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Benutzername: UrbanMoose
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Bewertungen

Insgesamt 22 Bewertungen
Bewertung vom 09.12.2011
Die Geisha
Golden, Arthur

Die Geisha


ausgezeichnet

Dies ist ein Klassiker, den man unbedingt im Bücherregal stehen haben sollte. Trotz der überwältigenden Fülle des Buches (rund 600 Seiten) wirkt die Geschichte an keiner Stelle träge.

Klever eingewickelt beginnt das Buch mit einem Vorwort vom Übersetzer. Man bekommt den Eindruck, dass die Geisha Sayuri, die hier ihre Lebensgeschichte erzählt, tatsächlich existierte. Ich war so in das Buch vertieft, dass ich erst später herausfand, dass es sich um eine fiktive Figur handelt.

Die Mutter der kleinen Chiyo und ihrer Schwester Satsu liegt im Sterben. Der Vater, ein armer Fischermann, verkäuft die Geschwister und sie werden getrennt. Chiyo kommt als Dienerin in einem Geishahaus unter. Dort trifft sie auf die rachsüchtige Hatsumomo, eine der erfolgreichsten Geishas in Kyoto. Ständig muss sich das Mädchen vor Hatsumomos schlechten Launen in Acht nehmen und darf ihr nicht widersprechen. Denn die populäre Geisha ist die Hauptverdienerin und bringt das nötige Geld ins Haus. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch fügt sich die kleine Heldin ihrem Schicksal.

Schnell sieht jeder etwas besonderes in ihr, denn mit ihren grauen Augen zieht sie alle in ihren Bann. Chiyo erlernt die Künste einer Geisha, und Mameha, Hatsumomos größte Konkurrentin, nimmt sie unter ihre Fittiche. So erlangt Chiyo, die nun den Geishanamen Sayuri trägt, Beliebtheit, und wird von vielen Teehäusern gebucht. Jedoch haben Sayuri und Mahema nicht die Rechnung ohne Hatsumomo gemacht...

Das Buch bietet einen einzigartigen Einblick in das Leben einer Geisha als Künstlerin, Objekt der Begierde und individuelle Person mit ihren Träumen und Hoffnungen. So luxuriös ihr Leben scheint, steckt harte Arbeit dahinter, die einige Opfer verlangt: Sayuris Jungfräulichkeit wird versteigert und sie braucht einen danna, der ihr regelmäßig Geld zukommen lässt, jedoch nicht der Mann ihres Herzens ist.

Obwohl das Buch verspricht, dass die Titelfigur ihre wahre Liebe nach dem Untergang der Geishakultur findet, wird dies nicht deutlich, je näher sich die Geschichte dem Ende zuneigt. Ein großes Fragezeichen also, was das Ende betrifft.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 24.11.2011
Nachts singt die Welt
Strachan, Mari

Nachts singt die Welt


ausgezeichnet

Michel aus Lönneberga auf walisisch! Die 12-jährige Gwenni hat es nicht leicht im Leben, kriegt sie sich doch ständig in die Haare mit ihrer Schwester Bethan und bestraft ihre Mutter sie viel zu oft. Dabei hat das aufgeweckte und mutige Mädchen doch nur die besten Absichten, z.B. das plötzliche Verschwinden des Vaters ihrer Spielkameraden aufzuklären. Doch mit ihrer Neugier und Phantasie bringt Gwenni sich schnell in Schwierigkeiten und ihre Mutter fürchtet, die Dorfbewohner hielten ihre Tochter als verrückt. Wo die Kleine doch schon herumzerzählt, dass sie fliegen kann... Obendrein verhält sich ihre Seelenverwandte Alwenna auch noch so komisch und flirtet neuerdings mit zwei Schulfreunden... dabei hatten sich die beiden doch versprochen, nie etwas mit Jungen am Hut zu haben.

Aus Gwennis Sicht erzählt, bekommt die Geschichte den nötigen Schwung und steckt voller Humor sowie kleiner Weisheiten. Ich bin so begeistert von diesem Buch, dass ich es nur wärmstens empfehlen kann. Es ist einfach zu lesen und so schnell legt man es nicht mehr aus der Hand. Schließlich handelt es sich auch um einen Krimi, und Gwenni mit ihrem guten Spürsinn ist dem Täter auf der Spur. Sicher wird der ein oder andere Leser ebenfalls unwillkürlich an Astrid Lindgrens kleine Helden denken.

Bewertung vom 24.11.2011
Eine himmlische Liebe
See, Lisa

Eine himmlische Liebe


sehr gut

"Eine himmlische Liebe" beruht auf dem wahren Phänomen liebeskranker Mädchen in China, die sich von der Oper "Der Päonienpavillion" so sehr berühren lassen, dass sie sich für die Liebe zu Tode hungern. Nurch durch die Erlösung des Todes würden sie das Glück in der Liebe finden, welches ihnen im wahren Leben verwahrt bleibt.

Auch Mudan, die Heldin dieses Romans, vertief sich in die Oper. Während der Aufführung im Garten ihrer Eltern, die sie nur hinter Schirmen geschützt vor den Blicken der Männer genießen darf, stehlt sie sich heimlich davon. Im Pavillion trifft sie auf einen unbekannten Dichter namens Wu Ren. Er verzaubert Wudan vom ersten Moment an, jedoch ist sie bereits einem anderen Mann versprochen. Mit viel Gefühl beschreibt die Autorin, wie sich die beiden näher kommen und kennen lernen, während sie zaghaft die ersten Zärtlichkeiten austauschen. Ihre gemeinsame Liebe für die Oper verbindet sie.

Mudan wird zunehmend unglücklicher, je näher ihre Hochzeit rückt. Sie kann sich kein Leben mehr ohne Wu Ren vorstellen. Aus lauter Verzweiflung beginnt sie zu hungern mit fatalen Folgen - und wie sich herausstellt, eine Entscheidung, die sie für immer bereuen wird.

Lisa See hat mit diesem zauberhaften Werk ein wahres Wunder vollbracht. Es ist ein Gedicht an die Liebe und Poesie. Auch dieses Buch gewährt Einblicke in die Rolle der Frau, die sich den Traditionen beugen muss. Allerdings steht hier im Vordergrund Mudans lange Reise nach ihrem Tod, die ganze Kapitel füllt. Da ihr Beerdigungsritual nicht richtig vollzogen wurde, können sich die drei Teile ihrer Seele nicht vereinen und sie streift herum als hungriger Geist. Leider hat mich das Buch nur in einem Punkt etwas enttäuscht: kann Mudans Geist wirklich die Wunder vollbringen, wie sie hier geschildert werden? Dies sei jedoch der Phantasie der Leser überlassen...

Ich empfehle, sich vorher mit "Der Seidenfächer" vertraut zu machen, um ein besseres Gefühl und Verständis für diese Geschichte zu bekommen.

Bewertung vom 23.11.2011
Das Orchideenhaus
Riley, Lucinda

Das Orchideenhaus


weniger gut

Ein englisches Anwesen, ein Familiengeheimnis und eine Reise in die Vergangenheit... nichts neues also, basieren doch bereits Kate Mortons Romane bereits auf demselben Konzept (und wurden erfolgreicher durchgesetzt). Trotzdem wirkt die Geschichte anziehend und die über 500 Seiten versprechen ein langes Lesevergnügen - auf den ersten Blick.

Julia, weltberühmte Pianistin, verliert ihren Sohn Gabriel und Mann Xavier. Mit viel Geheimniskrämerei um deren Tod wird die Geschichte aufgebauscht. Allerdings kann man sich schnell zusammenreimen, was vorgefallen ist. Julia zieht sich zurück in ihr Ferienhäuschen in England. Mit ihrer Schwester besucht sie Wharton Park, wo sie ihre Kindheit verbrachte. Die einst prunkvolle Residenz, in der noch ihre Großeltern arbeiteten, wird aufgelöst und verkauft. Dort trifft sie auf einen alten Bekannten namens Kit, der zu einer Art Schutzengel für sie wird und obendrein noch recht attraktiv ist.

Mit Hilfe ihrer Großmutter und Kit recherchiert Julia die Vergangenheit ihrer Familie und stößt dabei auf ein trauriges Geheimnis. Leider überschlagen sich die Ereignisse und lassen die Geschichte zu dramatisch und unglaubwürdig wirken. Auch die Überraschungseffekte bleiben aus, da sich meine Vorahnungen voll und ganz bestätigt haben. Für meinen Geschmack zu viel Drama und Zufälle, die ich hier ernsthaft in Frage stellen möchte. Die Glaubwürdigkeit bleibt dabei komplett auf der Strecke.

Ausschließlich die unerfüllte Liebe zwischen Olivia und Harry, auf der das sagenumworbene Familiengeheimnis beruht, konnte mich tatsächlich in ihren Bann ziehen. Besonders der Kontrast zwischen dem exotischen Bangkok und dem grauen Norfolk gefiel mir sehr.

2 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.10.2011
The Help
Stockett, Kathryn

The Help


ausgezeichnet

Von diesem Buch möchte man gerne länger etwas haben. Die Geschichte spielt sich in Jackson, Missisippi im Jahre 1963 ab. Dienstmädchen Aibileen und Minny sowie die junge Miss Skeeter sind die Heldinnen in diesem Roman.

Aibileen ist angestellt bei der gut betuchten Elizabeth, die enge Freundschaft pflegt mit Miss Hilly, Minnys ehemaliger Arbeitgeberin. Minny muss stets in acht nehmen, dass ihr loses Mundwerk ihr nicht den nächsten Job kostet. Nachdem sie bei Miss Hilly gefeuert wird und übelst Rache nimmt, befürchtet sie, so schnell keine Arbeit mehr zu finden, da Miss Hilly Lügen über sie verbreitet. Dennoch kommt sie bei Miss Celia zurecht, die ein schreckliches Geheimnis hütet und ihrem Ehemann die Haushaltshilfe verschweigt. Das Schicksal nimmt seinen Lauf und Minny muss feststellen, dass sie mehr in den Strudel der privaten Probleme ihrer Arbeitgeberin gerät als ihr lieb ist. Währenddessen beobachtet Skeeter besorgt, wie ihre Freundinnen Elizabeth und Hilly mit ihren Dienstmädchen umgehen und distanziert sich von ihnen. Sie versucht, Aibileen und Minny zu überzeugen, ihre Erfahrungen als dunkelhäutige Angestellte bei weißen Familien niederzuschreiben. Ein Verlag in New York zeigt Interesse an der Idee. Jedoch muss Skeeter für ein Buch mehrere Dienstmädchen finden, die sich bereit zeigen, über ihre Arbeitsverhältnisse zu reden.

Aus Sichtweise der drei Frauen erzählt, verliert die Geschichte nie an Spannung. Der Leser erhält einen guten Eindruck, unter welchen Umständen die Dienstmädchen ihre Arbeit verrichten müssen. Obwohl die Geschichte einen ernsten Unterton hat, hat die Autorin es geschafft, sie ungezwungen mit viel Humor an den Leser zu bringen. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrung mit Dienstmädchen scheint mir dieses Buch sehr gut recherchiert.

5 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.10.2011
Töchter aus Shanghai
See, Lisa

Töchter aus Shanghai


weniger gut

Nach dem aufwühlenden Roman "Der Seidenfächer" konnte mich "Töchter aus Shanghai" nicht berühren. Dabei steckt so viel Potential in dieser Geschichte, nur weicht die Autorin hier von ihrer einfühlsamen Art und Weise ab und das Buch wird zum Disaster.

Pearl und May sind Schwestern mit einem ausschwinglichen Lebensstil in Shanghai. Die Familie gehört zu jenen, die sich einiges leisten können und die beiden verdienen sich ihr Geld als Models. Dies ändert sich, als der Vater offenbart, er hätte beim Spielen Schulden angehäuft und zur Begleichung seine Töchter als Ehefrauen an zwei Amerikaner versprochen. Pearl und May versuchen, ihrem Schicksal zu entrinnen, was die Familie jedoch in tiefere Probleme zerrt. Als Bomben auf die Stadt fallen, gelingt Pearl und May eine spektakuläre Flucht. Sie müssen das Schiff nach Amerika nehmen, wo ihre Ehemänner auf sie warten.

Was mir weniger zusagte ist, dass die Geschichte wie im Zeitraffer erzählt wird. Es bleibt kein Platz für große Gefühle, Trauer oder Entsetzen - eben das, was den rührenden Roman "Der Seidenfächer" ausmacht. Auch droht Einschlafgefahr ab dem Kapitel, in dem die Schwestern endlich in ihrer neuen Heimat mit ihren Männern wiedervereint sind. Die Beschreibung des Alltags in Chinatown, Los Angeles hätte sich die Autorin sparen können und das Buch hätte hier enden sollen. Verglichen mit "Der Seidenfächer" ein Kontrast, wie er größer nicht sein könnte. Leider muss ich sagen, dass dieses Buch die reinste Enttäuschung war.

Bewertung vom 09.09.2011
Der Seidenfächer
See, Lisa

Der Seidenfächer


ausgezeichnet

Diese Geschichte zweier Frauen, die sich ein Leben lang Freundschaft schwören, hat mich zutiefst bewegt. Sie erinnert mich stark an "Das Herzenhören".

In einer Welt, in der Mädchen als nutzlos angesehen werden, muss Lily sich den grausamen Traditionen beugen, die bereits im Kindesalter auf sie warten: mit fünf Jahren werden ihr die Füße gebunden. Dies in der Hoffnung, dass sie hiermit eine potentiellen Ehemann aus guten Verhältnissen stammend findet. Tante Wang, eine weise Frau, die als Vermittlerin fungiert, sieht etwas ganz besonderes in der kleinen Lily. Sie will ihr zu einer laotong verhelfen - eine lebenslange Freundschaft mit einem anderen Mädchen, auf deren innige Beziehung sich Lily jederzeit stützen kann, wenn sie erstmal den harten Alltag als Ehefrau miterleben muss.

Schnell findet sich Schneerose, die vieles mit Lily gemeinsam hat und deswegen als ideal angesehen wird. Jedoch könnten die beiden vom Charakter her nicht unterschiedlicher sein. Lily schaut zu Schneerose auf, die aus gutem Hause kommt, wie es scheint. Gleichzeitig schämt sie sich für die Armut in ihrer eigenen Familie. Die beiden Mädchen werden lebenslange Freunde, die mehr Zuneigung aneinander zeigen und deren Liebe stärker ist als sie jemals für ihre Ehemänner empfinden werden. Sie wechseln sich in der Geheimschrift nu shu aus, bringen ihre Gedanken in Form von Gedichten auf einem Fächer zum Ausdruck. Jedoch kommt ein Geheimnis ans Licht, welches die Beziehung in Leidenschaft zieht.

Das Buch ist nichts für Leser mit schwachen Nerven. Bereits in den ersten Kapiteln wird anschaulich beschrieben, wie Lily das Fußbinden empfindet. Immer wieder wird einem vor Augen geführt, wie schnell ein Leben ausgelöscht werden kann, wenn man wie Lilys Familie aus einfachen Verhältnissen stammt. Ich würde diesem Buch gerne 10 Sterne verleihen, weil es eine aufwühlende Geschichte ist, wie ich sie jetzt nur von "Tausend Strahlende Sonnen" kenne. Eine wunderschöne und traurige Geschichte über eine Freundschaft, die ein Leben lang anhalten sollte.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.08.2011
Harvesting the Heart
Jodi Picoult

Harvesting the Heart


gut

Picoults zweites Werk "Harvesting the Heart" erinnert stark an seinen Vorgänger "Songs of the Humphback Whale". Auch in dieser Geschichte flieht eine verzweifelte Frau vor sich selbst.

Paige wird von ihrer Mutter verlassen, als sie gerade einmal fünf Jahre alt ist. Sie wird nie wieder von ihr hören. Als Teenager zieht sie klammheimlich mit Sack und Pack nach Chicago, bleibt jedoch ab und zu mit ihrem zurückgebliebenen Vater in Kontakt. Mit 18 Jahren lernt sie Nicholas Ascott kennen, der aus gutem Hause kommt und in Havard Medizin studiert. Mit Nicholas und dem Reichtum seiner Eltern findet sich Paige auf einmal in einer Welt wieder, die nicht für sie bestimmt ist. Als Kellnerin lebt sie bescheiden, besitzt jedoch ein beeindruckendes Talent: sie portraitiert Fremde und erkennt vieles in ihnen, welches in den Zeichnungen zum Ausdruck kommt.

Jahre später... Nicholas und Paige sind verheiratet und haben einen Sohn, Max. Während Nicholas an seiner Karriere arbeitet und nicht viel Zeit für die Familie hat, fällt Paige in ein tiefes Loch. Das Muttersein fällt ihr schwer und sie beginnt Vergleiche mit ihrer Mutter zu ziehen. Sie verlässt Nicholas und Max und macht sich auf die Suche nach ihrer Mutter, in der Hoffnung, Antworten auf die Fragen zu finden, die sie sich schon ein Leben lang stellt.

Leider hat mich das Buch nicht mitreißen können. Im Vergleich zu Picoults heutigen Werken wirkt diese Geschichte wie ein stilles Drama. Das Thema hat mich nicht lange beschäftigt oder gar neugierig gemacht. Zwar schreibt Picoult auch hier wieder mit viel Gefühl, wie man es von ihr gewohnt ist; jedoch verblassen ihre Worte, sobald man sie gelesen hat. Ich empfehle dieses Buch für Leser, die bereits mit einigen Geschichten von Picoult vertraut sind.