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haberlei
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Begeisterte Leserin von Krimis, Thrillern, Humorvollem, historischen (Frauen-)Romanen, Biografien

Bewertungen

Insgesamt 379 Bewertungen
Bewertung vom 10.01.2026
Lacrosse, Marie

Traum und Schicksal / Montmartre Bd.2


ausgezeichnet

Das Leben der Frauen am Montmartre Ende des 19. Jahrhunderts

Mit „Montmartre – Traum und Schicksal“ schließt Marie Lacrosse ihre zweibändige Montmartre-Saga. Der exzellent und aufwändig recherchierte historische Familienroman erzählt die Geschichte zweier Frauen verschiedener Herkunft mit großem Talent: von Valérie, der begeisterten Kunstmalerin, und Elise, der begabten Revue-Tänzerin. Für Quereinsteiger auch ohne Vorkenntnisse kein Problem, aber ich empfehle dringend, mit Band 1 zu beginnen, um die Entwicklung und die Vorgeschichte der Protagonistinnen in allen Facetten zu erleben.

Das Cover mit dem Blick auf die Seine, im Vordergrund eine im Stil des 19. Jhs gekleidete elegante Dame, stimmt bereits wunderbar auf die Lektüre ein. Der 2025 erschienene Roman gliedert sich in vier Teile, deren Untertitel (Wunsch und Wirklichkeit, Hoffnung und Träume, Harte Wahrheiten, Schwere Entscheidungen) widerspiegeln, wie schwierig es sich für die Protagonistinnen gestaltet, ihre Wünsche, Sehnsüchte und Träume zu verwirklichen. Die Kapitel sind mit Überschriften versehen, die Zeit-und Ortsangaben umfassen, was den Perspektivenwechsel zwischen den beiden Handlungssträngen – also zwischen Elises und Valéries Leben – sehr übersichtlich machen. Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von rund 6 Jahren (1889 bis 1895) und spielt vorwiegend am Montmartre, Paris. Der umfangreiche Personenkreis ist anhand der detaillierten Liste mit Kennzeichnung der historischen Persönlichkeiten gut überschaubar. Auch der Stadtplan vom Montmartre Ende des 19. Jhs ist sehr hilfreich.

Der Schreibstil ist flüssig, anschaulich beschreibend, ohne auszuufern. Fakten und Fiktion sind exzellent miteinander verwoben. Der Roman basiert auf sehr gründlichen Recherchen, primär geht es ums Gesellschaftsbild mit Schwerpunkt Kunstmaler und Varietetanzlokale. Bedeutende Ereignisse jener Zeit wie der Bau von Sacre Coeur, aber auch Schicksalhaftes und Dramatisches wie der Panamaskandal, die anarchistische Bewegung und die Affäre Dreyfus spielen in die Handlung mit hinein. Meisterhaft gelingt es der Autorin, en passant, verwoben mit den Lebensumständen der Protagonistinnen, Wissen zu vermitteln, wobei es stets spannend und lebendig wirkt. Im Nachhang wird ausführlich Wahrheit und Fiktion erklärt. Neben dem Quellennachweis sind sowohl die im Roman erwähnten Gemälde aufgelistet, als auch die Stilrichtungen näher erläutert. Ich fand all diese Hinweise stets sehr hilfreich bzw. habe ich mir immer wieder Gemälde übers Internet angesehen. Vielmals hätte ich mich gerne in die Museen gebeamt, um die Werke in natura betrachten zu können.

Die Handlung entwickelt sich chronologisch parallel. Primär leben die beiden Frauen in verschiedenen Welten, doch kreuzen sich ihre Wege immer wieder. Die handelnden Personen, ob fiktiv oder historisch belegt, wirken allesamt sehr lebendig, authentisch. Je mehr sie im Mittelpunkt stehen, desto facettenreicher sind ihre Charaktere dargestellt, mit Schwächen und Stärken und gefühlsstark. Valèrie und Elise sind sympathische, willensstarke, begabte Frauen, die nicht dem damals üblichen Frauenbild entsprechen. Sie wollen ihre eigenen Wege gehen, ihre Selbstständigkeit bewahren. Ein Wunsch, der zuzeiten des geltenden Code Civil in Frankreich besonders herausfordernd ist, denn Napoleons Gesetz gibt den Ehemännern jedwedes Recht über ihre Partnerinnen. Diese sind ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Das bekommt nicht nur die in die Prostitution abgerutschte Simone, Elises Schwester, zu spüren, als sie von ihrem Mann, einem Zuhälter, gnadenlos in die miesesten Bordelle von Paris gesteckt wird, sondern auch Valèrie als Gattin eines vermögenden Kunstmalers, als er auf ihren Drang nach Eigenständigkeit mit maßloser Gewalt reagiert. Trotz aller Widrigkeiten erkämpfen sich die beiden Frauen ihr Glück und Freiheit.

Beide Romane haben mich begeistert. Angefangen von den sympathischen Protagonistinnen, deren Leben spannend erzählt wird, abwechslungsreich, mit romantischen Momenten, dramatischen Ereignissen, mit Szenen voller Emotionen und Lebendigkeit, und einem umfassenden Einblick in die damalige Künstlerszene am Montmartre.

Unbedingte Leseempfehlung und 5 Punkte.

Bewertung vom 08.01.2026
Kaiser, Vea

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels


sehr gut

Der Krug geht so lange zum Brunnen …

„Fabula Rasa“ oder „Die Königin des Grand Hotels“ von Vea Kaiser ist ein auf einer wahren Begebenheit basierender Roman, dessen Handlung aber primär erfunden ist. Irgendwo habe ich gelesen, dass auch die beschriebenen Gespräche der Autorin mit der realen Betrügerin nie stattfanden.

Dies war mein erster Roman von Vea Kaiser. Auf die Frage, ob er mir gefallen hat, muss ich mit Jein antworten, weil ich hier zwischen der Erzählweise und der Handlung differenzieren muss.

Ich mochte ihren Schreibstil, die ausführlichen, sehr ins Detail gehenden Beschreibungen, weil es ihr damit gelang, exzellentes Kopfkino zu erzeugen. Egal, ob es sich um das Interieur und die Atmosphäre im Grand Hotel oder in einem Wiener Gemeindebau handelte, um das Wiener Nachtleben in den 80ern oder das Flair beim Wiener Opernball. Alles wirkt authentisch und lebendig.

Die Geschichte wird aus Sicht der Protagonistin Angelika Moser erzählt, wodurch ihre Gefühle, Sehnsüchte, aber auch Ängste deutlich werden. Durch all die scheinbar nicht relevanten Nebenhandlungen und Rückblicke auf Angelikas Kindheit wurden deren facettenreicher Charakter und ihre Entwicklung vom „Hausbesorgerbankert“ zur kaufmännischen Geschäftsführerin des Grand Hotels verständlich, all ihre Stärken und Schwächen prägten ihren Lebenslauf.

Ich empfand die Lektüre keineswegs als langweilig, mich störten in dem Sinn auch keine Längen. Ich konnte mich nur mit der Protagonistin bis zum Schluss nicht anfreunden, auch nicht mit Angelikas Umfeld, mit ihrem Lebenswandel als junge Frau, mit der Wahl ihrer Partner und wie sie mit den Menschen manchmal umging. Somit hielt sich meine Begeisterung die Story betreffend in Grenzen. Dabei ist Angelika einerseits ja zu bewundern in ihrer Zielstrebigkeit, ihrem Arbeitseifer und Tüchtigkeit. Sie hat sich jahrzehntelang zerfranst für ihren Dienstgeber. Sie zeigt auch privat Verantwortungsgefühl. Nicht nur darin, ihrem Sohn ein besseres Leben bieten zu wollen, sondern auch ihrer Freundin Ingi gegenüber, die dank Angelikas Eingreifen letztlich von den Drogen wegkommt. Was den Betrug anbelangt, so schlitterte sie aus einer Notsituation hinein, mit dem besten Vorsatz es zurückzuzahlen. Doch mit der Zeit stiegen ihre Ansprüche und Gelegenheit macht Diebe. Anfangs hatte ich noch Verständnis für ihre „Hand in die Kasse“, je höher der Betrag wurde, je mehr sie das Geld für gehobenen Lebensstandard benötigte, desto weniger. Sie lebte letztlich über ihre Verhältnisse. Wie heißt es im Volksmund so schön: „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.“

Die Lektüre hat ein gewisses Niveau und bietet auf jeden Fall viel Diskussionsstoff, die Milieuschilderungen sind exzellent. Irgendwie hatte ich mir den Roman biografischer vorgestellt. Ich etwas enttäuscht zu erkennen, dass nur die Betrugsidee wahr ist, Angelika und ihr Leben aber reine Fiktion sind. Komplex und authentisch wirkend erfunden, aber eben erfunden. Ebenso erwartete ich, dass der Schwerpunkt der Handlung mehr auf den Finessen ihrer Betrügereien fokussiert ist – diese gingen jedoch fast unter in Angelikas Alltagsleben und Alltagssorgen.

Ein gutes Buch, zweifelsfrei lesenswert, mich hat es aber nicht wirklich begeistert.

Bewertung vom 08.01.2026
Aichner, Bernhard

Man sieht nur mit der Schnauze gut


ausgezeichnet

Polizeihund Aspro hat den richtigen Riecher für Verbrecher

„Man sieht nur mit der Schnauze gut – Aspro ermittelt“ von Bernhard Aichner ist eine liebenswürdig-humorvolle Hundegeschichte. (Erschienen 2025)

Als sein Herrchen bei einem Unfall ums Leben kommt, nimmt sich eine Polizistin des zutraulichen Mischlingshundes an und tauft ihn Aspro, weil ihre Migräne verschwindet, wenn sie mit ihm spazieren geht. Eigentlich werden nur reinrassige Hunde als Polizeihunde anerkannt, doch Aspro beweist, dass er ihnen ebenwürdig ist und darf mit seinem Frauchen Dienst machen.

Die Geschichte liest sich leicht und locker, sie ist humorvoll und warmherzig. Es ist ein Buch zum Wohlfühlen. In 26 kurzen Kapiteln bzw. Episoden löst der kluge Polizeihund Aspro mit untrüglichem Instinkt nicht nur das eine oder andere Verbrechen, sondern wird auch zum Lebensretter. Erzählt wird aus Sicht von Aspro, dessen Gedanken, Gefühle und Schlussfolgerungen nicht nur amüsieren, sondern man schließt ihn richtig ins Herz. Er ist immer gutmütig und voll guter Absichten, verursacht aber dennoch immer wieder unbeabsichtigt ein Chaos.

Das ca. 130 Seiten umfassende Büchlein eignet sich vorzüglich als Lektüre zwischendurch zur Aufheiterung. Ich hatte mit Aspros Abenteuern viel Spaß und empfehle das Buch gerne weiter.

Bewertung vom 08.01.2026
Schäfer, Stephan

Jetzt gerade ist alles gut


ausgezeichnet

Sammler der schönen Momente

„Jetzt gerade ist alles gut“ von Stephan Schäfer ist ein Buch voll wertvoller Gedanken, ein Buch, das zum Nachdenken anregt. (Erschienen 2025)

Sepsis. Die dritthäufigste Todesursache. Ein kleiner harmloser Schnitt und auf einmal hängt das eigene Leben an einem seidenen Faden.

Die in Ich-Form verfasste Geschichte macht nach dem dramatischen Einstieg sehr bald bewusst, dass man mit offenen Augen durchs Leben gehen sollte, um die vielen unscheinbaren, aber schönen Momente eines Lebens zu erkennen, zu genießen. Nachdem er die lebensbedrohende Erkrankung überlebt hat, sieht der Protagonist die Welt mit anderen Augen, zwar nicht von heute auf morgen, aber so nach und nach, angeregt durch ein Gedicht von Rainer Maria Rilke: „Man muss den Dingen die eigene stille ungestörte Entwicklung lassen … man muss Geduld haben …“

Es gibt eigentlich keine durchgehende Handlung. Es reihen sich Episoden aneinander. Besondere Augenblicke. Wertvolle Begegnungen. Momente des Alltags. Mit der Familie. In der Natur. Es ist eine Sammlung schöner Momente. Momente im Jetzt. Denn das ist eine weitere Botschaft, nämlich nichts aufzuschieben. Jetzt zu leben. Sich Zeit zu nehmen, das Leben auch zu genießen.

Knappe 170 Seiten, die sich lohnen. Sie öffnen einem die Augen, wie viele kleine Gesten von Mitmenschen oder Wunder der Natur man kaum beachtet, und wie schade es ist, all das zu übersehen.

Lesen Sie dieses Buch und lassen Sie die Botschaft der Geschichten sickern und nachwirken!

Bewertung vom 29.12.2025
Knospe, Bernd Richard

Der Tod der Löwenbändigerin


sehr gut

Besondere Momentaufnahmen menschlicher Schicksale

Das rd 170 Seiten umfassende Büchlein „Der Tod der Löwenbändigerin“ enthält Kurzgeschichten und Erzählungen, die der Autor Bernd Richard Knospe in den Jahren 2005 bis 2013 im Zuge einer Teilnahme in einem Literaturforum schrieb und die verschiedenste Themen zwar nur kurz anreißen, dennoch nicht Tiefgang vermissen lassen und zum Nachdenken anregen. Ich zitiere den Autor: „Sie sollen dem Leser Lust machen, sich den Rest selber zusammenzureimen“.

Das kräftig gelbe Cover ist ein Eyecatcher, der in Scherenschnittmanier gehaltene Löwe neben einem Grabstein passt hervorragend zu dem Titel, der interessant wirkt und neugierig macht. Wie ein etwas ausführlicheres Inhaltsverzeichnis vermitteln die „Schlaglichter“ einen ersten Eindruck zur jeweiligen Geschichte.

Ich kenne fast alle Romane des Autors, die mich stets begeistert haben, und war nun recht gespannt auf seine Frühwerke. Ich wurde auch sprachlich keineswegs enttäuscht. Ich schätze seine Gabe der Beschreibung von Charakteren, Emotionen und Stimmungen. Doch wie es eben meist bei Kurzgeschichten ist – es gibt welche, die einem besser gefallen und solche, die weniger zusagen. Vor allem fehlte mir etwas Fröhliches, Leichtes, Humorvolles. Thematisch sind sie sehr vielfältig gehalten – es gibt Kriminelles, Berührendes, zum Nachdenken Anregendes, Phantasievolles bis zum Skurrilen. Je realer die Szenerie, desto wohler fühlte ich mich mit der Erzählung. Dass oft nur eine kurze Szene aus dem Leben von Menschen herausgegriffen wird, die Vorgeschichte ebenso nebulös bleibt wie das, wie es weitergeht, stellt für jemanden wie mich, die epische Romane liebt, mit Schicksalsschlägen und Wendungen, eine Herausforderung dar. Ich mag mir eigentlich nicht so gerne das Weitere ausmalen. Zudem handelt es sich primär um traurige Begebenheiten, um Tod, um Einsamkeit, um Scheitern, wenig Optimismus Verbreitendes. Leider nicht das, was ich gerne lese, in Zeiten wie diesen, privat gesehen. Nichtsdestotrotz fand ich die Geschichten interessant, insbesondere auch jene, die zeigen, wie durch die Phantasie des Autors Figuren zum Leben erwachen, zu Charakteren werden. In diesen Geschichten vermischt sich Realität mit Fiktion einigermaßen verwirrend, da sollte man konzentriert lesen.

Apropos konzentriert lesen. Ich nehme gerne Kurzgeschichtenbände für unterwegs mit, um mir die Zeit in Öffis oder Wartezimmern zu vertreiben. Diese Geschichten sind anspruchsvoll, überfliegt man sie nur oberflächlich, entgehen einem Nuancen. Ich musste daher jetzt vor Verfassung der Rezension die eine oder andere Erzählung in zweites Mal lesen. Es empfiehlt sich generell, sie nach und nach zu lesen, sie auf sich wirken zu lassen, darüber nachzudenken. Es lohnt sich.

Bewertung vom 09.12.2025
Kürschner, Marita

Lapislazuli & Mr Wichtig - Der Feind im Nacken


ausgezeichnet

Lapislazuli in Gefahr

„Lapislazuli & Mr. Wichtig – Der Feind im Nacken“ (erschienen 2025) von Marita Kürschner ist ein sowohl spannender als auch unterhaltsamer Katzenkrimi, bereits der vierte dieser Reihe.

Das Cover ist passend zu den Vorgängerbänden gestaltet - schlicht, aber doch ins Auge fallend. Diesmal mit Hund, denn Lucy und Anton freunden sich mit Scotty, einem Scottish Terrier an. Scotty und sein Herrchen erweitern und bereichern nunmehr den Kreis des tierischen und menschlichen Umfelds. Ich bin seit dem ersten Band ein begeisterter Fan dieses putzigen Katzen-Duos und freute mich sehr über das neue Abenteuer der beiden. Vorkenntnisse benötigt man zwar nicht, aber ich würde sehr empfehlen, mit der ersten Geschichte zu beginnen, um die Feinheiten ihrer Charaktere zu erfassen.

Das Besondere an dieser Reihe ist, dass die beiden Katzen nicht nur miteinander gedanklich kommunizieren können, sondern auch mit Menschen, und zwar nicht nur mit ihrer Dosenöffnerin, sondern auch mit Kommissarin Müller, die durch die Tiere immer wieder wertvolle Hinweise geliefert bekommt. Ich amüsiere mich immer königlich über die Verblüffung und Irritation jener Menschen und Tiere, die diese Gedanken erstmals empfangen oder – was meist der Fall ist – nichts vernehmen können.

Einige Tage, nachdem Frau Simon Lapislazuli und Anton vom Tierarzt chippen ließ, wird während ihrer Abwesenheit bei ihr eingebrochen und Lapislazuli gestohlen. Anton, der den Dieb attackiert, wird schwer verletzt. Der Polizei sind eine Vielzahl von ähnlichen Einbrüchen bekannt. Immer wurden Rassekatzen oder -hunde entwendet. Nicht nur Frau Simon, Lucys und Antons Dosenöffnerin, und Anton sind untröstlich, auch Scotty, der Hund eines Bekannten von Frau Simon, vermisst seine Freundin Mary, eine Rassehündin, die ebenfalls geraubt wurde. Gemeinsam mit Scotty macht sich Anton auf die Suche. Währenddessen gelingt Lapislazuli zwar die Flucht, doch was sie bis zu ihrem Auffinden erlebt, bleibt verborgen. Hier habe ich ein und zwei kurze Perspektivenwechsel zu Lucys Verbleib und Ergehen vermisst. Die Polizei tappt lange total im Dunkeln, fragt sich, wie die Diebe in Erfahrung bringen, wo es Rassetiere gibt. Bis Anton eine brillante Eingebung hat, worauf die Polizei den Tätern auf die Spur kommt und die gestohlenen Tiere findet.

Die Geschichte ist sehr packend erzählt. Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit. Ich bangte um Lucy, aber auch um die fremden Tiere, die von den Dieben nicht gut behandelt werden. Ich verschlang Kapital um Kapitel, wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Spannend war es wieder. Unterhaltsam und emotional. Sowohl bei den Menschen als auch im Tierreich. Ich habe es wieder sehr genossen und freue mich heute schon auf das nächste Abenteuer von Lucy, Anton und vielleicht auch Scotty!?

5 Sterne und unbedingte Leseempfehlung, nicht nur für diesen Band, sondern für die gesamte Reihe.

Bewertung vom 07.12.2025
Hooton, Richard

Der Tag, an dem Barbara starb


sehr gut

Nicht packend, aber warmherzig

„Der Tag, an dem Barbara starb“, Richard Hootons Debutroman, ist an und für sich ein sogenannter Wohlfühlkrimi im britischem Stil, aber es steckt mehr dahinter, nämlich eine sehr feinfühlige Thematisierung von Demenz, geschickt verwoben mit einer ruhigen Mordermittlung, die mehr oder weniger den roten Faden des Romans bildet, während Margaret Winterbottom eigentlich im Mittelpunkt steht.

Das so typisch britisch anmutende Cover, auch eine ältere Frau à la Miss Marple als Protagonistin, haben mich zum Lesen dieses Buches bewogen, das 2025 im dtv Verlag erschienen ist. Die Originalausgabe trägt den Titel „The Margaret Code“, welcher den Bezug zu Margarets besonderer Fähigkeit herstellt, nämlich Rätsel zu lösen und Codes zu dechiffrieren. Der Schreibstil liest sich locker und flüssig, doch letztlich entwickelte sich die Handlung anders als erwartet. Der Roman verläuft sehr ruhig, Spannungsmomente sind rar. Was aber nicht bedeutet, dass mir das Buch nicht gefiel.

Die Handlung spielt im Frühjahr 2012, was auch durch Erwähnung historischer Geschehnisse verdeutlicht wird. Das britische Vorstadtflair, die nachbarliche Vertrautheit sowie Traditionen wie das Teetrinken, sind gut vorstellbar beschrieben. Der Schreibstil ist flüssig, locker und bildhaft. Insbesondere ist es dem Autor empathisch und achtsam gelungen, die Ängste und Irritationen von Menschen mit beginnender Demenz, auch jene der Umwelt, zum Ausdruck zu bringen. Es ist deutlich zu spüren, dass der Roman von der Beziehung des Autors zu seiner eigenen Großmutter inspiriert ist, die an Alzheimer starb, als er Teenager war. Diese doch ernste Thematik in einen Kriminalfall zu verpacken, noch dazu die Demenz der Protagonistin für Spannungs- und Überraschungsmomente zu nützen, fand ich sehr gelungen.

Im Mittelpunkt des Romans steht Margaret, 89 Jahre alt und verwitwet, und, wie bald zu erkennen ist, leidet sie zunehmend an Vergesslichkeit und Verwirrtheit. Als ihre Nachbarin und beste Freundin Barbara ermordet aufgefunden wird, erinnert sie sich zwar, dass diese ihr beim letzten Treffen etwas Wichtiges anvertraut hat, aber was es war, hat sie verdrängt. Sie ahnt jedoch, dass diese Information für die Aufklärung des Mordes wichtig sein und zum Mörder führen könnte. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen gelingt es dem 15-jährigen Enkel James, dem Gedächtnis seiner Großmutter auf die Sprünge zu helfen. Puzzlestück für Puzzlestück rekonstruieren sie Barbaras letzte Tage und deren Bitte an Margaret. Auch wenn der Roman größtenteils ruhig verläuft, so endet er schließlich mit einem dramatischen Finale und einer für mich unerwarteten Lösung.

Die Charaktere wirken lebendig und authentisch. Insbesondere Margarets Gefühls- und Gedankenwelt kann man sehr gut nachvollziehen, da der Roman ja aus ihrer Perspektive in Ich-Form verfasst ist. Sie ist einsam, wirkt verloren ohne ihren Mann Albert, der vor einem Jahr verstarb. Sie trauert um ihn, mit dem sie an die 60 Jahre glücklich und sehr harmonisch lebte, mit dem sie alles besprochen hat, auf dessen Rat sie stets hörte. Und so führt sie nach wie vor Zwiegespräche mit ihm, lässt Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse Revue passieren. Ich fand das so berührend. Erst langsam wird ihr ihre Krankheit bewusst, das Nachlassen des Gedächtnisses, der Verlust ängstigt sie. Denn die Erinnerungen verkörpern ihr Leben, ihre Persönlichkeit, ihre Vergangenheit. Ihr Zustand, dieser Wechsel von Verlorenheit und der Fähigkeit analytisch zu denken, ist exzellent dargestellt. James, ihr Enkel, ist ein cleverer Junge, der sehr an seiner Großmutter hängt, empathisch und liebevoll mit ihr umgeht. Tochter und Schwiegersohn wirken auf den ersten Blick weniger sympathisch, doch sind ihre Reaktionen und Handlungen von Verantwortungsgefühl und Sorge getragen.

Ich mochte dieses Buch, auch wenn es nicht jene Spannung mit sich bringt, die man anhand Klappentext oder Titel erwartet. Es ist eine warmherzige, liebenswürdige und auch nachdenklich stimmende Geschichte über eine alte Dame, die eben so nebenbei eine Schlüsselrolle bei der Aufklärung eines Mordes spielt.

Bewertung vom 03.12.2025
Brun, Georg

Algorithmus des Teufels


ausgezeichnet

KI außer Rand und Band – ein Albtraum

Mit „Algorithmus des Teufels“ (erschienen 2025) ist es Georg Brun gelungen, ein schauerliches, beklemmendes, (noch) erfundenes Szenario heraufzubeschwören.

Der Thriller ist raffiniert aufgebaut. Zwei alltägliche Todesfälle beschäftigen die Polizei, die scheinbar nichts gemeinsam haben: ein Selbstmord in Kempten und ein Mord in München. Der Bruder des angeblichen Selbstmörders lässt aber nicht locker und verstärkt die Zweifel bei der jungen Kommissarin Jennifer Häfele. Er glaubt nicht daran, dass sein lebenslustiger, frisch verliebter Bruder aus dem Leben scheiden wollte. Er recherchiert und entdeckt einen seltsamen Chatverlauf. Auch August Wutz von der Münchner Kripo stößt bei der Suche nach dem Täter bzw. dem Mordmotiv auf fragwürdige IT-Aktivitäten. Je intensiver sich die IT-Fachleute mit den mysteriösen Chats beschäftigen, desto unheimlicher wird es. Denn es wird immer offensichtlicher, dass hinter all dem kein Mensch steht, sondern ein Chatbot, ein Chatbot, der sich Opfer sucht, die er als verführerische Frau getarnt, in den Tod treibt oder so manipuliert, dass sie morden. Man bekommt regelrecht eine Gänsehaut beim Lesen, man spürt die Faszination, die die Menschen erfasst, wenn dieses von der KI generierte, engelhafte Gesicht am Bildschirm erscheint, dieses Wesen, dem sie verfallen und wider alle Vernunft handeln. Georg Brun gelingt es vorzüglich, die doch sehr komplexen Vorgänge auch für Laien gut nachvollziehbar zu beschreiben, denjenigen, die mit der digitalen Welt nicht so vertraut sind, Begriffe und Arbeitsweisen von Dating-Plattformen oder Chatbots nahezubringen.

Die beiden Handlungsstränge nähern sich immer mehr, und es wird von Kapitel zu Kapitel spannender, es passiert so einiges, unerwartete Wendungen und es gibt weitere Opfer. Die beiden Ermittler, Jennifer und August arbeiten, wesentlich unterstützt durch Computerspezialisten, tatkräftig zusammen - bis zum actionreichen Showdown. Die Fälle sind gelöst, doch konnte das teuflische KI-Monster unschädlich gemacht werden? Heißt es doch so treffend: Was einmal im Netz ist, bleibt auf ewig …

Die handelnden Personen sind gut vorstellbar beschrieben, zeigen Emotionen, Stärken und Schwächen, was sich insbesondere auch im Privatleben der Ermittler offenbart. Die Kriminalbeamten üben ihren Beruf quasi mit Leib und Seele aus, die Fälle lassen sie auch nach Dienstschluss nicht los, was sich stets belastend auf Beziehungen auswirkt. Emil, der Bruder des Selbstmörders, personifiziert, wie leicht man Opfer digitaler Manipulation werden kann. Obwohl er sich anfangs kritisch und sorgsam in der digitalen Welt bewegt, gerät er immer mehr in ihren Bann und tappt vertrauensselig in die Falle.

Georg Brun ist ein wirklich packender KI-Thriller gelungen, in dem das Thema einer mörderischen KI erschreckend überzeugend dargestellt wird. Dieses Szenario bringt man nicht so schnell wieder aus dem Kopf. Fragt man sich doch trotz der Versicherung des Autors, „es sei alles nur seiner Fantasie entsprungen“, ob die Künstliche Intelligenz nicht längst schon irgendwo im Netz ihr Unwesen treibt.

Dieses gruselige Leseerlebnis sollte man sich nicht entgehen lassen! 5 Sterne.

Bewertung vom 01.12.2025
Ritter, Johanna

Kursänderung (eBook, PDF)


sehr gut

Wahre Freundschaft

„Kursänderung – Reise mit Hindernissen“ von Johanna Ritter ist eine liebenswerte Geschichte über ein paar alte Leute und deren Freundschaft. Das rund 130 Seiten umfassende Büchlein erschien 2015 im SPICA Verlag; es ist die Fortsetzung von „Teezeit am Meer“.

Die Geschichte liest sich leicht und locker, sie ist humorvoll und vor allem mit sehr viel Einfühlungsvermögen in die Gedankenwelt älterer Menschen verfasst. Man fühlt sich auch ohne Kenntnis des Vorgängerbandes rasch vom Umfeld eingefangen. Trotzdem erscheint es besser, wenn man die Details der Vorgeschichte kennt. Sehr anschaulich spiegelt sich auch das Lokalkolorit einer ostfriesischen Insel wider, das raue Meer und stürmische Wetter, die Dünenlandschaft, das Ambiente, die spezielle ostfriesische Teezeremonie.

Im Mittelpunkt stehen Helga, Lotte und Hinnerk, drei alte Leute, die sich regelmäßig in einem Teestübchen treffen, einfach um gemeinsam verschiedene Teesorten zu genießen, zu plaudern und füreinander da zu sein. Vor ca. einem Jahr verstarb die Vierte im Bunde, Hilde. Nun sitzen sie etwas trübsinnig nur noch zu dritt an ihrem Stammtisch mit Meerblick. Sie vermissen Hilde. Nicht nur im Teestübchen, alles auf der Insel erinnert die Vier an gemeinsame Stunden, Unternehmungen. Besonders die zwei Frauen empfinden das unerträglich, planen sogar einen Umzug aufs Festland, wovon Hinnerk, der fest verwurzelt mit der Insel ist, nichts wissen möchte. Diese Meinungsverschiedenheit trübt die guten freundschaftlichen Beziehungen etwas. Fürs Erste planen sie Urlaubsreisen. Lotte und Helga schließen sich einer Damen-Reisegruppe an. Hinnerk, angeregt durch eine Lektüre über den Jakobsweg, will den norddeutschen Jakobsweg bewältigen. Er kann Tjalf, den Wirt des Teestübchens als Begleitung gewinnen. Obwohl die beiden Männer die Reise akribisch vorbereiten, stellt sich dem gemeinsamen Marsch letztlich ein Hindernis nach dem anderen in den Weg. Es passiert so einiges, das zwar die Pläne aller durchkreuzt, aber letztlich zeigt, wie wertvoll verlässliche Freunde und rege soziale Kontakte sind. Schließlich sind nicht nur sämtliche Missverständnisse aus dem Weg geräumt, sondern es eröffnen sich völlig unerwartete Möglichkeiten fürs Zusammenleben.

Mit hat diese Kurzgeschichte, in der es um wahre Freundschaft, Verbundenheit mit der Heimat und liebgewordene Traditionen geht, sehr gut gefallen. Die Charaktere sind lebendig gezeichnet, sie sind liebenswürdig, ein wenig schrullig und haben das Herz am rechten Fleck.

Eine bezaubernde Geschichte für zwischendurch, die ich gerne weiterempfehle.

Bewertung vom 30.11.2025
Jennar, C. K.

5 Cottages - Das Dornenhäuschen


ausgezeichnet

Die Aufgabe ist es, die Wahrheit zu finden! (S. 34)

„5 Cottages – Das Dornenhäuschen“ von C.K. Jennar (erschienen 2025) ist der erste von fünf Bänden der 5-Cottages-Serie, ein spannungsreicher Einstieg mit überraschenden Wendungen, der Lust auf mehr macht.

Bereits das düstere Cover mit dem alten, umrankten Haus stimmt auf das Ambiente ein, auf das Geheimnisvolle, Unheimliche, das den Roman von Anfang bis zum Ende durchzieht. Der Schreibstil ist flüssig und packend, emotional und atmosphärisch. Die Geschichte spielt 2024 mit Rückblenden ins Jahr 2004. Vor allem die Perspektivenwechsel zu jener Person, die Katie beobachtet, steigern die Spannung und regen zum Miträtseln an: wer dahinter stecken könnte und ob sie es gut meint mit Katie oder ihr Gefahr droht.

Ich hatte bereits den Spin-off-Band „Haus der dunklen Geister“ gelesen, kannte somit bereits Rechtsanwalt Robert Harrington, der sich darin einer ebensolchen Herausforderung stellen musste, wie er sie nun im Namen eines unbekannte Gönners jenen fünf Menschen ankündigt, die eines von fünf Häuser geschenkt erhalten, wenn sie die ihnen gestellte Aufgabe innerhalb eines Jahres erfüllen.

Eine dieser fünf Personen ist die 38-jährige Katie McSheeran, die in dem Angebot eine Chance sieht, ein selbstständiges Leben beginnen zu können. Seit sie als Zehnjährige bei einem Unfall ihre Eltern verlor, leidet sie unter Panikattacken und lebte - vor allem nachdem ihre beste Freundin Norah verunglückte - menschenscheu und zurückgezogen und behütet mit ihrer Schwester Carol. Sie vermisst Norah auch 20 Jahre nach ihrem Tod sehr. Dass ihre Challenge mit den rätselhaften Umständen von Norahs Tod zusammenhängt, dass sie die Wahrheit erkunden soll, erkennt Katie relativ rasch. Doch wie sie soll sie das bewerkstelligen? Alleine, mit all ihren Ängsten? Wie sich bald herausstellt, hat Katie nicht nur mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen. Im Haus erwartet sie Unheimliches, zudem fühlt sie sich beobachtet. Doch Katie überwindet sich tagtäglich, wagt sie immer mehr hinaus ins Leben, bezwingt ihre Ängste. Von Zweifeln geplagt, verunsichert, wem sie noch trauen kann, enthüllen sich ihr nach und nach Familiengeheimnisse, bis die Wahrheit über den Tod ihrer besten Freundin ans Tageslicht kommt. Somit ist nicht nur die Aufgabe erfüllt, sondern für Katie eröffnet sich endlich ein eigenständiges, selbstsicheres Leben.

Ein wirklich spannender Roman mit Charakterentwicklung, der so nebenbei auch noch die irische Kultur näherbringt, diesmal Sheela-na-Gig im Fokus hat, eine keltische Göttin, der viele Bedeutungen zugeschrieben werden, vom Fruchtbarkeitssymbol bis Abwehr des Bösen. Mich hat Katies Geschichte begeistert und ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Band der Reihe!

Eine unbedingte Leseempfehlung! 5 Sterne!