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Benutzername: Arabella
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Bewertungen

Insgesamt 274 Bewertungen
Bewertung vom 09.01.2019
Fehltritt / Doggerland Bd.1
Adolfsson, Maria

Fehltritt / Doggerland Bd.1


ausgezeichnet

Der erste Kriminalfall der Kommissarin Karen Eiken Hornby. Glänzender Auftakt für eine Ermittlerin, in dem es um die großen Themen der nordischen Kriminalliteratur geht: Schuld und Sühne, Schmerz und tiefe Rache. Auf die Erzählerin Maria Adolfsson kann man sich verlassen: Mit sicherer Hand führt sie die einzelnen Erzählstränge am Ende zusammen und serviert eine ebenso überzeugende wie überraschende Lösung. Sie spielt in der Champions League des europäischen Kriminalromans. Wenn man fragt, ob es ein Pendant zu Val McDermit gibt und wie ihr Name lautet, ist für mich die Antwort klar: Maria Adolfsson. Der Krimi um die eigenwillige Kommissarin Karen Eiken Hornby ist es wert, gelesen zu werden. Er spielt auf Doggerland, einer Inselgruppe in der Nordsee zwischen Großbritannien und Dänemark, die eigentlich vor 8.000 Jahren versunken ist. Doch in diesem Krimi existiert Doggerland weiterhin und besteht aus mehreren Inseln. Die Hauptstadt Dunker ist eine Mischung aus London und Stockholm, es gibt eine ausgeprägte Pub-Szene.
An der rauen Küste Doggerlands deckt Karen Eiken Hornby eine alte Lüge auf, die das ganze Land erschüttern wird. Es ist der Morgen nach dem großen Austernfest. Kommissarin Karen Eiken Hornby, Ende 40, wacht betrunken neben ihrem arroganten Chef in einem Hotelzimmer auf. Etwa zur gleichen Zeit wird eine Frau brutal in ihrem Haus erschlagen. Das Opfer ist ausgerechnet die Ex-Frau des Mannes, mit dem Hornby gerade die Nacht verbracht hat. Ihr Chef kann den Fall nicht übernehmen, da er zu den potentiellen Verdächtigen gehört. Hornby wittert eine große Chance – sie soll den Fall übernehmen und kann endlich zeigen, dass sie mehr drauf hat. Zuvor muss sie jedoch noch ein anderes Alibi für ihren Chef finden. Hornby beginnt zu suchen. Das Mordopfer kam in einem Kollektiv zur Welt. Nahm dort das Unheil seinen Anfang? Karen Eiken Hornby ist vor etlichen Jahren von London nach Doggerland zurückgekehrt, um zu vergessen, was geschehen ist: Bei einem Autounfall, den sie selbst verursacht hat, sind ihr Mann und ihr Sohn gestorben. Seitdem lebt sie zurückgezogen mit ihrem Kater in einem kleinen Haus direkt an der Küste. Mithilfe von Arbeit, Alkohol und unverbindlichem Sex kommt sie irgendwie durch den Alltag, mehr erwartet sie nicht vom Leben. Doch jetzt darf sie zum ersten Mal selbst eine Ermittlung an einem Mordfall leiten. Endlich kann sie zeigen, dass sie viel mehr ist als nur die Assistentin. Sie geht ihren Ermittlungsweg und erkennt Zusammenhänge - Selbstmord könnte Mord, Mord Selbstmord sein - und Rache ist nie ein guter Ratgeber.... sie findet Verbindungen, die niemand sonst für möglich hält. Vielleicht ist dies die Chance ihres Lebens. Die Geschichte in diesem Krimi beginnt recht still, wird aber zunehmend intensiver und verursachte bei mir Herzklopfen. Der Fall wird mehr und mehr zu einem Balanceakt zwischen Karens Privatleben und ihrer Rolle als Polizistin und beste Ermittlern Doggerlands. Spannender Fall! Authentische Protagonisten, passend zur Handlung mal mehr, mal weniger sympathisch und eine aktuelle, interessante Hintergrundgeschichte – alles so, wie ich es gerne mag! Dazu aktuelle gesellschaftliche Probleme, am Ende tragisch und aufregend. Im besten Sinne typisch skandinavisch! Dunkel, schön, melancholisch, aktuell und spannend kommt Maria Adolfsson's Fall daher und bietet gute Unterhaltung. Die Autorin hat ein grandioses neues Buch geschrieben. Bestens für einen kalten, verschneiten Winternachmittag geeignet!

Bewertung vom 03.01.2019
Winterhaus
Guterson, Ben

Winterhaus


ausgezeichnet

Das ist eine geheimnisvolle Geschichte, die für die jüngeren Fans von Harry Potter ein " must have " ist, sie hat alle Zutaten, die man sich für ein besonderes Buch mit viel Winteratmosphäre wünscht. Genau richtig für die dunkle Jahreszeit. Ein warmherziger Kinderroman voller Magie und jeder Menge Geheimnisse. Und mittendrin Elizabeth, die einen guten Freund sucht und ihre Eltern nicht kennt. Das "Winterhaus" gehört meiner Meinung nach zu den Büchern, die mitwachsen.

Bewertung vom 01.01.2019
Der Verfolger / Dr. Frederick Starks Bd.2
Katzenbach, John

Der Verfolger / Dr. Frederick Starks Bd.2


ausgezeichnet

Ein Mann wird zum Opfer. Ein Mann, der ein vorbildliches Leben hatte. Ein perfektes Leben. Alles war sicher. Er hatte die Kontrolle. Jetzt verliert er sie. Sein Leben löst sich auf. Seine festgefügte gesellschaftliche Identität existiert nicht mehr. Er wird zum Spielball seines Feindes. Vor fünf Jahren konnte Psychiater Dr. Frederick Starks dem Killer "Rumpelstilzchen", der ein perfides Spiel mit ihm trieb, entkommen. Jetzt taucht der totgeglaubte Killer wieder auf und stellt Dr. Starks vor die Wahl: einen Unbekannten aufzuspüren und zu töten, der seit einiger Zeit "Rumpelstilzchen" bedroht, oder selbst zu sterben. Am Abend seines 53. Geburtstages verwandelt sich das Leben des New Yorker Psychiaters Dr. Frederick Starks in einen Alptraum. Im Wartezimmer seiner Praxis liegt ein Brief mit der Überschrift "Willkommen am ersten Tag Ihres Todes!" - unterzeichnet von einem "Rumpelstilzchen". Der Mann, den Ricky einmal in drei verschiedenen Inkarnationen gekannt hatte: Rumpelstilzchen, die höhnische Person, die von ihm verlangt hatte, dass er sich das Leben nimmt; Zimmerman, der falsche Analysepatient, der ihn, während er ihm seine Lügen auftischte, von der Couch aus erforschte, und Mr R, der Profikiller, der ihn nur knapp verfehlt hatte. Jetzt wies er Ricky mit dem Lauf der Pistole an, auf seinem angestammten Stuhl Platz zu nehmen. Dabei schwang er die Waffe wie ein Dirigent den Stab, wenn er kurz vor dem Einsatz das Orchester zur Ordnung ruft. Fünf Jahre lang hatte er geglaubt, er wäre diesem perfiden Killer endgültig entkommen. "Sie haben sich in Sicherheit gewogen, nicht wahr?" "Da haben Sie sich jedenfalls getäuscht. In Wahrheit ist niemand sicher – egal, wie sehr man es sich einzureden versucht." „Rumpelstilzchen“ hatte sich der Mann damals genannt, den er bei einer Schießerei auf Leben und Tod schließlich erledigt hatte. Vermeintlich. Denn wie aus dem Nichts taucht in der Praxis des Psychiaters Dr. Frederick Starks in Miami auf einmal genau dieser Killer auf. Die Mündung der Pistole erschien Ricky wie ein weit geöffneter Schlund, ein Strudel inmitten des Ozeans. Er spürte, wie ihn langsam, aber unaufhaltsam der Sog erfasste und in die Tiefe zerrte. Er glaubte zu ertrinken. Und die Drohung ist unmissverständlich: Wenn Starks ihm nicht helfe, den Unbekannten aufzuspüren und zu töten, der seit einiger Zeit ihn und seinen Bruder, einen erfolgreichen Anwalt, mit Morddrohungen überziehe, werde er ihn umbringen. Er zwingt ihn zu einem teuflischen Spiel, dem Psychiater bleibt keine Wahl und er muss gewinnen - oder sterben! Unversehens findet er sich in ein albtraumhaftes Katz-und-Maus-Spiel verstrickt, in dem alle Beteiligten, auch er selbst, nur die Auslöschung ihres Widersachers im Sinn haben. Nichts ist, wie es scheint, bei dieser mörderischen Verfolgungsjagd, Starks‘ Leben steht auf Messers Schneide … Lerne zu lernen! Nichts ist sicher. Was kann ein Mensch alles ertragen, bevor er bereit ist sein Leben zu opfern? Genau diese Frage stellt man sich des öfteren, wenn man diesen Psychothriller „Der Verfolger“ von John Katzenbach liest. Es ist faszinierend zu beobachten, wie der Protagonist langgläubig, hilflos in seiner Situation verharrt, völlig den Gesetzen des Lebens vertraut, die ihn bisher geschützt haben. Und es ist grandios zu erleben, wie er endlich zurückschlägt. Dieses Spiel zieht einen in seinen Bann, der Protagonist ist so einnehmend, dass man mit ihm mitfiebert. Katzenbach ist es gelungen eine rasante und fesselnde Menschenjagd voller Lügen, Intrigen, Irreführungen und Gewalt zu schreiben. Aufgrund der spannenden Story, den überraschenden Wendungen und der detaillierten Beschreibung der Psyche von Dr. Frederick Starks schafft es Katzenbach wieder einmal einen packenden Roman zu schreiben, der den Leser von Anfang an in seinen Bann zieht. Besser geht es nicht! Eine Mischung aus permanent steigender Spannung und tiefe Einblicke in die menschliche Psyche, ein Mörderisches Katz-und-Maus-Spiel.

Bewertung vom 29.12.2018
Il silenzio della città bianca
García Sáenz de Urturi, Eva

Il silenzio della città bianca


ausgezeichnet

Vitoria, Baskenland, 2016. Inspektor López hat einen schwierigen Fall. Ein 20-jähriges Paar wurde ermordet in der Kathedrale aufgefunden, völlig nackt, in einer Umarmung umfangen. Der Fall weckt schreckliche Erinnerungen an eine Serie von Verbrechen, die zwanzig Jahre zuvor die Stadt in Atem hielt. Damals gab es fünf Doppelmorde an historischen Orten der Stadt. Das erste Paar waren zwei Neugeborene, dann zwei Fünfjährige, zwei Zehnjährige und zwei Fünfzehnjährige. Für die Verbrechen sitzt ein ehemals angesehener Archäologe im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses. Er bietet dem Inspektor seine Mitarbeit an. Doch kann López dem Mann trauen? Und heißt das, dass er unschuldig ist? Es beginnt ein atemloser Wettlauf gegen die Zeit … Ein tiefgründiger Kriminalroman, der sich aus der Fülle von Kriminalromanen heraushebt. Ein packender Thriller, der den Leser tief in die Seele der Charaktere blicken lässt. Einerseits haben wir hier einen Kriminalfall, in dem Inspektor López und seine Mitarbeiter versuchen einen Fall aufzuklären, bei dem mehrere Leichen an historisch wichtigen Orten aufgefunden werden. Dabei werden diese Orte aber andererseits auch geschichtlich umrissen und kulturell beleuchtet, dabei entsteht dann ein irgendwie ganzheitlicher Blick auf ein wunderschön beschriebenes Baskenland. Geschichte wird mit Blut geschrieben. Überzeugung: Der Mensch ist kein sonderlich treues Wesen. Hoffnung: Im Kampf gegen Gut und Böse siegt letztlich das Gute. Ausserdem spielt Vitoria im Baskenland und seine Geschichte eine gravierende Rolle. Nicht nur an der Stadt haftet eine magische und exotische Aura, auch das Buch hat sie! Ich fand das Gesamtkonstrukt des Manuskripts als recht gut.

Bewertung vom 10.12.2018
Stieg Larssons Erbe
Stocklassa, Jan

Stieg Larssons Erbe


ausgezeichnet

Der Mord am schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme ist, um ganz ehrlich zu sein, einer der unglaublichsten und erstaunlichsten Mordfälle. Kurz nach dem Mord hatte die zweiundzwanzigjährige Sara den angesagtesten Nachtclub Stockholms, "Alexandra’s", durch den Personaleingang verlassen, um eine Zigarette zu rauchen. Als sie die Tür zur Smala gränd öffnete, rammte sie damit fast einen Mann, der einen nervösen Eindruck machte. Ihre Blicke trafen sich, dann schlug er schnell den Kragen hoch, um sein Gesicht zu verbergen. Die Stelle war so gut beleuchtet, dass sie sich die Gesichtszüge des Mannes einprägen konnte. Kaum hatte sie am Folgetag vom Mord am Ministerpräsidenten erfahren, kontaktierte sie die Polizei, um ihre erste von mehreren Zeugenaussagen zu machen. Stieg Larsson, zu diesem Zeitpunkt noch Illustrator bei der antifaschistischen Zeitung Expo, beginnt intensive Recherchen zu dem Attentat aufzunehmen, das bis heute unaufgeklärt ist. Seine Ermittlungen setzt er über Jahre hinweg fort – bis zu seinem frühen Tod im Jahr 2004. Erst 2014 stößt der Journalist und Dokumentarfilmer Jan Stocklassa auf das persönliche Archiv von Larsson. Er erhält Zugang zu dem Nachlass und entdeckt in zwanzig Pappkartons die privaten Ermittlungen Larssons zum Mordfall Olof Palme. In seinem Buch erzählt Stocklassa die bislang unbekannten Recherchen des Bestsellerautors als eine faszinierende True-Crime- Story. Sie ist geschrieben wie ein spannendes Abenteuer, aber mit nur einem Anspruch: die Wahrheit wiederzugeben. Jan Stocklassa's Dokumentation von Larssons Recherchen ist überaus faszinierend. Er hat Stieg Larssons Theorien weiterverfolgt, tiefer gegraben und neue Puzzleteile finden und zuordnen können. Das Bild, das dabei entstand, erklärt nicht nur eine Reihe sonderbarer Umstände des Mordes an Olof Palme. Es liefert das Motiv. Der Autor erläutert was vor dem Mord am Abend des 28. Februar 1986 geschah und wer sich am Tatort aufhielt, und präsentiert eine mögliche Auflösung. Anhand der Tatsachen, die er vorlegt, kann jeder seine Schlüsse ziehen....Aber vorsicht, der Mordfall Olof Palme ist wie ein hartnäckiger Virus mit hoher Ansteckungsgefahr. Das Buch schildert eine wahre Geschichte, die unter die Haut geht. Der neue Thriller über die Recherchen Stieg Larssons zum Mord an Olof Palme gibt faszinierende Einblicke in eine verschlossene Welt - knallhart, authentisch, mit großer Ernsthaftigkeit und voller Menschlichkeit erzählt. Eine Geschichte, die uns nicht unberührt lässt und für Gesprächsstoff sorgt. Sehr unterhaltsam, authentisch und lesenswert. True Crime - sehr gelungen. Hochspannend, faszinierendes unglaubliches Thriller-Sachbuch zu einem bis jetzt wenig beachteten Thema. Ein interessantes Leseerlebnis fesselnd, realistisch und wahr (?).

Bewertung vom 06.12.2018
Bösland
Aichner, Bernhard

Bösland


ausgezeichnet

Definitiv böse! Sommer 1987. Ein kleines Dorf in Bayern. Ben und Kux sind die besten Freunde. Der eine ist der Sohn eines prügelnden, arbeitslosen Alkoholikers, der andere das einzige Kind des reichen Apothekers. Wenn sie nicht gerade in Wald und Feld herumtollen, schauen sie in ihrem Geheimversteck auf dem Dachboden von Ben Filme, die sie mit der geklauten Kamera von Kux' Vater gemacht haben. Dann die Katastrophe: Ben wird auf dem Dachboden entdeckt - und Mathilda, die Mitschülerin, liegt brutal erschlagen in ihrem Blut. Auf einem Golfschläger sind Bens Fingerabdrücke. Doch der Junge erinnert sich an nichts, hat einen Blackout. Doktor Kux fühlte sich bestätigt. Hatte er nicht schon immer gesagt, dass mit diesem verdammten Bauernjungen etwas nicht stimmt? Gnadenlos wird er für Jahre in die Jugendpsychiatrie eingewiesen, so konnte der Mörderjunge niemandem mehr etwas tun. Festgezurrt an einem Bett, Medikamente in einer kalten weißen Welt. All die Jahre ohne Besuch. Weil er ein Mörder war. Minderjährig, aber gefährlich. Man hatte die Welt vor ihm in Sicherheit gebracht, man hatte Matildas Eltern gezeigt, dass es doch Gerechtigkeit gab, dass er nicht einfach mit dem Mord an ihrer Tochter davonkommen würde. Eine gerechte Strafe war es, die Psychiatrie die beste Lösung. Weil er nicht strafmündig war. Ein glücklicher Umstand war es für den Rest der Welt, dass er beschlossen hatte zu schweigen. Nach der Entlassung beginnt er ein neues Leben in einem Fotolabor in München. Als sich Ben und Kux nach 30 Jahren zufällig wiedersehen, kehren die Erinnerungen mit grausiger Wucht zurück. Dreißig Jahre lang bleibt diese Geschichte im Verborgenen, bis sie plötzlich mit voller Wucht zurückkommt und alles mit sich reißt: Der Junge von damals mordet wieder ... Die Vergangenheit holt ihn ein wie eine Flutwelle und sie gerät in einen Strudel aus Lügen und Gewalt, aus dem es keinen Ausweg gibt...Bald schon wird eine Leiche gefunden. Flashbacks, dasselbe Spiel wie damals? "Bösland" ist rasant und nicht vorhersehbar, die Wendungen und Haken sind wie eine Achterbahnfahrt des Grauens. Dieser extrem spannende, hochemotionale Roman kann es locker mit den Schweden aufnehmen. Allein der Plot ließ mich schaudern. Faszinierender Rausch aus Bösartigkeiten, Intrigen und Verletzungen. Dem Autor Bernhard Aichner ist das höchst irritierende Psychogramm eines wahnsinnigen Täters gelungen. Ganz allmählich schleicht sich das Entsetzen in das Bewusstseins des Lesers. Völlig undenkbar, das Buch vor der letzten Seite wegzulegen. Fabelhaft furchtbar. Fazit: Aichner ist nicht zimperlich und ein Buch wo Aichner draufsteht ist auch Aichner drin. Sehr souverän geschrieben, tolles Cover.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 29.11.2018
Deine Stimme in meinen Träumen
Martin, Joanna

Deine Stimme in meinen Träumen


ausgezeichnet

Eine schöne Geschichte, sehr realistisch erzählt und ohne zu viel Kitsch und Übertreibungen. Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen, die Geschichte hatte alles, was für mich eine perfekte Lektüre ausmacht. Sie war witzig, spannend, tolle Story, tolle Charaktere und einfach sehr leicht zu lesen. Die Autorin zeichnet die Protagonisten so detailreich und liebevoll auf, das man das Gefühl hat, man ist irgendwann selbst dort. Sie gehört zu jenen Autoren, die es verstehen ihre Leserschaft zu beeindrucken, zu fesseln. Eine Bereicherung für alle Leserinnen und Leser. Eine Leseempfehlung für eine entspannte Lektüre mit Witz und dem gewissen Etwas!

Bewertung vom 27.11.2018
Stern des Nordens
John, D. B.

Stern des Nordens


ausgezeichnet

Eine Exkursion ins Königreich der Lügen, ein Besuch mit Folgen. Vor 12 Jahren, 1998, verschwand ein koreanisch-amerikanisches Mädchen in den Ferien am Strand von Südkorea. Die CIA vermutet eine Entführung durch nordkoreanische Agenten. Ihre Zwillingsschwester Jenna lässt sich von der CIA undercover in das kommunistische Regime schicken, um das Schicksal ihrer Schwester aufzuklären. Jenna Williams, Halbkoreanerin, glaubt auch zwölf Jahre nach dem Tod ihrer Zwillingsschwester nicht daran, dass sie ertrunken ist sondern dass sie noch lebt, irgendwo da draußen und gibt den Glauben daran auch 20 Jahre später nicht auf, sie ist fest entschlossen, die Wahrheit über ihre Schwester herauszufinden. Vielleicht erfährt sie dort mehr über das Schicksal ihrer Schwester? D.B. John verwebt meisterhaft zwei weitere Lebensgeschichten mit der Suche nach der Zwillingsschwester und auf undenkliche Weise kreuzen sich die Wege unserer drei Hauptprotagonisten. Moon, eine Bäuerin, findet ein via Ballon über die Grenze gekommenes Paket und eröffnet ein lukratives, aber verbotenes Schwarzmarktgeschäft mit dem wertvollen Inhalt. Für ihre Furchtlosigkeit wird sie von den anderen Frauen bewundert, von der Polizei argwöhnisch beobachtet. Als eine der Marktfrauen verhaftet wird, entwickelt sich Moon in der nordkoreanischen Provinz zur Stimme des Widerstands. Niemand weiß, dass es etwas in ihrer Vergangenheit gibt, das sie mehr quält, als es das Regime je könnte. Die dritte Lebensgeschichte ist die eines hohen Beamten, der zu seinem Schrecken entdeckt, dass er mit einem verurteilten Verräter verwandt ist. Das kann, wenn publik gemacht, sein Todesurteil sein. Der Autor nimmt den Leser mit in die abgeschottete marxistische Monarchie des Kim Jong-il, wo unvorstellbare Dinge geschehen. Ein faszinierender lehrreicher und beängstigend aktueller Blick hinter die Kulissen der Kim-Diktatur. Was ist Fiktion, was ist Fakt. In Nordkorea ist die Wahrheit viel skurriler, als die Fiktion es sich jemals ausdenken könnte. Das größte Thriller-Element in der Geschichte „Stern des Nordens“ ist wohl die grausame, nicht vorstellbare Lebenswelt im kommunistisch geprägten Nordkorea. Eine Geschichte, die viele Menschen erreichen kann; ob politisches Interesse bereits besteht oder nicht und die unser Wissen und unser Verlangen nach Information und Recherche aufflammen lässt. Das Buch ist kein Thriller, sondern das Bild der Gegenwart, informativ, erschütternd und authentisch erzählt, ein realistischer Einblick in politische Düsternis. Kurzum, eine atemberaubend ergreifende Geschichte, die wunderschön geschrieben ist und die ab der ersten Seite fesselt!!!

Bewertung vom 21.11.2018
Lenz / Kommissar Eschenbach Bd.6
Theurillat, Michael

Lenz / Kommissar Eschenbach Bd.6


ausgezeichnet

Wie gut kennt man seine Freunde? Als Kommissar Eschenbach aus seiner Auszeit zurückkehrt, ist die Welt eine andere. Nach drei Monaten in den USA ist er nicht mehr derselbe. Oder doch? Auch in Zürich ist vieles anders: Tochter Kathrin ist aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen und seine Stellvertreterin, die kühle Ivy Köhler, spielt nicht mit offenen Karten. Eschenbach nimmt die Herausforderung in aller Gelassenheit an. Er rollt einen Fall neu auf, der kurz vor dem Abschluß steht. Bald schon merkt er, dass er geschnitten wird, weil sein Freund Lenz zu den Verdächtigen gehört. Eschenbach hält das für einen großen Irrtum. Ewald Lenz ist ein brillanter Geist. Trotzdem hatte er nie wirklich Karriere gemacht. Er arbeitete im Polizeiarchiv Zurüch und führt ein unauffälliges Leben. Kommissar Eschenbach ist einer der wenigen Freunde, die er hat. In der Vergangenheit hat Lenz dem Kommissar immer wieder Informationen zugespielt, ohne die Quellen preiszugeben. Nun ist Lenz selbst ins Fadenkreuz internationaler Ermittlungen geraten. Er soll mit seinem enormen Insiderwissen und seinen technischen Fähigkeiten die Seiten gewechselt haben. Ivy Köhler hat ihn geradezu zum Abschuss freigegeben. Als der Kommissar seinen Freund damit konfrontieren will, ist Lenz verschwunden. Eschenbach muss sich entscheiden und ermittelt gegen alle Widerstände. Er ahnt nicht, dass dieser Fall weit über die Grenzen der Schweiz hinausreicht. Dann wird ein Toter in Zürich gefunden, er soll aus Einsamkeit Selbstmord begangen haben. Doch der Kommissar glaubt nicht daran und beginnt sich mit dem Toten fast obsessiv zu beschäftigen, ist er doch im selben Alter wie er. Lenz ist ein großartiger universeller Kriminalroman der hinter die Kulissen des drängensten Thema's unserer Zeit: den Terrorismus führt - visionär und brandaktuell! Kommissar Eschenbach gerät zwischen die Fronten und kämpft für die Wahrheit in einer Welt aus dubiosen Hintermännern, falschen Fährten und hochgefährlichen Verdächtigungen. Je weiter Eschenbach mit seinen Nachforschungen in die besseren Kreise vordringt, desto tiefer gerät er in einen Sumpf aus Intrigen, Lügen und Korruption. Ein ungewöhnlicher Blick nach Zürich. In diesem gut erzählten Krimi erfährt man einiges über Land und Leute. In der teilweise langweiligen Krimiwelt ist diese Geschichte eine echte Erfrischung, sie ist spannend, kurzweilig und vom Stil her unkompliziert.

Bewertung vom 17.11.2018
Deutsches Haus
Hess, Annette

Deutsches Haus


ausgezeichnet

Die verschwiegene Schuld. Annette Hess nimmt sich in ihrem Debütroman gleich ein Thema von Gewicht vor: das Verdrängen des Holocausts und den ersten Auschwitz-Prozess von 1963. In "Deutsches Haus" kommen für die Heldin unangenehme Wahrheiten ans Licht. Eva Bruhns muss in der Gastwirtschaft ihrer Eltern oft mit anpacken. Wenn es abends voll ist, kommt Vater Ludwig am Herd in der Küche ins Rotieren und Mutter Edith mit dem Servieren kaum hinterher. Die beiden rackern sich ab, damit es wieder aufwärts geht mit der Familie im Wirtschaftswunder-Deutschland. Und Eva rackert mit. Aber die kleinbürgerliche Welt ihrer Eltern ist längst nicht mehr ihre. Eva hat keine Lust, einmal das "Deutsche Haus" zu übernehmen, das der ganze Lebensinhalt ihrer Eltern ist. "Deutsches Haus" spielt in den 1960er-Jahren in Frankfurt, zu Beginn der Auschwitz-Prozesse, bei denen nicht mehr wie in Nürnberg führende Kriegsverbrecher angeklagt waren, sondern in der Öffentlichkeit weniger bekannte Täter, die im größten Vernichtungslager der Nazis am Massenmord an den Juden beteiligt waren. Eva Bruhns ist Dolmetscherin und die starke Hauptfigur in diesem Roman. Sie übersetzt die Aussagen der Polnisch sprechenden KZ-Überlebenden. Ihre Eltern, Wirte im Gasthof Deutsches Haus, sind wie ihr zukünftiger Verlobter gegen diese Anstellung. Das Thema sei nichts für eine junge Frau. Doch Eva widersetzt sich der Haltung ihrer Eltern, folgt ihrem Gefühl und nimmt die Herausforderung an, ohne zu ahnen, dass dieser Jahrhundertprozess nicht nur das Land, sondern auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird. Es ist der erste Auschwitz-Prozess, der in der Stadt gerade vorbereitet wird. Generalstaatsanwalt Fritz Bauer will die deutsche Öffentlichkeit aufrütteln, die SS-Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und die Opfer zu Wort kommen lassen. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort gehört hat, wird als Dolmetscherin zu den Zeugenbefragungen hinzugezogen und ist von den Aussagen der Opfer schockiert. Und plötzlich muss sich Eva ganz persönliche Fragen stellen und muss sich entscheiden: Mache ich mit? Beuge ich mich? Oder widersetze ich mich? Warum erzählen ihre Eltern nie von ihrer Zeit in Polen? Und warum interessiert sich ihr Verlobter Jürgen nicht für die Vergangenheit? Eva wird nicht nur mit schrecklichen Details des Holocausts konfrontiert, sondern gleichzeitig mit einem Teil der deutschen Geschichte, der damals noch kaum bekannt ist, weil die Gesellschaft nichts von ihm wissen will. Nähmlich, das Verschweigen der Verbrechen gegenüber den Juden und das Davonkommenlassen der Verantwirtlichen. Genau darum geht es in "Deutsches Haus" und Eva steht stellvertretend für diejenigen, die diesen verlogenen Umgang mit der deutschen Geschichte nicht hinnehmen wollen. Am Schluss erfährt sie, dass das Verdrängen und Verleugnen Teil ihrer eigenen Familiengeschichte ist, dass ihr Vater, der rückenkranke Gemütsmensch, bei der SS war und sie als kleines Kind in Auschwitz gewohnt hat, wo er als Koch im KZ arbeitete. "Deutsches Haus" ist eine Geschichte in Zeiten der Entscheidung - berührend, lebensnah, historisch genau. Mut, Verzweiflung, Verrat und Liebe im Zeichen des Auschwitz-Prozess: bewegend schildert Annette Hess die deutsche Jahrhundert-Tragödie und den Weg einer Familie, deren Mitglieder so unterschiedlich sind, wie Menschen nur sein können. Klug und wahrhaftig beschreibt die Autorin Menschen, die sich in schweren Zeiten bewähren müssen und die doch einfach so sind wie wir.