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Hogado

Bewertungen

Insgesamt 105 Bewertungen
Bewertung vom 05.01.2026
te Marveld, Saskia

Blutwild


ausgezeichnet

Anspruchsvoller, harter Thriller
Blutwild von Saskia te Marveld ist ein intensiver, düsterer Thriller, der sich tief in die Psyche eingräbt und mich von Beginn an mit einer beklemmenden Atmosphäre konfrontiert hat. Sechs Jahre nach ihrer Flucht aus den Händen eines sadistischen Entführers versucht Anka, ein halbwegs normales Leben zu führen. Die körperlichen und seelischen Narben ihrer Gefangenschaft sind jedoch allgegenwärtig. Dass sie ihren Beruf als Polizistin aufgegeben hat, verdeutlicht, wie sehr die traumatischen Erlebnisse ihr Leben bestimmt haben. Umso erschütternder wirkt der Moment, in dem eine kryptische SMS mit GPS-Daten und dem Wort „HILFE“ sie unvermittelt in ihre Vergangenheit zurückstößt.
Te Marveld versteht es meisterhaft, Ankas innere Zerrissenheit darzustellen. Die Angst, die sie über Jahre zu verdrängen versucht hat, kehrt mit voller Wucht zurück und wird für die Lesenden spürbar. Der Fundort der Nachricht,eine abgelegene Hütte im Wald, erweist sich als albtraumhafte Kulisse. Dort stößt Anka auf makabre Kunstwerke: in Formaldehyd konservierte menschliche Körperteile, arrangiert wie Ausstellungsstücke. Diese grausigen Details sind schockierend, wirken jedoch nie selbstzweckhaft, sondern unterstreichen die perverse Gedankenwelt des Täters.
Besonders eindrucksvoll ist die psychologische Dimension des Romans. Die Frage, ob Ankas ehemaliger Peiniger tatsächlich zurückgekehrt ist oder ob sie möglicherweise von ihren eigenen Traumata eingeholt wird, sorgt für eine konstante, nervenaufreibende Spannung. Realität und Erinnerung verschwimmen zunehmend, wodurch der Thriller eine zusätzliche Tiefe erhält. Der Leser wird dazu gezwungen, Ankas Wahrnehmung ebenso zu hinterfragen wie sie selbst.
Der Schreibstil ist klar, präzise und atmosphärisch dicht. Saskia te Marveld setzt gezielt auf kurze, eindringliche Szenen, die das Tempo hochhalten und die Bedrohung stetig steigern. Besonders die Naturbeschreibungen des Waldes verstärken das Gefühl von Isolation und Ausgeliefertsein. Gleichzeitig lässt die Autorin genügend Raum für ruhigere Passagen, in denen Ankas innere Kämpfe und ihre Todesangst greifbar werden.
Blutwild ist kein leichter Thriller, sondern ein psychologisch anspruchsvolles Buch, das unter die Haut geht. Fans düsterer Spannungsliteratur, die sich für traumatisierte Figuren und komplexe Täterprofile interessieren, kommen hier voll auf ihre Kosten. Der Roman bleibt lange im Gedächtnis und zeigt eindrucksvoll, wie sehr die Vergangenheit die Gegenwart beherrschen kann.

Bewertung vom 04.01.2026
Fislage, Anja

Smeralda Bohms Bestiarium


sehr gut

Mal was anderes, ein tolles Buch

Die Geschichte dreht sich um die 12-jährige Smeralda Bohm, eine eigenbrötlerische Nachwuchs-Wissenschaftlerin im Bereich der Kryptozoologie. Ihr Ziel ist es, ein Bestiarium über unentdeckte Fabelwesen zu verfassen. Ihr Leben ändert sich schlagartig, als sowohl ein geheimes Institut in Form eines Kommissaranwärters ihre Expertise benötigen.
Optisch ist das Buch ein Volltreffer. Die handgezeichneten Skizzen und Notizen verleihen der Geschichte einen ganz besonderen Charme und die Illustrationen der Kryptiden sorgen für die nötige Begeisterung."
Ein fantastisches Buch! Die Figuren sind so lebendig beschrieben, dass man sich alles super vorstellen konnte, vor allem die magischen Wesen sind jetzt seine absoluten Lieblinge. Die Geschichte ist durchgehend spannend und besonders erzählt.
​Für alle Fans von Magie, Mut und starken Freundschaften ist dieses Buch ein Muss.

Bewertung vom 01.01.2026
Greenlaw, Rachel

The Ordeals


sehr gut

Magischer düsterer Roman

Der Roman entführt einen in eine düstere, magische Welt voller Gefahren, Machtspiele und innerer Konflikte. Im Mittelpunkt steht Sophia De Winter, eine Protagonistin, die durch einen grausamen Blutsbund an ihren Onkel, den Sammler gefesselt ist. Ihre Hoffnung auf Freiheit führt sie an die Elite-Akademie Killmarth einen Ort, der zwar außerhalb der Kontrolle ihres Peinigers liegt, dafür aber mit brutalen Prüfungen und tödlichen Herausforderungen aufwartet. Besonders überzeugend ist Sophias innere Zerrissenheit.
Sie ist weder übermächtig noch furchtlos, sondern handelt aus Verzweiflung und dem Wunsch nach Selbstbestimmung, was sie sehr menschlich und nahbar macht.

Die Akademie Killmarth bildet mit ihren Ordeals und den verschiedenen magischen Disziplinen eine spannende Kulisse, die an klassische Dark Academia und Fantasy anknüpft, diese aber durch ihre Härte und Konsequenz verschärft. Die Dynamik zwischen Sophia und Alden Locke bringt zusätzlich emotionale Tiefe und Spannung in die Handlung, ohne die zentrale Bedrohung aus den Augen zu verlieren. Insgesamt verspricht die Geschichte eine gelungene Mischung aus düsterer Fantasy, Romantik und Spannung. Der Text weckt Neugier auf Sophias weitere Entwicklung und lässt offen, ob Killmarth tatsächlich Rettung oder nur eine noch gefährlichere Falle für sie bereithält.

Bewertung vom 24.12.2025
Chadda, Sarwat

Storm Singer. Die schwebende Stadt


sehr gut

Guter Start einer tollen Geschichte

Storm Singer – Die schwebende Stadt von Sarwat Chadda ist ein packender Auftakt zu einer neuen Fantasy-Reihe, die mystische Elemente mit einer actiongeladenen Geschichte vereint. Im Mittelpunkt steht die 16-jährige Storm, die in einer Welt lebt, in der fliegende Städte und verborgene Kräfte Realität sind.
Storm ist eine junge, rebellische Heldin, die mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten nicht nur kämpfen muss, sondern auch gegen die Geheimnisse ihrer eigenen Herkunft ankämpft. Sie lebt in der schwebenden Stadt Thiruna, einem atemberaubenden Ort, der von einer großen Bedrohung heimgesucht wird. Als Storm in ein Netz aus Intrigen und Verrat verstrickt wird, erkennt sie, dass sie nicht nur die Zukunft ihrer Stadt, sondern auch das Gleichgewicht der Welt retten muss.
Chaddas Welt ist faszinierend und originell – eine Mischung aus Steampunk und magischen Elementen, die mit Detailtreue und einer gewissen Leichtigkeit zum Leben erweckt wird. Besonders hervorzuheben ist die Darstellung der schwebenden Städte, die sowohl als Metaphern für Freiheit als auch für Gefahr dienen.

Bewertung vom 22.12.2025
Johann, Petra

Wem du traust


ausgezeichnet

Spannungsroman der einen wirklich verunsichern kann

Petra Johanns Thriller „Wem du traust“ ist ein psychologisch dichter Spannungsroman, der weniger auf spektakuläre Action setzt als auf leise, aber nachhaltige Verunsicherung. Im Mittelpunkt steht Anwältin Judith de Ribera, die beruflich wie privat mit einer Situation konfrontiert wird, in der sich Loyalität, Wahrheit und Vertrauen nicht mehr klar voneinander trennen lassen. Als ein alter Freund in einen Mordfall verwickelt wird, gerät Judith in einen moralischen Konflikt, der sie zwingt, ihre eigenen Überzeugungen und Beziehungen zu hinterfragen.
Johann gelingt es meisterhaft, eine Atmosphäre stetiger Anspannung aufzubauen. Die Bedrohung kommt nicht aus dem Offensichtlichen, sondern aus dem scheinbar Vertrauten. Gerade darin liegt die große Stärke des Romans: Er zeigt, wie fragil Gewissheiten sind, wenn persönliche Nähe den Blick trübt. Die Figuren sind vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet, insbesondere Judith, deren innere Zerrissenheit nachvollziehbar und psychologisch präzise dargestellt wird. Ihre Zweifel, Ängste und blinden Flecken machen sie zu einer authentischen Protagonistin, mit der man sich auch in ihren Fehlentscheidungen identifizieren kann.

Bewertung vom 14.12.2025
Dietz, Shari;Dietz, André

Maris Märchen


sehr gut

Märchen für alle

Maris Märchen ist eine bezaubernde und zugleich bedeutungsvolle Sammlung von inklusiv erzählten Märchen, die klassische Geschichten aus einer erfrischend neuen Perspektive präsentieren.
Im Zentrum des Buchs steht Mari, ein Mädchen, das mit dem Angelman-Syndrom lebt und die Märchen so erzählt, wie sie ihrer Sicht auf die Welt entsprechen müsste. Bekannte Figuren wie Humpelstilzchen, Downröschen oder Händikäppchen werden nicht nur umgedeutet, sondern ihre Besonderheiten als Stärken dargestellt. So wird aus vermeintlich Anderssein ein Ausdruck von Mut, Einfallsreichtum und Eigenwert, ein Konzept, das Kindern spielerisch vermittelt, wie bereichernd Unterschiede sind.
Der Erzählstil ist modern, offen und kindgerecht, mit lebendigen Dialogen und liebevollen Details, die das Vorlesen zu einem wahren Vergnügen machen. Die Sprache ist bewusst einfach gehalten.

Bewertung vom 14.12.2025
Reddy, Swapna

Reggie Rabbit und der große Karottenraub


ausgezeichnet

Sehr cooles Kinderbuch
Reggie Rabbit und der große Karottenraub ist ein liebevoll erzähltes Kinderbuch, das mit viel Charme, Spannung und Humor überzeugt. Im Mittelpunkt steht Reggie, ein neugieriger und mutiger Hase, der in einem friedlichen Dorf lebt, in dem Karotten nicht nur Nahrung, sondern fast schon ein Lebensgefühl sind. Als eines Tages die wertvollen Karottenvorräte spurlos verschwinden, ist die Aufregung groß. Reggie beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen, und begibt sich auf eine abenteuerliche Spurensuche, die ihn und die Leser durch Wälder, Felder und überraschende Begegnungen führt. Besonders gelungen ist die Art, wie die Geschichte Spannung aufbaut, ohne für junge Leser zu beängstigend zu sein. Die Figuren sind klar gezeichnet und wachsen einem schnell ans Herz, allen voran Reggie, dessen Mischung aus Entschlossenheit und Unsicherheit ihn sehr authentisch wirken lässt. Auch die Nebenfiguren tragen mit ihren Eigenheiten und kleinen humorvollen Momenten zur Lebendigkeit der Geschichte bei. Sprachlich ist das Buch einfach und flüssig geschrieben, sodass es sich sowohl zum Vorlesen als auch zum ersten Selberlesen eignet. Gleichzeitig transportiert die Geschichte wichtige Werte wie Freundschaft, Zusammenhalt, Mut und Ehrlichkeit, ohne dabei belehrend zu wirken.

Bewertung vom 12.12.2025
Åslund, Sandra

Dann ruhest auch du / Maya Topelius Bd.3


ausgezeichnet

Krimi made in Schweden
Der neue Kriminalroman Dann ruhest auch du spielt in einer atmosphärisch dichten Welt, in der die Stille des schwedischen Waldes im Kontrast zu dunklen Geheimnissen steht. Die Autorin versteht es, gleich zu Beginn eine Spannung aufzubauen, die sich durch das gesamte Buch zieht und bis zur letzten Seite trägt. Besonders gelungen ist die Art und Weise, wie Aslund ihre Figuren zeichnet sie sind vielschichtig, menschlich und geprägt von inneren Konflikten, die sie ebenso antreiben wie bremsen. Dadurch wirkt die Handlung nie konstruiert, sondern natürlich und nachvollziehbar.
Im Mittelpunkt steht die Ermittlerin, deren persönliche Vergangenheit sie immer wieder einholt. Aslund verknüpft souverän den Kriminalfall mit psychologischen Tiefen und emotionalen Momenten, ohne dabei den Spannungsbogen zu vernachlässigen. Das Setting in Schweden spielt eine tragende Rolle: raue Landschaften, einsame Häuser und die besondere Atmosphäre des Nordens bilden eine perfekte Bühne für den Fall. Die Autorin beschreibt diese Szenerie so bildhaft, dass man die Kälte fast körperlich spürt und das dunkle Schweigen der Wälder wahrzunehmen meint.
Der Kriminalfall selbst ist raffiniert konstruiert und bietet einige überraschende Wendungen. Åslund gelingt es, falsche Fährten zu legen und gleichzeitig Hinweise so subtil zu platzieren, dass man als Leserin oder Leser stets miträtselt. Besonders stark ist das Finale, das sowohl emotional als auch dramaturgisch überzeugt und den Roman stimmig abrundet.

Bewertung vom 08.12.2025
Sveistrup, Søren

Der Kuckucksjunge


ausgezeichnet

Dunkler Thriller mit Gänsehautfaktor

Mit Der Kuckucksjunge legt Søren Sveistrup einen weiteren Thriller vor, der eindrucksvoll zeigt, warum er zu den großen Erzählern skandinavischer Spannungsliteratur gehört. Schon der Einstieg ist geprägt von einer düsteren, fein abgestimmten Atmosphäre, die typisch für Sveistrups Stil ist und sofort ein unbehagliches, aber faszinierendes Gefühl erzeugt. Die Handlung entfaltet sich in einem stetigen, kontrollierten Tempo, das nie überhastet, aber auch nie langweilig wirkt. Stattdessen entsteht eine wachsende Spannung, die sich leise, aber kraftvoll in den Hintergrund schiebt.
Die Figuren sind wie gewohnt sorgfältig gezeichnet. Besonders die Ermittlerperspektive wirkt authentisch und psychologisch glaubwürdig. Sveistrup gelingt es, das professionelle Umfeld, die emotionalen Konflikte und die persönlichen Schwachstellen seiner Protagonisten miteinander zu verweben, ohne dass etwas aufgesetzt wirkt. Auch Nebenfiguren erhalten genug Raum, um greifbar und relevant zu sein – eine seiner großen Stärken.
Der Fall selbst ist komplex, vielschichtig und getragen von moralischen Fragen, die zum Nachdenken anregen.
Insgesamt liefert Der Kuckucksjunge einen hochspannenden, intelligent konstruierten Thriller, der sowohl Fans des Autors als auch Leserinnen und Leser anspruchsvoller skandinavischer Kriminalliteratur überzeugen dürfte.

Bewertung vom 05.12.2025
Siebold, Henrik

Die Tokio-Detektive: Yoshi und Ben ermitteln


ausgezeichnet

Spannendes Detektivabenteuer in Tokio für junge Leser
Die Tokio-Detektive: Yoshi und Ben ermitteln ist ein spannendes Kinderbuch, das einen sofort mit seiner energiegeladenen Atmosphäre fesselt. Schon auf den ersten Seiten gelingt es der Autorin, Tokio als pulsierende Stadt lebendig werden zu lassen mit farbenreichen Märkten, enge Seitengassen, moderne Hochhäuser und traditionelle Tempeln.
Yoshi und Ben sind zwei sympathische und neugierige Jungen, deren Freundschaft und Mut die Geschichte tragen. Besonders ansprechend ist, wie unterschiedlich die beiden denken und handeln.
Während Yoshi eher überlegt und analytisch herangeht, reagiert Ben spontan und abenteuerlustig. Gerade diese Gegensätze sorgen für humorvolle, aber auch spannende Situationen.
Der Fall selbst entwickelt sich schrittweise und bleibt stets altersgerecht, ohne an Spannung einzubüßen. Hinweise, Rätsel und kleinere falsche Fährten machen das Miträtseln attraktiv. Gleichzeitig vermittelt das Buch interessante Einblicke in die Kultur und Alltagswelt Japans, ohne belehrend zu wirken. Die Sprache ist flüssig, klar und gut zugänglich, sodass man schnell in die Geschichte eintaucht.