie, einem Krimi oder sonst irgendetwas. Fairerweise hätte dies im Klappentext zumindest einmal angemerkt werden können.

Fazit:
Auch wenn man sich bei diesem Buch nicht auf den Klappentext verlassen darf, so kann ich dennoch sagen, dass wir es hier mit einer wirklich fesselnden Lektüre zu tun bekommen, der es auch an Tiefgang an nichts fehlt und die den Leser noch lange nachdenklich zurücklässt.

Bewertung vom 09.12.2013
Apple zum Frühstück
Asadolahzahdeh, Jackie

Apple zum Frühstück


gut

In diesem ganz besonderen Buch lernen wir die Protagonistin Jackie A. kennen, die in der DDR aufgewachsen ist und ihre Kindheit in Tagebüchern festgehalten hat. Diese kindlichen Erlebnisse Jackies werden ihrem Leben als Party-Kolumnistin in den 90er Jahren im wilden Berlin regelmäßig gegenübergestellt, sodass man einen direkten Vergleich zwischen damals und heute ziehen kann.

Meine Meinung:
Für mein Empfinden hat sich der Unterhaltungswert und auch die Tiefe dieses Buches mit jedem Kapitel mehr gesteigert. Hatte ich zu Beginn so meine Probleme mit dem abgehackten Schreibstil und der oberflächlichen Darstellung der Jackie A. durch ihre gewöhnungsbedürftigen Party-Exzesse, so fand ich die Ausführungen der Autorin gegen Ende hin wesentlich tiefgründiger und weitaus interessanter zu lesen.

Man muss bei diesem Buch wirklich vorher wissen, dass man sich quasi auf eine Art Experiment, auf eine außergewöhnliche Zeitreise einlässt, die einem sowohl chaotische (und für den Lesefluss vielleicht nervige) Phasen als auch nachdenkliche Passagen voller Hintergrundinformationen über das Leben in der DDR liefert. Denn was wir hier vorliegen haben ist weder eine zusammenhängende Erzählung noch eine chronologische Wiedergabe der Ereignisse oder sonst irgendetwas, was man hier vielleicht erwarten könnte.

Fazit:
Ein sehr spezielles Buch, auf das man sich wirklich erst einmal einlassen muss und das ich ohne die begleitende Leserunde mit der Autorin nach derart massiven Startschwierigkeiten gerne in die Ecke geschmissen hätte. Umso größer war für mich letztlich die Überraschung als das Buch an Tiefe gewann, sodass ich mich nun mit 3 Sternen im Mittelfeld platzieren möchte.