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Benutzername: Arabella
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Bewertungen

Insgesamt 265 Bewertungen
Bewertung vom 17.11.2018
Deutsches Haus
Hess, Annette

Deutsches Haus


ausgezeichnet

Die verschwiegene Schuld. Annette Hess nimmt sich in ihrem Debütroman gleich ein Thema von Gewicht vor: das Verdrängen des Holocausts und den ersten Auschwitz-Prozess von 1963. In "Deutsches Haus" kommen für die Heldin unangenehme Wahrheiten ans Licht. Eva Bruhns muss in der Gastwirtschaft ihrer Eltern oft mit anpacken. Wenn es abends voll ist, kommt Vater Ludwig am Herd in der Küche ins Rotieren und Mutter Edith mit dem Servieren kaum hinterher. Die beiden rackern sich ab, damit es wieder aufwärts geht mit der Familie im Wirtschaftswunder-Deutschland. Und Eva rackert mit. Aber die kleinbürgerliche Welt ihrer Eltern ist längst nicht mehr ihre. Eva hat keine Lust, einmal das "Deutsche Haus" zu übernehmen, das der ganze Lebensinhalt ihrer Eltern ist. "Deutsches Haus" spielt in den 1960er-Jahren in Frankfurt, zu Beginn der Auschwitz-Prozesse, bei denen nicht mehr wie in Nürnberg führende Kriegsverbrecher angeklagt waren, sondern in der Öffentlichkeit weniger bekannte Täter, die im größten Vernichtungslager der Nazis am Massenmord an den Juden beteiligt waren. Eva Bruhns ist Dolmetscherin und die starke Hauptfigur in diesem Roman. Sie übersetzt die Aussagen der Polnisch sprechenden KZ-Überlebenden. Ihre Eltern, Wirte im Gasthof Deutsches Haus, sind wie ihr zukünftiger Verlobter gegen diese Anstellung. Das Thema sei nichts für eine junge Frau. Doch Eva widersetzt sich der Haltung ihrer Eltern, folgt ihrem Gefühl und nimmt die Herausforderung an, ohne zu ahnen, dass dieser Jahrhundertprozess nicht nur das Land, sondern auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird. Es ist der erste Auschwitz-Prozess, der in der Stadt gerade vorbereitet wird. Generalstaatsanwalt Fritz Bauer will die deutsche Öffentlichkeit aufrütteln, die SS-Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und die Opfer zu Wort kommen lassen. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort gehört hat, wird als Dolmetscherin zu den Zeugenbefragungen hinzugezogen und ist von den Aussagen der Opfer schockiert. Und plötzlich muss sich Eva ganz persönliche Fragen stellen und muss sich entscheiden: Mache ich mit? Beuge ich mich? Oder widersetze ich mich? Warum erzählen ihre Eltern nie von ihrer Zeit in Polen? Und warum interessiert sich ihr Verlobter Jürgen nicht für die Vergangenheit? Eva wird nicht nur mit schrecklichen Details des Holocausts konfrontiert, sondern gleichzeitig mit einem Teil der deutschen Geschichte, der damals noch kaum bekannt ist, weil die Gesellschaft nichts von ihm wissen will. Nähmlich, das Verschweigen der Verbrechen gegenüber den Juden und das Davonkommenlassen der Verantwirtlichen. Genau darum geht es in "Deutsches Haus" und Eva steht stellvertretend für diejenigen, die diesen verlogenen Umgang mit der deutschen Geschichte nicht hinnehmen wollen. Am Schluss erfährt sie, dass das Verdrängen und Verleugnen Teil ihrer eigenen Familiengeschichte ist, dass ihr Vater, der rückenkranke Gemütsmensch, bei der SS war und sie als kleines Kind in Auschwitz gewohnt hat, wo er als Koch im KZ arbeitete. "Deutsches Haus" ist eine Geschichte in Zeiten der Entscheidung - berührend, lebensnah, historisch genau. Mut, Verzweiflung, Verrat und Liebe im Zeichen des Auschwitz-Prozess: bewegend schildert Annette Hess die deutsche Jahrhundert-Tragödie und den Weg einer Familie, deren Mitglieder so unterschiedlich sind, wie Menschen nur sein können. Klug und wahrhaftig beschreibt die Autorin Menschen, die sich in schweren Zeiten bewähren müssen und die doch einfach so sind wie wir.

Bewertung vom 10.11.2018
Die letzte Terroristin
Georgi, André

Die letzte Terroristin


ausgezeichnet

Mit dem Thriller "Die letzte Terroristin" hat André Georgi einen spannenden Politthriller geschrieben, der gleichermaßen Erinnerung an den blutigen "Deutschen Herbst" und die Zeit nach dem Zusammenbruch der DDR ist. Der Roman schildert die Perspektive der Täter ebenso wie die der Verfolger. Der Start ist rasant: Ein Kommando der letzten Generation der RAF arbeitet sich durch seine Kill-Liste, ein unter Druck geratener Ermittler des Bundeskriminalamtes soll weitere Anschläge verhindern. Greift das seit Jahren gepflegte Programm der V-Männer, hat er es geschafft, den streng abgeschotteten Kreis der RAF-Unterstützerszene zu durchbrechen und einen Kontaktmann einzuschleusen? Kurz kommt Hoffnung auf, den Terroristen doch noch voraus zu sein, bis ein neues Attentat das BKA nur weiter unter Druck setzt.
Es gibt kein reines Schwarz-Weiß Schema in diesem Buch. Terroristen wie Polizisten sind Jäger und Gejagte zugleich, denn das BKA steht unter Druck von Öffentlichkeit und Politik. Was macht dieser Druck von Öffentlichkeit und Politik. Was macht dieser Druck mit den Beamten, was macht das jahrelange Versteckspiel, das Leben in der Anonymität, mit den in den Untergrund RAF-Mitgliedern?
Seit den 70er-Jahren sind zwei neue RAF-Generationen in den politischen Kampf gegangen, nunmehr nicht aus der Stadtguerilla und beflügelt vom revolutionären Kampf in Lateinamerika oder Afrika, sondern geschult von Stasi-Ausbildern, die lange ihre eigene Agenda verfolgt haben, nun aber im wiedervereinigten Deutschland an die eigene Zukunft denken müssen. Immer wieder wechselt Georgi in seinem Thriller die Erzählperspektive, schildert die Sicht der RAF-Leute und der Ermittler, zeigt auch den Preis, den sie in diesem jahrelangen, erbitterten Kampf führen. Privatleben ist ein Luxus, das sich die BKA-Ermittler nicht mehr leisten können, die Terroristen haben das mit der Entscheidung für den Untergrund ohnehin für sich verabschiedet.
Spannend wäre "Die letzte Terroristin" schon allein wegen des Katz-und-Maus-Spiels - die Ermittler jagen Terroristen, die ihren letzten Anschlag umsetzen wollen. Doch daneben geht es eben auch um die Jagd in den Köpfen der Beteiligten. Druck und Angst, Zweifel und Hoffnung, Besessenheit und Enttäuschungen - als Sieger kann sich hier keiner fühlen. Die Schrecken der Vergangenheit, so könnte man diesen Thriller nennen. Eine wirklich starke Geschichte, höchst spannend und natürlich in bester lakonischer André Georgi-Manier erzählt! Auf jeden Fall ist es ein extrem unter die Haut gehender Thriller, der einen so schnell nicht wieder loslässt! Spannend und fesselnd wie immer!

Bewertung vom 03.11.2018
Der Spielmann / Die Geschichte des Johann Georg Faustus Bd.1
Pötzsch, Oliver

Der Spielmann / Die Geschichte des Johann Georg Faustus Bd.1


ausgezeichnet

Der Pakt mit dem Magier. Sein Schicksal ist besiegelt, als Faustus den Spielmann zum ersten Mal trifft. Um das Jahr 1500 reiste durch das Deutsche Reich ein Mann, von dem nicht viel überliefert ist. Er war der größte Zauberer seiner Zeit, ein Hochstapler, Astrologe und Quacksalber, dabei so klug und belesen wie ein Dutzend Gelehrte und so durchtrieben wie die Borgias. Seine Figur gilt bis heute als Sinnbild eines ruhmsüchtigen, rastlosen Menschen, der sich mit dem Teufel einlässt, durch diesen viel Ansehen und Reichtum erwirbt – und am Ende mit seiner Seele bezahlt. Sein Name war Johann Georg Faustus. Es beginnt am 27. Oktober Anno Domini 1486 in Knittlingen, einem kleinen ruhigen Ort im Kraichgau. Bis zu dem Tag, als die Gaukler in die Stadt kommen – und plötzlich Kinder verschwinden. Johann Georg, von seiner Mutter "Faustus", der Glückliche, genannt, kümmert das nicht. Ihn interessieren nur die bunten Kostüme, die Sackpfeifen und Kunststücke. Johann Georg ist der Liebling seiner Mutter - nicht nur, weil er ein so intelligenter, aufgeweckter und hübscher Junge ist, sondern auch, weil er unter einem besonderen, verheißungsvollen Stern geboren ist. Als eines Tages die Gaukler in der Stadt sind, ist Faustus sofort fasziniert von der bunten Truppe. Mit offenem Mund stand der kleine Johann in einer Nische des Oberen Stadttors und beobachtete den lärmenden, tanzenden, singenden Zug bunter Menschen. Noch nie hatte Johann eine solche Pracht gesehen! Fast so, als wäre der Kaiser selbst in die kleine Pfälzer Stadt gekommen. Mit seiner Freundin Margarethe beobachtet er das Treiben. Vor allem beeindruckt ihn der geheimnisvolle Magier und Spielmann Tonio del Moravia. Von dem blassen Mann mit den stechend schwarzen Augen, der Johann eine große Zukunft als Gelehrter voraussagt, geht eine seltsame Faszination aus. Die geduckten Steinhäuser erstrahlten mit einem Mal in einem seltsamen Glanz, und ein exotischer Geruch umwölkte Johanns Nase – der Geruch der fernen Welt. Nachdem die Mutter plötzlich stirbt, seine zarte Liebe zu Margarethe zerbricht und sein Vater ihn aus dem Haus wirft, schließt er sich dem Spielmann an, wird sein Gehilfe. Gemeinsam ziehen sie durch die deutschen Lande und der junge "Faustus" saugt alles auf, was Tonio ihm beibringt. Er lernt Zaubertricks, das Handlesen und die Kunst, Horoskope zu erstellen. Doch von Tonios Lehren geht eine ungeahnte Gefahr aus, und schon bald beschleicht Johann das Gefühl, dass sein Meister mit dunklen Mächten im Bunde steht, denn den Meister umgibt auch eine unheimliche Aura. Faustus graut bald vor ihm. Er flieht, folgt einer Gauklertruppe nach Venedig, wird selbst ein berühmter Magier. Aber sein alterr Lehrmeister bleibt ihm auf der Spur. Immer klarer wird, dass Tonio del Moravia mit gefährlichen und dunklen Mächten im Bunde steht. Faustus muss sich entscheiden: Kampf oder Untergang, Gut oder Böse... Der Held des Romans, Johann, ist ein außerordentlich stolzer, kühler und kluger Geist, zu klug eigentlich für die Kunst, der aber dennoch von Drang nach dem Kreativen erfüllt ist und dazu Enthemmungen braucht, die ihm in dem ideellen Rahmen des Buches nur der Böse verschaffen kann. Eins ist klar, diesen Roman kann man nicht weglegen, bevor die letzte Seite verschlungen ist. Die wundersame Geschichte des Johann Georg Faustus samt seinen abenteuerlichen Reisen durch das ausgehende mittelalterliche Europa ist einfach zu packend. Der geistige Vater dieses begabten und wissbegierigen Reisenden schafft es, dem Leser das Gefühl zu geben, man beobachte alles wie eine Krähe, die übrigens im Buch eine unheimliche Rolle spielt, von des Protagonisten Schulter. Der Roman ist vielschichtig, lebendig, profund, ja und sprachlich ein Genuss für den Leser. Lesen, lesen, lesen…es kostet nicht die Seele und ist doch ein teuflisches Vergnügen. Königliche Unterhaltung.

Bewertung vom 02.11.2018
Ida
Adler, Katharina

Ida


ausgezeichnet

Was für eine Familiengeschichte. Die Geschichte der Ida Bauer. Man liest fasziniert diese Lebensgeschichte. Ida Adler, geborene Bauer sorgte einst für Furore: Sie ist eine der bekanntesten Patientinnen des 20. Jahrhunderts, sie wird von ihrem Vater, einem Lebemann en gros, zu dessen Freund Sigmund Freud geschickt. Dora, das jüdische Mädchen mit der 'petite hystérie', die es wagte, ihre Kur bei Sigmund Freud vorzeitig zu beenden, und ihn, wie er es fasste, "um die Befriedigung brachte, sie weit gründlicher von ihrem Leiden zu befreien. Die Wiener Jüdin war um die Jahrhundertwende eine Hysterie Patientin von Sigmund Freund, der Psychoanalytik-Begründer machte sie als "Fall Dora" weltberühmt. Ihre Urenkelin, die Münchner Autorin Katharina Adler, hat aus Ida Adlers Lebensgeschichte einen spannenden Roman gemacht, der den Bogen von der selbstbewusst-trotzigen 18-Jährigen, die sich sogar Freud widersetzte, bis zur Emigrantin in New York spannt. Für Katharina Adler war die widerständige Patientin lange nicht mehr als eine Familienanekdote, ihre Urgroßmutter, die - nicht unter ihrem wirklichen Namen und auch nicht für eine besondere Leistung - zu Nachruhm kam. Ida, die als der 'Fall Dora' von der Nachwelt mal zum Opfer, mal zur Heldin stilisiert wurde. Nach und nach wuchs in ihr der Wunsch, dieses Bild von Ida zu ergänzen, ihm aber auch etwas entgegenzusetzen. Sie wollte eine Frau zeigen, die man nicht als lebenslängliche Hysterikerin abtun oder pauschal als Heldin instrumentalisieren kann. Doch die Familiengeschichte umfasst weitaus mehr. Wir erfahren einiges über ihre politische Aktivitäten in der österreichischen Sozialdemokratie, aus der Ehe mit dem eher unglücklichen Komponisten Ernst Adler und später über ihr Exil als Jüdin in der neuen Heimat Amerika. Von ihr, von "Ida", handelt dieser mitreißende Roman: die Geschichte einer Frau zwischen Welt- und Nervenkriegen, Exil und Erinnerung. Eine Frau mit vielen Stärken und auch einigen Schwächen, die trotz aller Widrigkeiten bis zuletzt um ein selbstbestimmtes Leben ringt. Mit großem gestalterischem Weitblick und scharfem Auge für jedes Detail erzählt Katharina Adler die Geschichte einer Frau zwischen Welt- und Nervenkriegen, Exil und Erinnerung. Eine Geschichte, in die sich ein halbes Jahrhundert mit seinen Verwerfungen eingeschrieben hat. Ida ist ein Plädoyer für die Wahrheit der Empfindung und die Vielfalt ihrer Versionen. Der Roman eines weitreichenden Lebens, das – mit Freuds Praxistür im Rücken – erst seinen Anfang nahm. Ein beeindruckendes und ganz besonderes Werk, außerdem ist es ein bemerkenswerter Ausschnitt des 20. Jahrhunderts. Es besticht durch die knappe, lakonische Sprache - es ist nie ein Wort zuviel. Ausdrucksvoll geschrieben von der Autorin, entwickelt die Geschichte einen ganz eigenen Sog, dem der Leser sich nicht entziehen kann. Eine spannende und ansprechende Geschichte. Wer interessante Roman-Biografien mag, der ist hier richtig.

Bewertung vom 02.11.2018
Flucht in die Schären / Thomas Andreasson Bd.9
Sten, Viveca

Flucht in die Schären / Thomas Andreasson Bd.9


ausgezeichnet

Was für ein unwiderstehliches Muss ist das denn. Ein Wettlauf gegen die Zeit. Nora Linde steht vor einem gefährlichen Fall. Der Anführer der Drogenszene Stockholms, Andreis Kovač, wurde von ihr wegen Steuerhinterziehung angeklagt, denn für Drogenhandel und Geldwäsche fehlen noch die Beweise. Doch nicht nur Nora kämpft gegen den Drogenboss. Seine junge Frau Mina Kovač ist auf der verzweifelten Flucht vor ihm, nachdem er sie fast totgeprügelt hat. Alles, was sie möchte, ist, ihren kleinen Sohn in Sicherheit zu wissen und vor dem gewaltätigen Vater zu schützen. So wird sie in Sicherheit gebracht, und kaum einer weiß, wo sie sich aufhält. Nora Linde wiederum versucht schon seit längerer Zeit, Andreis, der als Kopf der Stockholmer Drogenszene gilt, dingfest zu machen. Eine Aussage Minas würde da sehr helfen. Sie ist die Schlüsselperson im anstehenden Prozess, vorausgesetzt Nora kann sie überzeugen auszusagen. Doch Mina hat Angst vor ihm und Andreis treue Vertraute, die ihn beschützen. Denn Andreis würde alles tun, um seine Gegner auszuschalten und Mina zurückzubekommen. Er scheut keine Mittel, um seine Ziele durchzusetzen, und Minas Unterstützer sind seine Feinde. Eine beispiellose Verfolgungsjagd beginnt … Als ein Mord geschieht, wird Thomas Andreasson in den Fall hineingezogen, und auch Nora nimmt immer größere Risiken auf sich, um Mina zu schützen. Mal wieder ein Fall für Thomas Andreasson. Viele Fäden laufen zusammen in dieser Geschichte. Einer spannender als der andere, eine gelungene Mischung denn Nora Linde und Thomas Andreasson müssen Fälle lösen, die zusammengehören. Die Krimireihe von Viveca Sten hat mit "Flucht in die Schären" eine würdige Fortsetzung bekommen. Dieses Buch liest sich unheimlich schnell, man möchte nicht aufhören und ist absolut gefangen von der Geschichte. Viveca Sten ist in Bestform! Ein raffiniert durchdachter Krimi, den ich in einem Rutsch durchgelesen habe. Dieser neunte Band der Bestsellerreihe ist ein atemloser Thriller, spannend bis zu letzten Seite. Jenseits aller Beschaulichkeit ist der neue Sten ungewöhnlich brutal aber rappelspannend dazu Sonne, Wasser, Wind und Sandhamn zur schönsten Jahreszeit. Schnelle Szenenwechsel und eine vielschichtige Handlung sorgen für echten Nervenkitzel. Ein atemloser Thriller, spannend bis zu letzten Seite. Eine brisante Mischung auf dieser kleinen Ferieninsel, Spannung und Schärenstimmung - einfach nur gut. Für Fans der Krimiliteratur ein absolutes Muss!

Bewertung vom 01.11.2018
Echo Killer / Polizeireporterin Harper McClain Bd.1
Daugherty, Christi

Echo Killer / Polizeireporterin Harper McClain Bd.1


ausgezeichnet

Die Autorin Christi Daugherty spielt in diesem hochspannenden und klug komponierten Fall gekonnt mit den Erwartungen der Leser – ein rasantes Verwirrspiel und ein psychologischer Krimi der Extraklasse! Diese Geschichte hat atmosphärische Handlung, vielschichtige Charaktere und mörderische Spannung. Es ist der Hammer, unglaublich wieviel Spannung die Autorin aufbauen kann. Ich bin begeistert von dem großartigen Südstaaten-Setting, der entschlossenen, verletzlichen Harper und ihrer unnachgiebigen Suche nach der Wahrheit. Für mich eine Neuentdeckung! Tolle, sympathische Polizeireporterin und eine raffinierte Story, die den Leser zu eiskalten Morden in die fiebernde Hitze von Savannah führt. Sehr spannend und unterhaltsam! Jedoch am Ende sind so viele Fragen noch offen, möglicherweise wird die Autorin diese in ihrem nächsten Werk aufklären. Trotzdem, ganz stark, Geschichte, wie Erzählweise!

Bewertung vom 27.10.2018
Loyalitäten
Vigan, Delphine de

Loyalitäten


ausgezeichnet

Sucht und Sehnsucht. Loyalitäten. Das sind die unsichtbaren Verbindungen, die uns mit den anderen – den Toten wie den Lebenden – verbinden, leise gemachte Versprechungen, deren Auswirkungen wir nicht kennen, still gehaltene Treue, das sind Verträge, die wir zuallermeist mit uns selbst geschlossen haben, Befehle, die wir hingenommen, aber nie gehört haben, und in den Nischen unserer Erinnerungen nistende Schulden. Das sind die Gesetze der Kindheit, die in unseren Körpern schlummern, die Werte, in deren Namen wir uns aufrecht halten, die Fundamente, die es uns ermöglichen, Widerstand zu leisten, unlesbare Grundsätze, die an uns nagen und uns einschließen. Unsere Flügel und unsere Fesseln. Das sind die Sprungbretter, auf denen sich unsere Kräfte entfalten, und die Gruben, in denen wir unsere Träume begraben.
Wenn Eltern mit sich selbst beschäftigt sind, können ihre Teenager- Kinder in heftige Probleme hineingeraten. Theos Eltern sind geschieden und merken beide nicht, wie sehr der Junge darunter leidet, Mutter und Vater seelisch versorgen zu müssen. Der 12-jährige beginnt heimlich Alkohol zu trinken, sein Freund Mathis beobachtet die Sucht mit großer Sorge. Théo ist ein stiller, aber guter Schüler. Dennoch glaubt seine Lehrerin Hélène besorgniserregende Veränderungen an ihm festzustellen. Doch keiner will das hören. Seine Eltern sind geschieden und mit sich selbst beschäftigt. Der Junge funktioniert und kümmert sich um die unglückliche Mutter und den vereinsamten Vater. In ihren Augen ist also so weit alles gut. Doch Théo trinkt heimlich, und nur sein Freund Mathis weiß davon. Der Alkohol wärmt und schützt ihn vor der Welt. Eines Tages wird ihn der Alkohol ganz aufsaugen, das weiß Théo. Doch wer sollte ihm helfen? Hélène, seine Lehrerin, würde es tun, doch wie soll das gehen, ohne dass er die Eltern verrät? Mathis beobachtet das alles voller Angst. Zu gerne würde er sich seiner Mutter anvertrauen, aber Théo ist sein einziger Freund. Und einen Freund verrät man nicht. Außerdem würde er damit auch seinem großen Bruder in den Rücken fallen, denn der besorgt den Alkohol für die Minderjährigen. Und er ist es auch, der das gefährliche Spiel in dem schneebedeckten Park vorschlägt, bei dem Théo bewusst den eigenen Tod in Kauf nimmt. Beim lesen bekommt man Gänsehaut, denn so nah ist man als Gesunder dieser Krankheit selten gekommen. Es gelingt Delphine de Vigan, auch Leser in ihren Bann zu ziehen, die sich vorher noch nie mit dem Thema Alkoholismus bei Kindern und Jugendlichen auseinandergesetzt haben. Gewohnt brillant erzählt die Autorin in diesem einfühlsamen Roman die Geschichte des 12-jährigen Théo und erweitert mit dem Satz „Wie konnte es nur so weit kommen", den Horizont, in diesem Fall ganz besonders. Berührend bis zur letzten Seite. Sie trifft mit diesem grossartigen Roman absolut den Zahn der Zeit. Loyalitäten ist aus meiner Sicht ein wichtiges Buch, das zum Denken und Umdenken anregt. Das bei einem solch schwierigen Thema zu schaffen, hat durchaus Respekt verdient. Am Rande der Wahrheit findet Delphine de Vigan ihre Geschichten. Realität und Fake, Autobiografie und Fiktion. Der Roman rüttelt wach und bietet einen bewegenden Ausflug in ein krankes, aber heilbares Leben. Und er gibt Kraft! Eine ganz außergewöhnliche und wertvolle Geschichte, die unter die Haut geht und nicht nur Betroffenen Mut zum Leben vermittelt. Wow. Sehr intensiv.

Bewertung vom 23.10.2018
Dreckiger Schnee
Knox, Joseph

Dreckiger Schnee


ausgezeichnet

Drogen-Sumpf, Bandenkrieg und Polizei-Korruption in Manchester. Und ewig locken die Sirenen. Detective Aidan Waits ist in doppelter Mission unterwegs. Der unconventionelle Cop soll beim ominösen Dealer Carver herausfinden, wer der Maulwurf bei der Polizei von Manchester ist. Carver benutzt minderjährige Mädchen als Drogenkuriere. Darunter auch Isabelle, die Tochter des prominenten Parlamentsabgeordneten Rossiter. Isabelle Rossiter, die Tochter des einflussreichen Politikers, ist von zu Hause ausgerissen. Als die plötzlich verschwindet, soll Waits auch sie suchen. Seine Suche auf den nächtlichen Straßen Manchesters führt ihn in einen Sumpf von Drogen und Gewalt: Offenbar setzt ein mächtiger Dealer minderjährige Mädchen, sogenannte „Sirenen“, als Drogen-Kuriere ein, und nicht nur eine von ihnen ist verschwunden. Detective Aidan Waits, der korrupte Detective Aidan Waits, war in der Zeitung über ihn zu lesen, bei seinen Vorgesetzten in Ungnade gefallen. Schwierige Zeiten für Aidan Waits: er wird vom Dienst suspendiert, ihn gab’s nicht mehr und, es gab nichts zu verlieren. Zuerst gefiel ihm die Vorstellung sogar, ins Drogengeschäft abzutauchen. Mit nicht ganz legalen Tricks schafft es Waits, dass Carver in anheuert. Und auch die verschwundene Tochter findet er: tot mit einer Ladung toxisch verschnittenem Heroin in der Blutbahn. Aidan Waits dämmert, dass Isabelle mit voller Absicht untergetaucht war, um ihr Leben zu retten. Und auch sein eigenes hängt am seidenen Faden. Er muss nun unbedingt herausfinden, woher die tödliche Droge kommt und wer damit handelt. Dabei manövriert er sich in höchste Lebensgefahr. Ein zwielichtiges Spiel in den Grauzonen des Gesetzes beginnt. Aidan Waits muss aufs Ganze gehen, um die Wahrheit herauszufinden, und stößt dabei auf ein Geflecht dunkler Machenschaften … Es wird düster in Manchester und doch ist dieser Waits-Fall perfekte Krimiunterhaltung. Man erlebt einen Kommissar, der sein gesamtes Leben seinem Beruf unterordnet und sich eigensinnig und oft genug am Rande der Legalität durch das Dickicht der Unterwelt schlägt. Ohne Frage eine tolle "Einsamer Wolf" Figur der aktuellen Kriminalliteratur! Das spannende Thriller-Debüt von Joseph Knox, ein Kraftpaket von einem Thriller. Atemlose Spannung garantiert.

Bewertung vom 16.10.2018
Manhattan Beach
Egan, Jennifer

Manhattan Beach


ausgezeichnet

Jennifer Egan erzählt in "Manhattan Beach" vom Kampf der New Yorkerin Anna um ihren Platz als Marinetaucherin im Zweiten Weltkrieg. Die Autorin präsentiert hier geradeaus eine Geschichte mit Krimi-Spannung. Gleich der erste Satz bindet die drei Hauptpersonen untrennbar für den Rest dieses spannenden Romans aneinander: "Anna merkte erst, wie nervös ihr Vater war, als sie das Haus von Mr. Styles erreichten." Anna Kerrigan begleitet ihren Vater oft auf seinen Autofahrten und lernt den reichen Nachtclubbesitzer Dexter Styles in seiner Villa in Manhattan Beach. Der Mann ist ihr nicht geheuer, aber wichtig für das Überleben der Familie. Denn Vater Eddie hat bei dem Börsencrash 1929 alles verloren, schlägt sich nun mit Botengängen für die Mafia durch, während die Mutter mit Näharbeiten ein paar Dollar dazuverdient. Eines Tages verschwindet Eddie spurlos, und Anna muss für die Mutter und die schwerbehinderte Schwester alleine sorgen. Aus der Sicht der elfjährigen Tochter erzählt Jennifer Egan im Eröffnungskapital von "Manhattan Beach" die eindeutig schicksalhafte, aber für sie unmöglich zu entschlüsselnde Begegnung mit dem reichen, mächtigen Dexter Styles an diesem Strand vor den Toren New Yorks. Dass ihr Vater Eddie, nach dem Börsencrash tief gefallen, als Handlanger für Kleinkriminelle Mitte der 30er Jahre schwer um das Überleben der Familie Kämpfen muss, ist schnell klar. Aber was mag er mit dem reichen Dexter Styles ausgehandelt haben - oder eben auch nicht? Etliche Jahre, aber im Buch nur ein paar Seiten später ist Anna Kerrigans Vater von einem Tag auf den anderen spurlos verschwunden. Die 19-jährige hält die Mutter und ihre schwer behinderte und noch mehr geliebte Schwester Lydia als Marinetaucherin im Hafen von New York über Wasser. Als die USA in den Zweiten Weltkrieg eintreten, wird der Hafen von Manhattan zur größten Marinewerft mit absoluter Geheimstufe erklärt. Der Zweite Weltkrieg mit akutem Mangel an männlicher Arbeitskraft hat ihr die Erfüllung dieses sehr eigenen Berufstraums möglich gemacht. Weil Männer fehlen, müssen und dürfen Frauen dort arbeiten. Anna verwirklicht gegen alle Widerstände ihren Traum und wird die erste weibliche und farbige Marinetaucherin, repariert unter Lebensgefahr US-Kriegsschiffe. 90 Kilo wiegt ihr Tauchanzug, und noch viel schwerer wiegen die männlichen Vorurteile jener Jahre gegen Frauen mit Lohnarbeit. Jenniffer Egans hochinterressante Hauptfigur setzt sich dagegen durch. Unerschrocken geht sie auch dem Verschwinden ihres Vaters auf den Grund, als der Nachtclubbesitzer Dexter Styles eines Abends wieder in ihr Leben tritt und sie mehr über das Verschwinden ihres Vaters erfährt. Der Gangster mit den guten Manieren interessiert sich nach der Zufallsbegegnung für ihre Arbeit am Grund der riesigen New Yorker Marinewerft wie auch für die junge Frau insgesamt. So sehr, dass er irgendwann selbst unter Lebensgefahr am Grund des modrigen Hafenbeckens mit ihr nach Annas Vater sucht. Jennifer Egans historischer Roman führt in die Welt von Gangstern, Gewerkschaften, Mafia und Marinetauchern und blickt auf den Moment, als Frauen ihre Identität trnsformierten, währen die USA zur Weltmacht wurden. "Manhattan Beach" ist ein Roman in einem vollkommen konventionellen Sinn: Hier wird chronologisch geradeaus erzählt, abwechselnd aus Perspektive der drei komplexen Hauptpersonen. Die Autorin interressiert sich für den alten Hafen als Arbeitsplatz genauso wie mit nüchternem Blick für das Gangstermilieu der 30er- und 40er-Jahre. Beides waren prägende Elemente im New York jener Jahre. Ohne Pathos stellt sie den Alltagskampf von Frauen um einen Platz in der Gesellschaft über Kind und Küche hinaus ins Zentrum der Geschichte. Egan erzählt in der ersten Hälfte bedächtig, bis Spannung und Tempo in der zweiten gewaltig steigen. Egans Figuren sind nie Klischee, was sich von den Verwicklungen zum Ende nicht immer behaupten lässt. Unter dem Strich: "Manhattan Beach" ist ein bemerkenswerter Pageturner .

Bewertung vom 16.10.2018
Redemption Point
Fox, Candice

Redemption Point


ausgezeichnet

Was für ein Team, Pharrell und Conkaffey haben für mich das Potential Kultfiguren zu werden. Man muss sie einfach mögen diese tätowierte Hippie-Detektivin und den geächteten Polizisten mit Herz, man lebt und leidet mit den überzeugenden Protagonisten. Erneut hat Fox es geschafft, mich zu fesseln und mit Conkaffey/Pharrell ermitteln zu lassen - das Ende ist stimmig, lässt aber genügend lose Fäden, um auf den nächsten Band zu warten – gut so! Man darf gespannt sein wie es weiter geht. Wer mal etwas abseits des Mainstream sucht, dem kann ich Candice Fox generell und dieses Buch im besonderen empfehlen. Vielschichtige Charaktere, tolle Geschichte und hervorragende Spannung pur aus Australien! Ein Wahnsinns-Thriller! Düster, cool und ohne jeglichen Weichzeichner, ein grandioser Krimi - Gänsehautlektüre.