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Benutzername: Sauerkirsche
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Bewertungen

Insgesamt 7 Bewertungen
Bewertung vom 16.12.2013
Wir in drei Worten
McFarlane, Mhairi

Wir in drei Worten


ausgezeichnet

"Wir in drei Worten" von Mhairi Mc Farlane hat mich wirklich begeistert und ich kann Lisa Jewell, die auf dem Buch-Klappentext mit "Das witzigste und romantischste Buch, das ich seit Zwei an einem Tag gelesen habe" zitiert wird nur zustimmen! Mit diesem Buch ist der jungen Autorin tatsächlich ein Volltreffer gelungen!

Das Buch erscheint als handliches Taschenbuch im Knauer Verlag - Originalsprache ist natürlich Englisch - was man hin und wieder an einer leider etwas holprigen Übersetzung merkt. Die Erstauflage enthält auch noch einige Rechtschreibfehler, die aber sicherlich in den kommenden Varianten ausgemerzt werden. Mit einem Preis von Euro 9,99 für immerhin knapp 500 spannungsgeladene Seiten ist das Preis-Leistungsverhältnis absolut angebracht! Vom Aufbau her ist besonders die Unterteilung der Story in ganz viele kleine überschaubare Einzelkapitel zu erwähnen - was ich persönlich, als sehr angenehm empfunden habe!

Die Geschichte vereint im Prinzip zwei Erzählstränge, von denen der eine an der Uni spielt und der andere genau zehn Jahre später stattfindet. Die Protagonisten sind Rachel und Ben. Beide haben gemeinsam in Manchester studiert und standen einander während der gesamten Unizeit sehr nahe. Ben ist in Rachel verliebt - Rachel sieht die Beziehung zunächst eher platonisch und konzentriert sich auf ihren Partner Rhys. Als sie sich am Abend vor dem Abschlussball mit Rhys streitet, weil der lieber ein Gig mit seiner Band spielen will, als Rachel zum Abschlussball zu begleiten kommt es zum Streit uns sie trennen sich. Rachel heult sich bei Ben aus und er gesteht ihr seine Liebe. Ihr wird schlagartig klar, dass sie ganz genauso empfindet und ihre Gefühle bis dato aber nicht so gedeutet hatte. Tags darauf ist die Studienzeit vorbei und beide verlieren sich aus den Augen ... genau zehn Jahre später begegnen sie sich wieder und lassen ihre Freundschaft wieder aufleben...

Insgesamt aus meiner Sicht ein sehr gelungenes, spannendes Buch, dass sich leicht und flüssig lesen lässt!
PS: ein super Weihnachtsgeschenk ...

Bewertung vom 06.10.2013
Tessa
Karlsson, Nicola

Tessa


gut

Das Buch "Tessa" spielt in Berlin und handelt von einer jungen Frau, die schön, schlank und im Prinzip auch beliebt und erfolgreich ist - bzw. war. Dieses Leben erfährt der Leser nur im Rückblick - kurze Flashbacks, wenn eine Nebenfigur in einer Zeitschrift blättert und Tessas Gesicht eine Reklame ziert. Das Buch thematisiert Tessas Absturz und langsamen Verfall. Sie verfällt dem Alkohol, den Medikamenten, dem Kokain und ihrem eigenen Selbstmitleid und ihrer Geltungssucht. Tessa hat kein Geld mehr - kann ihre Rechnungen nicht bezahlen. Sie wirft sich den unterschiedlichsten Männern an den Hals, um an Geld, Drogen und Alkohol zu kommen. Sie wird im Gegenzug missbraucht, gedemütigt und geschlagen. Einsamkeit ist für Tessa das schlimmste und sie sehnt sich nach Liebe - verzehrt sich geradezu danach - fast ironisch erscheint es, dass keine ihrer Liebschaften Liebe sucht - im Gegenteil.
Die Autorin Nicola Karlsson skizziert eine junge Frau voller Selbstzweifel, Ängste und unerfüllter Bedürfnisse, die sich den Männern reihenweise an den Hals wirft und ihr eigenes Ich im Alkohol ertränkt. Das Buch wird nicht in der Ich-Perspektive erzählt, aber es handelt sich um einen teilweise allwissenden Erzähler, der dennoch die Ereignisse relativ nüchtern und distanziert erzählt. Gerade diese Trockenheit hat mir sehr gut gefallen, weil sie zeigt desinteressiert und ohne Empathie unsere Gesellschaft auf hilfesuchende Menschen, wie Tessa reagiert. Sinnbildlich auch dafür und für Tessas eigene Ignoranz, der plötzliche Tod der Nachbarin am Ende der Geschichte. Tessa lacht. Tessas Ende bleibt offen - aber irgendwie ist klar, dass auch sie es nicht schaffen wird.
Negativ anmerken möchte ich, dass es ein sehr düsteres, dramatisches Buch ist, dessen Inhalt sich regelmäßig wiederholt: Alkohol, Drogen, Sex, Männer, Absturz, Einsamkeit, Schlaf ... Sicherlich ist dies gewollt um den Teufelskreis in dem sich Tessa befindet darzustellen - man wird als Leser jedoch leicht müde, Tesse dabei zu beobachten, wie sie die selben Fehler täglich auf´s neue macht ....

Bewertung vom 06.10.2013
Die Unvollendete
Atkinson, Kate

Die Unvollendete


sehr gut

Auf 585 Seiten beschreibt Kate Atkinson das Leben von Ursula Beresford Todd, geboren an jedem verhängnisvollen, schneereichen 11. Februar 1910. Bereits hiermit ist klar, dass Ursula - bei normaler Lebenserwartung - zwei Kriege erleben wird. Doch ob Sie dieses Leben überhaupt je leben wir ist eine andere Frage. Es ist eine schwere Geburt und ihre Mutter Sylvie hat hart zu kämpfen - der Arzt steckt im Schneechaos fest. Kapitel zwei und drei handeln von diesem ersten Tag im Leben der Ursula Todd. Einmal überlebts es das Baby, Dr. Fellows, der Arzt, kam rechtzeitig. Das andere Mal nicht - es wurde dunkel und es fällt Schnee - im Buch zieht sich diese Metapher für den Tod beständig hindurch. Diese beiden Kapitel machen dem Leser klar, um was es in dem Buch gehen wird: Es sind die winzig kleinen und kurzen Augenblicke in denen wir uns oft nicht einmal bewusst dazu entscheiden etwas anders zu tun und damit unserem Leben eine völlig neue, oft entscheidende Wendung zu geben! Ursula selbst erlebt diese schicksalhaften Momente oft mit dunklen Vorahnungen oder déjà-vue Gefühlen, weshalb sin in jungen Jahren zum Psychater geschickt wird. Ganz im Gegenteil zu ihren Geschwistern Pamela, Maurice, Teddy und Edward oder die Hausangestellten, die ihrem vorbestimmten Schicksal einfach ausgeliefert zu sein scheinen. Die beiden Kriege - v.a. der 2. Weltkrieg nimmt im Buch eine dominierende Rolle ein und Ursula selbst lernt als Ich-Erzählerin Adolf Hittler und Eva Braun kennen. Besonders eindrucksvoll und aufwendig recherchiert sind die Beschreibungen vom Obersalzberg und Berchtesgaden in Erinnerung geblieben. Zu loben ist definitiv der historische Bezug und die differenzierte Schilderung der Ereignisse. Ursula erlebt den Krieg in einem Kapitel von Deutschland aus - im anderen lebt sie in London. Geschildert werden so zwei völlig verschiedene Perspektiven - die mir als Leser tatsächlich lange keine Ruhe gelassen haben. Generell ist es wirklich spannend, die tausend Leben der Ursula Todd zu lesen und sich bewusst zu machen, wie viele Abzweigungen und Wege das Leben für uns bereithält.
Die Geschichte ist natürlich - gemäß dem Titel - unvollendet, denn der Leser kann im Prinzip selbst entscheiden, welches Leben er Ursula Todd zuschreibt. Generell sind auch alle realistisch und historisch möglich - abgesehen von einem Weg, als sie Hittler erschießt - und damit den 2. Weltkrieg abwendet.
Empfehlenswert ist dieses Buch definitiv, ich habe kaum Beanstandungen und werde es sicher auch das eine oder andere Mal verschenken. Besonders positiv sind mir die historischen Einblicke in Erinnerung geblieben und auch die Sprache und den Handlungsfluss habe ich als äußerst angenehm und anwechslungsreich empfunden. Die Botschaft des Buches begleitet den Leser sicher noch einige Tage über das Lesen hinaus - frei nach dem Motto: "was wäre wenn...?"

Bewertung vom 11.09.2013
Dreimal im Leben
Pérez-Reverte, Arturo

Dreimal im Leben


sehr gut

"Dreimal im Leben" von Arturo Pérez-Reverte handelt von Max Costa, einem Jungen, der in einem Elendsviertel von Buenos Aires aufwächst und aus seinem Niemand im Laufe der Jahre einen Gentleman macht, der sich mit Gaunereien, Frauengeschichten und als Salontänzer über Wasser hält. Auf der Überfahrt nach Argentinien arbeitet Max als Salontänzer und lernt beim Tangotanzen Mecha Inzunza kennen. Mecha ist die Ehefrau eines exzentrischen spanischen Komponisten, der nach Argentinien reist um einen Tango zu schreiben. Dank Max lernt er dort in einer "zwielichtigen Spelunke" den Tango de la Guardia Vieja kennen - einige Jahre später ist eben dieser Tango bereits zu Weltruhm gelangt. Doch auch im Leben der beiden Protagonisten Mecha und Max hat sich in der Zwischenzeit viel verändert. Max ist in´s Kreuzfeuer der Geheimdienste geraten und Mecha bestreitet ihr Leben alleine, da Armando in Madrid in Gefangenschaft lebt. Sie treffen in Nizza kurz aufeinander, lieben sich und gehen wieder auseinander – ein jeder seinen Weg. Max, unfähig sich zu binden, tröstet sich auf dem Weg nach Paris bereits mit einer anderen Frau. Viele Jahre später kreuzen sich ihre Wege in Italien, in Sorrent, wieder. Mecha, die eigentlich in der Schweiz lebt, begleitet ihren Sohn, einen weltberühmten Schachspieler zum Turnier gegen den amtierenden russischen Weltmeister. Max arbeitet in Sorrent als Chaufeur und entdeckt sie zuerst. Natürlich kann er sie nicht aus den Augen lassen und stürzt sich in ein neues Abenteuer – sein letztes …

Wie der Titel schon sagt, spielt das Buch an drei Schauplätzen gleichzeitig. Die beiden Protagonisten durchleben ihr ganzes Leben vor den Augen des Lesers, dabei liegt das Augenmerk selbstverständlich auf den wenigen Augenblicken, die die beiden teilen. Begleitet werden diese drei Handlungsstränge von reichlich Geschichte und politischen Hintergründen, die dem Buch eine gewisse Seriosität verleihen, es manchmal aber auch ein wenig langatmig erscheinen lassen. Hin und wieder erinnert mich das Buch an den „Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.

Meine persönliche Lieblingsstelle, war dieses Zitat auf Seite 496 unten: Max: „Ich glaube, die einzig denkbare Freiheit in der heutigen Welt ist die Gleichgültigkeit“. Weitere Highlights waren die poetische Schilderung der Liebeleien zwischen Max und Mecha und das nur bedingte Happy End.

Mein Fazit ist also deutlich positiv und ich kann dieses Buch allen, die Bücher mit Hintergrund mögen, sehr empfehlen. Leider ist es noch nicht als Taschenbuch erhältlich.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 23.08.2010
Himmelsdiebe
Prange, Peter

Himmelsdiebe


ausgezeichnet

Die englische Kunststudentin Laura Paddington schaut sich in London auf das Drängen ihrer Freundin Geraldine hin eine Ausstellung des deutschen Malers Harry Winter an. Da es sich um die Vernissage handelt ist dieser persönlich zugegen und lernt Laura kennen. Er spricht in Rätseln, aber sie verliebt sich sofort in seine eisblauen Augen und die Magie die ihn umgibt. Ihre Kindheit verbrachte sie in der Obhut ihrer reichen Eltern auf einem Landsitz in England. Damals schon träumte sie davon dass ein großer Zauberer sie aus ihrem langweiligen Alltag erlösen wurde. Auf der Vernissage ist sie überzeugt das Harry Winter der Zauberer ist auf den sie so lange gewartet hat - ohne lange zu überlegen lässt sie ihr behütetes Leben hinter sich und folgt Harry nach Paris. Im Kreise der Künstlerfreunde von Harry wird sie zur Muse und Geliebten. Harry der Frauenheld wird von seinen alten Geschichten eingeholt und muss Laura zeitweise verlassen, diese schwört sich von Harry zu lernen, wie man malt, lebt und sieht und beschließt mit seinen Frauengeschichten leben zu müssen. Mathilde Harrys erste Frau ist Jüdin, sie haben einen gemeinsamen Sohn Bobby - dieser wandert nach Amerika aus und würde alles dafür tun seine Eltern wieder als Paar vereint zu sehen. Florence war zuletzt an Harrys Seite, sie hatten sogar ein gemeinsames Kind aber Harry zwingt Florence, die bis zur Selbstaufgabe bereit ist alles für die Liebe zu Harry zu tun, abzutreiben. Ein Eingriff worunter diese ihr restliches Leben leiden wird.
Während der Frauenheld Harry sich wandelt und Laura ernsthaft zu lieben beginnt, gewinnen in Deutschland die Nazis an Macht. Harry Winter wird zum entarteten Künstler ernannt und fortan in Deutschland verfolgt. Das politische Geschehen in Deutschland interessiert Harry nicht im geringsten er lebt im Jetzt und ist mit Laura sehr glücklich. Sie malen gemeinsam und inspirieren sich gegenseitig. Als sie im Sommer nach Saint-Odile in eine baufällige Villa in den Weinbergen ziehen scheint ihr Glück perfekt. Über Monate hinweg gibt es nur Dada und seine Windsbraut. Dada ist Harrys männliches Ego, Windsbraut nennt er seine Laura. Sie leben fernab der Wirklichkeit. Erotik und Kunst über alles.
Erst als Harry von Beamten abgeholt wird und in ein Internierungslager in Frankreich deportiert wird holt sie die Wirklichkeit ein. Harry erlebt schreckliche Monate der Gefangenschaft und Laura zerbricht an dessen Abwesenheit, sie entwickelt eine schwere Psychose und ist unberechenbar. Erst als die Deutschen sich mit den Italienern verbünden und die Gefechte in Südfrankreich zunehmen kapituliert Frankreich, die Häftlinge werden kurz zuvor frei gelassen. Die Kapitulation zwingt Frankreich Juden und andere gesuchte Deutsche an die Nazis auszuliefern um diesem Schicksal zu entfliehen versteckt sich Harry nach seiner Freilassung in einer Berghütte an der Ardèche, es gelingt ihm mit Hilfe einer reichen amerikanischen Kunstsammlerin, die sich unsterblich in Harry verliebt hat über Lissabon nach New York zu fliehen. Laura hingegen flieht ebenfalls mit Hilfe ihrer Freundin Geraldine vor den Nazis. Geraldin gibt Laura in San Sébastian in eine psychatrische Klinik, wo Laura monatelang behandelt wird. Sie hat Hallutinationen und kann Wirklichkeit und Phantasie nicht mehr voneinander unterscheiden. Die Ärzte sehen in Harry den Grund für ihren verwirrten Geisteszustand und schärfen ihr ein, sich niemals mehr auf ihn einzulassen. Laura selbst hat Zweifel an Harrys Liebe, da sie sich schon so lange nicht mehr gesehen haben. In Lissabon schließlich kommt es zu einem Wiedersehen, welches leider ernüchternd abläuft. Laura hat versprochen Harry von sich zu weisen, sie kommt ihrem Versprechen nach und versetzt Harry damit einen Stich ins Herz. Getrieben von ihren Gefühlen heiratet sie überstürzt einen mexikanischen Matador, der ihr seit geraumer Zeit schon den Hof macht. Werden die beiden je wieder zueinander finden?

Ein geniales Buch dass einen Ehrenplatz im Bücherregal verdient

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.