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Benutzername: TanyBee
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Bewertungen

Insgesamt 54 Bewertungen
Bewertung vom 15.05.2019
Crazy Rich Asians
Kwan, Kevin

Crazy Rich Asians


sehr gut

Rachel und Nick wohnen in New York und sind seit zwei Jahren ein Paar, als Nick Rachel bittet, mit ihm in seine Heimat Singapur zu reisen. Er ist dort Trauzeuge bei der Hochzeit seines Freundes Colin und möchte ihr danach Asien zeigen. Was Rachel nicht ahnt und Nick ihr vorher auch nicht erzählt: Nick und auch Colin kommen aus Familien, die „crazy rich“ sind. Also nicht einfach nur reich, sondern unglaublich reich.
Man könnte meinen mit so viel Geld kann man sich von allen Problemen frei kaufen, aber in diesem Roman zeigt sich schnell: viel Geld bringt ganz neue Probleme mit sich. Dabei geht jede Familie anders damit um. Einige protzen, andere versuchen lieber im Hintergrund zu bleiben, manche leben sogar fast knauserig.
Nicks Familie ist sich jedenfalls schnell sicher, dass Rachel nicht gut genug für Nick ist und versucht die beiden auseinander zu bringen.
Eine sehr amüsante und kurzweilige Lektüre, die vor allem durch die Herkunft der Protagonisten und den Schauplatz zu etwas besonderem wird. Ich lese sonst eher wenig Chick-lit, aber Singapur hat mich schon immer fasziniert und deswegen wollte ich dieses Buch unbedingt lesen. Man erfährt viel Neues, über das Essen, die Traditionen, die Hintergründe. Auch das sogenannte Singlish kommt im Roman gut rüber und ist witzig zu lesen, die Personen streuen immer wieder chinesische Worte ein. Die werden zum Glück in amüsanten Fußnoten erläutert.
Besonders gefallen haben mir die Szenen, wenn die Superreichen ihre geschützte Blase verlassen und man kurz einen Blick in das richtige Singapur werfen kann. Das ist aber die Ausnahme.
Ein bisschen schwer getan habe ich mir mit den vielen Personen, aber zum Glück gibt es einen Stammbaum vorne im Buch (der meine Verwirrung nicht ganz beheben konnte, aber der sehr geholfen hat).
Liebesromane oder Chick-lit gehören nicht zu meinem bevorzugten Genre, aber hier macht wirklich der Schauplatz und der Hintergrund den Unterschied. Dadurch wird die (etwas vorhersehbare) Geschichte interessant.
Zur Aufmachung der deutschen Ausgabe: Sie ist wirklich total hübsch! Es sieht aus wie ein Hardcover, hat aber keinen Schutzumschlag sondern einen broschierten Umschlag und ein etwas kleineres Format. Sehr schön anzuschauen!
Ich habe es echt gerne gelesen und bin jetzt auch irgendwie froh, nicht „crazy rich“ zu sein.

Bewertung vom 06.05.2019
Glück am Morgen
Smith, Betty

Glück am Morgen


ausgezeichnet

„Ein Baum wächst in Brooklyn" habe ich sehr geliebt und ich freue mich, dass der Insel Verlag ein weiteres Buch von Betty Smith übersetzt hat. "Glück am Morgen" ist ruhiger, unspektakulärer, aber irgendwie auch genau richtig.
Es geht um Annie und Carl, die heiraten, als Annie gerade 18 geworden ist, damit sie zusammen sein können. Carl ist 20 und studiert. Es ist kein einfaches Leben für die beiden, das Geld ist knapp, die Eltern heißen die Heirat nicht gut. Der Roman spielt in den 20er Jahren und man kann wirklich froh sein, dass sich die Zeiten geändert haben. Aber trotzdem ist es so schön, Annie und Carl zu begleiten! Annie musste arbeiten, seit sie 14 war und konnte deswegen nicht weiter zur Schule gehen. Aber sie hat eine große Leidenschaft für Bücher und ist sehr glücklich, dass sie an Carls Uni die Bibliothek nutzen darf. Irgendwann stellt sie sich in den Flur und hört heimlich bei Literaturvorlesungen zu. Sie erledigt sogar die Hausaufgaben. Als der Dekan davon erfährt, lässt er sie ganz offiziell an den Vorlesungen teilnehmen. Ist das nicht schön? "Glück am Morgen" ist eine Liebeserklärung an die Literatur, die Bildung und an die Liebe selbst.
Betty Smith erzählt die Geschichte sehr warmherzig und die Seiten fliegen nur so dahin beim Lesen. Es gibt lauter Charaktere, die im ersten Moment etwas grummelig oder schrullig erscheinen und die einem dann doch ans Herz wachsen.
Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass manche Leser den etwas naiven Tonfall nicht mögen.

Ich mochte es sehr. Alles daran! Besonders empfehlen würde ich es an Fans von L.M. Montgomery (Anne of Green Gables). Glück am Morgen hat mich von der Erzählweise ein wenig daran erinnert.

Bewertung vom 06.05.2019
Bell und Harry
Gardam, Jane

Bell und Harry


sehr gut

Schauplatz ist ein kleines Dorf in Yorkshire. Die Familie Bateman hat über den Sommer ein Haus gemietet, um sich vom Stress on London zu erholen. Harry ist das jüngste Bateman Kind und freundet sich bald mit Bell an, der schon sein ganzes Leben auf dem Land und der Farm verbracht hat.
Bell und Harry ist ein sehr ruhiges Buch. Es erzählt auch gar nicht richtig eine zusammenhängende Geschichte, sondern eher einzelne Episoden aus dem verschiedenen Sommern, die die Batemans auf der Farm verbringen. Es geht um Missverständnisse zwischen Dorf und Stadtleuten und natürlich um die Abenteuer, die die beiden Jungs zusammen erleben. Ich habe einen Moment gebraucht, um zu verstehen, dass die Jungs immer älter werden, so genau wird das alles nicht erklärt.
Ich muss gestehen, dass es mir zwischendurch etwas an Spannung gefehlt hat, da die einzelnen Episoden doch recht kurz sind und relativ zusammenhangslos. Die letzten Seiten konnte mich dann aber wieder mehr begeistern. Der Roman ist bereits 1981 erschienen, aber die Handlung reicht bis zum Jahr 1999! Gardam wagt also einen Blick in die Zukunft und im Buch ist die Situation etwas als sie in Wirklichkeit war, es gibt nämlich kaum noch Öl. Und das Ende schafft es auch noch, das die gesamte Handlung etwas mehr zu verbinden, einen roten Faden über alles zu spannen.
Was Gardam wirklich gut kann, ist die Beschreibung ihrer Charaktere. Es ist eine warmherzige Geschichte mit schrulligen Dörflern, die man dann aber trotzdem versteht und lieb gewinnt.
Die Bewertung fällt mir schwer, da die Beschreibungen im Buch wirklich wunderbar sind und ein schönes Gefühl beim Lesen erweckten. Aber insgesamt hat mir das Episodenhafte nicht so richtig gefallen, der Spannungsbogen hat gefehlt. Ich gebe vier Sterne.

Bewertung vom 06.05.2019
Schuldig
Minato, Kanae

Schuldig


sehr gut

Kazuhisa Fukase lebt ein unaufälliges Leben. Er arbeitet bei einem Vertrieb für Büroartikel und hat eine Leidenschaft für die gute Zubereitung von Kaffee, ansonsten ist er aber sehr zurückgezogen. Doch eines Tages bekommt seine Freundin, mit der er erst seit kurzem ausgeht, einen Brief in dem steht: Kazuhisa Fukase ist ein Mörder. Dieser Brief katapultiert ihn zurück in die Vergangenheit, zu einem Ausflug mit Studienfreunden. Sie waren zu fünft los gefahren und nur vier von Ihnen sind zurückgekehrt. Was ist damals wirklich passiert?

Fukase nimmt Kontakt zu seinen alten Studienkollegen auf und zu Freunden und Familie von Hirosawa, der damals umgekommen ist. Nach und nach setzt er ein neues Bild von seinem Freund zusammen.

Schuldig ist ein sehr sehr japanisches Buch. Der Plot wäre hier auf diese Weise gar nicht möglich. Und genau das macht seinen Reiz aus. Typisch japanisch ist auch die ausführliche Beschreibung von Speisen und Getränken. Man bekommt direkt Lust, mit dem Auto durch Japan zu fahren und die ganzen Gerichte ebenfalls zu probieren.

Vor zwei Jahren habe ich das Buch „Geständnisse“ der Autorin gelesen und das ist ganz anders als dieses hier. Was sie gemeinsam haben ist, dass bei beidem die typisch japanischen Verhaltensweisen und Gefühle eine große Rolle spielen. Aber „Geständnisse“ ist wesentlich grausamer und blutiger. Eher ein Thriller (Die Verfilmung ist übrigens sehr sehenswert!!). „Schuldig“ ist viel ruhiger erzählt und komplett unblutig, aber raffiniert aufgebaut. Gerade wenn man denkt, nun weiß man alles, kommt doch noch der große Knall und viele Puzzleteile fallen an ihren Platz.

„Geständnisse“ hat mir etwas besser gefallen, da es doch ein ganzes Stück spannender ist, aber das ist sicher Geschmackssache.

„Schuldig“ habe ich auch sehr gerne gelesen und empfehle es weiter, vor allem für Japan Fans!

Bewertung vom 25.04.2019
Das Verschwinden der Stephanie Mailer
Dicker, Joël

Das Verschwinden der Stephanie Mailer


sehr gut

Jesse Rosenberg ist erst 45, aber möchte sich aus dem Polizeidienst verabschieden. Er hat noch eine Woche zu arbeiten, da kommt eine Journalistin auf ihn zu und sagt ihm, dass er sich bei seinem ersten Fall geirrt habe, dass er nicht den richtigen Täter für den Vierfachmord gefunden hätte.
Die Sache lässt ihm keine Ruhe und so öffnet er die 20 Jahre alte Akte wieder.
„Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ spielt in Orphea, einem fiktiven Ort auf Long Island, und in New York. Der Vierfachmord geschah 1994 und im Jahr 2014 wird er wieder aufgerollt. Kann man nach so langer Zeit den wahren Täter finden?
Wie man aus dieser Inhaltsangabe schon herauslesen kann: eigentlich ist es eher ein Krimi als ein Roman. Es gibt Morde, es gibt Ermittler, es gibt die Frage: wer war’s? Die Handlung wird sehr verschachtelt erzählt, nach und nach werden immer mehr Puzzleteile preisgegeben. Und der Autor führt den Leser auf einige falsche Fährten! Es ist ein großes Vergnügen mit zu rätseln (und immer wieder zu scheitern).
Ein richtig guter Schmöker also, wie wir es von Joël Dicker gewohnt sind. Allerdings habe ich auch Kritikpunkte. Trotz des beachtlichen Umfangs von 672 Seiten bleiben sie Figuren seltsam blass. Die Handlung wir aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, die aber alle sehr ähnlich klingen und man kann nur anhand der Überschrift erkennen, wer nun spricht. Einige der Personen sind sehr überspitzt dargestellt, was mir manchmal gefallen hat und manchmal ist es einfach übertrieben.
Ich habe alle drei bisher erschienen Bücher von Joel Dicker gelesen und mein Lieblingsbuch von ihm ist „Die Geschichte der Baltimores“. Mit dem Buch kann „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ nicht ganz mithalten. Aber da lag die Latte auch sehr hoch.
Fazit: ein wunderbarer Schmöker, eher ein Krimi als ein Roman, mit vielen Überraschungen. Ich bin sehr gespannt, was Herr Dicker als nächstes abliefert, ich werde es auf jeden Fall lesen.

Bewertung vom 23.04.2019
Der Wal und das Ende der Welt
Ironmonger, John

Der Wal und das Ende der Welt


sehr gut

St. Piran ist ein winziger Ort an der Küste von Cornwall. Er liegt so versteckt, das sich nicht mal Touristen hierher verirren. Eines Tages wird ein nackter Mann am Strand angespült und am selben Tag auch noch ein Wal. Der nackte Mann ist Joe Haak, er ist vor seinem Leben in London als Analyst bei einer großen Bank geflüchtet.

Und nun wird es schwierig mehr über das Buch zu erzählen ohne zu viel zu verraten. Deswegen möchte ich wage bleiben: Joe hat aus seinem alten Leben Hinweise, das die Menschheit vor einer großen Bedrohung steht und versucht das Dorf darauf vorzubereiten. Der Roman ist also eine Art Dystopie. Wobei das Wort eigentlich viel zu negativ für die Handlung ist. Denn auch wenn mehrmals betont wird, dass die Menschheit schlecht ist und im Notfall jeder nur an sich selbst denkt, spielt sich hier das Gegenteil ab. Es ist eine Dystopie für Leute, die sonst keine Dystopien lesen. Ohne schreckliche Stellen. Praktisch das komplette Gegenteil des Dystopie Klassikers "Die Straße". Ich bin ein bisschen unentschlossen, wie ich das finden soll. Das Buch liest sich gut und es gibt viele interessante Personen. Insgesamt war mir die Geschichte doch etwas zu weichgespült, ohne Ecken und Kanten.
Es gibt aber viele interessante Gedankengänge darüber, wie unsere Gesellschaft und die Zivilisation funktionieren. Was passiert beispielsweise, wenn Supermärkte nicht mehr beliefert werden können? Es gibt kaum noch Vorräte, alles wird just-in-time bereitgestellt. Wenn in diesem perfekten System ein Zahnrad oder auch mehrere wegfallen, was passiert dann? Wie lange wird es dauern, bis die Menschen hungern? Diese Gedankenspiele haben mich sehr fasziniert.

Fazit: Ich mochte das Buch ganz gerne, aber trotz des ernsten Themas ist es doch eine eher leichte Lektüre. Was ja auch manchmal genau das richtige ist.

Bewertung vom 19.03.2019
Ein perfider Plan / Hawthorne ermittelt Bd.1
Horowitz, Anthony

Ein perfider Plan / Hawthorne ermittelt Bd.1


ausgezeichnet

Als ich „Ein perfider Plan“ zu lesen begann, hatte mich auf einen netten Krimi eingestellt. Doch dieses Buch hat mich wirklich überrascht! Ich bin sehr begeistert. Aber von Anfang an:
Der Clou an diesem Roman ist, dass der Autor Anthony Horowitz über sich selbst schreibt. Anthony Horowitz, Autor und Drehbuchautor, bekommt ein Angebot von einem Ermittler, ein Buch über seinen aktuellen Fall zu schreiben. Dabei mag er diesen Ermittler, Hawthorne, nicht mal besonders. Doch der Fall ist interessant: Diana Cowpder hat ein Beerdigungsinstitut besucht, um ihre eigene Beerdigung zu organisieren. 6 Stunden später ist sie tot – ermordet. Wusste sie, dass sie ermordet werden wird? Horowitz lässt sich also auf das Angebot ein.
Hawthorne ist wortkarg, unfreundlich und nicht besonders sympathisch. Horowitz ist sein Gegenstück: nett, empathisch, manchmal naiv. Besonders fasziniert hat mich, wie der Autor immer wieder sein eigenes Leben und seine bisherigen Werke ins Buch einfließen lässt. Stellenweise hat man wirklich das Gefühl, ein autobiographisches Werk zu lesen. Aber dieser Fall ist ja nicht wirklich passiert. Oder doch? Diese Verflechtung von Fiktion und Fakten passiert nicht halbherzig, sondern wird perfekt durchgehalten. Bis zur allerletzten Seite (die mir noch einmal besonders gut gefallen hat!), besser noch, sogar bis zur Danksagung.
Und auch der Kriminalfall und dessen Lösung sind äußerst intelligent erdacht. Ich liebe solche Krimis, bei denen man miträtselt, auf falsche Fährten geführt wird und am Ende ist doch alles ganz logisch und einleuchtend. Und das Ende ist so spannend! Ich musste die letzten 100 Seiten am Stück lesen.
Was ich auch noch unbedingt anmerken muss: Das Buch ist wunderschön gestaltet. Es hat einen Leineneinband und die Schrift und die Bilder sind geprägt. Ein wahres Schmuckstück für jedes Bücherregal.
Ich hoffe sehr, dass Band 2 bald auf Deutsch erscheint und dass die Reihe noch viele weitere Bände bekommen wird. Und während des Wartens werde ich mir die anderen Bücher von Horowitz anschauen, mal sehen, ob sie ähnlich genial konstruiert sind.
Eine große Leseempfehlung an alle Krimiliebhaber für dieses Buch!

Bewertung vom 14.03.2019
Leonardos Flugmaschinen
Meyer, Stephan Martin

Leonardos Flugmaschinen


ausgezeichnet

Leonardos Flugmaschinen ist das dritte von Buch von Stephan Martin Meyer und Thorwald Spangenberg. Wir sind sehr begeistert von dem Konzept. Es werden historische und technische Fakten in einer fiktiven Geschichte vermittelt. Protagonist ist jedes Mal ein Kind, so dass die Geschichte nah dran ist an der Zielgruppe.
Aber nun erst einmal zum Inhalt: Anselmo ist 14 und lebt in Italien. Seine Familie ist an der Pest gestorben und er soll nun bei seinem Onkel, einem Kapuzinermönch, im Kloster leben. In der Werkstatt seines Onkels Giovanni findet er eine Kiste mit Zeichnungen von Leonardo da Vinci. Nach anfänglichem Zögern des Onkels machen sich beide an die Aufgabe, die Flugmaschinen auf den Zeichnungen nachzubauen. Doch das ist nicht ganz ungefährlich, denn zur damaligen Zeit galt es als anmaßend und gotteslästerlich fliegen zu wollen. Der Leser erkundet sozusagen mit dem beiden zusammen, welche der Zeichnungen sich in funktionierende Flugmaschinen umsetzen lassen und welche nicht.
Man bekommt hier nicht nur eine spannende Geschichte, sondern auch viele Hintergrundinfos zum Leben im Konvent, zu Leonardo da Vinci, zum Fliegen, zur Inquistion und zum damaligen Leben. In einem Nachwort wird erklärt, welche Teile der Geschichte wahr und welche fiktiv sind und es werden abschließende Fragen geklärt. Sehr gelungen!
Im Buch wird auch die Technik erläutert, die heutige Flugzeuge nutzen, und was an Leonardos Zeichnungen richtig war und was er mit dem damaligen Stand der Technik noch nicht umsetzen konnte. Sehr interessant! Nicht nur für die Kinder.
Das Buch enthält viele schöne Details, zum Beispiel die Schrift, mit der Leonardo da Vinci geschrieben hat (er war Linkshänder und hat deswegen Spiegelschrift benutzt).
Die Illustrationen gefallen mir sehr, sie passen zur dargestellten Zeit. Zwischendurch gibt es auch immer wieder comichafte Episoden und technische Zeichnungen, eine gelungene Mischung.
Man darf sich vom Format des Buches nicht irritieren lassen: es ist kein Bilderbuch für Kleine. Der Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 8, bei Leonardos Flugmaschinen würde ich sie sogar noch etwas höher ansetzen. Auch für ältere Kinder ist das Buch sicher noch interessant und eine gute Ergänzung zum Geschichtsunterricht. Ich muss sagen, das auch ich als Erwachsene bei allen drei Titeln („Mit dem Zeppelin nach New York“, „Mit dem Orient Express nach Paris“ und „Leonardos Flugmaschinen“) noch etwas dazu gelernt habe!
Ich möchte eine große Empfehlung für alle drei Bücher abgeben. Wir nehmen sie immer wieder zur Hand und sie haben einen Ehrenplatz bei uns im Regal.

Bewertung vom 07.03.2019
Die Liebe im Ernstfall
Krien, Daniela

Die Liebe im Ernstfall


ausgezeichnet

„Die Liebe im Ernstfall“ erzählt uns von 5 Frauen, ihren Entscheidungen, ihrem Lebensweg. Paula, Judith, Brida, Malika und Jorindes Geschichten sind lose miteinander verwebt, sie kennen sich, tauchen im Leben der anderen auf. Und doch sind es fast 5 einzelne Geschichten. Ihre Leben verläuft unterschiedlich: wegen ihres Charakters, der Entscheidungen, sie im Leben getroffen haben und ihrer Fähigkeiten, sich auf andere einzulassen.

Für mich liegt das Buch sehr nah am Puls der Zeit. Heutzutage haben Frauen mehr Möglichkeiten ihr Leben zu gestalten, als jemals zuvor. Aber diese Möglichkeiten bringen natürlich auch Entscheidungen mit sich: Will ich Kinder? Oder lieber Karriere? Oder geht auch beides? Ist der Mann an meiner Seite perfekt genug oder kommt da noch was Besseres? Brauche ich überhaupt einen Mann?

Jede der Frauen geht ihren eigenen Weg. Zum Beispiel Judith, die eine erstklassige Ärztin sein will und nach der Arbeit Entspannung bei ihrem Pferd findet. Für Kinder ist in ihrem Leben kein Platz. Den perfekten Mann mit der perfekten Übereinstimmung sucht sie auf Dating Plattformen.

Oder Brida, die zwei Kinder hat und ihren Mann liebt, der aber ihr Beruf fehlt. Sie ist Schriftstellerin und im Alltag mit Kindern ist nicht genug Zeit, damit ihre Kreativität fließen kann.

All das erzählt uns Daniela Krien ganz leise und unaufgeregt. Die Autorin wertet nicht, sie zeigt uns einfach die verschiedenen Lebensmodelle. Sie zeigt auch, dass die Frauen vielleicht manchmal nicht so glücklich sind, wie es von außen wirkt.

Mir hat das Buch wirklich sehr gefallen und ich habe so viele Situationen aus meiner eigenen Erfahrung wiedererkannt. Die Konstruktion des Romans mochte ich sehr, ich habe oft zurückgeblättert, wenn eine Situation aus einer anderen Sicht geschildert wurde. Das zeigt sehr schön, wie gefangen wir doch in unserer eigenen Sichtweise sind, wie subjektiv unsere Bewertungen von anderen sind.

Ich werde auf jeden Fall noch mehr von Daniela Krien lesen und gebe eine große Empfehlung für dieses Buch!

Bewertung vom 26.02.2019
Die Mauer
Lanchester, John

Die Mauer


sehr gut

„Die Mauer“ spielt in einer unbenannten Zukunft, nach dem „Wandel“. Um Großbritannien herum wurde eine Mauer gebaut, um „Die Anderen“ draußen zu halten. Jeder, Männer und Frauen, müssen zwei Jahre Wachdienst auf der Mauer leisten. Die Geschichte setzt ein, als Joseph Kavanagh seinen Dienst antritt. Zwei lange Jahre voller 12 Stunden Schichten in der Kälte liegen vor ihm. Und er muss diesen Job ernst nehmen, denn wenn es ein Anderer über die Mauer schafft, wird er selbst auf dem Meer ausgesetzt.


Die Lage der Welt wird im Buch eher angedeutet als ausführlich erklärt. Anscheinend ist der Meeresspiegel gestiegen und viele Gegenden sind unbewohnbar. Großbritannien hat sich vom Rest der Welt durch die Mauer abgeschottet. Ein Szenario, wie es heute schon in Ansätzen vorhanden ist, Stichworte: Klimawandel und Flüchtlinge. Allerdings geht es im Roman kaum um die Lage der Welt als Ganzes, sondern eher ganz konkret um Joseph und welche Auswirkungen das auf ihn und sein Leben hat.


Besonders gut beschrieben ist die Wut von Joseph Generation auf die der Eltern, die den „Wandel“ in seinen Augen zu verantworten haben und dessen Konsequenzen er nun tragen muss.


Ich habe das Buch gerne gelesen, es ist spannend und die Gedankenspiele rütteln auf. Denn lassen wir nicht heute schon „Andere“ im Meer ertrinken, statt ihnen zu helfen? Auch ohne Mauer. Trotzdem ließ mich die Lektüre am Ende auch ein wenig unbefriedigt zurück. Sehr viel bleibt offen. Sehr wenig erfahren wir über die Welt. Ich hätte mir am Ende noch eine Art Aha Erlebnis gewünscht, für den Leser und für Joseph, aber das blieb aus. Man wird zurück gelassen in Hoffnungslosigkeit.


Mein Fazit: ein spannendes Buch für alle, die realistische Dystopien gerne mögen. Und die damit leben können, dass nicht alle Fragen beantwortet werden. Ich habe es gerne gelesen, deswegen gebe ich 4 Sterne.