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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Conny
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Bewertungen

Insgesamt 42 Bewertungen
Bewertung vom 11.10.2021
Mein Darm ist kein Arsch
Stehler, Philipp

Mein Darm ist kein Arsch


sehr gut

Ich gebe zu, ich hatte aufgrund der Aufmachung eine Erwartungshaltung, die das Buch nicht erfüllt hat und erfüllen konnte, denn rein optisch hat es mich an "Darm mit Charme" von Giulia Enders und "Hautnah" von Dr. Yael Adler erinnert und etwas ähnliches hatte ich erwartet zu lesen.
Aber bei "Mein Darm ist kein Arsch" handelt es sich nicht um eine reines Sachbuch, sondern um die Biografie von Philipp Stehler mit Schwerpunkt auf seine Erkrankung an Colitis Ulcerosa. Und auch das würde den Nagel nicht auf den Kopf treffen, denn das Buch ist durchsetzt von reinen Fachbeiträgen, die von dem nicht auf dem Cover genannten Prof. Dr. Martin Storr verfasst wurden und dem Ganzen medizinische Sachlichkeit verpassen.

Nichtsdestotrotz war das Buch mit seinen 222 Seiten schnell verschlungen, denn der Leidensbericht und der Weg zur Diagnose und Genesung war sehr interessant zu lesen und genauso holistisch wie Herr Stehler seine Gesundheit nun sieht, so war auch der Ansatz für die Umsetzung des Buchs:
es ist persönlich, sachlich, enthält Bilder und sogar eine Sektion, die glutenfreien Rezepten gewidmet ist.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 25.09.2021
Betongold
Weber, Tanja

Betongold


sehr gut

Zugegeben, der schwere Einstieg hat mich zunehmend skeptisch gemacht. "Betongold" ist ein schmaler Krimi mit gerade einmal 238 Seiten. Jede Seite zählt und der Protagonist "Smokey" und seine komplett bespitznamte Truppe von Freunden und Bekannten schien nicht gerade zugänglich.
Mit fortschreitender Seitenzahl und zunehmender Information rund um den Tod/Mord?/Suizid? von Smokeys Freund Schani, wurde auch das Geflecht aus persönlichen Verhältnissen und Motiven interessanter.

"Betongold" will ganz viel: ein spannender Krimi sein, eine persönliche Geschichte erzählen um einen liebenswerten von Morbus Bechterew gebeutelten Protagonisten, ein Bild von München malen und gesellschaftskritische Punkte ansprechen. Einige Punkte glücken mehr als andere. Auf so einer begrenzten Seitenzahl, muss man schließlich haushalten und Prioritäten setzen.

Ich fand das Buch unterhaltsam. Klar, hätte man in vielen Dingen in die Tiefe gehen können, aber ein solider, transportabler, hardcover Krimi, hat bei mir allein aufgrund der Aufmachung schon einen Pluspunkt.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.09.2021
Harlem Shuffle
Whitehead, Colson

Harlem Shuffle


sehr gut

Ray Carney ist keine Gangster, wie man ihn aus zahlreichen Büchern und Filmen kennt. Er würde nicht einmal zum stereotypischen Kleingangster taugen (diesen Part übernimmt sein Cousin, Freddie).
Trotzdem hängt unser Protagonist ganz tief drin in den Machenschaften von Harlem: dem Schutzgeld an Polizei, Kriminelle, Geschäftspartner, dem Pläne schmieden, dem Strippenziehen. Aber er bewahrt sich vermeintlich seine ehrliche Haut, seine heile Familie und sein aufstrebendes Möbelgeschäft (zu dem er nicht so ganz aus eigener Kraft kam, wie er es sich gern einreden würde).

Ray Carney ist ein interessanter Charakter, der schlüssig handelt, seine moralischen Vorstellungen von Recht und Unrecht hat und seine entsprechende Logik bzw. Logikfehler.

Ein gutes Buch, wenn auch ich gestehen muss, dass mir der Einstieg schwer fiel; Harlem wollte sich nicht richtig "echt" für mich anfühlen und zu den Charakteren habe ich auch keinen richtigen Draht gefunden.

Ich gebe aber zu, dass nach dem Hype von Whiteheads "Nickel Boys" vielleicht eine zu große Erwartungshaltung aufgebaut wurde, der dieses Buch einfach nicht gerecht geworden ist.

Bewertung vom 16.07.2021
Raumfahrer
Rietzschel, Lukas

Raumfahrer


gut

Nachkriegszeit - Nach-Wende-Zeit - prägende Jahre für Eltern- und Großelterngenerationen. Den Kindern nach der Wende fehlt häufig der Bezug, das Verständnis. Oft wird vermieden im Detail darüber zu sprechen. Als 1987-geborene geht es mir da nicht anders: für mich besteht die DDR-Zeit aus Floskeln und einer verklärten (N)Ostalgie.

Der Protagonist Jan wird durch einen Bekannten gezwungen sich mit der Geschichte seiner Eltern auseinanderzusetzen. Er will nicht, aber es lässt ihm doch keine Ruhe: Fragmente aus seiner Vergangenheit und der des Bekannten setzen "Raumfahrer" zusammen und bilden ein merkwürdiges Konstrukt aus Realität und Fiktion.

Leider bin ich mit der Lektüre nicht ganz warm geworden: komisch eigentlich, denn als Sächsin haben mich die tristen Beschreibungen der Neubaublöcke heimisch fühlen lassen. Letztlich war für mich aber der Schreibstil zu kühl, die Geschichte zu fern/abstrus und die Charaktere zu vielzählig, dadurch flach und klischeehaft.

Bewertung vom 26.04.2021
Die Geschichte von Kat und Easy
Pásztor, Susann

Die Geschichte von Kat und Easy


ausgezeichnet

"Die Geschichte von Kat und Easy" erzählt von einer Freundschaft, die sowohl innig, als auch distanziert ist:
Es ist das Jahr 1973. Ein aufregendes Jahr und DAS Jahr ihrer Freundschaft, denn danach gehen beide getrennte Wege, denken sporadisch an die andere, aber erst mit über 60 Jahren fühlen sich beide wieder bereit alte Wunden aufzureißen, die durch das Fehlen von bestimmten Einblicken nie so ganz heilen konnten.

Beleuchtet wird das Ganze -sowohl damals, als auch heute- von Kat, die sich vermeintlich immer gut hinter ihrer Coolness verstecken konnte, und nie ganz von dieser Macke abrücken konnte. Die Kapitel springen abwechselnd zwischen den entscheidenden Jahrzehnten sowie zwischen einem Leserbrief, der Allem eine weitere rationalere Dimension gibt.

Für mich ein absolut lesenswertes Buch, das mich an einige meiner Freundschaften zurückdenken lässt, denn in vielen Belangen hat man seine "aller beste beste Freundin" damals auch nicht immer alles wissen lassen wollen. Bestimmte Geheimnisse blieben geheim.
Im Fall von Kat und Easy werden diese aber endlich zur Sprache gebracht und lassen hoffen, dass diese einzigartige Freundschaft sich doch irgendwie wiederbeleben lässt.

Bewertung vom 21.04.2021
Hauskonzert (eBook, ePUB)
Levit, Igor; Zinnecker, Florian

Hauskonzert (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Rein theoretisch sollte dieses Buch nicht funktionieren, denn es handelt sich um einedie nichtlinear erzählte Biografie eines gerademal 34-jährigen Musikers, der sich laut eigenen Angaben nicht einmal großartig an seine Kindheit erinnert.
Klingt nach einer absoluten Schnappsidee, ist es aber komischerweise nicht, denn irgendwie schaffte es Florian Zinnecker, das Alles, was unmöglich zusammen passen kann, in eine runde Sache zu verwandeln.
Nicht einmal der Musikjargon und die vermeindlich zum Standardrepertoire gehörenden Musikstücke stören den Lesefluss.

Das Buch ist nicht unterteilt in Kapitel, dafür aber in viele Paragrafen. Es erzählt formlos mit leichtem Tagebuchcharakter von Zeit des Autors mit Igor Levit. Das gerade Erlebte wird verwoben mit dem was mal war, dem was noch kommt (oder coronabedingt auch nicht kommt), mit direkter Rede, mit Erinnerungen, die nicht nur vom Musiker stammen, sondern auch von Familie, Freunden und Kollegen.

Fazit: Auch für absolute Musikbanausen, nein vor Allem für sie, ist "Hauskonzert" ein tolles Buch, denn es gibt einen umfassenden Einblick in den Lebenslauf eines musikalischen Ausnahmetalents.

Bewertung vom 12.04.2021
Der Schneeleopard
Tesson, Sylvain

Der Schneeleopard


weniger gut

Ich hatte erwartet von einer Reise zu lesen, die den Leser mitnimmt in die Natur. Eine Reise in der vor allem die Stille und das Lauern die Seiten füllen und den man sich fühlt, als wäre man genau da, wo die kleine Expedition von 4 Personen auch ist. Ganz weit weg von der Zivilisation und in der Ungewissheit ob sich die Reise überhaupt "lohnen" würde.

Was sich leider auf den Seiten findet ist Pseudo-Poesie und der Versuch jede aufkommende Stille mit Gedankenfetzen und vermeintlich lehrreichen Religions- und Philosophieansätzen zu füllen. Alles wirkt oberflächlich.
Auf schlappen 187 Seiten tobt sich Sylvain Tesson, aber genau auf diese Art aus und kommt mir dabei eher wie ein gescheiterter Poetryslammer mit einem ungerechtfertigt großem Ego vor, der nun endlich sein Publikum gefunden hat. Seine Weggefährten antworten auf seine "geistreichen" Naturbeobachtungen (Zitat "Wildesel: die Würde der Unverstandenen") wenig bis gar nicht und für mich liest es sich so, als hätte nach 2 Tagen auch der Geduldigste unter ihnen sich gewünscht Herrn Tesson nicht mitgenommen zu haben.

Das Buch taugt leider maximal als extrem kurzweiliges Logbuch, in dem Gedanken und Eindrücke festgehalten und "veredelt" wurden.
Weder der Schneeleopard, noch die Reise stehen im Mittelpunkt, da der Autor diesen Platz für sich beansprucht.
Schade.

Trotzdem Sterne für die tolle Aufmachung und Gestaltung des Buchs.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 22.03.2021
Sieben Quadratmeter Glück
Hahnfeldt, Marion

Sieben Quadratmeter Glück


sehr gut

"Sieben Quadratmeter Glück" wird keinem passioniertem Camper etwas Neues sagen, ABER ich denke die Zielgruppe dieses Buches sind eher Menschen, die sich bisher noch nie getraut haben im mobilen Heim unterwegs zu sein.

Für Unbedarfte (und dazu zähle ich ganz klar) ist dieses 203 Seiten starke Bücklein ein perfektes kleines Handbuch, das so ziemlich alles was mir Sorgen bereiten würde, abdeckt.
Das Emotionale (mit wenig auskommen, improvisieren, gewohnte Standards hinter sich lassen, mit Wetter leben,..) wird im Tagebuchteil sehr gut eingefangen. Die Autorin lässt hier auch nicht die schlechten Seiten des Dauercampens aus, schafft es aber auch es wieder verlockend darzustellen. Dabei helfen auch viele Fotos und Fotostrecken im Buch.
Das Praktische (Rezepte, Ausrüstung,...), Organisatorische und Rechtliche wird in kurzen Kapiteln, die sehr leicht zu überfliegen sind dargestellt und ist so perfekt zum Nachschlagen.
Zusätzlich gibt es zum Schluss noch einen Teil, in dem andere Menschen ihre Wohnmobile und Tinyhouses vorstellen und wie sie dazu gekommen sind.

Grundsätzlich also ein tolles, ganzheitliches Buch für Erstbewohner von "reduzierten Wohnräumlichkeiten", das sicher vielen helfen kann diese Art zu Wohnen überhaupt einmal auszuprobieren.

Bewertung vom 22.03.2021
Nächstes Jahr in Berlin
Seeberger, Astrid

Nächstes Jahr in Berlin


ausgezeichnet

"Autobiografisch inspieriert" heißt es im Klappentext und nach der Lektüre kommt man als Leser nicht umhin sich zu fragen wieviel hier überhaupt "inspieriert" werden musste, denn jede Interaktion mit Familienmitgliedern der Gegenwart und der Vergangenheit fühlt sich einfach wahrhaftig an.
Astrid Seeberger schafft es außerdem ihre Famliengeschichte derart lebendig in Kapiteln zu verpacken, dass das Ende des Buches sich eher Anfühlt wie das Ende eine zweiteiligen Thrillers.
Man will wissen, wie es weitergeht. Wissen was in der Familiengeschichte noch unbeantwortet geblieben ist. Wissen ob die Suche nach Antworten vom Erfolg gekrönt sein wird oder letztlich manche Erinnerungen für immer mit den letzten Angehörigen verschwinden.

Absolut empfehlenswert: wer einmal vergisst, dass das Cover ein wenig generisch daher kommt, der wird auf 250 Seiten mit einer spannenden Geschichte belohnt.

Bewertung vom 09.02.2021
Unter Wasser Nacht
Hauff, Kristina

Unter Wasser Nacht


ausgezeichnet

286 Seiten, die wie im Flug vergehen: Sophie und Thies haben ihren Sohn verloren und sind im Begriff sich gegenseitig auch noch zu verlieren.
Die Kapitel springen von einem Protagonist zum nächsten und versetzen den Leser so direkt in das jeweilige Gefühlschaos.
Anfangs hatte ich auf Grund des sehr ruhig anmutenden Covers angenommen, dass dies schlichtweg die Geschichte von Trauernden sein wird, die nun ihr Leben neu navigieren müssen, aber weit gefehlt: denn wie es genau zum Tod ihres Sohnes kam, ist ein großes Geheimnis.
Und dieses Geheimnis betrifft nicht nur die Eltern, sondern auch ihre engsten Freunde, deren Kinder und auch eine fremde Frau, die mit offenen Armen empfangen wird.

Das Buch ist toll geschrieben, kurzweilig, spannend, emotional, mit glaubhaften Charakteren bestückt, kurzum: das perfekte Buch für zwischendurch.