Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: lesenundmehr.wordpress.com
Wohnort: Gelsenkirchen
Über mich:
Danksagungen: 39 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 61 Bewertungen
Bewertung vom 10.08.2018
Ein Song bleibt für immer
Peterson, Alice

Ein Song bleibt für immer


ausgezeichnet

Ergreifend und fesselnd

Dieses Buch ging mir von Anfang an zu Herzen, aber woran das lag, kann ich gar nicht genau sagen. Vielleicht war es, weil Alice fast so alt wäre wie ich jetzt bin. Mag auch sein, dass ich mich in der Rolle der Mutter wiedererkannt habe. Sehr wahrscheinlich ist auch, dass ich von Anfang an ahnte, wie das Ende aussehen würde, auch wenn ich nicht mehr im Hinterkopf hatte, dass es sich hier um eine wahre Geschichte handelt. Ich denke es waren viele Faktoren, die mich ganz von selbst von Seite zu Seite zogen.

Die berührende Geschichte von einer, die berühmt werden wollte

Ich fand Alice toll. So stark, mutig, zuversichtlich, unermüdlich, unerschütterlich – und sie würde mir den Hintern verhauen, wenn sie das lesen würde. Denn all das wollte sie nie sein, sie wollte einfach nur jeden Tag „normal“ leben.
Alice ist mitten in ihrer Findungsphase, allerdings hat sie eine Krankheit, die ihr die Zeit stiehlt. Das betrifft ihr Privatleben, als auch ihre angestrebte Karriere. Sie hat es auf beiden Gebieten nicht leicht und ich konnte gar nicht anders, als alle Höhen und Tiefen mit ihr zu durchstehen.
Die Geschichte ist nicht nur berührend, sondern sie macht Mut immer weiter zu machen, egal wie schlecht es gerade steht.

Tolle Figuren und ein beeindruckendes Leben

Natürlich ist es ein wahre Geschichte. Die Kunst besteht allerdings darin, die Erzählung so authentisch wie möglich zu gestalten, und das ist der Autorin hervorragend gelungen. Die guten wie die schlechten Phasen waren hervorragend festgehalten, es gab ein auf und ab der Gefühle, was maßgeblich auch durch die anderen Figuren beeinflusst wurde. Manchmal konnte ich mich des Gedankens nicht erwehren, dass man wirklich nicht behindert ist, sondern lediglich von anderen in seinem Tun behindert wird. Ich freue mich jetzt noch riesig für Alice, dass sie Menschen außerhalb der Familie gefunden hat, die an sie glaubten.

Ein herzzerreißendes Mutmachbuch über eine tolle Frau, deren Geschichte einzigartig erzählt wurde. Lest dieses Buch, es ist ein Highlight – mehr kann ich dazu nicht sagen

Bewertung vom 04.08.2018
Bevor wir verschwinden
Fuchs, David

Bevor wir verschwinden


sehr gut

Voller Gefühl, aber nicht gefühlsduselig
Dies ist die Geschichte von Ben und Ambros. Einst ein schwules Paar, verloren sie sich aus den Augen und treffen sich einige Jahre später wieder. Diesmal ist Ben allerdings (angehender) Arzt und Ambros ist sein krebskranker Patient.
Anfangs war ich noch der Meinung, dass dieses Buch in Richtung Gay oder Gay-Romance gehen wird, tat es aber letztlich nicht. Es las sich eher wie eine Freundschaftsgeschichte, denn die einstmalige Liebesbeziehung zwischen Ben und Ambros wurde lediglich kurz geschildert. Ansonsten ging es um das Hier und Jetzt.
Das Buch ist emotional in vielerlei Hinsicht, nicht nur, weil es um das Thema Krebs geht. Es ist lustig, skurril, traurig, verwundernd, vielleicht auch ein wenig brutal und verstörend. Aber vor allem ist es echt! Man hat das Gefühl, dass sich diese Geschichte genau so zugetragen haben könnte. Das fand ich richtig gut.

Anfangs hatte ich etwas Probleme mit dem Schreibstil
Es finden viele Dialoge statt, allerdings ohne dass diese durch Anführungszeichen gekennzeichnet worden wären. Das verwirrte mich anfänglich recht stark, aber im Nachhinein betrachtet, fand ich das gar nicht schlecht. Was mich etwas mehr störte war, das viel mit dem Zusatz „sagte“ gearbeitet wurde. Aber auch darüber konnte ich schnell hinwegsehen.
Ansonsten entwickelte der Autor eine gute und in weiten Teilen lockere Geschichte, und das trotz des schwierigen Themas. Nicht zuletzt kam ihm sicherlich sein beruflicher Werdegang zugute.

Faszinierend und nachdenklich zugleich
Eine solche Geschichte auf so wenigen Seiten zu erzählen ist nicht leicht. Umso erstaunlicher, dass es sich hierbei auch noch um ein Debüt handelt.
Ich war irgendwann sehr gefesselt, da gekonnt zwischen Krankenhausalltag, Studium, privaten Interessen und Vergangenheit gewechselt wurde. Alles wirkte leicht und trotzdem anspruchsvoll.

Ein hervorragendes Debüt von einem Autor, den man sich merken sollte. Ich hoffe er schreibt weiter und bleibt seiner Linie treu.

Bewertung vom 04.08.2018
Das Mädchen, das in der Metro las
Féret-Fleury, Christine

Das Mädchen, das in der Metro las


sehr gut

Ein Buch über Bücher
Hier sprachen mich Titel und Inhalt sofort an, allerdings dauerte es einige Seiten, bis ich wirklich in der Geschichte angekommen war. Die Geschichte war anders, als ich zuerst gedacht hatte, doch mit zunehmender Seitenzahl wuchs die Faszination und damit auch die Lesefreude.

Vielfältige Figuren bestimmen die Geschichte, kommen aber oft zu kurz
Zunächst lernen wir die Immobilienmaklerin Juliette kennen. Sie bestimmt und leitet durch die Geschichte. Wirklich glücklich und zufrieden wirkte sie nie, bis sie durch Zufall auf Soliman und seine Bücher trifft. Die Philosophie, die Soliman mit seiner selbst errichteten Bibliothek verfolgt, konnte ich nur mit einem schmunzelnden Nicken kommentieren. Ich war da sehr auf seiner Wellenlänge. Er verteilt Bücher aus bestimmten Gründen, an bestimmte Menschen, und Juliette tat es ihm irgendwann gleich.
Auf diesen Buchwanderungen lernt man noch andere Personen kennen, aber ich muss gestehen, dass sie mir alle recht fern blieben. Auch die dazu genannten bzw. für diese Personen auserkorenen Bücher schwebten irgendwie im Hintergrund, was ich sehr schade fand.
Ich denke, dass vieles der Länge (Kürze) der Geschichte geschuldet ist, aber ich persönlich hätte gewünscht, dass ich mehr über die Personen-Buch-Beziehung und ihre Auswirkungen er fahren hätte. So wirkte es für mich nicht ganz vollständig und eher wie eine Art Literaturempfehlung.

Trotzdem fand ich das Buch sehr lesenswert
Alleine die Wandlung, die Juliette durchgemacht hat, machte das Buch besonders und verdeutlichte die Aussage der Geschichte. Die teils philosophische, teils melancholische Atmosphäre sorgte für eine besondere Grundstimmung, der ich mich gut hingeben konnte.

Hier bekommt man ein leises, nachdenklich machendes Buch, welches schöne Lesestunden beschert, wenn man sich auf die Geschichte einlassen kann.

Bewertung vom 04.08.2018
Der Kreidemann
Tudor, C. J.

Der Kreidemann


sehr gut

Eine Geschichte über die Zeiten hinweg
Dieser Thriller beginnt gruselig, auch wenn ich das Szenario noch nicht so richtig einzuordnen wusste. Damit hat es die Autorin von Anfang an geschafft mein Interesse zu wecken und mich letztlich von Seite zu Seite zu ziehen.

Sehr spannend, aber mit viel Romananteil
Obwohl es nach dem Eingangsteil gemächlicher weiter ging, herrschte unterschwellig immer eine gewisse Spannung. Die Geschichte entwickelt sich langsam aber stetig, was nicht zuletzt daran lag, dass sie in zwei Zeitebenen abläuft.
Man erlebt die Haupfiguren in der Vergangenheit, als sie noch Kinder waren und 30 Jahre später. In Teilen hat sich die einstige Kinderbande aufgelöst, doch als Kreidezeichnungen ins Spiel kamen wurde schnell klar, dass dieser Kreis irgendwie geschlossen werden würde, da hier der Schnittpunkt zur Verknüpfung lag. Der Weg dorthin war sehr spannend und teils unerwartet.
Interessant fand ich die gesellschaftspolitische Seite des Thrillers, denn auch hier gibt es reichlich Stoff zum grübeln und nachdenken, was die Geschichte umso interessanter machte.

Tolle Figuren bestimmen die Geschichte
Was ich der Autorin hoch anrechne, ist die Plastizität des Settings und der Figuren. Alles wirkte real und greifbar, egal welche Szene ich gerade las, ob spannend oder eher erzählend. Das bewirkte, dass mein Kopfkino ansprang und nach und nach (thrillerlike) ein Eigenleben entwickelte. Der Skizzierung der Figuren kam dabei besonders viel Aufmerksamkeit zu und zwar völlig unabhängig, ob es sich um Haupt- oder Nebencharaktere handelte.

Für mich war es kein typischer Thriller, aber dennoch ein sehr facettenreiches und spannendes Lesevergnügen, mit einem etwas gruseligen Ende.

Bewertung vom 24.06.2018
Ich dachte, älter werden dauert länger
Hutzenlaub, Lucinde; Abidi, Heike

Ich dachte, älter werden dauert länger


sehr gut

Den Untertitel kann man mit einem Augenzwinkern lesen,
denn er lautet „Ein Überlebenstraining für alle ab 50“. Hier bekommt man so manches aus dem Erfahrungsschatz der Autorinnen präsentiert, aber das ganze wurde mit sehr viel Humor gewürzt, was ich sehr erfrischend fand.
Ich habe mich schon am Anfang köstlich amüsiert, denn die beiden Autorinnen kommen immer abwechselnd zu Wort und man merkt schnell, dass beide vollkommen unterschiedlich mit dem Thema „älter werden“ umgehen. So sollte es ja auch sein: jeder muss seinen Weg finden, um sich bestmöglich damit zu arrangieren. Die Zwiesprache der Beiden war dabei richtig klasse und bot reichlich Stoff zum nachdenken. Nichts, was mit dem älter werden (oder auch speziell mit dem Klimakterium) zu tun hat, wurde totgeschwiegen. Ob Hitzewellen, Falten oder weinerliche Ausbrüche – alles wurde beleuchtet, versehen mit viel Realitätssinn und/oder Humor.

Ein Buch mit Tipps, Tricks, Selbsterfahrung und einem bisschen „Alters-Knigge“
Zuerst dachte ich ja, jetzt kommt der Werbeblock. Es wurden detaillierte Make-up-Tipps gegeben, man erfuhr welche Falten man mit welcher Creme am besten verzögert etc. Ich musste oft schmunzeln, aber ich habe mich hier und da auch selbst wiedererkannt, und nicht nur das. Ich konnte für mich tatsächlich etwas finden, von dem ich dachte „das ist genau meins“. Die beiden Autorinnen schilderten auch, wie sich die Persönlichkeit und deren Wahrnehmung verändert, nach innen und außen. Es wird offen über Marotten, plötzliche Lust auf sportliche Aktivitäten aller Art, das Verhältnis zur jüngeren Generation und vieles mehr gesprochen. Ich fand es interessant, humorvoll und habe mich auch hier in Teilen wiedererkannt.

Die Quintessenz? Nimm das Alter wie es kommt und mach das beste draus
Dieses Buch ist ein Rundumschlag für die Generation (fast) 50+. Sie vermittelt den positiven Eindruck, dass das älter werden nicht so schlimm ist wie es sich manchmal anfühlt, dass man immer noch viel Spaß haben kann und vor allem, dass man mit vielen Fragen und Problemchen nicht alleine dasteht. Schon deshalb mochte ich dieses Buch sehr und empfehle es gerne weiter.

Bewertung vom 22.03.2018
Sie riechen dich / Pheromon Bd.1
Wekwerth, Rainer; Thariot

Sie riechen dich / Pheromon Bd.1


sehr gut

Ein Buch, zwei Autoren
Dies ist erneut ein Buch, welches von zwei Autoren geschrieben wurden. Die Kunst hierbei besteht für mein Empfinden darin, dass man eine zusammenhängende Geschichte kreiert, die sich in Form und Stil nicht zu sehr unterscheidet. Ich muss sagen, dass das bei dieser Geschichte sehr gut gelungen ist. Beide Schreibstile waren flüssig, gut zu lesen, und ich hätte nicht gewusst, wer jetzt welchen Abschnitt geschrieben hat. Es griff alles gut ineinander.

Eine Welt, zwei Zeiten
Die Autoren schreiben in zwei unterschiedlichen Zeitebenen, wobei die eine im Hier und Jetzt, die andere 100 Jahre in der Zukunft liegt. Beide Welten wurden sehr gut beschrieben, so dass ich mich gut darin zurecht fand. Die Zukunft ist, wie nicht anders zu erwarten war, weiter technisiert als die Gegenwart, die Forschung ist weit entwickelt. Es finden sich diverse Elemente, die sehr SciFi-geprägt sind und sehr deutlich wurde, dass die Wohlstandsschere sehr weit geöffnet ist.
Man kann diesen recht ausgeprägten SciFi-Anteil gut oder schlecht finden, für mich steh fest, dass zumindest das meiste zwar sehr fantastisch, aber nicht undenkbar klingt.

Zwei Hauptfiguren, ein Ziel
Die Hauptfiguren und ihr Handlungsfeld fand ich gut beschrieben, und auf Grund des recht hohen Altersunterschiedes behaupte ich einfach mal, dass dies nicht nur ein Buch für jugendliche Leser ist. Beide Hauptcharaktere wirken sehr bodenständig und authentisch. Dass man im Laufe viel über sie erfährt, trägt maßgeblich dazu bei.
Zum einen erlebte ich den 17jährigen Jake. Ein ganz normaler Junge, der plötzlich erkennt, dass er eine Art Gabe hat. Am Anfang erschien mir das wenig greifbar, aber die Entwicklung zu immer mehr Plastizität war sehr interessant zu verfolgen. Ihm stehen später noch Nebenfiguren zur Seite, wodurch die Geschichte noch mehr Substanz erhielt. Sein Teil der Geschichte lebt durch das Zusammenspiel aller Pro- und Antagonisten.
Die andere Geschichte wird durch Travis bestimmt. Er ist Arzt a.D., doch das soll sich irgendwann wieder ändern. Warum und weshalb muss jeder selbst heraus finden, aber es erklärt sich fast von selbst, dass auch seine Geschichte zunehmend mysteriöser wird und Parallelen zur Vergangenheit aufweist. Auch in seiner Zeit gibt es Nebenfiguren, die beständig Travis´ Weg kreuzen und die Geschichte maßgeblich mitbestimmen und vorantreiben.

Ein Pageturner, ein kleines „aber“
Ich war nahezu von Anfang an in der Geschichte gefangen. Selbst in Passagen, in welchen nicht so viel passiert, blätterte ich meist zügig Seite für Seite um. Besonders gut gelang mir das bei Jakes Geschichte, die irgendwie nicht langweilig wurde. Bei Travis hatte ich manchmal das Gefühl, dass es sich ein klein wenig zieht, aber wirklich nur ein klein wenig. Was ich etwas befremdlich fand war, dass ich zwar Parallelen zwischen den Geschichten erkennen konnte, aber ich fand wenige, greifbare Anknüpfungs- oder Verwebungspunkte. Für mich standen beide Geschichten lange „nur“ nebeneinander. Hinzu kam, dass vieles doch sehr phantastisch/ nach SciFi klang, wobei ich hier irgendwann sagen konnte „warum nicht“. Ich bin kein SciFi-Fan, aber es gelang mir trotzdem, mich in vieles hineinzudenken. Ich muss aber auch sagen, dass ich manches einfach auch nur hinnahm.

Ich empfehle das Buch vor allem jugendlichen Lesern, die SciFi nicht zu sehr abgeneigt und an Forschung/ungewöhnlichen Theorien interessiert sind. Aber auch für einige erwachsene Leser dürfte diese Geschichte interessant sein. Außerdem sollte man Cliffhanger vertragen können.
„Pheromon“ ist ein Buch, welches die Vorstellungskraft sehr fordert. Ungewöhnlich, spannend und innovativ.

Bewertung vom 13.01.2017
Geheimzutat Liebe / Taste of Love Bd.1
Anderson, Poppy J.

Geheimzutat Liebe / Taste of Love Bd.1


ausgezeichnet

Liebesgeschichten gibt es viele, auch solche, die mit der Gastronomie im weitesten Sinne verquickt wurden. Doch selten spielte das Essen eine so große Rolle wie hier. Der Autorin ist es gelungen, beide Themen/Lieben hervorragend in Einklang zu bringen, aber ohne dass sie sich gegenseitig die Show gestohlen hätten. Die Liebesgeschichte ist zwar ein beliebtes hin und her der Gefühle, aber keineswegs kitschig. Vor allem überlagert sie die eigentliche Nebenhandlung im Bereich der Gastronomie nicht vollkommen, sondern lässt sich von ihr beflügeln. Das bedeutet ebenfalls, dass es nie langweilig wird, denn wenn die Liebesgeschichte pausiert, schmeckt man immer noch die leckeren Gerichte auf der Zunge. Ich hatte bisher noch kein Buch, welches mir direkt auf zwei Arten das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ.
Sehr gelungen fand ich auch die Haupt- und Nebenfiguren.
Andrew und Brook passen hervorragen zusammen und ergänzen sich super, was Brook allerdings irgendwann anders sieht. Ich brauche dieses hin und her nicht unbedingt, aber es hat mir super gefallen, weil Brook einfach eine taffe Frau ist, die im Normalfall genau weiß was sie will. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und packt gerne selber mit an, was mir sehr imponiert hat. Aber auch Andrew mochte ich sehr, weil er zeigte dass die höchsten Ziele nicht immer zwangsläufig glücklich machen. Gerde das machte ihn so authentisch.
Von einigen Nebenfiguren wurde ich auch überrascht. Manchmal kann man einfach nur lachen, manchmal mitfühlen oder die Augen rollen. Sie waren alle eine wunderbare Ergänzung.

Ich kenne und liebe die Boston-5-Reihe der Autorin, doch hier hat sie noch eins drauf gesetzt. Die Geschichte ist genauso geschmackvoll und würzig wie das Cover sie erscheinen lässt. Ich empfehle das Buch zu Latte Macchiato, Schoki und Kuscheldecke.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.10.2016
Irgendwo im Glück
McPartlin, Anna

Irgendwo im Glück


sehr gut

Das Cover und der Titel des Buches lassen vorerst auf eine locker-leichte Wohlfühlgeschichte hoffen. Doch direkt am Anfang holte mich der Prolog rüde auf den Boden der Tatsachen zurück, indem er mir klar machte, dass dies ein Schicksalsroman werden würde.
Die Protagonistin (Maisie Bean) stellt ihr Buch vor, welches von ihr und ihrer Familie handelt. Dieses Buch, und damit auch der Hauptteil des Romans, spielt in der Vergangenheit, und es soll aufrütteln und zum Nachdenken anregen. Gegen Ende des Romans kehrt man in die Gegenwart zurück, wobei Maisie nochmals ihre eigenen Gedanken zum Ausdruck bringt, die auch ein Teil meiner Gefühle und Überlegungen widerspiegelten.
Wer die Autorin kennt der weiß, dass sie gerne in Rückblicken schreibt. Sie berichtet von Maisie Beans Zeit als alleinstehende Mutter, von ihren Kindern und deren Erziehung und den Schwierigkeiten die manchmal auftraten. Der Blick wird dabei immer wieder auf ihren Sohn Jeremy und seine Freunde gelenkt, und man erfährt viel über ihn und seine Verbundenheit zum Freundeskreis. Bis er verschwindet, wie schon der Buchrückentext verrät. Was daraufhin geschieht, und was man noch alles erfährt, ist nahezu unbegreiflich.
Sehr entscheidend für die Geschichte ist, dass man mit ihr nach Irland ins Jahr 1995 und auch weiter zurück reist. Das muss man sich während des lesens immer wieder vergegenwärtigen, denn einige Ereignisse sind einfach zu unfassbar, wenn man in einer Gesellschaft lebt, in der etliche, im Buch angesprochenen Verhaltensweisen, schon lange als ethisch und moralisch verwerflich gelten. Was man hier zu lesen bekommt ist demzufolge nicht nur ein internes Familiendrama, sondern es wurde entscheidend durch die Gesellschaft verursacht.

Eine Geschichte die sanft beginnt, immer unfassbarer wird, bis das Drama seinen (fast unerwarteten) Höhepunkt erreicht. Sie wird getragen durch starke Charaktere und eine stetig steigende Spannungskurve.

Bewertung vom 24.09.2016
Dein perfektes Jahr
Lucas, Charlotte

Dein perfektes Jahr


sehr gut

Manchmal sind es Schicksalsschläge, die Menschen auseinander treiben. Manchmal sind es gute, kreative Ideen und eine positive Einstellung zum Leben, die Menschen zusammenführen.

Die Hauptfiguren der Geschichte werden zum Teil stark gebeutelt.
Auf der einen Seite steht Hannah mit ihrer Geschichte.Sie hält ihr Leben sicher in der Hand und blickt gerne positiv in die Zukunft. Doch es scheint ihr nicht vergönnt zu sein, dass sie glücklich und zufrieden sein kann. Das Schicksal schlägt hart und vollkommen unerwartet zu. Doch sie ist eine starke und vor allem neugierige junge Frau, was mir sehr gut gefallen hat.
Auf der anderen Seite steht Jonathan. Er ist in seinem Leben gefangen, ohne es wirklich zu bemerken, ein Korintenk***** vor dem Herrn, vollkommen eingefahren in seinen Strukturen und Gewohnheiten. Doch ein Zufall holt ihn aus seiner Welt heraus und zeigt ihm, wie anders das Leben sein kann. Seinen Wandel fand ich unerwartet, aber sehr interessant und nachvollziehbar.
Da das Buch abwechselnd aus der Sicht von Hannah und Jonathan geschrieben ist, bekommt man einen guten Einblick in das Seelenleben beider Figuren.

Neben diesen Beiden gibt es noch einige Nebenfiguren, die die Geschichte bereichern und das Buch lesenswert machen. Meine liebster Nebendarsteller war Leopold. Alleine das erste Zusammentreffen mit ihm war schon lesenswert, der Rest sowieso.

In diesem Roman werden verschiedene Themen angesprochen, die das Leben im posiven wie im negativen Sinne bunt machen. Trauer und ihre Verarbeitung und Demenz sind nur zwei davon. Daher wird es emotional, mit einer guten Portion Tiefe, allerdings ohne gefühlsduselig zu sein. Die Geschichte wirft viele philosophische, ethische und moralische Fragen auf, die über das eigene Leben nachdenken lassen, aber ohne schwermütig zu wirken. Insgesamt bekommt man hier ein Buch, welches lustig und traurig zugleich ist.

Einer der besten Sätze des Buches war für mich „Wer Rührei kann, der kann auch Bücher“. Wenn das auch im Umkehrschluss stimmt, dann macht die Autorin mit Sicherheit wunderbare Rühreier!

Bewertung vom 14.09.2016
All die verdammt perfekten Tage (MP3-Download)
Niven, Jennifer

All die verdammt perfekten Tage (MP3-Download)


ausgezeichnet

Dieses Hörbuch bewegte mich von Anfang an, und es lag nicht nur am Grund des Zusammentreffens von Violet und Finch. Irgendwie schien es keine Frage zu sein, warum sie auf dem Dach der Schule standen, und trotzdem wusste man es nicht ganz genau. Fakt ist, und damit verrate ich vermutlich nicht zu viel, dass einer dem anderen scheinbar das Leben rettete.
Im folgenden ergab sich, was an jeden Ort hätte passieren können – man zerriss sich das Maul über dieses Ereignis und gab sich wilden Spekulationen hin. Dabei erfuhr ich schon einiges über die beiden Hauptpersonen, trotzdem blieb auch vieles noch im Dunklen.
Doch das ist nur die Nebenhandlung, denn für Violet und Finch ist die Geschichte noch lange nicht beendet, sie nimmt nur eine erste Wende. Was dann für beide folgt ist eine wunderbare Reise im wahrsten Sinn. Hier wurde es mir möglich die beiden und ihren persönlichen Hintergrund noch besser kennen zu lernen. Es war aber auch der Anfang einer bezaubernden Freundschaft, in der eine, wie auch immer geartete Verbundenheit und zarte Liebe zu Tage trat. Da beide aber sehr unterschiedliche Charaktere waren, wurde es nicht so stereotyp wie es zunächst schien. Die Geschichte ließ mich oft lächeln, aber es wurde auch manchmal wunderlich, ließ mich mitfühlen, traurig sein, innehalten und nachdenken.
Ich mochte beide Charaktere sehr, denn sie waren sehr eigen und harmonierten doch so gut zusammen. Besonders Finch erweckte vor allem nicht den Eindruck, den seine Schulkameraden anfangs von ihm vermittelten. Daher war nicht zuletzt er es, der die Geschichte besonders lebendig gestaltete. Doch trotzdem ist nicht immer alles wie es scheint, noch wie man es sich wünscht, und er überraschte mich im Verlauf der Erzählung positiv und negativ zugleich.

Die Sprecher, Annina Braunmiller-Jest und Patrick Mölleken, haben dieses Hörbuch hervorragend umgesetzt. Sie halten ein sehr gutes Sprechtempo ein und betonen an den richtigen Stellen, ohne dass die Situationen übertrieben wirken.

Hier bekommt man eine kurzweilige, lustige, liebreizende, tiefsinnige Tragikromanze. Sehr hörenswert!