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Benutzername: Arabella
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Bewertungen

Insgesamt 289 Bewertungen
Bewertung vom 21.03.2019
Deathland Dogs
Brooks, Kevin

Deathland Dogs


ausgezeichnet

Ein Junge auf der Suche nach der Wahrheit... In einer Welt, in der es ums nackte Überleben geht, gerät der bei den Wolfshunden aufgewachsene Jeet ins Zentrum des Kampfs zwischen den letzten verbliebenen Clans, die um die kargen Ressourcen streiten. Am Rande der Deathlands, im Nomansland, eine öde Wüste, die von wolfsähnlichen Hunden – den Deathland Dogs – beherrscht wird, lebt Jeet, ein sogenanntes "Dogchild", seit einigen Jahren wieder unter den Menschen. Doch immer noch schlummern die Instinkte in ihm. Starry, sein Ziehvater und zugleich sein Onkel, ist der Mann der ihn rehumanisiert und ihm alles beigebracht hat was er weiß. Er ist auch der einzige Mensch der ihm je etwas bedeutet hat. Als es zum Kampf zwischen seinen Leuten und dem benachbarten Clan der Dau kommt, soll Jeet sich mittels seiner als "Dogchild" erworbenen Fähigkeiten in die Siedlung der Dau einschleusen. Aber wie sollen sie die Dau denn schlagen? Die sind doch fast 5-mal so viele wie seine Leute. Sie haben mehr Krieger als sie. Mehr Waffen und Munition. Nachdem Jeet Starry erzählt hatte was Gun Sur von ihm wollte schwieg er eine Weile. Sein Auftrag: Material für den bevorstehenden Kampf sicherzustellen. Dadurch gerät er unversehens ins Zentrum des Konflikts... Erzählt wir die Geschichte von Jeet. Sie spielt in einer Welt nach dem Untergang unserer heutigen Zivilisation. Nur noch wenige Menschen können lesen und schreiben. Auch gut für Lesemuffel, da Brooks Sprache so schön präzise und klar ist. Er erschafft eine albtraumhafte Welt und bleibt doch mit den Füßen am Boden. Viel Spannung und Stoff zum Nachdenken. Kevin Brooks hat eine interessante Fantasygeschichte geschrieben, junge Leser werden begeistert sein denn sie ist spannend und gut durchdacht! Schwer nur kann man sich der unheilvollen Atmosphäre in den Deathlands, im Nomansland, in der diese Geschichte ihren Anfang nimmt, entziehen. Man nimmt sofort die nicht immer angenehme Buchatmosphäre in sich auf und kann das Buch einfach nicht mehr weglegen. Sehr packend, mitfühlend und dramatisch. Ein Buch, das ich auch erwachsenen Lesern empfehlen kann. Da die Schreibweise sehr eindrücklich ist, empfehle ich es erst ab 15/16 Jahren zu lesen.

Bewertung vom 19.03.2019
Lago Mortale
Conti, Giulia

Lago Mortale


ausgezeichnet

Gefährliche Geheimnisse inmitten der flirrenden Augusthitze. Simon Strasser hatte sich das so schön vorgestellt, als er seinen Job als Polizeireporter ohne Gram aufgab und von Frankfurt an den Lago D'Orta zog: ein bisschen Wassersport, Wein Schlürfen, kein Stress, nur Dolce Vita in seinem umgebauten Bootshaus. Sogar seine eigensinnige Stieftochter Nicola konnte er überreden, zu ihm zu ziehen. Tutto bene - so far! Nicht ganz. Eines Morgens entdeckt Simon eine allem Anschein nach, herrenlose Segeljacht. Der Südwind hatte die weiße Yacht hoch nach Norden getrieben, und sie war nun auf der Höhe von Ronco angelangt. Ein stattliches Großsegel, eine weit aufgeblähte Fock. Das schlanke, wohl fast zehn Meter lange Boot machte vor der Brise stetig Fahrt. Simon meinte, auf dem Großsegel den Schriftzug Dynamic 24.5 zu erkennen, ein wunderschönes, schnelles Boot eines italienischen Herstellers, das er selbst gerne besessen hätte. Aber irgendetwas stimmte nicht. Es war niemand zu sehen, der die Yacht steuerte. Sie war leer. Simon ließ das Segelboot nicht aus den Augen. Da war etwas im Heck, aber er konnte nicht erkennen, was es war, auch dann nicht, als er versuchte, das alte Fernglas schärfer zu stellen. Sein Blick ging wieder hoch und ins Heck des Bootes. Nicht weit von ihm entfernt lehnte dort seitlich an der Bordwand eine Gestalt, der Kopf auf die Brust gesunken. Ein Mann. Die Leiche von Marco Zanetti, dem Sohn einer der reichsten Kaufmannsfamilien im Tal. Es sieht nach einem Unfall aus, doch der erfahrene Reporter hat ein ungutes Gefühl. Gegen den ausdrücklichen Wunsch der Kommissarin Carla Moretti beginnt er zu recherchieren und bringt sich und Nicola in Lebensgefahr. Simon und Carla waren alte Bekannte. Sie hatten sich vor zwei Jahren kennengelernt, als Simon sich mehr oder weniger zufällig in den Fall eines ertrunkenen Arztes hatte verwickeln lassen, ein Unglück, das sich als Mord entpuppte und an dessen Aufklärung er mitgewirkt hatte. Simons alte Instinkte sind geweckt, doch an diesem beschaulichen See scheint jeder ein Geheimnis zu haben – das um jeden Preis gewahrt werden muss. Dieser Roman ist eine Urlaubslektüre mit viel Lokalkolorit, echten Typen und einem außergewöhnlichen Ermittler. Ein kurzweiliger, eigenwilliger und spannender Krimi empfohlen allen Italienurlaubern und Liebhabern der oberitalienischen Seen.

Bewertung vom 17.03.2019
1793
Natt och Dag, Niklas

1793


ausgezeichnet

Spannung im Mittelalter! Ein wunderbar atmosphärisch gewebter Mittelalter-Krimi. Das Grauen hat seinen Meister gefunden, eine verstümmelte Leiche wird geborgen. Stockholm, Jahr 1793. Eines Morgens zieht der Häscher und Kriegsveteran Cardell einen Torso aus einer Kloake. Es sind die Überreste eines Menschen, Arme, Beine, Zähne, Zunge und Augen fehlen, der Rest ist fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Bald steht fest: Die Gliedmaßen wurden über Wochen am lebenden Opfer chirurgisch entfernt. Zwei Ermittler tun sich zusammen, um diesen grausamen Fund aufzuklären: Jean Michael Cardell, ein traumatisierter Kriegsveteran mit einer Holzhand, und der Jurist Cecil Winge, intelligent und selbstbewusst, ist Sonderermittler, genialer als Sherlock Holmes und bei der Stockholmer Polizei für 'besondere Verbrechen' zuständig. Obwohl schwer an Tuberkulose erkrankt, macht er sich mit Cardell auf die Suche nach dem Täter. Ihre Entdeckungen sind so schockierend wie lebensgefährlich und reichen in höchste Kreise. Schon bald finden sie heraus, dass das Opfer mit chirurgischer Präzision gefoltert wurde. Der Schrei nach Gerechtigkeit treibt sie an, doch sie wissen nicht, welche Abgründe auf sie warten ...Das Stockholm des Jahres 1793 ist kein Ort zum Wohlfühlen. Die hygienischen Verhältnisse sind schlecht, nur wenige haben genug Nahrung und Kleidung. Krankheiten wie Tuberkulose sind allgegenwärtig, und auch wegen vergleichsweise kleiner oder erfundener Delikte kann man im Schuldturm, in Zwangsarbeit oder gleich unter dem Beil des Henkers landen. In Frankreich hat gerade die Revolution stattgefunden und allmählich versinkt Frankreich im Blutrausch. Die Herrschenden in Schweden pflegen ihre Paranoia und bedürfen Speichelleckern und Spione. Die wenigen, einigermaßen redlich arbeitenden Menschen haben es mehr als schwer. So geht's auch Cecil Winge, der mit seinem brutalen, versoffenen, jähzornigem und doch rechtschaffenen Gefährten den brutalen Mordfall aufklären soll. Beim Lesen dieses Romans merkt man, ein düsteres, bedrückendes Bild dieser Zeit wird hier gezeichnet. Hier wird das Mittelalter lebendig, eine Reise in eine dunkle Zeit super recherchiert, auch sprachlich hervorragend und mit einem Funken Hoffnung. Toller Plot, lebhafte Figuren - und endlich mal das "gemeine Volk". Mit jeder gelesenen Seite nimmt die Spannung zu. Einer der besten historischen Romane, die ich jemals gelesen habe! Geschichte und Krimi in einem, sehr spannend, düster, gleichzeitig lehrreich und gespickt mit interessanten, liebenswürdig schrägen Charakteren im London des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Der Autor nimmt die Leser mit auf eine gelungene Zeitreise ...Für jeden Fan von englischen Krimis sehr empfehlenswert. Auch für alle, die sich für das deutsche Mittelalter interessieren absolut lesenswert!

Bewertung vom 16.03.2019
Das Feuer der Erde
Aldan, Leo

Das Feuer der Erde


ausgezeichnet

Faszinierend und bewegend! Unter dem kilometerdicken Eispanzer der Anarktis lauert eine Gefahr. Wissenschaftler haben dort über hundert Vulkane entdeckt. Eine Theorie sagt, wenn das Eis weiter schmilzt, lässt der Druck auf die Vulkane nach. Das könnte sie aktivieren und eine weltweite Katastrophe auslösen. Doch niemand, weder Wirtschaftsbosse noch Politiker, will den Warnungen von Vulkanforscherin Dr. Georgina Finley glauben. Selbst dann nicht als sie, zurück von einer Expedition in die Antarktis, auf einer Geberkonferenz über ihre erschreckende Entdeckung dem möglichen Erwachen hunderter Vulkane unter dem jahrtausende alten Eis, referiert. Mit einem Mal sieht sich Georgina inmitten eines weltweiten Komplotts aus Machtgier und Manipulation. Jayden Turkov, ein skrupelloser Industrieboss, der den Energiesektor ganzer Kontinente beherrscht, setzt alle Hebel in Bewegung, um die junge Forscherin auszuschalten. Viel Zeit bleibt Georgina nicht, um die Umweltkatastrophe und damit den Tod von Millionen Menschen zu verhindern. Denn rund um die antarktische Platte registrieren Seismographen merkwürdige Schwingungen. Erdbeben erschüttern Neuseeland und Chile. Eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes kündigt sich an und sie muss sich schließlich schier unlösbaren Problemen von galaktischem Ausmaß stellen. Georgina trifft eine folgenschwere Entscheidung ... Sieht so unsere Zukunft aus? Dieses Buch ist so authentisch und erschütternd, dass mir die normale Welt nachdem ich das Buch an nur einem Tag gelesen hatte, für einen Moment völlig irreal vorkam. Fesselt und regt zum Nachdenken darüber an, wie man sich selbst verhalten würde ... An der Theorie von Klimatologen ist ein gewisser Wahrheitsgehalt welcher eine sehr deutliche Botschaft zeigt: wenn die Natur nicht mitspielt haben wir kaum eine Chance zu überleben! Nichts ist mehr wie es war. Tsunamis, Vulkanausbrüche und Blizzards sind erst der Anfang einer globalen Katastrophe. Alles gar nicht mal so unwahrscheinlich. Sehr spannender, eindringlicher und beängstigender All-Age -Thriller, der schonungslos die Katastrophe und die anschließenden Gefahren und Gegebenheiten auf der Erde beschreibt. Sehr glaubwürdiges Endzeit-Szenario das für Liebhaber dieser Richtung unverzichtbar ist! Spannung und Entsetzen garantiert. Erschütternd und zugleich nachdenklich stimmend! Richtig mitreisend! Absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 15.03.2019
Cainstorm Island - Der Gejagte
Golien, Marie

Cainstorm Island - Der Gejagte


ausgezeichnet

Im Auge des Sturms. Emilios Welt ist geteilt. Auf der einen Seite das reiche Asaria. Auf der anderen Seite Cainstorm Island, überbevölkert, arm und von Gewalt zerfressen. Dort kämpft der 17-Jährige, umgeben von brutalen Gangs, gegen die Schulden seiner Familie. Eines Tages spricht ihn ein Mitarbeiter von Eyevision an und bietet Emilio einen Deal. Der 17- jährige Emilio willigt ein, sich von dem Video Center "Eyevision" einen Chip in den Kopf implantieren zu lassen. Der Chip ist an den Sehnerv angeschlossen und überträgt täglich 30 Minuten lang, was Emilio in seinem Ghetto erlebt. Seine Videos, waghalsige Kletter- und Trainsurf-Aktionen, kommen an, die Zuschauerzahlen steigen langsam. Seine Zuschauer lieben die Gefahr. Zumindest, wenn er sie erlebt und sie durch seine Augen dabei zuschauen dürfen. Bis sein Leben eine unvorhergesehene Wendung nimmt: Emilio gerät in das Gebiet einer Gang und tötet einen der Anführer in Notwehr. Live und auf Sendung. Das Video verbreitet sich rasend schnell und Emilio wird zum Gejagten. Und zwar nicht nur von der Gang, sondern auch von Eyevision, die sehr eigene Pläne mit Emilio haben. Der Einsatz ist höher als jemals zuvor und Emilio kann sich nicht sicher sein, wem er noch vertrauen kann. Zum Glück erhält er Hilfe von unerwarteter Seite. Ein actionreicher, spannungsgeladener Roman, der mit einem unvorhersehbaren Plot und sympathischen Charakteren aufwartet! Spannend und mitreißend von Anfang bis Ende - diese Geschichte punktet vor allem durch ihre Protagonisten (Underdogs, die zu coolen Helden werden), die Action und die modernste Technik, die der Handlung zugrunde liegt! Auch der auktoriale Erzählstil macht diese Geschichte zu einem einmaligen Leseerlebnis, sie ist rätselhaft und spannend bis zur letzten Zeile. Dieser Jugendroman Marie Goliens ist wie eine Wundertüte. Sie erzählt die spannungsgeladene Geschichte ohne Schönfärberei, verzichtet auf rosarote Brillensicht, schildert dafür authentisch, kraftvoll und sehr poetisch die Gefühlswellen Emilios. Voll Weisheit, Leidenschaft und Güte, ein Panorama menschlichen Schicksals, mitreißend und herzergreifend erzählt. Coole Charaktere, verrückte Stories, modernste Technik und detaillierte Beschreibungen machen dieses Buch aus. Ich bin wirklich begeistert. Toll geschrieben, spannend und mitreißend .... Wahnsinnsbuch!

Bewertung vom 15.03.2019
Dark Call - Du wirst mich nicht finden
Griffin, Mark

Dark Call - Du wirst mich nicht finden


ausgezeichnet

Zwei brutal zugerichtete Leichen. Ein theatralisch inszenierter Tatort. Ein Brandzeichen, mit dem der Mörder seine Opfer markiert. Der Tatort: eine perfekt inszenierte Kulisse. Doch ohne jede Spur auf den Täter — er bleibt ein Phantom und beginnt ein grausames Spiel mit seinen Verfolgern. Der Killer hat einen perfiden Plan. Es ist der erste gemeinsame Fall für die forensische Psychiaterin Holly Wakefield und Detective Inspector Bishop von der Met Police. Holly ist besessen vom Tod. Sie therapiert die schlimmsten Serienkiller und hält am King's College Vorlesungen über die größten Psychopathen aller Zeiten. Sie soll ein Profil des Killers erstellen und dieser Tatort schockiert sie. Während ihrer ersten gemeinsamen Ermittlung merkt DI Bishop bald, dass auch Holy ein düsteres Geheimnis hat. Kann sie sich deshalb so gut in den Killer hineinversetzen? Denn Holly wurde nicht zufällig zu diesem Fall hinzugezogen. Je mehr sie sich in den Mörder hineinversetzt, desto enger zieht sich die Schlinge um ihren Hals zu. Holly ist es gewohnt, sich in die Psyche von Mördern hineinzuversetzen. Aber dieser Killer hat etwas mit ihr gemeinsam, das sie seit Ewigkeiten geheim hält. Ich kenne Dein Geheimnis! Zum ersten Mal seit ihrer Kindheit ist Holly gezwungen, sich ihrer dunklen Vergangenheit zu stellen, dem langen Atem der Vergangenheit. Bishop sieht diese Verstümmelungen nicht zum ersten Mal, und bald ist klar: Da draußen ist ein Serienmörder. Und er wird wieder töten. Was wie ein Krimi anfängt, entpuppt sich sehr schnell als mehr. "Dark Call - Du wirst mich nicht finden" taucht tief in die dunkelsten Abgründe ein. Mark Griffin ist ein meisterhafter Erzähler, und die makabren Details in seinem Thriller sorgen für Gänsehaut-Garantie. Bei ihm ist niemals etwas komplett schwarz oder weiß, das macht das Ganze so spannend und fordert den Leser zur eigenen Stellungnahme regelrecht heraus! Seine Figuren sind komplex und vielschichtig, kämpfen mit ihren Emotionen und machen allzu menschliche Fehler. Gerechtigkeit ist ein Thema in diesem hochspannenden Buch und die lückenlose Aufklärung von Verbrechen nach wie vor eine dringende Herausforderung! Dem Autor gelingt es trefflich die einzelnen Charaktere zu beschreiben. Holly Wakefields ganz private Lebensgeschichte, das ist Stoff schon fast für zwei Bücher! Aber Griffin gelingt es, die Spannung bis ganz zum Schluß zu halten und läßt den Leser doch recht nachdenklich zurück...denn auch alle scheinbar perfekten Möglichkeiten können Narben hinterlassen. Der flüssige Schreibstil, die Spannung machen den Thriller zu einer absoluten Leseempfehlung, so packend, dass man alles um sich herum vergisst. Hochspannung mit Tiefgang garantiert - so geht perfekte Spannung für garantiert schlaflose Nächte! Dank zahlreicher Wendungen spannend bis zum überraschenden Ende. Dieser packende Thriller lebt durch sein ungewöhnliches Motiv. Richtig gute Psycho-Spannung.

Bewertung vom 14.03.2019
Die Liebe im Ernstfall
Krien, Daniela

Die Liebe im Ernstfall


ausgezeichnet

Die Gegenwart ist auch ein Rückblick. Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde: fünf interessante Frauen Anfang vierzig, die in kreativen oder akademischen Berufen arbeiten. Fünf Frauen, die das Leben aus dem Vollen schöpfen. Fünf Frauen, die das Leben beugt, aber keinesfalls bricht. Ihre Lebenswege sind verknüpft. Als Kinder und Jugendliche erlebten sie den Fall der Mauer, und wo vorher Grenzen und Beschränkungen waren, ist nun die Freiheit. Doch Freiheit, müssen sie erkennen, ist nur eine andere Form von Zwang: der Zwang zu wählen. Drei von ihnen sind Mütter geworden - eine Aufgabe, die ihnen viel abverlangt. Und die ihre Beziehungen zu den Vätern der Kinder verändern und letztendlich entzweien wird. Das erhoffte Familienglück zeigt bei allen Risse. Aber alles hat sich verändert. Die Autorin betrachtet die psychologischen Schmerzpunkte ihrer Figuren in Nahaufnahme. Dabei spannt sie erzählerisch dicht sowie stilistisch geschickt den Bogen von der ersten Verliebtheit bis zum Kriseln der Ehen von Paula, Brida und Jorinde und dem Aus der großen Liebe von Malika, die unter ihrer extrovertierten Schwester Jorinde leidet. Deren Beziehung wird jedoch noch eine überraschende Wende nehmen. Einzig Ärztin Judith scheint makellos: Sie vermeidet Verbindlichkeit, dekoriert ihre Praxis mit Porträts ihres Reitpferdes und arrangiert ihre Affären in Dating-Portalen. "Die Liebe im Ernstfall" ist ein ernster Roman, der mit der Leichtigkeit einer virtuosen Erzählung aufspielt. Ein Roman, der das unvermeidliche Scheitern von Lebensentwürfen in eine hochsympathische Normalität überführt und den vitalen Impuls zum Neuanfang nicht auslässt. Beim Lesen des Buches habe ich den besonderen Schreibstil genossen und schon allein deswegen denke ich ist dieses Buch ein überragender Roman. In einer wunderschönen Sprache werden fünf Frauenbiografien in einer Art Reigen erzählt. Auch die feine Zeichnung der Figuren und die akribische Beobachtung menschlicher Eigenheiten sind der Autorin bravourös gelungen. So verschieden die Beziehungen sind, so verschieden sind die Schwierigkeiten, die sich daraus für alle Beteiligten ergeben. Die einzelnen Episoden der Geschichte sind wie Bruchstücke eines zerbrochenen Spiegels, der wieder zusammengesetzt, eindringlichen Blick in das Beziehungsgeflecht von fünf Frauen offenbart. Sehr, sehr Lesenswert! Das bittere Fazit allerdings ist, dass das Glück vor der Erkenntnis liegt.

Bewertung vom 07.03.2019
Eisige Tage / Seiler und Novic Bd.1
Pohl, Alex

Eisige Tage / Seiler und Novic Bd.1


ausgezeichnet

Teenies auf Abwegen. Zunächst sieht es aus wie ein Autounfall im eisigen Winter, als der Anwalt Michail Malinowski tot in seinem Wagen am Elster-Saale-Kanal gefunden wird. Doch dann wird eine Schusswunde in seinem Schädel entdeckt. Hanna Seiler und Milo Novic, das ungleiche Ermittlerduo von der Leipziger Kripo, übernehmen den Fall. Eine Spur führt die beiden zur russischen Mafia und somit in das undurchsichtig kriminelle Gefüge im ältesten Gewerbe der Welt und in die miesesten Machenschaften. Schlimmer noch: Malinowskis Akten finden sich Fotografien sehr junger, nackter Mädchen. Und eines von ihnen, Paula Lamert erst 14 Jahre alt, steht seit einer Woche auf der Vermisstenliste. Plötzlich sehen sich die beiden Ermittler mit einer Unterwelt konfrontiert, in der bereits die Jüngsten gefährliche Spiele treiben – nichtsahnend, dass sie gar nicht selbst die Fäden in der Hand halten. Der Fall wird schnell äußerst diffizil. Niemand legt sich schließlich ungestraft mit der Mafia an. Auch nicht die Polizei. Das stellt der junge, coole Alexander bald ebenfalls fest, der, um seiner neuen Liebe zu imponieren, gefährliche Spielchen spielt. Was er nicht weiß: Sein hübsches "Kätzchen" Elise verschweigt ihre Herkunft aus reichem, aber zerrüttetem Hause. Und plötzlich verschwindet auch sie. Die Kommissare geraten immer mehr unter Druck – und das von allen Seiten.
"Eisige Tage" ist ein wirklich gelungener Krimi der Lust auf mehr macht. Tolles Thriller Debüt des Autors und ein gelungener Auftakt zu einer Reihe, in der die abgründigen Seiten menschlicher Seelen die Hauptrolle spielen. Echt böser, mit Gewalt gespickter Thriller, der nichts für zarte Gemüter ist. Sehr gut gemacht.

Bewertung vom 02.03.2019
Das Echo der Wahrheit
Chirovici, Eugene

Das Echo der Wahrheit


ausgezeichnet

Höllisch lesenswert! Die Wahrheit des einen ist die Lüge des anderen. Ein gelungener, sehr spannender Roman über ein dramatisches Ereignis, das aus vielen Perspektiven und Erinnerungen zusammengesetzt wird. Bis zum Ende ist alles offen. Ein Buch über ein mysteriöses Verbrechen, über die Macht der Liebe und die Macht der Erinnerung. Es beginnt mit einer ungewöhlichen Bitte .... Eines Tages macht der New Yorker Psychiater Dr. James Cobb nach einem Vortrag die unerwartete Bekanntschaft des allein lebenden Multimillionärs Joshua Fleischer. Er mochte in den Sechzigern sein und trug ein Menjoubärtchen wie die Herzensbrecher in den dreißiger Jahren. Fleischer war in dem County, wo er wohnte, ein echter Förderer der Künste, und die örtlichen Zeitungen waren voll des Lobs über seine Aktivitäten. Er verhalf mittellosen Schülern zum Studium und misshandelten Frauen zu einem neuen Leben, er engagierte sich für die Resozialisierung von ehemaligen Sträflingen und für die bestmögliche Betreuung und Erziehung behinderter Kinder. Er war eine geradezu legendäre Gestalt, Heiliger und Guru in einem. Fleischer leidet an einer unheilbaren Krankheit und bittet Cobb eindringlich, für einige Tage zu ihm nach Maine zu kommen. Cobb sagt Fleischer in dem Glauben zu, es handle sich um eine therapeutische Sterbebegleitung. Die "furchtbare Krankheit", die jetzt an seinen Kräften zehrte, wurde von den Lokalreportern diskret und voller Mitgefühl angesprochen. Als Cobb Fleischer zu Hause besucht, erfährt er jedoch, dass der vom Tod gezeichnete Fleischer eine schwere Last mit sich trägt: eine bruchstückhafte Erinnerung an eine Nacht in Paris in den siebziger Jahren, in der etwas Schreckliches passierte. Er hat Angst, in den Mord an einer jungen Frau verwickelt zu sein, mit der er vor vielen Jahren einen Abend in einem Pariser Hotelzimmer verbracht hat. Seine Erinnerungen sind aber lückenhaft, und deshalb soll Cobb ihm helfen, endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen. Doch dabei wird der Psychiater mit seinen eigenen verdrängten Dämonen seiner Vergangenheit konfrontiert … Intelligent erzählter Spannungsroman, der zum miträtseln einläd. Das ist Unterhaltungsliteratur auf hohem Niveau, im Thriller-Genre. Auf den ersten Seiten hatte ich den Eindruck, dass E.O. Chirovici das Gerüst seines Romans "Das Buch der Spiegel" nutzt und nur mit einer variierten Handlung füllt. Zum Glück erwies sich das trotz einiger Parallelen schnell als Irrtum. Chirovici verknüpft auf meisterhafte Art und Weise viele Handlungsstränge um seine Protagonisten, die sich gekonnt zu einem düsteren Ganzen mit wenig Freude verbinden. Was hier im Laufe der Geschichte ans Tageslicht kommt, ist schlicht schockierend und böse - und gleichzeitig superspannend! Dieses Werk liest sich unglaublich flüssig und spannend, was definitiv auch daran liegt, dass er sogar den zahllosen Nebencharakteren mit wenigen Sätzen Leben einhaucht und so ein einprägsames Bild zeichnet, in dem alte Gewissheiten und Kenntnisse bald keine Bedeutung mehr haben. Das macht für mich den Reiz von Chirovicis Romanen aus. Sie sind hoffnungslos und grausam, das aber in einer beeindruckenden Sprache, die viel Spannung erzeugt. Ein herausragendes Buch, ein intelligentes und packendes Puzzlespiel um einen lange zurückliegenden Todesfall, das einen so schnell nicht loslässt. Düster intelligent und literarisch eine Offenbarung. Absolut brillant! Ein gelungenes, raffiniertes Verwirrspiel mit psychologischem Tiefgang! Dieses Buch kann ich jedem empfehlen, der gerne liest und auch bereit ist, sich einfach einzulassen.

Bewertung vom 01.03.2019
Wir, die wir jung sind
Taneja, Preti

Wir, die wir jung sind


ausgezeichnet

Ein Hauch von indischem Duft... Eine literarische Entdeckungsreise durch Indien, gepaart mit einer dramatischen Familiengeschichte, die zugleich die Geschichte eines Firmenimperiums und eines Landes, die brutale, letztlich scheiternde Machtübergabe von den Alten zu den Jungen darstellt, von den Männern zu den Frauen. Das erzählt Preti Taneja in ihrem preisgekrönten, spannenden und gewaltigen Debütroman. Breiter und kenntnisreicher Roman über die indische Gesellschaft. Vor dem geduldigen Leser breitet sich ein farbenprächtiges Panorama aus Schicksalen die die dunklen Seiten Indiens betreffend so lebendig werden lassen, aus. Devraj ist in Napurthala geboren, einem Königreich ganz in der Nähe. Als Sohn eines Maharajas und seiner fünfzehnjährigen Braut. Als sie fünfundzwanzig war, starb der Maharaja bei einem Jagdunfall. Devraj war zehn Jahre alt, der kleine Prinz seiner Mutter, und wuchs im Schatten zweier Imperien auf. Demjenigen der Moguln und dem der Briten. Seine verwitwete Mutter war streng. 1957 kam er zum ersten Mal nach Srinagar – als flotter junger Maharaja voller Verlangen nach dem Leben. Durch den Anschluss wurde Napurthala ihrem neuen, unabhängigen Indien geschenkt, und Devraj besaß keine Stadt und kein Land mehr. Srinagar ist es ebenso ergangen. Er war ein König ohne Königreich, gierig danach, sich einen Namen zu machen. Zu Devraj's Glück lebte hier ein reicher Mann, ein Kashmiri-Pandit der herrschenden Klasse mit besten Manieren, ein Hindu im besten Sinne. Die passende Gesellschaft für einen König. Seine Tochter war jung, und seine Geschäfte gingen schlecht, weil er es gewohnt war, sich mit seinen Shi’a Angestellten zu verbrüdern, als seien sie seine eigene Familie. Er hatte nicht verstanden, dass es in der modernen Welt darum ging, nur die eigenen Leute zu favorisieren. Devraj sehnte sich nach diesem Haus, nach den Geheimnissen der Schultertuchproduktion, die dort verborgen lagen. Der alte Devraj, ehemaliger Maharadscha und Chef eines mächtigen indischen Mischkonzerns, der nur ehrfürchtig "The Company" genannt wird, ist nun alt geworden und will sein Erbe verteilen. Er hat drei Töchter, Ranjit Singh, sein Berater, Teilhaber und Wegbegleiter, hat zwei Söhne, die ebenfalls mit bedacht werden sollen. Wer wird sich durchsetzen in diesem umfassenden Machtkampf, der auch ein Geschlechterkampf ist? Ein denkwürdiges Bild vom Indien der Gegenwart... Taneja, die sinnlich und anschaulich schreibt, schildert eindrucksvoll das Dilemma der Frauen - eine erschreckende Warnung. Die Wirkung hat etwas Zwingendes und Erhebendes... Brillant... kunstvoll konstruiert... Preti Taneja hat uns etwas besonders Seltenes gegeben, einen Pageturner, der zugleich unerschrocken politisch ist. Sie verbindet Zorn mit Poesie... Die Autorin schreibt so vielschichtig, dass sie unsere schlichte Vorstellungskraft, die wir sonst gewöhnt sind, übersteigt... ein glänzendes Werk. Ein denkwürdiges, nationales Epos. Unwiderstehlich, für mich einer der besten und originellsten Romane des Jahres werden. Absolut fesselnd, sehr intelligent, sehr bewegend, sehr subtil, wunderbar ambitioniert und höchst originell. Ein fantastisches Buch, welches Leser und Leserin in ein weit entferntes Indien entführt und nicht mehr loslässt. Hinzu kommt eine wunderbare indische Familiengeschichte, mit vielen fröhlichen Momenten, harten Schicksalsschlägen und einer großen Prise Indien. Herrlich zum Träumen, unmöglich aus der Hand zu legen dieses Buch.

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