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Benutzername: Biest
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Bewertungen

Insgesamt 71 Bewertungen
Bewertung vom 29.10.2018
Alchimie einer Mordnacht
Black, Benjamin; Banville, John

Alchimie einer Mordnacht


sehr gut

Gelungener historischer Roman, weniger Krimi

Inhalt:

Prag, Winter 1599:

Christian Stern, ein ehrgeiziger junger Gelehrter, Alchimist und unehelicher Sohn des Bischof von Regensburg, will am Hof des paranoiden und exzentrischen Habsburgers Rudolf II Karriere machen. Doch schon in der ersten Nacht findet er die Leiche einer jungen Frau, Magdalena, gerade erst 16 Jahre alt.
Christian gerät in Verdacht – und in den Bannkreis skrupelloser Höflinge, die durch finstere Machenschaften versuchen, sich Vorteile zu verschaffen. Bald zieht Christian die Aufmerksamkeit des Kaisers selbst auf sich. Doch mit der kaiserlichen Gunst wächst die Furcht, dass es in diesem Ränkespiel auch um sein eigenes Leben gehen könnte.

Meine Meinung:

Dem Autor ist es gelungen, mich als Leser ins Prag des 17. Jahrhunderts zu entführe. Die tollen bildhaften Beschreibungen und die Sprache, versetzen einen sofort zurück in die damalige Zeit.

Die handelnden Personen waren sehr gut dargestellt. Sie waren unterschiedlich, hatten Tiefe und jeder hatte seine Macken. Jeder schien Geheimnisse zu haben und es war auch für mich als Leser schwierig herauszufinden, wem man trauen kann und wem nicht.
Gemeinsam mit Christian Stern versucht man des Rätsels Lösung näher zu kommen und den wahren Täter zu finden. Stück für Stück muss man sich die Fakten hart erarbeiten. Immer wieder tauchen neue Hinweise auf und führen zu noch mehr Verdächtigen. Sein Charakter hat mir sehr gut gefallen. Er ist wissbegierig, intelligent und mutig. Nichts und Niemand scheint ihn aufhalten zu können. Doch je höher man steigt, desto tiefer kann man fallen.

Die Atmosphäre die im ganzen Buch herrschte, war einfach toll. Man lernt Sitten und Bräuche kennen, bekommt einblicke in die Zeit von Kaiser Rudolf II, seinem Hof und seinen Untertanen. Dort wird vor Folter nicht zurückgesteckt um potentielle Verdächtige zu reden zu bringen. Christian steckt seine Nase tief in Angelegenheiten anderer Personen und bringt sich damit selbst in Gefahr.
Bis zum Schluss blieb es, dank ungeahnter Wendungen und geschickt gelegten Finten, sehr spannend.

Der Schreibstil war sehr angenehm und ließ sich für einen historischen Roman erstaunlich gut und flott lesen.

Das Cover gefällt mir gut. Es ist ein bisschen auf alt gemacht und versetzt einen bereits vor dem Lesen in die damalige Zeit.

Fazit:

Ein toller historischer Kriminalroman, mit einer gelungen Atmosphären und einem mutigen und intelligenten Protagonisten. Eine klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 29.10.2018
Wie ich fälschte, log und Gutes tat
Klupp, Thomas

Wie ich fälschte, log und Gutes tat


sehr gut

Ich habe dieses Buch in einer Leserunde gelesen, daher weiß ich, dass einige dieses Buch abgebrochen haben. Es hat mit Sicherheit seine Extreme. Ich habe es zu Ende gelesen.

Benedikt (15) erzählt das Buch aus seiner Sicht, erzählt über seinen Schulalltag, seine Familie, seine Freunde, mit denen er viel Zeit verbringt, ob in der Schule oder beim Tennis. Ein ganz normales Teenieleben, wenn da diese Extremen nicht wären.
Benedikt ist nett, hilfsbereit und eigentlich ein ziemlich ruhiger Charakter.

Die Sprache ist modern, mit vielen Kraftausdrücken und sehr vielen „fuckings“, wer damit nicht umgehen kann, sollte diesem Werk eher den Rücken kehren.
Mir hat der Schreibstil gefallen, auch wenn er anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig war.

Die Beschreibungen waren sehr bildhaft, so das man keinerlei Schwierigkeiten hatte sich auch die abstraktesten Dinge vor Augen zu rufen.
Die Charaktere waren interessant und sehr abwechslungsreich. In Benedikt konnte man sich super hineinversetzen, kaum angefangen zu Lesen, fühlte man sich sofort wieder in seine Jugend zurückversetzt.

Das Cover finde ich sehr gelungen. Es zieht sicher einige Blicke auf sich, aber niemals hätte ich gedacht, was sich dahinter verbirgt.

Fazit:

Ein außergewöhnlicher Roman der etwas anderen Art. Sicher nichts für jeden, mir hat er gefallen. Er sticht aus der Masse heraus!

Bewertung vom 29.10.2018
Die Tote im Wannsee / Kommissar Wolf Heller Bd.1
Kellerhoff, Lutz W.

Die Tote im Wannsee / Kommissar Wolf Heller Bd.1


ausgezeichnet

Aufgeheizte Stimmung

1968 – Wolf Heller ermittelt in politisch aufgeheizten Zeiten

Inhalt:

West-Berlin, 1968. Studenten demonstrieren lautstark in den Straßen, während die Stasi in aller Stille Spione auf die andere Seite der Mauer schickt. Wolf Heller, Kommissar bei der Mordinspektion M I, interessiert sich eigentlich nicht für Politik. Doch dann wird eine junge Frau tot im Wannsee gefunden. Heidi Gent arbeitete in der Kanzlei des linken Anwalts Horst Mahler. Heller soll den Fall schnell abschließen, ohne allzu tief zu graben. Denn auf der Polizei lastet noch immer der Schatten des Mordes an Benno Ohnesorg, der Druck aus dem Schöneberger Rathaus ist enorm, und die sensationshungrige Presse lauert auf Fehler. Für Heller wird der Fall zur Zerreißprobe. Sein Chef und auch sein Vater, ein ehemaliger Polizist, wollen ihn mit aller Macht von weiteren Ermittlungen abbringen. Und dann zerren auch noch seine Vermieterin Paula, die ihn heiraten will, und die lässige Amerikanerin Louise aus der Kommune Wielandstraße an dem Einzelgänger. Heller muss sich entscheiden.

Rudi Dutschke, Uschi Obermaier, Willy Brandt, Axel Springer – die Sechzigerjahre sind ihre Bühne. Es steht viel auf dem Spiel. Und Wolf Heller muss sich als junger Kommissar in wilden Zeiten beweisen.

Meine Meinung:

Der Einstieg ins Buch war etwas schwierig, da man bereits direkt am Anfang mit sehr vielen Personen konfrontiert wird. Das hat sich aber schnell gelegt, denn die Figuren werden im weiteren Verlauf alle häufiger erwähnt.
Die Atmosphäre Ende der 60er Jahre wurde super eingefangen. Man fühlt sich sofort in die damalige Zeit zurückversetzt. Das hat mir sehr gut gefallen. Auch tauchen einige bekannte Namen, Orte und Gebäude in der Geschichte auf.

Heller ist ein junger und sympathischer Kommissar. Er hatte, bzw. hat es nicht immer einfach, versucht aber das Beste daraus zu machen und geht Dingen, die er nicht versteht auf den Grund.
Es gibt natürlich auch weniger sympatische Figuren, wie zum Beispiel Doll. Den hatte ich sofort gefressen und das hat sich aufgrund seiner blöden und unangebrachten Kommentare auch bis zum Ende nicht gelegt.
Die handelnden Personen waren gut und detailliert beschrieben, was sowohl das Aussehen als auch den Charakter betrifft.

Die Story an sich war spannend, gut recherchiert und toll aufgebaut. Gemeinsam mit Heller ermittelt man bis zum Schluss, wo auch dann die wichtigsten Fragen geklärt werden. Das Ende hat mir gut gefallen und hielt auch noch die ein oder andere Überraschung bereit.

Ebenfalls gut gefallen hat mir das Glossar, ganz am Ende. Dort werden die wichtigsten Begriffe anschaulich erklärt.
Der Schreibstil war auch super angenehm und ließ sich flott lesen.
Das Cover gefällt mir, es passt zur damaligen Zeit und zur Geschichte.

Fazit:

Ein spannender, gut durchdachter, super recherchierter Krimi, mit einer toll eingefangenen Atmosphäre der 60er Jahre. Eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 29.09.2018
Mexikoring / Chas Riley Bd.8
Buchholz, Simone

Mexikoring / Chas Riley Bd.8


ausgezeichnet

Geniale Ermittler, spannende Story

Burn Baby Burn

Inhalt:

In Hamburg brennen die Autos. Jede Nacht, wahllos angezündet. Aber in dieser einen Nacht am Mexikoring, einem Bürohochhäuserghetto im Norden der Stadt, sitzt noch jemand in seinem Fiat, als der anfängt zu brennen: Nouri Saroukhan, der verlorene Sohn eines Clans aus Bremen.
War er es leid, vor seiner Familie davonzulaufen? Hat die ihn in Brand setzen lassen? Und was ist da los, wenn die Gangsterkinder von der Weser neuerdings an der Alster sterben?

Bei den Ermittlungen um den Tod von Nouri Saroukhan taucht Staatsanwältin Chastity Riley tief ein in die Welt der Clan-Familien. Nach und nach erschließen sich ihr die weitverzweigten kriminellen Strukturen, die sich durch ganz Deutschland ziehen. Nouri Saroukhans Geschichte ist die Geschichte eines Ausbruchs zu einem hohen Preis. Und die Geschichte einer Liebe: von Nouri und Aliza, die nicht zusammenkommen durften und in ein anderes Leben türmten, das aber kein besseres war. Weiß Aliza, was mit Nouri am Mexikoring passiert ist?

Meine Meinung:

Simone Buchholz ist hier eine tolle Story gelungen, mit außergewöhnlichen und interessanten Charakteren.

Wenn ich lese, dass eine Staatsanwältin in die Ermittlungen involviert ist, gehe ich eigentlich davon aus, dass es ziemlich gesittet und gesetzeskonform abläuft. Weit gefehlt. Riley ist echt der Wahnsinn. Selten habe ich mich so amüsiert. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, teilt ihre Gedanken unzensiert dem Leser mit. Sie wirkt locker, intelligent und ein wenig chaotisch. Ich hab sie Dank ihrer direkten Art sofort ins Herz geschlossen.
Auch Nouri und Aliza waren zwei interessante Charaktere. Immer wieder gibt es kurze Sequenzen aus der Vergangenheit, in denen sich die beiden treffen und reden. Als Leser weiß man von Anfang an, dass die beiden keine Zukunft haben werden, denn Nouri ist tot, dass fand ich doch sehr bedrückend beim Lesen.

Die Story war super, interessant und beängstigend realistisch. Schon ziemlich krank, was sich innerhalb solcher Clans abspielt. Das hat die Autorin hier sehr authentisch beschrieben. Von Polizei halten diese Menschen nicht viel, was die Ermittler auch deutlich zu spüren bekommen, es wird alles intern mit roher Gewalt geregelt.
Ich fand das Buch wirklich klasse. Es herrschte von Anfang an eine gewisse Spannung, die sich stetig erhöhte.
Das Ende war überraschend, hat mir aber auch sehr gut gefallen. Es war realistisch.

Der Schreibstil war toll, modern und Dank der taffen Staatsanwältin gabs auch einiges zum schmunzeln. Ich bin nur so durchs Buch geflogen.

Das Cover gefällt mir. Es erinnert mich an meine Jugend, damals gabs die gelben Kabinen noch an jeder Ecke.

Fazit:

Wer auf Ermittler der besonderen und anderen Art steht, der sollte dieses Buch unbedingt lesen. Alleine Riley ist eine Reise nach Bremen und Hamburg wert.

Bewertung vom 29.09.2018
Königskinder
Capus, Alex

Königskinder


sehr gut

Wie ein Märchen

Inhalt:

Max und Tina bleiben auf einem verschneiten Alpenpass stecken und müssen die Nacht im Auto verbringen. Um das Warten in der kalten, langen Nacht zu überbrücken, erzählt Max eine Geschichte, die genau dort in den Bergen ihren Anfang nimmt und Jahrhunderte zurückliegt.

Es ist die Zeit der Französischen Revolution, eine Zeit des Aufbruchs und Umbruchs in Europa.
Jakob ist ein Hirte aus dem Greyerzerland und verliebt sich in Marie, die Tochter eines reichen Bauern. Der Vater will den Jungen loswerden und tut alles was in seiner Macht steht, um Jakob von Marie fernzuhalten. Er schickt ihn erst in den Kriegsdienst und dann an den Hof Ludwigs XVI, wo auch dessen Schwester Elisabeth lebt. Diese hat sich dort einen Traum erfüllt und spannt Jakob voll mit ein. Doch nach einiger Zeit, merkt neben den Dienstmädchen auch die Prinzessin, dass Jakob alles andere als glücklich ist. Sie sucht nach einer Lösung, denn ihren Kuhhirten will sie auf keinen Fall ziehen lassen.

Meine Meinung:

In diesem Buch bettet der Autor eine Liebesgeschichte in eine Liebesgeschichte ein.

Nachdem Max und Tina gezwungen sind, eine Nacht in ihrem eingeschneiten Auto zu verbringen, beginnt Max eine Geschichte zu erzählen. Die beginnt und endet wie ein Märchen.
Capus erzählt mit einer solchen Detailverliebtheit, dass man um sich herum beim Lesen fast alles vergisst. Dies ist gewiss kein Werk, durch welches man eben mal so durchfliegt. Man muss es langsam und bewusst lesen, um auch wirklich alles zu verstehen. Er vermittelt den Lesern zudem einiges an Wissen über die damalige Zeit. So z.B. die Erfindung des Heißluftballons, der Ausbruch des Vulkans Laki und die daraus resultierenden Folgen, der Sturm auf die Bastille etc.

Die Charaktere waren schön gezeichnet und sehr fassettenreich. Tina und Max eher modern, liebenswert und ein bisschen streitlustig. Bei Jakob und Marie spürt man deutlich, dass sie aus einer anderen Zeit stammen, ihre Liebe gleicht einem zarten Pflänzchen und sie passen sich sehr den damaligen Gepflogenheiten an.
Wobei Prinzessin Elisabeth für die damalige Zeit ein ziemlicher Wildfang gewesen sein muss. Mit ihr ist dem Autor ein interessanter und abwechslungsreicher Charakter gelungen.

Der Schreibstil war super angenehm und ließ sich flüssig lesen.
Der Aufbau der Geschichte hat mir gut gefallen. Zwischendurch gibt es immer wieder Sequenzen, in denen Tina Max etwas fragt oder ihn auf Etwas aufmerksam machen will.
Das Cover gefällt mir. Es ist schlicht und doch sehr aussagekräftig. Im Nachhinein macht für mich auch der Titel Sinn, anfänglich konnte ich damit nicht wirklich viel anfangen.

Fazit:

Eine tolle Geschichte, super erzählt, ein bildhafter und fesselnder Schreibstil. Auch wenn das Buch nicht sehr dick ist, so kann man sich doch eine geraume Zeit damit beschäftigen und auch nach dem Lesen hallt es noch nach. Eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 29.09.2018
Walter muss weg / Frau Huber ermittelt Bd.1
Raab, Thomas

Walter muss weg / Frau Huber ermittelt Bd.1


ausgezeichnet

Ein genialer erster Fall für die alter Huberin

Auf dem Land kommen die Leichen wenigstens an die frische Luft!
Frau Huber ermittelt – Der erste Fall

Inhalt:

Glaubenthal. Eine abgelegene Postkartenidylle. Sanfte Hügel, dichte Wälder, anständige Bürger, Frischluft sowieso. Hannelore Huber aber weiß es besser, schließlich lebt sie am Rande dieses Dorfes, und so manches stinkt hier gewaltig zum Himmel. Ganz besonders die Leichen in diversen Kellern. Und eine davon steht im Mittelpunkt von Thomas Raabs furiosem neuen Kriminalroman: Hannis Ehemann. Unter äußerst mysteriösen Umständen kam er ums Leben. Aber wozu hinterfragen! Hauptsache tot. Die beiden haben zwar beinah das ganze Leben miteinander verbracht, den größten Teil allerdings aneinander vorbei. Und zwar konsequent. Folglich freut sich die alte Huber nun auf ihren wohlverdienten Ruhestand – doch sie freut sich zu früh. Vof den Augen der versammelten Trauergemeinde fällt der Sarg in die Grube, springt auf und offenbart einen falschen Leichnam. Da stellt sich natürlich nicht nur die Frage, wer diesen Toten auf dem Gewissen hat oder was in Glaubenthal sonst noch alles in den Gräbern herumliegt, sondern vor allem: Wo ist ist der verstorbene Ehegatte?
Thomas Raab erzählt mit großartigem schwarzem Humor, wie sich die grantige Huberin inmitten eines zwielichtigen Dorfkosmos auf die Suche begibt und zu ermitteln beginnt. Unterstützung erhält sie dabei ungebeten von einer fremden rotzfrechen Göre, die zumindest einen vielversprechenden Nachnamen trägt: Glück.

Meine Meinung:

Einfach genial. Der schwarze Humor ist köstlich und die absolut gelungenen Wortspiele lassen kein Auge trocken. Auf dieses gelungene Werk muss ich nun ein ernstes Buch lesen, damit sich meine Lachmuskeln wieder entspannen könnnen.

Die alte Huber, die grantiger gar nicht sein könnte, habe ich trotzdem sofort ins Herz geschlossen. Sie sagt was sie denkt, steckt ihre Nase gerne in Angelegenheiten anderer Leute und Vorwitz ist ihr zweiter Vorname.
Vorschreiben lässt sie sich gar nichts, tut was sie für richtig hält. Eine resolute alte Dame, die sich so auf ihren Ruhestand gefreut hat, wenn da nicht die verschwundene Leiche wäre. Die lässt ihr nämlich keine Ruhe und somit fängt die Arbeit für sie nun erst richtig an.

Die Charaktere waren alle sehr authentisch und nicht zu übertrieben dargestellt. Ich komme selbst vom Land und weiß wovon ich rede. Seltsame Vögel gibts überall, aber auf Dörfern summiert sich das irgendwie. Vom Bürgermeister, der zugleich der Dok im Dorf ist, wie praktisch, über den Bestatter, den Pfarrer, jede Menge Bauern und bis hin zu ganz frisch Zugezogene, ist alles dabei was das Herz begehrt. Jeder kann irgendwen nicht leiden, da ist Krawall vorprogrammiert.

Die Story wird rasant erzählt, gemeine Cliffhanger an den Enden der knackig, kurzen Kapiteln sorgen dafür, dass man das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. Mit jeder Seite kommt man gemeinsam mit der alten Huberin, die einem immer einen Schritt voraus zu sein scheint, dem Geheimnis ein Stück näher.
Das Ende hält dann nochmal die ein oder andere Überraschung bereit. Hier hat wirklich alles gepasst.
Der Schreibstil war super, modern und ließ sich flüssig lesen.
Das Cover ist absolut gelungen und ein echter Hingucker. Es passt wie Faust aufs Auge.

Fazit:

Wer auf außergewöhnliche Ermittler, in diesem Fall eine grantige aber doch irgendwie liebevolle alte Damen steht, der sollte dieses Buch unbedingt lesen. Es trieft nur so vor schwarzem Humor und gelungenen Wortspielen. Ich habe mich köstlich amüsiert. Unbedingt lesen!

Bewertung vom 29.09.2018
Der Abgrund in dir
Lehane, Dennis

Der Abgrund in dir


ausgezeichnet

Die Geschichte gliedert sich in drei Teile, sie beginnt 1977 und endet 2014.
Man begleitet Rachel durch ihre Kindheit, die nicht einfach war, diese macht dem Leser verständlich, warum sie so ist wie sie ist. Immer wieder scheitern ihre Beziehungen, und das formt sie. Sie scheint irgendwie immer gehetzt und auf der Flucht zu sein. Seit ihrer frühesten Kindheit leidet sie an unglaublich vielen Ängsten, traut sich überhaupt nichts zu, kann am Leben nicht wirklich teilhaben. Zumindest nicht an solch einem, wie wir es kennen. Im zweiten Abschnitt trifft sie auf ihren Ehemann. Der letzte Abschnitt ist eine wirkliche Überraschung.
Man kann Rachels Leben und ihre Entwicklung sehr schön beobachten und gut nachvollziehen. Sie ist ein interessanter Charakter, mit dem es nicht langweilig wird.
Aber auch Brain, ihr gutaussehnder und liebevoller Ehemann war ein sehr vielseitiger und facettenreicher Charakter. Auf den ersten Blick könnte man ihn mögen, so lange man nicht hinter die Fassade blickt.

Man schaut in die tiefsten menschlichen Abgründe, man weiß nicht mehr was real ist und was nicht. Niemand scheint der zu sein für den er sich ausgibt.

Ein gelungenes Verwirr- und Versteckspiel.

Einmal angefangen, konnte ich mit dem Lesen nicht mehr aufhören. Jedes Kapitel hat immer ein echt fieses Ende, welches es einem nicht erlaubt dieses Werk beiseite zu legen.

Normalerweise gefallen mir die Cover vom Verlag eigentlich nicht so sonderlich gut, dieses hier bildet aber eine Ausnahme. Im Nachhinein kann ich sicher sagen, dass es absolut zur Geschichte passt.
Auch der Schreibstil war toll, modern, flüssig und bildhaft. Man fliegt nur so durchs Buch.

Fazit:

Eine klare Lesempfehlung für alle Krimifans. Spannend, verwirrend, beängstigend. Eine psychologisch tiefgründige und super durchdachte Story. Ein Highlight für mich in diesem Jahr.

Bewertung vom 29.09.2018
Das andere Haus
Fleet, Rebecca

Das andere Haus


sehr gut

Düster, spannend und unvorhersehbar

Willkommen in meinem Haus. Ich verspreche dir – dein Aufenthalt wird unvergesslich sein…

Inhalt:

Als Caroline und ihr Mann Francis die Gelegenheit zu einem Haustausch in der Nähe von London bekommen, zögern sie nicht lange. Doch schon bei ihrer Ankunft fühlt Caroline sich unwohl in den spärlich eingerichteten Räumen, die eine düstere Atmosphäre ausstrahlen.
Und dann geschehen Dinge, die sie zutiefst verstören - denn es scheint jemanden zu geben, der es darauf abgesehen hat, sie zu terrorisieren. Jemanden, den sie für immer vergessen wollte. Und der ihr in dem fremden Haus das Leben zur Hölle macht…

Meine Meinung:

Rebecca Fleet versteht es, ihre Leser zu fesseln. Ich habe dieses Buch verschlungen.
Der Aufbau der Geschichte war super. Ein Teil spielt im Jahre 2015, der andere 2012/2013. In den beiden Zeitabschnitten wechseln sich Caroline und Francis ab, sie teilen ihre Gefühle, ihr Leid und ihre Ängste mit dem Leser. Zwischendurch meldet sich dann auch immer wieder die Person zu Wort, die mit den Beiden das Haus getauscht hat. Die meisten Kapitel enden mit richtig fiesen Cliffhangern, so das man das Buch kaum noch aus der Hand legen kann.

Die Charakter waren toll dargestellt, sie hatten Tiefe und waren sehr interessant und charakterstark.
Als Leser erfährt man unheimlich viel über die handelnden Personen. Die Autorin geht auf jede detailliert ein, beschreibt die jeweilige Stimmung und teilt sie ganz offen mit dem Leser.
Caroline und Francis führen eine Ehe mit vielen Problemen, auch diese nehmen einen großen Teil der Story ein.
Amber blieb für mich ein bisschen blass. Sie konnte man weniger gut einschätzen. Auch Carl war nicht immer leicht zu durchschauen, aber dennoch ein sehr interessanter und vielschichtiger Charakter.

Die Beschreibungen vom Haus und der Umgebung fand ich sehr gelungen. Bildhaft und detailliert. Ich hatte keinerlei Schwierigkeiten mir das Haus vorzustellen, man fühlt die Leere und düstere Atmosphäre regelrecht und beim Lesen läuft einem des Öfteren ein Schauer über den Rücken. Mag daran liegen, dass man sich in Caroline super hineinversetzen konnte.

Das Ende kam leider viel zu schnell, hielt noch ein paar unglaubliche Überraschungen bereit, war unvorhersehbar, aber absolut stimmig. Mir hats gefallen.

Der Schreibstil war sehr fesselnd, locker und ließ sich super lesen. Gegen Ende hatte ich das Gefühl, dass sich die Fehler im Text gehäuft haben.
Das Cover gefällt mir richtig gut. Es passt zur Geschichte und hat durch die rote Farbe und die Fetzen, die aussehen als hätte jemand ein Bild zerrissen und versucht es wieder zusammenzusetzen, irgendwie etwas bedrohliches.

Fazit:

Ein gut durchdachtes, undurchschaubares und düsteres Psychothriller-Debüt. Diese Buch ist auf jeden Fall eine gedankliche Reise nach England wert. Unbedingt lesen!

Bewertung vom 29.09.2018
Der Blumensammler
Whitehouse, David

Der Blumensammler


ausgezeichnet

Eine wundervolle, blumige Reise

Eine fantastische Expedition in die Welt der Blumen: spektakulär, verblüffend, herzergreifend.

Inhalt:

New York, 1983.
Peter Manyweathers hat weder ausgefallene Hobbys noch abenteuerliche Phantasien.
Doch als ihm in einer Bibliothek ein alter Brief mit den seltensten Blumen der Erde in die Hände fällt, erwacht sein Entdeckergeist und er beschließt sich auf die Suche nach diesen geheimnisvollen Blumen zu begeben.
Stück für Stück taucht er ab in die sonderbare Welt der Blumen, und als sich die Nachricht verbreitet, dass die geheimnisvolle Udumbara in voller Blüte in China entdeckt wurde, begibt er sich auf eine Reise, die ihn rund um den Kontinent führen wird. Drei Jahrzehnte später wandelt Dove Gale fasziniert auf den Spuren des Blumensammlers. Es sind Erinnerungsfetzen, die dem jungen Mann aus dem Leben von Peter Manyweathers erzählen. Doch weshalb besitzt Dove die Erinnerungen eines anderen und was verbindet die beiden Männer? David Whitehouse ist ein spektakulärer Roman über Liebe und Verlust sowie die ungezähmte Macht der Erinnerung gelungen.

Meine Meinung:

Dieses Buch hat mich ab der ersten Seite total gefesselt. Es nimmt einen sofort gefangen, entführt einen in eine andere Welt, die Welt der Blumen.

Manche Ereignisse wirken ein bisschen realitätsfremd und laden zum träumen ein. Mir hat das sehr gut gefallen und ich finde, dass es in diese Geschichte absolut hineinpasst und es total stimmig ist.

Die Charaktere waren alle sehr interessant, sehr abwechslungsreich und authentisch. Cole und Peter haben mir dabei am besten gefallen.

Auch den Aufbau der Geschichte fand ich klasse. Sie wird aus verschiedenen Perspektiven geschildert, so das man tiefe Einblicke in die verschiedenen Charaktere bekommt. Es gibt immer wieder Rückblicke in Peters junge Jahre die meist mit einem fiesen Cliffhanger Enden. Dies ist neben der schönen, teils poetischen Erzählweise ein Grund, warum ich dieses Buch kaum noch aus den Händen legen konnte.

Die Reisen und auch die einzelnen Blumen waren super beschrieben und man fühlte sich fast als wäre man live dabei. Dabei geht es einmal rund um die ganze Welt, auf Abenteuer- und Entdeckungsreise mit Peter.

Der Schreibstil war sehr bildhaft und super angenehm.
Das Cover ist wunderschön und man sollte sich es auf jeden Fall etwas länger anschauen, denn es gibt Vieles, was man auf den ersten Blick gar nicht sieht.

Fazit:

Ein sehr schöner Roman über Blumen, Reisen, Liebe und Verlust.
Eine klare Lesempfehlung, nicht nur für Blumenfreunde!

Bewertung vom 29.09.2018
Ein Teil von ihr
Slaughter, Karin

Ein Teil von ihr


gut

Vorhersehbar und nicht sehr spannend

Inhalt:

Wir alle kennen unsere Mütter.
Oder etwa nicht?

Wieder und wieder sieht Andrea Oliver das Gesicht ihrer Mutter Laura vor sich: gelöst, gutmütig, beherrscht – während sie einem Menschen das Leben nimmt. Nur knapp konnten sie beide einer grauenvollen Schießerei entkommen. Andrea will Antworten, doch stattdessen zwingt ihre Mutter sie in eine riskante Flucht. Weil sie verfolgt wird. Weil sie ein dunkles Geheimnis hat. Andrea folgt dem Befehl ihrer Mutter. Doch je weiter sich ihr die wahre Identität dieser Frau enthüllt, desto mehr entpuppt sich ihr Leben als eine Lüge. Wer ist ihre Mutter wirklich?

Meine Meinung:

Leider hatte ich mir viel mehr von diesem Buch versprochen. Die Inhaltsangabe verspricht mehr, als die Geschichte halten kann.
Auf mich wirkte das alles irgendwie konstruiert, war vorhersehbar und strotzte deshalb auch nicht wirklich vor Spannung.
Der Aufbau war interessant, man erfährt immer Stück für Stück, was damals 1986 passiert ist und dazwischen immer wieder Sequenzen aus der Gegenwart.

Andrea wirkte auf mich wie ein verängstigter Teenager, dabei ist sie schon 31 Jahre alt. Ihr Verfolgungswahn und die immer gleichen Fragen die sie sich stellt, gehen einem nach einer Weile schon ein bisschen auf die Nerven. Ihre Figur blieb mir bis zum Ende ziemlich fremd.
Bei ihrer Mutter Laura war es da schon ein bisschen besser. Man erfährt was sie bewegt, was sie fühlt.
Die Nebendarsteller waren teils besser ausgearbeitet als die Protagonisten. Was ich sehr schade fand.

Ein Thriller war dieses Buch für mich nicht wirklich, ich würde es eher als Spannungsroman bezeichnen. Da alles ziemlich vorhersehbar war, kam beim Lesen auch nicht wirklich Spannung auf. Nur wenn man sich etwas mehr und eingehender mit dem Inhalt beschäftigt, unabhängig vom Buch, kann man sich ein bisschen gruseln. Wenn man darüber nachdenkt, dass man über dreißig Jahre mit einer Person verbracht hat und sich dann herausstellt, dass alles gelogen war.

Der Schreibstil war ok, er ließ sich flott lesen.
Das Cover ist wunderschön. Es kommt im Metallic-Look daher und der Schmetterling wirkt fast wie ein echter, je nach dem wie man das Buch ins Licht hält.

Fazit:

Wer auf spannende und gut durchdachte Thriller steht, dem würde ich dieses Werk von Karin Slaughter nicht empfehlen.