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Benutzername: Rockabella
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Bewertungen

Insgesamt 14 Bewertungen
12
Bewertung vom 22.01.2012
Alle Rache will Ewigkeit
McDermid, Val

Alle Rache will Ewigkeit


gut

Die Vergangenheit holt dich immer ein

Charlie Flint ist von ihrem Dienst als Profilerin suspendiert worden, weil sie durch ein Gutachten die Unschuld eines Mannes belegte, der nach seiner Entlassung aus der U-Haft vier Menschen tötete. Doch nun lediglich die Aufsicht bei Klausuren zu führen füllt sie nicht aus. Da bekommt Charlie ein mysteriöses Päckchen mit Zeitungsausschnitten. An ihrem alten College in Oxford ist ein Bräutigam, während der Hochzeitsfeier, brutal ermordet worden. Charlies Neugier ist geweckt. Wer hat das Päckchen geschickt und wieso hat der Absender gerade ihr ein Rätsel gestellt? Die Profilerin fängt an Nachforschungen anzustellen und gerät in den mörderischen Sog der Vergangenheit…

„Alle Rache will Ewigkeit“ ist ein Kriminalroman der aus drei Teilen und zwei Handlungssträngen besteht. Einmal erfährt man etwas über Charlies Ermittlungen der Ereignisse, wobei sie wirklich tief graben muss und im anderen Strang erfährt man etwas über die Hauptverdächtige. Die zweite Perspektive ist für mich die interessantere gewesen, da man hier viel über die Vergangenheit und Motive der Verdächtigen liest, aber gleichzeitig Sympathien für sie entwickelt.
Charlies Ermittlungen wurden leider immer von ihrem Liebesdilemma unterbrochen, was mich zwischenzeitlich echt gestört hat. Die kleinen Zwischenszenen lassen die sonst so taffe Charlie naiv und unbeholfen, beinahe unsympathisch, wirken.

Anfangs fiel es mir auch schwer, bei den ganzen Personen durchzublicken. So viele Charaktere aus der Vergangenheit und Gegenwart, dazu dann noch eine Frau, die einmal Maggot und einmal Magda genannt wird. Beziehungen der Charaktere untereinander, die einmal waren, erneuert oder/und ganz aufgelöst wurden. Ein Personenregister im Buch wäre für mich persönlich gut gewesen.

Spannend wurde es erst im letzten Drittel, da die Geschichte bis dahin eher so dahin plätscherte. Hätte ich Val McDermids Art, die Dinge zu beschreiben, nicht so gemocht, dann hätte ich wohl leider aufgegeben. Hier mal ein kleines Beispiel für ihren bildhaften Schreibstil:

„Der eine war klein und drahtig, hockte auf seinem Stuhl zusammengesunken wie ein Springteufel, der nur darauf wartet, dass der Deckel gehoben wurde.“

Die Homosexualität spielt in diesem Buch eine große Rolle. Es wimmelt nur so von Lesben, die mit beruflichen Querelen, Coming Outs und Vorurteilen fertig werden müssen. Diese Frauen sind sympathisch dargestellt und es wurde mir bewusst, wie selten man eigentlich in Büchern mit diesem alltäglichen Thema konfrontiert wird. Allerdings wurden alle heterosexuellen Männer, bis auf einen, in ein sehr schlechtes Licht gerückt. Das fand ich dann doch schade und übertrieben.

Das Cover hat mir vom ersten Moment an gefallen. Das Streichholz allein würde zwar nicht viel her machen, aber der blaue Rauch auf schwarzem Hintergrund wirkt einfach fantastisch. Die Titelschrift ist übrigens geprägt und sticht in natura etwas besser heraus.

„Alle Rache will Ewigkeit“ war mein erstes Buch von Val McDermid. Die psychologischen Überlegungen haben mich wirklich beeindruckt. Dennoch hatte ich mehr von diesem Kriminalroman erwartet. Es dauerte mir zu lange bis Schwung in die Geschichte kam und es gab insgesamt zu viel Ablenkung und Nebensächliches im Roman.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.07.2010
Johannisbeersommer
Israel, Andrea; Garfinkel, Nancy

Johannisbeersommer


gut

„Keine Liebe, keine Freundschaft kann unseren Lebensweg kreuzen, ohne für immer eine Spur zu hinterlassen.“
-Francois Mauriac-

26 Jahre redeten die einst besten Freundinnen Lilly und Val nicht miteinander. Denn einst fühlte sich die eine von der anderen verraten und die Freundschaft zerbrach. Als jedoch Vals Mutter an Krebs stirbt, fasst diese sich im Jahre 2002 ein Herz und nimmt Kontakt zu Lilly auf. Vorsichtig tasten die beiden sich wieder aneinander an. Sie erinnern sich an den Rezeptclub, den sie 1965 gegründet haben. Und der Leser nimmt durch die Briefe und Rezepte, die die beiden sich als Mädchen in den Jahren 1965-1973 geschrieben haben, an deren Leben teil. Erinnerungen an die Familie, Schulzeit, gemeinsame Pläne und Probleme werden wach gerüttelt. Danach gibt es wieder einen Umschwenk auf das Jahr 2002 – und man erfährt ob der damalig Konflikt zu groß war um ihn wieder zu kitten oder ob die Freundinnen endlich wieder zueinander finden.

Wie man oben schon gelesen hat, ist „Johannisbeersommer“ ist in drei Teile aufgeteilt. Und zwar beziehen sich der erste und der letzte Teil auf das Jahr 2002, während der zweite Teil die Kinder- und Jugendjahre von 1964-1973 behandelt. Im Postskriptum (Jahr 2003) erfährt man dann noch einmal genau wie sich das Leben der Frauen weiter entwickelt hat.

Im gesamten Buch wird dabei deutlich, das die beiden Frauen schon als Kinder nicht unterschiedlicher hätten sein können. Die eine ist eher still, ernsthaft, in sich gekehrt und weiß was sie im Leben möchte – die andere ist flippig, ruhelos, unentschlossen. Doch die tiefe Freundschaft und der Rezeptclub überwinden diese Hürde. Währenddessen merkt man aber immer wieder den unterschwelligen Konflikt der beiden. Als es dann zum Zerwürfnis kommt ist die Freundschaft scheinbar nicht mehr zu retten. Und obwohl die beiden Frauen nichts mehr miteinander zu tun haben wollen, haben sie die ganze Zeit nicht aufgehört über die andere nachzudenken. Eine Freundschaft, deren Wurzeln in der Kindheit liegen, kann man halt nicht so leicht vergessen.
Über die Gefühle und jeweilige Lebenslage von Val und Lill geben auch oft die Rezepte Ausdruck, mit Namen wie „Umwerfende Stampfkartoffeln“, „Broadway Babyrippchen“, „Muntermacher-Brotpudding“ oder auch „Liebeskummer-Lasagne“.

Das Cover mit der Schale Johannisbeeren im Vordergrund sieht einfach nur schön aus. Allerdings erschließt sich mir der Romantitel auch nach der kompletten Lektüre des Buches nicht wirklich.

„Johannisbeersommer“ hat mir wirklich gut gefallen. Ich habe Val und Lilly auf ihren Lebenswegen gerne begleitet und fand es toll, wie die tiefen Gefühle der Freundschaft und der Liebe beschrieben wurden. Viele Rezepte laden dabei zum nachmachen ein, so das man noch lange etwas von diesem Buch hat. Perfekt für die heißen Sommertage, wie auch für kuschelige Winterabende.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.03.2010
Plötzlich Shakespeare
Safier, David

Plötzlich Shakespeare


ausgezeichnet

Rosa ist verzweifelt. Ihr Traummann Jan heiratet eine andere. Dabei ist er doch für sie bestimmt. Oder etwa nicht? Um ihre Seelenqual zu lindern nimmt Rosa, nur halb freiwillig, an einer Rückführung bei Prospero dem Hypnotiseur teil. Und schwups… findet sie sich 1594 in William Shakespeares Körper wieder. Dieser ist gar nicht erbaut darüber seine Körperkontrolle von nun an einer Frau zu überlassen. Denn Rosa bringt den bis dahin eher unbegnadeten Schriftsteller in noch mehr prekäre Situationen, als er ohnehin schon steckte. Doch alles Drama nützt nichts, zusammen müssen sie heraus finden was die wahre Liebe ist oder sie müssen sich für immer einen Körper teilen.

Genau wie schon von „Mieses Karma“ und „Jesus liebt mich“ bin ich auch von David Safiers neuestem Werk begeistert. „Plötzlich Shakespeare“ startet gewohnt spritzig. Der moderne und offene Schreibstil lässt einen von Anfang an schmunzeln und auch die Charaktere sind überzogen lustig und klischeehaft dargestellt. Richtig lustig wird es natürlich als Rosa und Shakespeare sich einen Körper teilen. Beide reden in der Ich-Perspektive, was wirklich die Lachmuskeln strapaziert. Zum Glück „redet“ jeder in einer anderen Schriftart. Sonst hätte es beim Lesen Probleme geben können!
Was ich schön finde, ist, dass wie auch schon in „Jesus liebt mich“ die Protagonistin nicht perfekt ist. Rosa hat Orangenhaut und fühl sich zu fett. Sie ist halt eine ganz normale Frau, die sich wünscht nicht sie selbst zu sein. Sie will nicht mehr „so was von Klischee“ sein, sondern eher so wie die perfekte Olivia, die Jan heiraten wird. Witzigerweise ist Shakespeare auch nicht so ganz perfekt, was natürlich Anlass zu dem einen oder anderen Schlagabtausch zwischen den beiden Seelen gibt.

Was mir sofort auffiel war dieses typische David Safier Cover: ein orangener Hintergrund mit einer Comiczeichnung. Eine Frau sieht in den Spiegel und erschreckt sich, als nicht ihr eigenes Gesicht sondern Shakespeares ihr entgegenblickt. Toll, dass David Safiers Bücher durch die gleiche Umschlagsgestaltung eine Einheit bilden.

Ich muss sagen dass dieser Roman mir wieder gut gefallen hat. „Plötzlich Shakespeare“ ist leichte Unterhaltung mit einem, im Witz ummantelten, typischen Frauenthema. Wirklich kurzweilig und sehr empfehlenswert!

Bewertung vom 27.12.2009
Die Gemeinschaft der Drei / Alterra Bd.1
Chattam, Maxime

Die Gemeinschaft der Drei / Alterra Bd.1


ausgezeichnet

Ein gewaltiges Unwetter zieht an Weihnachten über New York auf und zerstört fast alles der menschlichen Zivilisation. Blitze, Fingern gleich, die über Häuser und Straßen tasten, lassen Autos wie Menschen verschwinden. Zurück bleiben fast nur Kinder und hirnlose Mutanten. Die wenigen Erwachsenen die überlebt haben sind von Grund auf Böse und die Todfeinde der Pans – wie sich die Kinder nach Peter Pan benannt haben. Den beiden Freunden Matt und Tobias bleibt so nichts anderes übrig, als aus New York in den Süden zu fliehen. Doch der Weg ist lang und beschwerlich. Die Welt hat sich verändert. In Windeseile hat die Natur sich die Städte zurück erobert und es gibt grauenhafte, fremde Geschöpfe. Matt und Tobias schaffen es jedoch bis zu einer Gemeinschaft von Pans. Dort finden sie auch in Amber das Letzte Mitglied ihrer „Gemeinschaft der Drei“. Zusammen wollen sie Verräter enttarnen, die letzten Pans retten und erfahren warum Matt von den finsteren Geschöpfen der neuen Weltordnung gejagt wird.

Das Buch beginnt vor der eigentlichen Geschichte mit einem “magischen Vorwort”, in der unsere Vorstellungskraft als Zauberstab bezeichnet wird. Eine sehr schöner Gedanke, der durchaus rechtens ist.

Der fesselnde, aber einfach gehaltene, Schreibstil hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Da es keine lange Vorgeschichte gibt, wird man sofort in das Geschehen hinein katapultiert. Überhaupt entwickelt die Geschichte sich recht schnell und lässt einem keine Luft zum Atmen. Die Storie zieht einen magisch in ihren Bann, man kann und will nicht mehr aufhören zu lesen. Dabei ist die Geschichte auch noch so plastisch beschrieben, dass man sich alles sehr gut bildlich ausmalen kann. Einfach gesagt: man, merkt gar nicht mit welchem Tempo man die Seiten „inhaliert“.
Toll finde ich auch die Grundidee des Buches, das die Umwälzung der bekannten Welt eine Abwehrreaktion der Erde ist. So kann man Fantasy und Biologie gut zu einem Ganzen vereinen.

Die komplette Buchausstattung von „Alterra“ ist einfach wunderbar. Das Cover, welches wie ein Bronze-schwarzes Schattenschnittbild gestaltet ist, sieht schon sehr aufwändig aus. Mit seinen ganzen Details wirkt es einfach magisch anziehend. Man sieht deutlich wie die Natur sich ihre Welt zurück erobert und kann sich gut vorstellen dass dies in der Zukunft wirklich geschehen wird. Die drei Teile des Buches sind auch deutlich voneinander abgehoben, indem sie durch jeweils eine floral gestaltete Doppelseite abgeteilt sind. Ebenso mit florahlen Mustern versehen: die vier Ecken der Kapitelanfänge. Auch fehlt auch das bibliophile Vergissmeinnicht, in Form eines Lesebändchens, nicht. Insgesamt hat das Buch also nicht nur einen tollen Inhalt, sondern auch ein sehr ansprechendes Äußeres.

Auf jeden Fall bin ich sehr begeistert von diesem Jugendbuch. Geeignet ist es meiner Meinung nach für alle von zwölf bis neunundneunzig Jahre. Da die Protagonisten männlich wie weiblich sind, ist das Buch auch sehr gut für beide Geschlechter geeignet. Ich jedenfalls fand die Lektüre sehr kurzweilig und warte schon gespannt auf die Fortsetzung. Es gibt noch so viele offene Fragen die geklärt werden wollen. Allem voran: Ist es berechtigt, das die Erde ihre Hoffnung auf die Kinder setzt? Aber lest selbst. Es lohnt sich!

1 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.12.2009
Erbarmen / Carl Mørck. Sonderdezernat Q Bd.1
Adler-Olsen, Jussi

Erbarmen / Carl Mørck. Sonderdezernat Q Bd.1


sehr gut

Die erfolgreiche Politikerin Meret Lynggaard verschwindet auf einer Fähre spurlos. Nachdem die Ermittlungen im Sand verlaufen, geht die Polizei davon aus das Merete im Meer ertrunken ist und schließt die Akte. Fünf Jahre später wird das neue Sonderdezernat Q gegründet. Einzige Mitarbeiter: der abgeschobene Ermittler Carl Mork und sein syrischer Assistent Assad. Sie sollen ungeklärte Fälle neu aufrollen und entdecken tatsächlich eine neue Spur im Fall Merete Lynggaard. Was keiner ahnt: Merete wird seit fünf Jahren in einer Druckkammer gefangen gehalten und gequält. Doch nun ist die Zeit der tot geglaubten Politikerin bald abgelaufen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Jussi Adler-Olson hat mit „Erbarmen“ einen sehr spannenden Thriller geschrieben, der einen direkt von der ersten Seite an fesselt.
Dabei gibt es zwei spannende Handlungsstränge. Einen über Meretes Leben von 2002-2007 und einen von Carl Mork, Sonderermittler im Dezernat Q, der im Jahr 2007 mit einer Neuaufrollung des Falls beginnt. Beide Handlungsstränge verschlingen sich geschickt ineinander und bringen die Dramatik der Geschichte zum Höhepunkt.

Der Schreibstil ist authentisch und wunderbar flüssig zu lesen. Er treibt die Spannung voran und lockert dazwischen immer mal wieder mit Assistent Assads südländischen Marotten auf.

Die einzelnen Kapitel des Buches sind nochmals in überschauliche Abschnitte eingeteilt, was das Lesen unheimlich erleichtert. Denn ich persönlich mag seitenlange Kapitel ohne Absatz überhaupt nicht, da sie sich nicht für kurze Lesepause zwischendurch eigenen.

Dem Sonderermittler Carl Mork möchte man während des Lesens erstmal in den Hintern treten, das er mal in die Gänge kommt. Und dann wünscht man ihm einfach nur noch viel Glück und ist selbst ganz gespannt darauf wo die Ermittlungen hinführen werden. Im Gegensatz zu ihm ist sein Assistent, der aus Syrien stammende Assad, sehr motiviert. Assad lockert das ganze Buch auf und ist eindeutig mein Lieblingscharakter. Doch auch ihn umgeben einige Geheimnisse, die Carl Mork zu ergründen versucht.

Merete Lynggaard tut einem einfach nur Leid. Man leidet mit ihr. Kann sich kaum vorstellen wie schlimm die Qualen sind, die sie erleiden muss. Jussi Adler-Olson hat es sich nicht nehmen lassen die Protagonistin mit banalen Dingen wie Zahnschmerzen zu quälen, um die Gefangenschaft authentischer zu machen und das man sie besser nachfühlen kann. Es tun sich solche Abgründe der menschlichen Psyche auf, das man diese fiktive Person einfach nur drücken möchte und sich nicht vorstellen kann das es wirklich Menschen gibt, die anderen Menschen so etwas mit Genugtuung antun können.

„Erbarmen“ ist ein sehr spannendes, manchmal beängstigendes, aber auch sehr lesenswertes Buch. Ich bin hellauf begeistert und werde das Buch direkt in meiner Familie weiter empfehlen.

6 von 12 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.11.2009
Wo fahren wir hin, Papa?
Fournier, Jean-Louis

Wo fahren wir hin, Papa?


gut

Der Schriftsteller und Humorist Jean-Louis Fournier erzählt in lauter kurzen Anekdoten über das Leben seiner körperlich, wie geistig, behinderten Kinder.
Da er dieses Buch als Vater geschrieben hat, nimmt er sich auch die Freiheit heraus über seine Kinder zu witzeln, zu spotten und die unschöne Wahrheit über ihr Leben darzustellen. Manchmal ist man daher von Herrn Fourniers Worten sehr erschrocken und fragt sich, wie er so über seine eigenen Kinder reden kann. Doch man merkt auch, dass dieses Makabre einfach seine Art ist, mit diesem schwierigen Schicksal umzugehen und damit klar zu kommen gleich die doppelte Last tragen zu müssen. Vielleicht ist er mit der Zeit auch einfach abgestumpft und/oder er provoziert bewusst.

Was mich etwas gestört hat, ist, das er kurz angeschnitten hat das er noch eine „normale“ Tochter hat und mit ihr auch etwas passiert sei. Aber was? Warum schreibt er nur über seine Jungs und lässt die Tochter ganz außen vor? Klar, es soll ein Buch über seine behinderten Kinder sein. Dennoch finde ich dass die Tochter und die Mutter wirklich zu kurz kommen. Immerhin gehören sie genau so zur Familie.

Was mich absolut schockiert hat, war eine Stelle als Jean-Louis Fournier erzählt hat, wie er seiner Frau sagte ,das er sich überlegt hätte Mathieu und Thomas, wenn sie alt genug zum rasieren seien, mit dem Rasiermesser ins Badezimmer einzuschließen und erst wieder aufzumachen wenn es drinnen still geworden wäre. Dann könne man aufwischen… Mir ist schon klar dass er dies nicht ernst gemeint hat und er seine Jungs trotz dieser Worte bedingungslos liebt. Dennoch haben mich diese Gedanken sehr getroffen. Was würden seine Söhne denken, wenn sie dies lesen könnten? Ich als Kind wäre geschockt und tief betroffen.
Und ist es lustig oder erschütternd dauernd zu wiederholen dass seine Kinder nur Stroh im Kopf haben? Ich weiß es wirklich nicht.

Neben diesen ganzen schrecklichen Gedankenn merkt man dem Autor jedoch auch den Neid auf andere Eltern, mit „normalen“ Kindern an. Man merkt dass er die Schuld, für das Unglück seiner Kinder, bei sich sucht.

Dieses sehr kurze Buch lässt einen sehr nachdenklich und aufgewühlt zurück. Die verschiedenen Anekdoten aus fast allen Lebensbereichen zu lesen ist ein Wechselbad der Gefühle. Auf jeden Fall wird dieses Buch eines schaffen: das man viel darüber diskutiert und das alle Eltern gesunder Kinder glücklich über ihre Rabauken sind.
Ich muss zugeben dass diese Rezension sich jetzt eher negativ liest, dennoch ist „Wo fahren wir hin, Papa?“ wirklich ein ganz besonderes Schicksalsbuch das man sich ruhig mal durchlesen sollte.

Bewertung vom 20.10.2009
Dardamen - Gefährten der Finsternis
Strazzulla, Chiara

Dardamen - Gefährten der Finsternis


ausgezeichnet

Die unsterblichen Einwohner Dardamens kämpfen seit Urzeiten immer wieder gegen die Finsternis. In vergangener Zeit wurden sie dabei von den sterblichen unterstützt. Doch die sterblichen wurden neidisch auf die Ewigen, wie Dardamens Einwohner sich nennen, und verraten das Bündnis. Nun kämpfen sie auf Seiten der Finsternis und der Untergang der bekannten Welt steht bevor. Da macht sich eine Rebellengruppe rund um den verkannten Halbsterblichen Lyannen, dem Sohn des letzten der Ersten Ewigen, aus Dardamen auf den Weg, um die entführte Prinzessin Eileen aus den Fängen der Finsternis zu retten und um eine uralte Prophezeiung zu erfüllen. Unterwegs haben sie große Abenteuer zu bestehen. Die Gruppe lernt Feind und Freund kennen und schließlich steht Lyannen der Finsternis selbst gegenüber.

Chiara Strazzulla hat mit „Dardamen – Gefährten der Finsternis“ einen klassischen Fantasyroman á la „Der Herr der Ringe“ geschrieben. Ihre Welt hat sie dabei großartig ausgearbeitet, so dass ich sie mir auch bildlich ausgezeichnet vorstellen konnte. Sehr vorteilhaft war dabei die Karte am Anfang des Buches, die sehr schön gezeichnet ist. Mit ihr kann man wirklich sehr gut den Weg der Heldengruppe nachvollziehen.

Der angenehme Schreibstil der Autorin passt sehr gut zur Geschichte und lässt sich flüssig lesen. Das Vorwort liest sich zwar recht biblisch, stimmt aber super in die Geschichte ein. Mir hat es jedenfalls gut gefallen. Interessant sind in „Dardamen“ auch die unerwarteten Wendungen und Ereignisse. Nichts läuft so wie geplant und trotzdem hat alles einen Sinn. Die vielen verschiedenen Völker, wie Goblins, Kobolde, Amazonen, Feen, Zentauren, bereichern das Buch um einiges. Die verschiedenen interessanten Charaktere und das es neben dem Krieg noch die eine oder andere Liebesgeschichte gibt, rundet auch die letzten Kanten ab.

Das Cover ist ebenfalls sehr ansprechend gestaltet. Typisch cbj halt. Das dunkle Cover spiegelt für mich den düsteren Hintergrund der Handlung wider. Und wer der abgebildete geflügelte Dämon ist, das weiß man spätestens im letzten Drittel des Buches. Verraten werde ich es hier aber nicht!

Mir hat das Buch sehr gefallen und ich erwarte mit Spannung den nächsten Roman der Autorin, den ich mit Sicherheit auch lesen werde. Was ich auf jeden Fall noch los werden möchte, ist, das ich es lobenswert finde das Chiara Strazzulla nur abgeschlossene Romane schreiben will, um keinen Leser zu zwingen Folgebände zu kaufen, um zu erfahren wie die Geschichte endet. Das finde ich gerade im Fantasybereich super, da hier doch sehr viele Reihe geschrieben werden.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

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