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Benutzername: Jules
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Bewertungen

Insgesamt 7 Bewertungen
Bewertung vom 07.09.2020
Das Spiel - Es geht um Dein Leben / Björk und Brand Bd.1
Beck, Jan

Das Spiel - Es geht um Dein Leben / Björk und Brand Bd.1


sehr gut

Spannend und unerwartet anders!

Nachdem ich die ersten 50 Seiten gelesen hatte, musste ich das Buch zunächst einmal zur Seite legen. Der Auftakt war heftig und man konnte nur erahnen, wo die Reise hingeht. Danach habe ich das Buch zunächst vier Wochen nicht mehr angerührt, um es anschließend innerhalb von zwei Tagen durchzulesen.

Das Buch ist flüssig geschrieben und lädt an jeder Stelle zum Weiterlesen ein. Ich habe lediglich ein paar Sätze übersprungen, wenn es um die persönliche Leidensgeschichte des Journalisten Peter Krakauer ging.

Zu Beginn hatte ich Hoffnung auf ein charismatisches Ermittlerduo. Mit jedem Kapitel um Christian Brand und Inga Björk hatte ich gehofft, dass eine neue Seite der beiden zum Vorschein kommt. Doch von Vielschichtigkeit kann man bei den Charakteren kaum reden. Bis zum Ende bleiben beide doch sehr blasse distanzierte Gestalten, die kaum ein Leser ins Herz geschlossen haben dürfte. Sie haben nichts vom Format des charakterstarken Leipziger Ermittlerduos Hanna Seiler und Milo Novic aus „Eisige Tage“. Insgesamt sind alle Charaktere von einer kühlen Distanz und gewissen Brutalität gezeichnet. Als Leserin hätte ich gerne mehr über Silas erfahren. Er ist wohl auch der einzige Charakter, der Wärme in sich trägt.

Die Kapitel haben insgesamt eine sehr angenehme Länge. Wenn man einmal in die Geschichte eingestiegen ist, kann man das Buch kaum weglegen.

Auch wenn das Ermittlerduo noch etwas blass erscheint, bin ich gespannt welche Fälle Björk und Brand noch gemeinsam erleben werden. Womöglich erhalten sie über die Zeit noch mehr Konturen.

Insgesamt kann ich das Buch empfehlen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 25.03.2020
Was wir sind
Hope, Anna

Was wir sind


ausgezeichnet

Bitte mehr davon!
Ich habe das Buch innerhalb von drei Tagen gelesen und werde es erneut lesen. Kein Satz ist überflüssig und jedes Wort erscheint wohlüberlegt. Selten habe ich ein Buch so sehr gefühlt. Ich werde definitiv auch die anderen Bücher der Autorin lesen. Anna Hope beweist ein hohes Maß an Sensibilität und emotionaler Intelligenz. Ich wünsche ihr, dass dieser Roman eine große Leserschaft findet.

Anna Hope erzählt durch Lissa, Cate und Hannah die Geschichte so vieler Frauen. Geschichten wie wir sie aus Erzählungen unserer Freundinnen kennen, wie wir sie von unseren Müttern und Großmüttern erzählt bekommen haben und wie wir sie vielleicht selbst gerade erleben oder erleben werden. Es ist die Erzählung von Freundschaften und Liebe, und der Erkenntnis, dass man gewisse Wege allein gehen muss. Doch egal wie tief die Wunden sind, eine Gewissheit bleibt. Man entwickelt sich und die Wunden werden verheilen.

Der Leserin wird vor Augen geführt, was sie selbst zu gut kennt: Verletzlichkeit ausgelöst durch Selbstzweifel und die Angst davor, sich diese einzugestehen. Dabei erscheint es egal, wie erfolgreich man in anderen Lebensbereichen ist. Am Ende vergleicht und hinterfragt man sich und hat immer das Gefühl, dass es nicht reicht. Warum ist man selbst weniger erfolgreich? Wann sind die anderen so spießig geworden oder hat man selbst einfach nur den Absprung verpasst und lebt in der Vergangenheit? Warum kann scheinbar jeder ein Kind bekommen nur ich nicht. Bin ich als Mutter gut genug? Liebt mich mein Partner? Versteht jemand, was ich gerade durchmache?

Auch wenn das Buch im Kern die Entwicklung von drei Frauen erzählt, würde ich mich dennoch freuen, wenn es von Männern gelesen wird.

Es war ein großes Vergnügen dieses Buch zu lesen und kam für mich genau zur richtigen Zeit. Ich hoffe, dass Anna Hope bereits am nächsten Roman arbeitet.

(Nebenbei bemerkt, finde ich es großartig, dass der Hanser Verlag auf eine Plastikfolie verzichtet und mit dem Hashtag #ohnefolie darauf verweist, wie wichtig ein Umdenken ist.)

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.11.2019
Das Haifischhaus
Barth, Rüdiger

Das Haifischhaus


sehr gut

Als ich das erste Mal zum Buch "Das Haifisch Haus" gegriffen habe, war ich skeptisch. Der Titel klang wie ein Thriller, doch dabei zeigte das Cover einen Tenniscourt. Ich war skeptisch und neugierig zugleich. Doch nachdem ich "Eisige Tage" von Alex Pohl verschlungen hatte, habe ich mir vorgenommen wieder mehr deutsche Autoren zu lesen.

Zunächst war es schwierig mich in das Buch einzufinden. Die Idee ein Buch über einen ehemaligen Profisportler zu lesen, erschien mir nicht ganz so reizvoll. Doch ohne es zu merken, befindet man sich bereits in der Geschichte und kann nicht aufhören zu lesen. Ex-Tennisprofi Toto Berger will es nochmal wissen und kämpft sich zurück auf den Tennisplatz, um ein letztes Mal gegen seinen größten Rivalen zu kämpfen/spielen. Es ist eine Geschichte, die der Zuschauer schon so häufig von außen betrachtet hat. Ein Ex-Sportprofi in einer Fernsehshow oder auch weit weg von seiner alten Form aufgedunsen am Strand. Das Buch zeigt den einsamen Weg eines Profisportlers und dessen innere Kämpfe, die dieser nur mit sich selbst austragen kann.

Doch man gewinnt nicht nur Einblicke in die Entwicklung Toto Bergers. Denn auch wenn seine Wegbegleiter scheinbar nur um ihn kreisen, machen auch diese eine Entwicklung durch. Das ist der eigentliche Punkt, der diesen Roman für mich spannend gemacht hat. Rüdiger Barth hat alle möglichen privaten Verstrickungen und auch Schicksalsschläge einfließen lassen: ehemalige Wegbegleiter/innen, den Trainer und den Sohn.

All diese Charaktere machen es zu einer richtig guten Geschichte. Es ist bestimmt kein Buch, was man mehrfach liest. Aber es ist ein Buch, das man gerne empfiehlt. Wer Einzelsportler privat kennt, die in ihrer Karriere einen gewissen Erfolg verzeichnen konnten, wird einige Wesenszüge dieser Personen in Toto Berger wiederentdecken.

Zu der absolut lesbaren Geschichte kommt der Schreibstil hinzu. Fast jedes Wort scheint einer Kontrolle unterzogen worden zu sein. Es gibt kaum überflüssige Worte und man hat nicht den Anschein, dass der Inhalt künstlich aufgebläht worden ist. Es wird gerade so viel gesagt, um die Spannung zu halten und die Geschichte voran zu bringen.

Nur das Ende erschien mir etwas unrund. Aber ich hätte auch keinen besseren Vorschlag für ein alternatives Ende.

Bewertung vom 02.07.2019
Das Haus der Verlassenen
Gunnis, Emily

Das Haus der Verlassenen


ausgezeichnet

"Das Haus der Verlassenen" ist das Buch, dass mich dieses Jahr bisher am intensivsten gefesselt hat.

Fast jeder Absatz wirkt vollständig durchdacht und enthält die richtige Menge an Informationen, die zum Weiterlesen anregt, ohne zu viel zu verraten. Man überliest die Seiten nicht grob weil die Geschichte womöglich langweilig ist. Der lebendige und mitreißende Schreibstil haben mich gefesselt und ich habe das Buch bereits mehrfach weiter empfohlen.

Die Geschichte, um Ivy, Kitty und Sam ist nicht einfach nur eine Suche nach der eigenen Familienhistorie, sonder thematisch weitaus umfassender. Es ist ein - wenn auch fiktiver - Einblick in die Mutter-Kind-Heime des vergangenen Jahrhunderts, die Macht geistiger Würdenträger, die Ehrfurcht vor deren Stellung, die Angst durch soziale Zwänge und die geringe Bedeutung von Frauen. Emily Gunnis erzählt die Geschichte starker Frauen, die auf sich allein gestellt sind. Es gibt keine dramatischen romantischen Wendung. Genau das macht das Buch so wertvoll.

Emily Gunnis erzählt die Geschichte auf mehreren zeitlichen und persönlichen Ebenen und schafft es dennoch, dass der Leser nicht den Überblick verliert. Es ist spannend, einfühlsam und mitreißend geschrieben. Bis fast zum Schluss ist nie die ganze Handlung eindeutig. Autoren, die es vermögen ein solches literarisches Puzzle zu konstruieren, findet man selten.

Neben der fesselnden Geschichte und dem harmonischen Schreibstil muss ich positiv anmerken, dass Emily Gunnis am Ende auch die Quellen ihrer Recherche aufgeführt hat und somit den Leser dazu anregt, sich weiter über das Thema zu informieren.

Ich kann das Buch optisch und inhaltlich absolut empfehlen und werde es vermutlich selbst noch mehrfach an Freunde verschenken.

Bewertung vom 01.03.2019
Eisige Tage / Seiler und Novic Bd.1
Pohl, Alex

Eisige Tage / Seiler und Novic Bd.1


ausgezeichnet

Ich weiß nicht, wann ich den letzten Krimi gelesen habe, der mich so gefesselt hat. Insgesamt liest sich das Buch an einem Stück weg. Die Beschreibungen haben genau das richtige Maß. Davon möchte ich unbedingt mehr lesen.

Ich war zunächst skeptisch und habe das Buch ein paar Tage liegen lassen und bin jedes Mal daran vorbei geschlichen. Eines verregneten abends packte es mich und ich wurde sofort in die Geschichte gesogen. Eine Geschichte im Milieu der organisierten Kriminalität um Geld sowie Macht und den damit verbundenen Träumen und Hoffnungen. Mittendrin die Ermittler Milo Novic und Hanna Seiler, die einen Mord an einem russisch stämmigen Anwalt aufklären wollen und auf noch viel mehr stoßen.

Eine Geschichte um die traurige Vergangenheit und die brutale Gegenwart bei der jeder Protagonist mit seinen eigenen Geistern zu kämpfen hat. Aus Fragmenten ergeben sich Bilder. Die Teile fügen sich nach und nach zusammen und bleiben doch diffus. Der Fall wird zwar gelöst, doch es bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Ich hoffe auf eine baldige Fortsetzung.

Bewertung vom 16.11.2018
Escape Room - Nur drei Stunden
McGeorge, Chris

Escape Room - Nur drei Stunden


gut

Ein schöner Zeitvertreib

Optisch hat mich das Buch sofort angesprochen. Das Cover ist monochrom schlicht und spielt mit der Tiefe. Erst am Ende fügt es sich vollständig in das Gesamtbild der Handlung. Der Titel und der Untertitel verraten bereits die grobe Konstruktion - Es gibt nur drei Stunden, um aus dem Raum zu entkommen. Doch der Protagonist - Morgan Sheppard - ist nicht allein. Es gibt 5 verdächtige und eine Leiche. Morgan muss innerhalb von drei Stunden herausfinden wer der Mörder ist, sonst sterben alle.

Protagonist und weitere Charaktere:
Die Rolle des Morgan Shepard ist ganz gut ausgearbeitet. Jedoch bleibt er über weite Passagen sehr eindimensional. Das lässt ihn konstruiert und farblos wirken. Man verfolgt sein Handeln, doch man leidet nicht mit ihm oder fiebert mit. Das Schicksal der Farblosigkeit ereilt auch die anderen dargestellten Personen. Zumal es einen Akteur gibt der sehr überflüssig erscheint.

Der Buch wird unter Thriller eingruppiert. Leider ist es nicht einmal ein Krimi. Insgesamt liest sich das Buch sehr gut. Ich hatte zwar eine Vermutung, doch bis zum Ende ist nicht klar, wer der Mörder oder die Mörderin ist. Es ist ein guter Schmöker für zwischendurch, der erst zum Schluss alle Geheimnisse offenlegt.

Bewertung vom 02.08.2018
Schwestern für einen Sommer
Lyra, Cecilia

Schwestern für einen Sommer


sehr gut

Schwestern für einen Sommer - Schwestern ein leben lang?

Der Roman "Schwestern für einen Sommer" ist einerseits eine entspannte Sommerlektüre und andererseits ein Roman, um die Bindung zu den eigenen Geschwistern zu reflektieren. Es geht um die Halbschwestern Cassie und Julie, die nach einem nie verarbeiteten Zerwürfnis durch die Bedingungen im Testament ihrer gemeinsamen Großmutter, dazu gebracht werden sollen, wieder zueinander zu finden. Die Geschichte ist humorvoll bis nachdenklich und lässt sich entspannt lesen.

Cecilia Lyra gelingt es eine sommerliche Atmosphäre zu erschaffen. Die Handlung wird dabei abwechselnd aus der Perspektive der zwei Protagonistinnen Julie und Cassie erzählt. Zu Beginn ist die Geschichte nicht sehr fesselnd. Nach und nach wird man jedoch in das Buch hineingezogen. Der Leser möchte zum einen Julies Geheimnis erfahren und zum anderen wissen, wie sich die Geschichte um die beiden Schwestern entwickelt. Leider ziehen sich einige Passagen und die Handlung kommt nicht voran. Das liegt unter anderem an den häufigen Wiederholungen gepaart mit der ständigen Kontrastbetonung zwischen Julie und Cassie. Die Kontraste werden zu häufig herausgestellt, an kantigen Charakteren fehlt es jedoch.

Der Leser spürt den Sand unter den Füßen, die Sonne auf der Haut und den Wind im Haar, doch fühlt er nicht mit den Protagonisten. Es ist entspannt sich von Cecilia Lyra entführen zu lassen, doch werden keine tiefgehenden Emotionen beim Leser erzeugt. Die Handlung fließt nur schwer und der Leser spürt zu sehr die Konstruktion. Trotzdem muss man sagen, dass der Roman für eine Sommerlektüre gut geschrieben ist. Vergisst man das Setting, geht es am Ende um familiäre Bindungen, die Chance Enttäuschungen zu verarbeiten und Fehler verzeihen zu können. Es geht darum Menschen los lassen zu müssen - auch wenn man diese zu lieben glaubt - und gleichzeitig geht es um die Chance sich neuen Menschen gegenüber zu öffnen. Erfahrungen, die wir alle bereits machen mussten.

Wer sich etwas Auszeit gönnen möchte, kann mit diesem Roman nichts falsch machen. Ich habe mein Exemplar bereits einer Freundin geborgt und kann es sehr gut als Strandlektüre empfehlen.