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raschke64

Bewertungen

Insgesamt 99 Bewertungen
Bewertung vom 16.01.2026
Elfgren, Sara B.

Die Insel meiner Schwester


gut

Mirjam erhält überraschend eine Einladung ihrer Halbschwester Nia zu deren 40 Geburtstag auf die Familieninsel. Mirjam selbst steckt in einer tiefen Krise, denn ihr langjähriger Freund hat sie verlassen. Auch die Einladung macht sie nicht direkt glücklich, denn sie weiß, dass es in der Ehe ihrer Schwester riesige Probleme und viel Gewalt gibt. Trotzdem fährt sie zu dieser Feier…

Das Buch lässt mich extrem unbehaglich zurück. Zum einen brauchte ich ungefähr bis zur Mitte des Buches, um mich einzulesen. Mir fiel es unheimlich schwer und ich fühlte mich oft extrem gelangweilt. In der Mitte gibt es dann eine überraschende Wendung (ich will nicht spoilern) und ab da konnte ich etwas flüssiger lesen. Trotzdem hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass es so gut wie keine einzige positive Person in diesem Buch gibt. Beide Schwestern konnten mich nicht überzeugen. Mir kam es vor, sie definieren sich ausschließlich über ihre Beziehungen und zumindest Nia macht von Jugend an immer den gleichen Fehler. Was natürlich keinesfalls häusliche Gewalt rechtfertigt. Trotzdem kam mir das ganze nicht wie eine Freundschaft oder Familie, sondern eher wie eine Zweckgemeinschaft vor. Insgesamt kann ich eigentlich keine Leseempfehlung aussprechen

Bewertung vom 16.01.2026
Hoersch, Judith

Niemands Töchter


sehr gut

Das Buch erzählt von vier Frauen, die auf verschiedenen Wegen miteinander verbunden sind, ohne es eigentlich zu wissen. Und erst nach und nach kommt die gesamte Geschichte ans Tageslicht...

Für mich war das Buch schwierig. Damit meine ich nicht die Geschichte und den Schreibstil, den fand ich sehr gut (bis auf kleine grammatikalische Fehler). Das alles war gut lesbar und im Wechsel der Zeiten und der Personen erfährt man so nach und nach immer ein wenig mehr vom Zusammenhang. Schwierig war es für mich allerdings deswegen, weil ich das Gefühl hatte, alle Mütter werden irgendwie „fehlerhaft“ dargestellt. Natürlich ist niemand perfekt im Leben und es gibt immer Fehler, aber hier waren für mich die Frauen einfach oft sehr negativ behaftet. Die Männerfiguren waren dagegen wieder sehr klischeehaft: entweder war jemand total schlecht oder er war der Traummann schlechthin. Dazwischen gibt es so gut wie nichts. Die Geschichte war sehr berührend und regt zum Nachdenken an. Allerdings hatte ich das Thema der Adoption in letzter Zeit einige Male in Büchern und frage mich immer, warum die Adoptierten so reagieren. Es ist mir klar, dass es ein ziemlicher Schock ist, wenn man - teilweise unbeabsichtigt - erfährt, dass man adoptiert wurde. Auch eine ablehnende Reaktion kann ich verstehen, zumal wenn man noch jünger ist. Doch als Erwachsener mit mehr Wissen und dem Erkennen, dass die Adoptiveltern einem so viel gegeben haben, sollte man über seinen Schatten springen können. Das alles sind für mich interessante Fragen, die das Buch aufwirft und über die man noch länger nachdenken kann. Von mir gibt es eine Leseempfehlung

Bewertung vom 13.01.2026
Sandmann, Elisabeth

Wir dachten, das Leben kommt noch


sehr gut

Gwen arbeitet bei der BBC und stellt unbekannte oder vergessene Frauen in ihren Beiträgen vor. Sie bekommt die Aufgabe, ein Buch über Frauen im Zweiten Weltkrieg zu schreiben, die als Agentinnen in das besetzte Frankreich geschleust wurden. Die Suche bringt sie auch zu ihrer familiären Vergangenheit...

Das Buch erzählt in sehr guter Form über die unbekannten englischen Frauen, die im Zweiten Weltkrieg als Funkerinnen und Agentinnen ausgebildet wurden und ins besetzte Frankreich kamen. Dort hatten sie zwar Hilfe, waren aber extrem großen Gefahren ausgesetzt und viele haben ihre Einsätze nicht überlebt. Nach dem Krieg wurden ihre Leistungen fast gar nicht anerkannt. Das Buch setzt ihnen ein Denkmal. Gleichzeitig erzählt es aber auch eine interessante Familiengeschichte und ist gut lesbar. Von mir gibt seine Leseempfehlung.

Bewertung vom 13.01.2026
Céspedes, Alba de

Was vor uns liegt


gut

1934 in einem Konvikt in Rom. Acht junge Frauen studieren dort mehr oder weniger. Offiziell sind sie Freundinnen, doch jede von ihnen hält etwas zurück und verschweigt vieles.

Dieser Debütroman der Autorin wird als Neuentdeckung hochgelobt, er war bei den Nazis verboten. Aus heutiger Sicht fehlt mir etwas die Vorstellung, warum das Buch verboten wurde. Ist es nur wegen dem Spanienkrieg? Denn die Lebenswege der Frauen sind eigentlich gar nicht so sehr modern, die meisten möchten zwar freier leben, suchen im Endeffekt aber eigentlich nur einen Mann. Und auch untereinander tun sie so als wären sie große Freundinnen. Doch sobald eine aus dem Kreis ausbricht, vergisst sie die Freundinnen und umgekehrt ist es ähnlich. Eine junge Frau stirbt und die Trauer hält sich in sehr engen Grenzen. So gesehen fand ich das Buch nicht besonders gut. Außerdem fand ich es extrem langatmig und langweilig geschrieben. Daher spreche ich keine Leseempfehlung aus.

Bewertung vom 13.01.2026
Marshall, Kate Alice

Eisnebel


ausgezeichnet

Theo hat sich mit Connor verlobt und soll jetzt seiner Familie vorgestellt werden. Diese ist unsagbar reich und mächtig und lässt möglichst niemand Fremden in den engeren Kreis. Auf einem Berg haben sie sich ein luxuriöses Anwesen gebaut und dort findet das Weihnachtsfest statt. Doch Theo bekommt schon bald Drohungen und Warnungen und hat immer das Gefühl, sie war schon einmal dort....

Das Buch hat mich komplett überzeugt und ist sehr spannend. Auf einer kleinen Fläche und mit begrenzten Personen findet unheimlich viel statt und die Geschichte erhält immer und immer wieder neue Wendungen und überraschende Aussagen. Immer, wenn man denkt, man hat das Spiel durchschaut, gibt es wieder eine neue Information und es ändert sich alles. Das geht so bis zum Ende. Das ist sehr gut lesbar und so gibt es von mir eine absolute Leseempfehlung.

Bewertung vom 13.01.2026
Woywod, Torsten

Mathilde und Marie


gut

Marie lebt und studiert in Paris und hat erneut einen familiären Verlust zu beklagen. Damit fällt sie in eine Art Burnout und verlässt Paris fluchtartig. Unterwegs lernt sie Jonina kennen, die sie mit in ihr kleines Dorf Redu nimmt. Ein Bücherdorf ohne Internet und Handyempfang. Marie bleibt erst einmal dort...

Das Buch ist sehr nett zu lesen und man hat dabei ein gutes Gefühl. Die Absicht schimmert aus jeder Zeile und manchmal war mir dies zu viel. Ehrlich gesagt, nervte mich die dauernde Bezeichnung: Isländerin oder junge Französin. Spätestens nach dem zweiten Mal wusste man, wer damit gemeint ist und ich fand diese Bezeichnungen sehr distanziert. Auch manche Dialoge fand ich zwischen altmodisch und gestelzt. Hier kam die Intention des Buches so stark in den Vordergrund, dass es mir zu viel wurde. Ansonsten ist es eine schöne Geschichte, die gut unterhält und deren Ansatz man nachvollziehen kann. Allerdings hat das Buch bei mir keine tiefgreifenden Spuren hinterlassen. Man kann es lesen, man muss es aber nicht

Bewertung vom 13.01.2026
Borrmann, Mechtild

Lebensbande


ausgezeichnet

Lotte lebt im Ostseebad Kühlungsborn. Sie ist verwitwet und bekommt plötzlich nach der Wende einen Anruf von ihrem Neffen. Er kommt aus dem Westen und will sie besuchen. Das stellt sie vor ein Problem: sie hat über ihre Vergangenheit nicht die Wahrheit gesagt. Und so beginnt sie, ihre Geschichte aufzuschreiben

Das Buch hat mich sehr beeindruckt und berührt. Anhand von drei völlig unterschiedlichen Frauen erfährt man die Schicksale der Frauen und ihrer Familien vor allem in der Nazizeit, aber auch danach. Das alles ist hochemotional und trotzdem sehr direkt und überhaupt nicht kitschig beschrieben. Man kann die Entscheidung der Frauen nachvollziehen, auch ihre Fehler und ihren Zusammenhalt. Daher gibt es von mir eine absolute Leseempfehlung

Noch eine Anmerkung, falls es eine weitere Auflage des Buches geben sollte: es heißt der Molli und nicht die Molli. Vielleicht kann man das dann korrigieren.

Bewertung vom 13.01.2026
Nesbø, Jo

Minnesota


ausgezeichnet

Bob Oz ist Polizist, allerdings ein extrem heruntergekommener. Er trinkt, arbeitet wenig und hat jede Nacht eine andere Frau. Doch als ein Waffenhändler angeschossen wird, klemmt er sich hinter den Fall, denn es wird nicht das einzige Opfer bleiben und zwischenzeitlich wird Oz sogar suspendiert. Trotzdem kann er nicht loslassen

Das Buch ist mehr als ein Krimi. Die Geschichte an dich selbst ist schon interessant und über weite Teile auch sehr spannend. Es gibt immer wieder unerwartete Wendungen und auch das Ende birgt einiges an Überraschungen. Die Figur Oz selbst erinnert stark an Harry Hole, auch hier wieder eine gebrochene Gestalt, die so gar nicht in das Schema eines aktiven Polizisten passt. Trotzdem gelingt es gut, die Facetten dieses Menschen aufzuzeigen. Ein weiterer Vorteil für mich ist, dass das Buch eine Art Gesellschaftskritik aufweist. In diesem Fall geht es um die Waffenlobby in den USA und die entsprechenden Auswirkungen, die neutral von allen Seiten beleuchtet werden, so dass man als Leser eine eigene Meinung entwickeln kann. Von mir gibt es eine Leseempfehlung

Bewertung vom 13.01.2026
Lillegraven, Ruth

Düsteres Tal


sehr gut

Clara leitet in Nairobi eine Schule. Als der norwegische zuständige Minister zu Gast ist, wird die Schule von Terroristen überfallen und er getötet. Clara rettet viele Menschenleben und wird zur Heldin. Wieder in Norwegen zurück, bekommt sie den Posten als Justizministerin erneut angeboten. Doch die Schatten aus der Vergangenheit werden immer länger

Das Buch ist der Abschluss der Trilogie. Wie die vorangegangenen Teile ist er sehr gut lesbar und bringt die aktuelle Situation in Norwegen gut auf den Punkt. Die Hauptfigur ist sehr zwiespältig. Nicht direkt unsympathisch, aber als mehrfache Mörderin auch nicht wirklich sympathisch. Mich hat am Ende vor allem interessiert, wie die Situation aufgelöst wird. Und hier wurde ich dann für meinen Geschmack etwas enttäuscht. Für genauere Ausführungen müsste ich allerdings jetzt zu viel spoilern, was ich unterlasse.

Bewertung vom 17.12.2025
Pöppelmann, Christa

KUNTH Bonjour Bretagne


ausgezeichnet

„Bonjour Bretagne“ ist ein kleinerer, aber umso feiner Bildband. Das Buch ist kein Reiseführer im klassischen Sinn, sondern es werden auch mit wunderbaren Fotos verschiedene Orte, größere wie unbekanntere, aber auch Eigenheiten der Bretonen oder bestimmtes Essen vorgestellt. Die Texte sind sehr kurz gehalten und unterstreichen eigentlich vor allem die Bilder. Wird, um ein Beispiel zu nennen, ein Museum vorgestellt, findet man am Ende die Internetadresse und kann sich weitere Informationen selbst holen.

Ich gebe zu: ich bin ein großer Fan der Bretagne. Und dieses Buch verführt dazu, sich noch mehr in dieses wunderbare Land zu verlieben. Beim Lesen und vor allem beim Ansehen der Bilder hatte ich gleich wieder eigene Erlebnisse vor Augen, konnte bestimmte Gerüche oder Geräusche wiedererkennen und hatte sofort wieder absolutes Fernweh. Einer der für mich schönsten Landschaften dieser Erde wird in dem Buch eine Art lebendiges Denkmal gesetzt. Dabei werden auch unbekanntere Ecken entdeckt und vorgestellt und so Anregungen für die nächste Reise gegeben. Von mir gibt es absolut eine Leseempfehlung