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Benutzername: Nasim Konietzny
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Bewertungen

Bewertung vom 11.03.2012
Die Auferstehung
Tolstoi, Leo N.

Die Auferstehung


ausgezeichnet

Das Buch "Auferstehung" ist mein erstes Tolstoi-Roman und ich (35) kann nur bedauern es nicht bereits vor fünfzehn Jahren oder sogar noch früher gelesen zu haben. Dennoch denke ich mir: "lieber spät als nie!" In diesem Buch verstricken sich Tolstois nicht zu übertreffende Erzählkunst mit seiner ebefalls unübertreffbar bewegenden Mitmenschlichkeit allem Lebendigen gegenüber!
Ich schätze mich als glücklichen Menschen wenn ich an all seine anderen Bücher denke, die ich noch genießen darf...
Die beiden Hauptfiguren des Romans sind die 28-jährige Jekaterina Maslowa und der wohlhabende 31-jährige Fürst Dimitrij Nechljudow, deren Schicksale sich auf eine einzigartige und seltsam anmutende Weise miteinander kreuzen. Die Beziehung zwischen der Maslowa und dem Fürsten ist von ihrem Anbeginn von einer aufrichtig, zarten Liebe aber auch erschreckender (Selbst-)Entfremdung, peinlicher Scham und der unerwarteten Auferstehung einer vollkommenen Moral, die einst in den Tiefen der adeligen Seele Nechljudows beerdigt worden war, bestimmt.
Er (Nechljudow), der als Geschworener zu einem Mordprozess vorgeladen ist, trifft im Gerichtssaal seine einstige Jugendliebe, die des Mordes angeklagte Maslowa, nach zehn Jahren zufällig wieder.
Das damals junge Mädchen arbeitete als Dienstmädchen im Hause seiner Tanten, die Katjuschka, wie er sie zu nennen pflegte, von klein auf als eine Art Pflegetochter bei sich aufgenommen hatten.
Allen Anstand zum Trotz entjungfert er das lieblich junge Mädchen, in einer Art animalischer Ergriffenheit, gegen dessen Willen. Katjuschka wird schwanger und daraufhin von seinen Tanten aus dem Hause geworfen. Das gemeinsame Kind stirbt kurz nach der Geburt und die zutiefst entmoralisierte Katjuschka kämpft sich von da an als Prostituierte durchs Leben...
Das unerwartete Wiedersehen mit Katjuschka gleicht einem heftigen Schlaf auf die tief vergrabene Sittlichkeit in der Seele des adeligen Großgrundbesitzers.
Tolstoi schildert den nun unaufhaltsamen Prozess der moralischen Wiedereweckung in Nechljudows Seele, der den Leser gleichermaßen erschüttert, verzückt und auf unwiderstehliche Weise in die Nachfolge Christi ruft!
Viel nachdenkliche Freude mit diesem unglaublich würdevollem Werk eines unglaublich würdevollen, von der Kirche exkommunierten, Autors!

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.