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Kwinsu
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Salzburg

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Insgesamt 138 Bewertungen
Bewertung vom 06.01.2026
Faith, Adelaide

Happiness Forever (eBook, ePUB)


sehr gut

Sylvie ist eine Person der Extreme: entweder sie widmet sich etwas mit Haut und Haar, oder gar nicht. Momentan gilt ihre komplette Aufmerksamkeit ihrer Therapeutin - in die sie nicht nur verliebt, sondern von der sie förmlich besessen ist. Mit ihr arbeitet sie ihr bisheriges Leben auf und als Lesende erkennt man bald: hier ist einiges schief gelaufen. Das scheint Sylvie gar nicht so zu stören, denn wichtig ist nur: die Therapeutin samt ihren dazugehörigen Phantasien. Als Chloe in ihr Leben tritt, findet sie eine Gleichgesinnte, die das Leben für sie erträglicher macht.

So außergewöhnlich das Cover, so außergewöhnlich das Buch. Adelaide Faiths "Happiness Forever" ist ein Text, der sich nicht so leicht kategorisieren lässt. Die Protagonistin Sylvie ist mehr als schräg: besessen, zwänglerisch, aber auch irrsinnig liebenswert. Eigentlich hat sie die Hölle auf Erden durchgemacht, wurde von Ex-Partnern in einer Tour gedemütigt und ausgenutzt, doch das scheint sie gar nicht weiters zu stören. Oder sie verdrängt es geschickt. Und man ertappt sich immer wieder bei dem irrgeleiteten Gedanken: kein Wunder, Sylvie ist doch eine irrsinnig anstrengende Person, da sind doch viele Schrauben locker. Klarerweise rechtfertigt dies in keiner Weise, wie mit ihr umgegangen wurde und zeigt das Problem: nur weil ein Mensch gesellschaftlich schwer ertragbar ist, rechtfertigt das noch lange nicht, schlecht mit ihm umzugehen.

Fast schon bewundernswert ist Sylvies Art mit Problemen umzugehen: sie lächelt sie schlicht weg. Sie wirkt naiv, doch sie verdrängt, um nicht alles aushalten zu müssen. Wie sie von ihren psychisch oft sehr grausamen Erlebnissen spricht, bricht einem teilweise das Herz, aber sie strotzt dem mit ihrer Besessenheit und bestimmt absichtlich zugelegten Naivität. Was noch sehr schräg, aber umso liebenswerter ist, ist Sylvies Ehrlichkeit gegenüber ihrer Therapeutin. Sie gesteht ihr ihre teils abstrusen Phantasien und die Professionistin nimmt alles mit Gelassenheit hin. Sylvie interpretiert jeden Wort, jede Geste der Therapeutin bis zum Umfallen. Ihre neue Freundin Chloe nimmt alles so hin, nimmt Sylvie so, wie sie ist, auch wenn sie selbst kaum Raum einnehmen kann in der Freundschaft. Aber so genau wissen wir das auch nicht, wird uns doch nur Sylvies Sichtweise geschildert. Tiere spielen ebenfalls eine wichtige Rolle im Leben der Protagonistin, ist sie doch auch spätberufene Tierpflegerin und hat selber einen Hund mit Beeinträchtigung. Allerdings halten sich ihre Emotionen gegenüber den Tieren in Grenzen, muss sie diese ja ganz für ihre Besessenheit aufsparen.

Der Schreibstil der Autorin ist einnehmend, aber da die Protagonistin viele anstrengende Charakterzüge aufweist und diese sehr detailliert beschrieben werden, konnte ich das Buch nicht am Stück lesen, weil ich zwischendurch immer wieder ziemlich genervt war. Trotzdem wird mir das Buch ob der Schrägheit und Ehrlichkeit aber sich noch lange in Erinnerung bleiben.

Mein Fazit: "Happiness forever" ist ein sehr spezielles Buch, das einem ob der Schrägheit der Protagonistin einiges abverlangt. Es lohnt sich aber, wenn man dranbleibt, denn irgendwie hält uns die nervige Sylvie mit ihrer Naivität einen großen gesellschaftlichen Spiegel vor die Nase und regt so zum Reflektieren und Nachdenken über den Umgang miteinander an.

Bewertung vom 06.01.2026
te Marveld, Saskia

Blutwild (eBook, ePUB)


sehr gut

Anka ist noch immer traumatisiert: vor sechs Jahren wurde sie Opfer eines Psychopathen, der sie qualvoll in den Tod schicken wollte. Doch die ehemalige Polizistin entkam in letzter Sekunde, der Täter wurde inhaftiert. Oder war es doch nicht der richtige Täter? Das fragt sich Anka nun, nachdem mysteriöse Vorfälle passieren und sie sich wieder im Zentrum einer Verfolgung sieht, die ihr erst keiner glauben will. Dass die Fakten dann doch so anders sind, als sie sich je vorstellen hätte können, werfen sie nicht nur aus der Bahn, sondern lassen sie ums bittere Überleben kämpfen.

Saskia te Marvelds Thriller "Blutwild" ist ein höchst spannendes und rasantes Debut, das viele unerwartete Ereignisse hervorbringt, viel Rätselraten auslöst und dann doch ganz anders ist, als vermutet. Die Protagonistin Anka wirkt anfänglich paranoid, schnell stellt sich aber heraus, dass sie sich sehr gut auf ihre Instinkte verlassen kann. Des Öfteren dachte ich mir: ok, das ist jetzt aber unglaubwürdig, jedoch schafft es die Autorin sehr gut, die Vorkommnisse nachvollziehbar aufzuklären und immer wieder für neue Überraschungen zu sorgen. Der Schreibstil ist sehr eingänglich, sodass sich das Buch sehr schnell lesen lässt. Sehr schön und ein zusätzlicher Spannungsmoment ist die Erzählperspektive: größtenteils werden die Vorkommnisse um Anka geschildert, einige Kapitel jedoch verfolgen einzelne Momente des Täters: so können wir erahnen, weshalb er zu dem geworden ist, was er ist, ohne über lange Zeit jedoch zu wissen, wer er tatsächlich ist. Zudem wird man immer wieder in die Vergangenheit geschickt, um auch genauer zu erfahren, was mit Anka passierte. Im Laufe der Zeit kommen die Erlebnisse von Izzy, Ankas bester Freundin, die ebenfalls eine entscheidende Rolle in dem Thriller spielt, hinzu.

Grundsätzlich braucht man beim Lesen wirklich gute Nerven, denn es ist äußerst spannend, das Tempo ist hoch und die Art, wie der Täter mordet ist wirklich sehr, sehr grausam. Auch wird Tierquälerei nicht ausgelassen, was mich immer besonders erschüttert. Das führte auch dazu, dass ich das Buch etliche Male weglegen musste, obwohl ich grundsätzlich schon einiges gewohnt bin. Insgesamt war mir das Tempo auch etwas zu rasant, ich hätte es angenehm empfunden, wenn man sich zwischendurch auch einmal erholen hätte können. Das ist aber natürlich Geschmacksache.

Mein Fazit: Blutwild ist ein rasanter und höchst spannender Thriller, der mit vielen unerwarteten Wendungen aufwarten kann. Für meinen persönlichen Geschmack war das Tempo teilweise zu hoch, denn es ist kein Platz für eine Atempause. Zudem greift der Täter auf enorme Grausamkeiten zurück, die den Magen flau werden lassen. Leseempfehlung für alle, die eine hohe Spannungs- und Grausamkeitstoleranz haben und sich beim Lesen verausgaben möchten.

Bewertung vom 05.01.2026
Schubert, Helga

Luft zum Leben


gut

In Helga Schuberts "Luft zum Leben - Geschichten vom Übergang" lesen wir 38 verschiedene Texte der renommierten Autorin, manche wurden bereits andernorts veröffentlicht, viele finden in diesem Erzählband ihre erste Publikation.

Die Texte sind unterschiedlich was ihre Länge und ihre Themenwahl betrifft, aber allesamt sind sie sehr persönlich. Wir lesen über ihre Familie, ihr Schriftstellerinnen-Dasein, Schicksalsschläge, das Leben in der DDR, erahnen politische Haltung und emotionale Achterbahnfahrten, auch wenn diese nur äußerst nüchtern betrachtet werden.

Um ehrlich zu sein: mit vielen der Texte konnte ich nichts anfangen, mir fehlte zu vielen Themen der Bezug, beispielsweise wenn sie über ihr Schriftstellerinnentum berichtet. Und auch wenn manche Themen interessant waren, fand ich den Schreibstil zu nüchtern, fand keinen Zugang. Lediglich wenn Schubert über das Fremde schreibt, die Beobachtungen, die sie hatte, wenn sie in den Westen reisen durfte, empfand ich sowas wie Emotionalität und es entstanden entsprechende Bilder in meinem Kopf. Dies geschah auch bei zwei Erzählungen, von denen ich einigermaßen begeistert war: Einerseits "Knoten" - ein Text über familiäre und persönliche Krebserkrankungen, der hinter der nüchternen Fassade Emotionalität hervorschauen, die Krankheit und den Umgang damit reflektieren ließ, verknüpft mit Sinnbildern, die der Geschichte abstrakten Raum geben. Der zweite Text: "Die Diktatur ist die Täterin. Oder?!". Hier verarbeitet Schubert ihr Verhältnis zum Regime der DDR, setzt ihre eigene Akte ein, die über sie geführt wurde und hält ihre Standpunkte fest, ihre Gedanken zur Partei. Hier ist sie explizit politisch, zeigt, wie unmöglich es war, der Partei genüge zu tun. Zwar ist die Sprache auch hier nüchtern und kaum emotional, aber sie gibt Einblick in ein Stück Zeitgeschichte, dessen Miterleben eng korsettiert war. In dem namengebenden "Luft zu Leben" berichtet die Autorin über ihr Muttersein, ein für mich eher verstörender Text, der "das Kind" mehr als Sache als ein Spross aus eigenem Fleisch und Blut erscheinen lässt.

Zweifelsohne ist Helga Schubert eine literarische Erzählerin, sie konnte mich im Gesamten aber nicht abholen, auch wenn einzelne Texte in Erinnerung bleiben werden. Wer sich schon intensiver mit der Autorin beschäftigt hat und den nüchternen Erzählstil mag, könnte von "Luft zum Leben" begeistert sein.

Bewertung vom 05.01.2026
Fosse, Jon

Vaim


ausgezeichnet

Eline nimmt sich die Männer, wie sie sie braucht. Erst Jatgeir, dann Olav, den sie aber immer nur Frank nennt, dann wieder Jatgeir und genau: sie landet wieder bei ihrem Frank. Aber so genau wissen wir das alles nicht, wird die punktlose Geschichte doch rein aus der Innenschau von Männern erzählt wird: Kapitel 1 folgt Jatgeir, Kapitel 2 Elias - ein Freund des erstgenannten, dem Eline mutmaßlich einen Keil in die Freundschaft mit Jatgeir getrieben hat, Kapitel 3 aus Olavs Sicht. Sie alle scheinen wehrlos gegen die dominante Frau, nur: Abwehrhaltung sieht anders aus.

Literaturpreisträger Jon Fosse liefert mit "Vaim" den ersten Teil einer Trilogie, der einen sofort vereinnahmt, sei es durch die atemlose Erzählweise ohne einen einzigen Punkt oder durch die rätselhafte Erscheinung einer Frau, der sich Männer schier ungefragt unterordnen. Rätselhaft ist in "Vaim" vieles, so ganz durchschaut man nicht, was an Eline so besonders ist. Aber wahrscheinlich ist nicht sie die Besondere, sondern die Männer selbst - sie erscheinen über weite Strecken willenlos, schaffen es nicht, ihre Zweifel ordentlich zu artikulieren. Sie wirken gefangen in sich selbst und gefangen in gesellschaftlichen Werten und Normen, die es um jeden Preis zu erfüllen gilt. Da lässt sich Mann schon einmal - oder besser gesagt zweimal - einen benötigten Garn samt Nadel zu einem Wucherpreis aufschwatzen und obwohl der offensichtliche Betrug an ihm nagt, kann er doch sein Gesicht nicht verlieren und als Knauserer dastehen. Wenn einer so wissentlich übers Ohr gehauen wird, kann er sich dem mutmaßlichen Begehr einer Frau folglich keinesfalls entziehen.

Auf den ersten Blick könnte es so wirken, als wär die Frau das dominierende Feindbild, ein pechbehaftetes Schicksal, dem sich Mann nicht entziehen kann. Doch die Männer sind sich selbst Feind, lassen geschehen, lassen sich fremdbestimmen, zumindest mutet es so an. Denn wie eingangs erwähnt lernen wir das Zentrum der Männerwelt nur aus der männlichen Innenschau kennen und darin sind selbsterklärend viel patriarchal geprägte Weltbilder vorhanden. Das ist natürlich nur die eigene Interpretation, möglich und wahrscheinlich, dass es hierzu andere Sichtweisen gibt. Aber das ist das Schöne an diesem literarischen Text: er lässt viel Raum zur Interpretation, aber nicht zu viel, um auszuufern und dadurch unbefriedigt zu hinterbleiben. Vielmehr weiß man, dass es zwei weitere Teile geben wird, die eventuell weitere Andeutungen und Interpretationen liefern, um das Gesamtbild des bislang recht konturlosen, fiktiven Dorfes "Vaim" zu schärfen.

Es war mein erstes Buch (und sicher nicht das letzte), das ich von Literaturnobelpreisträger Fosse gelesen habe und ich liebe den punktlosen Stil, auch wenn es mir am Anfang schwer gefallen ist, nicht auf das Atmen zu vergessen, so rasant wirken die Gedankenströme des Erzählten, die eben nicht durch Punktsetzen begrenzt sind. Fosse hat es für mich vorzüglich geschafft, mich direkt in die Köpfe der Männer zu versetzen, direkt heimisch habe ich mich darin gefühlt ob der Intensität und Ausschweifungen ihrer Gedanken. Geschüttelt hätte ich sie gerne des Öfteren, hätte gerne nachgefragt, warum sie so schwach sind, warum es kein Aufbegehren gibt, wo denn überhaupt die Emotionen bleiben, den diese sind rar gesät. Fasziniert hat mich auch die Tatsache, dass der Text so zeitlos ist: Zeit spielt kaum eine Rolle, nur im Vergänglichen ist sie andeutungsweise zu finden, doch deren Bedeutung ist nicht wesentlich. Symbolik hingegen scheint für Fosse wichtig zu sein, es gibt wiederkehrende Motive wie einen Koffer, Gedankenkreisel, das Meer, Schiffe, Namen, denen man eine tiefere Bedeutung zuweisen könnte und anderes. Ich als Unfähige der Symboldeutung enthalte mich diesbezüglich einer Interpretation, kann mir aber vorstellen, dass diese für viele ein zusätzliches Schmankerl in dieser Lektüre sein könnte.

Mein Fazit: "Vaim" ist ein rasantes, mitreißendes Gedankenspiel eines Literaturnobelpreisgewinners, das den perfekten Raum zur Interpretation zulässt, ohne darin auszuufern. Die Geschichte ist trotz ihrer Rauheit und Einseitigkeit mitreißend und hinterlässt ein angenehmes Maß an Fragezeichen. Durch Vaim wurde ich Fosse-Fan und kann es kaum abwarten, die beiden Folgeteile zu lesen! Absolute Leseempfehlung und ein Highlight des Jahres 2025!

Bewertung vom 31.12.2025
Ralf M. Ruthardt

Polarisierung - Dialog - Perspektivwechsel


ausgezeichnet

Welch wunderbare Zusammenstellung vielfältigster Meinungen hat Autor Ralf M. Ruthardt hier zusammengetragen! Viele Stimmen sind hier vertreten: aus dem Gesundheitsbereich, der Bildung, dem IT- und AI-Sektor, Wirtschaftswissenschaften, Politologie, Philosophie, Coaching, Kunst, Religion und so weiter. So unterschiedlich die Professionen, so unterschiedlich auch die Meinungen und Haltungen. Aber nicht nur - ebenso gibt es Beiträge, die wissenschaftliche Erklärungen liefern, andere, die Erfahrungswissen weitergeben. Es gibt Texte, die sehr konservativ sind, genauso wie linksgerichtete, wissenschaftsbasierte, objektivierte, aber auch emotionale, persönliche und manchmal nicht ganz nachvollziehbare Aufsätze. Und das ist nicht selbstverständlich: hier kommen Argumente aus den unterschiedlichen Wertehaltungen zu Wort. Das ist nicht immer leicht auszuhalten, aber umso mehr regt es an, die Perspektive zu wechseln, sich zu reflektieren, sich anzusehen: was stimmt für mich, was kann man gesellschaftlich gelten lassen, ändere ich vielleicht meine Meinung, überdenke ich Positionen neu oder fühle ich mich in dieser gefestigt und bestärkt?

Im Kern wollen alle das selbe: dazu aufrufen, einander zuzuhören, auch andere Meinungen gelten zu lassen, auf Dialog zu setzen, die Perspektiven zu wechseln. Es ist auch wenig die Sehnsucht vieler, als Gesellschaft wieder mehr zusammenzurücken, dem anderen wieder mehr Aufmerksam zu geben, das Uns in der Gemeinschaft zu finden. Die Kurzaufsatzband bietet ein geistiges Feuerwerk an Ursachen für Polarisierung, an Anregungen, was unsere Gesellschaft spaltet, was Lösungsansätze dagegen sein könnten.

Die Autor*innen sind allesamt Menschen aus dem gebildeten Milieu, was ich etwas schade finde, da Alltagswissen und -Erleben deshalb größtenteils ausgeblendet wird. Trotzdem kann ich dieses Buch nur allen ans Herz legen, die offen dafür sind, sich mit dem Status Quo unserer Gesellschaft zu befassen, die sich für andere interessieren und verstehen wollen. Die Anregungen, die ich mitnehmen konnte, sind vielfältig und ich habe mir eine riesige, inspirierende und nachdenklich stimmende Zitatesammlung mitgenommen - und werde ganz bestimmt noch oft zu "Polarisierung. Dialog. Perspektivwechsel." greifen, denn eines ist gewiss: es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern die Vielfältigkeit der Menschen glänzt in allen Farb- und Meinungsnuancen.

Bewertung vom 21.12.2025
Schoenwald, Sophie

Komm mit, Weihnachtseselchen


ausgezeichnet

Die Geschichte ist wirklich herzerwärmend: das Eselchen erwacht in einer kalten Winternacht und ein Stern führt den Weg in den warmen Stall. Am Weg begegnet er einem Täubchen und einem kleinen Ochsen, im Stall wartet ein neugeborenes Lämmchen. Gemeinsam mit dem Eselchen freunden sich die kleinen Lesekinder mit diesen und noch weiteren Tierchen an.

Der Text ist passend einfach und auf jeder Seite gibt es kleine Dinge, die die Kinder dazu ermutigen, dem Eselchen und seinen Freunden behilflich zu sein. Die Illustrationen sind wunderschön, einfach, aber es gibt niedliche Kleinigkeiten zu entdecken. Die Geschichte erinnert an die Weihnachtsgeschichte, ohne, dass die heilige Familie darin vorkommt. Ich empfinde es als ersten Schritt für die ganz Kleinen, um sie an die Weihnachtsgeschichte heranzuführen, statt Personen sind es halt Tierkinder. Das schöne daran ist, dass es meines Erachtens auch für Eltern und Kinder ohne oder mit anderem Glauben geeignet ist, weil es eben nicht explizit die Geburt Jesu erzählt, sondern viel mehr den Kern der Geschichte: Zusammenhalt, sich umeinander kümmern, Freundschaft und Geborgenheit.

Ich kann das kleine Mitmach-Büchlein nur wärmstens empfehlen, es ist ideal für die Weihnachtszeit mit unseren ganz Kleinen.

Bewertung vom 14.12.2025
Siefert, Silke

Mister O'Lui feiert Weihnachten


ausgezeichnet

Biberbär Mister O’Lui freut sich schon sehr auf Weihnachten und beginnt eifrig das Haus zu schmücken und seinen Wunschzettel zu schreiben. Sein Freund Rupert, das Streifenschweinchen, weiß aber gar nicht, um was es geht - er hat noch nie Weihnachten gefeiert. Die zwei machen sich auf den Weg, einen Baum zu besorgen, ihre Freunde zu fragen, was sie sich wünschen und sie zum Weihnachtsessen einzuladen. Als der vielersehnte Tag endlich angekommen ist, kommt doch alles anders, als erwartet.

Wie entzückend ist dieses Buch! Die Illustrationen sind wunderschön und sehr niedlich gestaltet, der Text dazu ist wunderbar rhythmisch vorzutragen. Die Kinder lieben das Buch, besonders Rupert mit seiner Grunz-Sprache hat es ihnen angetan. Und es gibt einige kleine Details zu entdecken, was die Kleinen auch besonders toll finden. Die Qualität des Buches ist hochwertig, ein angenehm dickes Cover und die Seiten haben ebenfalls eine angenehme Stärke, sodass es sich gut hunderte Male lesen lässt. Die Illustrationen sind schlicht und nicht überladen. Die Figuren sind einfach allesamt lieb und sehr kindgerecht und ich werde sicher noch ein weiteres Buch dieser Reihe kaufen. Die Freundschaft von dem Biberbär und dem Streifenschwein ist innig und sehr liebevoll. Sie stellen sich auch auf den ersten zwei Seiten kurz vor. Ein weiteres Highlight ist auf den letzten zwei Seiten zu finden: da gibt es ein Rezept von Stangenplätzchen zum Selberbacken. Haben wir noch nicht ausprobiert, folgt aber sicher noch! Am Ende gibt es eine schöne Botschaft: gemeinsam ist es einfach am Schönsten und Geschenke zu teilen, lässt das Herz von allen wachsen.

Absoluter Lese- und Weihnachtsstimmungsspaß für alle Vorlesekinder, die niedliche Tiere und liebe Geschichten gern mögen. Getestet von einem 2-Jährigem und einer 5-Jährigen mit ihrer Tante und für großartig befunden!

Bewertung vom 07.12.2025
Imlau, Nora

Was wütest du so sehr, kleiner Pandabär?


sehr gut

Wer kennt sie nicht die Phase, in der die Kleinen fast überschäumen vor Wut. Tilly Pandabär ist gerade in dieser Phase und lässt sich nicht leicht beruhigen. Warum kann es nicht um ihn gehen? Warum kann er nicht machen, was er gerade JETZT will? Dabei wird er auch zu seinen Freunden fies, obwohl er das eigentlich gar nicht will. Mama hat aber die richtige Erklärung parat.

Das Buch ist wirklich entzückend gezeichnet, sowohl die rote Pandabären, als auch die vielen Freunde von Tilly. Besonders hat meiner Nichte und meinem Neffen Juli, der kleine Krokodil-Freund (oder ist es ein Dino?) gefallen und sie waren sehr traurig, dass Tilly so gemein zu ihm ist. Sie haben grundsätzlich aber viel über die Wutausbrüche gelacht, hatten Spaß die vielen Details zu entdecken und mögen es gern, das Buch immer wieder vorgelesen zu bekommen.

Was mich als Vorleserin etwas stört, sind zwei Dinge: ich finde die Reime nicht immer gut gelungen, sie sind manchmal etwas holprig und ich hab mich ein wenig schwer getan beim Vorlesen. Mit der Übung wird es aber natürlich besser, auch wenn nicht alles vom Klang her stimmig ist. Und ich finde es schade, dass die Rollenbilder in diesem Buch sehr traditionell sind: natürlich kümmert sich nur Mama um die Kleinen und im Kindergarten ist es natürlich die weibliche Giraffe, die sich um die Kinder kümmert. Das kann man in der heutigen Zeit besser machen, finde ich.

Trotzdem ist das Buch ein schön illustriertes Kinderbuch, das die Kleinen sehr gerne immer wieder ansehen und vorgelesen bekommen.

Bewertung vom 21.11.2025
Kolb, Elli

Das Leuchten des Himmels an dunklen Tagen


ausgezeichnet

Sie war warm, sie kannte und herzte uns, aber eigentlich gehörte sie ganz woanders hin, zu anderen Tauben, in die Luft, sie wollte frei sein, wir alle wollten frei sein, und für mich gehörten Liebe und Freiheit auch irgendwie zusammen." (S. 208)

Romy trauert: ihr geliebter Opa Egon ist gestorben, jener Mann, der für sie war wie ein Vater, der sie großgezogen hat und ihr so viele Dinge über das Leben beibrachte. Sie weiß gar nicht recht, wie sie mit diesem Schicksalsschlag umgehen soll, reißt er sie doch in ein tiefes Gefühl der Einsamkeit. Doch gleichzeitig lernt sie Jakob kennen und er steht ihr zur Seite. Gemeinsam pflegen sie eine verletzte Taube gesund und das Band zwischen ihnen wird stärker. Bald jedoch muss sich Jakob verabschieden und ihre beider Zukunft bleibt ungewiss...

Ich muss sagen wie es ist: Elli Kolb gehört zu meinen Lieblingsautorinnen. Wie kaum eine andere schafft sie es meines Erachtens, die Realität in Romanform wiederzugeben. Ihre Figuren sind dermaßen authentisch, dass sie sich fast anfühlen wie Freund*innen. All die Gefühle, die ruhig, feinfühlig und vor allem unaufgeregt beschrieben werden, sind sehr nachvollziehbar. Hier gibt es kein Schwarz oder Weiß, das Leben bringt alle Facetten mit sich. Da kann Trauer gemeinsam mit Verliebtsein existieren, Mitgefühl mit Ärger, Sich-abgelehnt-fühlen mit Geborgenheit. Ich habe "9 Grad", den ersten Roman der Autorin, schon sehr geliebt, ob der Ehrlichkeit und Nachvollziehbarkeit, "Das Leuchten des Himmels an dunklen Tagen" ist mir fast noch mehr ans Herz gewachsen. Mag sein, dass das auch mit den Tauben zu tun hat.

Wir lernen sehr viel über diese missverstandenen Vögel, doch niemals belehrend, sondern natürlich eingewoben in die Geschichte. Genauso viel erfahren wir über den Schmerz der Trauer, das Gefühl, nicht zu wissen wie man mit dem Tod umgehen soll, den langsamen Aufbau von romantischen Gefühlen, der nicht einheitlich geschieht, das feste Band der Freundschaft genauso wie über Enttäuschungen familiärer Natur. All das in einem Tempo, das ruhig voranschreitet, niemals scheint ein zeitliches Ungleichgewicht. Der Kreislauf des Lebens, mit seinen Höhen und Tiefen, ehrlich anhand einer Geschichte um Trauer, Freundschaft, Enttäuschung, Hoffnung und Mitgefühl dargestellt.

Mein Fazit: "Das Leuchten des Himmels an dunklen Tagen" ist ein tiefgehender Roman über die Zerrissenheit der Gefühlswelt, wenn Trauer und Hoffnung sich vereinen. Mit feinfühliger und ruhiger Art erleben wir die Geschichte um Protagonistin Romy, die von Beziehungen zu unterschiedlichen Menschen und Tieren handelt. Für mich ein absolutes Jahreshighlight und eine Empfehlung an alle, die unaufgeregte, tiefgehende und authentische Geschichten mögen.

Bewertung vom 17.11.2025
Heinesen, William

Noatun


ausgezeichnet

Unwirtlich, lebensfeindlich und doch Heimat: das sind die Färöerinseln für ihre Einwohner und Einwohnerinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Da sie in der Stadt keine Zukunft sehen, beschließt eine kleine Gruppe Menschen, in den vormals als "Dødmansdal" bekannten, entlegenen Landstreifen, den die neuen Einwohner*innen hoffnungsvoll "Noatun" nennen, Schiffsplatz - Sitz des Meeresgottes in der Nordischen Mythologie, um ihm eine positivere Konnotation zu verleihen, zu ziehen. Doch gleich zu Beginn gibt es ein Unglück und die Menschen sind sich unsicher, ob ihr neuer Wohnort ein Überleben möglich macht. Schließlich ist es die Gemeinschaft, die sie doch an eine sicherere Zukunft glauben lässt.

Der färingische Autor William Heinesen lebte von 1900 bis 1991, Noatun war sein zweiter Roman, der 1938 erschien. Doch der Stil ist zeitlos, auf gewaltige Art und Weise veranschaulicht er uns das harsche Leben auf den Inseln im Atlantik, die Landschaft scheint - wie bei vielen nordischen Werken - die zentrale Rolle zu spielen, sie prägt das Überleben und die Menschen, gibt ihnen einen eigenen, rohen Charakter, wobei die Gemeinschaft immer im Mittelpunkt steht. Und vielleicht ist das auch, was den Roman von der Gegenwartsliteratur abgrenzt, denn nicht das Individuum steht im Mittelpunkt, sondern das gemeinsame Überleben.

Die Geschichte Noatuns wird in Form eines Kollektivromans erzählt - ein literarische Gattung, die ich bislang noch nicht bewusst kannte. Dabei stehen nicht einzelne Charaktere im Mittelpunkt, sondern immer wieder wechseln sich die Personen ab, über die erzählt wird. Wir kommen ihnen dabei niemals nah, die Sprache und der Umgang miteinander ist roh, aber trotzdem lässt sich auch Herzlichkeit und Wärme für die Gemeinschaft, füreinander herauskennen, sehr stark sogar. Erstaunlich offen und mitfühlig zeigen sie sich gegenüber Menschen, egal welche mutmaßlichen Fehler sie mitbringen: ob die Ehefrau, die sich aus ihrem ehelichen Korsett löst, oder der Verbrecher, dessen wahren Kern die Dorfgemeinschaft sieht, die Frau, die einer Geisteskrankheit anheim fällt oder der ausgenutzte Nichtsnutz, der trotzdem viel beizusteuern hat. Dass das nicht jedem gefällt und die Gemeinschaft mit erheblichen Widerstand von Außen rechnen muss, ist fast schon klar. Da wundert das Urteil der anderen nicht: "Es ist ein allzu hartes und armes Leben, ein solches Leben kann die Menschen nur hart und sonderbar machen und abgestumpft, [...], nicht wahr, sie werden anders als andere Menschen... anders als die guten alten Färinger, die unser Land aufgebaut und unsere Kultur bewahrt haben..." (S. 271) Doch die Unterstellung geht zu weit, denn Glaube und Tradition sind auch Werte, die die Noatuner prägen, sehr sogar - und trotzdem sind sie offen für das Anderssein, eine Stärke, die die Gemeinschaft nicht nur solidarischer, sondern auch für die Leser*innen anziehend macht.

Mein Fazit: Noatun ist ein wunderschöner Roman aus den späten 1930er Jahren, der Einblick gibt in die harsche Lebenswelt der Färöer Inseln, der uns aber auch zeigt, wie wichtig Gemeinschaft und Offenheit sind, um ein Überleben in der Wildheit der unberechenbaren Natur zu garantieren. Sprachlich bewegt er sich im typischen nordischen Stil, der uns viel Atmosphäre und Rohheit bietet und ist ein absoluter Lesegenuss für alle, die das zu schätzen wissen.