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NiliBine70
Wohnort: 
Duisburg

Bewertungen

Insgesamt 32 Bewertungen
Bewertung vom 20.09.2022
TRUE CRIME. Der Abgrund in dir
Hausmann, Romy

TRUE CRIME. Der Abgrund in dir


ausgezeichnet

Inhalt:
11 Fälle. 11 Mal Mord, Entführung, Gewalt, Schmerz. Und mittendrin die Autorin, die mit sehr viel Gefühl und Verstand die Fälle aufzeigt, damit vergleicht und in einem Fall sehr persönlich dem Geschehen, den Hinterbliebenen nahe kommt. Sie spricht mit Fachkräften, mit Ermittlern, mit Richtern und lässt den Leser ganz nah an unglaubliche Fälle heran.


Meine Meinung:

True Crime heißt.... loslassen
Genau das war mein Gedanke, als ich das Buch beendet hatte. Es fiel mir nicht so leicht, alles als gegeben hinzunehmen. Ergebnisse zu akzeptieren und Opfer gehen zu lassen. Aber auch Romy Hausmann selbst mit dem, was sie von sich selbst in kurzen Passagen preisgibt, allein zu lassen. Man hat das Gefühl, hey, komm her, lass uns drüber reden.

Ich möche eigentlich nicht allzu viel über die Fälle erzählen, manche kennt man selbst aus dem TV, manche wohl auch aus dem Podcast der Autorin, wie ich mitbekommen habe, aber das alles tritt in den Hintergrund, weil Romy Hausmann hier so ganz anders über die Taten, über die möglichen Hintergründe, über Versäumnisse, über Schmerz, Verlust und Zweifel erzählt. Ja, auch über ihre ganz eigenen Gefühle, während sie für das Buch recherchiert. Beispielhaft auch an einem ganz bestimmten Fall, der mich fassungslos und mit tränennassen Augen zurücklässt.

Das mag jetzt nicht positiv klingen, aber ganz bestimmt ist es für ein Buch aus der Ecke mehr als positiv. Für meine Begriffe habe ich True Crime so noch nie gelesen. Mich hat ein sogenanntes Sachbuch noch nie dazu verleitet, quasi täglich während des Lesens mich austauschen zu müssen, ich musste einfach über das, was ich zwischen diesen schwarzen Buchdeckeln erfahren habe, reden! Insofern finde ich schon, dass das Buch etwas ganz besonderes ist und ein Level von True Crime aufgetan hat, was das Lesen eines solchen Buches zu einem neuen Erleben bringt. Man muss sich einfach im Klaren sein, dass hier kein trockenes Nacherzählen passiert, sondern man ganz ganz nah an Fälle herankommt, auch vielleicht persönliche Grenzen kennenlernt, das muss dann jeder für sich selber entscheiden.

Ich weiß nur, dass mich dieses Buch auch heute, einige Tage nach beenden, noch nachhaltig beschäftigt, zum nachgooglen geführt hat und wie gesagt, am liebsten hätte ich mit Romy Hausmann direkt mal gesprochen zwischendurch.


Fazit:
True Crime in einer neuen Dimension, wie ich es persönlich noch nie erlebt habe, sehr nah dran am Geschehen, an den menschlichen Schicksalen. Kein trockener Stoff, sondern Leseerleben pur. Ich kanns nur empfehlen, wenn man als Leser bereit ist, vielleicht auch seine eigenen Grenzen zu erfahren. Für mich auf alle Fälle ein Highlight 2022!

Bewertung vom 17.05.2022
Der Ursprung der Ewigkeit
Voight, Dee

Der Ursprung der Ewigkeit


ausgezeichnet

Inhalt:
Alice hat sich nach einem Angriff auf Ihr Leben von allem zurückgezogen. Sie betrauert dabei noch immer den Verlust ihrer großen Liebe. Doch dann taucht ein Mann auf und ihr offenbaren sich ganz neue Wahrheiten und Geheimnisse werden gelüftet. Auch die ihrer Liebe. Und sie findet Stück für Stück wie bei einem Puzzle heraus, was eigentlich ihre Geschichte ist und wer Feind, wer Freund. Alles scheint auf einen Showdown hinauszulaufen, doch ergeben sich immer wieder neue Fragen, deren Antworten gefunden werden wollen. Und Alice muss weiter um ihr Leben fürchten...


Meine Meinung:
Mein Jahreshighlight – Wunderbar anders und rasant!

Ich habe noch eine Ausgabe mit dem alten Cover und das hat -bestimmt nicht nur mich- total in die Irre geführt, was die Story, die Art der Geschichte, angeht. Ich habe wirklich gedacht, das ist eine wirklich feine süße Romantasy. HA! Wie man sich doch täuscht!

Das neue Cover zeigt wenigstens, dass es geheimnisvoll zugehen wird und das ist ein Aspekt. Geheimnisvoll ist die Geschichte ganz bestimmt, Alice´ Geschichte. Ich habe mir wirklich das Hirn zermatert, wie soll ich was erzählen, ohne wirklich etwas vorweg zu nehmen. Weil wenn man sich ein Buch erlesen muss, dann das hier! Oder die ganze Trilogie!

Am Anfang spürt man schon, dass eine große Tragödie Alice ereilt hat, sie hat ihre Liebe verloren. Doch dann taucht ein Mann auf und ab geht die wilde Fahrt. Man erfährt, wer der Ursprung ihrer Misere ist, was sie dorthin geführt hat, wo sie ist und wie schwer ihr Herz ist.

Die Autorin hat mich wirklich mitgerissen, wahnsinnig gemacht, weil ich mich wirklich geärgert habe, wenn ich das Buch mal beiseite legen musste, wegen Schlaf oder Arbeit.

Die ganze Story ist unglaublich aufregend, rasant, gefährlich, fantastisch, traurig, spannend, blutig, tödlich, hinreißend, überraschend, mysteriös... ich kann nur sagen, lest das Buch, wenn Ihr fantastisches mögt, mit einer Portion Thrill und einer starken Frau als Hauptfigur!

Zum Stil sei gesagt, dass man flüssig durch dieses schon fast Roadmovie-mäßiges Buch fliegt, alles sehr gut zu lesen ist, ohne zu ermüden. Und am Ende will man mehr... Man möchte Alice weiter begleiten, die Auflösung der ganzen Fragezeichen miterleben und wünscht ihr, dass sie glücklich wird.

Fazit:

Was soll ich sagen, LESEN! Und dran denken, mir persönlich ging die ganze Zeit eine Textzeile eines bestimmten Queen-Songs nicht aus dem Kopf: Who wants to live forever...

Bewertung vom 15.05.2020
Nächte, in denen Sturm aufzieht
Moyes, Jojo

Nächte, in denen Sturm aufzieht


gut

Inhalt:
Liza McCullen liebt das Meer und ganz besonders die Wale. Sie lebt mit ihrer Tochter Hannah in Silver Bay, einem Küstenort in Australien und bietet für Touristen Walbeobachtungen an. Alles scheint harmonisch, doch der schöne Schein trügt.

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch hier der Tourismus um sich greift und dieser Moment könnte schneller kommen, als alle gedacht haben.

Als der smarte Mike in Silver Bay auftaucht, ist es nicht nur Lizas Herz, welches er in Aufruhr versetzt.


Meine Meinung:

Kritik in einer Liebesgeschichte verpackt

Ich gebe zu, mir war nicht bekannt, dass es sich um eine ältere, schon mal unter einem anderen Titel veröffentlichte Geschichte von Jojo Moyes handelte und das war für mich persönlich jetzt auch nicht so relevant, weil ich das „Original“ nicht gelesen hatte. Und diesen Umstand, dass hier ein „altes“ Buch neu aufgelegt wurde, habe ich auch erst im Nachhinein entdeckt.

Ich hatte mich eher für die Kurzbeschreibung schon begeistert und hatte mich auf eine herzergreifende Story gefreut. Eben ganz im Stil von Jojo Moyes´ sonstigen Werken.

Ja, es gab auch eine Liebesgeschichte und auch viel Schicksal hinter dem Vordergründigen. Aber für mich kam am meisten zum Tragen, dass man den Waltourismus an den schönsten Orten unserer Erde anprangert. Die Autorin hat ja recht, es ist furchtbar, wie egoistisch die Touristen an vielen Orten unserer Erde sind, sich nicht darum scheren, was ihr maßloses Verhalten für die Tierwelt, die Umwelt und die Menschen dort bedeutet. Aber muss man das so fast schon exzessiv auf round about 500 Seiten anprangern?

Die Geschichte rund um Liza, ihre Familie, ihre Vergangenheit und dann alles rund um Mike und was ihn nach Silver Bay geführt hat, gerät gefühlt etwas in den Hintergrund. Zu sehr für meinen Geschmack, um mein Herz wirklich wie sonst zu erweichen.

Trotzdem ist der Stil von Jojo Moyes wie gewohnt leicht zu lesen, man kann der Story sehr gut folgen und was die Beschreibung dieses Landstriches und der Liebe zum Meer und der Geschöpfe, die dort leben, da hat sie auch wirklich sehr detailreich und mit viel Liebe erzählt. Ich kann mir auch gut denken, dass ihr Anliegen war, auf die Missstände aufmerksam zu machen, ihre Leser auch dafür zu sensibilisieren. Die Hälfte der Intensität hätte es meiner Meinung nach aber auch getan.

Ich hatte das erste mal bei einem Moyes-Buch hinterher keine feuchten Augen. Es war eher das Gefühl, ich habe einen Fernsehfilm gesehen, der zwar ganz nett war, aber eben nicht sehr herzergreifend.

Fazit:
Wer wie ich das Ursprungsbuch (Dem Himmel so nah) nicht kennt, kann sich hier auf leichte Art unterhalten lassen, aber keine wirklich tiefgehenden Gefühle erwarten. Es war nett, aber eben nicht überragend.

Bewertung vom 05.05.2020
Die Frequenz des Todes / Jula Ansorge Bd.2
Kliesch, Vincent

Die Frequenz des Todes / Jula Ansorge Bd.2


sehr gut

Inhalt:
In der Berliner Leitstelle der Feuerwehr geht ein Notruf ein, in dem eine Frau völlig panisch daovn spricht, dass ihr Baby verschwunden sei und alles voller Blut ist. Nach zunächst undefinierbaren Geräuschen bricht der Notruf ab. Niemand weiß, wo und wer dahinter steckt.

Ein Polizist bittet den nach wie vor wegen Mordes inhaftierten akustischen Forensiker Hegel um Hilfe. Und dieser wiederum ködert Jula Ansorge, die ihm gegenüber nicht gerade freundlich gesonnen ist, mit geheimnisvollen Informationen über ihren Bruder, damit sie ihm bei der Aufklärung hilft.

Kann man irgendjemandem überhaupt noch trauen?


Meine Meinung:

Der zweite Streich!

Ich habe mich so sehr gefreut, dass es endlich weitergeht! Ich finde die akustische Forensik so dermaßen spannend (wie das riesige Feld der Forensik generell!), dass ich mir gedacht habe, Mensch, wieso ist da bloß niemand vorher drauf gekommen, daraus einen Thriller zu bauen! Doch jetzt hat Vincent Kliesch mich damit am Haken, dass er Hegel erschaffen hat. Diese Figur ist sowas von undurchsichtig, dass man bei jedem Satz spekuliert, was er WIRKLICH damit beabsichtigt!

Und so ist es auch in dem 2. Teil der Reihe genau das, was die Spannung ausmacht. Was genau weiß Hegel und was bezweckt er mit seinen Handlungen wirklich. Was weiß er schon vorher und welche Verbindungen ergeben sich aus kleinsten Indizien für ihn. Und was hat er zu verbergen, wer ist er...

Und Jula Ansorge ist eine würdige „Partnerin“ an seiner Seite. Sie ist klug, gewitzt, spontan, eine moderne junge Frau, die zwar auch gefährlich lebt, wenn sie sich etwas in den Kopf setzt, aber genau das macht sie für mich so sympathisch.

Die Story beginnt auch schon gleich sehr mitreißend. Ich habe mich wirklich dabei ertappt, dass ich mit offenem Mund hier saß und gelesen habe. Es hat mich sehr getroffen und ich konnte erst gar nicht glauben, mit was man in die Geschichte einsteigt. Im nächsten Moment fand ichs nur einfach sehr clever! Klar, dass Hegel da als Experte zu Rate gezogen wird, auch wenn er eigentlich unter Mordverdacht steht (da bin ich ja mal gespannt, ob das irgendwann auch aufgelöst wird, was es damit nun wirklich auf sich hat!).

Die ganzen Twists und Seitenpfade der Verwicklungen verlangen schon vom Leser, dass er dabei bleibt, aber mir persönlich fiel und fällt das nicht sonderlich schwer, weil mich diese akustische Forensik echt total fesselt. Für meine Begriffe hätte von daher eine Ecke mehr von Hegels Fähigkeiten in der Story drin sein dürfen, aber wer weiß, vielleicht kommt das ja im 3. Teil ;-)

Vincent Kliesch schafft es auf alle Fälle mit seiner Art zu schreiben, dass ich am liebsten in einem Rutsch gelesen hätte, das immer für die Arbeit und das sonstige Leben unterbrechen müssen hat mich gestört ;-) Aber trotzdem habe ich Die Frequenz des Todes als Pageturner empfunden, und am Ende hab ich auch wieder Selbstgespräche geführt (und mir verwirrte Blicke meines Mannes eingefangen), weil DAS Ende geht gar nicht, Herr Kliesch! So kann man doch seine Leser nicht am seidenen Fliegenfänger hängen lassen ;-) Mit anderen Worten, hoffentlich dauert es nicht allzu lang bis zum 3. Teil!!!

Fazit:

Wer den 1. Teil mochte, wird auch hier auf seine Kosten kommen. Wer jetzt auf das Buch aufmerksam wurde, sollte auch wirklich erst mal den 1. Band lesen, um einige Zusammenhänge zu verstehen. Ansonsten ist es ein sehr spannender Thriller aus dem außergewöhnlichen Feld der akustischen Forensik.

Bewertung vom 19.08.2019
Silent Victim
Mitchell, Caroline

Silent Victim


sehr gut

Manches ist schlimmer als Mord.

Emma lebt mit ihrem Mann Alexander und ihrem Söhnchen Jamie auf dem elterlichen Grundstück und ist eigentlich recht glücklich. Doch dann verkauft ihr Mann das Grundstück nebst Haus und möchte mit seiner Familie woanders ein neues Leben beginnen. Doch damit stürzt er seine Frau in ungeahnte Nöte, die sie dazu bringen, ihm endlich die Wahrheit über ein Verbrechen zu gestehen, das sie begangen hat.

Psychologische Spannung vom Feinsten - der Bestseller aus Großbritannien.
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Das Buch beginnt recht harmlos, und beinahe schleichend erfährt man etwas über die schreckliche Kindheit und Jugend von Emma. Prompt wird man in den Strudel ihrer Erlebnisse hineingezogen. Ein wenig britisch unterkühlt, aber schon mit Nachdruck versteht es Caroline Mitchell, einem die Gefühlswelt der Figuren näherzubringen.

Erzählt wird die Story aus unterschiedlichen Perspektiven: mal ist es Emma, mal ihr Mann Alex und dann kommt auch der Lehrer Luke zu Wort. Letzterer hat sich an Emma, seiner Schülerin, herangemacht und sie missbraucht. Gerade als Frau leidet man schon sehr mit und möchte ihr helfen. An bestimmten Stellen entfleucht einem doch mal ein „Oh, nein!“ und das Herz schlägt etwas schneller.

Ab diesem Zeitpunkt kann man sich der Geschichte nicht mehr entziehen. Manchmal habe ich mich dabei ertappt, dass ich geflucht habe, wenn wieder ein Perspektivwechsel anstand. Beispielsweise wollte ich aus Emmas Sicht wissen, wie es weitergeht und hätte mir da dann gewünscht, dass ihr Mann mal den Mund hält. Aber es ist klar, dass das von der Autorin so gewollt war. Letztendlich treibt das die Spannungskurve nach oben und hält den Leser im Sog gefangen.

Allein durch die Beschreibung der Location fühlt man sich auf diese einsame Insel versetzt. Man spürt fast körperlich auch den Verfall des elterlichen Häuschens, in dem die junge Familie nun lebt und Emma weiterhin in den trüben Untiefen ihrer Vergangenheit verstrickt ist.

Ich bin ehrlich: Wenn ich nur das Cover gesehen hätte, wäre das Buch nie in meine Finger geraten. So bin ich aber froh, dass ich es lesen und dadurch wieder eine Autorin kennenlernen durfte, die mich mit ihrem Thriller sehr überzeugt hat. Trotz oder gerade aufgrund der britischen Unterkühltheit zu Beginn. Übrigens spielt Caroline Mitchell die Tatsache gut in die Karten, dass sie jahrelang als Polizistin gearbeitet hat und auf Fälle von häuslicher Gewalt und schweren sexuellen Verbrechen spezialisiert war.

Persönliches Fazit: Ausgefeilter Thriller mit dem ganz eigenen britischen Charme, der den Leser nach einem seichten Start schnell in einen Strudel aus Fragen zieht. Empfehlenswert für jeden, der gern miträtselt und -fiebert.

Bewertung vom 04.01.2019
Vergessene Seelen / Max Heller Bd.3
Goldammer, Frank

Vergessene Seelen / Max Heller Bd.3


ausgezeichnet

Inhalt:

In Dresden im Jahr 1948 ist der Sommer heiß, in vielerlei Hinsicht. Oberkommissar Max Heller wird auf eine Baustelle gerufen, wo ein toter Junge gefunden wurde. Es ist völlig undurchsichtig, was mit dem 14jährigen passiert ist und die Ermittlungen gestalten sich als echte Sisyphosarbeit, da niemand etwas gesehen oder gehört haben will, keiner bereit ist zu reden, obwohl fast schon zu riechen ist, dass mehr als ein Selbstmord dahinter steckt.

Die Menschen müssen sich dem harten Alltag stellen und auch Heller sieht sich mit Dingen konfrontiert, die seine eigene Vergangenheit, die er am liebsten vergessen möchte, wieder heraufbeschwört. Hinzu kommt die Angst, dass Deutschland aufgeteilt wird, ganz real auch für Heller und seine Frau Karin selbst, lebt doch ihr Sohn Erwin in Köln.

Und auch die politischen Strömungen reichen bis in Hellers Ebene hinab und er sieht sich immer öfter damit konfrontiert, was seine Ermittlungen nicht gerade leichter macht.

Meine Meinung:

Grenzen

Harter Tobak... das waren meine Gedanken ganz ganz oft beim Lesen des 3. Falls rund um den Dresdner Oberkommissar Max Heller. Dieser sympathische, unglaublich menschliche Ermittler hat es wirklich nicht leicht, wenn er sich und seinen Überzeugungen treu bleiben möchte. Wieder einmal schafft es Goldammer, einen in den Zeitsog mitzunehmen ins Jahr 1948. Mit in das Leben so kurz nach dem Krieg, mit allen Unbilden, mit den Nischen, die die Menschen sich zum Überleben gesucht haben. Unglaublich, wie ein doch so junger Mensch die damals wohl herrschende Stimmung transportiert, wie er im Kopf von uns Lesern ein in Sepia getöntes Bild der damaligen Zeit mit Staub und Blut erzeugt. Mich beeindruckt immer wieder aufs neue, mit welcher Kunstfertigkeit der Autor das fertigbringt.

Max Heller ist nun nicht der klassische Held in der Kriminalliteratur, er ist nicht mehr jung und knackig, er hat einen schmerzenden Knöchel, der ihm wilde Verfolgungen schier unmöglich machen, er hat eine Frau, die er liebt, aber ganz im Stil der damaligen Zeit nicht offensiv und öffentlich, aber dennoch von Herzen. Die Söhne haben auch schon psychisch einiges mitgemacht, sodass sie ihre „Unschuld“ längst verloren haben, was mir persönlich sehr leid getan hat beim Lesen. Irgendwie wachsen einem Figuren ja doch sehr ans Herz, wenn man sie über einige Jahre begleitet...

Überhaupt, die Rolle der Kinder in der damaligen Zeit... das war tatsächlich grenzwertig zu lesen. Manchmal war ich kurz davor, das Buch beiseitezulegen, erst mal durchatmen. Aber dann hatte ich das komische Gefühl, wenn ich das täte, gebe ich die Kinder auf. So sehr war ich drin in der Geschichte. Und ja, ich gebe zu, es gab auch mal Tränen. Weil mich eben ein Schicksal sehr berührte.

Erstaunlich auch wieder, wie die dramatische, bedrückende Geschichte der näheren Vergangenheit neben einem gut ausgeklügelten Kriminalfall bestehen kann und einen stimmungsvollen Rahmen ohne erhobenen Zeigefinger – wie sonst gerne üblich – bildet.

Der dritte Band mit dem durchaus passenden Titel „Vergessene Seelen“ hat noch ein Scherflein oben drauf gesetzt und ich bin gespannt, ob der Autor das im nächsten Teil auch noch toppen kann.

Fazit: Bedrückend, berührend, aufrührend und das plus einem gut ausgearbeiteten Kriminalfall, das bietet sich, wenn man sich drauf einlässt, dem Fan und neugierigen Krimifans.

Bewertung vom 10.09.2017
Die Bestimmung des Bösen / Hall & Hellstern Bd.1
Corbin, Julia

Die Bestimmung des Bösen / Hall & Hellstern Bd.1


sehr gut

Inhalt:
Die Mannheimer Hauptkommissarin Alexis Hall wird mit der Aufklärung eines mysteriösen Mordfalls beauftragt, bei dem zwei Frauenleichen höchst eigenartig drapiert auf einer Flußinsel halb im Wasser liegend gefunden wurden. Von Anfang an ist alles nicht wirklich stimmig und die Verwirrung wird noch größer, als der Onkel von Alexis in den Kreis der Verdächtigen gerät.

Die Lage spitzt sich zu, als zwei weitere Frauenleichen auf ähnliche Weise abgelegt gefunden werden und Alexis´ Vergangenheit die Gegenwart zu berühren und zu beeinflussen scheint.

Meine Meinung:

Der Keim des Bösen

Ich habe das Buch auf Lovelybooks gewonnen und mich sehr gefreut, weil allein das Cover und der Klappentext schon so meins waren, dass ichs kaum abwarten konnte, mich ins Buch zu stürzen.

Zu Beginn jedoch wurde meine Euphorie ein wenig durch eine Anhäufung von Fachgeplänkel gebremst und ich überlegte zeitweilig wirklich, das Buch abzubrechen. Das klingt jetzt schon etwas paradox, weil eigentlich die Kriminalbiologie mich wahnsinnig interessiert und auch sehr spannend ist. Aber wenn es sich zu sehr in den Sphären des fachlichen verliert, dann verliere ICH den Faden... Gut, dass ich mich dann doch nicht habe beirren lassen und weitergelesen habe!

Der Fall als solches ist wirklich sehr gut ausgearbeitet und nach den genannten Anfangsproblemen war ich auch mit Feuereifer dabei und habe die Kriminalbiologin gerne bei ihren Experimenten und Untersuchungen begleitet.

Und auch Alexis Hall nimmt den Leser mit. Durch die Rückblenden in ihre Vergangenheit nähert man sich sukzessive einem möglichen Showdown, in deren Mittelpunkt sie dann steht.

Die Verknüpfung von Vergangenheit mit der Gegenwart, dem Zusammenspiel der Personen kann man wirklich sehr gut folgen.

Für mich auch interessant diese Forschung bezüglich des Kill-Gens. Ist es uns tatsächlich vorbestimmt, ob wir „böse“ sind? Immer wieder geistert das ja so durch die Medien, durch die Wissenschaft. Wirklich bewiesen ist es ja nicht, aber Vorurteile beschwört man damit herauf. Und wie im Fall von Alexis Hall, auch dass man selbst nicht mehr an sich glaubt.

Es gibt auch ein paar sehr detailierte Beschreibungen der Mordopfer, aber ich denke, das Cover deutet schon etwas an, dass es hier nicht um Kaffeekränzchen geht ;-)

Alles in Allem ein guter Thriller, nein, ein gutes Thrillerdebüt mit viel Luft nach oben, wo ich mir denke, dass die Autorin in der Richtung bitte weitermachen sollte. Ich würde gerne mehr davon lesen :)

Fazit:
Gutes Thrillerdebüt mit kleinen Schwächen, die sich aber bestimmt „auswachsen“.

Bewertung:

4 von 5 Nilpferden

Danke an Diana-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

© Sabine Kettschau/Niliversum

Bewertung vom 30.07.2017
»Ich musste sie kaputt machen«
Harbort, Stephan

»Ich musste sie kaputt machen«


ausgezeichnet

Inhalt:
Über 20 Jahre hat Joachim Georg Kroll ganz Deutschland mit seinen grausamen Morden in Atem gehalten. Stephan Harbort zeichnet seine Geschichte minutiös nach und versucht, Erklärungen auch dem Leser nahe zu bringen, warum sich ein unscheinbarer Mann derartig zu einem Monster entwickeln konnte und musste. Ein schonungsloses Psychogramm.

Meine Meinung:

Kindheitserinnerungen

Als das Buch zu mir kam und ich in diese Augen auf dem Cover sah, da bekam ich eine Gänsehaut. Diese sollte mich 384 Seiten lang nicht mehr verlassen und noch begleitet von Entsetzen und echten Erinnerungen bis zum Schluss bleiben.

Meine Intention, mich für eins der Rezensionsexemplare zu bewerben war klar. Ich verfolge die Arbeit des Autoren schon geraume Zeit und bin generell an der Aufklärung, wenn es um Serienmorde geht, sehr interessiert. Und dann habe ich schon häufiger die Erfahrung gemacht, wenn es eine Sendung im TV war, dass ich die Augen der Mörder sehen will. Sie reden hören will, warum sie etwas tun, wie sie es tun etc. Ich suche nach dem menschlichen Funken, den ich immer noch irgendwo erhoffe.

Auch hier war es so. Wo ist der Mensch, der all das getan hat. Der hauptsächlich Kinder und Frauen brutalst ermordet hat. Sich an ihnen verging.

Er war offenbar ein Suchender. Er suchte nach Erlösung, so unvorstellbar das klingen mag, aber das ist für mich die Kernaussage. Er war fehlgeleitet, schon ganz früh wurde er offenbar im Stich gelassen, auch von seinen Eltern, seinem Vater, dort erfuhr er auch nur Ablehnung...

Und schwups finde ich mich wieder, selbst analysieren zu wollen. Doch das überlasse ich besser dem Autor.

Mir bleiben beim Lesen Erinnerungsfetzen, die hoch kommen. 1976, als Kroll gefasst wurde, war ich 6 Jahre. Ich kann mich natürlich nicht mehr ganz explizit an ihn erinnern. Aber der Name und was er getan hatte, das war hier in Duisburg immer ein Thema. Und damals ganz besonders in der Zeit vor seiner Ergreifung. Da wurde hier verstärkt darauf geachtet, dass wir Kinder nie allein irgendwo rumliefen, nie allein spielten und es war ein ständig latentes Misstrauen allen Fremden gegenüber zu spüren.

Wenn ich das dann jetzt in Einklang mit dem Gelesenen bringe, dann gruselts mich besonders. Nun bin ich ja schon ein paar Tage älter, nehme das ganze bewusster wahr und bin über die ganzen Vorgänge, über das, was Kroll getan hat und wie er trotzdem so lange Zeit durch die Netze der Behörden schlüpfen konnte, mehr als schockiert! Wie nah das ganze meinem persönlichen Umfeld tatsächlich war, wird mir erst jetzt bewusst und erschreckt mich!

Der Titel ist meiner Meinung nach sehr aussagekräftig. Stephan Harbort seziert wirklich die Vorkommnisse und man ist als Leser sehr sehr nah bei allem Geschehen dabei. Für manchen vielleicht zu nah. Man muss sich von vorneherein darüber im Klaren sein, dass es sich um einen Triebtäter handelt, für den die Grenzen des „normalen“ nicht gegolten haben!

Aber es ist auch interessant, die Verstrickungen innerhalb der Ermittlungsbehörden einmal von einem Insider dargestellt zu bekommen. Gerüchte sind ja immer da, aber tatsächliches Wissen ist ja doch noch eine ganz andere Hausnummer!

Kann ich das Buch empfehlen? Sollte ich es? Ich weiß es nicht! Ich habe es verschlungen, weil ich keine rosarote Brille aufhatte und mir irgendwie klar war, dass nicht ganz so leichter Stoff auf mich zu kommt, weil ich interessiert bin an der Aufklärung solcher Fälle. Und natürlich ein Interesse an der Arbeit von Stephan Harbort besteht.

Fazit:

Die sehr fundierte Chronologie der Untaten eines deutschen Serienmörders, nichts für zarte Gemüter.

Bewertung:

5 von 5 Nilpferden

Danke an Stephan Harbort für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

© Sabine Kettschau/Niliversum

Bewertung vom 30.07.2017
After forever / After Bd.4
Todd, Anna

After forever / After Bd.4


sehr gut

Inhalt:

Das Leben geht weiter, auch wenn Tessa und Hardin sich sehr verändert haben, die Rollen oftmals vertauscht wirken. Wieder heißt es, Schicksalsschläge, Missverständnisse auszuräumen, Beeinflussungen abzuwenden... Und gerade Hardin hat viel zu verdauen. Ob Tessas Bemühungen ausreichen, oder jeder seinen eigenen Weg gehen muss, um sich selbst nicht aufzugeben, das muss sich zeigen...

Meine Meinung:

Schnelles Ende?

Was habe ich mich damit schwer getan, den letzten Band (für mich ist es das!) zu lesen. Ich kann doch so schlecht loslassen, wenn Buchfiguren sich einmal in mein Herz geschlichen haben...

Aber dann wars doch irgendwann so weit! Die schön-schlichte Gestaltung des Covers ist wieder für meine Begriffe schön gewählt und ich liebe ja diese samtene Haptik auch sehr.

Die Wendungen, Irrungen und Wirrungen, denen Tessa und Hardin wieder mal ausgesetzt sind, die Schicksalsschläge, all das ist uns ja nun auch nicht mehr unbekannt und man leidet mit. Doch muss ich sagen, dass Tessa mir manchmal doch etwas zu herzlos daher kam. Und dann, dann war ¾ des Buches gelesen und ich dachte so, wie jetzt... im Ernst?!!! Wie soll denn auf den restlichen „paar“ Seiten noch das passieren, was ich mir (und ich bin sicher, damit bin ich nicht allein!) gewünscht habe????

Ich werds nicht verraten. Nur kam mir dann alles irgendwie zu schnell. Schwups und die letzte Seite war umgeblättert und es war vorbei. Und es gab ein Gefühl, als hätte da jemand schnell schnell einen Termin einhalten müssen. Ob es wirklich so war, weiß ich nicht, aber wenn ich mir die anderen Bände anschaue und dann eben den 4. Teil, vorher detailverliebt, bis ins kleinste alles ausgereizt, alle Gefühle, alles, was man nur reinpacken kann und auf einmal finden da Sprünge statt, die Lücken hinterlassen...das kommt mir schon sehr komisch vor und sehr unausgegoren.

Deswegen bin ich mit diesem Ende auch nicht wirklich glücklich, sogar ein bisschen enttäuscht.

Klar ist für mich auch, dass diese Bände, die noch nachgeschoben wurden, ihren Weg nicht mehr in mein Regal finden werden.

Fazit:
Sehr flacher Abschluss einer bis dato tollen Liebesgeschichte.

Bewertung:

4 von 5 Nilpferden

© Sabine Kettschau/Niliversum

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.07.2017
After love / After Bd.3
Todd, Anna

After love / After Bd.3


ausgezeichnet

Inhalt:
Tessa will ihren Traum leben und nach Seattle gehen. Auch, wenn dies bedeutet, ihren gerade wiedergefundenen Vater und Hardin damit vor den Kopf zu stoßen.

Auch Hardin verändert sich, doch dieses Stück harte Arbeit kostet ihn sehr viel Kraft.

Das Paar spürt, dass ihre Beziehung nur Bestand haben kann, wenn sie beide die allzu knappe Zeit, die ihnen gemeinsam bleibt, sinnvoller nutzen, als sich zu streiten und immer wieder ihre Gefühle in Frage zu stellen.

Doch gibt es Dinge, die noch im Verborgenen schlummern. Dinge, die wieder einmal Tessa und Hardins Liebe auf eine harte Probe stellen.

Meine Meinung:

Entscheidungen

Und wieder habe ich eine dicke Schwarte von Anna Todd durchgesuchtet und kann mir immer noch nicht so recht erklären, wieso ich so gefesselt war, warum ichs immer noch nicht leid bin... Tja, irgendwas muss die Geschichte um Tessa und Hardin ja an sich haben!

Ein bisschen traurig bin ich immer an so einer Stelle wie jetzt, wo sich so viel verändert. Aber irgendwie muss sich das ganze ja mal entwickeln.

Schön zu sehen war es, dass Tessa sich ein wenig frei schwimmt, sich auf sich selbst auch mal besinnt. Das gehört ja zum Erwachsenwerden dazu und trägt zur eigenen Entwicklung gerade von jungen Frauen sehr bei! Doch das Begreifen, dass man trotzdem lieben kann, das braucht noch was. Auch bei Hardin. Der sich doch auch sehr ändert und ich mich noch frage, mag ich ihn so? Ich bin mir wirklich nicht sicher! Und irgendwo hoffe ich auch noch, dass er sich ein bisschen von einem rebellischen Wesen beibehält. Und ansonsten einfach ein wenig mehr Logik in sein Leben lässt ;-)

Fans der Reihe werden sich auch mit dem 3. Band wieder sehr wohl fühlen. Und genau wie ich mit leichter Wehmut auf den 4. Band schielen. Denn einerseits möchte man sofort weiterlesen, aber andererseits bedeutet dies, dass man dem Ende unweigerlich immer näher kommt.

Anna Todd bleibt ihrer Linie auch im 3. wieder treu, sie hat ihren Stil gut gefunden und es macht das Lesen leicht, auch wenn man so eine dicke Schwarte vor sich liegen hat.

Nun heißt es, auf in das Finale...

Fazit:
Ein aufregender, etwas nachdenklicher 3. Teil der After-Reihe, in bewährter Manier für Fans, oder solche, die es noch werden wollen.

Bewertung:

5 von 5 Nilpferden

Danke an Heyne für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!