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Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
Conny
Wohnort: 
Annaberg
Buchflüsterer: 

Bewertungen

Insgesamt 62 Bewertungen
Bewertung vom 31.01.2023
Willodeen - Das Mädchen und der Wald der verschwundenen Tiere
Applegate, Katherine

Willodeen - Das Mädchen und der Wald der verschwundenen Tiere


ausgezeichnet

Rein optisch scheint "Willodeen" sehr fantastisch: direkt auf dem wunderschönen Cover verbergen sich gleich zwei Tiere, die man im Verlauf des Buchs noch sehr genau kennen lernen wird: die schrecklich stinkigen Kreischer und die putzigen kleinen Summbärchen.
Auf gerade mal 229 Seiten, lernt man viel über diese wundersamen Wesen, und ihre Beziehung zu einander und den Menschen. Vieles ist frustrierend, vieles ist nachvollziehbar, aber vor allem fällt es schwer nicht die Paralellen zur realen Welt zu sehen.

Sorgt wunderbar für Gesprächsstoff.

Bewertung vom 01.11.2022
Du kannst alles lassen, du musst es nur wollen
Sträter, Torsten

Du kannst alles lassen, du musst es nur wollen


ausgezeichnet

Ich bin mal so frech und nehme an, dass alle, die sich für dieses Buch interessieren, zumindest so ein klitze kleines bisschen Fan des Humors von Torsten Sträter sind und kann somit gleich hier und jetzt eine Kaufempfehlung aussprechen.

Das Buch trotzt in seinen kurzweiligen Kapiteln nur so davon und gibt einem direktes Kopfkino, oder besser noch Kopf-Stand-up-Comedy. Die Stimme des Autors hallt von jeder Seite und merkwürdigerweise tun das auch seine wohlplatzierten Pausen. Keine Ahnung wie er das hinbekommen hat.

Mal von dem abgesehen, was man sich erhofft und tatsächlich bekommt, gibt es auch ein paar neue Seiten an Herrn Sträter zu entdecken, die mir persönlich mehr Mut machen als 95% der Selbsthilfebücher, die ich bisher so gelesen habe. Absurde Comedy wirkt scheinbar noch besser, wenn man weiß, dass es auch eine Zeit im Leben des Autors gab, in der es einfach absolut nichts zu lachen gab.

Bewertung vom 17.10.2022
Wilde Stadt
Schmidt, Paul;Schmidt-Luchmann, Anne

Wilde Stadt


sehr gut

"Wilde Stadt" ist nicht nur ein interessantes Kochbuch, sondern auch ein gutes Sachbuch. Es leistet enorme Überzeugungsarbeit, vor allem Städter dazu zu bewegen, Wildkräutern im näheren Umfeld eine Chance zu geben auf dem Mittagstisch zu landen.
Zu vielem Wissenswertem, kommen wahnsinnig tolle Fotografien und Verarbeitungsmöglichkeiten. Mir persönlich hat auch die Einteilung in Jahreszeiten gefallen und generell wurde mein Blick nach dem Lesen sehr viel Aufmerksamer was Grünflächen und Wildwuchs in meinem näheren Umfeld angeht.

Einen Stern muss ich allerdings abziehen: so schön und passend das matte und "Ökopapier"-Cover ist, so unpraktisch ist es für eine Handhabung während des Kochens bzw Vorbereitens. Ein Schmutzumschlag wäre super gewesen.

Bewertung vom 17.10.2022
Ein Alman feiert selten allein
Atmaca, Aylin

Ein Alman feiert selten allein


ausgezeichnet

Ein bisschen lahm ist der "Alman"-Gag ja mittlerweile, aber Aylin Atmaca schafft es, nicht in die längst bekannten Klischees zu verfallen. Vielmehr hat sie sich auf ihr erstes Weihnachtsfest (mit der Schwiegerfamilie in spe) konzentriert.
Das klingt übersichtlich, birgt aber sehr viel Raum für Spannungen: zum einen ist man sich als "Fremder" ja der Abläufe nicht bewusst, zum anderen bekommen Familienfeiern immer eine Eigendynamik, die keiner Logik entspricht. So werden nicht nur die Bräuche zum Knackpunkt, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen.

Klar, wird hier überspitzt dargestellt (unterhaltsam soll es ja sein und wir "normalen Almans" fühlen uns gleich etwas besser mit dem Gedanken, dass es da draußen noch "deutschere"/beklopptere Abläufe gibt), aber ich konnte mich durchaus in einigen Aspekten wieder erkennen und habe mich auch über meine eigenen Weihnachtsfimmel amüsiert.

Kurzum: kurzweiliger, toller Mix aus Comedy, Autobiografie und Soziokultureller Studie.

Bewertung vom 17.10.2022
Sanfte Einführung ins Chaos
Orriols, Marta

Sanfte Einführung ins Chaos


ausgezeichnet

Ein Paar lebt einträchtig zusammen, die Frau wird schwanger und entscheidet das Kind nicht zu behalten.
... mehr braucht es nicht um zwei Welten komplett zu erschüttern. Marta Orriols schreibt eindrucksvoll über die Sichtweisen von Mann und Frau und deren Anteil und Teilhabe an einem Kind.
Denn es ist schwierig 100% hinter einer Entscheidung zu stehen, egal wie sie ausfällt: die Konsequenzen daraus kommen, ob man will oder nicht.
Und auch wenn sich ein kinderloses Paar dazu entscheidet ein Kind abteiben zu lassen, sich also von außen betrachtet absolut nichts ändert, verändert das doch eine Beziehung von grundauf und kleine Echos von "was wäre gewesen wenn" hallen in den Köpfen der Protagonisten wieder.

Zwischen Fassungslosigkeit, Hoffnung, Erkenntnis und Ernüchterung wird man als Leser von der "sanften Entführung ins Chaos" gebeutelt und schlägt sich mal auf die eine, mal auf die andere Seite, ohne je wirklich Partei ergreifen zu können.

Bewertung vom 17.10.2022
Intimitäten (eBook, ePUB)
Kitamura, Katie

Intimitäten (eBook, ePUB)


sehr gut

Mit "jemandem intim sein", oder "Intimitäten austauschen" - für mich war das in der Regel sexuell behaftet. Durch den Roman von Katie Kitamura, wird mir aber klar, wie weitgefasst der Begriff sein kann.
In ihrem Buch findet Intimität auf vielen Ebenen statt. Bei der Protagonistin werden durch ihren Job als Dolmetscherin Beziehungen zu Kollegen und Klienten zur Intimität, als Freundin sind es die Verbindungen zu vermeintlich Gleichgesinnten, als Partnerin werden durch die (fehlenden) Bekenntnisse romantische Beziehungen in Frage gestellt.
Dabei wird sowohl körperliche, als auch sprachliche Intimität geschaffen, die nicht immer eindeutig zuordenbar ist und somit für viel Gefühls- und Gedankenchaos sorgt.
Das zu navigieren und zu sortieren - den anderen gerecht zu werden mit denen man "intim" geworden ist, sich dabei aber selbst treu zu bleiben- das versucht Kitamura zu ergründen.

Gute Lektüre, wenn auch die Protagonistin sich etwas wehrt "intim" mit dem Leser zu werden.

Bewertung vom 17.10.2022
Anleitung ein anderer zu werden
Louis, Édouard

Anleitung ein anderer zu werden


sehr gut

Edouard Luis ist ein kontroverser Autor, soviel steht nach dem Lesen fest.

In diesem autobiografischem Roman, kommt er nicht gut weg und das weiß er. Vielmehr versucht er zu rechtfertigen und zu erklären, warum ihm Unsympathien zufliegen.

"Anleitung ein anderer zu werden" beschreibt sein nicht enden wollendes Streben nach einem anderen Leben. Er lernt jemanden kennen, verliebt sich in dessen Leben und Persönlichkeit und versucht mit aller macht durch Imitation, Bücherwissen und Hartnäckigkeit, genauso zu werden.
Das amerikanische "Fake it till you make it" schreibt er sich dabei auf die Fahne und nimmt in Kauf extrem unauthentisch, und sogar dumm rüberzukommen, wenn er vorgibt weltmännischer oder wissender zu sein, als das der Fall ist.

Sicherlich sorgen seine Ausführungen über seine Kindheit und das Millieu in dem er aufgewachsen ist, für ein Maß an Verständnis für sein Streben, allerdings ändert auch das nichts an dem Fakt, dass während des Lesens klar wird, dass der Autor sich immernoch in diesem Prozess befindet (immer etwas besser, etwas reicher, etwas angesehener) und das allem Anschein nach immer sein wird.

Leider findet sich nirgends ein Anhaltspunkt nach den wahren Interessen und Motivationen von Edouard. Am Ende tat er mir fast Leid: gefeierter Autor, gefangen in einem Hamsterrad und nie wirklich und wahrhaftig glücklich, weil er immer jemanden kennen lernen wird, dessen Leben er für erstrebenswerter hält.

In dem Sinne bin ich wirklich beeindruckt von der Ehrlichkeit des Autors, die ganz klare Charakterschwächen aufzeigt, die nie genannt werden, aber von jeder Seite springen.

Bewertung vom 17.10.2022
Das Zuhause
Coccia, Emanuele

Das Zuhause


schlecht

"[Zuhause] ist eine panpsychistische Maschine der universellen Anregung, ein Mechanismus, der offenbart, dass sich in allem ein Ich verbirgt, der Raum eines unabsichtlichen Animismus."

Na? Neugierig geworden? Nein? Ich wäre es auch nicht. Leider täuscht das wundervolle Cover über den mäßigen Inhalt hinweg, den ich nur so beschreiben kann: 154 Seiten, die nicht wissen ob sie eine übereifrige Bachelorarbeit sein wollen oder eine Autobiografie, die dem Autor bei der Bewältigung diverser Trauma helfen sollen.
Emanuele Coccia verliert sich in einer Welt zwischen persönlichem Sinnieren und dem Erschließen des "Zuhauses" für die Allgemeinheit. Leider gelingt ihm das überhaupt nicht. Schon allein sprachlich hätte ein Lektor Einhalt gebieten müssen und ihn fragen sollen, ob dies eine wissenschaftliche Abhandlung für Kollegen sein soll (mit entsprechend beeindruckendem Vokabular, versteht sich) oder ob er damit Denkabstöße an die Allgemeinheit geben möchte, die Sichweisen vieler ändern kann.

Herr Coccia gaukelt gern allgemeine Gültigkeit seiner Ansichten zu Themen des "Heims" (z.B. Umzüge, Schränke, Zwillinge, Wälder & Gärten, - kein Witz, das und viel mehr macht das Inhaltsverzeichnis aus) vor, allerdings verbergen sich sehr persönliche und wenig übertragbare Gedankengänge hinter den einzelnen Abschnitten.

Noch dazu lesen sich diese wenigen Seiten, als wären es zehn mal so viele. Wer sich für ein wirklich gutes Buch zum Thema interessiert, dem kann ich Bill Brysons "Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge" empfehlen. Dabei handelt es sich zwar um 640 Seiten, aber ich verspreche, die sind schneller gelesen und um einiges interessanter als "Zuhause".

Bewertung vom 06.09.2022
Holly im Himmel
Lewinsky, Micha;Grimm, Lawrence

Holly im Himmel


ausgezeichnet

Tot, aber nicht ohne neue "Lebensziele". So kann man die kleine Holly beschreiben, die sich nach einem Unfall in der Zwischenwelt befindet und versucht mit Hilfe einer neuen Freundin ein Engel zu werden um Besuchsrecht für die Erde zu behalten.

Der Weg dahin, ist natürlich nicht einfach (Himmelsbürokratie scheint sehr ähnlich der auf deutschen Ämtern), und Holly muss viele Hindernisse überwinden und Konflikte lösen um ihrem Ziel näher zu kommen.
Die ganze Action macht das Buch sehr kurzweilig und man wird stark von den durchaus traurigen Aspekten abgelenkt, die aber immer im Hintergrund mitschwingen und nachdenklich machen.

Auf jeden Fall würde ich nach Beenden des Buchs, gerne eine Gespräch führen, wie das individuelle Himmelsreich aussehen würde? Ob man bewusst noch Kontakt zur Erde suchen würde? Ob man dieser unnötig komplizierten Bürokratie nicht einmal im Jenseits entkommen kann?

Fragen über Fragen, die zum Philosophieren anregen.

Bewertung vom 24.08.2022
Tea Leaf Reading: A Divination Guide for the Bottom of Your Cup
Fairchild, Dennis

Tea Leaf Reading: A Divination Guide for the Bottom of Your Cup


ausgezeichnet

Auf 7x8cm erstaunlich umfassend, informativ und wunderschön illustriert - für eine kleine Einführung braucht es nicht mehr.