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Benutzername: Jacquy
Danksagungen: 4 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 34 Bewertungen
Bewertung vom 13.04.2020
Neon Birds Bd.1
Graßhoff, Marie

Neon Birds Bd.1


ausgezeichnet

Die Geschichte spielt im Jahr 2101 und die Welt ist eine ganz andere, als wir sie jetzt kennen. Durch den Klimawandel gibt es viele Wüstengebiete, fast keine Wälder mehr und die Menschen leben in riesigen Städten. Sie haben allerdings aus der Vergangenheit gelernt und es gibt keine Massentierhaltung mehr und die Städte wirken wie überwuchert, da so viele Pflanzen gehalten werden wie möglich. Es ist aber nicht alles so friedlich wie es zuerst scheint, denn die Moja, die von KAMI kontrollierten Menschen, leben wie Zombies in einer Sperrzone, wo sie zwar niemandem etwas anhaben können, aber eine dauerhafte Lösung ist es nicht. Das zeigt sich, als sich plötzlich die Tore öffnen und sie entkommen.

An diesem Punkt setzt die Geschichte ein und wir lernen direkt alle vier Hauptfiguren kennen, die dadurch alle unterschiedlich beeinflusst werden. Luke ist für die Überwachung zuständig und bemerkt als einer der ersten, dass etwas nicht stimmt. Er kontaktiert Flover, der in einer geheimen Militäreinheit kämpft und an der Front gebraucht wird. Dieser widerum soll Okijen informieren, der mehr Moja getötet hat als jeder andere, obwohl er erst 19 ist und sich aus dem Militär bereits zurückgezogen hat. In einem kleinen Dorf, das dabei ist, von den Moja überrannt zu werden, trifft er auf Andra, die dort lebt und versucht ihre Familie zu beschützen.

So kreuzen sich die Wege unserer Protagonist*innen und ich finde es toll, dass zwar jeder eine eigenständige Perspektive hat, es aber immer einen Zusammenhang zwischen ihnen und ihren Handlungen gibt, die den roten Faden aufrechterhalten. So fiel es mir nie schwer, einen Überblick darüber zu behalten, wer sich gerade in welcher Situation befindet.

Der Einstieg fiel mir dennoch die ersten Seiten über etwas schwer, da man sich zunächst ins Worldbuilding und in die Strukturen des Militärs reinfinden muss. Das wurde kurz darauf aber durch eingefügte Ausschnitte aus Militärakten erleichtert, die dem Leser auf natürliche Weise die Informationen zuspielen.

Dadurch, dass die Geschichte direkt an einem so spannungsgeladenen Punkt einsteigt, wurde ich direkt zu Beginn gefesselt. Obwohl es nicht konstant um Leben und Tod geht, sondern sich die Lage zwischendurch wieder entspannt, hat mich die Beschreibung der Welt und das Kennenlernen der Charaktere mindestens genauso an die Seiten gebunden. Egal, an welchem Punkt der Geschichte ich mich gerade befand, ich wollte nicht aufhören zu lesen.

Fazit
Der Autorin ist es gelungen, eine interessante Zukunftsvision unserer Gesellschaft zu schaffen, interessante Charaktere einzufügen und das ganze auch noch mit Androiden-Zombies abzurunden und es ist einfach nur großartig.

Bewertung vom 28.02.2020
Marianengraben
Schreiber, Jasmin

Marianengraben


ausgezeichnet

Bücher über den Tod vermeide ich oft, aber nachdem ich in dieses Buch reingelesen hatte, musste ich weiterlesen. Schon auf den ersten Seiten habe ich mit den Tränen gekämpft und der Schreibstil ist so schön und berührend, dass ich am liebsten jeden Satz markiert hätte. Paulas Beziehung zu ihrem Bruder Tim wird so malerisch dargestellt, dass ich direkt mit um ihn getrauert habe und ihn mit jedem Rückblick zu einem ihrer Gespräche mehr ins Herz geschlossen habe. Paulas Reaktion auf seinen Tod wird dabei auch immer deutlicher und ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, sie würde übertreiben oder unlogisch handeln, sondern es war alles schlüssig, egal in welch ungewöhnliche Richtung sich die Geschichte entwickelte.

„Erst als ich selbst dort ankam, also ganz unten in der Dunkelheit, wo es kein Licht mehr gibt, keine Farben und kaum noch Sauerstoff, bekamen diese elf Kilometer und all diese Ziffern und Größenordnungen eine greifbare Qualität für mich – elftausend Meter unter Wasser sind gleichbedeutend mit einem Meter neunzig unter der Erde, der Tiefe deines Grabes.“
– Seite 11

Helmut hingegen ist zunächst sehr verschlossen und eher abweisend, weshalb es schwer ist, ihn einzuschätzen. Trotzdem fand ich ihn als Figur direkt toll, gerade weil er in einem ziemlichen Gegensatz zu Paula steht, die deutlich offener und auch neugieriger ist, aber immer die richtige Reaktion auf sein Verhalten zeigt. Schon nach ihrem Kennenlernen habe ich gehofft, dass sich die Wege der beiden nicht direkt wieder trennen würden und das haben sie glücklicherweise auch nicht getan. So wurde dies zu einer Geschichte, in der sich zwei sehr unterschiedliche Menschen gegenseitig über eine ähnliche Trauer hinweghelfen können, auch wenn Helmut auf diesem Weg schon deutlich fortgeschrittener ist als Paula.

Obwohl mir im Laufe des Buches immer wieder die Tränen kamen, wurden sie häufig direkt wieder durch ein Schmunzeln vertrieben. Die Gespräche zwischen Paula und Helmut sind so schön und durch seine Griesgrämigkeit auf ungewöhnliche Art witzig, dass sie einen guten Kontrast zur traurigen Grundstimmung bilden konnten.

Fazit
Ein Buch, in dem sich Tränen und Lächeln abwechseln. Auch wenn die traurige Grundstimmung überwiegt, habe ich das Buch nicht mit einem rein schlechten Gefühl beendet, auch wenn ich es nun erst mal sacken lassen muss.

Bewertung vom 18.01.2020
Jenseits der Goldenen Brücke / Cassardim Bd.1
Dippel, Julia

Jenseits der Goldenen Brücke / Cassardim Bd.1


sehr gut

Mein Interesse für dieses Buch war geweckt, als vom Reich der Toten die Rede war. Wohin diese Geschichte führen würde, wusste ich allerdings lange Zeit nicht, sodass ich wirklich gespannt war und noch positiv überrascht wurde. Der Beginn der Geschichte spielt sich in der Menschenwelt ab und es wird sofort klar, dass etwas an der Art, wie die Eltern Amaia und ihre Geschwister kontrollieren, nicht stimmt. Dass sich niemand von ihnen dagegen wehrt, hat mich zunächst gewundert, aber bis auf Amaia scheint es ihnen gar nicht bewusst zu sein, was es nur noch schockierender macht. Bald schon wurde ich aber durch neue Ereignisse abgelenkt und es dauert gar nicht lange, bis sich der Schauplatz nach Cassardim verschiebt. Es handelt sich dabei um ein Reich, das der Menschenwelt überhaupt nicht ähnelt, sodass es zunächst viele Beschreibungen gibt, die für mich genau im richtigen Maß waren. Ich konnte mir die Umgebung gut vorstellen und habe einen Eindruck von der Welt bekommen, ohne dadurch gelangweilt zu werden.

Etwas zwiegespalten bin ich, was die Figuren angeht. Mit der Protagonistin Amaia bin ich nicht besonders gut warm geworden, hatte aber Respekt davor, wie sich bei aller Manipulation darum kämpft, ihre Erinnerungen und Entscheidungen zu behalten und nicht nachzugeben. Das gilt sowohl zu Beginn innerhalb der Familie, als auch später in Cassardim. Bei Noár, der anfänglichen Geisel, bin ich noch unsicherer. Er ist unverschämt, respektlos und wirkt grausam und lange Zeit ist nicht klar, ob er dahinter andere Beweggründe versteckt oder es ihm einfach Freude bereitet, sich so zu verhalten. Für mich war er alles andere als liebenswert und so war ich überhaupt kein Fan davon, dass Amaia sich trotzdem zu ihm hingezogen fühlt. Aus Lesersicht habe ich dafür einfach keinen Grund sehen.

Das steht allerdings auch gar nicht so sehr im Mittelpunkt, denn die Geschichte bietet genug actionreiche Handlung um davon abzulenken, auch wenn es trotzdem eine wichtige Rolle spielt. Es hat mir richtig gut gefallen, mich immer wieder von neuen Wendungen überraschen zu lassen, da Cassardim voller (für Amaia unbekannte) Regeln und Intrigen steckt und man nie weiß, was man erwarten kann. Man kann nie sicher sein, wer auf welcher Seite steht und obwohl mich dieses Element selten für sich einnehmen kann, hat die Autorin es hier geschafft, mich spätestens ab der Hälfte des Buches komplett zu fesseln.

Fazit

Anfangs war ich etwas zwiegespalten, aber die action- und wendungsreiche Geschichte konnte mich dann doch stark für sich einnehmen. Die Figuren sind undurchsichtig und können immer wieder überraschen und das Worldbuilding tut sein übriges um die Spannung aufrechtzuerhalten.

Bewertung vom 29.07.2019
Sieben Arten Dunkelheit
Aster, Christian von

Sieben Arten Dunkelheit


sehr gut

In diesem Buch folgen wir mehreren Charakteren, deren Zusammenhang aber teilweise erst später deutlich wird. Es hat mir gut gefallen, wie die Fäden nach und nach zusammenlaufen, ohne dass man sich vorher zu verloren fühlt. Hauptfigur ist David, der zu Beginn des Buches unglücklich ist, da er in der Schule gemobbt wird und dem von Ayumi sehr geholfen wird. Diese ist blind, allerdings spielt das für sie kaum eine Rolle und auch David erwähnt, wie schnell man sich an diese Tatsache gewöhnt. Sie ist außerdem Asiatin, das wird allerdings nur für die Charakterbeschreibung kurz erwähnt. Es gefällt mir, dass es diese Art Repräsentation in einem Jugendbuch gibt, ohne dass es im Mittelpunkt steht oder zu etwas Besonderem gemacht wird. In diesem Buch finden generell viele unterschiedliche Charaktere zusammen, ohne dass sie wirkliche Unterschiede zueinander sehen oder sich daran stören würden.

Das Buch ist empfohlen ab 12 Jahren und der Schreibstil passt meiner Meinung nach gut dazu. Die Sprache der Jugendlichen wirkt echt, ohne gewollt umgangssprachlich zu sein und insgesamt hat mir der Stil gut gefallen. Inhaltlich würde ich die Geschichte auch etwa in dieses Alter einordnen, da es zwar stellenweise ein bisschen gruselig zugeht, es aber keine zu explizite Gewalt gibt.

Es handelt sich hierbei um Fantasy, die Geschichte spielt aber größtenteils in der echten Welt undzwar in der Nähe von Düsseldorf. Auch hier gibt es wieder einen Pluspunkt dafür, dass die Handlung nicht künstlich an einen "interessanteren" Schauplatz verlegt wurde. Die Grundidee, verschiedene Ebenen der Dunkelheit exitieren zu lassen, in denen jeweils unterschiedlich gefährliche Schattenwesen existieren, finde ich klasse. Ebenso, dass es nur wenige Eingeweihte gibt, die die Ordnung wahren sollen.

Von den bereits erwähnten verschiedenen Perspektiven fand ich leider manche weniger interessant als andere, aber davon abgesehen wurde ich gut unterhalten und das Buch bringt einige tolle Botschaften mit, ohne belehrend zu wirken. Das gefällt mir besonders im Hinblick auf die Zielgruppe sehr und ich würde es ohne zu zögern weiterempfehlen.

Bewertung vom 13.06.2019
Left to Fate. Die Ausgesetzten
Trutnau, Gloria

Left to Fate. Die Ausgesetzten


gut

Schon nach den ersten Sätzen des Klappentextes stand für mich fest, dass ich das Buch lesen möchte, weil mich die Idee, für zukünftige Verbrechen schon im Voraus verurteilt zu werden, so fasziniert hat. In diesem Aspekt hat mich das Buch nicht enttäuscht, auch wenn ich mir etwas detailliertere Informationen über den Vorgang gewünscht hätte. Auch den Aspekt, dass jedes Kind den Beruf der Eltern übernehmen muss, fand ich spannend und es gefällt mir, dass Samantha das System schon infrage stellt, bevor sie aus ihrem gewohnten Leben gerissen wird. So sieht sie nämlich auch positives darin, nach New York gebracht zu werden, da das für sie trotz der Gefahren mehr Freiheit bedeutet und der Gedanke gefällt mir.

Nach einem spannenden Anfang, bei dem man mitten ins Geschehen geworfen wird, konnte mich das Buch in der ersten Hälfte nicht so sehr packen, wie ich es mir gewünscht hätte. Die Protagonistin ist neu in ihrer Situation und ich erwarte nicht, dass sie sich sofort jedem anvertraut, aber es gibt einige Informationen, die sie grundlos für sich behält und damit den Fortlauf der Geschichte zurückhält, die in dieser Zeit eher stagniert. Ich mag es nicht, wenn Probleme dadurch entstehen, dass nicht offen kommuniziert wird und das war hier oft der Fall. Nach der Hälfte erledigt sich dieser Aspekt allerdings und von dort an konnte mich die Geschichte viel mehr überzeugen.

Die Grundidee ist spannend und auch die Entwicklung der Handlung hat mir gefallen. Überrascht wurde ich davon, in welche Richtung es gegen Ende geht und auch zwischendurch konnten mich einige Wendungen packen, sodass ich gut über den holperigen Start hinwegblicken kann. Toll finde ich es immer, wenn Autor_innen mutig genug sind, in ihre Bücher auch richtige Konsequenzen einzubauen und sich nicht alle Probleme in Luft auflösen lassen. Auch davon wurde ich hier positiv überrascht. Das Buch ist außerdem ein Einzelband und damit gut in sich abgeschlossen.

Fazit
Eine Dystopie mit spannender Grundidee, deren Plot mich fesseln konnte, obwohl die Protagonistin es mir in der ersten Hälfte nicht immer leicht gemacht hat.

Bewertung vom 13.06.2019
One of a kind - Emma & Jake / Maywood Bd.1
Köpke, Tina

One of a kind - Emma & Jake / Maywood Bd.1


sehr gut

Die Geschichte spielt in Maywood, einem kleinen Ort, in dem jeder jeden kennt und alles, was passiert, sofort die Runde macht. Außerdem gibt es regelmäßige Stadtversammlungen, in denen über gesellschaftliche Fragen abgestimmt und diskutiert wird und ständig irgendwelche Veranstaltungen. Der übertriebene Kleinstadt-Charme erscheint mir zwar teilweise etwas gekünstelt, andererseits ist das einfach ein sehr idyllischer und atmosphärischer Schauplatz für eine solche Geschichte. Durch die Nähe zwischen den Einwohnern weiß nämlich jeder darüber Bescheid, was 12 Jahre zuvor geschehen ist und jeder steht auf Emmas Seite, was ich sehr süß fand. Dementsprechend sind sie Jake gegenüber größtenteils ablehnend eingestellt und er muss sich erst mal wieder beweisen, was mir sehr gefallen hat.

Emma ist selbstständig, bittet nicht gern um Hilfe und so weiß niemand, wie ernst ihre aktuelle Lage ist. Zwar hat sie ein Haus geerbt, aber ohne einen festen Job kann sie auch das nicht finanzieren, und so einen findet sie nicht. Mir gefällt es, dass das Problem angesprochen wird, welches man als Person ohne Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt hat. Das ist ein realistisches Problem, welches mir aber noch nie in einem Buch begegnet ist.
Generell ist Emma zu jedem nett und freundlich, aber natürlich verzeiht sie Jake nicht sofort, was er getan hat. Was mir sehr gefällt ist aber, dass sie trotzdem jedem gegenüber offen ist und niemanden vorschnell verurteilt.

Jake hingegen wirkt durch das, was wir aus Emmas Sicht über ihn erfahren, zunächst nicht besonders sympathisch. Ich mag ihn als Charakter allerdings trotzdem, denn natürlich kann man auch mal einen Fehler machen und als Mensch daran wachsen und er zeigt dieses Potenzial sehr gut.

Die Geschichte des Buches ist eine gute Mischung aus verschiedenen Themen und wirkt auf mich sehr ausgewogen. Zwar startet das Buch ein bisschen langsamer, aber als Einstieg ist das absolut in Ordnung. Neben der Beziehung zwischen Emma und Jake und ihren beruflichen Problemen sind nämlich auch Aspekte wie Freundschaft oder Familie nicht unwichtig. Schön finde ich vor allem die vielen Nebencharaktere, die man kennenlernt und die ein bisschen Diversity zeigen (eine Freundin ist eine lesbische Woman of Color). Außerdem habe ich schon zwei mögliche Paare für Fortsetzungen entdeckt und bin gespannt, ob sich meine Vermutungen bewahrheiten werden.

Fazit
Eine süße Geschichte mit viel Kleinstadtcharme, bei der nicht nur eine Beziehung im Mittelpunkt steht, sondern auch Aspekte wie berufliche Unsicherheit eine Rolle spielen, die sonst (m. E.) selten behandelt werden.

Bewertung vom 11.04.2019
#ichwillihnberühren
Oj; Er

#ichwillihnberühren


ausgezeichnet

Der erste Erzähler dieser Geschichte ist OJ (Abkürzung, mit der in der App "Jodel" der Verfasser des ursprünglichen Beitrags markiert wird), der online nach Tipps fragt, nachdem er sich in einen Freund verliebt hat. Er ist schwul und er erzählt von seiner Angst vor Ablehnung und möglicher Diskriminierung aufgrund dessen. Dabei weist er auch den Leser immer wieder auf bestimmte Probleme hin und sensibilisiert dadurch ein wenig.

Als ich das Buch entdeckt habe, hatte ich etwas Sorge, dass es komplett in "Jodel"-Form geschrieben sein würde, das ist aber glücklicherweise nicht der Fall. Größtenteils werden aus der Ich-Perspektive die Ereignisse geschildert, es gibt hin und wieder abgedruckte Chats und nur wenige "Jodel" um als Beispiel für das dortige Feedback zu dienen. Zu Beginn hat mir dieser Aspekt die Handlung noch zu sehr beeinflusst, aber später steht das glücklicherweise nicht mehr im Mittelpunkt. Toll fand ich, dass die zweite Perspektive irgendwann dazu kam, als man sich schon dringend gefragt hat, was ER von diesen Ereignissen hält und ob die beiden auf einer Wellenlänge sind. Durch die beiden völlig unterschiedlichen Charaktere wäre auch ohne die Kapitelüberschriften immer klar gewesen, wer gerade erzählt.

Der Beginn des Buches war für mich noch etwas langsam und ich war unsicher, ob die Geschichte die ganze Zeit über mein Interesse würde halten können, aber das änderte sich rasch. Ehe ich mich versah habe ich vollkommen mitgefiebert, weil die unsicheren Annäherungsversuche so realistisch und echt wirkten, ganz anders als man es aus vielen Romanen kennt.

Laut Klappentext handelt es sich hierbei um eine wahre Geschichte, was bedeutet, dass sie wohl auch von den Charakteren selbst geschrieben wurde und dementsprechend realitätsnah ist. Schön ist, dass es sich dadurch auch um einen Own Voices Roman handeln wird und die Autoren wirklich wissen, wovon sie sprechen. Auffällig ist dabei besonders, dass OJ bereits Erfahrungen mit Diskriminierung hat und dabei auch auf Situationen eingeht, in denen anderen ihre Mikroaggressionen* vielleicht gar nicht bewusst sind. Anders sieht das allerdings beim ER aus, der sich mit einer Freundin austauscht, die Schwule ganz offen fetischisiert, was ihn gar nicht zu stören scheint und er eher witzig findet. Sehr schade finde ich hier, dass das nicht angesprochen und problematisiert wird.

Die Autoren verzichten auf ihr Honorar und 75% der Einnahmen des Buches gehen an das Aktionsbündnis gegen Homophobie e.V.

Fazit
Nachdem ich hier nur leichte und witzige Unterhaltung erwartet habe, wurde ich völlig positiv überrascht. Eine absolut echt wirkende und sehr süße Geschichte über Unsicherheit und erste Schritte.

* alltägliche, unterschwellig diskriminierende Äußerungen

Bewertung vom 01.04.2019
Gefährlicher Freund / Renegades Bd.1
Meyer, Marissa

Gefährlicher Freund / Renegades Bd.1


sehr gut

Nova lernt man zu Beginn des Buches im Alter von 6 Jahren kennen, nämlich in der Nacht in der ihre Familie getötet wurde. Ihr Motiv für den Kampf gegen den Rat erfährt man dabei direkt, auch wenn es für mich nicht völlig plausibel wirkte. Damit kommen wir auch schon zu meinem einen Kritikpunkt, denn insgesamt hat mir das Buch zu wenige Hintergrundinformationen geliefert. Woher haben die "Wunderkinder" ihre Kräfte? Wieso ist ausgerechnet der Rat an der Macht? Was ist das Problem dabei? Wie würde es besser laufen? Das sind nur wenige der Fragen, die entweder erst spät oder gar nicht geklärt werden und das hat mich gestört, da die Geschichte auf mich dadurch eher unschlüssig wirkte.

Davon abgesehen konnte sie mich aber wirklich überzeugen. Nova ist eine sympathische, aber unperfekte Protagonistin, die selbst nicht ganz weiß, was sie überhaupt möchte und was sie zu tun bereit ist, um das zu erreichen und das macht sie sehr glaubhaft. Trotz ihrer Rachewünsche hat sie ihr Gewissen nicht verloren und sie erkennt langsam, dass nicht alles schwarz oder weiß ist und sich auch die Wunderkinder nicht strikt in gut und böse einteilen lassen, was eine gute Botschaft ist.

Sehr gefallen hat mir, dass sich die Geschichte um Superkräfte dreht und besonders, dass dabei nicht nur eine handvoll Standardkräfte vorkamen, sondern alles mögliche. So gibt es Charaktere, die Macht über einzelne Elemente haben, jemand kann Zeichnungen zum Leben erwecken oder sich in einen Schwarm Schmetterlinge verwandeln und die Protagonistin schläft nicht, kann dafür aber andere durch Hautkontakt einschlafen lassen. Ich fand es super interessant, die verschiedenen Kräfte zu entdecken und bin gespannt, ob in den Folgebänden noch andere zum Vorschein kommen werden.

Die Charaktere fand ich allesamt sympathisch und glaubwürdig. Über Nova habe ich schon ein bisschen was erzählt, die zweite Perspektive ist die von Adrian. Er ist der Adoptivsohn zweier (männlicher!) Ratsmitglieder und hat dementsprechend ein bisschen eine Sonderstellung in der Organisation, verhält sich aber nicht so. Er ist freundlich und hilfsbereit und wirkt wie der nette Junge von nebenan, hat aber auch so seine Geheimnisse, für die er in Schwierigkeiten kommen würde und das ist eine super Mischung. Auch die Nebencharaktere haben auf mich alle einen sehr guten Eindruck gemacht und ich hoffe, viele von ihnen in den Fortsetzungen besser kennenlernen zu können.

Fazit
Eine spannende Superhelden-Geschichte mit abwechslungsreichen Charakteren, die einen hin und wieder wirklich überraschen können. Es mangelt für mich lediglich etwas an fehlenden Hintergrundinfos, auf die ich nun in der Fortsetzung hoffe.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.01.2019
Reise ins Eisland / Der Polarbären-Entdeckerclub Bd.1
Bell, Alex

Reise ins Eisland / Der Polarbären-Entdeckerclub Bd.1


ausgezeichnet

Das Buch spielt in einer fiktiven Welt, die viel ungewöhnliches zu bieten hat: Mini-Dinos die als Haustiere gehalten werden können und Sträucher an denen Gebäck wächst sind nur Beispiele dafür. Dementsprechend gibt es auch während der Expedition so einiges unerwartetes zu entdecken. Die Charaktere müssen sich dabei nicht nur einigen Gefahren stellen, sondern auch lernen, miteinander auszukommen, denn das ist nicht von Anfang an gegeben und sorgt für einige Probleme. Die Kombination aus beidem hat mich sehr gut unterhalten und ergibt eine spannende Geschichte, die vor allem die Zielgruppe von 10-12 Jahren sehr begeistern sollte.

Mir hat sehr gefallen, dass das Buch mehr zu bieten hat als eine spannende Handlung. Zunächst sind da die Charaktere. Stella ist mit einem sehr liebevollen und toleranten Vater aufgewachsen, der sie immer darin ermutigt hat, ihren eigenen Zielen zu folgen und sich nicht darum zu kümmern, was andere denken. Die gleichen Werte vertritt sie jetzt auch, weshalb sie an ihrem Traum, Entdeckerin zu werden, festgehalten hat, obwohl Mädchen im Entdeckerclub nicht erlaubt sind - dafür sieht sie aber überhaupt keinen Grund, denn wieso sollte sie weniger gut sein als ein Junge? Außerdem wird ihr bester Freund Beanie für "sonderbar" gehalten, weil er beispielsweise seine Geleebohnen vor dem Essen nach Farbe sortiert und alles wörtlich versteht, aber das stört Stella nicht im geringsten. Insgesamt vermittelt das Buch einiges an Werten, wirkt dabei aber nicht belehrend und das fand ich super.

Fazit
Ein Kinderbuch, das mich bestens unterhalten konnte. Eine spannende Geschichte gepaart mit wundersamen Wesen, sehr unterschiedlichen Charakteren und einer tollen Aussage.

Bewertung vom 06.11.2018
Im Tal des Feuers / Arlo Finch Bd.1
August, John

Im Tal des Feuers / Arlo Finch Bd.1


ausgezeichnet

Das Buch beginnt mit dem Umzug der Familie und schnell erfährt man von den Umständen, die dazu geführt haben, allerdings nicht viele Details. Der Protagonist Arlo ist 12, seine mürrische Schwester etwas älter und seine Mutter mit vielen Dingen beschäftigt. Das Buch konzentriert sich allerdings nicht auf den Alltag, sondern der Fokus liegt auf den tatsächlichen Geschehnissen. So wird keine Zeit damit verschwendet, dass Arlo im Unterricht sitzt, sondern man folgt ihm z.B. ins Zeltlager, wo er fast umgebracht wird. Generell gibt es mehr Action als Erklärungen, auch wenn Arlo versucht, Nachforschungen anzustellen.

Generell war das Buch deutlich spannender, als ich erwartet habe. Es beginnt mysteriös, da man auch als Leser nicht weiß, was vor sich geht, als Arlo seltsame Dinge beobachtet. Schnell gerät er auch in die erste gefährliche Situation und von da an wird das Buch wirklich spannend. Die Spannung bricht dabei auch bis zum Ende nicht mehr wirklich ab. Neben der Unterhaltung hat das Buch aber auch ein paar gute Lektionen und Weisheiten parat, die aber nicht zu offensichtlich wirken, sondern gut in die Handlung eingebaut sind und die auch Arlo durch die Praxis lernt, statt dass sie ihm nur erzählt werden.

Die Charaktere mag ich sehr. Arlo selbst ist sehr ungewöhnlich, denn er ist zwar neugierig und mutig, aber gleichzeitig auch vorsichtig. Er überlegt sich in jeder Situation, was schief gehen könnte, hat aber auch direkt eine Lösung parat. So plant er beispielsweise als erstes einen Fluchtweg, als er sein neues Zimmer sieht, denn wer weiß schon, was passieren könnte. Was auch heraussticht, ist dass er eine Leseschwäche sowie zwei verschiedenfarbige Augen hat, was aber als völlig normal dargestellt wird. Seine besten Freunde sind Wu und Indra und beide haben einen sehr unterschiedlichen Charakter, wodurch die Truppe gut ergänzt wird.

Fazit
Ein mysteriöser und spannender Reihenauftakt. Das Ende ist halbwegs abgeschlossen, lässt aber viel Raum für eine Fortsetzung, auf die ich schon jetzt gespannt bin.