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Bewertungen

Insgesamt 207 Bewertungen
Bewertung vom 08.09.2017
Projekt Orphan
Hurwitz, Gregg

Projekt Orphan


ausgezeichnet

Er lebt nach seinen eigenen Regeln. Seine Nachbarn hielten Evan Smoak für einen harmlosen Verkäufer von Industriereiniger. Dabei war er eine der tödlichsten und geheimsten Waffen der US-Regierung: ein Absolvent des Orphan-Programms, in dem Waisenkinder zu hocheffizienten Killern ausgebildet wurden. Evan selbst wurde aus einem erbärmlichen Leben als Waisenkind herausgeholt und zum Profikiller ausgebildet. Als er nun diese Karriere beendet, zieht er sich in die absolute Anonymität zurück und verschreibt sein Leben und seine besonderen Fähigkeiten den Hilflosen. Killer und/oder Gutmensch?! Nach der Leseprobe zu urteilen sollte man sich "Projekt Orphan" gönnen, ein rasanter, amerikanischer Thriller mit Fortsetzungspotential, nicht immer glaubwürdig, aber auf jeden Fall mit sympathischem Helden und klassischem Plot. Und....ich habe ihn mir gegönnt. Fazit: Es muss nicht immer anspruchsvoll sein, aber geil! Hier haben wir ein sehr gutes Beispiel dafür. Evan Smoak ist der "Nowhere Man", ehemaliger Regierungskiller mit geheimen Aufträgen, keinen menschlichen Bindungen und breit gefächertem Fachwissen. Er wusste nicht nur, wo die Leichen vergraben waren, er hatte die meisten eigenhändig dorthin befördert. Ein geflüsterter Name unter Kriminellen, den manche für einen Spuk halten. Nach Jahren des Mordens im inoffiziellen Regierungsauftrag, ist Evan in den Untergrund gegangen. Er hilft nun den Verzweifelten, die mit ihren Problemen nicht zur Polizei gehen können - mit allen Fähigkeiten, die ihm zur Verfügung stehen. Dabei hält er sich strikt an seine eigenen Gebote. Dies ist seine Art sich seine Menschlichkeit zu erhalten, nachdem er jahrelang unter dem Decknamen "Orphan X" im geheimen Auftrag der US-Regierung getötet hat. Doch diesmal bricht er eine der Regeln und sein Auftrag entwickelt sich zur Katastrophe. Nun muss er gegen ein Gebot nach dem anderen verstoßen, damit das allerwichtigste unangetastet bleibt: Lasse niemals einen Unschuldigen sterben. Jedoch sein neuer Auftrag scheint komplett aus dem Ruder zu laufen und Evan wird dazu gezwungen seine eigenen Gebote zu brechen... Einer der besten Action-Thriller seit Langem! Unglaublich tolle Hauptfigur, sagenhaft spannender Plot. Ein ehemaliger Auftragskiller der die Seiten gewechselt hat und nun für die Unschuldigen und Benachteiligten kämpft. Das ist der Stoff aus dem gute Actionthriller gemacht werden. Spannend geschrieben, ein toller Protagonist und eine actionreiche Story. Wer auf der Suche nach actionreicher Unterhaltung ist, darf hier völlig unbesorgt zugreifen denn "Projekt Orphan" zählt genau zu dieser Sparte und macht seine Sache dabei verdammt gut. Perfekt für alle, die kurzweilige und fesselnde Unterhaltung suchen. Die Geschichte ist sehr gradlinig, man bekommt die ein oder andere unerwartete Wendung serviert, die Charaktere sind gut ausgearbeitet und mit Evan hat man einen Protagonisten, der fast alles kann. Was will man als Action-Fan mehr? Nichts! Und genau darum geht es. Dieser Thriller ist wie sein Protagonist immer in Bewegung. Das alles ist so munter und mörderisch verschachtelt, wie es sich liest. Gregg Hurwitz plant so sorgfältig wie sein Held, ein intrikates Spiel des Ausspionierens und Belauerns wird jeweils vollzogen. Ein absolutes Muss für Fans des Abgründigen. Unfassbar gut und sehr zu empfehlen!

Bewertung vom 08.09.2017
Das erste Opfer / Oxen Bd.1
Jensen, Jens H.

Das erste Opfer / Oxen Bd.1


ausgezeichnet

Da war es wieder. Das Mädchen mit der Barbiepuppe. Wieder stand sie in den Ruinen. Stumm, verdreckt, die Hand fest um die Puppe geschlossen. Das Mädchen hatte den Blick einer Neunzigjährigen und suchte Oxen heim, wann immer sein Schlaf besonders unruhig war. Sie war eine von Sieben. Seinen sieben Dämonen. Jens Henrik Jensen erzählt mit großer Empathie für Oxen, desen Stolz und dessen Seelenqual. So wird dieser Thriller zu einer faszinierenden Heldengeschichte mit nicht immer gradlinig verlaufenden Trennlinien zwischen Freund und Feind. Wir haben einen toten Topdiplomaten und Thinktank-Gründer, der allem Anschein nach auf seinem Schloss zu Tode gefoltert wurde. Und wir haben den tapfersten Kriegshelden der Nation, der aber in Wahrheit nichts weiter ist als ein armer Teufel. Er lebt fernab der Zivilisation zurückgezogen im Wald auf dem dänischen Festland. In der Einsamkeit Jütlands hofft er, seinen inneren Dämonen zu entfliehen. Das Gegenteil passiert, als er nach einem nächtlichen Besuch des nahegelegenen Schlosses Nørlund Slot zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall wird. Und dann prescht von der Seite das Spitzenpersonal des Geheimdienstes heran. Es bleibt Oxen nichts anderes übrig, als selbst zu ermitteln, um seinen Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen. Ihm bleibt ferner keine andere Wahl, als aus dem Untergrund zu agieren und sich mit dem Geheimdienstchef Axel Mossman und dessen kluger, unangepasster und tougher Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck zusammenzutun. Besonders als Mr. White sein treuer Samojedenspitz erhängt wurde, er war es ihm schuldig. Also wenn das kein Wespennest ist. Der offiziellen Ermittlungsmöglichkeiten beraubt, ist das Trio gezwungen, die Zerschlagung des Geheimbundes im Verborgenen in Angriff zu nehmen. Niels Oxen, ein hochdekorierter, aber schwer traumatisierter Elitesoldat und Margrethe Franck, eine toughe Geheimdiestmitarbeiterin, oder mit Oxens Worten: "Die einbeinige Lara Croft und der kiffende, durchgeknallte Superheld", im Kampf gegen einen übermächtigen Geheimbund. Die beiden, die ein ähnliches Schicksal teilen, fassen erst allmählich Vertrauen zueinander, denn in Wirklichkeit war Margarete eine echte einbeinige Granate, coole Frisur, Elfenbein und Ebenholz. Ein Kampf David gegen Goliath beginnt, denn bei ihren Ermittlungen bekommen es Oxen und Franck mit dem übermächtigen "Danehof" zu tun, einem Geheimbund, zu dem Hans-Otto Corfitzen, Ex-Botschafter, Verbindungen hatte und der sich als Brutstätte dunkler Machenschaften entpuppt. Es gibt viele Thriller über mächtige Geheimorganisationen, aber selten sind sie so überzeugend wie dieses Buch von Jensen. Definitiv ein Meilenstein in der dänischen Kriminalliteratur. Alles in allem schafft Jens Henrik Jensen es, Spannungsliteratur zu kreieren, indem er ein hochaktuelles und gleichermaßen brisantes Thema gekonnt in ein kulturgeschichtliches Ambiente packt. Dieses Buch ist sprachlich, thematisch und atmosphärisch unglaublich packend und detailreich konstruiert. Die Handlung sowie die Protagonisten Oxen und Franck verweilen noch lange im Gedächtnis des Lesers. Der Roman hebt spannend an und zieht einen sofort in die Handlung. Wie sich das für einen guten Thriller gehört. Rasant und mit viel Tempo geht es auf eine spannende Jagd zwischen Gut und Böse. Ein düsteres und bedrückendes Meisterwerk fesselnd bis zum Ende. Absolut lesenswert!

Bewertung vom 06.09.2017
Gegen alle Regeln
Levy, Ariel

Gegen alle Regeln


ausgezeichnet

Die Idee hinter dem Buch gefällt mir und sie ist überraschend gut umgesetzt. Diese Geschichte hat keine Moral; Lektionen werden nicht erteilt; die Autorin wollte etwas ganz anderes. Man lebt nur ein Leben, aber durch intensives Mit-Erleben, Nach-Erleben gelingt es einem manchmal, in die Haut eines anderen zu schlüpfen. Sie wollte ihre Leser an den Erfahrungen teilnehmen lassen, die sie auf diese Weise gemacht hat. Ich stelle es mir sehr schwierig vor, als Betroffene, über bi-sexuelle Partnerschaften, gleichgeschlechtliche Liebe mit Heirat, die mit Hilfe eines reichen Freundes in einer Schwangerschaft und der Flucht in den Alkohol der Ehepartnerin endet, zu schreiben. Diese eindrucksvollen und tiefsinnigenden Schilderungen wecken jedes Gefühl, zu dem ein Mensch fähig ist. Ariel Levy hat ihre Trauer in Literatur verwandelt. Ich selbst hatte beim Lesen oft Angst, dass das ganze vielleicht unrealistisch werden könnte, doch alles ist sehr plausibel geschrieben. Zutiefst bewegend und mit entwaffnender Ehrlichkeit stellt sich Ariel Levy in einer Zeit überwältigender Trauer der großen Frage: Was kann ich vom Leben erwarten? Die Zeitspanne des Buches ist gut gewählt und der Leser wird in ein Wechselbad der Gefühle geworfen. Vor allem das Ende des Buches hat es in sich. Es konnte mich sehr überraschen und hatte so einige Wendungen parat, die die Spannung noch einmal auf einen Höhepunkt gebracht haben. Ariel Levy ist angekommen. Sie ist Journalistin beim New Yorker, hat ihre große Liebe Lucy geheirated und wird mit Hilfe eines reichen Freundes schwanger. Alles gelingt ihr, alles ist möglich. Im fünften Schwangerschaftsmonat reist sie in die Mongolei, um für eine letzte große Reportage zu recherchieren. Doch kurz nach der Ankunft verliert sie ihr Baby. Traumatisiert und taub vor Schmerz tritt sie einige Tage später die Heimreise an. Ein Anknüpfen an ihr altes Leben will nicht gelingen, denn sie scheint ihrer Identität beraubt: Ihr Körper schreit nach seiner Mutterrolle und verhindert eine Rückkehr in ein vertrautes Frauendasein. Ariels Ehepartnerin Lucy hat sich zu diesem Zeitpunkt in den Alkohol und aus der Beziehung geflüchtet. So zersplittert das selbstdefinierte Leben der 37-Jährigen. Allem beraubt, bleibt ihr nur noch die Liebe zur Sprache. Sie wollte dasselbe, was jeder von uns wollte: alles. Wir suchen einen Partner, der uns vertraut ist, einen Liebhaber, der exotisch und aufregend ist. Wir wollen jugendliche Abenteurer sein und reife Mütter. Aber alles kann es für uns nicht geben. Eine Liebeserklärung an das zerbrechliche, aber kostbare Leben! Wunderschön. Levy's schonungsloses Selbstporträt geht unter die Haut. Ein mutiges Buch, glänzend geschrieben. Der Roman ist generell sehr tiefgründig und hegt ein breites Spektrum an Gefühlen. Die Charaktere finde ich sehr gelungen. Man kann sich in sie hineinversetzen, ihre Gefühle nachempfinden und mit ihnen und ihrer Entwicklung mitfiebern. Auch wenn die Thematik sehr speziell ist überzeugt die Autorin mit der Ausarbeitung der Hauptpersonen. Eine unfassbare, sehr einnehmende und emotionale Geschichte mit fantastischem Schreibstil! Obwohl Sachbücher nicht mein Genre sind fand ich schon die Leseprobe zu "Gegen alle Regeln" eine meisterhafte Schilderung des Emanzipationsprozesses einer jungen Frau aus tiefer Einsamkeit und Angst hin zu einem einzigen Punkt: dem eigenen Denken und Fühlen. Auch wenn man sich dieses Buch vielleicht nicht selbst aussuchen würde, sollte man es unbedingt lesen, weil es einen zum Nachdenken anregt und wirklich toll geschrieben ist. Ich bin von diesem Buch maßlos begeistert und bin unglaublich froh, es gelesen zu haben. Ich kann es wirklich allen weiterempfehlen.

Bewertung vom 04.09.2017
Dunkels Gesetz
Heuchert, Sven

Dunkels Gesetz


ausgezeichnet

Hart, schroff, melancholisch — und rabenschwarz. Ein moderner Provinz-Noir der einmalig ist, geschrieben in den Zeiten von True Detective und Breaking Bad. Ein Exsöldner, ein geplatzter Drogendeal und ein junges Mädchen. Altglück ist ein verlassenes Nest in der Nähe der belgischen Grenze, hier träumt es sich schlecht vom sozialen Aufstieg. Ein ödes Land. Überall herrscht eine seelische Versteppung. Alle leben eigentlich über ihre Verhältnisse, und man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass sich das noch mal bitter rächen wird. Achim, der Tankstellenbesitzer, heuert bei der Lokalgröße Falco an und steigt gemeinsam mit seinem Knacki-Kumpel in den Drogenhandel ein. Seine letzte Chance auf ein gutes Leben, glaubt er für sich, seine Geliebte und deren Tochter Marie. Doch ein Mann droht alles kaputtzumachen: Richard Dunkel, Exsöldner, hat genug von der Welt gesehen. Seine Freizeit verbringt er an der Bar der Dorfkneipe. Um über die Runden zu kommen, arbeitet er als Security-Mitarbeiter keine Close Personal Protection, nur Objekt und Gelände für eine Chemiefirma nahe der belgischen Grenze. Anheuser, der seit dreißig Jahren sein Freund ist, hatte ihm diesen Job verschafft. In einer stillgelegten Grube der Chemiefabrik oben in Altglück, wurde eine Leiche gefunden, ein Junge, neun oder zehn Jahre alt. Die Wildschweine hatten nicht viel von ihm übrig gelassen. War überall groß in den Zeitungen vor ein paar Wochen. Suchtrupps, Hundestaffel, der ganze Aufriss. Ist zufällig gefunden worden. Ein Unfall sagt man, der Junge ist in dem gefluteten Stollen ertrunken, und nun steht das Image des Unternehmens auf dem Spiel. Da stößt Dunkel in einem weiteren Stollen auf ein Drogenlabor, Achims Drogenversteck. Der Tod des Jungen lässt ihm nun keine Ruhe mehr. Wer im Ort handelt mit Crystal Meth? Dunkel steckt das Labor in Brand, zieht so alle Aufmerksamkeit auf sich. Und im grellen Schein des Feuers sind die Akteure deutlich zu erkennen: Achim, der Drogenboss, seine Muskelmänner und die Frauen, die er schlecht behandelt, seine Geliebte Anna und Marie, seine Stieftochter. Dunkel sagt Achim den Kampf an und findet in Marie eine überraschende Verbündete. Er setzt Falco und Achim mächtig unter Druck und bringt so, ohne es zu wollen, Marie in tödliche Gefahr. An der Geschichte fasziniert, dass der Autor Figuren schildert, die aus dem Leben gegriffen sind, er lässt uns keine Zeit zum Luftholen. Dabei wirkt Altglück als Schauplatz der Handlung ebenso originell wie unheimlich. Tolles Krimidebüt herrlich schaurig und actionreich mit gut gezeichneten Figuren. Viele unterschiedliche Charaktere und Perspektiven machen diesen Spannungsroman zu einem echten Lesevergnügen mit überraschendem Ende. Der Autor lässt mit seinem kompromisslosen Ton keinen Raum für Tümeleien, ihm ist mit "Dunkels Gesetz" ein Krimi gelungen, der problemlos mit Spannungsliteratur der Oberklasse mithalten kann. Gelungen.

Bewertung vom 21.07.2017
Du sollst nicht leben / Marina Esposito Bd.6
Carver, Tania

Du sollst nicht leben / Marina Esposito Bd.6


ausgezeichnet

Geplant und präzise und sadistisch- das schlimmste Grauen überhaupt. DI Phil Brennan wird zu einem grausigen Tatort in Birmingham gerufen und gerät in einen Alptraum, der sein eigenes Leben zugrunde zu richten droht, denn dieser Täter ist kein gewöhnlicher Serienkiller. Seine Triebhaftigkeit folgt einem seltsamen Muster. Seine Motivation: Gerechtigkeit und Wahrheit - nach diesem Rezept mordet er in England. Eine Mutter und ihr Baby wurden vor den Augen des Kindsvaters mit einer Armbrust erschossen. Dieser konnte selbst entscheiden: entweder mit seinem eigenen Leben oder mit dem seiner Familie für den Unfalltod zweier Menschen zu büßen. Er wählte seine Familie. Aber es bleibt nicht der einzige Mord dieser Art. Ausgerechnet beim Kampf gegen einen Serienmörder, der sich der Rechtsprecher nennt und seine Opfer zur Entscheidung zwingt, ist Phil Brennan auf sich allein gestellt. Denn seine Ehefrau, Polizeiprofilerin Marina Esposito, muss sich den Dämonen ihrer Vergangenheit kämpfen, die nicht weniger tödlich sind... Längst gebannte Geister kehren wieder zurück und bringen schockierende Geheimnisse ans Tageslicht. Die unglaubliche Bestialität dieser Morde raubt ihr den Schlaf. Sie bekommt es in der Psychiatrie von Colchester mit einer Frau zu tun, die einen bedrohlichen Einfluss auf ihre suizidgefährdete Patientin hat. Die Fremde weiß erstaunlich viel über Marina und Phil, und schnell wird klar, dass die Frau aus der Vergangenheit eine tödliche Gefahr darstellt. Krass, dieses Buch ist krass und zwar von der ersten Seite an bis zum Schluß. Normalerweise benutze ich dieses Vocabular nicht aber in der Tat, um diesen Thriller zu lesen muss man Nerven wie Straßenbahnschienen besitzen. Wer es absolut grausam, gruselig und blutig mag, liegt mit "Du sollst nicht leben" genau richtig. Dieses Buch ist nichts für "zartbesaitete Seelen". Nervenaufreibend und temporeich mit Garantie, dass man am Schluß nachdenklich überlegt ob man nicht vielleicht auch irgendwo eine Leiche im Keller hat. Eiskalt und mit hintergründigem Geschick geht Tania Carver in ihrem neuen Spannungsroman Kleinkriminellen und Menschen die sich grober Vergehen strafbar gemacht haben ohne dafür belangt worden zu sein, durch den Rechtsprecher an den Kragen und zwar so hautnah, dass dem Leser der Atem stockt. Meisterlich verbindet sie in ihrem neuen Buch die atmosphärische Dichte mit der Schnelligkeit und Schärfe ihrer psychologischen Thriller. Ein Spannungsroman mit ganz besonderer Note, ein Spiel mit den ausgeklügelten Szenarios der grausamsten Verbrecherhirne dieser Erde. Ein Thriller in Reinkultur, handwerklich perfekt gemacht – selten so gegruselt, selten so mitgefiebert, selten so die Story verschlungen. Großartige Idee des Meisterduos des Psychothrills. Und geniale Umsetzung. Man hört nicht auf zu lesen. Alles in allem empfehlenswerte Hochspannung, allerdings auch harte Kost!

Bewertung vom 02.06.2017
Schluss mit Muss
Mairhofer, Tanja

Schluss mit Muss


sehr gut

Wir alle wissen: Mangelnde Faulheit kann zu Burnout führen. Dennoch leiden immer mehr Menschen unter maßlosem Müssen. Aber müssen wir wirklich abnehmen, aufräumen und uns ökologisch korrekt verhalten? Perfekt kann ja jeder und das macht nicht zwangsläufig glücklich. In ihrem Anti-Ratgeber "Schluss mit Muss" verrät die Moderatorin und Schauspielerin Tanja Mairhofer, wie befreiend es sein kann sich nicht von den Erwartungen anderer unter Druck setzen zu lassen. Ein Hoch auf Selbstakzeptanz! "Schluss mit Muss" ist kein Plädoyer für wurstigen Egoismus, sondern ein irrwitziger Befreiungsschlag gegen Bevormundung, Leistungswahn und Gemüseterrorismus. Unterhaltsam und informativ zugleich und genial komisch! Das Manifest gegen das schlechte Gewissen. Auf humorvolle Art nimmt Tanja Mairhofer die Perfektionisten dieser Welt in die Mangel und zeigt uns einen Einblick in ihre Sichtweisen. Unterhaltsam und informativ zugleich. Sie präsentiert ihren Antiratgeber bissig, provokant und spricht aus, was der ein oder andere denkt. Hier gibt's keinen Orden für gutes Müssen. Es ist locker geschrieben, bringt einen zum Lachen und einfach zum Zustimmen, auch wenn das Buch nur zum Vergnügen gedacht war stellt es einen richtig guten Zeitvertreib dar- top! Wer einfach mal etwas Leichtes und Witziges lesen möchte, wird hier fündig. Fundierter Ratgeber, der nicht ganz ernst gemeint und doch irgendwie wahr ist, für die tiefenentspannte Lebensart. Eine unterhaltsame Abrechnung mit allem, was man heute so tun zu müssen glaubt. Genial komisch!

Bewertung vom 19.05.2017
Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge
Hogan, Ruth

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge


ausgezeichnet

Herzerwärmend, verzaubernd und mit Hingabe für die kleinen Dinge...! Charles Bramwell Brockley reiste allein und ohne Fahrkarte im Zug von London Bridge nach Brighton. Die Keksdose von Huntley & Palmers, in der er reiste, schwankte bedenklich auf dem Rand des Sitzes, als der Zug in Haywards Heath ruckelnd anhielt. Aber gerade als die Dose nach vorne rutschte und auf den Boden des Waggons zu fallen drohte, wurde sie von zwei rettenden Händen aufgefangen. Das waren hoffentlich keine menschlichen Überreste in einer Keksdose im Zug stehen gelassen? "Sie würden sich wundern über den Schrott, den die Leute in Zügen zurück lassen" sagte der Schaffner zu Anthony mit arrogantem Schulterzucken. So beginnt die wundersame Reise verlorener Gegenstände. Vor vierzig Jahren hat Anthony das Liebespfand seiner Verlobten verloren und das Medaillon verbindet sie noch immer mit ihm. Am selben Tag ist Therese bei einem Unfall gestorben doch sie ist immer noch die Liebe seines Lebens und ihr Tod hatte ihm seine Bestimmung gegeben, Anthony Peardew der Hüter der verlorenen Dinge. Seitdem sucht Anthony Trost in den Dingen, die er auf der Straße findet. Sorgfältig archiviert er die Fundstücke in seinem behaglichen viktorianischen Haus. Zu jedem Gegenstand vermerkt er, wann und wo er ihn gefunden hat. Und zu einzelnen schreibt er kurze Erzählungen, die das Besondere in den verlorenen Dingen schildern. Sein großes Ziel ist es, die Besitzer ausfindig zu machen und ihnen alles zurückzugeben. Und so fing er mit seiner Sammlung verlorener Dinge an. Vielleicht dachte er, wenn er jeden verlorenen Gegenstand rettete, den er fand, würde jemand das Einzige auf der ganzen Welt retten, an dem ihm wirklich etwas lag, und er würde es eines Tages zurückbekommen, um sein gebrochenes Versprechen doch noch einzulösen. Vielleicht hat doch jemand für ihn Thereses Liebespfand aufgehoben? Das Alter zwingt Anthony, diese besondere Aufgabe an seine Assistentin Laura weiterzugeben, der er mehr zutraut als sie sich selbst und ohne ihr von dem großen Geheimnis erzählt zu haben, das seine Sammlung umgibt. Anthonys Testament zieht für Laura eine Reihe äußerst unerwarteter Begegnungen nach sich. Denn auch sie möchte etwas finden.... Überrascht erkennt sie, welche Welt sich ihr in Anthonys Haus eröffnet. Gelingt es ihr, Anthony von seinem gebrochenen Versprechen zu erlösen? Nur wer sich verliert, kann sich auch finden ... Charmant, außergewöhnlich und liebenswert. Machen Sie sich mit Mr. Peardew auf die Suche nach verlorenen Dingen. Jeder Gegenstand, den Anthony Peardew auf der Straße findet, hat eine Geschichte. Ein wirklich bezaubernder Roman, welcher sowohl traurig, als auch extrem hoffnugsvoll ist. Eine wunderbare Geschichte über das verlieren, suchen und finden der Liebe in all ihren Facetten. Eine bildreiche Sprache lässt einen die Sammlung der verlorenen Dinge miterleben als wäre es die eigene. Dieses Buch lässt einen mit einem Lächeln zurück. So leicht fantastisch, wie sich der Buchtitel liest, so ist auch die Geschichte darin. „Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“ ist eine Geschichte, die glücklich macht, denn oft ist der Weg das Ziel ...Dieses spannende Buch legt man so schnell nicht mehr aus der Hand! Schon ab den ersten Seiten nimmt es einen gefangen! Einfache und wunderbare Lektüre voller Liebe, Humor und außergewöhnlich sympathischen Charakteren. Ein anrührendes Debüt über Schicksal, Mut und das, was wirklich zählt im Leben.

Bewertung vom 19.05.2017
Der Freund der Toten
Kidd, Jess

Der Freund der Toten


ausgezeichnet

Perfekt zum Mitfiebern! Mord verjährt nicht... Ein schweigendes Dorf - Ein Fremder, besessen von der Wahrheit. Im irischen Mulderrig sind Fremde nicht willkommen. Auch der sympathisch-abgerissene Mahony nicht, der obendrein etwas beunruhigend Vertrautes an sich hat. Er trifft zunächst auf eine Mauer des Schweigens, denn nicht jeder möchte, dass diese Geschichte wieder neu aufgerollt wird... Dass er das mysteriöse Verschwinden seiner blutjungen Mutter vor mehr als 20 Jahren aufklären will, stimmt die Dorfbewohner nicht freundlicher. Ganz im Gegenteil. Die Faszination wächst zur Besessenheit und er versucht den Fall zu lösen. Einzig die exzentrische und scharfzüngige alte Mrs. Cauley unterstützt ihn tatkräftig - denn sie glaubt schon lange, dass jeder weiß, was damals wirklich geschah....Den Täter vermutet man im Bekanntenkreis von Mahony's Mutter, doch das Dorf hüllt sich in eisiges Schweigen. Das ungleiche Paar heckt einen raffinierten Plan aus, um die Dorfbewohner zum Reden zu bringen. Auch wenn einige alles daran setzen, dass Mahony die Wahrheit nicht herausfindet, trifft er in dem Ort auf die eine oder andere exzentrische Person, die ihm hilft. Dass es sich dabei manchmal auch um einen Toten handelt, scheint Mahony nicht weiter zu stören. Grandios komponierter Krimi! Ein schweigendes irisches Dorf, in dem nicht nur die Lebenden zu Hause sind, ein grausamer Mord, ein Fremder, ein scheinbar verträumter junger Mann besessen von der Wahrheit. Ein umwerfendes literarisches Debüt... voll beißendem Humor, ein perfekt gebauter Thriller, mit Sog bis zum Ende.. Die Autorin Jess Kidd schlägt in ihrem neuen Roman einen sehr besonderen Ton an, der fast märchenhaft anmutet. Ihre eigenwillige Stimme in dieser Geschichte belebt die Spannungsliteratur. Es scheint eine Mixtur aus Urban-Fantasy mit märchenhaften Elementen, folkloristischen Legenden und einem mysteriösem Todesfall in einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft zu sein. Erschütternd in seinen Details, klug in seiner literarischen Perspektive und herrlich skurril und bitterböse! Ein nicht allzu blutiger Krimi, der gut erzählt wird und der den Leser wirklich mitreißen kann!

Bewertung vom 02.05.2017
Das Haus der schönen Dinge
Rehn, Heidi

Das Haus der schönen Dinge


ausgezeichnet

Vom Tuchhändler in München zum erfolgreichsten Unternehmer seiner Zeit. Eine packende Geschichte um Glanz und Elend einer Kaufhausdynastie. Einzigartiger Schauplatz dieses verführerischen Romans ist die elegante und schillernde Welt eines Münchner Kaufhauses aus dem 19. Jahrhundert. 1897 scheint die ganze Welt von einem Taumel ergriffen. Zwischen Berlin und München, Monte Carlo und Paris herrscht ausgelassene Aufbruchstimmung. Niemand ahnt, wie nah am Abgrund man sich in Wahrheit befindet. Jacob Hirschvogl hat nur einen Traum: Er, Sohn eines Tuchhändlers, will in seiner Stadt ein Kaufhaus errichten, das es an Glanz und Opulenz mit den großen Warenhäusern in London und Paris aufnehmen kann. Doch wird es ihm gelingen, einen Förderer für dieses kühne Projekt zu finden? Und was wird Nathan dazu sagen, in dessen schöne Tochter Thea er schon lange verliebt ist? Seinen eigenen Vater jedenfalls muss er erst einmal vom Erfolg der „neumodischen Idee“ überzeugen …Als er zum Königlich Bayerischen Hoflieferanten ernannt wird, glaubt er sich und seine Familie als gleichwertige Mitglieder der Münchner Gesellschaft anerkannt. Das von ihm begründete Kaufhaus Hirschvogl am Rindermarkt bedeutet für ihn die Verwirklichung eines Lebenstraums. In den 'Goldenen Zwanzigern' folgt ihm Tochter Lily mit ebenso großer Begeisterung in der Leitung des Hauses nach – zunächst mit Erfolg, doch dann muss sie erleben, wie sich ihre Heimat ­Anfang der 30er Jahre plötzlich gegen sie wendet... In der Zeit des Nationalsozialismus wurden diese Geschäfte in den Innenstädten ausgelöscht, wie alles, was jüdischen Ursprungs war oder sich in jüdischem Besitz befand oder auch nur im Entferntesten in einen jüdischen Zusammenhang gebracht werden konnte. Damit wurde weitaus mehr verloren als 'nur' Kauf - und Warenhäuser. Letztlich ist es ein Teil Kultur, der für immer fehlt. Auch davon erzählt der Roman. Die schleichende Bedrohung ihres Lebens wird für die jüdische Familie Hirschvogl zur schrecklichen Normalität. Mit feinem Empfinden für geschichtliche Details schildert Heidi Rehn dieses Jahrzehnt und es gelingt ihr eine berührende Synthese zwischen Literatur und Geschichte. Sie beschreibt ein Familienschicksal, ohne Bitterkeit und mit einer tiefen Menschlichkeit, die zu Herzen geht. Beinahe 100 Jahre und drei Generationen umfasst die Geschichte einer jüdischen Kaufmannsfamilie, die die Autorin Heidi Rehn packend und voller Emotionen auf 638 Seiten erzählt, vom glanzvollen Aufstieg über ruhmreiche Zeiten bis hin zum tiefen Fall. Und auch der Ironie als dem charakteristischen Merkmal Rehn'scher Erzählkunst bedient sich die Autorin meisterhaft. Der Erzählton und die dargestellte Realität - eine Geschichte von Verfall und Untergang - stehen im Kontrast zueinander, doch gerade der Distanz der Autorin zu den Personen verdankt der Roman seine Leichtigkeit. Mit viel Liebe zum Detail geschrieben und historisch hervorragend recherchiert. Es startet wie ein typischer Familienroman. Doch dann zerstört der erste Weltkrieg alles Bekannte und jeder muss seine Rolle in der Welt neu finden. Dieser Roman macht Lust auf Spurensuche zu gehen. Wer gerne mit Romanfiguren in diese Zeit eintauchen mag, für den sind die Romane von Heidi Rehn gerade richtig. Spannend und einfach wunderbar geschrieben, voller Dramatik bleibt man bis zur letzten Seite dabei. Heidi Rehn ist es wieder gelungen eine packende Geschichte zu schreiben über starke Frauen, in einer Zeit, in der dies nicht selbstverständlich war. Illusionen, Hoffnungen, ein starkes begeisterndes sehr atmosphärisches Buch..

Bewertung vom 27.04.2017
Ich wollte nur, dass du noch weißt ...
Trunko, Emily

Ich wollte nur, dass du noch weißt ...


ausgezeichnet

Der Erfolg von Ehrlichkeit. Was wäre, wenn man all das, was man eigentlich sagen will, aber aus unterschiedlichsten Gründen nicht sagen darf oder nicht sagen kann - wenn man das einfach trotzdem sagte? Wenn es gar einen Ort gäbe, wo das nicht nur ein Mensch täte, sondern wo das viele machten? Es wäre ein Hort der Ehrlichkeit. Ein wohl einmaliges Zeugnis dessen, was hinter und neben der direkten Kommunikation normalerweise verborgen bleibt. Was an Freude und Kränkungen, an Hoffnungen und Sorgen unter den Menschen kursiert und sie beschäftigt, aber nicht offenbart wird. Genau das hat die 16-jährige US Amerikanerin Emily Trunko auf einer Internetseite vor zwei Jahren begonnen zu tun. Sie ahnte, dass sie nicht allein war. Sie rief auf ihrer Seite dazu auf, ihr nicht abgeschickte Briefe zuzusenden. Mit einem derart gewaltigen Feedback aber hatte Trunko nicht gerechnet. Bald schickten Tausende Menschen anonymisiert ihre Briefe. Nicht einmal ein Jahr später, Anfang 2016, hatte sie mehr als 30000 Briefe veröffentlicht. Einmalige Einblicke, da schreibt jemand seinem früheren Ich eine Liste mit zehn Dingen, bei denen es sich geirrt hat. Eine Tochter schreibt an ihren Vater, dass er seine zweite Chance nicht vermasseln soll. Und natürlich geht es um die Liebe, um Freundschaft, um das quälende Was-wäre-wenn, um das Bereuen von Fehlern und die Dankbarkeit für richtige Entscheidungen. Emily Trunkos gesammelte Briefe ermöglichen uns eine bemerkenswerte Nähe zu den Verfassern, zu echten Menschen. Eine Nähe, die uns sonst nur Romanfiguren gewähren. Diese Texte zeigen, dass wir mit unseren Problemen nicht allein sind, und geben uns den Mut, unseren eigenen Brief vielleicht doch noch zu verschicken. Die liebevollen Illustrationen, das wunderschöne Handlettering und die zutiefst bewegenden Worte in diesem Buch, machen diese Sammlung zu einem ganz besonderen Jugendbuch, das lange im Gedächtnis bleiben wird.